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Der Erfolg der frankfurter Meffe.

Frankfurt a. M., 11. Mai. (WTB.) Uv der heutigen Stadtverordnetenfitzung wurde mit» geteilt, daß nach vorläusigen Abschätzungen die soeben beendete Meile internationale Messe mit einem beträchtlichen Ueberschuß ab- schließt, so daß die Metzgesellschaft in »der Lage ist, die Zinsen und die erste Tilgungsrate für das bei der Stadt entnommene Darlehen zu den Messedauten usw. entrichten kann. Die Versamm­lung nahm sodann einen Antrag an, in dem es heißt: Die Bersammlimg erwartet, daß die Rrichs- regterung der kulturellen und wirtschaftlichen Be­deutung der Frankfurter Messe Rechnung trägt und daß sie dieses Unternehmen, das die Stadt Frankfurt in gefährdeter Lage ins Leben gerufen hat, auch finanziell unterstützt, damit die Frank­furter Messe ihre Aufgabe als Bollwerk Kut­scher Kultur und Wirtschaft am Besten zu er­füllen in der Lage ist. Der Magistrat wird von der Stadtverordnetenversammlung ersucht, diesen Standpunkt bei der Reichsregierung zur Geltung zu bringen.

ein Ende zu bereiten.

Tas Landtagsplenum nahm hierauf das Wahlgesetz für die bayrischen Land-- tagswahlen in erster und zweiter Lesung end­gültig an. Tas Haus beschloß sodann einstimmig, die Regierung zu ermächtigen, die Neuwahlen zum Landtag a m 6. Juni anzuvrdnen.

Wahlergebnisse in Westpreußen.

G randen z, 11. Mai. (Wolff.) Teutsch- polnischer Pressedienst. Nach dem amtlichen pol­nischen Wahlergebnis nnirbrn im Wahlkreis Gra u- den z 7 Polen und 4 Deutsche gewählt. Aus die Liste 2 '^Vereinigung des deutschen Bolks-- tum§\ enfaren 4 Abgeordnete. Von den pol­nischen Parteien erhielten die nationale Arbeiter­partei, Liste 1, fünf Abgeordnete, der nationale Dolksverband, Liste 3, zwei ^lbgeordnete. Hinter der Liste 2 lBereinigimg des deutschen VvlksMmS) neben 82 Prozmt der deutschen Stimmen. Die Liste 4 (deutsche Arbeitsgemeinschaft) konnte Teui Mandat erringen.

Zusammenschluß der politischen Parteien in Oberschlesien.

B e r l i n, 11. Mai. InOpveln schlos­sen sich sämtliche politischen Par­teien, einschließlich der Unabhängigen, fer­ner die freien und christlichen Gewerkschaf­ten, die Angestelltenverbände und die Organi­sationen der Kriegsbeschädigten und Kriegs­teilnehmer -zu einer Kreisgruppe des deutschen Abstimmungsgebietes zusammen.

Die Absplitterung der Zentrumspartei.

Berlin, 11. Mai. Die im Rheinland eingeleitete Absplitterung von der Zentrumspartei wird, wie derLokal- anz." aus Fulda hört, vom Papst entschieden mißbilligt. Der Erzbischof Don Köln sei zur Verständigung und Warnung der Gläubigen veranlaßt worden.

Haftentlassungen.

Berlin, 11. Mai. Wie derLokalan­zeiger" Meldet, sind in der Provinz Sachsen auf Ersuchen des Oberpräsidenten unb Re­gierungskommissars Hörsing alle anläßlich der M ä r z u n r u h c n Verhafteten, so­weit sie nicht wegen gemeiner Verbrechen fest­gesetzt worden waren, derHaftentlas- s e n worden.

Sympathiekundgebungen für Sowjet- rußland.

