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Nr. 159

Der -ietzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags, vezngsprcise:

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Psßfchetllvnto:

Zranksurl a. M. U686

1Z0. Jahrgang

Zreitag, 9. Juli 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheßen

Druck und Verlag- Vriihl'fche Unrv.-Vuch- und Lteindruckerei R. Lange. §christlettu«s, Seschästsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7.

Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachinittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für \ mm höbe für Anzeigen p. 34 mm Breit« örtlich 35 'Pf., auswärts 45 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite iLO Pf Bei P^tz- vorschrift 20" Q Aufschlag. Hauptschrifllctter: A»»g. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Ein neues Diktat.

Spaa ,8. Juli. (WTB.) Ter oberste intcr- Eierte Rat versammelte sich heute vormittag um 11 Uhr in der Billa de U Frerneuse zur Ente «egemra'hme t>e5 Berichtes der militärischen Experten über die Entwafftiungsvorschlige, wie fic' gestern von der deutschen Telegat ton gemacht tuutben. Um 12 Uhr mittags sprachen dic.de u t- fchen Delegierten ihrerseits in der Villa an, vuf welchen Zeitpunkt sie gestern eingcladen wor­den waren. Ter Vorsitzende Delawix ließ sie wissen, das; die Sitzung der Konferenz auf nach- wittogs 3 Uhr vertagt worden fei, um cs den Alliierten zu ermöglichen, ihre Beratungen sort- zusetzen. 'Tie deutschen Degegietten zogen sich dar- <mf zurück.

Nach der Abftü-rt der deutschen delegierten wurden die Beratungen imtcr den Alliierten fort­gesetzt um zu einer VerstLndigiung über die Schrif­ten Und die Bedingungen zu kommen, die Teutsch- fcnb für die Vernichtung des Materials und d e Herabsetzung der TruppenbestLnde gestellt, werden Allen. Tie Experten unter denen Frankreich durch General Nvllet und Deutschland durch General von Seeckt vertreten waren, berieten gestern lang? zur Pergleichung der vom deutschen Generalshrb und den beiden alliierten Delegierten eing>?brachten Zadlen ü''er dasl zu v-rnichenve i d rr ausUiliesernde Material. Es erfolgte eine Einigung in dem Sinne, daß die Zerstörung von 14 000 Geschützen, 5000 Maschinengewähren und 750 OOO Handwaffen als erfolgt anerkannt wird. Tage gen weigerten sich die Alliietten, de2i deutschen Ziffern bezüglich des noch zu vernichteick>en Materials zuzustimmen, da man fortwährend noch weitere Vorräte aufdeckc. Man weiß so, daß nvindesixns die Hälfte des deut­schen Materials noch nicht zerstört ist.

Der verlaus der Sitzung.

S p a a, 8. Juli. (WTB.) Die heutige Sitzung der Konferenz wurde nachmittags V24 Uhr im Schlösse de la Freineirse eröffnet. Lloyd George teilte sofort im Namen der Mliierten mit, daß, sofern Deutschland sofort zur Entwaffnung Der Einwohnerwehren und der Sicher­heitspolizei'schreite, ihm für die Herabsetzung der .peereaftärfe auf 100000 Mann eine Frist von sechs Monaten zugebilligt worden sei. Die Herabsetzung des Heeres habe in zwei'Raten bis zum 1. Oktober 1920 auf 150 000 Mann, bis zum 1. Januar 1921 auf 100 000 Mann statt­zufinden.

Minister Dr. Simons betonte, daß eine so bedingte Fristverlängerung eine einseitige Auflage der Entente darstellen würde, nicht ein Abkommen unter den verhandelnden Parteien.

Lloyd George entgegnete, daß die Alliierten darauf 'beständen, daß wir das Protokoll für diese Abmachungen annehmen. Demgegenüber erklärte Minister Dr. Simons, daß wir das nicht tun könnten, ohne vorher eingehend über die An­gelegenheit beraten zu haben.

Die Konferenz wurde darauf um 5 Uhr nach­mittags auf Freitag mittag il Uhr ver­tagt. Die Mitglieder der deutschen Delegation! sind sofort nach der Rückkehr von der Konferenz zu einer Besprei^mg zusammengetreten.

