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Mittwoch, 30. Zull 19|9

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefienj

Zweites Blatt

Nr. K75

Turnen.

Vie Uommunalwahlen.

29.

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Fortsetzung 22.

(Nachdruck verboten.)

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ben Sonntag findet die Wahl des 2. Beigeordneten statt, wobei die sozialdemokratischen Parteien den Modell schreiner Gemeinderat Jakob Möller als Kandidat nominiert haben, wälftend die Bürger­partei wiederum von der Aufftellung eines eigenen Kandidaten absehen wird.

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Ragna Gvendburg

ytomon von Anny Wothe.

O Aus dem Kreise Friedberg, Juli. In Hausen 'wurde Wilh. Häuser mit 37 Stimmen zum Beigeordneten ge­wählt: der Gegenkandidat Jakob Klos erhielt 22 Stimmen. In Oppershofen wurde Joh. Martin Weil mit 122 Stimmen bei einer Gesamtstimmenzahl von 141 zum Beigeord-

Worte auf die Lippen.

Wenn Sie es ohne Hoffnimg als Freund tun wollen, so sind Sie mir willkommen."

Dank, Ragna, tausend Dank! Ach, ataiiben Sie mir doch, ich weiß Ihr Vertrauen zu schätzen, ich bin glücklich, daß Sie mich so gut und rcd>t verstehen. Wenn ich Sie sehen darf, dann, will ich Kiich gern bescheiden nie soll. Sie ein Blick, ein Wort daran erinnern, daß Sie mir mehr sind.

erscheint.

Abgesehen von der Erhöhung des Steuersatzes bringt die Umarbeitung Bestimmungen, die den ^Grundgedanken der Umsatzsteuer mit größerer Margit als im bisherigen Umsatz-Steuergesetz hervortreten lassen. Im biefer Richtung wirkt auch die Aufhebung von zwei Vorschriften, die sich im alten Umsatzsteuergesetz bejinbai; der 8 7 des alten Rmsatzsteuergrfetzes, der die Z wis chen b e st e u e- rung bei gemischten Betrieben vorsieht und der 8 3 Nr 3, der sich für die Befreiung kleinerer Unternehmer (bis 3000 MH Umsatz) ausspricht, sind gestrichen worden.

Der §7, der übrigens erst ein Jahr nach Friedensschluß in Kraft treten sollte, hat sich

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als Sie es wollen."

Sie standen vor dem großen, freien Platz vor dem Hotel des Alves. Das Mondenlicht fiel voll auf Ragnas Gesicht, das mit großen Tränen in den Augen zu Arne aufjah. Abschiednehmend legte Ragna ihre Hand in die des Doktors Lorenzen. So standen sie einen Moment in schweigendem Ge- Gedenken, da geschah plötzlich etwas Ungeheuer liches. Ein vor Wut entstelltes Männerantlitz drängte sich zwischen sie, und eine Stimme, die

neten gewählt. .

ed. .Eichelsdorf, 28. Juli. Zum Bei­geordneten 'wurde Landwirt Karl Knodt II. mit 152 Stimmen gewählt. Ter Gegenkandidat, Land­wirt Wilhelm Alt, erhielt 139 Stimmen.

ed. Eschenrod, 28. Juli. Beigeordneter Karl Klein wurde heute mit 153 Stimmen einstimmig (wiedergewählt. Tie rege Walstbetei- ligung zeugt für die Belrebtheit des Wteder- gewählten. 1

cd. Aus t>em .Eicheltal, '27. Juli. Ms Beigeordnete wurden wiedergewählt: rn W in- gershausen Landwirt Theodor Linker, rn Eichelsachsen Gastwirt Becker.

