Ar. 259 Zweites Blatt
derio.
Uüchdruck verboten.)
Fortsetzung 26.
irntgjhH^ 1 !>Ien-ch | idelzD
Sübtniot n.t8 üfbeubtt lllchaii ji It tt. Zchi. fltyif an den ftm j jfÜebHüij
b ö <
nliifl*11
k" .<4
»'M
;^Nr*
Hülm "llL I Nitrit,,' Ä'^l
’5äJ
„Man Bann os nicht innrer fetem recht mad;en, Imm ist cs am besten, fo zu handeln, toie man «selbst für das richtigste hält."
„Aber sie tat bir tod? sicherlich nichts zuleide'?"
„dünn. Darüber darfst du sie allerinngs DoTl- Innen beruhigen. Sie tarnt üterlyaiLDt niemand ■u Leid zufügen als allenfalls sich selbst."
„Wenn du fu von ihr denkst, kann es dir doch WiU schmor fallen, ihr ein freundliches Wart zu Ihn"
„Deshalb '? — Warle, die doch nur gesprochen ■irr geschrieben werden, um zu Derfdyleiern, was frr eigentlich sagen wollten ober müß en, sind lttitZnntzige L!ügen. Und ich lüge nicht ernmal tn 'tilgender Not, viel wentger aus bloßer Artig-
»Ich soll ihr also nichts, gar nichts tun dir jtknchten ? Du siehst doch, in hne treuer Ge>inmrng
E
iio'J- ; ;li „■ M 11,11 W»
Teych out crbdifi* ifrngeircii; lfb. mit
Paar Ä um«.Snl®5 *!SH
r Svort-W
Die Entstehung öes Gelder.
lieber die Entstehung des Geldes hat man ry? bisher :tW- viel oen Kopf zerbrochen: man ta^m c infach an, es sei irgendwann enintal zur iSrfeüfVerung des TauschverLhrs „»nfunien" rare» ch Ten Fortsthritten der neueren Geschichts- irrfcksmg axr hat diese Auffassung nicht ittante -tfraltcn, und es läßt iid) beute aus unserer Kennt- is der Urgeschichte eine Entwicklung herauslesen, v. über di? allmähliche Entstehung des heute so ,smäcl''igen Geldes unterrichttt. Diese „Geburt <». Gelles" in den fernen Dämmerungen der Urzeit und fern Sxrtxxrtretrn in der ge schicht- t Len Welt stellt Prof. Rudolf Ka u l l a in seinem <t. nruar ijen Auffassungen reichen Buch „Tie 'jrundlagen des Geldwertes" dar, das soeben bei ter Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgrrt er- Idienm ist. Das ursprüngliche Mitt-l, sich in »en Deitz eines fremden Gutes zu bringen, war her Raub: erst lang am gewöhnten sich benachbarte S.änime, ihre geremeitigen Bettürinisse durch Aus- -rusch »u befriedigen, doch ging dieser Tauschver- h-lr noch lauge in äußerlich leindlichen Formen ■ror sick». Erst als mit dem Entstehen des Staates Isikhr Drbmntg in die Verhältnisse kommt und sich ;tii festes Sxrfonrmcn für ben Verkehr bet den prinrt bett Völkern ausblldct. kommt es zu einem sriedtichen dlus'ausch der Gü.'er, und oabei ist natürlich eine Bewertung notwendig In diesen knfangsformen fricMidyer Handclsbe-lehuns'n irifiie sich nun mit Notwendigkeit der Begriff der durchschnittlichen Güte entwickeln. Um den Gebrauchswert eines Tau'chgegenstaw^es, etwa •iied Sklav.m oder cincs S ücr Vieles fest'mftel.en, ',yte man unwillkürlich, ob dieser Wert höher ober ringer als der durchschnittliche sei. Mit der Zeit ->*t en die E'gmsckxrften der durchschnittlickyen Güte |ti üs bestimm enG gmstandes durch das-HerLommen „-verrückbar außer Zweifel gestellt. In den pralli- 'ib7n Derk?hr schicht sich also eine Vorstellung tuns idecklen Wertes ein. Der Durchschnittswert ebält rechtlichen Charakter, und der Richter muß ||arüber eutschnden, ob ein bestimmtes Rind ober Hterb die und die nach alter Ueberlieferung georderten durchschnittlichen Eigenschaften besitzt, ß.itn die alten Gesetze hauntsächlich Vieh als -Bertgegmnanb jener Frühzeiten erwähnen und ran daher von einem „V i e h g e l d" gesprochen fat, so beweist diese, Tatsache nur, daß die Tiere im wichtigsten Tous^andel der Vorzeit bildeten. ?ft durch'chnittliche Wert war aber bei Tieren ncht leicht zu erkennen, und deshalb bot die Ab- bi-unit manchtt ei Schwierigk.iten. Man mußte kjer Werte bevorzugen, bei beneit die Qualitäts-
„Sage ihr, sie Möge aus meiner Giebristube gc- «it ein Fremdenzimmer machen und Rndlofs inst
Arbeitsplatz tnt Garten schalten lassen, ivie ,t5 tim gefällt. Ich werde beides ine mehr bc- kAtzOl."