Berlin., 11. Mai. (WTB.) Die unab­hängige sozialdemokratische Partei und die kommunistische Partei Deutschlands veranstalteten nachmittags im Lustgarten eine Kundgebung, die sich gegen die neue inter­nationale Verschwörung gegen Sowjetruß-

land richten sollte. Der frühere Abgeordnete Ledebour protestierte gegen die angeblichen reaktionären Machenschaften, die von ver­schiedenen Ländern gegen Sowjetrußland un­ternommen würden. Er wandte sich auf das Schärfste gegen die Bekämpfung Rußlands und schloß mit den Worten: Die Erde muß frei werden für die soziale Weltrevolution! Die Versammlung löste sich unter Hochrufen auf Sowjetrußland auf.

Eine neue Pastagier-Dampferlinie.

Bremen, 12.Mai. (WTB.) Der Nord­deutsche Lloyd hat beschlossen, im An­schluß an die Eisenbahnverbindung Stettin Swinemünde eine regelmäßige Passagier­dampferlinie Swine mundeZoppotDanzig und umgekehrt einzurichten. In beiden Rich? tungen ist wöchentlich zweimalige Verbindung vorgesehen, und zwar Mittwochs und Sams­tags ab Swinemünde und Montags und Donnerstags ab Danzig. Die Benutzung des Seewegs SwinemündeDanzig sichert eine völlig ungestörte Reisemöglichkeit ohne jeg­liche Paß- und Zollschwierigkeiten.

haben. Derjenige .welcher bon diesem Entgcgew- 'flommen Gebrauch zu machen wünscht, tut gut, vor Antritt seiner Badereise eine amtliche Be­scheinigung über sein letztes Jahreseinkommen und die darauf ruhenden Saften, wie Anzahl der crric^hungSpftichrigen Kinder ober unterstützungs­bedürftigen Eltern u. a. m. beizubringen.

Aufhebung des Leseholzverbotes.

Die Leseholznutzung in den Monaten Mai und Juni ist auch in Gießen wieder zu gelassen, nachdem das Ministerium eine «entsprechende Bekanntmachung erlassen hat. Die kL^schränkung der Äeseholztage auf den Mittwoch jeder- Woche und die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bfeibt dagegen nach wie vor be­stehen. Ebenso muß jeder Holzsammler eine von der Bürgermeisterei ausgestellte Holzlesekarte stän­dig bei sich führen. Hierbei sei zu bemerken, daß in der letzten Stadtverordu-etensitzung eigentlich kein offizieller Beschluß über Erlaß eines Leseholz- Verbots in den Monaten Mai und Juni gefaßt worden ist. Vom Beigeordneten Dr. Rosenberg wurde lediglich auf eine noch immer geltende lan- desgesetzlic^ Bestimmung hingewiesm, die das

Ans StaM «nv Land.

Gießen, ben 12. Mai 192O<

Die Sterblichkeit der Kleinkinder in Hessen.

Wenn man von zunehmender Kindersterblich­keit während des Krieges spricht, so denkt man in erster Linie andieSäuglingssterblichkeit. Tie Statistik lehrt aber, daß gerade die Sterblich­keit der Kinder im ersten Lebensjahr während des Krieges sich nicht erhöht hat, während sich die SterblichkcitSverhältnisa der Kinder im 2. bis 5. Lebensjahr von Jahr zu Jahr ungünstiger ge­staltet haben. Im Tuulffchnitt der drei Jahre 1911/13 starben in Hessen von je 1000 Lebend- geborenen 104 Kinder im 1. Lebensjahr. Tre Sterbeziffern der vier Jahre 1914/15 bis 1917/18 sind: 109 101 101 107. Die Säuglings- «terbsichkeit ist also im Kriege fast unverändert geblieben. Dagegen starben im Jahre 1917/18 yon je 1000 Kindern im 2. Lebensjahr 33,5 (gegen 23,7 im Durchschnitt der Jahre 1911/13), im 3. Lebensjahr 15,7 (gegen 8,4), im 4. Lebensiahr 9,6 (gegen 5,5), im 5. Lebensjahr 6,7 (gegen 41). Tie Sterblichkeit erhöhte sich al,o im Kriege (bis zum Jahre 1917/18) bei den Kleinkindern um 41 Prozent im 2. Lebensjahr, um 87 Prozent im 3. Lebensjahr, um 75 Prozent im 4. Lebenchahr und um 63 Prozent im 5. Lebensjahr.

