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Zweites Blatt

llr. 285

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zrettag, 3. Dezember 1920

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Schöffengericht.

Gießen, 33. Nov. 1920.

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denn die sinnlosen Worte, die er ihr -uraunte, um sie aus ihrem fünfter(i eben Schweigen machzu- stehen, tarnen nur in beiseren, gepreßten Kauten von seinen Lippen. Auch anrühren mochte er sie nicht. Ein unüberwindliches Gvauen hielt ihn davon zurück. So stand er noch am Fußende ihres Lagers, als Erika hereinkam, in einen Schlasrock gehüllt, und mit den Anzeichen bet Bestürzung aus dem Gefielst.

Was ist geschehen, Achim? Signe ist doch nicht kränker?

Stumm wies er mit auSgestrecktem Arm out die Regungslose. Mit zwei Stritt en war Erika bei ihr und halte sich aus den Bettrand niederge­lassen. Sie stieß keinen Schrei aus: aber ihre Arme fielen fdstaff herab, und wohl eine Minute verging, ehe sie sich wieder nach dem Pslegv- bruder umwandte.

Armer, armer Achim!" sagte sie leise.

Ta fiel er mit einem dumpsen Wehclaut neben ibr in die -knie und drückte sein Gesicht in die Falten ihres Meide-. *

Durch einen atemlosen, keuchenden Boten aus dem Fulknerchausc war der Sanilätsrat Tr. Baren- rhin noch Mitternacht aus dem Schlase geklingelt worden. Tenn eine telephonische Nailstverbmdung bestand nur zwischen Tr. Germering mid dem Landhause aus "ber Ln.d.mhöft. Ihrer aber hatte man Tid) vergebens zu bedienen versucht. Via cd Langem Anlauten erst war die alte Wlrttchafterin des Toktorhauses am Apparat erfdnenen, um aus den Anruf zu erwidern, daß Germeritig nicht in reiner Wohmmg sei. Er war in später Abendsttuche von dem Wagen eines Gutsbesitzers ans der 9tad>-

Ans Hessen.

Eine Beamtcntagung.

Eine gut besuchte Tagung der Arbeits­gemeinschaft der nicht geprüften mittleren, sowie der unteren Be­amten- und Angestelltenverbünde in Dessen fand am Sonntag in Frankfurt am Main statt, in der die Forderungen dec nicht angestellten Gchilsen, sowie der unteren Beamten in verschiedenen Referaten eingehend behandelt wurden, lieber die Tagungen des Deutschen Beamtenbundes in Berlin und Köln wurden Berichte erstattet. Die Landtagsabge­ordneten Loos und Herbert verbreiteten sich über die Organisation und die Besol­dungsreform.

barschaft geholt worden, um bei einer Nieder­kunft Beistaick zu leisten, und er hatte hinter­lassen, daß er vermutlich erst am Morgen jurün sein werde. Ta hatte man bemt den Santtäts- rat rufen müssen unb er tarn sofort, obwohl ihm das Gehen noch recht schwer fiel. Unterwegs wagte er den Gärtner, der ihn geholt hatte, narb dem Ge­schehenen aus. Aber der Monn wußte nicht triei zu sagen.

Es ist etwas mit der jungen Fvau Falkner passiert Sie liegt in einem Starrkrampf oder sie ist lot. Aber das kann dach eigentlich gar nicht nicht wahr, Herr SanitäkSrat? Gestern abend noch ist sie tm Garten an mir oorbei- gegangen. Taß ich sie grüßte, hat sie allerdings gar nicht gesehen. Sie starrte recht sonderbar vor sich hin. Und dabei lief sie so schnell aus das Haus zu, als ob einer hinter ihr wäre."

Vermutlich war sie also schon krank. Aber warum, wenn man den Tr. Germering nicht er­reichen konnte, hat man nicht schon früher nach mir geschickt?"

Darüber wußte der Mann keine Auskunft zu geben. Und droben im Falknerhause wiederholte Tr. Darenthin seine Frage nicht. Er fand Gerda mit Erika schluchzend am Bette der jungen Frau, nährend SCdrtm mit verschränkten Slimen an der Fensterbank lehnte und in düsterer Unbeweglichkeit auf die Tote starrte.

