Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zweites Blatt
M. (4
Samstag. 17. Januar (920
Tas Turnen soll
ein neutrales Gebiet für alle
Deutschen werden, der Sammelruf geht deshalb
611 '
(Nachdruck verboten.)
Fortsetzung 28
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ohne Unterschied der Partei, die Grundlage unserer Volk^-
an alle Vereine Leibesübung muß
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traft werden. Ter Vortrag erntete lebhaften Bei- fall. Daran schlossen sich zahlreiche sehr gute Lichtbilder, die im Fluge durch alle Gebiete der Leibesübung, des Turnens und Sportes führten. Wiederholt äußerten die Zuschauer ihren Beifall
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„Du nutzest es schlecht aus. Was fall werden, wenn deine Frau zu sich kommt und nicht bleiben will? Sie wird dir wiederum davonlaufen und der Skandal wird noch größer werden."
Peters Antlitz, das heute ganz grau war, wurde um einen Schein faUer.
„Na, ich werde es ihr schon zeigen. Ist das Kind erst da, so kann sie laufen, wohin sie will."
vielleicht tötest du durch deinen Starrsinn dein eigenes Kind. Peter, sei vernünftig. Versuche es in Güte."
„In Güte! Sxittc EstrK sie für mich Übrig? Ist es meine Schuld, daß id) jetzt von allen auf der Insel verlacht werde, wie ein Narr, mrr well ich ihr unbegrenzt vertrautes
Peter schüttelte wild die Fäuste. Dann fuhr er sich durch das ihm wirr in die Sttrn hängende, rötliche Haar.
„Meine Güte hat sie nicht gewollt, meine Liebe hat sie verlacht, nun will ich ihr zeigen, daß ich ihr Herr bin, bis der Erbe des Gotteskooges da ist. Daran soll niemand rühren, auch du nicht, Bent."
„Wenn du meinst, daß du es vor dir selbst verantworten kannst, Bruder, du mußt es ja Kissen.
„Im übrigen wollte ich dir mitteilen, daß ich demnächst crur See gehe."
Peter fuhr auf.
„Das wäre! Du wolltest voch den Sinter über hier bleiben. Du warst so lange nicht daheim, Bent," bat Peter mit ehrlich besorgtem Gesicht.
(Forsetzung folgt.)
Geegespenster.
Roman von Anny Wothe.
Amerikanisches Copyright 1918 by Amy Wothe-Mihn, Leipzig
Turnen.
** Uebec Turnen und Sport. Tie stark besuchte Versammlung in der Aula wurde am Mittwoch abend von Professor Tr. Mitter- nreier namens der Gießener Turn- und Sportvereine eröffnet. Nach Drr^em Hinweis auf die hohe Bedeutung des Turnens und Sportes für die Wiedergesundung unseres Volkes erteilte er
Büchcrtisch.
— „Der Wahrheit eine ©affe". Eine- Abrechnung mit dem Judentum und seinen Helfern von Pros. Dr. Ferd. Werner (Teui.cher Volks- Verlag München).
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nicht um die Welt hätte die Frau zurück in den Gotteskoog gewollt."
„Es ist gut, Akke, ich danke dir," sagte der hntge Mann, bet Alten die Hand reichend, tae in cf' mit ihren dünnen Fingern fest umschloß. ,Lch will versuchen, mit meinem Bruder zu reden."
„Herr Bent," flüsterte die Alte^ „ich habe solche Angst um Herrn Peter. Wie Starben und Graff sieht er aus, seit er die Frau heinrbrachte. Sprechen kann man nicht mit ihm. Ich meine," fuhr sie mit einem heimlich forschenden Blick aus den Kapitän fort, „Oer Herr sollte die Frau, die nicht in den Gotteskoog paßt und gar nichts von ibm wissen will, einfach lassen, wenn es nicht ein Unglück geben soll."
„Das verstehst du nicht, Akte. Mein Bruder denkt wohl mehr an sein Kind, das er nicht lasset! will, als an die Fvau. Nun geh und sage meinem Brüder, daß ich zurück bin und daß ich mit ihm tflcn möchte."
