Nr. 2U Zweites Blatt Greßener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 8. September 1920
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verhinverung preiswerter Mehleinsuhr?
Ter „SüLdeutscke Nahrungsmittel-Anzeiger bringt folgend? Ausführungen:
Zwischen den deutschen Bäckerrigenosienschaf- ten und dem Erirahnlngsministerium wird zur ’ Zeit ein heiliger Kampf um die lausende Emfrchr amerrkauischen Weizenmehls geführt. Vor vier Monaten roanbtc sich der Ncuyorker Staatsver- band der nordamerifenischen Bäckermeister, der zu etwa 90 Prozent aus Teutsch-Amerikanerrr bestellt, an die de.sichen Backergenossenschasten und nahm mit ihnen Verhängungen über ein großzügiges sir^sitabkommen auf. Tie amerikanischen Häcker erklärten sich bereit, zweimal monatlich je 800 Waggons seinstes amerikanisches Weizenmehl nach Deutschland zu liefern und den deutschen Bäckermeistern einen Kredit von zwei Monaten, gerechnet vom Tage der Ankunft in .Hamburg, einzuräumen. Ter Preis für das Mehl wurde auf 2,95 bis 3 Mk. das Pfund festgesetzt. Während die Verhandlungen mit den deutschen Bäckermeistern durch den ersten Vorsitzenden Max Strasser in Neuyork geführt wurden, gelang es vem zweiten Vorsitzenden ter mn erikanisckvn Bäcker- Vereinigung, Buxbaum, durch Verhandlungen in Washington zu erreichen, daß die amerikanische Regierung für die laufenden MehltranSporte ausreichenden Schiffsraum zur Verfügung stellte. Tie deutschen Bäcker wollen das Mehl zum Preise von 3,20 Mk. frei im Laden verkaufen bzw. zu Kuchen, Weißbrot und Brötchen verarbeiten. Tie deutschen Bäckereigenossenschaften wandten sich an den Er- nährunasminister und trugen ihr Anliegen vor. Taraufyin erhielten-sie folgendes Schreiben: „Auf Ihre gesl. Anfrage teilen wir Ihnen mit, daß vor der Hand nicht beabsichtigt ist, die Einfuhr von Auslandsmehl freizugeben.' Vor einigen Tagen haben die amerikanischen Bäcker, die bereits eine Studienkommission nach Teutschland entsandt haben, telegraphisch angefragt, ob unv wann oas Lieferungsabkommen in Kraft treten solle. Tie amerikanischen Bäcker haben als Sicherheit für die Durchführung der Zahlungen lediglich Bürgschaft der deutschen Bäckerverbände und Genossen- fdjaften verlangt. Sie haben weiterhin sich bereit erklärt, laufend noch größere Mengen als die an-. ® denen zu senden. In den Kreisen der deutschen
er hat die ablehnende Haltung der Regierung Derstimnrung her Doiyeru fern, die noch dadurch verstärkt wird, daß der Ernährungsminister einer der größten Bäckereigenosfenschaften auf eine Anfrage mitteilte, daß eine Erhöhung der Brotration von der Ablieferung des Brotgetreides aus der neuen Ernte abhängig gemacht werden müsse und daß auch eine bessere Ausmahlung des Getreides aus diesem Grunde vor der Hand nicht angängig sei. In einer Verhandlung mit dem Vorsitzenden der Ernährungskommission der Interalliierten Kommission wurde den Vertretern der deutschen Bäcker vor wenigen Tagen zudem klargemacht, daß die Londoner Konferenz leider wenig praktische Ergebnisse gezeitigt habe, da England selbst beim besten Willen nicht imstande sei, dem deutschen Volk wesentliche Hilfe angedeihen zu lassen Tie Bäcker stehen auf dem Standpunkt, daß der Verkauf amerikanischen Weizenmehls zum Preise von 3 Mark eine durchaus nicht zu unterschätzende Hilfe für die Ernährung der deutschen Bevölkerung bedeuten würde. Auf der einen Sette wäre damit endgültig dem Schleichhandel, der für deutsches Weizenmehl 6 bis 7 Mark verlangt, ein Ende gemacht, und auf der anderen Seite würden die Landwitte, wenn der Schleichhandel aufhörte, von selbst gezwungen fern, das Brotgetreide in erheblich größerem Umfang abzuliefern. Sollte die Regierung nach wie vor sich dem Hilfswerk der amerikanischen Bäcker widersetzen, so ist beabsichtigt, die Bevölkerung im ganzen Reich zu einem Pwtest aufzurufen.