Spaa, 8. Juli. (WTB.) Sofort nach der Rückkehr von der Konferenz traten die Mitglieder der d e u t f ch c ii Delegation einer Be­sprechung zusammen. Daran anschließend fand eine Kabinettssitznng statt, die über eine Stunde rräbrtc. Tie Regierung hat sich sofort mit den in Berlin weilenden Mitgliedern des Kabinetts, mit dem Reichspräsidenten, mit den Führern der w>li- tischen Patteien und mit dem Reichstag in Ver­bindung -gesetzt.

Spaa, 8. Juli. (WTB.) Minister Dr. Si­mons batte beute abend eine Besprechung mit Äem Generalsekretär der Konferenz Rolling^- Jacquernin. ' >

Der Wortlaut der Sedingungen.

S paa, 8. Juli. (Molff.) Die in der heutigen öiyamg als Ergebnis B^rttmg der Alliierten übergebene E r k l ä r u n g hat folgenden Wortlaut:

Unter ba BadinMng, daß Deutschland

r. fZst>rt zur Entwaffnung der Ein- 'vohnerwehren und der SicherheitÄoolizei schreitet;

b) . eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der he sowrttge Ablieferung aller Waffen gefordert wird, die in den Händen der Zivilbevöl- terung sind und welche im Falle der ZuwLarhrn.d- lung wirksame Strafen vorsieht (im Falle, daß die kSefugnisse, die die Regierwig traft Gesetzes hat, mach dieser Rickstung hin ungenügend sein sollten, müssen unverzüglich gesetzgeberische Maßnameu ge» schaffen werden, die die Befugnisse der vollziehen- Len Gewalt auf diesem Gebiet verstärkt);

c) sofort alle die Maßnahmen. in Angrif' nrinrmt und ergreift, die notwendig sind, um die allgemeine Wehrpflichtabzuschaffen Titb um das Heer auf der Grundlage der lang» Iriftigen Dienstzeit aufzubauen, so wie es im Fric- Lensvertrag vorgcscl)en ist;

d) den Alliierten alle in ihrem Besitz befind­lichen Waffen und alles K r i e g m a ter i a I, "ta-3 über die im Vertrag zu gelassene Menge hinaus- ^ht, zum Zwecke der Zerstörung ausliesert und "den Alliierten bei der Zerstörung behilflich ist;

e) die Anwendung derjenigen Bestimmungen des Friedcnsvertrages über die Seemacht wie über die Luftfahrt sicherstellt, die noch keine Aus- Ührnng gefunden haben, erklären sich die Alliierten damit einverstanden,

1. die Frist, die für die Vermin- r e r u n g der Streitkräfte der Reichswehr rorgesehen ist, bis zum 1. Oktober zu verlängern, -ou diesem Zeitpunkt muß das Heer auf 150 000 Mann beschränkt sein und höchstens 10 Reichs- roehrbrigaden umfassen. Die Alliierten erklären Mi weiter mit einer zweiten am L Januar 1921

ablausenden Frist einverstanden. Zu diesem Zeit­punkt muß die Ermäßigung der Streitkräfte aus 100000 Mann genau in der Zusammensetzung und der Organisation, wie im Friedens vertrag vor­gesehen, vollendet sein;

2. die deutsche Regierung zu ermächtigen, in der neutralen Zone bis zum 1. Oktober die­jenigen Streitkräfte zu unterhalten, deren Zabl der interalliierte militärische lleberwachungsolw- chuß ihr bekanntgeben wird, um an der Samm­lung der Waffen teilzunehmen;

3. alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Waffenschmuggel aus dem besetzten Gebiet nach anderen Teilen Deutschlands zu ver­hindern.

Wenn zu irgendeinem Zeitpunkt vor dem 1. Januar 1921 die alliiertem UÄerwachimgs- ausschüsse in Deutschland feftfteüen, daß die Be­dingungen der gegenwärtigen Vereinbarung nicht loyal ausgeführt werden, z. B. wenn am 1. Sep­tember die vorgesehene Venvalttargs- und gesetz­geberischen Maßnahmen nicht ergriffen sind, nicht in weitgehendem Maße veröffentlicht worden find, wenn die Zerstörung und HlusliefernTig des Kriegs­geräts nicht normal ihren Fortgang nehmen, wenn am 1. Oktober das deutsche Heer nicht auf eine Ziffer von 150 000 Mann beschränkt ist und höchstens 10 Reichswehrbrigaden umfaßt, werden die Alliierten zur Besetzung eines neuen Teils des deutschen Gebiets schreiten, ei es das Ruhrgebiet, sei es jeden anderen Ge­biets, und werden dieses Gebiet erst an dem Tage räumen, wenn alle Bedingungen der gegenwärttgen Vereinbarungen restlos erfüllt werden

Meldung unseres Sondrrdienstcs.