Tenn eS war eine Tote, die da in den Kissen ruhte. Tarüber hatte schon der erste rasche Mick den Sanitätsvat belehrt. Es bedeutete nichts als die formelle (Erfüllung einer ärztlichen Pflicht, daß er da- Stethoskop auf ihre Brust seßte, nm auf den

Schlag des Herzens zu horchen, das, wie er recht wohl wußte, für immer xu schlagen ausgehört hatte Tiefernsten Antlitzes richtete er sich nach einer Weile wieder auf und schob mit zartem Fmger eines der Augenlider empor, die Erika vorhm sanft über die verglasten Augen gedrückt hatte. Tann ging er auf Achim zu.

Ich bin zu spät gekommen, Herr Falkner/' sagte er mit gedämpfter Stimme.Erlauben Sie mir, Ihnen aus tict erschüttertem Herzen mem innigstes Beileid auszusprechen."

Schweigend nahm der Maler seine Hand. Cs war, als sei er überhaupt nicht mehr fähig zu sprechen. In richtiger Erkenntnis seines Zustandes verzichtete Dr. Barenthin daraus, irgend eine Fvrgc an ihn zu richten. Aber nachdem er auch den weinenden jungen Mädchen seine Teilnahme aus- gedrückt hatte, zog er Erika bei Seite.

Ich bin außer mir," flüsterte er.Noch fehlt mir jede Erklärung. Sie war "doch gar nicht krank."

Doch. Als sie gestern abend von ihrem Spaziergang heimkehrtc, nihlte sie sich unwohl Aber wir glaubten, es handle sich nur um einen ihrer gewöhnlichen Ncro.uansälle. Uno weil ich schon kurz vorher vergeblich bei Tr. Germerrng angeklingelt hatte, unterließen ttnr es lecher, ärzt. liehen Beistand herbeizurufen."

Es steht mir nicht zu. Ihnen daraus einen Borwurf zu machen. Aber roerai ich später die Todesursache bescheinigen soll, mutz ich über daS, was dem Hmscheiden der Fvau Falkner vorrus- gegangen ist. etwas genauer unterrichtet werden. Wer ist bei rhr gewesen, als sie ftarb?"

(Fortsetzung folgt)

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öieZalkner aufLinüenhöhe

Roman von Reinhold Ortmann.

Attache und Schule.

+ Hirzenhain, 1. Dez. Nachdem die hiesige Kirchen gemeinde ihre Glocken bis auf eine im Krieg hatte abliefern müssen, soll jetzt für die abgelieserten Glocken wieder ein volles Geläut angeschafft werden. Die

Rutz dem AmtsverkündigunftSblatt.

* Ta S Amtsverkündigungsblatt Nr. 175 vom 2. Tezembcr enthält: Anmeldepflicht dec beschäftigten russisclren 5Vii:g5gefangcncn und internierten Bolsckwwtsten. Entschädigung füi Brandschäden an Gebäuden nährend der Teu- crung. Einsendung der 5Vrcisalb ckerciverzcich- nisse. Gebühren für die tterärzttidst Unter* suchung von Biehbeständen zum Zivccke der Aus­fuhr. Viehseuchen. Tienftnattaicften. Feldbereinigung. AussteUung von Wander- gewcrbescheinen und Gewerbe-LechtimattonSIartcn

Anmeldepflicht der beschäftigten russischen Kriegsgefangenen. Tic Em- stellung russischer Kriegsgetammer darf nur mit Zustimmung des Landesamts für Arbeit?nacl-vcis in Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck, Frankfurt a. Main, Große Friedberger Straße 28, erfolgen Soweit die Emstellmig bereits erfolgt ist, hat ber Arbeitgeber nachträglich die Genehmigung zur Weiterbeschäftigung bei der genannten Stelle ein- zuholen. Tie erforderlichen Vordrucke sind im Landesamt für Arbeitsnachsveis oder von bett ö - fentlichen Arbeitsnachsoeisen kosteiiloS zu beziehen.

Tie Gebühren für die tierärztliche Untersuchung von Bichbeständen in Sperr- unb Beobachttmgsgebieten zum Zwecke ber Ausfuhr von Tieren sind auf 3 Mk. erlföht.

T i e S ck a s r ä u b e ist in ber Herd.' bet G» nosfenfchastSschäserei zu Lang-GönS festgestellt worden.

