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Nr. 8 Zweiter Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Samstag, 10. Januar (920
Vie jetzigen und die ISnjtigen
Einkommensteuern.
Ein Berg'eich.
Unter den Gesetzentwürfen, mit denen sich die deutsche Nationalversammlung im neuen Jahre zu beschäftigen haben wird, in die neue Reichseinkommen st euer einer der wichtigsten. Zur Veranschaulichung dec Lasten, die dem deutschen Steuerzahler nach dem neuen Entwurf auferlegt werden sollen, sind in der nachstehenden Tabelle die neuen Sätze den heutigen gegenübergestellt, wie sie nach dem zurzeit geltenden Einkommensteuergesetz unter Hinzurechnung der zurzeit von der Gemeinde Gießen erhobenen Steuern zu zahlen sind. Der Aufbau des neuen Tarlfes
unterscheidet sich von dem bisherigen grundsätzlich dadurch, daß der Tarif durch gestaffelt ist, d. h. es werden nicht bei Erreichung einer größeren Steuerstufe höhere Sätze von dem ge,amten Einkommen erhoben, vielmehr wird jedes volle oder angefangene weitere Tausend des Einkommens als solches zu einem höheren Steuersatz berechnet. Der zweite grundsätzlicl-e Unterschied gegenüber dem bisher geltenden Gesetz ist das Kinderprivileg. Es sollen nach dem neuen Entwurf bestimmte Summen von vornherein steuerfrei gelassen »verden und zwar 1000 Mk. für einen alleinstehenden Steuerpflichcigen, 1500 Mk. für einen kinderlos verl-eirateien Stcucrpflichr- tigen u. je 300Mk. mehr für jedes vorhanoene Kind. Hiernach ergibt sich das folgende Bild:
Nach dem heutigen hrsuschen Emkommen-
steuer Gesetz einschl. Zuschläge unter Hinzu- Nach dem neuen
ral^nung der Gießener Kommunal Stcucrn. Reürr^einkommrnst.uerg s.tz-Enttvurf.
Einkommen
vM
Staats» j einkommen. steuer (insgesamt)
vH
Gemeinde: steuer (Gießen) 7 Ziele vH
Zusammen
für 1 unver- heirat. Steuerpflichtigen
für 1 Steuer-1 für 1 Steuer»
für 1 Steuerpflicht gen mit Frau und 4 Kmdern
V*
pflichtigen n.it Frau ohne Kinder
J(
pflichtigen mit Frau und 2 Kindern
1000
13.97
24.64
38 62
—
—
—
—
1100
18.42
24.64
43.06
10.-
—
—
—
1300
23.50
3248
55.98
30-
—
—
—
1500
29.21
41.44
70.65
50.-
—
—
—
1700
35.56
51.52
87.08
70.-
20.-
—
—
2000
42.55
62.72
105.27
100.-
50-
—
—
2500
49.53
87.36
136.89
155.-
100.-
40-
—
3000
102.60
127.68
230.28
210.-
155.-
90.-
30-
3500
118 80
147.84
266.64
270.-
210.-
144.-
80.-
4000
162.-
201.60
363.60
330.-
270.-
199.-
133.-
5000
239 30
282.24
521.54
460.-
395.-
318.-
246.-
6000
303.-
358.40
661.40
600.-
510.-
447.-
369--
6500
333 05
394.24
727.29
675.-
600.-
516.-
434.-
7000
380 60
430.08
810.68
750.-
675.-
586.-
502.-
8000
454.-
515.20
969.20
910.-
830.-
735.-
645 —
9000
531-
604.80
1135.80
1080.-
995.-
894.-
798.-
9500
569.50
649.60
1219.10
1170.-
10S0.-
978.-
878.-
10000
667.-
705.60
1372.60
1260.-
1170.-
1063.-
961.-
12000
813.-
862.40
1675.40
1650.-
1550.-
1431.-
1317.-
16000
1185.-
1176.-
2361.-
2550.-
2430.-
2287.-
2149.-
20000
1497.-
1489.60
2986.60
3570.-
3440.-
3284.-
3128.-
30000
2427.-
2273.60
4700.60
6460.-
6305.-
6120.-
5940 -
50000
4580.-
4144.-
8724.-
13240.-
13060.-
12844.-
12628.-
100000
11069.-
9419.20
20488.20
33850.-
33625.-
33355.-
33085. -
Au» StaM und Land.
