Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger ^General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 152
Donnerstag, tz Juli {920
Dr. N.
schenernte hat ihren .Höhepunkt
schritten, sie war 2—3 Wochen früher als sonst. Auf dem Ki rs chbe r g am Daunusrande herrschte
^Nachdruck verboten.)
Fortsetzung 67.
geschäftlicher Angelegenheit etwa für eine Viertel
ftirnte unter vier Äugen zu sprechen. Geht es ihr besser? fragte ich.
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öfter, sagte er sodann. •qb er nicht das Ver- V kanntt'chait zu machen,
Dann sagte ich:
Pasquale, erlauben Sie mir ein n 31't Salviati zum Palast zurück-, vohi, Herr Doktor, ich habe ihm Ihre Bot- ■or ü Wort übermittelt.
Lir Gräfin.
Roman von G. W. Appleton.
per Ächt urtb Lust zufÄhri.
Kreis Friedberg.
Die Kirschenernte.
O Rosb a ch v. d. H., 29. Juni.
Wie mich das freut, Herr Doktor, Ihre Bekanntschaft zu machen! Kein Mensch aus dieser Welt hatte eine größere Hochachtung vor Ihrem Vater als ich, und nun begegne ich seinem Sohne!
Seine Stimme sank zum Flüsterton herab, als ec sich an die Gräfin Maria wandte und hinzufügte: Unb auch noch unter diesem Dache! Wir seltsam! Wie außerordentlich seltsam!
Bevor die Gräfin noch etwas erwidern konnte, erschien die Wärterin an der Schlafzimmertüre und holte sie hirrein. Einen Augenblick später kehrte sie zurück und sagte:
Herr Onelli, die Gräfin Elena wünscht Sie in
Erstaunlich besser!
In diesem Falle, fügte ich hinzu, will Gelegenheit benützen, mich noch ein we gehender mit Pasquale zu unterhalten.
Ich verabschiedete mich von Onelli irr-' ließ das Zimmer.
Aber Pasquale ließ sich nirgend, s h;; Portier am Tore sagte mir, er sei in de ' l nach der Engelsbrücke davongeqan: n
Wirklich fand ich in der Schenke Pasquale vor einer Flasche Monte Pulctano fitzen. Ich nahm neben dem alten Manne Platz, zu seinem großen Erstaunen.
Haben Sie das Zeug da gerne? fragte ich Wollen Sie nicht lieber etwas Besseres trinken?
Nein. Es fei für ihn der Wein der Weftre. Ec sei damit ausgewachsen.
Daher sagte ich auf Englisch: „All right, altec Knabe!", was er nicht im geringsten verstand, und bestellt? eine Flasche Falerner und zwei Gläser. Da begannen seine Äugen aufzu- ,buchte i So kam es, daß wir mit oem destillierten Sonnens'< n. den dieser Falerner vorstellt, an-
nach sich
Hühneraugen??
Da hilft nur Kukirol, baß schnell und sicher wirkende Mittel. Auch gegen Hornhaut, Ballen und Warzen mit bestem Erfolg anzuwenden. Preis 2.50 Mart!.
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gefordert, als Jahoesentfchädlgung cinschl. Zulagen für mittlere Städte der Betrag von 40 000 bis 43 000 Mk. Nach Erledigung des Berlang.-ns der Stadtoberhäupter wird auch die Beamtenschaft der Gemeinden mit Anpassung ihrer GcHaltsund Urlaubsverhältnisse an die Stadt- und Ge- meinderäte hrantr.t-.n, so daß mit starken finanziellen ALehrbe.astung^n der pfälzischen Gemeinden zu rechnen ist.
** Der Verkehr mit dem Memel gebiet. Aus vielfachen Anfragen geht hervor, daß noch immer Unklarheit über den Verkehr mit dem abgetretenen Memelgebiet herrscht. Es wird von zuständiger Stelle darauf h.ngewiesen, daß deutsche Staatsangehörige L-inerter Genehmigung ober Visum weder von deutsche Seite noch von der fra zös.sckien Lkkupat.onsorrwa tung brauchen. Sie können mit einem einiachen Personalausweis ein- uno ausreisen. Dagegen wird das Memelgebiet im Warenvertehr wie das Ausland behandelt. Wer Waren dorthin versendet ober von dort erhält, muß eine Ausfuhr- bzw. Einfuhrgenehmigung dafür besitzen und die Waren an der Grenze verzollen.