TienstnachrichtendeS Kreisamtcs. In R 1 r f e l d (Kreis Lauterbach) ist btc Maul- unb Klauenseuche erneut auSgebrochen. In ber Gemeinde Ilbeshausen (Kreis Lauterbach) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Unter dem Buchbestände rn Baue rbach (Kreis Rlar- burg) ist die Maul- und Klauenseuche auSgebro- cken; ebenso in Bellnhausen (Kreis Mar­burg), sowie in Sichertshausen (KreiS Ntar- burg). Erloschen ist sie in Bectshausen (Kr Marburg), in Brungershausen (KreiS VJtar- burg) und in Ka rnbach (Kreis Marburg). Dv angeordneten Schutzmaßregeln sind aufgehoben. Ober-Lats und Steinberg (Kreis Schotten) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, eben­so in den Gemeinden Braunfels, Neukir­chen und Altenkirchen und in bet Gemeinde U l m (KreiS Wetzlar).

Lotterie. TaS Ministerium hat bem stän­digen Rat für Kunstpslege in Heften zu Tatmstadt die Erlaubnis erteilt, zum Zwecke der Belebung des Krmstmarktes eine Verlosung von kunsigewerb- licftn Gegenständen, Gemälden usw. im Gebiet bei Volksstaat Hessen ju veranstalt«.

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entspreche den Grundsätzen des ReichswinschaftS- mtniiicriumd, wie den Interessen der Länder. Ter fo^alden ok a ische Zusatzantrag erscheine ihm da­gegen bedenklich.

Abg. Tr. Rießer (T. Vp): Der Abg. Si­mon hat keinen Beiveis Dafür erbracht, daß die Produktion unter bem freien Handel gelitten habe. ^.aS Gegenteil ist ber Fall. Redner protestiert gegen den unerhörten Angriff auf den Abg Hugo, der wegen seiner Abwesenheit sich nicht wehren könne.

Agb. Frau Dr Lüders (Dem ) tritt für die Gleichberechtigung ber Frau in den berufsständigen Organen ein.

Abg. Dr. Braun (S) begründet den sozial- demokrawch.m Aittrag, daß die geplante Stelle auch Die Aufträge bes Reiches zu vergeben hat

Abg. Simon lUS.»: Jedenfalls hat Abg. Hugo bislang nicht bestritten, baß er bic 60 OOO Mark als Prämie für die Aushebung ber Zwangs­wirtschaft erhalten hat und das ist der Kernpunkt ber Sache.

Damit schließt die Genevalbebatte. Abstrm- mungen sollen erst bei ber dritten Lesung erfolgen. Tie Annahme der einzelnen Kapitel erfolgt ohne wesentliche Debatte.

Bei d m Posten Sozialisicrungskommisston er- mnem die Abgeordneten Hoch (S.) und Dr. Hertz (US.) an bic Versprechungen der Zentrums- Partei und ber Tcmofraten in ber Sozialisierungs­frage. Mit ber Angliederung ber Soziali ierungs- kommission an den Wittschaflsrat fei die Fraae der Soziali'ierung erledigt, denn der ReichSwirt- schastsvat habe noch keine positive Arbeit geleistet.

Reichswirtschaftsminister Scholz betont nocl>- mols, daß die Anrcgmig b:r Angliederung ber Sozlalisierungskommil'ion an den Reichswirl- schaitsrat aus dem Ausschuß stamme. Er selbst babe wiederholt erklärt, daß er vor Entscheidung der Frage die Sozialisiermlgskommiiswn selbst hören wolle.

Bei dem .Kapitel Aussämß zcir Prüfung des Geschäftsgel ährens der K.icgsgeiellschasten bespricht sflbg. Krätzig (Soz) die Tätigkeit dieses Aus­schusses. Ter Aussclmß habe vor allem die Aus­gabe, den zahlreichen Prozessen zwischen den Kricg.-- gesellfclfaften vorzubeugen und dem Reiche dadurch Millionen zu ersparen. Da frage es sich, ob der Ausschuß überhaupt ein Entsclicidungsrecht habe. Jedenfalls find wir gegen jebe Liquidation ber

Kriegsgesellfchaften.