Gießen, den 10. Jan. 1920
Zur Ausführung de» Reichsnotopfer».
Bei dem Reichsstnanzministermm gehen auch jetzt noch zahlreiche Gesuche von kleinen Rentn-rn ein, in denen geleten wird, beim Reichsnotopftt auf ihre bedrängte wirtschaftliche Lage Rücksicht zu nehmen. Aus der Meßzahl dieser Gesuche geht hervor, daß den Gesuchstellern die Vorschriften des Reichsnotovsergesetzes nicht genügend l^tannt sind. Mit Rücksicht hierauf wird ausdrücklich sestgcstellt, daß in dem Gesetz über das Reichsnotopfer auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Abgabepflichtigen weitestgehende Rücksicht genommen worden ist. Insbesondere ist vorgesehen, daß die Abgabe auf Antrag des Abgabepflichtigen ganz oder teilweise zinslos gestundet werden kann, falls sich bei billiger Berücksichtigung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse die Einziehung und Verzinsung der Abgabe als eine besondere Harste erweist. Diese Vorschrift bezweckt, vornehmlich solchen Abgabepflichtigen eine mög ichst weitgehend: Entlastung von der Vermögensabgabe zut.il werden zu lasten, die mft ihren Renten oder Zinsen nur mit Mühe imstande sind, ihren Lebensunterhalt und den ihrer unterhaltungsberechtigten Angehörigen zu bestreiten. Ferner ist vorgesehen, daß bei Abgabepflichtigen im Alter von 45 Jahren und darüber, die ein steuerbares Vermögen von nicht mehr als 150 000 Mk. besitzen und keinen Anspruch auf Pension haben, eine erhebliche Ermäßigung der Abgabe eintritt, falls sie nicht die zinslose Stundung der ganzen Abgabe beantragen und bewilligt erhalten. Endlich darf nicht außer acht gelassen werden, daß eine Verpflichtung zur sofortigen Bezahlung der ganzen Vermögensabgabe nicht bestehr. Vielmehr ist die Abgabe in Teil- beträgen zu entrichten, die sich auf einen Zeitraum von rund 30 Jahren erstrecken; ausgenommen hiervon sind nur die Abgabebettäge, die 500 Mk. nicht erreichen, und der durch 500 Mk. nicht teilbare Betrag der Abgabe.
*
** Amtliche Persvnalnachrichten. irrnannt wurde am 2. Januar der Lehramts-
assessvr Ludwig Hesse in Barcelona zum Oberlehrer. — Uebertragen wurden am 31. Dezember dem Lehrer Heinrich Hoffmann zu Hainsladt, Kreis Offenbach, tine Lehrerstelle an der Volksschule zu Zcllhausen, Kreis Offenbach, dem Schul- am!sanwärter Ferdinand Schmidt aus Unter- Liederbach die dritte Lehcerstclle an der Volksschule zu Lützcl-Wiebclsbach, Kreis Erbach, und am 30. Dezember dem Lehrer Philipp Wagner zu Ast- Heim, Kreis Groß-Gerau, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Grvß-Steinheün, Kreis Offenbach. — An der höheren Mädchenschule in Offenbach ist zum 1. April 1920 die Stelle eines Oberlehrers mit einem evangelischen Theologen zu besetzen. — Erledigt ist eine mit einer evangelisck>en Lehrerin zu besetzende Schulstelle zu Reichelsheim i. O., Kreis Erbach.
