Aus den Erinnerungen von Richard voh.
„Aus einem phantastischen Leben" hat bei böt zwei Jahren verstorbene Dichter Richard Boß seine Lcbenserurnerungen gcTumnt, bte er in bcn letzten Jahren <msz<nchnete nnb im vollen Be- wußtsein des nahenden Todes, wenige Tage vor feinem Hinscheiden $um Abschluß brachte. Tie Selbllbvograplch ist nun in einem stattlichen Band im Berlage von I. Engelhorns Nachf- ui Stuttgart erschienen und stellt sich wirklich, irrte der 5)erausgeber Friedrich v. brr Leyen in seinem 'DZtidrroyrt sagt, als „eine Schiloenmg des geistigen, gesellschaftlichen und fünftierifdien Temschlanbs zwisck)en den beibat Kriegen 1870/71 und 1914/18" bar. Boß ist lvährend seines rccignisreichen Lebens, bas er freilich burch die ihm innewohnende Tick'lertraft stets zu einem „phantasiildien" um- geftaltete, M vielen hervorragenden Persönlichkeiten in enge Beziehung getreten, und es seien aus der Fülle ber vorüberzie'henden Gestalten hier nur einige Tichtergenossen aufgerufen, von denen Boß erzählt. Mit dem ihm so ungleichen Ibsen (am er bereits wahrend des römischen Aufenthaltes des „Magus ans dem Norden" in iS&erMjr. „Auch Henrik Ibsen lebte damals in Rom in Der Bia Capo le 'ixrfe, und auch ihn lernte ich kennen. Ein ivorttarger Jupiter des Geistes, wirkte ei in seinem tiefen Schweigen gar getoaltig auf mich Was mir in spaterer Zeit ein Bekannter von ihm erzählte, ivill ich hier berichten: „Nora" war icit langem erschienen, die Diskussion darüber geschboi
en. Achsen ging mit seinen Bekannten in Rom I auf dem Korso. Sein Begleiter, ein Landsmann des Dichters, merkte plötzlich, daß der sonst so I Verschlossene in heftige Wallung geriet. Plötzlich blieb Ibsen wie angewurzelt stehen uno blickte unverwandt auf eine ihm entgegen kommende junge Frau. Nach römischer Sitte trug die Betreffende leine Handschuhe. Zu seinem Staunen gewährte der Begleiter Ibsens, daß der- Dichter seine Blicke harr aus die ungewöhnlich ausdrucksvolle schlanke unb vornehme Hand der jungen Dame gerichtet hielt. Sie ging an den Beiden vorüber; bei faßte Ibsen heftig des Norwegers Arm und sagte mit vor Erregung fast erstickter -stimme: „Solche Hanbhat meine Nora!" Als im Winter 1886 am Meininger Hoftheater bte Erstaufführung der „Gespenster" ftattfanb, wurde in biefer „Festwoche" auch ein Drama von Boß gegeben. Ibsen wohnte ber Entaufführung mit Lindau unb Boß in der Herzog- l'chru Loge bei. Der Herzog von Mttningen und lerne Gattin, die Freifrau von Helbburg, hatten > El bst Regie geführt „Trotz seiner monumentalen Ruhe schien ^bsen nur erregt zu sein," erzählt Boß. „^as Haus war festlich erleuchtet unb überfüllt ^m ersten Rang faßen viele bedeutende Personlich- ieiten, darunter Hans von Bülow nebft Gattin Zum Eryaunen war - von der Spielleitung be« .Herzogs sprech ich nicht was Dir Freifrau aus i<t Regina gemacht hatte: sie war Ibsens Regina, 1i ein Frauenwesen, oae ^Paul Lindau nicht begriff.
icsbai,. ,tagte _ er in feinem reiftnen Berlinisch Hbsen embringluf): „Lieber Ibsen, aber Ihre Re-
gine! So was jibts ja jarnicht!" Lindaus Frage machte Ibsen nervös. Ungeduldig versetzte er: „Es gibt aber solche Reg inen! Bei uns gibt es solche!" Es herrschte Gespensterstimmung auf der Bühne, Otespensterstimmung im Hause, unb beim Publiftim volles Verständnis für das damals noch wenig ver- stank'ene, leidenschaftlich, irmftrittenc Drama, eine der furchtbarsten Tragödien des Lebens."