Spaa, 8. Juli. Tie Vertagung der Konferenz von heute mittag auf heute nach­mittag erregte natürlich zunächst eine gewisse Sen­sation, die sich aber bald löste, als man aus den Kreisen der Delegierten erfuhr, daß die Fort­setzung der Beratung lediglich um ein paar Stun­den verschoben toorben sei, um eine fruchtbare Beendigung der Vorbesprechungen zu ermöglichen. Die Zeit wurde mit Erörterungen über die gestrige Sitzung ausgefallt. dluch die französische Preffe scheint von ihren Landsleuten recht eindrucksvolle Mitteilungen darüber empsaagen zu haben. Die Herren wußten über jedes Bescheid, was besprochen worden war und namentlich die Zwischenbemerkun­gen Lloyd Georges und die Antwort des Reichs­ministers Simons gaben sie ziemlich übereinstim­mend aus dem GiHächtnis touber. Der Zwischen­fall soll auf alle Zuhörer einen starken Eindruck gemacht haben, der sich in der Genauigkeit wider­spiegelt, mit der h^tte die Sätze zittert mürben. Die deutschen Delegierten sind heute stark in An­spruch .genommen: Jede Chance, an das Telephon zu gelangen, muß wahrgenommen werden, da mit dem Telegraphen so gut wie gar nichts an- zufangen ist. Aber auch das Telephon läßt fast alles Lu wünschen übrig.

Spaa, 8. Juli. Die Automobile mit der deutschen Delegation sind ntteder vor dem Hotel Anette et Lubin. Man erwartet, daß die Alliier­ten ihre Beratungen noch nicht beatixt haben und daß deshalb die Sitzung auf (riete nachmittag 1/2 4 ll'fyr verschoben wird. Das Ergebnis der heu- tigen Sitzung wird mit großer Spannung erwartet. Werden besonders die schwerwiegenden Gründe, die trm Schlüsse der gestrigen Sitzung der Minister des Aenßern Dr. Simons noch einmal den Alliierten vor Augsn gefÄyrt hat, das immer noch befbetye'iit-e Mißtrauten bestrttgeu? Es gibt nur zweierlei: Enttveder die badfcbeH Gegenvorschläge poerdcn berücksichtßst «oder die bte das

Recht des FwicdensvertDüges, nach weichem die Hsr- ckbsetzung des Heeres bis y$m 5. Juli 1920 be­endet sein muß, für sich hoben, gewLhven einsichtig eine Verlängerung dieser Frist um einige Wonate. Da sie entschLosssn sind, wie der ReichSLnzler und der Minister des Sfcitfcera mehr als ein­mal betont haben, die Bedingungen dcs Frir- densvertragcs durchsuk^vc«, so würden wir wrs dieser dittatorffchon Strenge xu beegen haben. Aber es nyrre ehr DLtst, fein wte

wir es von Kcmttvdikvsristhen VerhasLEmiHKl er­hofft 'haben kein MLomman, das eine Eutjpan- rnrng der Lage herbriftchrvn Lärmte. 8«d wenn das Heer innetthttlb dreier MsnLte, wie es George gestern als möglich 'hinftrifte, um 100000 Mann vermindert toerben jioll, wie soll in der pichen Zett die EintreÄwng der vorhandenen rk^ffeubeMude m dar BevöMrong erfragen ? JLerr Ivette Mann ber Reichswehr roeife, daß er in drei Monaten Arbeitslos auf der Starke sitzen werde. Das muß vernichtend auf die Tatkraft brr Truppen wirken, die selbst zu fflctnercst PoüZsink turnen unter solchen Umstünden nur Widerwillig und ohne Inter­esse schreiten 'mwfcett. Ter heutige Vormittag war übrigens svon vielen Gerüchen und Kombinatumen erfüllt.