Badereifen für Minderbemittelte.

4u> dem Ueicbc.

Gegen die farbigen Befatzungstruppen.

M ünchen, 11. Mai. (WTB.) Im bayrischen Landtag wurde heute ein Antrag der Frauen des Landtages einstimmig angenom­men, durch welchen die Staatsregierung ersucht ivird, .bei der Reichsregierung dahin tu wivken, daß versucht werde, von der Gntentc die Zurück­ziehung der farbigen Besatzungs­truppen zu verlangen, weil die von diesen ver­übten Sittlichkeitsverbrechen an deut­schen Frauen und Mädchen eine bleibende Schmach für die ganze weiße Rasse bilden. Mrnistcrpräsi- dent Tr. von Kahr erklärte dabei, drß auch die bayrische Regierung tief die brennende Schmach empftnde, die mit der Verwendung farbiger Trup­pen auf deutschem Boden uns wie der getarnten weißen Rasse angetan werde. Tie bayrische Re­gierung erachte es als ihre 'heilige Pflicht, nichts unverslicht zu lassen, was dem entgegenwirken könne und hat deshalb den auch heute in Berlin als Vertreter des Ministerpräsidenten anwesenden Justizminister ersucht, bei der Neirbsnegierung zu verlangen, daß sie nicht nur nachdrücklichst Protest gegen die Anwesenheit schwarzer Truppen in dm besetzten Gebieten erhebe, sondern daß sie auch bei den bevorstehenden Verhandlungen mit den Vertretern der Entente alles tue, um dem un­würdigen, tief 'verletzenden und die größte Ge­fahren in sich bergenden gegenwärtigen Zustande

genommen.

Die Ordnung auf der Straße.

Es ist verboten: Blumenstöcke, Blumen­bretter und andere Gegenstände auf Ballonen, vor Fenstern usw. ohne genügende Befestigung auf­zustellen, so daß durch das Herabfallen oder Um­stürzen Personen beschädigt werden können; Tep­piche, Betten, Abputztücher usw. aus den Fenstern heraus auf die Straße auszmchütteln, so daß Personen belästigt oder verunreinigt werden können. Die Polizeibeamten sind angewiesen. Zu Widerhandlungen zur Anzeige zu bringen, worauf Bestrafung gemäß § 3668 Reichs-Straf-Gesetzbuch erfolgen wird.

Die M äusburg und Mar.kstraße dür­fen mit Kraftfahrzeugen nicht befahren werden. . Ter Durchgangsverkehr mit Kraftfahrzeugen ist verboten in den innerhalb der Anlagen gelegenen Stadtteilen. Zuwider Handlungen gegen die Vor­schriften dieser Polizeiverordnung werden aus -Grund des 8 21 des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. Mai 1909 mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder mit Haft bestraft.

Die hauptsächlich unter der Schuljugend- ver­breitete, nicht scharf genug zu verurteilende Unsitte, Gebäude, Einfriedigungen usw. durch Beschmieren mit Kreide, Schmutz usw. zu verunreinigen, hat in letzter Zeit wieder über­hand genommen. Das Polizeiamt Gießen sicht sich daher veranlaßt, vor solchen Ausschreitungen er­neut eindringlichst zu warnen, sowie an Lehrer, Eltern, Vormünder usw. das dringende Ersuchen zu richten, die ihrer Obhut unterstellten Kinder mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln von der Verübung derartigen Unfugs abau hatten. Die Polizeibeamten sind angewiesen, die Schuldrgen im Betretungsfalle unnachfichtlich zur Anzeige za bringen, im Falle der Strafunmündigkeit der be- treffenben Kinder aber die Bestrafung ihrer Eltern, .Vormünder usw. nach Artikel 44 beä Polizeistraf­gesetzes herbeizuführen.

Veranstaltungen.

Mittwoch 12.Mai: Hotel Einhorn, 8Uhr, öffentliche Wählerversammlung der Deutfch-nMio- nuten Volkspartei. Gastwirtschaft Sauer, Os- waldsgarten, 6 Uhr, Versammlung des Verbandes der Bureaubeamten bei den Staats- und Reichs­behörden. Lichtspieltheater wie gestern.