„Die „allerreinste Lebensluft" fand Voß bei einem so ganz andersartigen, aber Ibsen doch verstehenden Dichter, bei dein ewig jungen Theodor Fontane: „Welch ein Dichter und ivelch ein Mensch! Mit seiner 'hohen schlanken Gestalt erinnerte sein edelschönes Gesicht an die Männer unb «Helden der Freiheitskriege . In seinem Hause herrschte noch Alt-Berliner Art und Einfachheit. Bor dem Sofa in der guten Stube lag noch der bunte kleine Teppich, auf dem ber Tisch aus Mahagoniholz stand: zu den Abenbmahlzeiten gab es einen Braten unb eine süße Speis«, einen Pudding oder ein Blanemanger mit Himbeersauce. Mer der Mann, die Hausfrau, die Gäste Dieser beiden Menschen —". Mit Heyse, dem Biß in mancher Be- ziehung verwandt ivar, verband ihn eine Lebens- freundschaft, doch chat ihm ber gleichgeftnnte Verehrer Italiens einmal unbewußt sehr wehe getan. Als Boß in ber wundervollen Villa Faleonieri wohnte, besuchte rhn Heyse im Frühling 1883 und sandte ihm gleichsam als (Yostgeschent seine Erzählung „Billa Falemieri", mit der er den Gastgeber erfreuen unb ehren wollte. „Er hat niemals ?r- sohren, daß seine Novelle uns viel Leib brachte", 1 schreibt Boß. „Ter Held bat einen lähmen Fuß
dem besetzten Gebiet.
mc. Frankfurt a. M., 8. Aug. Infolge der Verhaftung Dr. Dortens wurden die Grenzwachenvombesetzteninsun- b e s e tz t e G e b i e t bedeutend verschärft. Radfahrer und Fußgänger dürfen ungehindert passieren, Automobile müssen sich einer scharfen Paßkontrolle unterziehen und vor der Werterfahrt in einem Wachbuch bescheinigen, daß der Posten alles in Ordnung gefunden hat. An einigen Stellen wurden auch Schranken errichtet, um das Durchsausen von Automobilen zu verhindern.
Kaiserslautern, 9. Aug. (Wolff.) Das französische Polizeigericht verurteilte den Bürgermeister Schwartz von Zweibrücken zu 1000 Mark Geldstrafe oder 3 Monaten Gefängnis wegen einer Wohnungsverweigerung für einen französischen Offizier.
Ludwigshafen, 9. Aug. (Wolff) Dre „Pfälzische Post" meldet, daß die lano- wirtschaftlichen Arbeiter des Krrch- heimbolander Bezirkes in den A u s st a n d getreten sind wegen andauernder Nichtbeachtung der tarifmäßigen Lohnvorschristen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Ausstand noch werter an Ausdehnung gewinnt.
** Amtliche Personalnachrichten. Zu Bermesftings-Ober sekrecär en wurden ernannt die Geometer 2. Klasse Jäger, --ochaftr, Spatz, Schmitzer, Stern, Berg unb Becker zu Gie tzen, Schmidt zu Bübingen, Schultheis unb Nau zu Lauterbach unb Jung zu Friedberg.
L.U Von ber L an desunrv ersitäl. Dem Assistenten am mineralogischen unb geologi- scheu Institut Dr. Karl Hummel wur^ die benia legen bi bet ber philofophrichen Fakultät ber Landesuniversität für bas Fach oer Geologie unb Paläontologie ertellt.
** Silberne Hochzeit fc&rn heute, Dienstag, Herr Papierhändler 5pemn.ch No l l imd ^ral** Lockerung ber B a u fto ff bew i risch a s t u n g. Eine Lockerung ber Bauftorfbewrrt- schastung ist neuerdings insofern zugelassen worben, als bis auf weiteres jede formelle unb lach- ticbe Erleichterung bei dem Freigabeverfahren für bie bewirtschafteten Baustoffe, Mauersteine, kalk und Zement, sofort gewährt werden soll. Voraussetzung ist, daß ber Bedarf für den gemeinnützigen Kleinwohnungsbau gedeckt i)t Tie Freigabe kann sich auch auf solche Bauten erstrecken, die bisher wegen des außerordentlichen Bauftoff- mangels zurückgestellt werden mußten, aber volks- wittsckaftlick von Bedeutung sind. Für gröbere Berbrauchergrnppen, Siedlungsgesellschaften, Kom- mimen usw. können Sammelfreigabefck>eme ausgestellt werden. Es dürfen aber keine Stockungen in der Belieferung der Wohnungsbaiiten cintreten. Tie einzelnen Zementfabriken erhalten Freigabescheine.