** Eine lehrreiche Zahl. Auf der letzten Temonstrationsversammlung in Frankfurt gegen den Lebensmittelwucher teilte ein Redner mit, daß in Berlin heute, trotz dem fürchterlichen Mangel an Lebensmitteln, 4000 Lebensmittel-Geschäfte mehr bestehen als im Frieden. (Tann braucht man sich wahrlich über manches nicht mehr zu wundern.)
** Licht und Luft und Herrenmodc. Wir erhalten folgende Zuschrift: Ich 'habe mit Interesse Ihren gestrigen Artikel „Licht-, Lust- und S-orarenbäder" gelesen und möchte dazu nachfolgende Anregungen geben. Ein bekannter Hygieniker wies in seinen Vorträgen oft darauf hin, daß der in sckMcrrzen KleLern steckende Mensch mit Ausnahme des Gesichts nicht viel besser daran sei, als ein armer Teufel im Dunkelarrest. Man ziel)e doch einmal einen schwarzen Stoff über den .Kopf und frage sich was da noch von Licht z-u sehen sei! Aber es friflt dem Körper nicht nur an Licht, sondern er befindet sich in seinem schwarzen Anzug auch in einem ziemlich luftdicht abgeschlossenen Raum. 9£ber trotzdem schlüpfen unsere Herren tagtäglich in die schwarze Hose und den schwarzen Rock (Cutaway), ziehen fchwarz? Stiefel an und stülpen sich ben schwarzen Hut auf den Kopf in der Meimmg. men Wuirder wie vernünftig und gut angezogeu zu sein. Hier könnten nrir von unserer Damenwelt lernen, deren Kleidung sich in logischer Konsequenz an die Jahreszeit anpaßt. Wärmekapazität nach Farbe stehen in direktem Verhältnis der Gradunterschiede zwischen hril und dunkel: unhygienisch im höchsten Grad ist deshalb das Tragen dunkler Stoffe während der warmen Jahreszeit, weil diese die Stvahlemmergien gierig anffaugen und schädliche Wärmehäufurrn verursachen, während helle, leichte Kleidung die Strählen durchs äßt und so dem Kör-
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ziehen. Der Reichswirtschafts-1 der Rücktrittsvechte. Als jährliche Arbritszeit wer- zusam men getreten sei, hab? diesen I den zehn Monate bei achtwöchenllichem Urlaub
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Vereine und BeransLaltnrrgen.
O Grünberg, 28. Juni. Am Samstag abend hielt die Vereinigung ehemaliger G/rilnbereer Unter-Sekundcmec (Vegus) im Gasthaus Vuin „Rappen" eine Abendunterhaltung ab Eine Ansprache des Vorsitzenden, Bankbeamten Magel, trüber Beltershain, ein Lichtbildervortrag „Der Rhein von Mainz bis Köln", eh? gntgegebenes Lustspiel „Die Kraniche des Jbykus", dazwffchen Mnsikvorttäge des Orchesters des Gies^rerIngenb- bim des schufen einen recht urrterhaltenden Abend.
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Zeichen der Zeit. Der beste Schutz der Kirschen- Plantagenbesitzer wäre, die Kinci-en zu billig .en Preisen aus den Rtarkt zu bringen und nicht maiien'nriie an auswär.ig? Händler zu verkaufen. Tann könnte sich auch der Aermste seine KirfckZor taufen.