*♦ Hessischer Schutzverein für entlassene Gefangene. Dem soeben cprsge- gebenen Rechenschaftsbericht des Vorstandes für das Jahr 1918 entnehmen wir, daß die Tätigkeit des Vereins im Berichtsjahre noch völlig unter den Einwirkungen des Krieges stand. Die Zahl der im Jahre 1918 zugegangenen Pfleglinge etwa gleich geblieben. Auch unter Berücksich- tigung der aus früheren Jahren übernommenen Fälle war die Fürsorgetätigkeit im Jahre 1918 nur mäßig, da einerseits noch mehr Bestrafte als früher durch bedingte Begnadigung vor der Strafverbüßung behütet und zum Militär eingezogen ivur- den und andererseits viele Gefangene dank dem reichlichen Arbeitsangebot und den von der Kriegsindustrie gezahlten hohen Löhnen der Hilfe des Vereins sowohl für die Arbeitsvermittlung als auch für den Unterhalt der Familie en traten tonnten. Unter den Pfleglingen waren 17 (9 im Jahre 1917) weibliche Gefangene (23 Proz. gegen 13 Proz. im Vorjahre). Dem Familienstand nach waren 26 (21) Pfleglinge noch ledig, 45 (45) verheiratet, 1 (2) verwitwet und 2 (1) geschieden. Von den Pfleglingen kvaren 41 (55,4 Proz. gegen 36,2 Proz. im Vorjahr) zum ersten Male bestraft. An Unterstützungen wurden insgesamt 3373,31 Mk. ver- dvendet, in erster Linie, um der Familie über die durch die Inhaftierung des Ernährers geschaffene Not hinwegzuhclfen. Neben den Beiträgen der Mit
glieder unb den Staatszuschüssen bilden von jeher Zuwendungen an den Verein in Form von Geschenken nsw. eine wesentliche und stetige Ein- nahmeguclle. Auch im vergangenen Jahre hatte der Verein solche Zuwendungen zu verzeichnen.
Landkreis Gießen.
X W i e s e ck, 8. Jan. In den beiden kommenden Wochen sollen die Hörerschaften der verschiedenen Kurse unserer Volkshochschule ihre Vertrauensleute wählen. Die sie in den erweiterten Vorstand entsenden. Die Wahlen jindcn abends statt im unmittelbaren Anschluß an de Vorlesungen, also Montag den 12. d. M. für die Hörer bei Herrn Senßfeldcr, Mittwoch den 14. die Hörerinnen bei Schivester Lisa Trümmler, Freitag den 16. die Hörer bei Dr. Werner, Montag den 19. die bei Lehrer Müller, Mittwoch den 21. die bei Pfarrer Sattler, Freitag den 23 die bei Herrn Beruisgenoisenschastssekretär Kirchner. Die Zahl der zu wählenden Vertrauensleute beträgt bei Kurien mit über 20 Hörern je 2, davon 1 männlich und 1 weiblich, also für 5 Kurse dieser Art 10, zur Hälfte Männer und Frauen. In einem Kursus mit der Hörerzahi unter 20 ist nur ein Vertrauensmann zu wählen Tas erste Hundert der Hörer ist bereits überschritten.
Kreis Lauterbach.
G Lauterbach, 7. Jan. Am kommenden Freitag wird hier ht einer öffentlichen Versammlung der D.ut.chen Boll'spartci Finanzminister a, D. Dr. Becker üxr die Arbeiten der Nationaloersammlung und die po.i.ijche Lage sprechen.
Hessen-Nassau.
me. Frankfurt a. M., 7. Jan. Der heutige Arbeitspferdemarkt blieb, was den «Austrieb betrifft, hinter innen Vorgängern zurück, auch der Besuch an Käufern war anidjeinenb infolge der Kälte geringer. Es standen rund 700 Tiere zum Verkauf. Die Preise waren außerordentlich hoch. Gute Pferde kosteten sämtlich über 6000 Mk. Gesucht waren teilweise schwere Arbeitspferde oldenburgischen und belgischen Schlages. Leickst ver- käuflich wrren aber auch Tiere geringerer Qualität und älterer Jahrgänge. Der Markt war um die Mittagsstunde trotz mitunter schl.ppendem Geschäft bei festen Preisen nal>ezu völlig geräumt. Auch der Tausch unb Handel mit Wagen und Gerätschaften blühte wieder.