Hierauf wird die Sitzung aut Montag, 6. 12., Uhr vertagt.

werk in daS wegen ber Maul- und Klauenseuch «bildete Beobachungsgebiel der Stadl Gießen trotz des Verbots eingefahren war, 10 Mk. Geldstrafe

Die gleichen (»trafen er ballen zwei Bewohner von Leihgestern, bic unentschuldigt bei einer Udxung der dortigen Pflichtfeuer wehr fehlten. Der Eimvand dc- einen von ihnen, er sei alS Kriegs bei chä digter nicht verpflichtet, an den Uebüngen der Pf ichtscuettvehr tcilzunebmcn. wurde nicht als stichhaltig angesehen Denn KriegS- btfdyätagte gelten nicht ohne Weiteres als durch Krankheit und Gebrechlichkeit verhinderte Pcrfonen", cs bedarf zu ihrer Befreiung vielmehr einer besonderen Entschei düng des KreiSamts.

batte im Oktober 1919 emm andern Jungen, der Pakete für entlassene Kriegsgefangene an die Bahn fahren sollte, angestiftet, dies nicht zu tun, son­dern die Pakete zu öffnen und auf ihren Inhalt zu mitersuchcn. Der Junge ging auch daraus ein, unb die Beiden fuhren die Sorben in den hinter dem Schützcnhaus gelegenen Wald, wo sie die Pakete öffneten und plünderten. Hierbei wurden sie von einem Feldschützen erwischt. Mit Rücksicht daraus, daß ber Acltere schon vorbestraft ist und den Jüngeren verführt hat, erhält er eine Gefäng­nisstrafe von 4 Wochen, während der Jüngere, der vor 3 Wochen erst wegen KohlcndiebahlZ 5 Tage Gefängnis erhalten hat, mit einer Woche davon kommt.

- Ein anderer Bursche von 15 fahren, ber im Mai wegen Diebstahls eines Schien en stticks mit einem Verweis bestraft worden ist, versuchte ohne Zahlung des Fahrpreises mit der Elektrischen vom Markt nach bem schüyenhaus zu fahren. Er be- behauptete, er sei umgestiegen. Es konnte ihm jedoch sofort nachgewiesen werden, daß er gelogen batte. Heute versucht er durch Entlastungs^ugen nachzuweisen, daß er damals gar nicht in der Stadt, sondern im Walde gewesen fei. Dies nützt ihm jedoch nichts, da beide Wagenführer ihn mit aller Bestimmtheit wiedererkennen. Er muß seine Tat mit 50 Mk. Geldstrafe büßen.

Ein T a g l 0 h n e r von hier, der im Januar 1919 bei einem Freiwilligenregiment in Ruß­land alS Sanitätssoldat eingetreten war, imirbe am 14. Mai v. I. von Wilkowii'chki in Litauen auf einen Tag nach Gumbinnen be urlaubt, kehrte aber zu ferner Trupp? nicht wieder zurück unb wurde am 25. Mai festgenommen Seine Behauptung, er sei w?gen Erkrankung nicht zurückgesahren, findet kein Gehör, da er sich nicht sofort bei einem Lazarett gemeldet hat. Da er noch nicht bestraft ist, erhalt er wegen unerlaubter Entfernung im Felde über 7 Tage unter An­nahme eines minder schweren Falles die Mindestz- strase von 3 Monaten, auf die die Untersuchungs- Hast mit 2 Monaten ausgerechnet wird. Das Ge­richt erklärte, daß eS aus eine geringere Strafe erkannt haben würde, falls dies gesetzlich zulässig gewesen wäre, und daß eS beim Ministerium be­antragen will, daß dem Verurteilten die Reststrafe von einem Monat erlassen wird. Interessant ist folgender Bries, den der Bern-teilte an den frü beren Reichswehrminrster N 0 ske geschrieben hat, unb ber in ber Verhandlung berieten wurde: Lieber Genosse! Wir sind jetzt wieder im Grenz­schutz, unb wir müssen die Freiheitswimpel ab­nehmen, dadurch gehen die Errungenschaften ber Revolution verloren. Was sagst du dazu? Dein Genosse W."

Pech hatte ein H il fsba hn schaf fn er von hier, ber sich billige Aepfel versck-afsen wollte. Anfangs September fuhr er an einem Sonntag abeno in Begleitung deS zehnjährigen Jungen seiner Wittin mit einem Leiterwagen unb vier leeren Säcken nach der Ganseburg unb machte dort an ber Kreisstraße von mehreren Bäumen Aepfel ab. Als er etwa um 11 Uhr mit feiner Beute nach Hause kam, wurde er vor seiner Wohnung von zwei Schutzleuten angehalten. Trotz­dem der Angeklagte behauptete, er habe die Aepfel unbeseben und ungewogen mit 200. Mk. bezahlt, obwohl es nur 2 Ztr. Schüttelobst war, wurde er für überführt erachtet und erhielt einen Monat Gefängnis.