O Schlitz, 28. Juli. Gestern fand hier brc Wahl eines zweiten Beigeordnete n statt. Es waren zwei Kandidaten ausgestellt, der bisherige 2. Beigeordnete Heinrich Franz Jungblut, der die Unterstützung der Teutsci)en Vvlkspartei in ihrer Mehrheit sand, und Heinrich August Hinkel, der won den Demokraten aufgestellt war. Gewählt wurde Jungblut mit 321 Stimmen, während Hinkel i252 Stimmen erhielt. Tie Sozialdemo­kraten hatten von einer eigenen Kandidatur ab­gesehen. Bei der Wahl des ersten Beigeordneten war die Wahlbeteiligung reger. Damals erhielt der bürgerliche Kandidat Zöller 756, der sozial­demokratische Kandidat Maurermeister Lachmann 476 Stimmeji. Die.Gesamtzahl der Stimmberech­tigten beträgt 1620.

? Vilbel, 28. Juli. Bei der Wahl des 1. Beigeordneten wurde der von den beiden sozialdemokratischen Parteien aufgestellte Filial­inhaber des 'Frankfurter Konsumvereins Gemeinde­rat Heinrich Armbrust mit 1640 Stim­men gewählt. Die Bürgerpartei lzatte keinen Gegenkandidat ausgestellt, so daß daher von 3 00 0 Wahlberechtigten 1360 von ihrem Wahl- I recht keinen Gebrauch gemacht haben. Kommen-

Nicht also, Arne," sagte Ragna warm, ihrem Gefährten die Hand reichend.Lassen Sie uns Freunde sein, da wir uns nicht mehr sein können und dürfen. Freundschaft ist, ich weiß es lvohl, ein armseliger Ersatz für versagte Liebe, ater sie ist der Liebe doch am nächsten verwandt. Lassen Sie mir den süßen Glauben, daß Sie mir nicht zürnen, nicht in Groll meiner gedenken."

Sie gehen fort von Berlin'?" stieß Doktor Lorenzen fast rauh hervor.

Kaum eine halbstündige Eisenvahnfahrt ent­fernt," sagte Ragna mit einem leisen Lächeln um ben Mund.

Und ich darf Sie Wiedersehen ich darf kdm- inten, ick darf Sie aufsuchen, Sie rauben nur nicht alle Hoffnung?" .

Atemlos drängten sich Doktor Lorenzen die

Graue düstere Nebel. Ter Novembersturm zauste an den dürren, blätterlosen Zweigen der Bäume und sauste pfeifend durch die alten, düsteren Fich­ten und Tannen, bis hin ru dem kleinen, einsamen Häuschen, das so bescheren am Wegrand lag. Arme Leute hausten darin. Ein Bahnwärter ton es mit seiner Familie. Blitzsauber war alles , in dem engen Stübchen da unten, wo sich um eine bl-onde Frau drei pausbackige Blondköpfe dräng­ten, aber ärmlich und klein erschien alles in dem bescheidenen Wohngemach Oben in dem Giebel­stübchen des Hauses, wo im Sommer sich wilde Rosen hoch emporrankten, da war es licht und hell trotz des trüben Nooembertages. Auch hier war die Einrichtimg nur I r?"

Zeugnis von dem vornehmen . , wohnerin. Weiße Mull vorhänge an dem einzigen Fenster und ein Paar späte Rosen davor. Ein großer, bequemer Schreibtisch, ein paar einfache Stühle dazu, das 'war alles, und doch lag es wie Märchenduft über dem einfanten Gemach. Viel­leicht ging er von dem Tisch mit der groben. Wolldecke aus, auf dem ein schlankes Glas mit einem Strauß letzter blasser Aftern stand? Oder

ist die Rückverlegung der Steuer zum Hersteller möglich. Es bleibt ein kleiner Kveis von Gegen­ständen, u. a. Gegenstände des Juweliergewerbes in Verbindung mit <Ä>elmetallen, Originalwerke der Plastik, Malerei und Graphik, Antiquitäten, Bergnügungs- und Sportsah-rzenge, Billards, Reit- und Kutschpferde, bei denen die Besteu­erung in der letzten Hand erfolgen mug. (Aufgabe zu 4.) Es sind dies Gegenstätov, bet denen der Hersteller selbst frei sein soll, wie bei Originalwerken der Kunst oder, ber denen der Hersteller und der letzte Verkäufer meist dieselbe Person ist wie bei Blumen unb Feinkostwaren: Edelmetallwaren sind hier nicht untergebracht, weil der Juwelier große Kapitalien anlegen muß und diese Anlage ihm nicht schon von vornherein mit 10 vom Hundert belastet werden soll. Dazu kommt, daß der Edelmetallwert Kursschwankungen aus­gesetzt ist und die Verluste, die den Juwelier hierdurch treffen können, nicht noch durch die Steuer verschärft werden dürfen. Tie erhöhte Um­satzsteuer aus die Lieferung von Luxus gegenständen int Kleinhandel beträgt 15 vom Hundert.

