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Nr. M

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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Montag, (0. Mai 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drurf unö Verlag: vrlihl'sche Univ.-Such- und Sfeinörudtrel R. Lange. Schriftleitung, Geschäftzstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

Annahme »an Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Sreis für l mm höhe für »zeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz. Vorschrift 20° , Ausschlag, ftauptjdjriftleiter: Äug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aua. Goetz,' für ben übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz: für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

5chutzwittschast nicht Zwangs­wirtschaft.

Der Bevollmächtigte der L^eichseinfuhr- stellen für Lebens- und Futtermittel schreibt uns:

Ein jeder Mensch ist von Natur aus ge­gen jeglichen Zwang, und wir wissen alle, daß wir cs unseren Eltern schwer gemacht ha­ben, ihre Lehren onzunehmen, und daß wir ihnen doch später (für diese Strenge dankbar gewesen sind.

Trotz dieser Erfahrung ist eine Neigung $ur Auflehnung gegen sZl^ang uns dennoch im lBlute geblieben und wir ertragen ihn meist nur, wenn wir seine Notwendigkeit einsehen. Diese Eigenschaft nutzen ^gewissenlose Leute aus, indem sie den wahren Sachverhalt ver­schweigen und nur immer den Zwang betonen, damit die Bevölkerung unzufrieden gemacht wird und ihnen, (ohne daß sie sich dessen bewußt wird, bei dem unlauteren Handwerk Hilfe leistet.

So ist es auch mit der sogenannten Zwangswirtschaft. Die Ernährungslage ist ja leider eine schwierige und die dadurch hervor> gerufene Mißstimmung macht es unsauberen Elementen leicht, in vielen Köpfen Berwio- rung zu stiften und das WortZwang" ohne Berechtigung in den Vordergrund zu stellen. Wie viel besser wäre es darum gewesen, wenn man diese Art der Wirtschaft nicht Zwangs­wirtschaft, sondern richtiger Schutzwirt­schaft genannt hätte. Denn lediglich um einen Schutz handelt es sich für das Volk ge­gen Ausbeutung verbrecherischer Händler und gegen weitere Verarmung durch Abfließen un­seres Geldes ins Ausland.

Die Regierung unterbindet keineswegs das (Hereinkommen wichtiger Lebensmittel, im Gegenteil, fie fördert dasselbe. Aber sie darf im jJnteresse aller nicht zugeben, daß diese Le­bensmittel in unrechte Hände geraten, welche sie ldem Volke tzu Wucherpreisen anbieten. Des­halb jwird dafür gesorgt, daß die Lebensmittel ausnahmslos den staatlichen Stellen zuge­führt werden, welche sie dem gesamten Volke tu gleichen Preisen zugänglich machen müssen. Daß trotzdem Mangel besteht, liegt an der all­gemeinen Weltnot.

Diese würde aber viel größer werden, ivenn (die Waren durch die Hände der Schieber gingen. Denn durch diese kommt nicht ein Gramm notwendiger Waren mehr herein, son­dern fte werden lediglich auf Abwege geleitet und kommen dann nur den Ganz-reichen über­reichlich zugute, wodurch ldie arme Bevölkk- rung noch schlechter gestellt sein würde als heute.

Dagegen gibt es nur ein Mittel, nämlich eine rücksichtslose Kontrolle der Grenze über alle hereinkommenden Waren. Dadurch ist es möglich gewesen, bereits für hunderte von Millionen Lebensmittel den Schiebern zu ent­reißen und zu den verhältnismäßig geringen Uebernahmepreisen der gesamten Bevölkerung in gleicher Verteilung nutzbar zu machen. Da­durch wurde ferner verhindert, daß ganz nutzlose Gegen st ände, wie teure Par- süms fund Toilettegegenstände, die sich ein ver­armtes Volk, wie wir es heute sind, nicht mehr leisten darf, überhaupt an der Einfuhr verhinr- dert ftmrden, damit der Deutsche erst gar nicht in Versuchung geführt wurde, sie zu kaufen. Denn wir wissen alle, daß solchen Versuchen gegenüber oft der beste Wille nichts nützt, und wenn unser gesamtes Geld erst ins Ausland gewandert rift, dann tmüssen wir ganz zugrunde gehen und keine Reue würde uns vor dem Snavenjoch «retten.