Hauptversammlung öe$ hessischen Oberlehrervereins.
Frankfurt a. M., 7. Sept.
Tie diesjährige Hauptversammlung des Hessischen Oberlehrer Vereins fand Samstag, den 4. September in Frankfurt a. M. statt.
Als Vertreter des Staatsministeriums war Präsident Dr. Strecker erschienen. Außerdem hatten Vertreter gesandt der Preußische Philologenverband, der Wütttembergische Philologenvercin und die Frankfurter Ortsgruppe des Preußischen Philologenvereins. Tie Zahl der erschienenen Vereinsmitglieder betrug schätzungsweise über 500.
Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Direktors Altendorf, Friedberg, erhielt Präsident Dr. Strecker das Wort. Er führte etwa folgendes aus: Ministerium und Schulabteilung wünschen die Mitarbeit des Vereins, aber wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden könnten, sio liege das erstens daran, daß in vielen Fragen noch Mei- nimgsverschiedenheiten innerhalb der Beteiligten selbst bestünden, daß zweitens die Interessen der Derfdfiebenen Ressorts im Widerstreit lägen, und daß drittens die furchtbare Not der Zeit die ^Durchführung mancher wünschenswerten Maß- kegel verzögere oder unmöglich mache. Oft kämen alle drei Schwierigkeiten gleichzeitig in Betracht.
Blinder Haß.
Roman von Alfred Sassen.
Nachdruck verboten.) Fortsetzung 26.
„Auch glaube ich nicht an die ®nngrteit des Hasses: — ich glaube nur an Die Ewigkeit der Äebe!"
„Ter Liebe," wiederholte die Blinde hohw- voll, „ia freilich, daran mußt du glauben —"
„Still, still, Tante." fiel Rena beschwörend ein. „Nichts davon! Bleibe groß in deinem Zorn und Haß, wenn txu schon zürnen und hassen mußt! Aber sprich kein kleines, deiner unwürdiges Wort aus — fein Wort, das du später selbst als einen stachel in deiner armen, wunden Seele empfinden würdest! ... Ich sehe, es ist setzt nrcht möglich, auch nur die armseligste Verständigung^^irischen uns an$ubafr.i€n — so. muß ich warten, «still null sckr mich in rinen Winkel stellen, Tante, inü> meiner «künde darren. Ich meine, sie muß kommen, denn —"
Sie hielt inne — wie auf einmal des Atems beraubt.
Was ging in der Blinden vor? Etwas Lauerndes war in ihren Zügen, in ihrer ganzen Haltung, e'iros Unbeschreibliches —, es schattete zu oem Jungen Mädchen hin glcick riesengroßen, schwarzen ölügeln, die sich, ihr Licht und Luft raubend, aus sie nieberienien wollten.
Än ihrem stockenden Herzschlag glaubte sie zu
So fei as noch nicht möglich gewesen, die Frage! der Bezahlung *o:r KriegSreserendar. wäh.e.w der Vorbereittmgszrit zu regeln. Tas schwierigste Kapitel sei die Ä eso l du n g S r e f o r m Teu dabei tätigen Räten müsse man Eigentlich die für die SitzunMn aufgemanöte Zeit wie Kriegszett doppelt anrechnen Beionders schwierig sei btc Verteilung bet bewilligten „gehobenen Stellen" gewesen. Ettie Verteilung nach dem Tienstalter habe dem Willen des Gesetzgebers widersprochen. Ob eine Vermehrung möglich fei, könne noch nicht gesagt ivtrbcn. Ter Redner wandte sich dann der Ticnst- an Weisung zu, deren Entwurf kürzlich den Amtsgenossenichotten zugegangen fei. Durch sie werde das Verhältnis von Direktor zu Oberlehrer nicht mehr unbedingt auf das Vorgesetztenverhältnis abgcstcllt, sondern auf das kollegialere Zusammenarbeiten. Ter Bei - r a t solle dazu dienen, auf freundschaftliche Weife Schwierigkeit innerhalb der Amtsgenossenschaften au vermeiden oder zu beseitigen. Sehr viel versprech: er sich von der Erweiterung der Kompetenz der Fachkonferenzen und der ge- planttn Einrichtung von Fachausschüsien. Strecker schloß mit dem Himoeis auf Hgcls Idee vom objektiven Geist und seine berühmte dialektische Methode, aus denen die Richtlinien für gemeinsame erfolgversprechende Arbeit entnommen werden könnten.
