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Sahistag, 50. August 1919

169. Jahrgang

Erstes Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für OberheW

ZwNNngrnmddrvck u. Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- u. Zteindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle u.Vruckerel: Zchulstr. 7.

Nr. 202

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des

regierung mit äußer ft er Entschiedenhei entgegen treten. Ter Reichspräsident hob so

Aus dem Reiche.

Neue Amtsbezeichnungen.

Berlin, 28. Aug. Durch Verfügung Kultusministers ist angeordnet

worden, daß die S ch u l d i e n e r an den staat­lichen und staatlich anerkannten Schulen, so­wie an den Lehrer- und Lehrerseminaren' Bezeichnung a u s m e i st e r" zu führen ha ben. Nach einer Verfügung des Justizmini sters ist den G e r i ch t s d i e n e r n die selb tarne, aber angeblich schon längere Zeit er­strebte AmtsbezeichnungGecichtswacht- meister" begeilegt worden.

Herstellung und Absatz des Schuhwerks.

Berlin, 29. Aug. (Wolff.) Nach Auf Hebung der Bekanntmachungen über die Be-

bann hervor, daß die Besprechungen von heute morgen volles Einverständnis in allen berührten Fragen ergaben. Da unser Nährboden tatsächlich in der Kohlenförderung und der Transportsicher- heit liegen, so müssen wir vor allem an die Bergarbeiter, sowie an die Beamtenschaft, Angestellten und Arbeiter appellieren, soll nicht unser Volk durch sinnlose Streiks einer schweren Katastrophe entgegengehen. Wenn es uns gelingt, neben dieser nächstliegenden Sorge die- ungeheuren Schwierigkeiten, die uns der FriÄen auserlegt hat, zu überwinden, .dann werden wir wieder Tagen entgegengehen, wo unser Volk und unser Wirt­schaftsleben vorwärts und auswärts geht. Baden bat, so fuhr ben Reichspräsident fort, den Reichs­te danken immer mit großem Nachdruck und gutem Erfolge vertreten. Die Not der Zeit gebietet uns, uns im Reicks fester zusammenzuschließen wie früher. Manck)es müssen wir zwar preisgeben, was

uns lieb geworden ift Niemand will rütteln an

der Eigenart unserer Volksstämme. Aber gerade in, - - ... r - ., _ o ,

ben Grenzlänbern, wie es auch Baben jetzt ist, ist ichlagnahme und die Höchstpreise von ^.edec. manchmal der Reichsgedanke in den letzten Mo-«Häuten usw. werden in diesen Tagen auch Ue>

Der putsch in der Pfalz,

Ma n n h e i m , 29. Aug. (Wolff.) 5 Uhr nachmittags. Es liegen folgende eiimxntbfrcic Mel­dungen Dur: Das HauptpostamtLudwigs- Hafen war feir mehreren Tagen von Schutz­leuten und bediensteten Arbeitern zum Schutze gegen den bevorstehenden Putsch besetzt. Düse Tat- >e war den Franzosen befaiuit, insbesondere dem französischen ÄtoMrolloffiziinkennetrierj Die gegen 4 Uhr morgens ecniaßbegehrerrden Zrvl- listeu iväreit niemals eingelassen ioorben, wenn nicht französische Offiziere und Soldaten sie be­gleitet Wen. Ter Postverwalter See wurde ml dem entstehenden Handgemenge durch Mckerteibs- schuß schwer verletzt. Er starb durch Ver- Auttmg, da niemand ihm helfen durfte. (Sännt*! liche Sck;utzleute und Postbedieiffteten mußten ine Öäitbe hochhalten und wurden so von den 3fran* zosen abgesührt. Sie beiinbcn sich jetzt noch in Haft. Wer die Zivilisten waren, die cfctbiangen^ konnte noch nicht festgestellt werven, da ja alle Zeugen des Ueberfalls sich in fran­zösischer Haft befinden. Der Putsch waL ohne Zweifel ein lokaler Versuch, amtlick)e Gebäude in Besitz zu nehmen unter Mithilfe französischer Soldaten. Die Erregung in der Bürger- und Arbeiterschaft ist unbeschreiblich. Es herrscht all­gemeine Arbeitsruhe in Ludwigshafen. Der Generalstreik droht auszubrechen, wenn bie Verhafteten nicht entlassen werden.