Wer diese wirkliche Sage erkannt hat, dem wird es nicht mehr widerfahren, auf die Ver­drehung der Schieber hereinzufallen, die ja nur «ihr eigenes Interesse im Auge haben, auf Kosten des Volkes sich zu bereichern, und deren Klagen gegen den Zwang von ihrem verbreche­rischen Standpunkt aus allerdings durchaus berechtigt sind, denn Verbrechen und Volks­wohlfahrt, Verbrecher und Gesetz sind sich von Ewigkeit her Feind, wie Feuer und Wasser.

Die Loge

öcs Centimen Wirtschaftsleben;.

Berlin, S. Mai. (WTB.) Nach Erledigung der Tagesordnung der heutigen autzerordentlichm Generalversammlung der A. E. G. hielt der Präsi­dent der A. E. G. Tr. Waltber Ratfrenau folgende Ansprache an die Versammlung: Unfer getarntes geschäftliches Gebaren hängt heute lediglufr von den außer- und inner Polin scheu Faktoren ab Tret zu bedauern ist, daß in der Welt, dre Polmk der Lei­denschaft noch nicht der Politik der Vernunft ge­wichen ist. Für jeden denkenden Menschen besteht ein innerer Zusammenhang zwischen dem, was ron früher feindlicher Seite gegen uns unternomnuur wird, und den Erschütterungen, denen ivft un In­lands ausgesetzt sind. Im Äugenblich, wo von französischer Seite, unterstützt von England, das Auslieserungsbcgehren für 800 Deutsche ausgc- psashcti üa wejantticheri der Kspp^

Putsch besiegelt, denn die Reaktion glaubt aus nationaler Erbitterung schließen zu dürfen, dtoß das Land im Sinne ih«r eigenen Ten­denzen nationalistisch fühle. Sie hat mit schtverer Enttäuschung feststellen müssen, daß dies nicht der Fall ist. Wir können also sagen, daß auch diese schtvere Erschütterung im Grunde freitwr gerufen wurde durch äußere Ereignisse. Abermals durch äußere Ereignisse wird es uns schwer gemacht, die Ruhe im Westen zu sichern. Denn im Augenblick, wo dec Gewaltstreich gegen Frankfurt er.olgte, war die Haltung unserer Regierung seitens der Entente verurteilt und der Aufruhr im Westen genehmigt. Wenn die Politik der Leidenschaft anhält, so wird Europa in künf­tigen Jahren genau so leiden, wie es im abgelau­fenen ersten Friedensjahr gelitten hat. Die Bc- gean ung in Spaa wird darüber entscheiden, ob ,sich das politische Wetter geändert hat. Wenn tatsächlich unsere Delegierten dorthin eingeladen sind, so wie die sranzöftschen Zeitungen es ver­langen, nicht als ebenbürtige Verlumdler, son­dern audiendum verbum zum Verhör, fo wäre damit der Beweis geliefert, daß noch immer die Politik der Leidenschaft besteht, und die Ergebnisse dieser Begegnung werden nicht den Hoffnungen der Welt entsprechen. Es wird aber der Zeitpunkt herankommen, in dem Europa den Pa- rallelismus der Valuten erkennen wird. Auch Frankreich wird es in demselben Maße fühlen, wie der Kurs dps Franken sich dem Kurs der Mark nähert. Die Welt wird aber auch noch dadurch zur Vernunft geleitet werden, daß sie gewahr wird, daß es mehr und mehr an Zahl der In­telligenzen fehlt, die zum Wiederaufbau er­forderlich sind. Die Märkte der Intelligenz sind nahezu leergekauft. Es ist heute schwer, Beamte zu finden, es ist schwer, neue Aufgaben zu cröf nen; in kurzer Zeit wird man feststellen, datz für d.n Wiederaufbau der zerstörten Gebiete und die Wiederherstellung großer verwüsteter Länder, mir z. B. Rußland, der Aufwand an Intelligenz Wirtschaft gedeckt werden körn. Im Jnlande Wirtschaft gedeckt wxrden kann. Im Janlande haben wir an schweren Erkrankungen der Wirtschaft gelitten. Wir haben im abgelaufenen Jahre die Erichimingcn des deutschen Aus­verkaufs mit schmerzlichem Bedauern erlebt, und wir erleben in diesem Jahre mit außerordent­licher Besorgnis die tiensen Preissteigerungen der schn'erindnftriellen Produkte, die darauf hinons- lausen, daß wir sagen müssen, wir stoben fr-ute unter der schwerinduslriek'cn Diktatur. Ich lwffe, daß aud) frier die Vernunft ein kehren wird. Ich glaube aber persönlich daß dieGesundungder deutschen Wirtschaft erst dann in vollem Umfange möglich ist, wenn anstelle der ung-eregel- ten und ung-z'i gatten Wirtschaft des prioaten Mo­nopols und wilden Handels, geordnete, organische und nach klaren Grundgedanken geleitete Wirtschaft gefd>affen wird. Diese Erkenntnis hat sich tm letzten Jahre gewaltig ausgebreitet und ich glrube datz nicht mehr viel Zeft vergeht, bis sie zur Tat wird.

