Nr. 205 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Mittwoch, September 1920
Aus Liessen.
Die letzten ReichSlagSwahlen in Hessen nach der amtlichen Statistik.
Tie hessische Zentrale für Lair.vsstalistik bet ftd) ein Sßeriienft envorben, die amtlichen Watzl- kffern der WaA vorn 6. Juni zusammenzustellen tnrb in Buchform der Oessentlichfeit zu übergeben gs. Staatsrerlag in Darmsladl. Ta zu gleicher
die amtlichen Zahlen des Reicl-es crschienen , ergeben sich lehrreiche Verg.eidje über die rfe der Parteien in Hesse.l und im Reiche, worüber Gencoalsekretär Wittig die nachstehenden Ziffern mitteüt:
In Hessen crlstelten die Kommunisten 0,5 vom Hundert aller Stimmen, im Reiche 1,7. Die Unabhängigen erreichten bei uns 12/2, km Reickv 18,8 Proz., die M ehr h ei t ss-o z ia- listen: in Hessen 30,3, im Reiche 21,6 Prozent, das Zentrum: in Hessen 16,1, im Reiche 18,7 Prvz. Tic Demokraten erhielten in Hessen 1920 10,8 von. Hundert <1919 waren cs 19 Proz. gewesen», im Reichsdurchschnitt 10,8 (1919 tonen es 19 Proz. . Tie Deutsche Valksvarter erhielt bet uns 16 Proz. aller Stimmen 1919 nur 11,7 Proz.), im Reichsdurchschnitt 14 v. H. gegen nur 5,5 i. I 1919. Deutschna t iona le unt ÖQuernbunb brachten in Hessen 14,1 aus, im Reiche 14,2 Proz. Tie Deutsche Volks Partei ist prozentual am stärksten im Kreise Worms (35,7 Prozent), es folgen Darmstadt mit 30,6, Alzen mit 27,9 und Oppenheim mit 21,9 Prozent. Am schwächsten ist sic in den Kreisen Groß-Gerau, Offenbach, Büdingen und Schotten. Zn den letzten drei hat sie jedoch gegen 1919 starke Zunahmen zu verzeichnen Die Demokraten sind noch verhältnism-äßig stark in den Kreisen Alzey, Oppenheim und Bingen, am sd wachsten in Alsfeld, Dieburg, Offenbach Bensheim, Lauterbach und Worms. Das Zentrum bomeniert in den katholischen Bezirken Bingen, Heppenheim. Mainz, Oppenloeim, Bensheim, ist aber ganz schwach) in den oberhessischen Kreisen. Der Bauernbund (Hess. Vvlkspar'er hot seine starken Stiben in den Kreisen Schotten (5,4 °/o), Alsfeld (46,7 °n), Lauterlwch 39 o/o) und Büdingen (37,2°/o), i' aber in Rh.inhes'en nur schwach vertreten. Die M ehrheitssozialist en sind stark in den Kreisen Groß-Gerau 39,7 % (57,4 bei der vorigen Wahl», Offenbach 38 »57), Tarmstadt 35,2 (45,9) Erbach 33 (58,7) und Dieburg 31,4 (45,6 v. H.). In allen diesen Kreisen haben sie viele Stimmen an 'die U n a b - hängigen verloren. In einigen ländlichen Kr i- sen haben aber Mich beide sozialistische Parteien zusammen die Stimmen von 1919 nicht mehr aufbrrngen können. So in Erbach, Büdingen, Lauterbach, Schotten: auch in Darmstadt besteht ein Rückgang. Die amtliche Statistik, kommt zu folgendem Ergebnis: „Die demokratische Partei hat ihre stärksten Verluste in den Kreisen Darmstadt und Erbach, bann in oen oberhessischen Kreisen auszuweisen, während sie sich in Rheinhessen verhältnismäßig gut gehalten hat. Die Deutsche Volkspartei hat vor allem stark zu- genommen, in Darmstadt, dann in Gießen, in Groß-Oierau und in Alsfeld abgenommen. Nur bie Hessische Volkspartei weist in allen Kreisen, mit Ausnahme der rheinhessischm, eine starke Zunahme auf." Die Wahlbeteiligung war am stärksten im Kreise Friedberg (82,3 Proz.), Ofsin- öach 180,9 Prvz.), Worms. (79,6 Proz.), am schwächsten in den .Kreisen Erbach (66,1 Proz.), Oppenheim (67,4 Proz.) und Büdingen (68,9 Prozent). Im allgemeinen war die Wahlbeteiligung schwächer als bei der ersten Wahl zur Nationalversammlung. Die amtliche Abhandlung sagt: „In Starkenburg dominiert die Linke, Mitte und Rechte hallen sich nal-ezu das Gleichgewicht: in Oberhessen überwiegt die Rechte, die Linke ist jedoch ebenfalls sehr stark vertreten, in Rhein- Hessen überwiegt die Mitte, wobei die Linke eben» ffckls stark vertreten ist. Die Linke hat in Starkenburg und Oberhessen eltvas ab genommen. Stärker hat die Mitte, und zwar die Demokraten abge- noatmen, sehr stark in Oberhessen, am wenigsten in Rheinhessen. Die Rechte hat stark zugenommen, am wenigsten in Rheinhessen, am meisten in Oberhessen."