** Der Wert der Sachbezüge zurFesb- stellung der Bersichwungssunrme nach ber Reichs- ve rsickrenrngsordmrng und der Angestelltenver- sickenmg ist vom 'hiesigen Bersicherungsamt neu festgesetzt worden. Näheres stehe Anzeigenteil.
** lieber die Entrichtung der Luxus st euer enthält der Anzeigenteil der heutigen Nummer eine wichtige Bekanntmachung.
der Obst* und ©artemmkugen durch den Greger Verein am Surattag vormittag war bei Suter -tx* teiligung recht lehrreich inte anregend, und es iei je^ schon auf d«i bentnäd.iftigen gemeinsamen Besuch der Kleinaartenliolonte über ber Lahor iute merlfam gemacht, wozu die Einladung bald ergehen wird. Es wurde noch daraus hmgewi-ien, drtz eui Mutter- und Muster ckstgarten, wie ihn viele^ andere Kreise bereits hoben, mit emer Baumschule tn Meßen noch fehlt, unb es wurde habet ber Wunsch lrusgesprochen, es möchte die Stadt- und Kreis- Verwaltung dafür mterefftert werden.
Landkreis Gießen.
** Leihgestern, 9. Aug. Der Gesangverein „Eintracht" feierte am Sonntag s«m 59jähriges Stiftungsfest verbunden mtt der Eimvechung einer Ehrentafel für die 11 im Kriege gefallenen Mitglieder des Vereins.
Mordtaten von Spartakisten,
Berlin, 9. Aug. (Priv.-Tel.) Der am 18. März ins Erfurt verschwundene und später in Gocha erschossen ausgefundene Zettfrete willige Leutnant Wilhelm Schmidt wurde nach Nachforschungen der Erfurter Sicherheitspolizei von bewaffneten Spartakisten nach Gocha verschleppt und dort standrechtlich erschösse n. Als T ä t e r wurden jetzt laut „Berliner Lokal-Anzeiger" ein 20- und ein 24jähriger Arbeiter aus Gotha festgenommen. Der eine gibt auch zu, Reichswehrsoldaten erschossen zu haben.
Hauptversammlung des Vereins für Erhaltung des Deutschtums im Auslande.
)( Marburg, 9. Aug. Nach mehrtägiger Dauer gingen heute bte Verhandlungen ber Hauptversammlung des Verein s für das Deutschtum im Auslande zu Ende unb die zahlreichen Teilnehmer aus den verschre- benfien Staaaten Deutschlands unb brr angrenzenden Gebiete rüsten sich zur Abreise.
Den Auftakr bildete am Donnerstag eine tm Senatssaale der Universität abgehaltene, unter der Leitung ber Frau Geheimrat Rabl-Leipzig stehende Tagung ber deutschen Fraüen- ortsgruppen des Vereins für das Deutschtum im Auslände. Ansprachen hielten U. a. Frau Klein- Karlsruhe unb Frau Kunkel- Berlin. Diese sowohl wie auch die Berichte aus den übrigen Ortsgruppen legten Zeugnis von dem eifrigen Wirken der Frauen für bie deutschen Schulen im Auslände unb die Fürsorge für bte deutsche Aus- landsjugenb ab.
Abgesehen von den Sitzungen, in benen rein geschäftliche Angelegenheiten geregelt wurden, sand bann am Freilag nachmittag in ber Aula ber Universität epte akademische Begrüßungsfeier, veranstaltet vom hiesigen Institut für Deutschtum im Auslände statt, die der Rektor der Universität, Geh. Rat Prof. Dr. Busch leitete. Der Vorsitzende des Reichswanderamts, Geh. Rat Dr. I u n k - Berlin, überbrachte bie Grüße der Regierung unb Prof. Dr. Schultze- Jena-Marburg hielt einen Vortrag über bie Aufgaben Deutschlands auf kolonialem Gebiete. Geh. Rat Prof. Dr. Träge r teilte bem Vorsitzenden des Vereins für das Deutschtum im Auslande, Geh. Rat Exzellenz von Reichenau Burg Rodenberg (Baden mit, daß ihn die jur. Fakultät ber hiesigen Universität in Ar^rlennung seiner großen Ver- Dicnfti zum Ehrendoktor ernannt habe.