Beifällig wurde ein Schreiben ausgenommen, das Staatsoat Block dem Vorsitzenden des Vereins hatte jugeben lassen.
Tie Tagesordnung, die zu bearbeiten ivar, ivar sehr reichlich. Ten breitesten Raum in der Be- spcechmrg nahmen im Anschluß an den Jahresbericht des Vorsitzenden die ©duilfragen (Einheitsschule, Lehrerbildung, Schulleitung) und die im Rahmen der Besoldung sref o r m zu erhebenden Forderungen ein. Die Stellung des Vereins fit beiden Fragen wurde durch eine Reihe von Beschlüssen festgelegt.
Der festeren Zusammenfassung des Vereins diente der Beschluß, daß alle Mitglieder zum Be^ug der „Südwestdeutschen Schulblätter"" ver- psttchtet sein sollten. Der Jahresbeitrag wurde auf 40 Mark festgesetzt.
Für drei ausgeschiedene Mitglieder traten neu in den Vorstand ein: Studimrat Professor Neß- ling, Darmstadt und btt Assessoren Dr. Türck, Darmstadt und Mcmjä, Gießen.
Die Vertettung der Aemter wurde so vorgenommen, daß Direktor Altendorf, Friedberg, unterstützt durch Studienrat Professor Tr. Reeb, Mainz, Vorsitzender bleibt. Die Geschäfte des Schriftführers besorgt Konrektor Poepperliug, Tarmftobt, die des Rechners Assessor Dr. Türck, Darmstadt. In die Schriftleitung der „Südwcft- deutschen Schulblätter" tritt für Hessen Oberlehrer Dr. Streuber ein.
Die von Darmstadt vorgeschlagene Organi- sationsänüerung wurde nicht mehr behandelt. Sie soll zusammen mit der Dienstanweisung den Stoff zu einer demnächstigen außerordentlichen Hauptversammlung abgeben.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
** Das A rn t s ver kün digun g sb l a 11 Nr. 128 vom 7. September enthält: Verordnung SAusführung der Reichsgetveideordnung. — rdung der Gemeinde-, Mark- und Stifttmgs- ungen. — Nachweisung über die für Hebammen gewährten Rul-egehalte und Unterstützungen. — Maßnahmen zur Bekämpfung der Reblaus. — Herbstferien. — Abschuß von Eichhörnck>en, Eichelhähern und rttberurrtigeu Vögeln. — Gebühren der nichtärztlichen Leick-enbeschauer. — Annahme von Zinsscheincn an Zahlungsstatt. — Wirtschaftliche Beihilfe für heim gekehrte Kriegsgefangene. — Zentralverband Teutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener. — D ienstnachrichten. — Feldbereinigung Hausen.
Ausführung der Reichsgetreide- ordnung für die Ernte 1920. Vom 26. August 1920. Auf Grund des 8 8 Abs. 1 Nr. 3 der Reichsgetreideordnung für die Ernte 1920 vom 21. Mai 1920 (Reichs-Gesetzbl. S. 1028) wird mit Zustimmung des Reichsrats bestimmt: § 1. Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe dürfen 1. ihren selbst- gebauten Hafer aus der Ernte 1920 an das im betriebe gehaltene Vieh verfüttern; 2. von ihrer felbftgcbauten Gerste a) an das im Betriebe gehaltene Vieh die irn 8 8 Abs. 1 Nr. 1 genannten Mengen an Gerste, soiveit diese zur menschlichen Ernährung nicht Denvcntet werden, b) an ihre Zuchtsauen, sofern diese gedeckt sind und dies dem Kommunalverband angezeigt ist, zwei Zenttier für den Wurf verfüttern. Die Vorschrift im Absatz 1 Nr. 1 gilt auch für sclbsbgebautes Gemenge aus Hafer und Gerste, das nicht mehr als dreißig vom Hundert Gerste enthält.