... Du bist hart, Erich! Warum willst du sre '«aln?'-
„Darum?! — Warum? \M brach er heftig -rus. , ik mir zu gut ist für ein Spiel mit schönen ^r^n, und weil ich mir zu gut bin für ente Er- ;jyenntg mxfy unvergessener Qualen. So — nun
bu es. Unb nun, ich bitte dich laß uns nicht »-tdu darüber reden!"
A‘nOld, ; J SiSm
ÜJJMJCW I
rbttubi-i o.sJ
>''er h», "skll fitiufl;L : - ?ote mit I
iut btn I
cerfmale ganz augenfällig waren. Dies ist bei Der- kinzellen Gegenständen des Tierreiches, bei Ele- lci-tenzähnen, Muscheln usw. der Fall, und deshalb Mrixrn diese als Glld Dertoenbet. Am leichtesten der ist der Wert Don Mineralien zu er- tnmen, und deshalb wurden sie allmählich das lrvorzugte Material für Feststellung der Werte.
B i Gold, Kup'er, Edelsteinen e gibt sich btc CiNtltfäf durch den einfachen Augenschein und er* sit irren die Mineralien in bearbeitetem Zustand, i!s Werkzeuge 'aber Schmuck, bann ist auch de Img? der Quantität auf 'primitiven Stuten der kirtscha t mit e tne m Blick entsckneden. T-ie hand- tz-rksmäßin erzeugten Waren, Fingerringe, Ärmlingen, Messer usiv. gleichen ftdy tm wesentlickyen ein Ei dem widern, und deshalb sind sie als Wkcrtmaßslab am geeignetsten. Man sieht Dun dem leixjitfcn an ben durch'chnittlichen Wert, her zuerst b? Dergl icktung zweier getausckchr Güter be- Wnimti', vollsiändig ab, und rechnet nur noch Wlit Wertvcrgleichungen wie: tut Pscrd — zwei Ä)(b|'txingcn, ein Sk.ave — 10 kupfernen Ringen, ■ne Goldspwige — 5 kupfernen Ringen usw. Du Wvboven Dertt'erglei'ckmngeit, ein Pfeid = entern mich, eilt Rind — einem Sklaven, verschwinden Wvs dem Gedankenkreis. So erhalten diese Gegen- littbe, die als Schmuck und Werkzrntg einen „für» tlin" Wert Haber, eine veckytliche Sonderstel- ' feig, und der Länd er bedient sicky ihrer in seinem fcaif. Je writer barm der Dandel um sich greift ■ :,fcb brö kaufmännischen Gew)hnhei!en allgemein Forint werden, dests gäräudiidyer wird das Geld. |lit dem Kaufmann tritt es tu die Kultur em. tut kommen aber auch Mineralien tn unbearbei- trr Gestalt in den Tauschterkehr, unb bei ihnen beit' man nur die Qualität, nijt die Quan- Kit sofort erkennen. Da aber die Rohmaterialien f) woch ungenanntgciter als Wert barbielcn nn
! bearbeitete Metall, so sucht man die Quantität rch Wägen festzustrilen. Die Ungleichheit der ka-zm und Gewichte zwingt zu einer amtlichen fiisetzung des Wäg g schäfte), und derWägemrisler kchinigt die G-wickytsmenLe durch eine Urkunde, c deren Stelle dann der Stempel tritt. Dadurch btden die unverarbeiteten Materialien zu „Gericht s g e l d". Lange Zeit besteht dieses Ge- l^üsMl^ttbei^en^Warengeld^Abe^ni^em die Falkner aufLinöenhöhe
Roman von Reinhold Ortmann.