Hus dem besetzten Gebiet.
mc. H ö ch ft a. M., 28. Aug. Der deutsche Kommissar bei der interalliierten Rheinlandkommission hat wegen der Verurteilung des Geschäftsführers der hiesigen mehrheitssozialistischen „Freien Presse" eine Note um Milderung der Strafe an den französischen Oberbefehlshaber ■ berichtet. Geschäftsführer Kallenbach war wegen Ausstellung des „Wahren Jakobs" in der Expedition der Zeitung
Die Preisgestaltung.
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erforderlich. Zum Schlüsse wird erklärt: Wir werden umgehend die notroenoigvn Schritte ergreifen, um im Einvernehmen mit dem reellen Handel und ixr Verbrauch? rschaft allen wucherischen Be- Vstrcckungcn, von welcher Seite sie auch kommen mögen, wirksam eutg.'geuzutreten. Gleichzeitig beruft der Verband deutscher Kartoffelinteressenten für Dienstag eine Generalversammlung ein, um über „die Frage der Gren-jen des Wuchergesetzes und der berechtigten Preisaufschläge" zu beraten.
folgenden Monats ab mit Sich Die Verwendung!)
Tie französische Fremden Es liegen Nachrichlen vor, nwnad) neuert
Rente vom Entlasst!
Itunft und Wissenschaft.
Die Ausstellung „Das veutsche Buch" auf der Frankfurter Herbstmesse.
Durchs einen einheitsidren künst.esiscken Grundgedanken und eine iingeroöfyilid'e Mannigwltig- Deit im einzelnen sucht bte Aussie.lung „Das deutsche Buch" in Frankfurt a. M. die Teilnahme der in- und ausländischen Bück^rlicbhober zu envedVn. lieber 100 angesehene deutsche Beilage iverdeu mit ihren Werken Vorn 3. bis 23. Oktober in den Räumen des Viktoria Hauses bertrclen sein. (Stn besonderer Wert ist auf die künstlerische Ausgestaltung der Räume gelegt worden. Ms Generat- architekt ist Architekt Liebig in Leipzig mir der künstlerischen Durchbildung ter Gesamt i.ssie!l, -g beauftragt worden. Die Bereinigung be;- Raumkunstgedankens mit der Buchausstellung kommt hauptsächlich zur Geltung in der Milieu-Ausstellung, mit ihren verschiedenen Berussbibliotheten, mit der ^to.-rkschaftsbücherei, der Bibliothek be$ allgemeinen Bildung und der Bibliothek eines einfachen Mannes, die den Beschauer mitten in das Schaffen der Zeit versetzen, während der Raum eines Kunstfreundes mit seinen Luxusdrucken, die Damenbibliolhek mit ihren eleganten Zierbändchen und das Kinderzimmer mit Märchen- und Jugendbüchern in eine beschauliche Welt des geistigen Genusses führen. In die Vergangenheit versetzt der ^,Raum eines Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert" und in dem Raum ,chie Entstehung deS Buches" lernt der Bücherfreund den technisdxm Werdegang eines einzelnen Werkes kennen. Ter Musik ist außer dem intimen „Musik-Salon" auch der Festsaal Vorbehalten, in dem während bet' ganzen Dauer der Ausstellung Vorführungen einzelner Künstler unb Ehorauttülrrungen galant sind. Eine Anzahl wissenschaftlicher und bibliophiler Kongresse werden die Wirkung der Ausstellung and) aut geistigem Gebiete verstärken.