Am Samstag schloß sich in ber Aula des Gymnasiums ein öffentlicher Vortragsabend an, bei "welchlem Pastor S ch l eu n rg - Berlin über
** Das Korps Hassia, die älteste studentische Korporation unserer Universität, feierte vom 2. bis 5. August sein 105jährtges Stiftungsfest. Unmittelbar nach ben Befreiungskriegen, am 3. August 1815, mit den Farven sckwrrz- grün-not, später grün-weiß-rot und seit 1843 sckwarz-weiß-vot, gegründet, führt das Korps seit diesem Jahre 'wieder sein ursprüngliches Stiftungsdatum. Dem Ernste der Zeit entsprechend war vo?i größeren Festlichkeiten Abstand genommen worden.
** Tas Oberschlesierfest findet am Samstag, 14. August (nicht Sonntag) statt.
** O bst- und Gartenbauverein. In der Hauptversammlung des obevhessischen Obstbauvereins, die am Samstag nachmittag im Felsenteller statt fand, wurde zunächst der Jahresbericht erstattet, wobei festgestellt wurde, daß bie Nachfrage nach Kleingärten immer noch sehr stark ist. Eine Anregung des Vereins zur G r ü n b u n g einer Garten bau schule in Friedberg, die leider nickt die erwünschte Unterstützung durch bie Landwirtschaftskammer sand, wurde nach Vorlegung eines Kostenüberschlags von ber Regierung vorläufig abgelehnt; man 'hofft aber, daß bei weiteren Bemühungen die Erkenntnis der Notwendigkeit unb' des Bedürfnisses einer Gartenbaulehranstalt immer mehr durchdringt und das Projekt mit der Zeit doch verwirklicht werden wird. Der Verein zählt jetzt 5376 Mitglieder. Tie Stadt Gießen zählt 230 Mitglieder, die im Zweigverein Gießen zusammengeschlossen sind. Ta die Kosten für die Herstellung der Zeitschrift unb alle Ausgaben über» lhaupt ganz enorm gestiegen sind, so wurde der Jahresbeitrag von 1,50 Mk. auf 3 Mk. erhöht, hübet es den einzelnen Zweigveneinen freibleibt, ihren Beitrag ihren Verhältnissen entspreckiend zu erhöhen. Für Gteß-en beträgt er jetzt bei freier Lieferung der Monatsschrift 6 Mk. jährlich. Ferner wurde beschlossen, die Veredelungsreiser, welche die Geschäftsstelle in Friedberg bisher unentgeltlich an bie Mitglieder abgegeben hat, jetzt mit 10 Pf. das Stück zu berechnen, 9chch Erledigung ber geschäftlichen Angelegenheiten hielt sodann Kreisobstbau- teckniker Biesterfeld aus Offenbach einen sehr beifällig auf genommenen Vortrag mit Lichtbildern über bie Formobstbrumzuckt an Hauswänden. Bei ber heutigen wirtschaftlichhohen Bedeutung desObst- baues Hann durch die Bekleidung der Mauern unb Wandflächen der Häuser, der Scheuem und Wirtschaftsgebäude mit Obstspalieren aller Art eine grafte Menge Obst erzeugt mtc damit eine ergiebige Einnckhmeguelle gewonnen werben. Wenn die Ver- einsmitglieder in ihrem Heimatsorte diese Frage zur Erörterung bringen, und das Interesse bafür wecken, dann können nach einem Vortrage mit diesen Lichtbildern bei einem darauf folgenden Ruud- gange durch das Dorf die passenden Wände unb die Sorten ausgewählt, gleich die Bestellungen gemeinsam auf gegeben und dann bie Bäumchen vorn Obstbauteckniter in einer guten Baumschule ausgesucht unb gemeinsam bezogen werden. Wenn bann die Bäume vom Gemeinbeobstbaumwart richtig an» gepflanzt unb in den ersten Jahren von ihm beschnitten und am Spalier behastbelt werden, so ist ein sicherer Erfolg verbürgt. — Tie Besicktigtrng
cne deutschen Auslands schulen und Oberlehrer Dr. M ä h l - Flensburg über ben Kamps um bte Nordmark sprachen..