Derbstferien. Mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, die sich der Kohlenbesclwft'ung auch in diesem Jahre entgegenstellen, bestimmt das Lan- desami für das Bildungswesen, Abt. für Schulau gelegen hei teu, daß die Herbstferien vom 10. bis zum 24. Oktober dauern. Wo örtliche Verhältnisse (z. B. Teilnahme der Schüler an landwirrichaft- lichen Arbeiten) eine Aenderung rötlich erscheinen
lassen, ist rechtzeitig Antrag zu stellen. Dabei wird, vorausgesetzt, daß die Herbitferien für alle Schüler desselben Ortes, wo sie bisher zu gleicher Zeit! waren, einhettlich geregelt bleiben. Insoweit den! Schulen noch drei Wochen Ferien zusteden, kann I deren Beginn um acht Tage früher testge'eyt wer -1 den. Etwaige Anträge aus Aenderung der gelros-! fenen Anordnung sind an die Krrisschulkommission < KriegÄünterbl icbcner. — Dienitturcknicl.:en Giesen zu richten, dabei ist ansu geben, ob bi: j Bre:rnsLi ftrersorgung für den Winter gcudnrt ist. j
Den Abschuß von Eichhörnchen,! Eichelhähern und rabenartigen Vögeln. Mil | veranlaßt durch die hohen Preise für Patronen wurde neuerdings bet Absckiuß der genannten Schädlinge offenbar nicht in dem Umfang gehand? habt, wie es die Rücksichten auf Förderung der Landeskultur verlangen. Es ist baber sowohl an Waldpflanzen und Waldsämereien als auch an der Walnußernte und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen ein erhöhter Schaden bemerkbar und eine weitere Zunahme zu befürchten, wenn kein stärkerer Abschuß der schädlichen Tieve eintritt. Den Forstsckmtzbeam- ten wird ber Abschuß in Domauialjagden zur Pflicht gemacht und es ist durch die Kveisämler sofort zu veranlassen, daß auch in den (Gemeinöeiagben die Forstwarte und Felbschützen mit Abschußerlaudnis veigehen und ihnen ausreichende Schnßgelder gewährt werden. Für die Domanialjagden ist vom 1 April lf. Js. an das Schußgeld aus die in den Vorschriften über die im staatlichen Selbstbetrieb bewirtschafteten Jagden (vgl. Nr. F. M. D. 49 174 vom 15. Juni 1920) vorgesehenen Sätze zu erhöhen, d. h. auf 3 Mk. und für ein Nestjunges aus 1 Mk.
Gebühren ber nichtärztlichen Leichenbeschauer. Die festgesetzten Gebühren werden bis auf weiteres mit Wirkung vorn 1. September 1920 ab für die Leichenbesichtigungen am Wohnort des Beschauers auf 3 Mk. erhöht und ber Zuschlag (Weggebühr) bei L-eichenbesichtigungen, die außerhalb des Wohnortes, aber innerhalb des Dienstbezirks des Leichenbeschauers borgenommen werden, bei einer Entfernung bis zu drei Kilometer auf 2 Mk., bei einer weiteren Entfernung auf 3 Mk. festgesetzt.
Annahme von Zinsscheinen an Zahlungs statt. In Anbetracht ber schwierigen unb verwickelten Gesetzesbestimmungen über bie Maßnahmen gegen die Kapitalflucht und über die Kapitalertragssteuer hat das Ministerium des Innern verfügt,-daß es nichts dagegen einzuwen- den findet, wenn die Gemeinbekassen in Zukunft Zins scheine an Zahlungsstatt nicht mehr an- nehmen.
Anträge auf Gewährung einer wirtschaftlichen Bei Hilfe von bereits Heimgekehrten sind irnbefbrngt bis zum 1. Oktober 1920 ber zuständigen Kriegs gefangenen-Heimkehr stelle einzuveichen. Später eingehende Anträge können nickt berücksichtigt werden. Anträge der jetzt noch aus ber Gefangenschaft heimkehrenden ehemaligen Kriegsteilnehmer müssen spätestens drei Monate nach Entlassung aus dem Heeresdienste ber zustänbigen Stelle eingereicht werben.