zu 6 Monaten Gefängnis und 5000 Mk. Geldstrafe verurteilt worden.
mc. Mainz, 28. Aug. Zu dem Wiesbadener französischen Rennen kam die englische Rheinflottille eigens von Köln mit großem Anhang und hat sich an den besten Ankerplätzen längs des Rhcinufers festgelegt. Die deutsche Schiffahrt wird durch diese Maßnahme auf das empfindlichste gestört, so daß viele Schiffe nicht löschen können. Dringende Vorstellungen bei der französischen Behörde haben nichts gefruchtet. Man kann ja mit den Deutschen machen, was man will.
mc. Wiesbaden, 30. Aug. Die Ve- satzungsbehörde macht darauf aufmerksam, daß sie alle Personen, die sich nach abends- um 9 Uhr an den Kasernen oer französischen
Herumtreiben, verhaften läßt. Gegen wird ein Verfahren wegen ver- Unsittlichkeit eingeleitet.
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weit anzunemner s 3 e n t r i i u g
ReicloSminister des Innern zugelassen worden. Diese Erlaubnis ist jetz: vom Reichsminister des Innern zurückgezogen norden, so daß der Zentrifugen schlämm in Molkereien wieder täglich durch Der brennen oder Vergraben zu beseitigen ist. Die strenge Durcksührun.i dieser Vorschrift erscheint auch deshalb geboten, weil her Verdacht befteljt, das; Wegen bc? Mangels an Futtermitteln der Zentn- ffigensdilamm an SdmKinc rxnrüttvrt wird, wodurch die Gefahr der Verbreitung der Tuberkulose uN'.er den Schweinen entsteht.
ermöglichen. Auch bezüglich des Brotgetreides bestehe die Gefahr, daß es verschoben oder verfüttert werde. Sache der Arbeiter und Gewerkschaften sei es, dafür zu sorgen, daß das Brotgetreide wie bisher bewirtschaftet wird. — Von den Diskussionsrednern fordert Herr Hammel (U.S.P.) das gleiche Brot in Bezug auf Qualität wie fei in den Landgemeinden genossen wird und Mitte gegen die Verschiebung von Brotgetreide. — Herr Haupt (K.P. D3 fordert zur Selbsthilfe und in Bezug auf die politische Sage zur Einsetzung einer Roten Armee auf. Nach dem Schlußwort des Redakteur Wagner wurde die nicht besonders stark besuchte Versammlung geschlossen. — Entgegen den Ausführungen des Stadtv. Diener ist $u hoffen, daß die Herbstkartoffeln eine angemess-ene Preissenkung erfahren, wie dies ja bereits von eurer großen Zahl landwirtschaftlicher Vereinigungen angekündigt worden ist.
fd. Frankfurt a. M., 31. Aug. Der Gesamtvorsland des Deutschen Landbundes hat in seiner letzten Tagung sich ausführlich über die Ernährungslage ausgesprochen unb dabei zum Ausdruck gebracht, daß die vom Deutschen Städtetag erhoffte Senkung der Kartoffelpreise unter 25 Mark kaum eintreten dürfte. Die Herabsetzung des Preises für Schlachtvieh habe das tioÜftänbigc Stocken in der ScÜachtviehbelieferung zur Folg egehabt, weshalb die Aufhebung der betreffenden Verfügung verlangt wird. Der Ausfall der Brotgetreideernte sei außerordentlich schlecht: um die allgemeinen Preisabbaubestrebungen nicht zu durchkreuzen, sei die sofortige Senkung der Preise- für Düngemittel und der Betriebsmittelpreise
schlammcs der Molkereien z s ü 11 e r ii n g war im Emverständni
Avsien und dritten Monat zu zahlen, neiw eine Bescheinigung bei gebracht wird, daß ein Renten- anspruch angrmcibel und die Gewährung einer
Aus dem Amtsvcrkündiguttgsblntt.
** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 124 vom 31. August enthält: Heimführung rumäniidtfr Kriegs- und Zivilgefangcner. — Waisenbüchsengelder. — Scfamttmadjungcn über Erwerbslosenfürsorge. — Fainilienunierstützung. — Verwendung des Zentrifugenschlamms der Molke- rcien zur Fischsütterung. — Llushändigung der neuen Reichsversassung an die Schüler. — Tie ranzösisch? Fremdenlegion. — Regelung des De- putattvesens. — Maul- und Klauenseuche in Inheiden. • . :
H e i m f ü h r u n g r u m ä n i s ch e r K r i e g s- u n d Zivilgefangcner. Nach einer ZuschriN der rumänischen Militärmission in Berlin ist in Rumänien eine Amnestie für alle diejenigen rumänischen Slaatsangehöligen erlassen worden, die bis zum 1. September 1920 nach Rumänien zurückkehren. |
Waisenbüchsengelder. In den Gemeinden des Kreises sind in der Zeit vom 1. Februar 1919 bis dahin 1920 die nachverzeiclmeten Beträge für die Landesivaisenfasse eingegangen. Aus den Gemeinden Albach 18,41 Mk., Allen do rs a. d. Lahn 54,50 Mk., Allendorf a. b. Lda. 0,85 Mk.. Alten- Buseck 2 Mk., Annerod 9,46 Mk, Bellersheim 5 Mk., Beltershain 12,14 Mk., Bersrod 7,75 Mk., Bettenhausen 8 Mk., Beuern 19,20 Mk., Burkhardsfelden 20,24 Mk., Daubringen 0,27 Mk., Dorf-Güll 5 Mk., Eberstadt mit Arnsburg 13,40 Mark, Ettingshausen 7,65 Mk., Garbenteich 2,50 Mark, Geilshausen 8 Mk., Gießen 468,15 Mk., Göbelnrod 9,82 Mk., Großen-Buseck 60 Mk., 6-roßen-Linden 39,15 Mk., Grünberg 47,76 Mk., Grüningen 13,40 Mk, Harbach 15,91 Mk., Hattenrod 13,75 Mk., Hausen 1,52 Mk., Heuchelheim 33,20 Mk., Hungen 43,04 Mk., Inheiden 26,26 Mark, Kesselbach 3,90 Mk., Klein-Linden 63,56 Mark, Langd 26,92 Mk., Langsdorf 23 Mk., Lauter 2 Mk., Leihgestern 45,45 Mk., Lich mit Hof Albach, Colnhausen und Mühlsachsen 41,46 Mk., Lollar, 2,40 Mk., Londorf 2 Mk., Lumda 0,85 Mk., Mainzlar 4,60 Mk., Münster 4,40 Mk., Muschen- \Iieim mit Hof Güll 0,41 Mk., Nieder-Bessingen 7,50 Mk., Nonnen rot h 15,60 Mk., Ober-Bessingen 5 Mk., Ober-Hörgern 0,60 Mk., Oppenrod 7,30 Mark, Queckborn 3,70 Mk., Rabertshausen mit Ringelshausen 11,30 Mk., Reinhards Hain 12,80 Mark, Reiskirchen 13 Mk., Rodheim mit Hof Graß 5Mk., Rödgen 18,30 Mk., Rüddingshausen 9Mk., Staufenberg mit Friedel Hausen 5,70 Mk., Steinbach 33,95 Mk., Steinheim 19,80 Mk., Trais- Horloff 1,10 Mk., Treis a. d. Lda. 9,93 (Mk., Utphe 3,87 Mk., Villingen 1,76 Mk., Watzenborn mit Steinberg 36,20 Mk., Weickartshain 7,27 Mk., Weitershain 16 Mk., Wieseck 3,50 Mk. Zusammen 1435,46 Mk.
Produktive Erwerbslosenfürsorge. Die Verkrautung der Gräben aus dem Lande behindert häufig die Entwässerung der Wiesen und Ibn fingen Ländereien. Ihre Beseitigung wird eine beträchtliche Steigerung der Erträge zur Folge haben. Der Reichsarbeitsminister hat deshalb darauf hingewiesen, daß unter Umständen, wenn die Räumung der Grabensysteme burd) die unterhaltspflichtigen Anlieger aus Mangel an örtlichen Arbeitskräften ernstlichen Schwierigkeiten begegnet, eine Heranziehung Erwerbsloser und eine Förderung der Arbeiten durch Zuschüsse aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge, in Frage kommen könnte.