Spaa, 8. Juli. ^AbendsO So war die Ent- scheLung über den ersten %rnEt des Programms noch einmal vertagt worden. Die Alltt-vrten batte«, als heute früh ffotf Mirmten vor 12 llhr ter Reichskmrzler mit den übrigen Mitgliedern der Delegation vor dem Schloß dc la Freineuse vor- fuhr, ihre Berttisrgen nach nicht beendet imb die Sitzung war daher auf »/,4 Uhr verschoben worden. Es wurde V«2 Uhr, als endlich die Sitzung der Alliierten zu Eiche war. Ter deutsche Reichskanzler war unterdessen wieder in feine Billa zurückgaöettrt. Rasch vergingen die ersten Stunden des Rachmit- tags. Kin-z nach 3 ll'hr begab sich die deutsche Dele­gation wieder nach dem Schloß. Rur noch eine dünne Schor von Journalisten nur diesmal auf­marschiert. Die Photc«nuch7n sind schorr ga«r fert» gcblieben, ebenso die Kinsoverateurc. Man bekämt allmählich die Konferenz als ettvrs alltäsliches zu bettachten. Rach Va5 Uhr fufar ein Auto vor, dem der französische .ArbeüSmttLster l^Trocsrer und

der Präsident der Wiodermi tmachungsko m Mis­sion Dubois entfliegen. Sie werden sofort von einer Gruppe von Journalisten umringt, vermögen jedoch keinerlei Mskunft zu geben. Soll ten die militärischen Fragen erledig!', sein und will man-, weil vielleicht M ckterand und Lloyd Gwrge Eile 'hoben, mit den wittschuflkichM Verhandlungen beginnen? Langsam schleichen die Minuten. Kurz vor 5 ITfjr geht eine DeweMmg durch die im Vorrrmm wanenden Diener. Es scheiitt, daß wie­der die Teepause ein ^treten ist. Doch nein, die Tür öffnet sich, Reichskanzler Fehrenbach erscheutt, und gleich rvach ifym die übrigen Mitglieder der Delegation. Em paar Worte, die ich mit dem Miinster Dr. Simons zu Nuuhseln 'Nelegenh^tt iNtbe, unterrichten mich über den Emst der Lage. Tie Mliserten haben die bereits bekannten Fir- derungen gestellt mrd fordern Unterzeichn ing des vorgelvsten Pwtokolls. Bor dem Hotel Anette et Lubin drängt sich bereits die Sckiar der Jour­nalisten, die sich 'hier Auskünfte holen wollen. Tie Minister tzichen sich sofort zu einer Besprechung zurück, wchvend draußen im Garten die mili­tärischen Sachverständigen in ernsten Gesprächen auf und abgehen. Auch die übrig»m Mitglieder der Telegatton stehen in Gruppen zusammen und flü­sternd geht das Ergebnis der heutigen Sitzung von Mmch zu Mund.

Die veuNrilLNg -er Lage.

Berlin, 9. Juli. Die Blätter sehen die Wendung, welche die Verhandlungen in Spaa ge­nommen haben, als sehr ernst an. TerBer l. Lokalanzeiger" erblickt in den vorgelegten Forderungen im Zusammenhang mit den ange- dnohten <5trafbeftiimnungen eine Wiederho­lung der Diktatur von Versailles.

DasB e r l. Tageblatt" meint, das Diktat sei in einer unerhört schweren Form erfolgt. Mit 'ber Nichttmter^ichmmg würde sich Deutschland in eine sehr große Gefahr begeben, denn es müßte bann mit dem Verlust des Ruhr­gebiets geiedntet werden.

DerVorwärts" betrachtet als den schwer­sten Teil ber Forderungen die Entwaffnung Der Sicher heitspolizei. So schwer aber auch gewisse Verpflichtungen sein möchten, die uns die Alliierten auferlegten, so dürfte hoch die Konferenz au ihnen nicht schottern.

Die ,.Deutsche Tageszeitung sagt, es zeige sich, daß die feindttchen Vertreter große Eile hätten. Ein eiliges Behandeln ber deutschen Lebensfragen in Spaa laufe den deutschen In­teressen durchaus zuwider.

Amsterdam, 8. Juli. (Wolff.) Der Korre­spondent derTimes" meldet seinem Blatte, daß die Korfferenz wahrscheinlich am Sonntag be­endet sein würde. Es sei davon die Rede, daß verschiedene Kommis unten ernannt werden sollen, in denen auch Deutschland vertreten fein wird, um die Einzelheiten der Fragen der Entwaffnung, Kohlelttieserung und Wredergutmachung, zu be- spreck>en, während die allgemeine Konferenz Ende Juli in Ostende wieder ausgenommen werden würde.

Eim Stimme -er verminst.