Tie bisher erwähnten Vorbelastungen beziehen sich nur auf Lieferungen. Tie Leistungen soweit sie nicht als Werklieferunpen den reinen Lieferungen gleichstehen unterliegen grundsätz­lich nur der Steuer von 1 vom Hundert. Hier­von ist aber in dem vorliegenden Gesetzentwurf (Aufgabe zu 5) eine Reihe von Ansnah men gemacht, in dem gewisse Leistungen unter 10- prozentige Steuer gestellt jircrben sollen. Hier­zu gehört die llcbentnljme von Ankündigungen, wie die Gewährung eingerichteter Schlaf- imd Wohn­räume in Gasthöfen, Pensivnen dber Privat­häusern zu vorübergehendem Aufenthalt, tvenn das Entgelt für den Tag oder die Uebernachtung 2 Mk. ober mehr beträgt, und schließlich die Aufbewah­rung von Geld, Wertsachen, Pelziverk usw.

Tie Schätzung des Ertrags der neuen Urn- satzstkuer ist mit einiger Sicherheit kaum zu geben. Sie kann nur für den BelmrrnncHustand versucht 'werden, den das deutsche Wirtschaftsleben hosfent- lich in einiger Zeit erreichen wird, nicht aber für die unklaren und unsicheren Verhältnisse der Gegenwart. Dies vovausgeschickt geht die Erttags- schätzung auf etwa 4Vs Milliarden Mk. und, wenn man ein Zehntel wegen der Gebietsabtretungen absetzt, mit 4 Milliarden Mk.

Entwurf eines llmsahfteuergefetzes.

Weimar, 27. Juli. (Wolff.) lieber den l Entwurf eines U m s a tzste ue r g ese tzes . wird von zuständiger Stelle mitgeteilt:

Der Nationalversammlung geht gleichseitig mit , dem Entwurf über das Reichsno töpfer der Ent- ; wurs eines Umsatzsteuergesetzes zu, das am 1. Ja- : murr 1920 in Kraft treten und gleichzeitig das Umsatzsteuergesetz vom 26. Juli 1918 außer Wiri- famteit setzen soll. Die Umsatzsteuer ist, nne mit aller Deutlichkeit ausgesprochen lverden muß, ettto Verbrauchssteuer größten -Ltils, die freilich eine Verteilung der auf den einzelnen ent­fallenden Steuerlast in unzählige Klemtelle be- nirtt, so daß die Steuer im allgemeinen dem Steuer träger kaum fühlbar werden wird. Aber wenn auch die Belastung für den einzelnen Ver­braucher schärfer in Erscheinung treten würde. Io mulst es doch jedem, der mit vollem Ernst die finanzielle Lage des Reiches betrachtet, klar fein, daß es schlechterdings unmöglich ist, den rnnanz- bedarf ves ReickM lediglich, durch Belastungen von Vermögen und Einkommen aufzubringen. ^te direkte Besteuerung wird durch die vorliegendes bzw. kommenden Steuergefetzeutwürfe bis auf das höchstmögliche Maß gesteigert, gleichwohl wurde ein Mllltarderchefizit im Reichs haushalt verblechen« wenn nicht auch ber Verbraucher mit zur Deckung der Ausgaben des Reiches hevangez-ogen. wurde. Tas Wort des gegenwärtigen Neich-ministers der Finanzen, daß wir nicht die Frage stellen föinitcn, ob es möglich ist, die erforderlichen Steuern auf- zaibringen, sondern daß mir von einem gebiete­rischen Muß auszugehen ist, trifft ganz besonders auf die Umsatzsteuer zu. . _ . ...