Soweit hat es also General G 6 r a t b mit seiner unheilvollen Politik gebracht. Er, der sich immer brüstete, für Ruhe und Ordnung in den Pfalz zu sorgen, hat das pfälzische Volk in einen Zustand der Siedehitze gebracht, so daß tief be­dauerliche Explosionen zu befürchten sind.

Mannheim, 29. Aug. Nach weiteren Mit­teilungen über den Putsch der letzten Nacht war der Handstreich das Werk französischer 2t gen*1 tat. die nachdem eine französische Patrouille zuerst in das Gebäude cingebrungen war, mit einem Auto vorfuhr eu, um sich des Hauptpostamtes zu bemäch­tigen, um über Telegraph unb Telephon für ihre Zwecke verfügen zu können. Trotz der nächtlichen -Stunde rn i ß l a n g der Plan. Das von ihnen zum Schutz Hub igerusene franzöfische Militär verhaf­tete die als Sicherheitswache verwendeten Gen­darmen und internierte das gesamte Personal in dem Hause, sodaß es schwer fiel, zunächst Emzel* heilen über die Vorgänge zu erfahren.

Europa verkauft, werden fie in Geld befahlt wer­den müssen, das auf seinem Wege nach Neuyark die Börse in London passieren muß. Tie Folge davon wird sein, daß die Börse das Bestreben haben wird, lwas das Geld betrifft, zugunsten Amerikas, was jedoch die Ausfuhr betrifft, zum Schoden Amerikas >zu reagieren. Tiefes bedeutet für Europa, daß die Lebensrnittel, die es von Amerika erhält, fcm Preise steigen werden, unb daß die Fabrikate, die Amerika ihm liefert, so teuer werden, daß sie zum Schluffe fast uner­schwingliche sind. Daher muh Europa zum größten Teil seine »eigene Rettung bewerkstelligen. Es tut nicht gut, wenn die ganze Nation sagt, wir wollen uns auf Amerika verlassen. Es wird schon durch- helsen. Tie SHettung Europas liegt in Europa unb nur in Europa allein. Zu dieser wirtschaftli­chen Rettung führt nur ein Weg, ein Weg rast­loser Arbeit,lharter Arbeit und erhöhter Erzeugung in den Berglverken, auf ben Feldern unb in den Fabriken, \

«Ebert unb Koste In Karlsruhe.

Karlsruhe, 29. Aug. (WTB.) H>eute vor­mittag fand eine Sitzung des Staatsministeriums statt, an der Reichspräsident Ebert unb Reichs- wehcminister Nos ke teilnahmen. Dabei trat der Reichspräsident entschieden der in einigen Kriegs- gesangenenlag?rn zutage getretenen Meinung ent­gegen, die deutsche Neichsregiermig habe sich für die Heimbringung der Kriegsgefangenen nicht energisch genug eingesetzt. Zur Kphlen- frage bemerkt Ebert, daß diese auch zur Trans­portangelegenheit geworden sei. Tic Ar­beitsleistung in ben Betrieben und Werkstätten sei lrider oft berart ungenügend, daß die Fertigstel­lung der^Repavatureu weit hinter ben Bedüfifniften zurückstehen. Man hoffe dennoch die Kohleukrise zu überwinden. Reichswehrmüiifter Nos ke kam auf die kommunistische und bolschewistisch: Be­wegung zu sprechen unb führte aus: Die Haupt­sache seien Kohlen unb damit Arbeitsmöglichkeit für den Winter, bann kämen wir über die von den Kommunisten etwa geplanten Unternehmungen hin wer. Zn ber Besprechung wurde ferner die Fra -,e der Rhein-Wasserkräfte im Zu­sammenhang mtt ber Meitrizitätsversorgung er­örtert unb betont, die Erfahrungen Badens auf diesem Gebiete müßten bau Reiche nutzbar ge­macht werden.