Donnerstag, 13. Mai: Lichtspieltheater wie Mittwoch *

** Amtliche Perfvnalnachrrchten. Itebertragen wurden: am 7. Mai dem Lehrer Wil- 'beim Schneider zu Grotz-Karben eine Lehrer­stelle an der Volksschule zu Laubach und dem Schulamtsanwärter Adolf R u d l o f aus LanO die Lehwrstelle an der Volksschule zu Heeg­heim, Kreis Büdingen.

L. U. Dem Herrn Dr. phil. Georg Funk, Assistent am botanischen Institut der Landes-Uni­versität, wurde die venia legendi bet der philo­sophische Fakultät für das Fach ter Botanik erteilt.

** Zur Reichsta swahl können inner halb eines Wahlkreisverbandes mehrere Kreiswahlvorschläge miteinander verbunden werden. Die Verbindung ist jedoch mir dann wirksam, wenn diese Kreiswaylvor schlage derselben Reichswahlliste (Reichswcchlvor schlag) mrgeschlossen sind. Der VerbandswaWleitcr für Hessen, Staatsrat Lorba che r fordert nun­mehr zur Einreichung von Erklärungen. über ow Verbindung von Krnswahlvorschlügen imrevhald des Wahlkreisverbandes Nr. 11 Hessen auf. Die Verbindung muß von den auf den Kreiswahl- vorschlägen bezeichneten Vertrauenspersvnen oder bereit Stellvertretern übercinftimmenö, spätesten- am 23. Mai, dem Leiter oes Wahlkreisverband«« Nr. 11 Hessen schriftlich erklärt werden. Eine telr graphische Erklärung gilt als schriftliche Erklärung im Sinne der vorstehenden Aufforderung, weM sie durch eine spätestens am zweiten Tage nach dlblaus der Frist eingegangene schriftliche Erklär rung bestätigt wird.

** Meisewahlscheine. Reisende, dir sich am Tage der Reichstagswahl nüht an ihrem gesetzlichen Wohnorte aufhalten, Tön nen ihr Wahlrecht überall im Deutschen Reickr ausüben, ivenn sie sich vorher vom WcchlanA ihres Wohnortes einen Wahlschein ausstellen lassen.

** Für das Operngastspiel des Hess. Lande«' theatersDie Walküre" beginnt der Voi- verkauf Freitag um 10 Uhr vormittags im Vestibül des Stadttheaters. Näheres siehe im Anzeigentev-

**- Literarische Gesellschaft. Wie fr* reits gemeldet, ist es der Literarischen GescllsäpN gelungen, Tr. Herbert Eulenberg, ben bv kannten Dichter und Dramatiker, am 14. für bar Vortrag feiner Dichtungen zu gewinnen. In Euler" berge viel aufgeführten Dramen lebt überschau:- menbe Leidenschaft, Phantasie und Gefühlsfüllci. Es macht sich bann, auch im StiltSrnns, eine 6& rekte Abkehr gegen den Naturialtswus in der Literatur geltend und rein vornantische Stimmun- gen inerten offenbar. Als Erzähler zeigt fiel Eulenberg durchaus originell. In feinen biu*

Die Wirren in Mexilo.

Washington, 11. Mai. (WTB.) Reu­ter. Hier eingetroffene Meldungen besagen: Die Blätter der Stadt Mexiko melden oie GesangennahmcCarranzas und des ehemaligen mexikanischen Gesandten in Washington, Bonillos, durch ihre eigenen Truppen. Aus El Paso wird gemeldet, daß Aguilar von seinen eigenen Truppen getötet wurde. Murguia fand aus feiner Flucht aus der Stadt Mexiko den Tod.

Mexiko City, 11. Mai. (WTB.) Reu­ter. Die Hauptstadt ist ruhig. Wasser­werke sowie die Licht- und Kraftstation ar­beiten. General Trevino wurde zum Komman­danten ernannt.