Vie Erenzregullerung in Schleswig.

Berlin, 8. Mai. (WTB.l Gegenüber einem Vertreter derDeutschen Allgemeinen Zeitung" erklärte der Reichsminister des Aeußern Dr. Kö­ster, eine amtliche Bestättgung der aus Paris kommenden Nachricht, daß der norwegische und französische Delegierte bei der internationalen Schleswig-Kommission den Heber gang von vier Kirchspielen südlich der Klausenlinie an Dänemark vorgeschlagen hätten, liege nicht vor. Da sie ab r zum zweiten Male in der Presse erscheine, sei mit der Möglichkeit eines solchen Vorschlages zu rech­nen. Der Standpunkt der deutschen Regierung zu der Frage der Grenzziebung ergäbe sich aus der Forderung der Tiedjelinie. Diese allein würde den Willen der Bevölkerung, wie er in der Afr- ftimmung zutage getreten sei, ausdrücken. Be­treffs der angeblich schwierigen Lage, in der sich die dänischen Bewohner der zweiten Zone Mürben, sei zu bemerken, daß diese Bedenken sofort wegfallen würden, wenn die Dänen mit Deutschland einen Vertrag über den Minder- Heftsschutz abschließen wurden, wie dies in der deut­schen Presse bereits vorgefch'agen worden sei. Ämtschland habe alle Ausnahmegesetz-.' gegen die Dänen aufgehoben und sei bereft, ihnen sochulen mit eigener Sprache einzurichten. Zn befürchten sei nur, daß sich in der zweiten Zone teilte Gemeinde finden werde, in der genügend dänisch sprechende Schüler vorhanden sind. Dadurch würde auch den Wünschen des dänischen Ministerpräsidenten in seiner letzten Rede Rrfrnung getragen werden. Von nennenswerten deutschen Plackereien gegenüber den Dänen während und nach der Al-ftimmirng sei nichts bekannt. Die Erregung der Deutt'chen tobe sich auch viel weniger gegen die wirklichen Dänen gerichtet, als gegen diejenigen, die aus niedrigen, meist ökonomischen Motiven ihr Vaterland in der Stunde der Gefahr verraten hätten. Dafür sollten gerade Naturen mit so empfindlichem Nationalbe­wußtsein irre die Franzosen Verständnis haben. Aber auch diese Erregung sei freute verschwunden.

Paris, 8. Mai. sWTB. Wie derTemps" erfahrt, bat die englische Delegation, trotzdem der ftanzösische Gesandte in Dänemark Claudel noch nicht in Paris angekommen ist, daraus Mdanden, daß in der heutigen Botschafterkonserenz die T i s- kussion über die nvrdschleswigsche Frage fortgesetzt wird Tie Delegaiion htt aufs neue ihren Standpunkt vertreten,, der dem £|;r französischen Vertreter entgegengesetzt ist. Tie Delegierten der dänischen Bevölkerung in der zwei­ten Zone haben dem Bvtsckufierrat eine Petition überreichen lassen, in der sie die Internatio­nalisierung dieser Zone verlangen. Eine De­putation aus der zweften Zone wird unfrmg nächster Woche in Paris cnaacta. \

Die Vertagung der Konferenz von Spaa.