Dem Ze n t r a l verbanb Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener in Berlin NW. 6, Luisenstr. 31 b, wurde auf Grund ber Bundesratsverordnung vom 15. Februar 1917 zunächst bis zum 31. Dezenlber 1921 die Erlaubnis ^ur öff ntlichen Werbung von Mitgliedern im Freistaat Hessen erteilt.
Dienstnachrichten des Kreisamtes. In den Gemeinden Appenrod und Dannenrod, Kreis Alsfeld, ist ber Ausbruch ber Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worben. Die Orte und Gemarkungen Lehrbach unb Erbenhausen wurden zum Beobachtungsgebiet erklärt. In Ober-Wöllstadt und O st h e i m ist die Maul- imD Klauenseuche amtlich festgestellt tvvrden. Die genannten Gemeinden und Gemarkungen werden zum Sperrgebiet erklärt. Ins Bevbachtungsgebiet fallen die Gemarkungen Butzbach, Hoch-Weisel, Fauerbach v. d. H. In den Gemeinden Wenings, Grundschwalheim, Nieder-Mockstadt, Dauernheim, Dauernheimer Hof, Un- terschmitten, Aulendiebach und auf dem H o s Tiergarten ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die erforderlichen Sperrmaßnahmen sind angcorbnet. In ber Gemeinbe A tz- b a ch ist die Maul- unb Klauenseuche amtlich fest- gestellt worben. Die erforderlichen Schutzmaßregeln sind angevrdnet. In der Gemeinde Aßlar ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worben. Die Fab ikanlage ber Firma Berkenhoff unb Drebes daselbst ist als Sperrbezirk und ber übrige Teil bes Ortes unb die Feldmark Aßlar sind als Beobachtungsbezirk bestimmt worden.
August Wagner von Lollar ntrrbe zum Erheber der Viehbestände für bie Gemeinben Lollar, Taubringen, Ruttershausen und ©taufenberg eidlich verpflichtet. ----
Hochschulnachrlchien.
Hk. Ter Marburger physikalische Lehrstuhl. Wie wir hören, ist der durch das 2lbleben des Geh. Rats Richarz erledigte Lehrstuhl der Physik an ber Universität Marburg Pros. Dr. Clemens Schaefer in Breslau angeboten worden.
fühlen, daß die Tante erst setzt wahrhaft über fte zu Gericht sitzen und sie in diesem Gericht vernichten würde.
Ja, jetzt mußte gleich bie Maske von dem starren. Gesicht fallen — das Ungeheuerliche darunter hervorbrechen — —
„Gut denn," sagte die Blinde aus einmal in einem leisen, aber messerscharfen Ton, „ich will dir gestatten, daß du in meinem Hause bleibst — aber nur unter einer Bedingung —"
„Nenne — diese — Bedingung —"
Widerstrebend fast, nur durch die Gewalt des Willens hervorgestoßen, fernen diese Worte über die Lippen des jungen Mädchens.
Mit einer gewissen Hast, als vermöge fte ein? brennende Erwartung in sich feum zu zügeln, sprach die Blinde weiter: „Durch Osfers frühen Tob bist du frei genwrden. Versprich mir, biete Freiheit nicht auszunützen — in einem Sinne nicht. Schwöre mir zu, daß du niemals dem Sohne Walter Hütrichs angehören wirst — nie und nimmermehr — auch nach meinem Tobe nicht!"
Nur wie mit halbem Ohr hörte Rena die haßgesättigte Forderung der Tante.
Dafür brach es aus den Worten iah über sie herein wie eine große, strahlende Helle. Ganz erfüllt von der entsetzensvollen Trauer über Den plötzlichen Todesfall, in ihrem vollen Empftnoen bingenommen von unsäglichem Erbarmen mit ber so beispiellos betroffenen Blinden, war es ihr । nod) gar nicht zum Bewußtsein gekommen, drs I Große, Köstliche, daß sie frei fei!
Ja, groß und köstlich mußte sie es in ihrer schwaclen Menschlich it gerade jetzt empftnoen, da sie sich an den Rand ber Verzweiflung getrieben sah.
Frei — frei!