Alle hinkte bereitwillig davon. Merkwürdig, sie hatte eigentlich eine andere Wirkung von ihrer Mitteilung erwartet. Empört hätte der Jung fern müssen, die Frau wieder da war, bte heimlich cu3rüdIteT^ptb er hätte daran denken müssen, mit Peter BorkM^cinzuwirken, daß sie für immer aus ixm Hause
Natürlich hatte die „Fru" lxrhext. Akte machte eine Faust. Nur sie allein dÄMchoute das schöne, falsche Geschöpf uub wußte, nÄL tocrt- war.
_ Dkke schlich brummend in die Küche, wv^^ke Wedderken am Herd stand und eine ÄtrüifienfiP^ kvclste. i
„Das ist meine Sache," schnob Akke Esrrio^
4. Die Bereinigten Staaten behalten sich ausschließlich das Recht vor, zu entscheiden, welche Fragen unter ihre interne Gerichtsbarkeit fallen, hnb erklären, daß alle internen oder solche politischen Fragen, die sich ganz ober teilweise auf ihre inneren Angelegenheiten beziehen, als da sind Auswanderung, .Arbeitsrecht, Küstenfchiffahrt, Zolltarif, Handel, Unterdrückung des Mädchen - und Kinderhandels, Handel mit Opium und anderen gefährlichen Stoffen, und alle anderen internen Fragen, ausschließlich unter die Gerichtsbarkeit der Vereinigten Staaten fallen und auf keine Weise nut Grund des Friedens Vertrages der richterlichen Entscheidung ober Prüfung durch den Rat ober die Versammlung der Gesellschaft der Nationen oder irgendeines von ihr abhängigen Organs oder der Entscheidung oder Einmischung einer anderen Macht unterworfen werden dürfen.
5. Die Vereinigten Staaten werden dem Urteil oder der Untersuchung der Versammlung oder des Rats der Gesellschaft der Nationen, wie ber ge- jnannte Vertrag sie vorsieht, keinerlei Frage unter» stellen, die nach ihrer Meinung einen Teil oder eine Folge ihrer tradittonellen, gemeinhin unter dem Namm der Monroedoktrin bekannten Politik bildet; die genannte Doktrin darf nur durch die Vereinigten Staaten allein ausgelegt toerben, tund es wird hier erllärt, daß sie bet Gerichtsbar- feit ber erwähnten Gesellschaft ber Nationen ganz entzogen bleibt und durch die Bestimmungen des genannten Friedensvertrages mit Deutschland nicht betroffen werden kann.
6. Die Bereinigten Staaten verweigern ihre Zustimmung zu den Artikeln 156, 157 und 158 amb behalten sich ihre volle Bewegungsfreiheit betreffs jeder möglick^n aus diesen Arttkeln sich er» gebenben Unstimmigkeit zwischen der chinesischen Republik und dem Kaiserreich Japan vor.
7. Der Kongreß der Bereinigten Staaten wird durch Gesetz der Designierung der Vertreter ber Vereinigten Staaten bei ber Versammlung und dem Rate des Völkerbundes vornehmen und bewa hr t
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Mniltki en zu einer ,amMittwochden ^mittags 2 Uhr Cckfsrl) tinatlaben.
Der Vorstand
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. Jan., nachm. 2^/r Uhr, Heinrich Ziegler.
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kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemcinde.
Sonntag den 18. Jan., 2. Sonntag n. Eptph.
Gottesdienst. In b. Stadillrche fälll b. Gottesdienst weg. Kohlen mangel aus. — Montag d. 19. Jan., abds. V28 Ul/r: Bereinig, b konfirm. männl. Jugend b. Matthäusgem. — Dom^rstag, b. 22. Jan., aüds. ‘-»S: Bereinig, d konfirm. weiA. Jugend b. Matthäusgem. — In b. Jo- banneskicche. Barm. 9V-: Pfr. Bechtolslieimer. 11? SYntbertirdje s. d. Lukasgem.: Pfr. Bechtolsl-eimer. Abds. 5: Pfr. Ausfeld. — Montag b. 19. Jan., abds. V28: Bereinig, b. konfirm, männl. Jugend b. Lulasgem. — Sonntag, 18. Jan., norm. 10: .Kirchberg. Nachmitt. V/g: Mainzlar. — Wieseck. 8/<10: Hauptgottesdienst. 11: Kinberkirche. 7; ALendgottcsoienst.