>ober flmai::!; in. Jlnqrb.r.h flb't'^'erfänlms
irsr, liml er nnberen eueren Umatb $ icn länbliM ülmutjti
-10 Morgen i« fleludjt. 2t: i 111'07 n.b.Wr jttiöNIM r ober (foif taugt, ioiorte tr. SdjriiiL V
Eichener Anzeiger (Oenerab
Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, 3. November 1920
Aller-Heiligen bringt Sommer für alte Weiber, der ist des Sommers letzter Vertreiber. — Mer-Heiligen trägt eigen Winter zu allen Zweigen. — Sankt Martin setzt sich schon mit Dank am warmen Ofen auf die Bank. — Sankt Martin weiß nichts mehr von heiß. — Schafft Katharina vor Frost sich Schutz, so wartet inan Züge draußen im Schmutz. — Später Donner hat die Kraft, daß er viel Getreide schafft. — An Martini Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein. — Martinustag trüb, macht den Winter lind und lieb; ist er hell, so macht er das Wasser zur Schell. — Vie! und langer Sckznee gibt viel Frucht und Klee. — Wenn um Martini Nebel sind, so wird der Winter meist gelind.
♦♦ Oeffentliche Bücherhalle. Im Oktober wurden 2017 Bände auSgegeben. Davon entfallen auf: Erzählende Literatur 1253, Zeitschriften 144, Iugendschriften 139, Literaturgeschichte 19, Gedichte und Dramen 34, Länder- und Völkerkunde 77, Kulmrge- schichte 26, Geschichte und Biographien 89, Kunstgeschichte 30, Naturwissenschaft und Technologie 95, Haus- und Landwirtschaft 11, Gesundhertslehre 6, Religion und Philosophie 53, Staatswissenschaft 14, Sprachwissenschaft 15, Fremdsprachliches 12 Bände. Nach auswärts kamen 24 Bände.
** Ehemalige 115er. Am Der gangen en Sonntag (31. £Lobcr) fand im Hotel Fel.enkeller bie Versammlung ter im Kreise Gicß.m mohnenb’n ehemaligen Leil>gatt'isüen des Jnf.-Illgrs. Nr. 115 (£cibgntje) sta.t. Bespn.chen wurde btc Teilnahme cm der 300-Jahrfeier des Regiments Nr. 115, die am Sonntag den 13. März 1921 in Darmstadt ftattfinbet, und mit der feierlichen Grundstein!egung> eines Denkmals für das Regiment unb dessen im SBdtrricg 1914/18 gefallenen Offizieven und Mannschaften, verbunden ist. Die Versammlung war sehr stark besucht, et.va 25 Ortschaften waren durch Alwronungen vertreten. Nach Erlchigung einiger geschäftlicher Vorbespreckt-ungen tour e beschlossen, sich zu einer Freien Vereinigung' für die Zeit November bis März zusonrrnen-zuschließen mit tem V'-rstonds- sitz Gießen, um auf ^,0 Weist in gemeinsamer Kameradschaft an der Feier in Darms adt teilzunehmen. Diesen 'g n Kamera etr, die verhindert waren, der Vepmnmlung beizuwohnei'., 'werben gebeten, sich noch nachträglich <zu mel en bei dem ersten Vorsitzenden Telegraphen stkrrtär Waas, Gießen, Gartenstraße 18II., ter zu jeder Auskunft gerne bereit ist.
Hessen-Nassau.