— Bad-Nau hei m, 28 Juni. Bor einigen Tagen bat auch hier die Kirschenernte begonnen. Eigentumltch ist es, daß hier die Kirschen viel später reifen als in Rosbach, worein es bis dvn'hm rtxxf) keine zivei Weg mnden sind und trovbem die Lage am Jvhannisb rg ebenso ge- sckützl, wenn nicht noch günstrger ist, als am Ros- kicher Kirschberg. Hier reifen z. B. eben erst dir Sorten, die in RvSoach icho i vor zuxl unb drei Wochen gepflückt werden tonnten. Es liegt daS an den Boderwerl-ilrms:en, die g rab? in Rosbach für die Kirschkulturen besonders günftig sind. Auch in der Güte erreichen die Joltuunislierg-Kirschen die Rosbacher nicht Im nahen Ockstadt reifen die KiAchen ebenfalls ipiter wie in Rosl>ich, aber wieder etwas ftüher als hier — Bei der schon vor einiger Zeil erfolg en Versteigerung der staatlichen Kirschenernte tourxm.redy 'hohe Preise evjklt, die ben vorjährigen nicht nach stellen. Tie Versteigerung der städtischen Ernte, bie gestern erst erfolgte, war für die Käufer günstiger Viele Leute haben sogar sehr gut getanrt, indem dabei durchschnittlich das Pfund Kirschen am Baum nur aus 40—50 Pf. zu stehen kam. Aus dem hiesigen Markt sind bte Kirschen etwas billiger geworden, seitdem auch die Ockstadter Irschen reif geworden. Jrnmeichm müssen für Nosbacher und Ockstadter Kirschen noch 2,20 bis 2,50 Mk. bezahlt werden. ।
Bettenhausen, 29. Juni. Unsere Gemeinde gehört zu denen in Oberhessen, die sich größerer Kirschenanla^en erfreuen lö raten, wenn diese auch nicht an bte Rosbacher und Ock- städter 'heranreichen. Die Bäume haben auch in diesem Jähre wieder ganz schön getragen. Bei der Versteigerung, die die Gemeinde aVGelt, wurden außergewötrilich hohe Preise erzielt. Es kommen hier liauptsächlich drei Sorten vor: die Frühroten, die schwanen Herzkirschen und die weißen Glas- kirsdien. Bor dem .Kriege haben die Leute ihre Kirschen in Gießen, Lich und Hungen für 15 und 18 Pf. das Pfund zum Verkauf angeboten. Jetzt sind Händler da, die den Leuten diese Mühe er sparen und 2 Mk. und mehr geboten haben.
---- Treis u. b. ßba., 29. Juni Um Kirsch e n di e b stahl e zu vermeiden, nmrde aus Ein - wolNern eine Wache zusammen gestellt, die während der Nacht und in den frühen Morgenstunden ihres Zimtes waltet.
Atts Stadt ttttd Lnnd.
Gießen, den 1. Juli 1920.
** Lohnbewegung der Berufsbürgermeister! Die Berufsbürgermeister der Pfalz sind in eine Lohnbewegung eingetreten Sie verlangen u. a.: Neugestaltung ihrer Dienstverträge, Abschlüsse auf zehn Jahre und Regelung
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Airehs und Schute«
ch Lick, 28. Juni. Die Feier des 25jährigen Bestehens der hiesigert Kindeckirche, deren Einfuhr una ein Werk des verstorbenen Stiftsdechanten Klingelhöffer war, soll am kommenden Sonntag auf dem nahen Höhler begangen werden.
Berlin, 29. Juli, lWolff.) Der Reichs- schul-Kommission, dem fachmännischen Organ zur Begutachtung aller die wissenschaftliche Bvrbilbung zum einjährig-freiwilligeit Militärdienst betreffenden Fragen, ist ihre Aufgabe durch die Umgestaltung des Heeres entzogen. Demzufolge beschloß her Reichsrat am 12. Mai 1920, diese Behörde mit dem 30. Ium 1920 aufzuhebet,. Bet dieser Gelegenheit sprach cher Reichsminifter des Innern der Kommission, welche 51 Jahre lang bestanden und namenttich auf dem Gebiete des Privatschulwesens und des Auslandschulwesens eine rege Tätigkeit ausgeübt hatte, den Dank der Reichsregierung aus. Zuletzt gehörten der Reichs« Schultommission als Vorsitzender Präsident Dr. Kelch-Berlin an, als Mitglieder Ministerialdirektor Dr. Jahnke-Berlin, der derzettige Rektor der technischen Lwchschtle in München Geh. Rat Prof. Dr. Ritter von Dyck, der Geheime Schulrat und vor- ttagende Rat Dr. Giesing-Dresden, Oberstudienrat ■ Entreß-Stattgart, Schulrat und vorttagenden Rat Dr. Maybaum-Schwerin und Oberschulrat und Geh. Regierungsrat Dr. Rittweger-Meiningen.