Erfolg mit seinem Einspruch hatte ein Malermeister aus Frankfurt a. M., ber Ende April I. I. mit zwei Zentner Kartoffeln auf bem Bahnhof in Lang-Göns angchalten wor­den war. Mit Rücksicht auf seine Notlage wurde die gegen ihn im Strafbefehl angesetzte Geldstrafe von 80 Mk. auf 10 Mk. herabgeietzt.

Ebenso erging es einem D ü t tena rbeiter von Niederschelden bei Siegen, der für fein krankes Kind Weizenmehl gekauft, und einer Frau aus ber Herborner Gegend, die im Tausch gegen irdene Töpfe Saatgerste erworben batte. Die ur­sprünglich gegen sie erkannten Geldstrafen von 60 und 80 Mk. mürben auf je 10 Mk. herabgesetzt.

Zwei Privatk agcn wurden verglichen, in einer anderen eine Frau von hier wegen Belei­digung eines Kriegsbeschädigten, ber eine schwere, entfielenbe Gesichtsverb'tzung erlitten hat und deshalb künstliches Sure unb Nase trägt, und mit Bezug auf den sie geäußert hatte:Da kommt ja die Larve", zu300Mk. Geldstrafe verurteilt.

Ein Magnetopatb au3 Marburg ist beschuldigt, in öffentlicher Sprechstunde in Gießen die Wahrsagerei gewerbsmäßig betrieben zu haben. Er ftstveitet zwar feine Schuld, da er nach einer wissenschaftlichen, mathema­tischen, mit der A st rologie verwand­te n M e t h 0 de, die mit Wahrsagen nichts ui tun habe, arbeite; er wird aber zu einer Geldstrafe von 10 M k. verurteilt.

Wegen des Vergehens gegen daS Reichs­viehseuchengesetz erhält ein Landwirt aus Krofdorf, der im Sommer mit seinem Kuhfuhr-

jeder Sitzung, ftanben auch heute wieder mehrere Jugendliche vor Gericht. Ein iGjäftigerHauiierer" ber schon zwcimal wegen schweren Diebstahls zu GesängniSstrasen von brei Wochen und zwei Monaten veruttnlt worden ist.

Xnrnen, Spiel und Sport.

L i ch, 1. Dez. Ten Forderungen ber Neu­zeit Folge leistend, hat ber hiesige Turnverein auch oie Pflege von Sport und Spiel in sein Arbeits­programm ausgenommen. ES wurde im Nachsom­mer eine Spielabteilung gegründet, die unter Lei­tung des Spielwarts Christian Zimmer schon recht schöne Fortschritte gemacht htt. Es wurde bis jetzt bei guter Beteiligung und mit regem Eiser beson­ders Schlag- und Faustball, aber auch Fußball gespielt. Als Spielplatz standen bisher die Hoch­fläche der Hardt und nach der Grummeternte bw Wiesen an der städtischen Bleiche zur Verfügung. Aufgabe der Stadtverwaltung wird es schon für die nächste Zeit sein, einen geeigneten ständigen Spielplatz zu schassen und zeitgemäß Her­richten zu lassen, damit nachher auch Wettspiele mit auswärtigen Vereinen hier ausgetvagen wer­den können. Wenn man m kleineren ober hessischen Gemeinden, wie beispielsweise in Gedern unb Ortenberg, schon Mustergültiges in der Hinsicht geleistet hat, wird das auch in unserer Staot nicht schwer fallen. Gelände dazu ist an verschiedenen Stellen vorhanden Vielleicht läßt sich auch von ber fürstlichen Verwaltung burch Vereinbarung eine geeignete Fläche erwerben Ein Spi l- und Sport­platz könnte auch jederzeit als städtischer Festplatz zur Verfügung steyen, der den Vereinen bet größe­ren Veranstaltungen wie Sänger- und Turnfesten, überlassen werden könnte. An einem guten Fest- Ratz fehlt es gegenwärtig unserer Stadt.