Katholische Gemeinde.
Samstag, 17. Jan., nachm. 5 u abds. 8 Uhr: Gelegenh. z. hl. Beichte. — Sonntag, 18. Jan. 2. Sonntag n. Erschein. Bonn. 6', -: Gelegenh. z. ist. Beichte. 7: .Hl. Mesie. Gemeinsch. Kommun, b. Jungfrauen. 8: Austeil. b. hl. Kommunion. 9: Hockxnnt m. Pr. 11: Hl. Messe m. Pr. Nachm. 41/2: Jungfrauen-Kongregation. 5* z2: Christenl.; bar. sakramental. Bruder,ch.-Anb.icht. — Dienstag norm. 10: Festgottes, ienst anläßl. b. Publi- kationsfestes des katt-olisll'en Studcnnnnenvernns „Helmgard". — Di :spora-Gottesdienst am 18. Ja-- nuar. In Hungen 9, in Lich 9 Uhr.
Vie ameritanischen Vorbehalte.
Die deutsche Presse hat bisher noch nichts d«' vollständigen Text ber vom amerikanischen &enat beschlossenen Vorbehalte gebracht. Wir geben ihn tm solgenden nach den Mitteilungen der „Temps :
Es wird beschlossen:
Der Senat heißt die Ratifizierung des am 28. Juni 1919 in Versailles abgeschlossenen Fne- densVertrages gut und stimmt ihr zu unter der Bedingung ber folgenden Vorbehalte und Auslegungen, die integrierenden Tell und Voraus- setzung des Ratifizierungsbeschlulses bilden, welck)c Rattfizierung nicht früher wirksam werden ober die Vereinigten Staaten binden soll, als bis bte genannten, vom Senat beschlossenen Vorbehalte und Auslegungen durch minbest.ns drei von den Vier alliierten und assoziierten Großmächten nämlich Großbritannien, Frankreich, Italien und Man, laut Notenwechsel als integrieren der Teil und Voraus etzung des erwähnten Rati,rzierungstL,ck>lui,es aner bannt worden sind:
1 Die Vereinigten Staaten verstehen intb erläutern Artikel 1 wie folgt: im Falle der Notifizierung ihres Austritts aus bem Völkerbund, wie ihn der genannte Artikel vorsieht, sind die Vereinigten Staaten allein Richter darüber, ob alle ihre internationalen Verpslichtungen und alle Verpflichtungen, die ihnen der genannte Vertrag auferlegt, erfüllt wovden sind; die Notifizierung des Austritts der Vereinigten Staaten hat durch Simultanbeschluß beider Häuser des Kongresses der Bereinigten Staaten zu erfolgen.
2. Die Bereinigten Staaten übernehmen keinerlei Verpflichtung, auf Grund der Bestimmungen von Artikel 10 die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit irgendeines anderen Landes zu verteidigen, noch sich in Konflikte zwrsdxm Nationen — seien sie nun Mitglieder des Völkerbwrdes ober nicht — zu mischen, noch auf Grunb irgenb- eines Artikels des Friebensvertrages bie militärischen und Seestreitkräfte der Vereinigten Staaten M irgendeinem Zwecke zu verwenden, mit Ausnahme von befonberan Fällen, in denen dem Kongreß auf Grund der Verfassung die ausschließliche Macht zusteht, Krieg zu etnären oder die Verwendung ber militärischen und Seestreitkräste der Bereinigten Staaten zu gestatten, ivelches durch Kongreßakte ober gemeinsamen Beschluß beider Hauser festgelegt werden soll.
3. Die Vereinigten Staaten werden kein Mandat annehmen auf Grund ixm Artikel 22, erster Teil, oder irgendeiner anderen Bestimmung des Friebensvertrages mit Dcutschlanb, ohne bezügliche Entscheidung des Kongresses der Vereinigten Staaten.