□ Marburg, 3. Nov. In der gestrigen Stadtvervrdnetensitzung, der eine Mange Arbeiter als Zuhörer beiwohnten, kam es bei der endgültigen Beschlußfassung über die Besteuerung des reichscinkommen- steuerfreien Einkomn-en durch die Stadt zu erregten Auseinandersetzungen und stürmischen Unterbrechungen durch das Publikum. In namentlicher Abstimmung wurde schließlich Mit 21 gegen 5 Stimmen beschlossen, die Einkommen bei Verheirateten bis zu 12000 Mk., entgegen dem Antrag bis zu 9000 Mk. freizulassen. Bei den LÜ)iaen beginnt die Steuerpflicht bei 6000 Mk. In einem Dringlichkeitsantrag wurde von der s^ialistischen Fraktion auf die angeblich ttach Semesterbeginn sofort wieder eingesetzte Beunruhigung durch mit der Orgesch-Organisa tion iu Verlindung stehende Gründungen hingewiesen und die Polizeiverwaltung aufgefordert, die nötigen Schritte hiergegen einzulciten. ferner wurde nach Erstatttlna des kriegswirtschaftlichen! Berichts auf die angeblich zunehmenden! Milchpa ntschereien aufmerksam ge-! macht und strenge Bestrafung der Schul-! digen gefordert.
Ans dem Amtsverkündigungsblatt.
** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 159 Dom 2. November enthält: Ausdehnung des Ausgleichsverfahrens auf Forderung-n Deut- sckrer gegeniiter in Frankreich ansässigen Belgiern und in Belgien ansäs'igen Franzosen. — Aufhebung kriegÄvirtsckxrstlicher Vorschriften auf dem Gebie e der öffentli-ckyen Fleischversorgung. — Abänderung der Bekanntmachung bett, den Handel mit Lebens- und Futtermstteln. — Erwerbslosen- sürsorge. — Entwaffnung der .Bevölkerung. —
Slellvertrettmg für die erkrank e Gknncinbebebamme in Don-Güll — Tintfttiad)riri> en.
Oeffentliche F l e i s cky v c r s o rg u n g. In Ergänzung der Bekannnnachim i deS Hessiickyen Landes-ErnährungSarntes vom 29. Sept. 1920 (AsAstBl.. o. 297) wird die Bekanntluachung des Ministeriums t>es Innern, den Deriehr mit Schlacht-, 9tub^ und Zu. ilvleb und be'"c:? Bcfor- öerung betreffend, vom 23. Oktober 1918 > Reg - Bl. so. 231) mit sofortiger Wirmilg außer Kraft gesetzt.
ErwerbSlosenfürsvrge. Aul Grund des 17 der RcichSvcr^ rdirung über ErwerbS- loieniüriorge in der Fa'sung vorn 21 Januar 1920 IR.Ä.-Bl S. 98 wird bestimmt: § 1. Tie Arbeitgeber sind oerviiidjlct, die Gründe, a'is denen , sie einen. Arbeitnehmer entlas'stn, so r.xit klarzustellen, daß die Organe der Enrerbslosen- niriorgc in der Lag.' sind, zu beurteilen, ob die Arbeitslosigkeit sich als String'?lg>' \ir dlt oder nicht. § 2 Tie Vorstande de. Genwinden linb gemäß § 16 a a. a. O. befug', für ti? dllckytbesol- rnxngi der Vorschrift des § 1 OibnungSitta.cn bis zu ernhunderlfünfzig Mark im Einzclfall jugainftat der Gemeindeka se fe^usetzen.
Für die erkrankte Gemeindehebamme Frau Weitz zu Dori Güll übt bio auf wer eres btc Stellvertretung die C'.eiiieinbclyebammc Frau Düringer zu Eberstadt auS
D t e n st n a ch r l ch t e n des K r e i s a m t s. In Lardenbach.(Sfrch Sdyo t n ist iie Maul- und Klauenseuche auigebrodyni. — linier den Viehbeständen in Hachborn und Niederwal- gern (Kreis Marburg) ist die Maul und Klanen- leuche ausgebrockycn, cbenfo unter den Viehbe ün- ben in Kirchvers und D b c r m c i m a ; , KreiS Marburg), sowie unter den Schafherden in Fronst a u s e n und Haddamshausen KreiS Marburg). — Tie Maul- und Klauenseuche in Drei - hausen (Kreis Marburg) ist crL id^en.