Erwerbslosenfürsorge. Das Hessische Landesarbeits- und Wirtschastsamt hat mit Ermächtigung des Reichsarbeitsministers und des Reichsministers der Finanzen gemäß § 9, Abs. 2, Satz 3 der Reichsverordnung über Erwerbs losen- ftirsorge den Hundertsatz zur Errechnung der Kurzarbeiterunterstützung für das Land Helsen auf 60 herabgesetzt.
Familienunter st ützung. Die Bestimmung über die Gewährung von zwei Halbmonatsraten Familienunterstützung bei Entlassung ohne R^nte ober von drei Monaten bei Entlassung mit Rente bleibt aufrecht erhalten. Hiernach sind, obwohl die Unterstützungen an die Angehörigen der Lazarettinsassen vom Lazarett gezahlt werden, die zwei Halbmonatsraten oder drei Monate Familienunterstützung von der Gemeindekasse zu gewähren. Ten Familien der ohne Rente entlassenen Mannschaften ist, ohne die Erledigung des Rentenverfah- >rens a^uroatten, die Unterstützung auch für den
sehr rege Werbetätigkeit für die fvan,öiijd>e Fremdenlegion entfaltet nnrb. Tie Beteiligung von Teilt* fdjen an solcher Werbetätigkeit unterlieg ü.afrecln- sichern Einschreiten. Ti • Gefahren abv: .. en jun*. Scuic, die solchen Lockungen Geliör sd . >ken. ent- ^^cgengehcn, sind allgemein bekannt. Tie Schüler sind neuerdings in nadjbrüdlidxr Weise darüber ?.u belehren. Tabei sind sie aber noch (»esonders darauf hinzuweisen, daß es vom üaterlänbifdten Standpunkt aus als Ausdruck einer niedrigen Tenkun^ art betrachtet werden müßte, wenn nad) all dem IVorhergegangenen Söhne deutsdier Ettern sich bereit sinden nnirben, in französisd>en Militärdienst einzutreten, und daß zu erwarten stehe, es werde eine solche venverfliche Gtefinnungvlüngfcit and) bei den Franzosen entsprechend gewürdigt werden. Vor dem Eintritt in die Fremdenlegion ist hiernach brrngtenb zu warnen.
Maul- und Klauenseuche in Inheiden. In Inheiden ist die Maul- und Klauenseuche amtüd) festgestellt worden Es wird gebildet ein Sperrbezirk, bestehend aus der Cticmarfung Inheiden. Das Beobachtungsgebiet bleibt unverändert.
Hirdic uttb Schule.
O Darmstadt, 30. Ang. In den Tagen vorn 18. bis 20. September wird ber Evangelische Jünglin^^bund in Hessen feine Herbstlagung hier vercknstalten. Dabei wird Pfarrer Benfey (Witten) vom evangelisch-kirchlichen Jugendamt der Grasichaft Mark in einer großen Versammlung der männlichen Fugcnd reden über „Das Em>acheil der deutschen Jugend" und auf einer Jugendfühverkonserenz über „Tie Krisis der Jugendarbeit und ihre Uebernnnbung" Außerdem findet ein Festgottesdienst statt und ein Familienabend im Saalbau: bei diesem soll and) Die sportliche Betätigung zu ihrem Rechte kommen.