’sung.
Qönuat 1920
Mutter an, ihr den KocAöffel aus der Hand windend.
„Erlaubt," gab Wibke ruhig zurück, „es ist mein Kind, das ich pflege, und Ihr so wenig wie ein anderer soll mich daran hindern."
Gelassen goß sie die Suppe in eine Schüssel und schritt zur Tür.
Akte war wütend. Das fehlte auch noch, baß sich bie Webderkens hier breit machten. Vom ersten Tage an hatte sie es gewußt, baß die „Fru" keine Herrin für den Gotteskoog joar. Unb nun, da sie glücklich fort war, kam sie wieder imb mit ihr bte ganze Sippschaft
Von Sinn unb Verstand mußte Peter Bonken sein, daß er fo was litt.
(Sine Weile später saßen sich die beiden Brüder in bem dämmrigen Wohn gemach gegenüber. Schweigend wurde die Abendmahlzeit eingenommen. Schweigend brachte ihnen Alle,- nachdem sie den Tisch abgeräumt, bie Pseisen. Aber bei beiden wollte sie nicht recht brennen.
Totenstill war es im Hause, baß man den Holzwurm in dem alten Eckfchrank ticken hörte.
Bent buchte daran, wie fein Vater gesagt: bas wäre der Totemvurm.
Bent kam es vor, als horche der Bruüer zuweilen gespannt hinaus auf irgend etwas, doch alles blieb still im Hause. „Du weißt," begann Peter, sich zum Vierten Male die Pfeife anzündend, „was sich inzwischen begeben hat?"
„Alle hat es mir gesagt."
„Du bllligst es nicht, Bent?"
„Nein, Peter, Gewalt? Ich finde es roh." „Gewall gehr oft vor Recht. Ich habe nicht bloß die Gewalt, sondern auch bajä Recht."
dem Redner des Abends, dem Generalsekretär besü Deutschen Reichsausschussee für Leivesübungen, T ie m, das Wort, der in fehr «inidyaulttbcr Weise ein Bild oer Entwicklung der Leibesubnng in Deutschland gab. Mit Beginn des 19 Jahrhunderts wurde in Deutschland der erste Kenn' zur Turntunst gelegt, erst nack» 1870 erfolgte der Aufsö^vung. Tie Blüte ber Sportvereine begann um 1890, als sie sich zu einem grofeen Verbände zuiammeuschlossen. Gerade Turnerci und Sparr haben im Kriege c4»? größten Verluste gehabt, denn bie Auslese des Todes bestand aus den körper^ lich unb sittlich roertlx'UiLfn Güedern des Volks- körpcrs: so ist unser Volk biZ ins Mark getroffen. Tarum gilt es, wieder mit aller ausbauen. Ter Reichsausschuß lat sich zur Aufgabe gemacht, Turnlehrer und Vorturner auszulttlden unb öiiei- Plätze zu beschrfsen. Die Sckuliu-end sott lese« Tag eine Turnstunde Imbat. Em Jugendgesetz soll bie Jugend verpflichten, vom 14. Le.ous ahre bis zur MLidigleit sich körperlich zu ertüddigen. Da die Ge-ildeten auch künftig die Fülwer bc=> Volles sein ro.Tben, so müßen sic auch körperlich tücdttg sein. Es ist befd)Ioffen worden, eine freie deutt'che Hochschule für L<ixsÜbung zu gründen unb sie am 15. Mai 1920 in Berlin ins lieben zu rufen. Von diesem Zentrum aus sollen im Reich Lcbr- knrse errichtet und Lehrer und Fülwer ausgebildet werden. Ettva 2 Millionen svld-er Männer müssen im Laufe der Jahre ausgebildet weiden. Dis dringende Bedürfnis der Spielplätze soll durch ein Gesetz geregelt werden, Reich, Land und Gemeinden müssen bie Mittel aufbringen. Im Programm der Turn- und Sportbewegung heben 3ugmi> und Allerswettlämpsc, dec Fünferkamps um daS bronzene, silberne und golbeue Sportabzeichm. Das Frauenturnen ist nicht minder wichtig.