Den Glanzpunkt ber Veranstaltungen bildete die gestrige Festsitzung tn der i’üila der Universität. Außer bem Vorsitzenden sprachen Bürgermetsler Müller- Marburg, Geh. Rat Dr I u n k- Bet> lin, Universiiätskurator Rassenpflug-Marburg als Vertreter des Landesvereins Hessen- Nasiau, stud. E s ch n e r für bte Marburger Studentenschaft, Pros. Dr. Esch im Auftrage des Schutzbundes für Deutsche im Ausland, Direktor P r e u ß für ben Reichsv er baand der kath. Aus- landsdeutschen, ber sich über bte Wahl zweier Bischöfe in ben Hauptausschuß sehr freue und rege Zusammenarbeit zusichere, Pastor Evelt'ng namens ber Deutschen in Südamerika, Dr. T a 11 a r t für die Balten, die die Hoffnung auf Deutschland nicht aufgeben, Ltc.-Direktor Kreut für den deutschen Schutzverein in Polen, Herr Beyer von Rodenbach für das Rote Kreuz, ferner eine Abgesandte ber deutschen Frauenvereine für das Rote Kreuz und zum Schluß Geh. Rat Prq.f, Dr. Busch für die Universität Marburg. Aus allen Reden klang die Zuversicht heraus, daß das Deutschtunr im In- und Ausland doch wieder zur Höhe gelange und daß nicht geruht werde, bis dies ZiK erreicht ist. Auch dem Anschluß Oesterretchs wurden warme Worte gewidmet. Ein sich anschließender Vortrag des Pwf. Dr. von Wotawa-Wien über die Ztelc unb Wege der deutschen Schutzarbeit in ben Donauländern beendete ben Festakt, bet bem auch eine Menge Begrüßungstetegramim aus bem In- unb Auslanbe verlesen wurden. Ein weiter vorgesehener Vortrag ber Frau von Blan- f en fee über die Pflichten ter deutschen Frau im In- unb Auslanbe mußte ausfalen. Heute sanden die letzten geschäftlichen Sitzungen statt.
Arrs Staöt LcrnH.
Gießen, den 10. August 1920.
Die neuen Steuerausschüsse.
Die Bildung ber Ausschüsse bei den Finanzämtern unb ihr Verfahren regelt eine ausführliche Verordnung. Die Bezirke ber Finanzämter werben zu diesem Zweck in Skeuerbezirke geteilt, soweit es sich um Einkommen unb Vermögen, aber nicht um Erbschaften handelt. In besonderen Fällen kann von der Teilung abgesehen werben. Ein Steuerbezirk soll in ber Regel nicht weniger als 3000 unb nicht mehr als 15 000 Einwohner umfassen. Besonberen Ausschüssen kann für alle Steuerpflichtigen übertragen werben: bie Nach- unb Neuveranlagung, bie Berichtigung vorläufiger Veranlagungen, die Zugangsveranlagung, bie Entscheidung über Er- stattungsansprüche unb über Einsprüche. Außer bem Vorsitzenden bestcht ber Ausschuß aus minbestens vier, höchstens acht gewählten Mitgliebern, zu denen ernannte Mitglieder treten. Die Mitglieder können mehreren Ausschüssen angehören. Für jedes Mitglied wird ein Vertreter gewählt ober ernannt. Mitglieder und Vertreter werden durch bie Gemeindevertretung gewählt, zum ersten Male für die Zeit vom 1. August 1920 bis zum 30. Juni 1923.
Fahrplanänderung.
Von Montag, den 16. August, an, werden auf der Strecke We tzlar — Lollardie nachstehenden Fahrplanänderungen eingeführt:
Pz. 3101 >W) Wetzlar ab 4,52 (bisher 5,06), Lollar an 5,40 (bisher 5,57) vorm.
Pz. 3102 Lollar ab 4,48 lbis^r 4,48), Wetzlar an 5,37 tbisher 5,36) vorm.
Pz. 3103 Wetzlar ab 6,14 (bisher 6,24), Lollar an 7 05 l bisher 7,15) vorm. uiw
Pz. 3104 (W) Lollar ab 5,55 (bisher 6,06), Wetzlar an 6,43 (bisiher 6,54) vorm.
Ter Personen^ug 3104 lW) erhält in Wetzlar unmittelbaren Anschluß an ben Pz. 635 nach Köln (Wetzlar ab 6,50 vorm.), an ben Pz. 1620 nach Gießen (Wetzlar ab 6,48 vorm.) und an die Trieb- ivagenfahrt 4940 (W) nach Limburg (L) (Wetzlar ab 6,48 vorm.).