Tie gleiclHeitige Belastung aller Bedürfnisse mit einer auf den Verbraucher abgewälzten Steuer erfordert einen Ausgleich, der die Leistung ^und Steüerfähigkeit des einzelnen berücksickstigt. Die­sem Gedanken ist auch in der vorgeschLagenen Be- stcuerung des Umsatzes Rechnung getragen. Ein Ansatz dazu ist bereits in dem bestehenden Umfatz- fteuergesetz in seinem Abschnitte über Luxus- besteuernng vorhanden. Ter vorliegende Ent­wurf verwirklichst nun in weitestem Umfange die Foi'derung, daß nicht nur ausgesprochener Luxus, sondern jeher entbehrliche Verbrauch vorbelastet werden soll.

Der Entwurf versucht fünf Aufgaben zu losen: 1. Die notwendige Umarbeitung der Vor- sckiristen des allen Umfatzsteuergesetzes, 2. die Aus­gestaltung der allgemeinen Umsätze durch Er­höhung des Steuersatzes bei dem Umsatz, mit dem der Gegenstand aus dem Zirkular Prozeß verschwindet, 3. die Ver'leg ung der bis her i- qen Luxus st euer in den Umsatz vom Hersteller an dessen Abnehmer, gleich­viel ob dieser ein Wiederveräußerer oder ein letzter Verbraucher ist, und der Ausbau der Luxnssleuer zu eineminneren Zolltarif" für alle Gegenstände, die über die notwendigen Bedürfnisse lstnausgehm/ 4. die Zusammenfassung der Luxusgegenstande, für die die Erhebung in der zu 3) angegebenen Form sich nicht empfieyll, zu einer Kleinhandelssteuer n« der Art der bisherigen Luxussteuer, 5. die Vorbelastung gewisser Leistungen, die nicht Lieferungen find, aber ihrer Art nach eine höhere Belastung als 1 ton 100 vertragen.

Die Umarbeitung zu 1) erhöht den bisherigen Satz der Umsatzsteuer ton 0,5 auf 1 ton 100. Die Ausfuhr wird an sich frei bleiben, gleich­wohl kommt der deutsche Produzent gegenüber ben ausländischen Wettbewerbern in Nachteil, weil die .Steuer bereits auf allen Rohstoffen, Zw-ischen- fabrikaten, Hilfsstoffen, Maschinen usw. lastet, die zur Herstellung des Ausfuhrgutes erforderlich sind. Cs mußte schon insofern wie überhaupt mit Rück­sicht darauf, daß die Steuer sich bei der Anzahl her Umsätze, die ein Gegenstand durchläuft, ver- mehrfacht, dafür gesorgt werden, daß der Steuersatz sich in erträglichen Grenzen hält. Andererseits zwingt die Finanzlage des Reiches, den Satz so hoch zu bemessen, .Wie es nur irgend angängig

Tie Kleinhandelssteuer ist eine Belastung des Massenverbrauchs. Die soziale Gerechtigkeit er­fordert es, daß die besser bemittelten Klaften durch die Umsatzbesteuerung stärker betroffen werden. Es wird infolgedessen notwendig, die Luxussteuer aus- zubauen. Das ist zunächst in der Weise vorgesehen, daß sich die Steuer auf 10 v. H. des Entgelts bei solchen Gegenständen erhöht, die den notwen­digen Bedarf des Haushalts übersteigen. Die er­höhte Steuerpflicht tritt nicht ein, wenn solche Gegenstände ihrer Beschaffenheit nach nicht für die Hauswirtschaft, sondern für den Verbrauch oder Gebrauch innerhalb einer gewerblichen oder beruflichen Tätigkeit oder zur Errichtung eines Bauwerks bestimmt sind.