Der Bund Deutscher Verkehrsvereine hat an das Reichsverkchrsministerium eine Eingabe gerich­tet, in der er anregte, dem durch die Teuerungs- Verhältnisse besonders 'hart betroffenen Mittel­stand die Möglichkeit zu schaffen, zur Erhaltung und Wiederherstellung der öefunbbetteunb zur Auf­frischung der Nerven während des Sommers au, kürzere oder längere Zeit der Stadt den Rücken kehren zu können. Der Bund schlägt zu diesem Zwecke vor, Sonderzüge zu ermäßigten

Fahrpreisen einzurichten, Gesellschaftsreisen von Vereinen zu ermäßigten Fahrpreisen sowie den sSontitagsverkehr zu Aus flugs zwecken wieder ein» (-lUführen.. Hierzu teilt der Kurdirektor von Bad (Pyrmont, Major a. D. Prestien, in der Zeitschrift des BundesDeutscher V e r k e h r" mit, daß die beuts chen Bäber sich en'schlos'en haben, M inderbemittelten eit en ganz erheblichen Abschlag, zum großen Teil bis zu 50 v. H., «uftK urtar e nmb S'iurmittete Vreise zu gewähren. Dir Höchsteiirko mmengtenze ist für diesen Zweck recht hoch heranfarsetzt: _ So hat die bayerische Staatsregierung für Bad Kissin- gen sie auf 15000 Mk. normiert, in Bad-Nau- heim, Oeynhausen, Neuenahr und Wildungen find 10 000 m, in Bad Pyrmont 12000 Mk. als HöchsleinDmmengrenze bestimmt. Aehnlich dürften alle anderen Badoverloaliungen verfahren

Lejeholzsmnmeln in den Monaten Mm und Ium Verbietet; diese Mitteilung wurde von der Stabt- verordnetenverscrmmlung ohne Widerspruch hin-

was seinerzeit ein obrigfeitlictyer Erlaß von den Fuhrbaltern ihren unterernährten Pfer­den gegenüber verlangte:Verminderung der L a st e n.

Die meisten Eltern werden ihr Kind lieber gesund und weniger geschult sehen wollen, als krank, aber mit dem gesamten Schulpensum im Kopfe.

Man sollte sogar in Betracht ziehen, ob es nicht zweckmäßiger wäre, die Unterrichts­stunden herabzusetzen und dafür das fünf­zehnte Lebensjahr schulpflichtig zu machen.

Können die häurlichen Schularbeiten erspart werden?

Gießen, den 12. Mai 1920.

Ein Wiesbadener Pädagoge, Prof. Dr. Schüler, trat vor wenigen Tagen in einem Frankfurter Blatt im Interesse unserer Ju­gend, unseres kostbarsten Besitztums, für fol­gende Vorschläge ein:

1. In den ersten sechs Schuljahren die Vorschule mit 4 Jahren gerechnet fallen bis auf weiteres alle häuslichen Schulauf­gaben fort, damit die Zeit außerhalb des Unterrichts ausschließlich für die körperliche Er­tüchtigung unserer Kinder frei bleibt;

2. die bäus.iche Arbeitszeit auf den folgenden Stufen wird gemeinsam von Schule und Eltern­vertretung festgesetzt, sie darf auf der Oberstufe IV2 Stunden nicht Überschreiten, auch nicht ausnahmsweise, denn ans der Ausnahme entwickelt sich die Regel;

3. die Schulleitung hat ständig die strenge Einhaltung der festgesetzten Arbeitszeit zu überwachen;

4. diese Zeiten sind durch Aushang in den Schulen ober durch die Tageszeitungen bekannt zu machen, damit alle Nlern Befcheio wissen.

Bei derartig einschneidenden Vorschlägen muß zuerst dec Pädagoge und nicht ein Einzel­ner gehört werden, um darzutun, ob die Schule auf die häuslichen Arbeiten verzich­ten kann. Die Ansichten darüber gingen stets auseinander. Man war für freie Verfügung des Schülers über .seine Zeit in den schiA sreien Stunden, man glaubte andererseits, den erzieherischen Wert der häuslichen Ar­beiten nicht missen!zu können.