So kam es mir auch vor — tch habe mich fast selbst zu Tode geängstigt, während Sie weg waren. Ist es dem Branntwetn znzirschreiben, daß sie noch lebte, als Sie zurückkehrten-
Jawohl, antroo riete ich.
Unb wird sie zu.retten sein? Was meinen Sie? Glauben Sie, daß sie sich je wieder ganz erholen wird?
Das vermag ich nicht zu sagen. Das kann man unmöglich bestimmen. Vielleicht erholt sie sich und lebt noch viele Jahre. Oder wiederholt sich plötzlich der Anfall und bann —
Ich verstehe. Die arme alte Seele! Ich glaube, sie ist sich bes Ernstes der SacAage wohl ,bewußt, denn währerrd Ihrer Abwesenheit hat sie nach ihrem Notar, Signor Onelli, gesandt, der ihr Vermögen seit triefen Jahren verwaltet. Pasquale ist toeggegangen, um ihn zu holen. Er kann jeden Augenblick eintceffen. Welch ein Drama könnte aus dieser Geschichte entstehen! Bittorio ist für alles verantwortlich.
Für alles, wiederholte ich. Ich brenne darauf, diesem Menschen noch einmal zu begegnen. Ich werde mich bei der nächsten Gelegenheit bei ihm melden.
Sie griff nach meiner Hand und drückte sie jreunbHd). wobei sie sagte:
Sie haben recht. Ich weiß, was Sie damit sagen wollen und freue mich darüber. Aber seien Sie ja nicht unvorsichtig! Sie sind, das weiß ich, schwer von ihm gereizt worden, aber —
Sie vollendete ben Satz nicht. In diesem Augenblick ging die Türe auf, und Pasquale ließ einem verschmitzt, aber gutmütig crussehendeu, weißhaarigen alten Herrn, den Vortritt. Er toarf einen erstaunten Blick auf die junge Gräfin, trat mit altertümlichen Höflichkeitsbezeigungen näher und sagte: ..
Meine liebe Gräfin Maria! Das iit wirklich eine Kstliche Ueberraschung. Unb wie gut Sie aussehen! Mir kommt es vor, als haben wir uns fett Menschenaltern nicht mehr gesehen, wirklich, seit Menschenaltern! ..
Vier Jahre sind es her, bemerkte die Gränn. Nicht länger. Gestatten Sie mir, Herr Onelli, Sie mit Herrn Doktor Perigord aus London bekannt za machen!
Nachdem sich Onelli tief vor mir verbeugt hatte, sagte er.
Perigord! Perigord! Ist es möglich, daß —
Gewiß, unterbrach ihn bi? Gräfin. Sehr wahrscheinlich waren Sie der Rechtsbeistand bes Vaters dieses Herrn.
Des Doktors Julius Perigord in der Via Babuino?
Das war mein Vater, erwidert? ich. Zu mei- dem Erstaunen ergriff her alt? Herr meine Hand und drückte sie, als wolle er sie in Brei oer- wsndeln.
rat, der heute zu,
Wiederaufbau vorzubereiten. Vielleicht würde ieine Arbeit allmählich zu einer weiteren Entpolitisierung des Minschaftslebens fühven. Vielleicht könnten ebne Rücksicht auf die politischen Landesgrenzen Mirischaftsräte gebildet nx-rben, roeldye die Produktion regeln sollten, für Wasser- und Elettrizi tätdträfte, für Klein- und Eisenbahnen sorgen müßten. Damit wurde auch der Hauptgruno für die Anfeindungen Berlins fallen, bem man vorwere, daß es zu seiner Versorgung ein^liie Lan-x steile bevorzuge. Tie üb?rmäß ge Jenttxri.satioii sei aber vom Uebel. Auch den Reichseis?nbah.ien rät er, in den einzelnen Landestellen solck-? zeutralisierie Nebettstellen einzurichten. Er Hude stock) viel zu sagen, leider hide ihm der Abgx>rbnet. Trimborn wohl in fein Manuskript gesehen. Jedenfalls stimme er mit diesem überein. Das lasse das Beste für die Zukunft ethfffen. Tie Unterschrift in Span werde schwerwiegender sein als die von Versailles. Deshalb müsse genau erwogen werden was unterschrieben werben solle. Die sozialen Erschüttcrun- gen seien auch für die Sieger nicht minder schwer als 'für uns. Zwinge uns Spaa zum Bolschewismus, so bräche das llüheil auch über ben Sieger
herein. Er verlange Unterstützung der Ausländsdeutschen, die ihr Vermögen im Ausland verloren flitten und jetzt dorthin zurückkehren wollten, desgleichen der Staatenlosen und der auch in Feindes Hand befindlichen Kriegsgefsangenen. In den besetzten Gebieten int Westen, sowie in Osd- und Westpreußen l'oltte gegen die Schikanierungen der deutschen Ernwohiter Protest erhoben werden. Er schloß mit dem Lludsruck des Vertrauens.