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„Nun schieß mal los, alte Seele. Ist viel- fcidX einer gestorben?"'
,^$tel schlimmer, Herr Bent."
„Nanu, schlimmer? Das gibt es za gar nicht "
„Die Frau ist wieder da."
„Die A-rou?"
Bent sprang erschreckt von der Sofaecke, auf der er sich niedergelassen, auf und starrte die alte Fricsenfrau an, benm sonst tadelli/e weiße H.rulw ihr heute ganz zerknittert ums Gesicht hing.
„Wie ist denn bas möglich?," fragte er, „ich denke, sie ist todkrank?"
„Ist sic auch, der Herr hat sie geholt, gegen ihren Wülen. Mutter Wibke hat es nicht gewollt, aber Petei- Bon len kam mit bem Arzt unb bestand darauf, seine kranke Frau in den Gotteskoog zu schaffen. Da konnte Wibke Wedderkei- nichts ausrichten, sie mußte bie Fran ziehen lassen. Ach, du leiwer Gott," fuhr Akke, die Hände ringend, fort, „wat is doch allens ut Rand int Band. De Fru bet feen Not," schloß sie, „denn se liggr still da mit traurigem Mund. Schurig is bot. wenn se ernt anguckt, als wüllt sc wat oertriln."
„Sie ist nicht bei Bewußtsein?" fragte Bent tief erregt.
„Gott fei Tank nicht," antwortete Alke wieder ms Hochdeutsche verfallend, „denn Wibke Webber ken, bie mit gekommen — ste hat es sich nicht -rehmen lafKn, die Frau zu pflegen — mein re,
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^wirb»rm^^vie
ft<Ö bas Recht, über die Teilnahme ber Vereinigten Staaten an jeber Kommisfion, jedem Komitee, Tribunal, Gericht, Rat ober jeder Konferenz zu entfcheiden oocr sich bei der Wahl irgendeines ihrer Mitglieder zu beteiligen oder Mitglieder dieser Kommissionen, Komitees, Tribunale, Gerichtshöfe, Räte ober Konferenzen ober aller an bereit Vertreter nach ben Be- tzAmmungen bes Friebensvertrages selbst zu ernennen ober diese Bestimmungen in Krast zu setzen: und bevor diese Teilnahme und die Designierung dieser Vertreter nicht gesetzlich beschlossen und ihre Rechte und Pflichten festgelegt worden sind, wird niemand befugt fein, die Bereinigten Staaten, fei cs für den Völkerbund, sei es für den Friedens- Vertrag mit Deutschland zu vertreten, noch für sie oder im Namen der Bereinigten Staaten zu handeln, und Fein Bürger der Vereinigten Staaten, "wird als Mitglied der genannten Kommissionen, Komitees, Gerichte, Räte ober Konferenzen gewählt ober ernannt werden, außer mit Zustimmung des Senats der Vereinigten Staaten.
8. Die Vereinigten Staaten setzen voraus, daß die Wiebergutmachungs-Kommission bi Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland oder aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten nur bann regeln ober in sie eingreifen wirb, wenn bie Vereinigten Staaten bnrch Kongreßakte ober gemeinsamen Beschluß beider Häuser diese Regelung ober bieses Eingreifen gutheißen.
9. Die Vereinigten Staaten werben nicht gehalten sein, zu irgendwelchen Auslagen bei Gesell 1 chaft ber Nationen oder des S- kretariats ober jeber anderen mit ihr verknüpften Kommission, Zdomitees, Konferenz ober sonstigen Organs beizutragen, außer nack; dein Zeitpunkt unt in dem Maße, in welc^mt ein Kredit für diese Auslagen vom Kongreß der Vereins gt en Staaten beschlossen worben ist.
10. Wenn die Vereinigten Staaten in ein'M gegebenen Augenblicr ein Programm der Rüstungsbeschränkung anne^nten millsen, nie cs nach den Bestimmmigen von fÄrtiüel 8 durch den Rat des Völkerbundes vorgeschlagen werben kann, behalten sie bas Recht, tvje Rüstungen ohne bie Zustimmung bes Rates jebesmal dann zu erhöhen, wenn die Bereinigten Staaten Von ein.'r Invasion b € b r 0 I) t ober in einen Krieg verwickelt sind.