oz. H e r s f e l d, 8. Inn. Tie Vorarbeiten zu dem E i s e n ba hnne u ba u Hersfeld — Homberg — Wabern sind beendet und werden in Kürze zur Bor lag? an den Minister gelangen. Turch diese neue Linie soll eine Verbindung zwischen len Hanp ci enlnhnstreckn Bebra—Frankfurt und Kassel—Frankfurt lergestellt und größere Gebietsteile der Kreise Hersfeld. Homberg, Ro- tfenburg und Ziegenhain dem Verkehr erschlossen werden. — Dom 1. Januar kostet her der Laib Brot zu 2.400 Gramm 2,98 Mark, zu 4800 Gramm 5,96 Mark. Ter Preis für bad Pfund Roggenbrot beträgt 62, Weizenbrot 75 Pfennig. Tas Pfund Roggenmehl kostet vom genannten Tage ab 75, Weizenmehl 79 Pfennig.
Ans dem Amtsverkündigrrrrgsblatt.
** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 5 vom 9. Januar enthält: Bekanntmachung betr. die Ausführung des Gesetzes über die Ausübung des Husbeschlags, vom 13. Juni 1885. — Ausschluß des Metzgers Johann Wißner in Rüd- dingsl^uien vom Handel. — Zulassung der Oel- mühle des Heinrich Schäfer in Gießen. — Ber- brvuckHregelung der in die öffentliche Bewirtschaftung genommenen Nährmittel: hier: Bezug der bestellten Nährmittel. — Einsendung der Kreis- abdeckereiverzeichuisse. — Dienstnachrickch.m des Kreisamtes. — Feldbereinigung Ober-Messingen. — Feldbereinigung Steinheim.
Z u Mitgliedern der Prüfungs- kommisfionenzurAusübungdesHuf- b e s ch l a g s werden folgende Per> en ernannt: für die Provinz Starkenburg: KTeisveterinär- arzt Veterinärrat Dr. Weinheimer, Darmstadt, Hvsschmied E. ONohrmann, Darmstadt, Lmdwi t Peter Karl Seibel, Darmstadt: für die Prvvinz O b e r h e s l e n: Kreisveterinärarzt Prof. Dr. Melk, Gießen, Lehrschmied Georg Lamberth, Giesen, Gutsxsitzer Lesonomrerat Karl Müller zu Neuhof: für die Provinz Rheinhessen: Kreisveterinärarzt Dr. Küthe, Mainz, Schmiede- meister Peter Theiß, Mainz, Gutsbesitzer Albert Dettwefler, Wintersl-eim. Zum Vorsitzenden der drei Prüftn gskommis ionen ist der O ermcdizmal- rat Dr. Beil in g zu Darmstadt bestellt.
Ausschluß vom Handel. Gemäß Beschluß des Kreisausschusses vom 13. Dezember 1919 wird der Metzger Johann Wißner von Rüddings- hausen ab 1. Januar 1920 wieder zum Handel mit Fleisch und Fleisch waren zugelassen.
TieO el n^ühledeSHeinrichS ch äfer in Gießen (Sleinsttaße) ist zum Schlagen der Oclsrüchtc für Selbstversorger durch Euffck-eidung des Lairdcsernälwungsamles in Darmstadt vow 31. Mai 1919 jugelaiien worden.
Bezug der bestellten 9? ä h r m 1111L Aus die Marke 68 der Nährmittelkartr G (blaue Farbe' gelangen anstelle von je 150 Gramm amcrik. öaler.lodcn und Tc^gwaren 200 Gramm amerik. Haferflocken und 400 Gramm Teigwaren zur Ausgabe.
D i e n st na ch r i ch t en des Kr ei s a m t es. In Affolterbach, Kreis Heppenhecm, ist der Aus bruch der Maul- unb Klauenseuche amt.ich fest- geteilt worden. Unter dem Viehbestand des Bürgermeisters Peter Oppe. in Wehrda ist die Maul- und Klauenseuche «^..gebrochen.