<ßerid?r»icxal.
Die Mutter erschlagen.
fb. Fran kfur t a. M., 2. N^v. In abscheulicher Weffe bat der 20 Jabre alte Sx'ybosser Ernst Im hals cs ferter Mutte, geo"ut, datz sie zeitlebens zu gut und nachsi t n mit flym mar, seitdem sein Vater bet einem Ei eillalmunMck! ums Leben geSommen ist. 2er junge Manisch hatte von der Fvau 20 Mk. für ei e.t Aus l g le- 8ommen: das war ihm aber nicht genug, und da ihm die Mutter nülyt noch m-iir geben Pinnte, ljolte er FrülMorgms aus t j t &a-:e! eaun armdicken Knüppel, den er fd» t n» - c lang le- v'itgelcgt hatte und crjdy'ug ba nit fer ie un Bette liegende Mutter. Ms sein S ie s sterben darüber answackyte, fckstug er das Kind mit ton g eichen S^rfiDtvt nieder unb \;e.\ es für M liegen. Darm nahm er an einem Vevrmügruigsair? lmr teil, ans tem er verlyastet mürbe. Aber auch s i i Stiefbruder ging seelernvergnügt xnni Fußballsp elen, tvotzdem er feine Mutter bewusst.'os fn ihretti Aiute gefunden hatte. Tas kleine ML)ckyen könnt nn'cber her gestellt roerben, es bat jedoch jede Eriime'ung an den fürdcherlickyeu Vorfall unb die Gebraudys- fähigkrit der redyten Hand vello en. Jiüi a s stand beute vor den Gesdjworerten, wo er mit meiner* lid»er Stimme die fdyauerliite Tat ring ftaiib. Tas Tas Urteil lautete auf 12 Jahre ZnchtlMls wegen Totschlags unb Totsdtfeg-ji rr .este. s.
Bcttidigung dcS NeichSptüsidrnten.
Berlin, 2. Nov. (Wolff.' Wälyrmd dos Wahlkampfes machte in einer Versammlung tn Meseritz der Rentier Hein»e als Redner, angeblich auf eine absolut sickere Quelle gestützt, beleidigende Behauptungen über die Lebensweise und das berfönlidx Verhalten des Reichs- präsidenten, Ebert, die der Redakteur Weber in der „Meseritzer Krei^z-ntung" alsdann weiter verbreitete. Auf einen vom Reichspräsidenten! gestellten Strafantrag kam es zu einem Strafverfahren wegen Beleidigung, in dess.-n Verlaus die s>lngeklagten ben Wahrheitsbeweis für die Richtigkeit ihrer Behauptringen anzutteten v.-rsnchten. Nachdem eine ganze Reihe von Z ngen soivohl über die Lebensweise des Rrickysprasi'eilten ivästrenb der Tagung der Nationalversammlung in Weimar als auch über seine Berliner Lebensgep logensteiten vernomnven tooroen sind, gaben nunmehr bi: briben Angeklagten aus freien Stücken in der „Mrseritzer Kreiszeitung folgende öffentliche Erklärung ab: „Wir haben uns durch die ci.igriyenbe ^.veisaus- nähme überzeugt, daß an diesen Bel r-Artungen nicht ein wahres Wort ist u?.b daß nnr durch leichtfertige, gewissenlose Verleumder selbst irregeführt sind. Wir bedauern derhalb lebhaft die von uns getanen Äußerungen unb widerrufen sie ausdrücklich mit der Bitte, den Strafantrag zurückzunehrnen. Wir wollen auch die gesamten Kosten des Strafversahrens tragen."