Paris, 8 Mai. (WTB) Nach einer Mel­dung desTemps" aus London werden sich Lloyd George uni> Millerand am 13. Mai treffen. Tic Verhandlungen über das Programm vo n Spaa werden bis zum 15. oder 16. Akai bauern. Tie Nachricht, daß Deutschland die Verschiebung der Konferenz in Spaa wegen der Neicks'agswohlen verlangen werde, habe in England feine Uclkr- raschung henxorgerusen. Ter Gesundlieits-uslano von Llond George, der ohnehin ernst sei, tonnte die Verschiebung der Konferenz sehr leicht möglich macken.

Spanische WiedcrgutmachungSansprilche.

Paris, 9. Mai (WTB.) Man meldet aus Madrid, daß 12 spanische Schiffahrtsgesellschaften angekündigt haben, sie würden beim Wiedeixut- machungSaussckmß Klage erhoben wegen der von deutschen Unterseebooten versenkten spanischen Schiffe.

Die Zurückziehung der Truppen aus den, Ruhrgebiet.

Paris, 8. Mai. (Wolff.) Die Havas- agentur Meldet aus Mainz, die deutsche Re­gierung Habe den General Nollet wissen las­sen, daß die überzähligen Trup-pen im Ruhrgebiet biszum 10. Mai zu­rückgezogen sein werden.

Essen, 8. Mai. (Wolff.) Nachdem gestern bereits ein Teil der Reichswehrtrup­pen Essen verlassen hat, folgte heute der Rest der Truppen, die die letzten Wochen hier stationiert waren. Die Truppen verlassen da­mit die neutrale Zone.*

Deutsch-niederländisches Abkommens.

Haag, 8. Mai. (WB. ) Wie das Ävrre- spondenzbureau erfährt, sind die niederländische und die deutsche Regierung freute in der Angelegni- freit der Kohden und des Kre^ iiabkmnmeus einig geworden. Tie deutschen Unterhändler sind berefts wieder nach Deutschland zurückgetofrrt

Der Friede sür Ungarn.

Budapest, 8. Mai. Die heute offiziell be­kannt gewordene Tatsache, daß der der imgarififrcn Abordnung überreichte Friedens vertrag in terri­torialer Hinsicht keinerlei Aenderimg erfahren soll, und eine Volksabstimmung rundweg ab-zelehnt wftd, hat hier eine unbeschreiblich gedrückte Stim­mung hervorgerufen. Die frier abends erschienenen Blätter betonen, daß der Vertrag in dieser Form unannehmbar sei und keinesfalls so bleiben könne, weil er eine Gefafrr für ganz Europa be­deute. Schon heute gab es Kundgebungen gegen den Vertrag in Form von Straßenumzügen der Ju­gend; für morgen sind weitere grotze Kundgcbim- gen angekündigt, lieber die Haltung der Natio­nalversammlung ist vorläufig noch nichts Positives bekannt geworden.

Budapest, 8. Mai. (Wolff.) In dem Be­gleitschreiben zu den ungarischen Friedensbedin- gungen. heißt es:Der Oberste Rat erwartet die Antwort der Friedensdelegation, ob sie Vollmack)- ten habe, den Frieden unter den mitgetetiten Be­dingungen zu unterschreiben." AuS diesem Satz folgert man un ungarischen politischen Kreisen, daß ein neuerlicher Notenwechsel statthaft sei, der sicherlich über zehn Tage beanspruchen werde.

Die Polen in Kiew.

Krakau, 8. Mai. (WTB.) Deutsch- Polnischer Pressedien/t. Die hiesige Funksta­tion nahm folgenden Funkspruch aus Mos­kau auf, der gestern mittag aujgegeben nmrbe; Die Polen begannen, nachdem sie die Frie­densverhandlungen abgebrochen haben, die Offensive und nahmen Kiew ein.