Kricgsgcfangenen-Hcimkchr.
O Grün berg, 8. Jan. Hier kehrte aus französischer Gefangenschaft Chrinian Vanpel zurück. Wegen leichter Erkrankung an der Hand hatte er das Gluck, einem Transport von Ärnuten und Verwundeten, die vorzeittg nach Teutsch- la.rd ge anbt wurden, übemne en zu werden.
11 Lang-Göns, 8. Jan. Der aus der französischen G^fanreit schäft zurückgekehrte Zimmer- meister Johs. Tl)vm kam glücklich bei seiner Fa- milie hier an. Am Abend brachte ihm der Po^ saunenchor und Gesangverein „Germania" ein Ständchen.
Airchc und Schule.
O Darmstadt, 9. Jan. Nach dem Verordnungsblatt der hessischen evangelisch-.n Landeskirche ist das Ergebnis der allgemeinen Kirchenkollekten vom Jahre 1918 107 100 Mk, also sehr günstig und ein deutlicher Velvets für die Opferfreudigkeit der Kirchengemeinden. Beispielsweise gingen ein: für die Hridenmisfion 9786 Mk., für die Innere Mission 7258 Mk„ für das Hess. Krüppelheim 9668 Mk., für den Gustav-Wolf. Verein 7126 Mk., für die Nationalstiftung für die Hinterbliebencn der im Kriege Gefallenen 13 501 Mark. Bettachtet man unvoreingenommen diese Zahlen, die doch ohne Frage auch ein gewaltiges Stück sozialer Arbeit darstellen, so fällt das Gerede von der Rückständigkeit der Kirche in sich selbst zusammen.
rm. Darmstadt, 8. Jan. Das Oberkonsistorium hat nunmehr die sofortige Vornahme der Wahlen der Abgeordneten zu den außerordentlichen Dekanatssynoden angeordnct, zu der jede Pfarrei mindestens zwei weltliche unb einen geistlichen Abgeordneten zu wählen hat.Die Dekanats- jchnoden haben bis Mitte Februar den verfassungsgebenden Kirchentag zu wählen.
Klein-Linden, 7. Jan. Bei der Kirchen- vorstandswal.l am Montag wurden die bisherigen Kirchenvorstel)er einstimmig wi^eraewählt: Altbürgermeister Philipp Germer, Johannes Theiß, Will-elm Rinn, Philipp Jnng LX.., August Fey und Wilhelm Lenz 11.
X Wieseck, 8. Jan. Im Jahre 1919 wur- hier getauft: 67 Kinder (1918: 28); auß.rdem wurden 7 von hiesigen Müttern in der Gießener Entbindungsanstalt geborene Kinder dort getauft (1918: 5). Konfirmiert wurden 72 (80) Kinder. Kirchlich getraut wurden 49 Paare (12). Kirchlich beerdigt ober eingesegnet wurden 32 (41) Gemeindeglieder.
Sport»
Londorf, 8. Jan. Der Sportklub hielt im Vereinslokal bei Gustav Böger feine diesjährige Generalversammlung ab. Der Bericht des Rechners ergab folgendes Resultat: Einnahme 2638,40 Mk., Ausgaben 852,94 Mk.. Bestand 1785,46 Mk. Ter Betrag von 100 Mk. wurde als Spende für l)e im kehrende Gefangene gestiftet. Anschlreßend fand Neuwahl des gesamten Vorstandes statt. An Stelle des bisherigen 1. Vorsitzenden Wilhelm Wagner wurde Wilhelm Becker gewählt, da Wagner seinen Heimatort verlassen hat. Als 2. Vorjitzender kam Heinrich Schäfer, als Schriftführer Philipp Höchst, als Rechner Aoam Pfeiff, als Kontrolleur Wilhelm Pfeiff und Rudolf Rüspeler, als 1. Spielwart Heinrich Hopp, als 2. Spielwart Karl Kraus und als Zeugwart Karl Lich in den Vorstand. Die Zahl der Mitglieder beträgt jetzt 67.
Wanderungen.