Beraustaltungen.
Dienstag, 10. AuMst: Hotel Einhorn, 8 Uhr, E-as.fpiel Buchwold. — Lichtspielhaus, „Geflüster des Teuf Ts" und „Ter Klapperstvrch-Ber- band". — Lichtspiele Seltersweg, „Ter Fall Tol- ftitoff", „Uno wandern sollst du ruhelos" unb ,^Was dein ist, ist auch mein".
wie ich, und- in der Hcloin glaubte man Züge meiner Frau zu erkennen: überdies waren in ber Geschichte manche Einzelheiten unserer Häuslichkeit geschildert. Durch solche Unwesentlichkeiten 'beroor gerufen, Ibnnte es geschehen, daß Gedankenlose ijoer Uebel- Wollende meine Frau und mich, in Beziehung zu ber sehr peinlichen Handlung ber Erzählung brachten Balo kamen Neugierige, um das Lokai der Novelle des berühmten Dichters tn Augenschein zu nehmen und womöglich Held (unb Heldin zu Gesicht zu bekommen." Im Winter 1883 lernte Voß Ernst von Wildenbruch kennen, und obwohl ihn zunächst das „Militärisch-Bnreau- kratische" seiner Erscheinung abstteß, fühlte er sich doch bald von der bedeutenden Persönlichkeit lev denschaftlich angezogen unb ist ihm trotz mandxr Konflikte ein treuer Freunb geblieben, der rhin zusammen mit ber Witwe die feierliche Totenwach hielt. Den Sylveftcrabend 1910, an bem er ben großen Menschen, Dichter unb Patrioten zum letzten Mal im Lebeir sah, bot ihm ein unvergeßliches Abschiedserlebnis: „An diesem Neujahrsabenl> sprach Ernst von Wildenbruch über DeutManl» unb über ein duuftes Gewölk, das droheno über dem Schicksal des Vaterlandes hing. Er rebele selbst hingerissen mit einem Feuer unb mit einer Ergriffenheit, die mir unvergeßlich sind. Er sprach- wie ein Seher, der in Deutschlands Zukunft schaute unb dessen Genius, mit einem schwarzen Flor umhüllt, erblickte ..." v
Kreis Lauterbach. Wildschweine in Oberhessen.
Q Schlitz, 8. Aug. Nach wie vor nchtm die Wildschweine in den an bte großen Wald- gebiete des Schlitzerlandes angrenzenden Feldern großen Schaden an. Von der Wildichweinpl-age sind hauptsächlich bte Gemarkungen Willofs, eanb- loss, Frauronckach und Queck betroffen jahrzehntelang kannte man in unteren Wäldern das Wildschwein nicht mehr. Erst neuerdings ist es auch den angrenzenden preußischen Waldern der Schilda im Fuldagebiet ^übergelaufen.
O Vom östlichen Vogelsberg, 9. Aug. In den Waldungen des Vogelsbergs ist die H t m - beer ernte im vollen Gang. Die Straucher sind mit prächtig entwickelten Beeren reich behangen. Für das Pfund Himbeeren werden bis zu 2 Mark bezahlt.
Kreis Schotten.
. Herchenhain, 9. Aug. Dieser Drge wurde die hiesige Gemeindejagd an Muhlen- besitzer Wetz (Mürrzenberg) für eine jährliche Pachtsumme von 4100 M. auf sechs Jahre verpachtet. Bischer ivurde die jährliche Pachtsumme von 320 Matt bezahlt.
Kreis Friedberg.
Q. B ä d - N a u he i m, 9. August. In Gegen- ivatt der Vertreter sämtlicher Behördeii des Bades und der Stadt und zahlreicher Beteiligung der Einwohnerschaft und Kurgäste wurde gestern am Geräteturm ber freiwilligen Feuerwehr eine Gedenktafel für 11 im Weltkriege gefallene Wehtteute enthüllt.