Neben bem Pädagogen muß aber diesmal auch das Elternhaus zu Worte kommen, das mit Recht darauf Hinweisen wird, wie sehr die Kinder bei der jahrelangen Unterernäh­rung gelitten haben, und der Arzt wird ivar- neno außer auf die Unterernährung auf die zunehmende Tuberkulose unter den schul­pflichtigen Kindern Hinweisen.

Was den Kindern in den Entwicklungs- jähren vor allem nottut, ist Bewegung in frischer Luft, in Licht und Sonne. Deshalb sollte man ihnen die Nachmittagsstunden, in denen sie schon durch manchen notwendigen Gang für den Haushalt in Anspruch genom­men werden, nicht verkürzen.

Prof. Schäfer ist der Ansicht, daß man von der Schule das Gleiche verlangen kann,

Luftiger vom hinimelsahrtrtag.

Unter den Himmelfahrtsbräuchen war früher in England allerlei Heiteres im Schwange. Nach dem Bericht von Braiw wurde in Newburn, in der Näh? von Newcastle, noch zu Beginn des 19. Jahr­hunderts ein merkwürdiges Franen-Wett- ren neu abgehalten, das sogenanntesmock-race", bei dem der Preis ein Smock, ein Hemd, war und zwar aus aller feinstem holländisclien Linnen, das vor dem Wettrennen mit bunten Bändern «schmückt und ausgestellt wurde. Das Rcnneii selbst führte, wie solche Volksbelustigungen es mit sich bringen, zu allerlei heiteren Zwischenfällen. Ein anderer scherzhafter Himmelsährtsbrauch war in früherer Zeit der Jugend von Exter Vorbe­halten. Schon während der ganzen Woche vor Himmelfahrt vergnügte sie sich damit, die Rinn- steme auf der Straße mit Erde abzudömmcn. Sobald sich ein Fußgänger sehen ließ, nahmen die Jungen eine bedrohliche Haltung cm, ans der der Ankommende leicht entnehmen konnte, was ihm brvorstand: er wurde nämlich mit dem schmusigen Wasser vollgespritzt,, wenn er sich nicht recht­zeitig loskaufte.

Ein Seitenftück zu diesem Himmelfahrtsver- mriigen der englischen Jugend durfte Sr t ö mischeSchwabenjagd" sein Am Vorabend des Himmelsahrtstasi's versammeln sich in der italienischen Hauptstadt die Kinder, um nach die) n lästigen, zur Gruppe der Schreit schrecken gehörigen Insekten Jagd zu machen. Sobald sic eins von ihnen erwischen, wird dem unglücklichen Opfer

ein tleined brennendes Wachslicht auf den Rücken 1 gettebt. Hierzu wird em Sang angestimmt, dessen Text lautet:Corri, corri bagarone, Che bomani* e l'ascensione".

Eigentümliche Himmclfahrtsbräuche gibt es auch in manchen brutschen Gegenden: rn der Hanauer Gegend werben zu Himmel­fahrt die sogenannten Kugelhoppen aebacken. In Marköbel heißt Himmelfahrt sogar dasKugel- hopp.mfeft", an dem zwischen Knaben und Mädchen ein Wettlausen nach diesem Gebäck stattfindet. In Holland gibt es ein ähnliches Gebäck zu Himmelfahrt, diehemrivaartsbollen". Himmel- tahrtssernmeln, die vom Himmel regnen, gab es ehemals bei der Himmelfahrtsfrier in der Kloster­kirche zu Prüm (in der Eifel). Arn Schluß einer langen Prozession, die in der Umgegend veran­staltet wurde und in der Klosterkirche ihren Ab­schluß fand, wurden durch eine -Oeffnimg im Teckmgcwölbe kleine W-rißtaötck^n herabgeworsen, von bat Wallfahrern aufgelesen und nach Hause genommen. Iw Jahre 1777 wurde diese uralte Prozession von bem Kurfürsten Wenzeslaus auf» gehoben. * K. P.

Christi Himmelfahrt, der srräutertag.