Amsterdam, 8. Juli. (Wolff.) Im letzten Auffatz seiner Artikelserie Äer Deutschland zieht Gardiner die Schlußfolgerungen, die sich aus diesen llntersuchuugen ergeben und schreibt:

Tie Fvanrosen Hutten zweterlci Ziele, die sich miteinander nicht Bereinigen lassen. Das erste war, Deutschland zu zermalmQi und in Stücke zu brechar, es mit einemSanttätskordon" von Feinden zu umgeben und ihm die Quellen seiner Meckü und seines mdustriellen Lebens zu nehmen. Tas M»eite Ziel ixtr, von Deutschland ungezählte Milliarden zu erlangen. Deutschland sollte erst zerstört werden und dann beMhlen. Aber nrcht allem Deutschland sollte zermalmt werden. Frankreich batte vor dem Kriege große Sum­men in Rußland angelegt und die russische Revolution sollte diese Gelder gefährden So heben denn tot« vor Kri-Mmde bte Staats­männer das repuvttkanischen F«nkr<ichL mtt Httse von Lloyd George und Cburchill mit enMchem Geld und engltschrn Waffen Krieg gegen das republikanische Rußland geführt.

Tas von der sranLösischen Palittk zur Ber- niffatung Rußlands auf der einen und Deutschlands auf ber andrem Seite angewandte Instrument ist Polen. Dtest imtemebmenbc Macht ist unter Leitung französischer Äenetull in eilt großes mi­litärisches Gibraltar Dert«r.t>elt worden, um nach Osten lstn Rußland und nach Westen hin Deutschland niederzuhalten. Frankreichs Felder sind verwüstet, sein Bartkerott ist uuiegbar, aber es bat Geld im UeberNrch für milttättsche Raub­züge in Rußland and wird Seinen Mangel an Geld batten, n-cmi die ffanHSsffche Batittk es für gut findet, daß es sich gegen das entwaffnete Deutschlaud wendet. Gerade jetzt ist Frankreich, wie ick) bei meinen Ihtterfudptneen festgestellt habe, befrei, etttt getoattige HrL-vLgartt-a in Ober - schlesien tc treten, damit dieses Kohlermebiet sicher et Poum stellen niwt, um so die wirtschaft­liche Schlinge um Deutschland mger zu schnüren.

Tiere Deuttchl^nd gj^müber vertz-^nis-olbe Pottttk der mttttärischM Ttnkorisung und der wirte schaftlichcm tzr^rosselung einerseits und unbegrenz­ter sinanzteller Ansprüche andererseits hat Europa zum SteroerbeH gereicht. Zur Hälfte liegt es in Trümmern Ter Rest wankt, und um dos ge­borstene MttteNckick Msamme-lbrickt, tvird der Ruin vollstckndtg sein und Frankreich würde die Katastrophe nicht lange überleben.

Vielleicht es schon « spät, bte ftnanz-relle Katastrophe M vermeiden. Aber wenn es rvch Zett ist, bann gibt es nur eiu Allheilmittel. Die f ran» tzösisch« Po litt rk, die Lurs» m feine tetzrge

Lage gebvackst l>at, muß vollständig in ihr Geg-en-- teil verwandelt iverden. Tie Diktatur über Europa muß den Häuben Fachs entzogen werden und die Polittk, die vor 18 Rtonaten durch Paris Hütte ein geleitet werden sollen, muß in Spaa zur bollen Geltung gebracht werden.

Diese Konferenz bietet Europa die letzte Rete tungsmöglichkett. Ern ganz neuer Geist muß jur Herrscksast kommen. Tie Zeit des Artilegens un­möglicher Bedingungen an den Feind ist vorüber. Teutschland muß als Schuldner be­handelt werden, seine Berbiirdttchveiten mu ten fest­gesetzt werden, nicht entsprechend den rhetorischen. Pl-autasien von Temagogrn^ die nach ihren Wüh­lern schielen, sondern auf Grund sachkundiger Untersuchungen entsprechend ber tatsa chl ichen wirtscyaftlichen Lage des Schuld­ners.