Signe 1" schrie er auf, als müßte er fie unbe- brgt durch die Straft ferner Stimme wecken, und Meid) beugte er sich Io ungestüm über i'ie herab, h, fein Arm ein an der äußersten Kante ber MttiftDfctte stehendes W^serglas herunter* teilte. Mit beiden Armen ihren Oberkörper um* tienb, sucfte er sie auiyiricften. Willenlos, aber fern schtver gab der fdyne Leib seinem Bc- Ehen nach. Nun erst konnte er ihr Gesicht sehen ein wachsbleiches Gesicht mit fest gefdMonenen Ibten unb lueit geöffneten Augen. Tiber bteie Vom sahen ihn nicft an. Gtasrg und ausdruckv- 6 starrten sic an ihm vorder zur Zimmerdecke <6por.

Signe was ist btr? So sprich dock' ktnorte mir doch! Sprich nur em nnztges ton!"

Sie sprach nicft. Ihre Augen bettelten bte £1 (.bliebe, seelenlose Starrheit. Ta liefe er ihren »i aus das Kissen zurückfallen und griff sich mit Händen wild an die 6hm.

,AUbarmhcrziger Gott!" stöhnte er.Was ist *3 Es kann doch nicht der Tod sein! Doch nicht lob'"

. Er stürzte an den Klmgelknopf unb drückte, als ? (t ihn übcdxmnt nicht mehr loslassen wollte , Er war er wieder am Bette seiner Frau. Aber jjt sagte nicht mehr, mit lauter -stimme zu ihr U teben. Und er hätte es auch gar nicht getonnt;

Mittel für eine Glocke brachte eine Samm­lung auf, die beiden anderen Glocken wurden von dem Eisenwerk Hirzenhain gestiftet. Das Geläut soN aus Edelstahl in Wetzlar ge­gossen werden. Auf bielfeitigen Wunsch wurde in unserer Gemeinde eine Kranken­pflege st ation eingerichtet uns) eil.ne Schwester angestellt. Die Leitung der Station liegt in den Händen der Zivilgemeinde.

Fd. Schlüchtern, 1. D z. Zur Neuanschaf- fimg von Glocken unb zur Wiederherstellung ber Orgelpfeifen stiftete die von hier stammende, jetzt in Amerika wohnende Frau A. Ger lach ber evangelischen Kirchengemeinde von Oberkalbach von 18 500 Mk.

Deutscher Reichstag.

61. Sitzung.

Berlin, 2. Tez. 1920.

Fortsetzung ber zweiten Beratung des Reichs- ^mtscha s l shauslfa Its.

Abg. S l m 0 n - Franken (USP.) betont, sem serakttonSgenosie Jäckel habe einen g.'wi sen lieber» j 1ife an Kohlen in Paris nicht beitreiten wollen Gestützt auf Angaben aus sranzösifchon Arbciter- | ! eisen haben wir nur behauptet, daß im übrrgtn f rankreich großer Mangel herrscht. Daß man hier | ben Mut gehabt hat, für den freien Handel Mijutreten, trotz der bösen Erfahrungen mit den l h ifidücigcrungen, nimmt mich wunder Tie Aus- | Mung ber ZivangKmrtfä-aft hat geradezu ruinös i cirlt. Ter Abg Hugo tat am wenigsten An- i "Lj, hier den Mund auiyitun. Er hat sich laut Inner MitteUung des Berliner Tageblatts 50 000 l'iart vom Lederverband für Protagon d-azweckc vcszahlen lassen unb dabei »ein Verdienst um bte «Aufhebung der Zn»aiigswirtsä)ast für Loder aus- »ücklich betont. Diese 50 000 'JJiart stammen aus hm Fonds der Reiclislebechandels-Aesellfchaft unh Uten dazu bestimmt, die Preise für bai Schulf- ?'tk hevabzusctzen. Auch schci.it sich das Reichs- f?.llsä>aflsministerium zu einem Hort ber Reaktion ( 'u izuwack)sen, wie die Einstellung zahlreicher Ad- igtr beweist. Auch für den Wasserfchutz tn ber : "Ijrblce sind nidjt etwa arbeitslose Seeleute her- oczogen worden, sondern die reaktionären ehe- niligen Ehrlxlrdt'schen Truppen, und das macht ? <111 l)/ann, der uns als Fachminister empfohlen ist. !?.e Privatwirtscl-ast hat uns ins Elend geführt. Rir bie Soztalisterung kann uns helfen und da t>ill man die Sozialifierungstommifsion auflösen, [it Arbeiter laffcn sich nicht mehr länget ver- 5?öflen.