Auf weitere Frage erklärte Reichspräsident Ebert, die Forderung ber Reichseinheit sei nicht gleichbedeutend mit der Zerstörung, ber bundesstaatlichen Stammeseigeusck.vst und Selb­ständigkeit auf dem Gebiete ber lmidesgesetzlichen Tätigkeit. Schließlich wurde die Angelegrnheit des Kehler Brückenkopfes behände(t unb um das Eingreifen ber Reichsregierung l-insichtlich, ber Freilassung ber inhaftierten bo".ficken Beamten er­sucht. Nach« der Besprv lMng lx suchten die Gäste und die Mitglieder der Regierung das Hans Thoma- Museum.

Um 1 Uhr mittags sand in den Gesellschafts- väumen des Staatsministeriums ein Mittags­mahl statt, zu dem etwa 70 Personen Einladung erhalten hatten, so, die Präsidenten und Fraktions- sührcr des Landtages, die Spitzen der staatlichen unb städtischen Behörden und die Vertreter' ber kirchlichen und Bernfsorganisat tonen. U. a. waren zugegen der Präsident ber Deutschen Nationalver­sammlung Jckhrcnbach und ber greife Künstler Hans Tlwma. Stoatspräsident Geiß gab in seiner Be- MÜßunssansprache ber Versicherung Ausdruck, daß Badens Land und Regierung volles Vertrauen zum Reiche haben und wie bisher, so auch in Zukunft fest unb treu zum Reich, stehen werden. Er gedachte ber Gefallenen und Gefangenen unb schloß: Tas deutsche Volk kann und darf nicht untergeben. Eine gewisse Krankheit unseres Volkskörpers trrirb hof­fentlich bald überwunden unb dos deutsche Volk wieder ein einiges, fleißiges und zuverlässiges Volk werden. Geiß trank auf das Mühen und Gedeihen der deutschen Nation.

Reichspräsident Ebert dankte für die freund­lichen Begrüßungsworte. Er beftagte besonders den Bruderkrieg im Innern und bezeichnete als gemeinsames Ziel die feste Verankerung des Bo­dens, auf dem unser neues Reich aufgebaut wer­den soll. Dazu wurde die Verfassung auf streng demokratischer Grundlage geschaffen. Neben den Reck)ten ständen aber auch die Pflichten gegen­über der Gesamtheit. Putschversuchen imb sinnlosen Streiks werde daher die Rcichs-

naten stark erschüttert worden, und da glaube ich. nicht zu irren, daß Baden in seiner allen, treuen Weise zum Reick-e steht. Der Trinkspruch des Reick)sprajidenten galt dem Badener Lande

Um 4 Uhr nachmittags empfing Reich^praft- bent Ebert die Vertreter der Presse. Er gab; auf verschiedene Fragen zuftiedenstellende Ant­worten unb hob u. a. die kulturelle Bedeutung ber Preffe hervor. TaS Zeitungsgewerbe bezeichnete er als lcbenswiclstigcn Betrieb, der auch in ber Koh* Icnüetforgung Berücksichtigung verdiene

Ilm 5 Uhr nachmittags reiften die Gäste nach Baden-Baden. Morgen erfolgt die Weiterfahrt nach Darmstadt.