Abg. Schiffer (Dem.) erklärt, er wolle sich nicht so sehr in Parteipolitik einlassen; das Volk habe diese Auslassungen satt. Seine Partei habe im Wahlkampf die schwerste Einbuße erlitten. Sie habe das verstanden und sich zur Zurückziehung aus der Regierung entschlossen. Wenn sie sich schließlich doch zum Eintritt in die Regierung schlüssig machte, so habe die Vaterlands- pfticht daran schuld, wie das auch beim Zentrum der Fall gewesen sei. Der Sozialdemvkvatte müsse er aber Vorwürfe machen, wenngleich er andererseits anerkenne, daß sie wenigstens Gewehr bei Fuß dastehe. Daß gegen die Deutsch-Nationalen sowohl im Innern Deutschlands wie auch im Ausland ein gewisses Mißtratnn herrsche, sei wohl erklärlich. Das sei auch der Grund, weshalb ein Zusammenarbeiten mit ihnen nickst möglich ge- wesvn sei. Redner geht bann zur Besprechung des Regierungsprogramms über und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß das Kabinett von Dauer fein möge. Unsere auswärtige Politik dürfe nickst unter der inneren leiden. Die Auswahl der Persönlichkeiten fei bie Hauptsache für bie auswärtige Politik. Er freue sich, in Herrn Dr. Simons eine solche Persönlichkeit gefunden zu habet:. Große Töne würden nrir in Spaa nickst anschlagen, aber auch nicht kriechen. Gingen die Forderrargen über das Maß des Möglichen hinaus, müßten wir Nein sagen. Die Hetaing der Industrie und des Handels fei die zweite Forderung. Datzu Conunc bte Auslobung der Zwangswirtschaft, die allmälstich erfolgen muffe. Die KriegsgLsellschaften müßten verschwinden. Er schließe mit bem Ausdruck des.Vertrauens zur Regiermtg.
Abg. Dr. Heim (Bayr. Vpt.) verlangt eine Bilanz der unversWschten Wahrheft imb der Tatsachen für diejenigen, bte nach Spaa g?1;i?n. Uns lege man nur Lasten auf, die uns wirtschaftlich urinieren. Zur Hebung unserer Wirtschaft geschehe nichts. Schm heute hätten wir nicht genügend Kohlen, um unsere Industrie ausreckstzuerchilten. Teshttlb dürste uns OberscUesien racht genommen werden. Frankreich vergesse, daß es uns nicht unter Truck halten tarnt, ohne sich selbst zu drücken. Er glaube, baß eine Interessengenteinschaft zwischen Teutschland.unb Frankreich allein den Widerspruch lösen könne. Ter Redner stellt ferner fest, daß die Landwirtschaft an ben teuren Obstpreften nicht schuld sei, sondern der Zwischerihatchel. Er warne vor der Erhöhung der Getrridopceise. Wir sollten Getreide nicht im Weston, sondern im Osten kaufen, wo die Valuta zu unseren Gunsten lattst. Er bitte ferner das steuerfreie Einkornmemninirmmt zu erhöhen und warnt vor zu großer Zentvalisierung, die den ganzen Betrieb unnütz verteuere. Zum Schluß 'bittet er die Parteien, sich zu gemrinfomer Arbeit zusammenzusinden.
Präsident Sähe teilt sodann mit, daß ein Antrag der Unabhängigen Aderhaold und ©erraffen vorliege, wonach die ResieruiDg nicht das Verirauen des Reichstages besitze.
Nächste Sitzung Donnerstag, 1. Juli, 1 Uhr nachmittags: Reichsnotetat, Fortsetzung der Debatte über das Regierungspoogvamm.
Schluß '58/4 Uhr.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 30. Juni 1"21.