Abg. Ticrnreiter (Bayer. Vpt.) verlangt ku-kunst, wie es mit der Benzin- unb Benzol- , mrlfdxiit steht, betont die Knappheit ber Vorräte rb klagt über die hohen Preise. Tas Jnlandr- ^ibutt Benzol mufe unter allen Umständen unter U tzc Znhangsnnrtfclaft bleiben, damit der Bedarf der onbnnrifdxift und der übrigen Skt riebe zur Not Mckl werden tom. Gegen die MonopolsteNung kr Elektrizitätsgesellfchaften muß der Minister crn- ' itt.'rcitcn. Tie Interessen der Verbraucher müssen dien anderen fRüdfidtfen vorangchen.

Abg. Hamm (Dem.): Die Valuta können üc nur stabilisieren, wenn wir unsere Produk- i)rt8arbcit steigern, Sparsamkeit üben unb von hi Kriegslasten nicht erdrückt werden. Wir sehen j> täglich, wie unsere Jnbufttie unter dem Kohlen- rtngel leibet, und speziell Bayern hat Grund jur Klage. Südbeutschland verlangt deshalb eine raßere Wirtschaftlichkeit des Transportwesens, iie Zwangswirtschaft ist zweifellos in vielem -tttoendig gewesen. Die Mängel, die ihr vielfach T-ftitcn, waren in ber gänzlichen Unvorberei- 11g in erster Linie begründet. Stellenweise hat - Erfolge erzielt, namentlich auch bei der Kom- cnalverwaltung. Trotzdem ist sie überlebt. Frei wir deshalb aber noch nicht geworden, wir iiflcn vom Weltmarkt ab. Das Reichswirt'Hasts- mifterium muß eine Stelle schaffen, bie ihre obarf)hingen anstellt, zu gegebener Zeit eingreift d auch die Preisbildung beaufsicftigt. Redner rundet sodann den von seinem Fraktions- noffen Bart d)at eingebradsten Antrag, banger chswirtschaftsminister sich zur engeren Är» düng mit bem Handwerk und Gewerbe wie idige Mitarbeit eines sachkundigen Mannes s den Kreisen des Handwerks unb Gewerbes n soll. Desgleichen begründet er seinen eigenen mag auf Minderung ber Lieferungsmengen zum rer Koblcnabkvmmen, Aenderung ber Liefer­ten unb andere Transportregelung mit bem flogen der Wasserstraßen im Rhemgebict. Dem eitrag Ir m'^m, ber eine Stelle schiffen will, die ciicn Ueberblick über alle erforderlicher Beschäf­tigen des Reiches erhalten und für eine gerechte krlcilung auf die einzelnen Wirtschaftsgebiete sor- im soll, flinnne id> zu, nicft aber bem sozial- imokratischen Zusatzantrag, daß diese Stelle auch V: Auftrage zu vergeben haben soll. Hierin würde die Gefahr einer zu großen Zentralisation sehen.

RcickSwirtsckzaftsminister Scholz:

Die Belmupluna, daß ber Abg. Hugo aus hn Aktien der Reichsleberstelle 50 000 Mark be­kamen habe, stimmt nicht. Vielleicht hanbelt es ; ft um bie Reichsleder-Handelsgesellschaft oder Lk? Leder-Großhandcls-Gesellschast, alles Privat- ntemtbmcn, deren letzterem Abg. Lugo als Syn- il'us angehört. Eine Reichsstelle ist daran jeden-- j Jill8 nicht beteiligt. Er habe bereits im Ausschuß lil^gdegt, daß auf nahezu 600 Angestellte /eines jr|invrftium§ nur insgesamt 15 Adlige entfielen, ii Anregung, bie So-icilisierungskommission auf- tljfen, sei vom Wirtschaftsrat ausaegangen. Er kte demgegenüber erklärt, daß er dieser Anregung Mt ohne weiteres willsabren könne. Den Antrag goctfdxü vcSsteft er nicht, da er nicft glaube, >l; er ohne eine Vermehrung der Boamtenzahl hiditüftbar sein werde. Der Antrag Trimbom