Dibruch der eigentlichm Geldwirtschaft in der anttBen Kultur inte in den Staaten dos Mittel- allerS ergibt sich die Notwendigkeit, Stücke Me- talleS, die unter sich gleiches Gew.cht haben, in grober Zahl herzustellen, und so w.-rden sie alle m berfc.ben Form in staattich garantiertem Ge^ wicht hergestellt, es entstehn die ersten Münzen. Diel': Münzen wurden regelmäßig nach dem Wert eines Tieres geprägt, zeigen a.so noch den Zusammenhang mit dem primitiven „Viestgeld". Ze mehr aber die staatlichm Münzen überstandnehmen, desw weniger bedarf es der Gewichtsstempelung Don Edelmetall durch Private. Tie Lbrigke-.t nimmt bk Prägung der Metalle ganz für sich in Anspruch, unb so tritt Geld nur noch in der Form von Münzen, als M ü n z g e l d, aus.
Au» Stadt utv> Canö.
Gießen, den 3. 9bo. 1920.
Alaska oder Kanin?
Man schreibt uns: Die Tafte JahreSzrit ist da und unsere Frauen 'roerben ihre Pelz fachen einer Musterung unterziehen. Da wird such ergeben, daß. dies unb jenes erneuert iwrocn muß. Der Kürschner legt vor, und bei jedem neuen S.ück das er anbringt, heißt die erste Frage: Was ist das? „Echt Alaska." Sehr schön, (leibet mich aber nicht, doch hier ^dieses graublaue mit i?en weißen Haarspitzen, das würde mir vorzüglich passen, was ist denn das? , Silberkanin." Kcmin? Ach, wie schade, ist wunderhübsch, aber Kanin. . . Warum nun meine verehrten Damen die es „aber Kanin". Warum muß es bemt unbedingt ein wildes unb meistens ausfändiches Vicch sein, das von Ihnen der Choe gewürdigt wird, mit seinem Pelz Ihre Glieder zu schmücken und sie vor Kälte zu schützen? Warum diese Abneigung gegen das Fell unseres braven Kaninckyens? Deutschem Züchterfleiß ist es gelungen, in jahrzehntelanger mühevoller Arbeit ein Produkt von Kaninchenfellen auf ben Markt zu bringen, das in natura verarbeitet, sicky jedem ausländischen ebenbürtig zur Seite stellen kann. Es seien nur unsere blauen Wiener genannt (in der KurschnerspvackeF"hlanin'», die braunen Havana, die Grau-br«un blau und Gelbsilber, und die in letzter Zeit herangezüchteten Germmiiasilber mit ihrem le^rl'chen Fell mv ungefähr 3—4 Zentimeter Haarlänge. Was Sck>ön- hrit unb Eleganz dieser Pelzsachen anlangt, so können fte sich mit jedem ,,echten" Produkt messen, an Dauerhaftigkeit sind sie ihm ebenbürtig', was die schon jahrelang im Gebrauch befindlickien Imitationen (Biberet, Seal usw.) beweisen. Sodann der Kostenpunkt. Das Pelzwerk aus Kaninch-n- fellen in natura bekommen Sie genau zum hallen Preise, wie das von 'Iltis, Fmhs ober Marr er und zum ricrien Preise toie auslänciscku Pelz' Allerdings, .vers lang hat, lästts hängen uw> wers noch länger hat, hißts nachscksteifen Aber die mit Dem Gelobeutcl vockmen mü sen, sollten sichs doch erst einmal überlegen, ehe sie bis an den Ellenbogm hineinlangen Eism lich find es -ja unsere Frauen nicht nur dem veittschen Zückchtosleiß, sondern ihrem Deutschtum überhaupt schullig, das im Inlands erzeugte Produkt zu bdDvryigm und mitznhelfen, den in ländischen Pelzmarkt soweit als möglich vorn Auslände unabhängig zu wackren.