11. Die Vereinigten Staaten behalten sich das Recht Vor, nach ihrem Gutdünken oie Angehörigen eines Staates, ber im Sinne des Artikels 16 des Bölkerbimdsverträges vertragsbrüchig geworden ist, wenn sie in ben Bereinigten Staaten ober in anberen als den in Artikel 16 bezeichneten Ländern ihren Wohnsitz haben, zu ermächtigen, ihre Handels-, Finanz- und persönlichen Beziehungen mit ben Angehörigen ber Vereinigten S taaten aufrecht-uerhalten.
12. Kein Punkt in den Artikeln 296 unb 297 ober in beten Anhängen ober in irgendeinem anderen Artikel, Teil oder Anl-ang des Friedens- Vertrages mit Deutichland darf gegen die Bürger ber Bereinigten Staaten als Bestätigimg, Unterzeichnung oder Gukl-eißung einer sonst ungeietz- licben ober im Widerspruch mit den Rechten der Bürger der Bereinigten Staaten stehenden Handlung gellend gemacht werden.
13. Die Vereinigten Staaten verweigern ihre Zustimmung zu Teil 13 (Artikel 387 bis einfd^iefelid) 427), vorbehaltlich einer durch Akte ober gemeinsamen Beschluß beider Häuser zu täLenben Kongreßentschei^ung zugunsten ber Vertretung in der burch ben erwähnten Teil 13 vorgesehenen Organisationen, in welchem Falle die Teilnahme der Bereinigten Staaten durch die in dieser Akte ober gemeinsamen Entschließung fest gelegten Bestimmungen bedungen unb geregelt werden wird.
14. Die Bereinigten Staaten werden f.'ine Wahl, Entscheidung, Feinen Bericht ober Beschluß des Rates ober der Versammlung als für sie bindend anerlßitnen, worin ein Mitgliedsstaat des Völlerbundes und die von ihm abhängigen Dominions, Kolonien oder Reichsglieder gleichzeitig mehr als eine Stimme abgegeben haben. Ebensowenig erkennen sie eine Ent,ch:idung, Wahl, Bericht oder Beschluß des Rates aber ber Versammlung über eine Streitfrage zwischen d n B>r- einigten Staaten und jedem anderen Mitgliedsstaat des Völkerbundes für sich als bindend an, wenn dieser Staat ober ehre mit ihm politisch verbundene Kolonie, Dominion ober Reich oder Reichsteil eine Stimme abgegeben habm. (Diese Vorsicht und dieser Vorbehalt gegenüber England sind ganz besonders bemerkenswert^
Sur Lisendahnerdewegung.
Wir erhalten folgence Zuschrift:
„Wollen die Eisenbahner sckon nnebet streiken?" so wurde ich im Laufe der letzten Tage von ängstlichen Gemütern gefragt Zu ihrer Beruhigung kann gesagt werden, daß die Leitungen der drei größten Eisenbahneroerbänbe, rabifaler wie gemäßigter Richtung, sich mit aller Entsch!cdenlxit gegen einen Streik ausgesprochen haben. Wenn Teilstreiks hie unb ba ausstammen, so sind sie meistens auf bas Konto politisch rabifaler Elcmeme zu setzen, bie auch bie volle Verantwortung bafür zu tragen haben. Die überwiegende Düehrheit der Eisenbahner hat aus ben Erfahrungen bes letzten Jahres sdwn etwas geL-rnt Sie ist sich ihrer Verantwortlichkeit gegenüber ber Mlgemeinheit voll bewußt unb weitz, welche verheerenden Folgen ein Generalstreik für unsere gesamte Volkswirtfchast haben müßte, unter benen sie boch ebenso zu leiben hätte, wie bie anberen Bürger.
lieber bie Eisenbcchnerlöhue unb Gehälter in Gießen hat schon ber Schriftsührar bes Gr'wcrk- schastsbiinbes beutscher Eisenbahnbeamten, M'ollege Wittkopp, in ber Monlagsnunimer bie nötigen Ausführungen gemacht. Nur noch einige Ergänzungen. Welcl>e krasseii Unterschiebe bie Löhne ber Eisenbahner gegenüber ber Pn'vatinbustrie aufiveiien, zeigt folgeiibe Aufstellung eines Kölner Beruss- Eo liegen.