Blitzschnell erhoben sich in ihrer Seele die schmerzlich seligen Stauben, bie sie in Davos am Krankenbett bes Geliebten verlebt! Wie hatte er zu ihr gesprochen? „Wir sehen uns wieder — ich weiß, ich fühl es!"
Ja, ja — nun stauben einem Wiedersehen keine unüberwind.ichen Schänken mehr enterg-n, ber Weg, aur bem sich die Hinbernisie bergehoch gehäuft, er war fahrbar geworden — die Nacht hatte sich in den Tag verwandelt, in den strahlenden, berauschenden Tag!
Frei — frei! . . .
„Antworte mir —" heischte da die Blmve voll verzehrender Ungeduld.
Rena schrak empor. Tie aufgestiegenen Himmelsbilder wichen zurück — weit, wett zurück!
Welche unerbittliche Forderung hatte die Tante an sie gestellt?
Nun erst fanden bie grausamen Worte den rechten Weg zu ihrem Bewußtsein. Das — das wurde von ihr verlangt! Unb mtt einem Schwur sollte sie die Zusage erhärten.
Furchtbar — furchtbar!
Wohin sich wenden?
Eisenstarke SDetien hielten sie in btejem Hause fest, freiwillig hatte sie sich ihm unb der Blinden fa eben noch mit allen Kräften geweiht — aber
lürebe und schule.
Friedberg, 6. Sept. Der Kreislehrer« verein veranstaltet in den nädxncit ’rixxf/en eine Re he von geologischen 2Ämteru:lg.-n, di? Berguat Dr. Schottler Darmstadt» führen wird 24e erste oühlung beginnt am 8. September in 'Jfibba. Weitere Führungen werden tann in darauffolgenden Wochen nach Müi:zenocrg, Bild l und in bie nähere Umgebung Fneod.-rgs g-l»cn Die Mreie- schultemmisiion hat den Lehrern, hie sich Kiran beteiligen wollen, für die b?‘reftenden Tage frei gegeben. Auch Mch lehrrr sind bei den Führungen wlllfemmen.
^eridibfaal.
,mc-, Frankfurt a. M., 6. Sepl. Ein ^»chlelchhändler stand l/eute vormittag in i>cm ^chatherdenbesitzer Josef Müller ausB r e u n - 9 cd bn m vor dem Gench . Der gute Mann batte nicht weniger wie 180 Hämmel vnickivinde > lassen, die teilweise auf freiem Feld geichfechtet wurden. Tafür muß er nun 10 000 Mar' Siraie zahlen, außerdem darf er acht Tage im öefängni . über bie Verordnungen bett. Schleichhandels narii ■ denken- Ein Lanbwitt aus Groß .! nsiadt, der Beihilfe geleistet lMte, fein mit dni Togen Gefängnis unb 1500 Mart Geldsttuse davon '
Vermischte».
.* Eine Rundfrage über di<^ Technische Not Hilfe. In einem kleinen, von ^rr Hauptstelle der Technisäien Nothsife berausgegebe- nen Heftchen ftnb in gedrängter sz-üllc Beurte,ttm- gen der verschiedensten, führenden Persönlichkeiten Deutschlands über diese Einrichtung zusammengestellt worden. Es berührt vcsond^rs erfreulich, daß über jeden Gedontenkveis, den die Technische Nothilfe praktisch vertritt, auch bei sonst entgegengesetzt gerichteten Persönlichkeiten des geistigen Lebens geschlossene Einmütigtett herrsckst. So äußert sich neben den traditionellen Vertretern ber deutschen Wissenschaft, den Nobelpreisttägern Plank und Haber, der Arheitsasttvnom Bürgel in gleich anerkennender Weise über die Not Hilfe. Ter Rektor der Berliner Universität Meyer begrüßt die Einrichtung ebenso warm wie ber Sozial- polttiker Len sch und Som bart, von denen der letztere sie als „Vertreterin wahrhaft sozialer Ten* denzen von Zucht und Ordnung in unserer Zeit der Verwilderung unb Auflösung" bezeichnet. Wie die Köpfe des geistigen Lebens, so bezeugen mich bie Führer unserer Wirtschaft die gl.icke große Wertschätzung der Technischen Nvthilse m tiyren Aeußerungen, und alle diese Werturteile werben ergänzt durch die auf Grund praktischer Erfahrungen mit der Technischen 920^1^ gebildeten Ansichten von Behörden verschiedenster Art und Bl.sck,ernigungen lchenswich'iger Werke aller 0>rup- pen, bei benot die Technische Nothilfe einspringor mußte.