** Jugendherbergen. Ter Haupdrus- schuß richtet immer wieder dringende Mahnungen an die Führer der jugendlichen Wanderscharen, strenge Selbstzucht zu üben, die Erttägnrsst der Felder mehr denn ,e zu schonen, sich vor Autz^ scheuchen des Wildes zu hüten, Vorsicht beim Abkochen wal en zu bassen, über Sitten und Gebrauche
Seegespenster.
Roman von Anny Wothe.
AsertaaisclKs Copyright 1918 by Aany Wotbe-ÄUhn, Leiprie (Nachdruck verboten.) Fortsetzung 25.
Bent hatte das Gefühl, als dürfe er überhaupt nicht Jngewart Ferks Schwelle betreten — als trennte das, was zwischen Peter und Jngewart stand, auch ihn von dem Heim-gekehrten, der ibn seltsam anzog und doch wieder abstieß. Lange schon, ehe Bent das kleine Här^chen erreichte, spähte er, ob er nicht Sölve irgendwo entbeefen könnte. Still und verschlafen lagen .die wenigen armseligen Gebäude des kleinen, rvelfernen Ortes vom Kranz der weißen Dünen impchlosfen, als hätte nie eines Menschen Futz thn betreten. Keine Seele begegnete ihm. Wie verwunschen tont er sich vor.
Auch das kleine Friesenhaus, das Jngetoart FerV gehörte, lag einsam und verschlossen, als wäre alles Leben daraus entflohen.
Bent zögerte einen Augenblick, an die Tür zu klopfen. Eine eigentümliche Scheu hemmte ihn. Da wurde die Haustür von innen geöffnet und Sölve trat über die Schwelle. Sie stutzte, als sie den Kapitän unvermutet vor sich sah, dann aber ging es wie So7menschem über ihr ganz schmal gewordenes Gesichtchen.
„Sie schlafen noch beide," sagte sie, Bent Bon- tat herzlich die Hand reichend, „bä will ich meinen Morgensvaziergang machen. Kvmmt Ihr mit?"
„Nichts Lieberes kann mir geschehen, Sölve Wedderken," b. teuertr der Kapitän.
„Dann kommt schnell, denn allzulange dar) ich nicht ausbleiben."
Seite an Seite schritten sie dahin und beider jgerzen Hopften so laut, daß jeder vxrmetnte, der
Schneeflocken durch die graue Herbstluft taumelten.
führte der Weg über hohe Dünen und durch weite Dünentäler, in denen Tausende von kleinen Vögeln nisteten, die bei dem ungewohnten Anblick nahender Menschen erschreckt aufflatterten und wie weiße
hörte."
.,So habt Ihr an mich gedacht, Sölve?" fragte der Kapitän vasch.
andere müsse den eigenen Herzschlag hören. Diel „Wie könnte ich das, Bent Bonken? Jnge- 5)äuser lagen hinter ihnen. Durch Märchen stille I Hart bedarf meiner. Seid Ihr bet meiner Mutter führte der Weg über hohe Dünen und durch weite gewesen und halt Ihr Esttid aufgeklärt? Es beunruhigte mich, daß ich lange nichts von Euch
Bent konnte den Blick nicht von Sölve wenden.
Sie trug die alte Sylter Tracht, den dunklen, gefalteten Rock mit der gestickten Bosuntje, einer Art Oberhemd, wie es Männer tragen — darüber eine feuerrote Strickjacke und eine weiße Friesenl^aube — den sogenannten Holländer, der ihr junges Gesicht beschattete.
Bent war völlig im Anschanen des jungen Mädchens versunken, das leicht durch den tieten Sand dahinschritt. Endlich ermannte er fich und sagte:
„Wie ergeht es Euren Kranken?"
Sölve sah ihn schelmisch lächelnd an.
„3d) glaubte schon, Käpten, Ihr hättet das Reden verlernt. 9hm findet Ihr also doch endlich Worte. Den Krankcnr geht es gut. Mutter Geiken lauft schon wteder im Hans Ijenem unb Jngewart Ferks ist auch schon aufgestanden. Nur sein Gemüt, das scheint mir noch her krank, fo daß ich oft Sorge um ihn habe."