Ja, wird so manche achselzuckend sagen: Ganz schön. Aber Kanin ist l-och nun einmal zu gewöhnlich. Ja, warum denn? Doch mir, well unsere Frauen es gewöhnlich machen. Gerade die es sich leisten können, sollten einmal das alte Vorurteil oblegen und bei einer Neuanschaffung Kanin kaufen. Und wenn bann die gute Freundin oder Nachbarin kommt, um das neu Erworbene zu beschauen, bann sollte sie mit Stolz sagen: Das ist Kaum, ein deutsches Produkt. Dann würde allmälig das gegen Kanin gefaß'e ungerechte Vorurteil verschoinden unb man würde dem Ziel deutscher Züchter und beruflich verwandter Geschäftsleute, den deutschen Pelzmarkt t»om Auslande unabhängig zu machen, um einen Schritt näher kommen.
** Bauernregeln für ben November. Wenn Gänse um Martini auf dem Eise stehn, müssen sie Weihnachten im Kote gehn. — Wenn bas Laub von Bäumen und Reben vor Martini nicht abfällt, folgt ein kalter Winter. — Wie-'s um Kathrina (25.) trüb oder rein, so wird auch der nächste Hornung sein. — Andreasschnee tut dem Korn und Weizen weh. — Wenn's zum Aller- i heiligen schneit, lege deinen Pelz bereit. — Wenn im November Donner rollt, wird dem (betreibe Lob gezollt. — Sankt Elisabeth sagt's an, was der Winter für ein Mann. —
Mit stirer Srruiung tn das Falkner haus wir in das Leben Dollor Oswald Germerings etlvas stltsam Neues, Aunegendes u.ib Beunruhigendes griommen. Es bestanden vorher k incrlei Beziehungen zwischen ihm und dem reickrstei Manne von Ticenbrnnn: außer einigen flückyt gen B - rührmigen mit Fräulein Neudoif mar nicküs ge- fckvh.-n, das ihn den Bewihnern d.s Landlyauses gestllschaftlicky hätte näierbriiigen können. Unb als ihn ber Sanitätsrat, sein Mißvergnügen Ei um verhehlend, um vorübergehend Verttetung gebeten, nxir er der berustichen Psticht ohne besondere Freu- bigfcit nackysekommen.
Aber der Krankheitsfall selbst hatte Dom ersten Augenblick an feine Teilnahme fn nnge.röhnlich holyem Moye wackygerusen. Tie Lage der Dinge, die sich ihm bot, war nicht in Ueberriiiitimmung zu bringen gewesen mit dem, nxrs er auf Grund der ihm Don Doktor Baren thin mit geteilten Aufsassuvg des Falles zu finden er non riete. Schon die mtt flüdytigc Untersuchung hatte ihn kaum im Zweifel darüber gelassen, datz hier ein verhängnisvoller ärztlicher Irrtum vorlag, unb daß der ältere Kollege den Sitz des Leitois in einem anderen als dem wirklich b:fa lenen Organ gesucht. Tementi'ptodycnd war nach feiner Ueberseugung audy die bish.nge Behandlung unrichtig gewesen, unb daß ber Kraule ihr nicht bereits erlegen mar, konnte lediglich aus Rechnung feiner weit über bet Turchsdmlli hinaus wrderÜMibssähigen Natur gesetzt ire.'iei.