Der höchftgelöhnte Eisenbahnhanbwcrker in 'Köln hat 2.40 Mf. Stundend)hn — 1920 Ml. Taglohn und 115 20 Mk. Wochenlohn. Dagegen erhält ber höchstgelöhnte Metallarbiter in Köln 3.80 Mk. Stimben- — 39.40 Tage- unb 182.40 Mark Dochenlohn, also ein Unterschieb von 67.20 Mark pro Woche. Dies zur Illustrierung bet hohen Eisenbahnerlöhne. Im Solinger Jnbustrie- bezirk würbe von ber englischm Besatzungsbehörbe im Verein mit sieben Gewerkschaftsbeamten unt> drei Hausfrauen sestgcst.llt, baß eine vierköpfigL Familie heute 240 Mark pro Woche nötig habe zum Leben.
Vergleicht man bamit ben höchsten Wochcn- lohn eines Gießrner Eisenbahnhandwerkers mit 91.20 Mk, wovon noch 4 bis 5 Mk. an Beiträgen für die verschiebenen Kassen in Abzug gebracht werben, so sinb wir wahrlich nicht unbescheiben zu nennen, wenn wir angesichts ber täglich fteigenben Preise eine mäßige Erhöhung bet Löhne fordern, die nicht im entferntesdm an das oben angeführte Existenzminimum von 240 Mk. heranreicht.
Von gewisser Seite werden immer roieber gleichlauteiche, bas Publikum incfülnxmbe Mitteilungen in bie Presse lanzicrt, auf bie der Durchschnittsbürger jedesmal ^heveinfällt. Während es diesmal die ungerechtf-rtigt hohen Löhne der Eisenbahner sein sollen, war vor ein paar Monaten die Faulheit der Eisenbahner an dem ganzen Ver- kehrselend schuld. Stürmiich wurde damals die A b- schaffung des Achtstundentages und die Wiedereinführung der Akkordarbeit gefordert. Keines von beiben ist gesclichen, unb trotz- bem ist statistisch nachgewiesen, baß bte Arbeitsleistungen in ben Eisenlxrhnwerkstätten in ben letzten ptionaten um mehr als 40 Prozent gestiegen sinb. Auch bie Privatwerkstätten bringen allmonat- lick) einige 30 neue Lokomotiven in den Betrieb hinein, und es besteht die begründete Aussicht, daß die Verkehrsverhältnisse nach einem Jahr besser sind als 'beute, vorausgesetzt, daß inzwischen auch die Kvhleiiproduftion besser gcwortxm ist.
Diese Aussicht hat, nebenbei bemerkt, noch einen politischen Anstrich. Sollte inzwischen, je nach dem Ausfall der Wahlen, eine reaktionäre R»^- , sgiernng ans Ruder gelangen, \p loürde diese die erst später in die Erscheinung tretende Verbesserung dann fetbftverftänblid) auf i h r Konto schreiben und der Durch!'mittsbürger würde wieder prompt darauf hereinsallen.
Nun zu den Eisenbahnern zurück. Eine vollständige Beruhigung ber Eisenbahn, r wirb erst bann eintreten, wenn bet alte gehcimrätliche Geist, bte Politik des Hinhaltens und der Berschleppuirg, mit der von Berlin aus versucht wird, die Eisenbahner wieder zu regieren, vollständig verschwindet.
Der Eisenbahnminister muß sich eins wissen mit seinem riesigen Personal und eine wirklich demokrattsche Behandlung an Stelle des alten Systems setzen, dann wird eine allmähliche Gesundung unserer Eisenbahnverhältnisse eintreten.
Andr. Erhard,
Vorsitzender bes Allgem. Eisenb.-Berhanbes (Ortsgruppe Gießen) ,
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1 VMM berjW Erscheinen erwünscht.
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