Haus und Tribünen sind nur fcfmrf) beucht Arn Miniftertisch Vize tanger unb Reick)sju^izm - nister Tr Heinze.
Nach der ^l-inng von ^,ntech Ur.trauen, dar- unter die Jnterp ll-crtran Arnstadt T.-Natl.) Über die Pres>emel?mngcn, denen zufolge ton Organen der äußersten Linven Vorbereitungen für einen Generalstreik getroffen werden, der sich nicht nur aus die lebensivichtigen Betriebe erstrecken, sondern auch auf Anwendung von Gewaltmitteln burchgeftkhrl werden soll, er.lärt
Vizekanzler Heinze, daß die Regierung die Interpellation rärnerijalb d?r gesetzmäßism Frist bzw. innerhalb der nächsten Tage beantworten werde.
Nach Berichterstattung des Abg. Pfeiffer nimmt das Haus den Antrag 8ebebaut, die Strafe gegen den unabhängigen Abg. Mittwoch aufzuheben, rm, desgleichen wcrb der Arttrag der Tcutsch-Nationalen aus einstweilige Einstellung des Verfahrens gegen den Abg. van den Kerkhofs angenommen.
In der fortgesetzten Debatte über die Regierungserklärung ergreift
Abg .Dr. Trimborn (Ztr.) das Wort: Die Weimarer Verfassung müßte bie unverrückbare Gnmdlage unseres Programms für den wirtschaftlichen Wiederaufbau fein. Er bedauere, daß Die Mehrheitssozialisten sich zurückgezogen hätten. Er dankte der Volkspariei, daß sie diesmal nicht abseits getreten sei. Das Verhalten der Sozialdemokratie könne er nicht imponierend nennen. Das Zentrum solle die Regierungsbasis nach Mog- licksteit verbreitern. Den Anschluß an die Deutsch- Nationalen habe seine Partei nicht mitmachen können, denn das würde den Eindruck erweckt haben, als ob eine Regierung ohne und gegen Demvkratte imb Arbeiter zustande kommen sollte. Man müsse bei jeder Regierungsbildung darauf sehen, wie die nicht am Steuerruder stehenden Parteien sich zu ihr stellen. Seine Partei habe sich memals ihrer vaterländischen Pflicht entzogen, so auch lln dieser schweren Stande der Not. Dem Kanzler Fehvenbach sei das Zentrum zu unaus' löschlichem Danke verpflichtet, er sei das Opfer seines Pflichtbewußtseins. Redner kam auf ben dornenvollen Leidensweg nach Spaa zu sprechen. Forderungen, bie wir nicht erfüllen könnten, müßte ein entschiedenes Nein entgegengff-etzt wer- ben. Von den Programmpunkten des Kabinetts sei ihm der über bie Wahrung von Ruhe und Ordnung mich im Heer imb in der Beamtenschaft der wichttgste. Die Herabminderung der Heeresstärke auf 100000 Mann sei ein Ding der Unmöglichkeit. Ausgaben und Einnahmen müßten in Einklang gebracht werden. Die Steuergesetze seien energisch durchzuführen. Es sei notwendig Arbeit zu schaffen und dafür zu sorgen, daß noch mehr gearbeitet nrirb als bisher. Vielleicht sei es möglich, eine Kommission zur Herbeiführung von Ersparuiffen auch in der Mrwaltang zu bilden. Was an sozialen Reformen bereits eingeleitet sei, z. B. das Ättbeiterrecht u. a., müßte weiter mis- gebaut werden. Eine Beseitigung der Zwangs^ wirtschaft sei nicht möglich. (£r appelliere an die Landwirte, ihre Lieferun^verpflichtangen zu erfüllen. fRetmer schloß seine Ausführungen mit dem dlusdrnck unbedingter Zustimmung zum Re- gierungspwgramm und vollsten Verirrarens zur neuen Recherung.
Abg. Dr. Stresemann (D. Bp.) gibt zunächst eine Uebersicht über die Ereignisse bei der Kabinettsbildung und bedauert, daß man sich, statt den Erfolgen der Rechten bei den Wahlen zu entsprechen, an der Ratlosigkeit der Sieger geweidet habe, als die Sozialdemokratie nicht mittat. Er wandte sich nunmehr zur Rechten unb bemerkte dem Abg. Dr. Hergt gegenüber, daß eine Kabinettsbildung mit der Rechten allein eine Unmöglichkeit gewesen sei. Eine Uebereinkunst mit den Deutsch-Nationalen sei von seiner Partei niemals beschlosseir worden.