** Gewerkschaft skarlell. Auf Liedigshölje sprach am Montag abend Redakteur Wagner (USP) über die wirt schäftlicke und politische Lage, ^wobei er in längeren AussirhrunAM den Stcrndpunk der USP vertrat und die Tiftatur forderte. — Rach ber etwa V/s Stunden währenden Reoe Wagners sprach Stadtv. Diener über die K ar- toffelversorgung. Er legte dar, daß Deutschland, das vor tarn Kriege Ausfuhrgebiet gewesen fei, die Kartoffeln die es brauche, nicht mehr auf- brrnge, weil der Landwirt nicht des Bedarfs, sondern des Prosits wegen produziere: er habe sich auf die lohnendere Produktton anderer Erzeugnisse gelegt (Oelfrüchte, Zuckerrüben usw.). Durch Verhandlungen im Frühjahr mit der Festsetzung eines Mindestpreises von 30 Nlark pro Zentner, der sich aber, bis er in die Hände des Verbraudters gelangt, auf 37 Mark stellen wird, wurde eine Vermehrung des Anbaues erreicht. Zum Bezug von sog. Ver- tragskartoffelu, die die Landwirte in der Menge von 120 Millionen Zentner an die Städte usw. zu liefern verpflichtet, wogegen ihnen der Rest zur freien Verfügung bleibt, haben fid) die Städte und der Konsumverein des hohen Preises wegen nicht entschließen können. Verhandlungen über Herabsetzung der Preise haben noch keinen Erfolg gehabt, auch die Mitteilungen über niedrigere, je nach Ausfall der Ernte festzusetzende Preise seien nicht richtig. Wenn es aber bei dem Preise von Mark Al.75 plus Fracht und Zuschlag gleich 37 Mark bliebe, würden 75 Prvz. der Gießener Bevölkerung außerstande sein, sich mit Kartoffeln zu versehen. Der Redner befürchtet Verschiebung der Kartoffeln: das Verkehrsministerium sei ersucht worden, Peine Kartoffeln nach dem Süden zu befördern, erst müsse Gießen beliefert werden unD dann Frankfurt und die übrigen Städte. Da es nicht jedem möglich fei, Kartoffeln einzulag em, müssen Stadt und Konsumverein für Reserven sorgen, evtl, die Stadt durch Bewifliguiig von Darlehen an Minderbemittelten diesen die Beschaffung
Blinder Hatz.
Roman von Alfred Sassen.
(Nachdruck verboten.) Fortsetzung 21.
Sie setzte sich still auf einen niedrigen gestickten Sessel in der Ncche seines Liegestuhls.
Es wollte ihr scheinen, sein scherzhafter Dan sei nickst ganz unbefangen — vielleicht dachte unö fühlte er gleich ihr und ahnte, was sie ihm zu agen gekommen sei. Diese Erwägung machte es ihr leichter, rasch das rechte Wort zu sinden.
In der Tat, sie hatte kaum ausgesprochen, fo antwortete er auch schm nach einem tiefen Atemzuge: „Ich wußte cs, daß ich Sie bald wieder verlieren würde, Rena. Bei Ihrer Ankunft sagtzLN Sie mir, Sie seien gekommen, trauern Sie ftd) noch als Verlobte Ihres Vetters zu, betrachten hätten — und da wußte ich gbeich, biß, Ihr Erscheinen für mich wohl nur ein paar himmlisch ichöne Stunden bedeuten. Nun sind ein paar '--Lage daraus geworden — und ich muß Ihnen imend- lich dankbar dafür fein. . . . Nickst wahr, Reni, vom Bett des Schwerkranken hätte Sie feine Macht ber Erde zu scheuchen vermocht, ix>m Lager des Genesenden aber verbannen Sie sich selbst — so in?-
,^a." .
„So gehen Sie also wieder," sagte er nach einer Weile leise, „unb ich muß mich darein sinden. Aber daß Sie kamen, der Reichtum bleibt mir. . . . Meine Rena mit der tapferen, großen Seele," setzte er innig hinzu.
Sie hob bittend die Harrd-
„Ja, ja," lenkte er ein. „Auf Anraten bS Arztes soll ich noch einige Wochen in der wunder
tätigen Hochgebirgsluft bleiben. Ich habe meinem Vater versprechen muffen, die Anordnung des Arztes zu befolgen. . . . Aber dann — nid?t wahr, Rena, dann sichen wir uns doch wieder ?"
Das Gesicht des jungen MÄ>chens wurde tiefernst. Sie legte die Hände im Schoß ineinander und blickte darauf nieder. Endlich hob sie die Augen und richtete sie mit einem Blick voll beschwörender Bitte auf "den jungen Mann.
„Solch ein Wiedersehen — wäre es nicht eine witzlose Qual?" fragte sie mit zuckenden Lippen.
Er blickte sie fest an.
Nicht minoer fest erklang seine Stimme: „Welchen Weg ich in Zukunft zu gehen habe, um dis ersehnte Ziel zu erreichen, weiß ich augenblicklich noch nicht. So Gott will, stehen Sie aber um Ende dieses Weges — mit .Hcmden, die sich mir treubig entgegenstrecken! Vielleicht wckhri es noch lange, lange, ehe dem schmerzlich-süßen Traum meines Lebens die Erfüllung wird — aber ich kenne Sie ja, Rena! Jetzt, nachdem Lne hierher an mein Krankenlager gelammen sind, kenn ich Sie voll und ganz! Wenn Oskar Borotoskp ftd) auch weigert. Ihnen Ihr Wort zurückzugeben sein Weib werden Sie ja doch nicht!"