Heilmittel für die Mißstände, denen sich Groß­britannien gegenübergestellt sieht, in einer ge­steigerten Ausfuhr, bis die Monatsaus- ftchr den Wert von hundert Millionen Pfund erreicht habe. Geddes sagte: Ter einzige Weg, um unser Vermögen zu vergrößern, besteht in der Ausbreitung unseres Handels. Wir stehen augen­blicklich den zwei großen Fragen gegenüber:Wie gelangen wir zur Erzeugung unb wie finden wir Märkte?" Europa, das einer ber größten Märkte war, ist durch den Krieg in Unordnung gebracht, verarmt und in manchen Teilen im Zustande bevorstehenden oder bereits vorhandenen wirt- schaftlichen Zusammenbruchs. Mittels Anspornung unserer Ausfuhr hoffen wir zu erreichen, daß in Europa die Erzeugung einsetzt. Wir schaffen ein Negierungsorgan für das Ausfuhr- und Kredit­system, um so die Wiederaufnahme der Ausfuhr unb des Handels nach dem desorganisierten Teile von Osteuropa zu erleichtern. Wir tun alles, was wir kömien, um für die Industrie Europas Roh­stoffe zu beschaffen, und Rohstoffe nach den Ländern, deren Werke unb Fabriken stilliegen, zu fenben. Wir tun alles, was in unserer Macht liegt, um ihnen Kohlen, die wir entbehren können, zukommen zu lassen. Und auf diese Weise hoffen wir, bevor viele Monate vergangen ftnd, baß dort, wo augenblicklich ein Stillstand herrscht, ber Handel wieder in Fluß kommt. Zn diesem Zwecke sind wir auch bestrebt,ben Konsular- und handelspolitischen Dienst vollständig neu zu bil­den, auszubreiten und zu entwickeln. Europa ist jedoch nicht der einzige Markt. Wir ergreifen alle Maßnahmen, um den Handel innerhalb des britt- schcn Reiches zu fördern. Wir breiten unsere Handelsvertretungen im ganzen Reiche ebenso aus, wie in der ganzen Welt. Es wurde getagt, A me- rika habe durch den Krieg wenig gelitten. Es werde die britischen Märkte nut Waten über­schwemmen und von den europäischen Martten Besitz ergreifen. Tas ist jedoch nicht ber Fall. Amerika ist so gestellt, baß es, wie . wir anderen, alle, mit Bezug auf die Zukunft wrnes Handels großen Schwierigkeiten gegenüberfW Während des Krieges hat Amerika seine Industrie stark entwickelt und die Gewerbetätigkeit seiner Bevölke­rung ausgedehnt. Es ist so ungeheuer reich und erzeugt eine solche Menge von Rohitoffen, datz es, während wir von der Einfiihr abhängen, voU- ftänbig unabhängig ist, da es von seinen eigenen Erzeugnissen lebt. .

Amerika ist nickst nur erne große JuElne- Nation und führt nicht nur tu einem grvßen Maße fertige Fabrikate aus, sondern aw£i bie meisten Rohchstfe. Amerika ist in einer nnglücklickvn Lage. Es hat so viel, daß es wenig braucht. Die Folge davon ist, baß der Geldumsatz zwischen Neuyvrk unb London zum Vorteil Amerikas aus'.allt. Jeder Geldumsatz, der Amerika zum Nutzen gereicht, rich­tet fick) indes gegen fein Ausfuhrvermögen. Wir müssen von Amerika Rohstoffe brummen, auf alle ftänc aber für die nächsten Jahre. Gerade weil

Der Kampf in Rußland.

Amsterdam, 29. Ang. (Wolff.) Tie eng* lischen Blätter vom 27. August bringen eine Sßire* lest-,Preß-Meldung, wonack) bie Aufständischen im Rücken Kvltschaks eine Brücke über bat reifet zerstörten unb damit den Truppen Kvltschaks in ber Gegend von Jrkutst beit Rückzug abge« schnitten.

W ashington, 29. Aug. (Wolff.) Das Pressebureau Radio meldet, daß der amcriEanifdjfl Botschafter in Japan, Morris, der sich in feinen letzten Berichiten sehr für bie Anerkennung t«r R g.cnntgKvltschaks cinsetzte, S oltschälks Miß­erfolge der Nichtanerkennung seiner Regierung durch die alliierten und assoziierten Mächte zw- schreibt.

Washington, 29. Aug. (Wolff.) Laut Pressebureau Radio meldet die Associated Preß aus London, daß die Bolschewisten danach streben, China für sich zu gewinnen, inr diese Republikvom fremden Joch zu befreien",

Die Leute von Seapa Flow.

Berlin, 29. Aug. (Wolff.) Der ,B. Z," zufolge berichtet derDaily Herald^^, baß die deutschen Seeleute, die an ber Versenkung pev deutschen Flotte beiScapaFlow mitarbeiteten; die englisck^e Regierung gebeten hätten, an jeder Strafe gleich teilnehmen zu dürfen, die A d m i r a £ Reuter wegen feiner Handlungsweise auferlegt werden würde.