Ter Himrneltachrckag, im Volksmund auch der IHellgkcäutertag" genannt, gilt beim Volke nicht I nur ate kirchlicher Fest ag. sondern auch als Tag, mi dem Alt und Jung schon am frühen Morgen lftnausziehl in den Wald, um dort nach bem Bei- I spiel unserer heidnischen Vorfahven eine Art Früh-

lingsfeier zu begehen. Unter der fröhlichen Jugend, die scherzend und singend dm Wald durchstreift, taucht hier und da auch ein Alter auf, der Kräuter- mann, der denHellgen" Morgen benutzt, um Wurzeln und heilsame Kräuter zu sammeln als bewährte Mittel wider Krankheiten und allerlei Gcbrcste an Menschen und Vieh. Ta ist zunächst eine willkommene Beute der gefleckte Avon mit Jemen erbsengroßen, scharlachrvten Beeren, von dem der Kräutcrilunbige das Lob zu fingen weiß: Avon ist aller Kräuter Kron". Ter stavkriechendc Baldrian, der rotblühende Dost sind ebenfalls be­gehrte Pflanzen. Ihre Bedeutung für den Samm­ler ist ausgesprochen in dem Verschon:

Daedrian und Dost!

Ach 'hält' ich dich gcwoßt,

Ach hält' ich dich im Garten ftof/n, Ta braucht ich nit so weck zu gohn.

Gerne gesucht werden außerdem der düster blühende Haselwurz, die heitträfcigc Eibischwurzel, das dunkelgrünende Bingelkraut, die gelbe Golv- nessel, der wohlriechende Tipdom, das heilsame TausendgAdenkoaul, vie vielgepriesene Alantwur­zel, die gelbe Ostcrlüzei, das bitter schmeckende Elsen» «oder Wermufkraut, Salbei und Wachholder.

Go Iben er B 0 be n". Es gibt in der Welt eine Anzahl Orte, in denen der Boden so intensiv bearbeitet wird, daß aus dem HMar Lmid 1000 Mark hcrausgÄivlt werden. Man zieht hier

i rmüfe lange vor ihrer natürlichen Rrife und I läßt den Boden 'niemals brach liegen. Solche Flechen

währhaflgoldenen. Bodens" befinden sich besvn- Vers in SjoIIanb, in der Umgcgenb des Haag W von Telft, aber auch in Frankreich in der von Paris und Rouen, in England bei TonbriM, Chichester und EveSham. Ein besonderer Meis«! in der Erzeugung und AuSbeuteng diesesgolbenci Bodens" ist der französische Gartenbau er le Gjm, der schr sinnreiche Mechoden angegeben hat. ,/Mlbme Boden" wird durch besonders sorgtaln»! Tüngung hergestellt, unb bann wird zunächst mit Glas bärecEicn Beeten geerntet, später offenen Gärten. Tie Glasbeoeckung muß f«r niedrig fein, damit die Spitzen der Pflanzen dcni Glas nahe sind. Vielfach werden 'verschiedene Sot­ten, wie Salat, Karotten unb Blumenkohl, M' fammengefät, wobei das eine schneller reu WM als das andere. Sonst hält man auf eine nuü' lichst schnelle Abfolge der verschiedenen ernte»: zuerst werden auf demgoldenen Boden" Dadi^- chen unb Salat, bann Tomaten, dann Sellemc, bann Pilze, manchmal Melonen, Gurken und Mu bisse gcpslanzt. Tie Hauptsache ist, daß die GemW möglichst rasch wacksien, denn je schneller sic rtxn fen, desto saftiger und wohlschmeckender sind « Tiese Schnelligkeit des Wachstums wird durch deckung mit G as und durch Tüngung des Boda»? erreicht Tie Pilzzucht im Dunkeln ist eine Sninli für sich, wird aber auch in diesen besonders ton den Franzosen ausgebildeten Kunstgärtnereien p1 trieben, die einen 'ers:-aunlich lol.cn Nntzeil abweci-. n. ^uojioiog 110a üoqaAcu qnn Muaoov Oc^i

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