„In alle Ewigkeit nicht," rief das junge MLochen, während eine hohe Glut ihr Antlitz färbte. „Damals auf'den Wöllnitzer Wiesen hab' ick iiock geglaubt, es werbe jnir möglich sein, die Kran in mir zusammenzuraffen, mein Wort in dem Sinn zu erfüllen, in dem es gegeben worden. Heute, nach allem, was die letzten Tage gebracht icid gefügt, kann Oskar Borowskh nie mein Gatte werden . . . Aber," sprach sie mit erhobener Stimme rasch weiter, „tritt er nickt freiwillig zurück, fo werde ich mich trotzdem für abgetrennt und ge
schieden erachten vom (Mick. Ein Kranker und eine Blinde — sie stehen in meinem Weg! Ich Cann nicht an ihnen vorüber — hin in das Licht, in die Freiheit! Mit einem Gesunden, mit einer Sehenden würde ich ringen und wieder ringen um mem Recht auf Glück — so aber muß ich die Hand sinken lassen und mich abkehren vow lockenden, winkenden Tag."
„Eine Pflichterfüllung, die, um nicht weh zu tun, erst recht weh tut," streß Hermann Hüttich in brennender Bitterkeit hervor.
Da trat das junge MDchen dicht an seinen Liegestuhl heran und griff nad) feiner Hand.
„Ich möchte, daß der deutsche Schubmeistn: urteilt," sagte sie mit einem leben, schwermütigem Lächeln, „nicht der Amerikaner."
Er hielt ihre Hand test.
„Ter deutsch: Schulmeister," wiederholte er, und sein Ton milderte sich auffallend. „Wiffen Sie, Rena, was ich vorhabe, sobald mir erst wieder die volle Bewegungsfreiheit zurückgegeben ist? Ich werde hier in der Schweiz den Spuren fitestaloz-zis nachgehen, des größten alter Schulmeister l Sein Leben und Wirten ist mir wohl feit einiger Zeit schon vertraute Herzenssache — allein ich werde ihn auf dem heimischen Boden, wo er lebte und wirkte, der Unsterblichkeit entgegen, noch besser zu begreifen suchen. Mit dem gewonnenen Schrtz kehr' ich. bann nach Thüringen zurück, Vater muß seine Taschen auftun — und mit dem unmenschlichen Geld, das daraus hervorfließen wird, will ich irgendwo im grünen Thüringerwald ein Erzre- hungshaus erbauen für arme und ärmste Kinder. Für dieses Haus gäbe es aber in der ganzen Welt nur eine, wirklich nur eine einzige Frau Schulmeisterin — — und die soll nie, niemals feine
Mauern mit ihren warmen Augen, mit ihrem gütigen Wort erhellen?!"
Renas Gesicht erglänzte in rosiger Schönheit.
„Auch fern von Ihrem Erzielmngshanse, Hermann, werde ick leben, als ob ich ihni angehörte, und vielleicht ist es mir vergönnt, Kus der Ferne mit geheimen Segenskräffen hinüberzuwirten zu den Armen und Meinen, die Sie da um sich versammeln wollen!"
Hell und kräftig rief da der Kranke: „Rena, wir sehen uns wieder — um der Armen und Kleinen willen, die das erträumte Hans em mal beherbergen soll! Diese Armen und Kleinen werden so lange rufen, bis Sie kommen: Wir sehen uns wieder — ich weiß es, ich fühl' es! Und in dieser beglüctenden Aussicht sage ich Ihnen leichteren Herzens Lebewohl!"
IX.
Rena fuhr wieder heimwärts — allein, der Vater blieb vvrläusig bei dem genesenden SoTm zurück.
Das junge Mädchen befand sich während ber Fahrt in einer Gemütsverfassung, in der keineswegs eine trostlose Abschiedsstimmung vorherrschte. Es war, als fei von dem so sicher ausgesprochenen Glauben Hermanns, es müsse zwischen ihnen ein befreiendes Wiedersehen geben, auch in ihre Serie ein Teil über gegangen.
Freilich wehrte sie alle hoffnmigsvolten Bilder die in bestimmten Umrissen vor sie hintneten wollten, fast ängstlich ab.
(Fortsetzung folgt./