Der englische Hondelrminister über die Wirtschaftslage.

Amsterdam, 29. Aua. (Wolff.) Das Pieß- bureau Radio meldet aus Camavon: Der Präsi­dent des britischen Handelsamtes Sir Aukland Geddes setzte in einer Rede bie Plane der britischen Regierung für die Wiederbelebung des britischen Handels und zur Unterstützung anderer Teile des Landes auseinander. Geddes sieht das

Dre Freigabe der deutschen Kriegsgefangenen.

Seit längerer Zeit prangen die deutschen Bahnhöfe in einem bescheidenen Festschmuck, und auf den von bereits mehr ober minder vergilbtem Tannen grün umkränzten Täfelchen stehen die vielsagenden Worte: Herzlich in ber Heimat willkommen! Dann kamen sie aber nicht, bie Erwarteten und Ersehnten, und die Verhältnisse ign Innern unseres Landes wur­den schlechter, nicht besser. Was nützt den Zu­rückkehrenden der Willkommensgruß, wenn zu all unserem nationalen Unglück die Klassen­verhetzung, der Niederbruch der Ordnung und Zucht, der überhaudnehmende Materialis­mus immer weiter gehen! . . .

Wie anders wäre es, wenn wir die Volks­genossen, die von der Hand unserer Feinde gepackt worden waren, in einem wohlgeord­neten, zufriedenen Lande empfangen könn­ten! Wir dürfen uns aber am rühmlichsten Erinnerungstage von Tannenberg vorneh­men, die Herzen allmählich wieder aufzu­hellen. Der politische Kampf wird und muß weitergehn aber wie viel wäre schon ge­wonnen, wieviel sinnvoller und herzlicher wäre der Empfang der zurückkehrenden deut­schen Kriegsgefangenen, wenn wirklich wie­der etwas mehr echte Nächstenliebe in unser Volk dringen würde, wenn der Kampf der Zeit toirmcb nur gegen die Ueberschätzung und Uebertreibung materiellen Gewinnes ge­richtet wäre!

Und heute erhalten wir die frohe Kunde, daß bie Vielerwarteten boch nun endlich bald kommen. Wir haben heute folgende Nachrich­ten erhalten:

Eine Note beiObersten Rates".

Versailles, 29. Aug. (WTB.) Der Oberste Rat der Alliierten veröffentlicht folgende Note:Um so rasch wie möglich die durch bat Krieg verursachten Leiden zu mindern, haben bie alliierten und assoziierte» Mächte beschlossen, den Zcitpinikt Dc5 Inkrafttretens des Friedensvertrages mit Deutschland, soweit er den Rücktransport ber deutschen Kriegsgefangenen be­trifft, vorzudatieren. Tie Vorbereitun­gen zum Rücktransport werden sofort beginnen und zwar durch eine interalliierte Kommission, ber ein deutscher Vertreter angeglie- bert werden soll, sobald der Vertrag in Kraft ge­treten ift. Die allucrten und assoziierten Mächte weisen aber ausdrücklich darauf bin, daß diese wohl­wollende Haltung, von ber die deutschen Soldaten so große Vorteile haben, nur dann von Dauer fein wird, wenn die deutsche Regierung und das deutsche Volk alle ihnen obliegenden Verpflichtungen er=> füllen."

Die Note desObersten Rates der Alli­ierten" empfindet fein Deutscher und auch sonst fein gerecht Denkender in der Welt als ein Dokument der Humanität. Der Zwang und die Notlage haben dieses Vorgehen geboren. Die Interessen der hohenAlli­ierten" gehen wieder einmal auseinander. Die Engländer brauchen die deutschen Ar­beitskräfte nicht, die Kosten der Unterhal­tung unserer Gefangenen werden ihnen lästig, Frankreich aber möchte noch immer die Deut­schen als Arbeitssklaven festhalten, für bie man nichts aufzuwenden brauche als schlechte Kost und miserable Behandlung. Die Bei­spiele, die wir in unseren letzten Nummern von der Handlungsweise dergranbe nation" gegeben haben, sind noch.in frischer Erinne­rung. Mit wahrem Widerwillen liest man daher auch ben Schlußsatz ber Versailler Nöte über das bedingungsweise Entgegen­kommen, überdiese wohlwollende Haltung, von ber bie deutschen Soldaten s o große Verteile habe n". Uebrigens sind wir auf jeden Fall noch auf das willkürliche Wohlwollen unserer Gegner angewiesen. Denn in der'vor- bereiteuden Kommission wird Deutschland erst einen Vertreter zu stellen haben,so­bald der Vertrag in Kraft getreten ist". Das ist ausfällig unb läßt befürchten, daß die Heimseirdung der Unfrigen noch immer nicht mit der möglichen Beschleunigung er­folgen soU.