Worum stieg bei tirren Worten der Zorn in Bents braune Stirn?
„Ist er denn bei klarem Bewußtsein?"
„Ich weiß es nicht, Bent Bonken. Ost scheint es mir, als lebe er vollständig in einer anboten Welt, und ich fürchte mich vor ihm. Ich finge tljm bann ei es unserer alten Free I eher. Gewöhnlich schläft er bann ein und wenn er aufwocht, ist er ganz vernünftig."
„Ihr solltet jetzt Eure Pflege einmal ausgeben, Sölve Wedderien."
Das Blut flieg in das zarte Gesicht pes Mädchens, als sich die langen Wimpern über bte traumblauen Augen senkten und sie leise entgegnete:
„Nie konnte ich Euch vergessen, wo Ihr mit doch ihmbe aus bet Heimat bringen wolltet."
Sie erklommen mühsam eine hohe Düne, die sich vor ihnen austürmte. Als sie die Höhe gewonnen und nun wieder in ein Dünentöl kamen, sahen sie wie eine kleine Oase die reizenden Zwergbüsche der Glockenheide in Blüte stehen. Die Mlnderniedlichcn Dünenröschen fie:tetten hier und da lustig durch den weißen Sand. Das hohe Halmgras schwankte im Winde.
„Wie schön ist unsere Heimat," sagte das Mäd- cpen frob, „das empfinde ich jeden Tag mehr, wenn ich hier über bte Dünen bis hin zum Meer wan- bere."
Der Kapitän schwieg noch immer und Sölve sah nun heitz bittend und erwartungsvoll in jein braunes Gesicht.
„Was sagt die Mutter, wie geht es Esttid
Benr schüttelte über sich selbst den Stopf. Wie teige er war.
Und in kurzen knappn' Worten berichtete er, was sich inzwischen im Gotteskoog zugetragen und wie er Esttid bet der Mutter gesunden.
Sölve sah ihn tödlich erschrocken an und umklammerte mit ihren beiden Händen seinen Arm.
„Käpten," sagte sie mit halberstickter Stimme, bic blauen Augen, die in Tränen schimmerten.
voll zu ihm auffchlagend, „Ihr müßt helfen, Ihr nur tönnt es."
Bent schüttelte den Kopf.
„Ihr kennt Peters Eisen köpf nicht, und ich fürchte, mit Gewalt ist bei Eurer Schwester nichts zu erreichen." , „
„Begreift doch, daß Esttid xu chvem Manne zurück muß Wenn Jngewart hört, daß sie bei der Mutter ist, wird er glauben, es sei teindtoegen. Er wird Hoffnungen schöpfen, die Estrid nicht er-- füllen kann, und neue Wirrnisse werden entstehen.
Er droht alle Tage, er wolle nach dem Gotteskoog, sich die Braut tu holen, sobald er gesund ist Weitz er erst, daß Estrid ihren Mann verlassen hat, nimmt er das für ein sicheres Zeichen, daß sie sich ihm zugehörig Mit. Helft doch, Käpten."
Bitter wallte es in Bent Bonken auf.
„Ihr habt viel Sorge um Jngewart Ferks, daß er frei bleibt — für Euch frei bleibt, Sölve WAderken."
Groß unb erschreckt sahen ihn bte blauen
Mädchenaugen an.
„Wie könnt Ihr mich so mißverstehen," stammelte sie.
„Habt Ihr mir nicht gesagt, Ihr loolltet die Sch-uL sühnen?"
Tas Kindergesichtchen Sölves wurde herb um? verschlossen.
„Wenn ich es vermag, gewiß."
„Aber Ihr gebt vielleicht Euer Glück in® Euer Leben daran."
„Wenn es einem anderen wohl tut, wenn ich einem anberen die Last lindere, die das Leben ihm fdfcut, dann zahle ich nicht zu teuer, Käpten. Doch lassen wtt das. Erzählt mir lieber von zu Haus."
(Fonetzung folgte