Aber Spaa ist nur ein Anfang. Viel wichttgere Dinge müssen erreicht werben. Der Oberste Rat hat schon zu lange gelebt. Diese Gruppe unver­antwortlicher Männer, die Europa dau­ernd in Flammen hält, ist keine Vertretung bet europäischen Demokratie. Der Oberste Rat ist nichts weiter mehr als ein Organ, das die D'trete des Marschalls Fach ausfülirt, wobei Churchill die Kanonen, LloybGeorgeben künstlichen Rebel, B o n a r Law die Dementis liefert. Der Oberste Rat ist eine Beleidigung für Englanb und eine Gefahr für die Welt. An seine Stelle muß ein R a t Europas tteten, ein Rat, worin Gleich­berechtigte für ihre gerne infame Rettung arbeiten. Die Tätigkeit dieses Rates muß mit ber des Völker bunbes verschmolzen toerben. Wenn bie französische Politik aufgegeben wirb, bann wird ber Völkerbunb automatisch auf den Plan treten, unb nur burch den Völkerbund kann ber Friede ber Welt gesichert werden. Wenn bas erreicht wird, bann wirb das Schettern von Wilsons Politi! in Paris später nur noch als fürchterliche, abei zeitliche Verirrung der Staatsmänner in Er­innerung forlieben, tvoburch schließlich ber Triumph der Vernunft nicht verdunkelt wird. Aber unb das ist bas letzte Wort, das ich von der Beobach­tung der Tragödie Mitteleuropas mitbringe Amerika darf seine Hilfe nicht verweigern, es muß seinen Anteil an dem großen Befreiungswerl ber Menschheit übernehmen, bas doch in Amerika seinen Anfang genommen hat.

Drohendrr polnischer putsch in den Abstimmungsgebieten.

Berlin, 8. Jlchi. Die Abendblätter bringen weitere Meldimgen über Anzeichen eines bevor­stehenden polnischen Putsches in den ost- und »vest- preußischen Abstimmungsgebieten. Aus Marien­werder kommt bie Nachricht, baß 5 0 0 p o l n i s ch e Zivilisten im Anmarsch seien unb baß bie Polen eine Störung ber Llbsttmmung planen. In Deuffch-Eylau kam es bereits zu schwercnAusschrei- ttmgen ber Voten. Im Kreise Stuten beuten zahl­reiche Waffenfunde auf Puffchvorb<mtttungenhttu

Königsberg i. Pr., 8. Juli. (WTB.) Wie berNeidenburger Ztg." von zuverlässiger Seite mitgeteUt wird, wurden in Soldau bie beute scheu Magiftratsmttslieder Bößheim, Rettko,vs8 unb Stachel von den polnffchen Behörben ver­haftet. lieber den Grund ber Verhaftung war nichts Bestimmtes zu erfahren. Man nimmt an, baß sie mit ber Ausreise ber Absttrnnrun^berech­tigten, bie die polnische Behörde verhindern will, zusammen hängt.

Allen stein, 8. Juli. (WTB.) Zu einer überaus eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich derdeutsche Tag", dessen Feier am Don­nerstag in Hohenstein ftattfanb. Es wurde ein Telegramm Hindenburgs verlesen, daS Ostpreußen aufforbert, der Welt zu zeigen, baß Ostchreußen deutsch sei. Stürmischen Jubel rief die Drahtung des Generalfelbmarschalls hervor, bi( mit den Worten schloß: Vorwärts mit Gott wi« einst bei Tannenberg!

Das Nachspiel der ungarischen Nätcrepubtik.

Budapest., 8. Juli. (Wolff.) Korr.« Bureau. Bor dem Budapester Staats­gerichtshof begann heute die Verhandlung ge- aen die zehn bolschewistischenStaats- kommissare, denen es nicht gelang, nach dem Sturz der Proletarierdiktatur aus Bu­dapest zu flüchten. Die Angeklagten werden beschuldigt der Teilhaberschaft an dem Ver­brechen oes Hochverrats, des Aufruhrs und des Mordes in 167 Fällen, begangen zumeist auf Anordnung Tiber Szamuclys. Sie werden ferner beschuldigt, bei der Uebernahme der Geldinstitute unter Androhung der To­desstrafe an den Beamten Erpressungen be­gangen zu haben und Geldfälschungen durch die Ausgabe von über 3Vr Milliarden nach­geahmter Banknoten der österreichisch-unga- rffchen Bank vorgenommen zu haben. Der Oberstaatsanwalt beantragte die Vernehmuno von 400 Zeugen.

Schändung deutscher Kriegergräber.

Berlin, 7. Juli. (WTB.) Die Abend» blätter geben eine Meldung berBasler Natw- nalzeitung" über die Schändung beuti cher Kriegergräber auf dem Donon m bm tt5v- aeseu wieder. Alle Gedenktafeln wurden h-raus- aerissen unb bie Einfassungen ber Graber ztt- stnntt. Wie das Straßburger Blatt,,Der El­sässer" schreibt, wurden sogar bie Gebeine Deute scher Gefallener gesammelt unb mit Lasttvageu fortgeführi. Die Schlachtfelbbriucher hatten Toten- sc^del als Audeutep mttsenommen.