Amsterdam, 9. Mai. Wolff.) In Erwide- runej auf eine Anfrage sagte im englischen Unter» hauie Bonar Law, soweit die englische Regie­rung in Bettacht käme, sei den Polen bei ihrem Angriff auf Rußland keine moralische oder mate­rielle Unterstützung gewährt worden.

Die Bolschewisten in Baku.

Amsterdam, 8. Mai. (WTB.) Laut Daily News" meldet ein Moskauer Funk- spruch, daß die W o l s ch e w i st e n in der Ge­gend von Baku neben Vorräten in Benzin, Gasolin, Schmieröl und Iiofröl 400 000 Ton­nen Korosin und 1860 000 Tonnen Mazut in die Hände sielen.

Englisch-russische Friedensverhaudlungen.

Amsterdam, 9. Mai. (WTB.) Laur West­minster Gazette versichert ein drahtloser Moskauer Bericht, daß e n gl i s ch - ru s s i s che Fr iede n s- verhandlungen beovrstehen. Curzon habe Tschitscherin den Vorschlag gemacht, direkte Ver­handlungen mit dem General Wrangel zu beginnen. Curzon schlägt vor, daß englische Offiziere an diesen Verhandlungen t.'tznchmcn sollen. Das ein­zige Mittä zur Wiederherstellung des Friedens­zustandes sei Sicherheit gegen fernere Angriffe, und wenn England diese Garantie erhalte, so lei eine wesentliche Bedingung erfüllt und die Ver­handlungen könnten m sreunchchaftlicher 23eil'e wrtgesctz'. werden. Ter Funk vruch meldet weiter, daß Tschitscherin in seiner Antwort erklärte, die Sowjctteaierung sei durchaus bereu, dem Wunsche der englischen Refferung entg.gnzu kommen. Tie Sowjetregierung fei damft einverstanden, mit der englischen Regierung oder mft irgendjemand, den sie bezeichne, Verhandlungen über die Einstellung der Fcr»dieiigLiLu un Krim-Abschnitt zu be­

ginnen. Die Smvjetregierung sei bereit, General Wrangel und britische Offtziere zu diesen Ser« Handlungen zuzulassen.

Verlängerung de» japanisch-englischen Bündnisse». Amsterdam, 8. Mai. (WTB.) Amt­lich wird berichtet, daß dac« japanisch­en g l i s ch e B ü n d n i s auf sieben Jahre verlängert werden wird. Der Vertrag soll dem Völkerbund vorgelegt werden.

Eine neue englische Partei.

Paris, 9. Mai (WTB.) Der Londoner Korrespondent desTemps" meldet, die liberale Koalition mürbe eine neue Partei, die den Namen N a t i o u a l l i b e r a l e Partei" führen werde, bilden. Diese Partei werde Lloyd George zu ihrem Führer crllärcn.

Kämpfe tu Palästina.

London, 9. Mai. (WTB.> 'jieenn TiSpatcb meldet aus Jerusalem: 1000 A r a b ' r mit 21 Maschinengewehren und zwei Geschütze.t haben die Franzosen im Banujas-Distrikt angegriffen. Die Franzosen standen ratet zehnfackicn^lebermackst gegenüber. D« Verluste auf beiben Seiten sind schwer.

2Iiisöel)itung der Streifs in Frankreich.

Paris, 9. Mar. (Wolff.) Der Allgemeine Arbeiterverband (C. G. T. beschloß gestern abend, den Streik auf die Bauarbeiter, Metall­arbeiter und Transportarbeiter aus- zudebnen. Zur letzten Kategorie gehören die An­gestellten bei Unt.rgrundbalm.n, Straßenbahnen, Autobusse, Kra tdloschk.n, Spedition und Binnen­schiffahrt. Die C. G. T. wendet sich gleichznng in einem Aufruf an das Publikum, in dem sie erklärt, die Weigerung der Regierung, die Forderung der Arbeiterklasse in Erwägung zu ziehen, zwinge dazu, der Streikbewegung eine weitere Ausdetz - innig zu geben. Dec Widerstand der Regierung werde die Aktion der Arbeiter nicht brechen. Das Ziel der Bewegung sei, die Herrschenden zur An­erkennung der sozialen Kraft der Arbeit und der Notwendigkeit zu zwingen, den Arbeitern ben Platz einzuräumen, auf ben sie bei der unumgäng­lich ttolroenbigcn Reorganisierung der wirtschasd- lichen Tätigkeit des Landes Anspruch Haden. Die C. G. T. fordert die Arbeiter auf, die Bewegung in Ruhe unb Ordnung iortzusetzen.