* Briefmarken, die aufP ost karten, aber nicht auf Briefen gelten. Briefmarken, die auf Postkarten gelten, nicht aber auf Briefen, Drucksachen usw. wird es vom 1. September an geben. Die Post hat bekanntlich die Marken zu 2, 2l/8, 3 unb 7V, Pf. vom 1. September an für ungültig erklärt. Man hatte aber nicht bedacht, daß die Post sowohl wie einzelne Geschäftsleute noch Postkatten mit eingedrucktem Wert stempel zu 71/, Pf. usw. besitzen, die man mit den für ungültig erklärten Marken ergäiuert muß, wenn man die Karten nicht wertlos machen will. Es würde deshalb angekündigt, daß Postkarten mit eingebrueften Marten zu 7'/, Pf. usw. mit Ergänzungs-Freimarken der für ungültig erklärten Werte auch nach dem 31. August unbeanstandet befördert werden. Auch bie Postanstalten sind soeben in diesem Sinne angewiesen worden. Ja sogar die Besitzer von Postfetten zu 71/? Pf. usw. erhalten die für ungültig erklärten Wertzeichen noch nach dem 1. September, um ihre Karten ergänzen zu können. Auf Briese, Drucksachen, Geschäftspapieoe usw. darf man diese Marten nicht kleben. Tic Postanstalten sind ferner jetzt ebenfalls angewiesen worden, die in den Händen der Verbraucher noch befirrblichen Wertzeichen zu 2, 2l/i, 3 und 7V8 Pf. bis zum 15. September gegen gültige Postwertzeichen umzutauschen.
Büchertisch.
— Humoristische Gedichte in Wetterauer Mundart betitelt sich ein von ber Pfeifferschen Verlaasbuchhandluna in Gießen herausgegebenes Werkcven. Dec Verfasser P. Gei bei, ben sein Beruf als Tierarzt mit der ländlichen Bevölkerung feiner Heimat täglich in Berührung brachte, schÜdett in durchweg humorvoller Weise Ten fort, Gefühle unb Hanblungen ber charakteristischsten Gestalten bes Landvolkes. Er hat diesem mehr abzulauschen vermocht, als mancher, der es in Prosa zu schildern vermag. Das Aäirdchen, das für 3.50 Mk. durch jede Buchhandlung bezogen werden kann, ist allen Freunden heiteren Lesestoffs, Inamentlich solchen, die bie Mundart beherrschen unb andere erheitern wollen, zu empfehlen.
sie hatte da mit ihren schmerzverdun ketten Augen bie Sonne noch nicht gesehen, die ihr in schönem Lebensglanz emporgestiegen war!
Unb jetzt galt es zu wählen!
Und wenn sie gewählt hatte, gab es kein Zurück mehr — teins!
Noch einmal mahnte die Stimme ber Blmdm, dumpf unb rauh in der ungestillten Erwartung: „Antworte! Antwotte!"
„Tante," stammelte Rena endlich, von ihren widerstteitenden Gefühlen httv- unb hergeworftn, „gib mir eine Frist —" *
„Keine Frist! Augenblicklich trift deine Entscheidung !"
„Wie kann ich —"
„Tu mu&t!"
„liebe Barmherzigkeit, Tante! Gönne mir Zeit — mir unb auch dir! Vielleicht —"
„Ha, ha, ha! Für mich gibt es kein ^tel- leicht"! Es soll auch für dich nicht da sein. Klar und deutlich habe ich meine Bedttrgungen m^espro- chen — und nun sage Ja ober Nein! Bleibe bei deiner Tarnte — als Trost, als Stab und Stütze ihres Alters — oder verrate sie, gehe zu ihren Feinden über!"
„Es sind nicht beirre Fettcke! Wenn du wüß->
„Ich betrachte sie als meine schlimmsten Femde. als die grausamen Zerstörer meines Lebens^bi^ zum heutigen Tage! . . . Sag, auf welche s-it' du dich stellen nullst! Sag'S!"
(Fortsetzung folgt.)