Stresemann kam sodann auf bie Sozialisierung, zu sprechen und meint, noch wichtiger als diese sei bie Hebung der Produktion. Er begrüßte die Entpolittsierung des Auswärtigen Amts und des Berkehrsminifteriums unb bebauert, baß die wirtschaftlichen Ministerien noch nicht ganz entpolitisiert werden konnten. Das war aber nicht möglich, weil nicht alle diese Aemter gleichzeitig neu besetzt werden konnten. Dazu sei gekommen, daß angesichts der schwierigen .Lage in Industrie und Technik jetzt bie Kräfte, auf bie es angekommen fei, nur schwer entbehrlich gewesen seien. ^>o sei die fetzige Regierung nur gewissermaßen eine Gtappe, bie nach Bedarf weiter entwickelt werden müsse. Die Wirischaftsftage sei aber nicht von der parteipolitischen Seite zu losen. Der Abbau der Zwangswirtschaft sei noch lange nicht das freie Spiel der Kräfte wie früher, berat uns sei dkürch das Fehlen des internationalen Güteraustausches dte Kraft, gebrochen. Die ganze Frage des Wiederaufbaus sei überhaupt internattonal unb nicht bloß eine deutsche Angelegenheft, denn Deutschlands Zusammenbruch werde mich ben der übrigen Welt
eures Baten Minuten übr zu ecrelch.m.
bisher täglich ein geschäftiges Treiben, auch beute am Sonntag, wurde fleißig gearbeitet. Die Ernte ist als eine gute Mittelemte zu bezeichnen. Tie Kirschenernte ist für unseren Ort, dessen Gemarkung zum vierieic Teil mit Kirschbchumen bepflanzt ist, ein wichtiger Erwerbszweig. Es gibt 'Hier Besitzer, die 100 unb mehr Bäume ihr Eigen nennen. Man sucht die Ernte vor Schärlmgen auf alle mögliche Weise zu schlitzen; Vogelscheucheln und Kirschllap- pern sind ouenffialben angebracht. Von der hohen wirtschaftlichen Bedeutung der Kirschkulturen reden am besten Zählen. Es gab vor dem'.Kriege Jahre, in denen bei einem Preis von 15—30 Pf. das Pfund, über 100 000 Mark für Kirschen in unserem Ort vereinnahmt wurden; man tarnt leicht berechnen, welche Sinn men da bei den 'heutigen Preisen in unser Dors fließen. Die Preffe betrugen zu Beginn der Ernte 3—3,50 Mark Auswärtige Händler 'hoben sie so in die Höhe getrieben. Jetzt sind die Preise etwas gefunden, aber immer noch 'hach genug. Heute wurden hier am Ort noch 2 Mark für Leber- und Falterttrschen, die sich zu Eirrmachzweckrir besonders eignen, bezahlt. Man hofft, daß die Preise im Lause der Kommenden Woche noch weiter finten. In den nächsten Tagen kommen die HertzEirschen zur Reift: bis zum nächsten Sonntag durfte die Ernte beendet sein. — Auch die Heidelbeererufte in den nahen Taunuswaldern ist jetzt in vollem Gange. Te« Sammlern wurden bisher 3—4 Mark für das Pfund ’bejafstt.
O Ock stadt, 29. Juni. Wie im Borjabre, so statten auch jetzt Kirschendiebe den Kirsch- baumanlaigen wieder Besuch? ab. Zu Zusammenstößen zwischen Bauern unb Dieben tote im Vorjahre ist es nicht gekommen. So bedauerlich unb gemein diese Diebstähle an sich sind, sie sind ein
der Mitte der Via Pasq: ale kön.'.' ’v sogar. Und al - feine- 'al Pae. na' sich m
rechts
W Abschluß ii.
„ übernimmt als Beschäftigung Der- öwürdiger Kans Diskretion erbeten istchett. Schr. Ang. R an den G. Anz. nun- nnö MmM lemeitaM führt Beinrich Nuhn. Dreihäusergafse Li MW Laus eines Hausern
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