Paris, 9. Mai (Wolff., Tie Pariser Blätter bringen eine Mitteilung bes Sekretärs der Ge­werkschaften der Angestellten der Unterarunb- bahnen, in der die Angestellten aulgefordert werden, die Arbeit am kommenden Montag nicht wieder aufznnehmen, sondern Solidarität zu üben, damit di.' angefh\'bte Verstaatlichung der Parißw Transtvrtunti-mehmungcn erreicht werde. Ferner wird eine Auffordetmg des Bundes der Hafen­arbeiter unb Dockarbciter veröffentlicht, die Arbeit auf unbestimmte Zeit ruhen zu lassen.

Paris, 9. Mai. <WTB.) Tie Gewerkschaft der Postbeamten hat freute vormittag in Av- mefenfreit von etwa 1000 Personen eine Tages­ordnung angenommen, in der gesagt wird, man werde die Stv.'ilenden unterstützen, falls es ver­langt tuerben sollte.

Paris, 9. Mai. (WTB.) Havas meldet über die Streiklage: In Graniac und in Tecaze- ville haben die Bergarbcfter die Fortsetzung des Streiks beschlossen. Zn Montpellier haben 800 Arbeiter, heute vormittag beschlossen, von Don­nerstag ab zu streiken, um sich mit ben im Aus- ftanb befindlichen Arbeitern zu solidarisieren. In ßorient haben die Arbeiter des Arsenals die Wiederaufnahme der Arbeit besckftoffcn, da die Streikbewegung wenig Aussicht auf Erfolg habe.

Deutsch-französische» Schiedsgericht.

Paris. 9. Mai. (Wolff.) Tas im Friedens­vertrag von Versailles inr- L bn genif ne deutsch- französische Schiedsgericht für pri­vate Streitigk.rten zwischen Teuffchm und Fran­zosen ist definitiv gebildet worden.

Au» Sem Ueich^.

Kapitän Ehrhardts Abschied.

B e r l i n, 8. Mai. (Wolfs.) DieB. Z. am Mittag" meldet: Kapitän Ehrhardt, der Führer der -weiten, zur Zeit im Munster­lager in Auflösung begriffenen Marinebri­gade, legte den Befehl über die Brigade nieder und hat das Lager verlassen. Er hat seinen Abschied der Truppe in einem Be­fehl ^bekanntgegeben, der freute vormittag durch den Ehef des Stabes Major v. Falkenhausen den Soldaten mitgeteilt wurde. Darin fagti Ehrhardt, daß er sich vollkommen frei dazu entschlossen habe, um nicht in Haft zu gEhen. sondern sich in Sicherheit zu begeben.

Die Sozialisierungskonnnission.

Berlin, 9. Mai. Ein Erlaß des Reichs­präsidenten, der die Einberufung der Sozialisierungskommission bestätigt, und ihr die erforderlichen Rechte unb Vollmachten zuweist, steht nach benP. P. N." unmittelbar bevor. Die Vor­bereitungen zur Ausnahme der praktischen Tätigkeit sind seft längerer Zeft eingeleitet und bereits so weit gediehen, daß btc Kommission ihre Arbeiten bald wftd aufnehmen können.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung".

Berlin, 9. Mai. lPriv.-Tel.) Tr. Ltto Jöhlinger, bisheriger Hauptschriftlefter des volkswittschaftlichen Teiles derDeutschen Mge- meinen Zeitung", ist als vorttagender Rat in die wirtschaftspolitische Abteilung des preußischen Fi­nanzministeriums berufen worden.