Kreis Wetzlar.
ra. Wetzlar, 9. Aug. Durch Beschluß des Kreisausschusses vom 2. August ist die bisherige P r e i s p r ü f u n g s st e l l e für Kreis und Stadt Wetzlar aufgelöst. An deren Stelle tritt für die Landbürgermeistereien eine Kreisprüfungs- st e l l e; für das Gebiet der Stadt Wetzlar wird eine besondere städtische Prüfungsstelle eingerichtet. Tie Kreisprüfungsstelle setzt sich zusammen aus einem Vorsitzenden und 10 Mitgliedern, und zwar aus 5 Vertretern ber Erzeuger und Händler und 5 Vertretern ber Verbraucher nach den von den Vertretungen dieser Gruppen gemachten Vorschlägen.
Hessen-Nassau.
fb. Frankfurt a. M., 9. Aug. Nicht weniger als 12 Bebienstete ber Eisenbahngepäckabfertigung bes Frankfurter Hauptbahnhofs mußten auf einmal wegen gemeinsamer D i e b st ä h l e entlassen werben. — Auch bei ber Güterabfertigung Frankfurt—Hauptbahnhof würben von ber Eisenbahnpolizei in ben letzten Tagen eine Anzahl Diebe entlarvt, die sich an Eisenbahngü^ tern vergriffen haben. Unter ben ermittelten Dieben befinben sich Eifenbahnangestellte, die in sehr guten Verhältnissen leben.
fb. Frankfurt a. M„ 9. Aug. Infolge der verschiedenen Schaufenstereinbrüche am Hellen Tage haben die Juwelenhänblev jetzt ihre Schaufenster außer durch dickeGlasscheibew noch durck) ein feines, aber sehr widerstandsfähiges Drahtnetz geschützt. — Als Zeichen ber Zeit kann man es auch betrachten, daß an einer öffentlichen Kasse ein Schild als Wegweiser nicht mehr mit ber Hand deutet, sondern mit einem auf gemalten Revolver ben Weg angibt.
fb. Frankfurt a. M., 9. Aug. Auf eine Eingabe ber städtischen Arbeiter um eine Lohnerhöhung um 25 Prozent 'bat ber Magistrat eine solche von 10 Prozent Mgestanden. Die lfterdurch entstehenden Mehrausgaben betrag®! jährlich 13 270000 Mark und sollen durch Erhöhung der Gebühren und st,-idtischen Tattfe gedeckt werdend Eine entsprechende Vorlage hat oer Magistrat, nachdem der Hauptausschuß die Erhöhung gebilligt hat, der Stadtverochnetenpev" Sammlung zur Genehmigung zugehen lassen.
fb. Frankfurt a. M., 9. Aug. Hiesige Tanzlehrer zeigen die „Tanz mod en ber Saison 19 20" an. Kein deutscher Tanz, 'rotber der gute Walzer, noch ber temperamentvolle Rheinländer ist mehr auf der Liste zu finden. Mit Haut unb Haaren 'bat man sich in Deutschland den ausländischen Tänzen, wenn man bie Gliedverrenkungen ubett-aupt so nennen will, verschrieben. Mit nicht weniger als 16 neuen Tänzen wild die Welt beglückt: Tango 1920, Fandango, Moderner Boston, Moderner One Step, One Step-Rag, Red For, fJJtatafaffio, Maxina, Slin- gan, Indian Rag, Le Rouli-Rouli, Rocker, Waltz- .Hesitation, Holländischer Foxtrott, Tango-Boswn, Tipsy-Step.
me. Frankfurta. M., 8. Aug. Die Stadt leibet außerordentlich unter außerordentlichem Mangel an Kartoffeln, ber wieder einmal durch die .Kurzsicht igk.it ber Behörden veranlaßt ist. Während Holland unb Jcalren augenblicklich Kartoffeln in UeberfüIIe haben, hat man die Einfuhr gesperrt. Die Folge davon ist, daß die Städter hinaus aufs Land fahren müffen, dort von Haus zu Haus betteln gehend schlteAich froh sind, wenn fte bte Kartoffeln selbst au^ na eben dürfen unb außerdem noch pro Pfund 80—100 Pf. zahlen. Dazu kommt noch die ungeheuer verteuerte Bahnfahrt. In Frankfurt waren aber ausländische Kartoffeln schon für 94—100 Mk zentnerweise bet Händlern zu haben. Uebttgens sind bei Stadt letzt Brandenburg imb die Provm'z Sachsen als Lieferkreise zugetviesen, bisher sind jedoch nur wenige Waggons angekommen.
me. Frankfurt am Main, 9. Aug. Der Bürgerausschuß hat sich in einer Emgabe an die Leitung ber Stadttheater gewandt,