Der kritische Zustand, in ben er Bernhard Falkner an getroffen, hatte ihm eine wertige Entschließung aufgrzwungen. Uiti) er zöge te nidyt, so zu handeln, wie es ihm für die Wohlfahrt des Doaistn geboton schien. Schon seine ersten Anordnungen mußten als sehr entsche eie Mißbilligung und Boise.t.setzung dec Ba «ithrnschen Be^xird luogsmcthode gelven. Unb b.e von ihm durch
gesetzte Bemfunp des Pvosesiors ®ennann wurde von dem Sanitatsrat als Bewris kränkenden Mißtrauens empfunden. Tie hergebrachten äußeren Formen der Kollegial!tat waren ja gewrhrt worden, aber die am Lehnstuhl des Sanitätsrats ab» grhalwne Briprecknmg war krines'ivegs so rulstg und cmLrächtig verlausen, wie die Aeaßrrungen des Professors g*gen Falkner es Dermutai ließen. Mit grofrr Zähig'cit f?attc Do'Gr Barenthin seine Aussassung zu v'rttidigen gesucht, und als er enb- lick) der Wucht ber gegnerisckLi Berv-isgründo erlag, hatte er nicht Vornehmheit genug besessen, seinen Aerger über die Nr-derlage zu verbergen. Tie unantastbare Autorität des großen Gelehrton zwar hatte er nickst zu bekritteln gewagt: dem jungen Kollegen aber hatte er einige gereizte und billige Bemerkungen zugavorsen, tne lanm nody anders beim als eine oftene Kriegserklärung zu deuten waren. Darüber, daß er von dieser -Leite btt in Zukunft nur noch Widernrirtigketten und Hindernisse zu erwarten habe, durfte sich Doktor ÖJcrmering Iriner Täuschung hing^en. Aber nicht diest Geivißhrit war eS, die ihn beunruhigte. Er war gcroölynt, «ohne Menschensurckst semen Weg zu r. ben, und er hatte es von vornherrin verschmäht, sick- um die Gunst des cinfluBreidyen älteren Bc- russgeniossen zu bemühen. So lomt.'e ihn auch die untnrrbullte F i.'.dsda'tsansage nicht erschrecken. Ttt eigent.irfce Ursache des sonderbaren, unbclxrg^ichen Zustandes, in dem er sich feit et licken Tagen fühlte, ging von dem verführerisch schönen jungen Weibe aus Linden höhe aus.
Fvau Signe Falkner bemüh'e sich nickst, xu Derheimlichen, wie groß ilyr Bertvaue-i zu dein jungen Arzt ihres Schwiegerva e:s war; und am allerwenigsten verheimlichte sie es vor ihm selbst. B?i jedem ferner Besuche fand fte Gelegenheit, wenigstens einige Worte unter vier Augen mit rhm
zu wechseln. Und ivenn sicky auch das, was sie sprachen, immer nur auf Frau Signes (55eün5* heitszustaiw bezog, so offenbar e sich ioch in i!,rem Benehmen im Donsal! f'nrr Re e, in brr Sprache ihrer ausdrucksvol en Blicke et e Wärme und Ber- tcaulickst it. Die sich- we ec aus ijrer tu sei kanntschast noch aus Toktvr Eerntcring: streng gewahrter Haltung erklären ließ.
Auch ihre Absicht, ihn in Tie'enbrutm aufzusuchen, trackstete sie zu rerwirkli'-ei. Aber sie hatte bas Wartezimmer voll von Leuten ge und?n unb war mit einem Nasenrümven am ter Schnell.' umgekehrt. B x die em mißglückten Briucky farnb sie Gelegenheit, ihre Be.'anntsck/a t mit dem Apotheker zu erneuern. Tie Nachbarsck-aft, in tec B anbt und Germering lebten, war in btc Tat eine sehr enge. Es erklärt sich daraus, biß bis ursprünglich nur für die W. hnbedürftiisse einer Fanii ie erbaut unb eingerichtet märten war. To t t Germerings Vorgänger hatte sich hier heimisch gemache, ^veil er ein Dertrauter Fremib dcs bamaligen, t in der losen ApDthrienm7:alers reirtrii nar, und Germering hatte zugleich mit ter "e r befdeibenen Pvaris audy die noch beschoitene e Wohnung über» lummen. Sie be'and sich tm oberen St ckwerk: im Erdgesckvß lagen der lütten, tos f eine Laboratorium und die beiden von B-a'idt beir-. hnte.i Zimmer. Cben wie unten hattet särntv e Räume ihrni Ausgang nach tem gemeinsamet Vorplatz, inrerlyalb dessen eine ziemlich- idymatt, stelle Stiege die beiten Stockwercke ie ba d Es toa also tm Grunde nicksts anderes als e ne gern t s 'yaftlrche Wohnung, in ber die beiten Hauben. T-v tor Germering Bannte die Apotheke wie las Laboratorium betreten, -ohne den Zugang von ter Straße benutzen zu müssen, unb ebenso konnte Brandt an ictes Ztmmcr des Doktors kl-w'e.i, ot>.;e erst an einer verschlossenen Wohnungstür Ern.atz zu heisck-en.
lFortjetzung falgLJ