Wie die in Gefangenschaft Schmachten­den über ihre Lage denken, davon wird uns aus Röthges das Bruchstück eines Brie­fes mitgeteilt:

Depot de P. G. de Lille, geschrieben ben 3. August 1919. Lieber Bruder!

-.sw Tann, lieber Bruder, sei so gut und toreibe mir efnmal, wie Ihr eigentlich unsere Veimbesörderung vor Angen gestellt be­kommt. Hier sind wir ganz versckfiedener Ansichiten. Es fdrint uns iräinlich halb so, als ob Teuft Uand uns auf eine bestimmte Zeit an Frankreich

Die fragliche Karte fift, so fügt der Ein­ender hinzu, noch nicht angekommen.

Zur Behandlung der deutschen Kriegs­gefangenen in Tlmerita.

Berlin, 29. Aug. lieber ein schweres Explosionsunglück, das sich, wie erst jetzt in Ergänzung früherer kurzer Meldungen genauer bekannt wird, bei der 98. deutschen Kriegsgefangenen-Kompagnie in dem amerikanischen Gefangenen­lager in St. Loubös bei Bordeaux Mitte Juli ereignet hat, berichtet derLokalan­zeiger": Die Gefangenen waren damit be­schäftigt, Schießbaumwolle und Pulverkisten unbrauchbar zu machen. Sie mußten dazu Gräben Herrichten und in diesen die Pulver­kisten verbrennen. Hierbei kam es zu einer starken Explosion größerer Pulvermengen, der eine große Anzahl Kriegsgefangener zum Opfer fiel. 24 bis 26 wurden getötet, viele an­dere mehr oder weniger schwer verletzt. In­folge dieser Vorgänge weigerte sich die 101. Gesangenenkompagnie, ähnliche Arbeiten auszuführen. Durch Entziehung der Nahrung, durch Gefängnisstrafen und durch bie Drohung, baß sie im Falle weiterer Arbeits­verweigerung als Meuterer behanbelt, b. h. mit dem Tode bestraft würden, zwang man sie schließlich, die Arbeiten auszuführen. Die deutsche Regierung hat durch Vermittlung des Schweizer Bundesrats an bie amerikanische Regierung eine Note gerichtet, in ber sie um Aufklärung ber Vorgänge ersucht unb schärf­sten Einspruch dagegen erhebt, daß bas Le­ben ber deutschen Kriegsgefangeiren in fahr­lässiger Weise gefährdet wirb.

ober ob wirklich was im Sviel ift. Sollte aber I kaute eine große Menge von Warm an alle euro- diese Karte an kommen, fo schickt nichts mehr; denn I päischeir Länder. Was für Waren erhält es dafür? wir halten es auch schließlich ein halbes Jahr I So gut wie keine! Weim Amerika Waren in ohne Pakete aus

verkauft hat. Auch habe ichi eine Karte an Euch yiui*-

geschrieben, welche kurz vor unserer Heimfahrt mt mir bic,e Noh;toffe nehmen muffen, wird s für Euch ge'andt werden soll mrd den Inhalt hat, weder Amerika immer itetoienger sE-iein.

Dries noch Pakete an mich abfenden. Ich weiß nun für die Ausfuhr bestimmten Fabrikate über nicht, ob uns die Franzosen nur arrführen wollen, Ozean zu wMften. Man behaupt.., Amerika ver