Bei der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes betreffend eine Umsatzsteuer sind, soweit der A u s - bau der Luxus steuer in Frage kommt, zwei wichtige Momente in den Vordergrund gerückt worben: 1. aus ber Luxussteuer einen ausgiebigen Ertrag zu erzielen, 2. die Unbequemlichbeiten für den Handelsverkehr möglichst ernzuschränken. Der Kreis der höchstbesteuerten Waren ist, dem ersten Erfordernis zu genügen, möglichst weit gezogen worden und zu Guusbeii des zweiten Erforder­nisses 'die Erhebung der Steuer in die Fabrik zurückverlegt -worden, das heißt die Steuer wird erhoben, wenn der Gegenstand die Fabrik ver­läßt. Um welche Waren es sich bei dieser Luxus­steuer .(Aufgabe zu 3) handelt, ergibt sich aus einer Sonder-Aufstellung, die ein Teil des Gesetzes werden soll. In dieser Aufftellung findet man u. a. Hohlgläfer, Waren aus DastlglaS, Gegen­stände aus Porzellan ober anderem Don, Gegen­stände aus Spinnstoffen, Gegenstände aus Leder, Gegenstände aus Kautschuk, Möbel, Ubrcn, Spa­zierstöcke, Beleuchtun gsgegenltände, Spiel fachen usw. Diese Gegenstände sind nicht etwa sämtlich unterschiedslos erhöht steuerpflichtig, sondern als Kennzeichen dienen äußere Merkmale %. B. bei Glas und bei Möbeln. Tas Entscheidende aber spielt die Abgrenzung nach Preisen; mit der nä­heren Ausgestaltung nach Mindestpreisen muß vor­läufig gewartet 'werden, bis einigermaßen ge­ordnete Verhältnisse und damit eine gewisse Festi­gung der Preise gegeben ist. Nicht bei allen Waren

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schon vor seiner Einführung als unanwetobar erwiesen, iveil es unmöglich ist, in gerechter Werse den Begriffgemischter Betrieb" auszu- legen. Die Befreiung kleinster Betriebe von der Umsatzsteuer Ivar seinerzeit hauptsächlich aus steuer- technischen Gründen in das Gesetz angenommen norden. Man wollte sich die Veranlagung nein* ster Betriebe sparen. Dieser Gedanke erweist fick) aber als nicht stichhaltig, weil doch jeder Be­trieb daraufhin (geprüft werden, müßte, ob die Be- fteiungsvoraussetzung gegeben ist oder nicht.

Neben der höheren Belastung aller in un­bestimmter Anzahl sich wiederholender Umsätze ist (Aufgabe zu 2) eine einmalige M eh r - belastung des letzten Umsatzes oorgefehen. Die Steuer erhöht sich nämlich ach 5 von 100 des Ent­gelts bei der im Kleinhandel erfolgenden Liefe­rung von Gegenständen, die ihrer Beschaffenheit nach znrn Gebrauch oder Verbrauch in der Hauö- nirtschaft bestimmt sind. Es soll.dadurch Ware in dem Augenblick, in dem sie ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt wird, noch eine letzte im Interesse der Gesundung der Reichssinanzen not- ivenbige stärkere Belastung erfahren. Wirtschaft­liche Bedenken hiergegen würden insofern bestehen, wenn auch der letzte Umsatz solcher Gegenstände getroffen werden würde, die von Gewerbe und Industrie gekauft werden, um vom letzten Käufer im Produktionsprozeß verwendet zu werden. Es ergibt sich die Notwendigkeit, von einer Besteue­rung des industriellen Bedarfs, auch wenn es sich um einen letzten Umsatz handelt, abzusehen. Dagegen muß sich die Kleinhandels st e u e r, wenn sie einen ausreichenlxn Ertrag liefern soll, auch auf Lebensmittel erstrecken. Etwa die Hälfte dos Gesamtverbrauchs des deutschen Volkes ent­fällt nämlich auf Lebensmittel. Wollte man sie aus der Besteuerung herausnehmen, so wäre die Kleinbandelssteuer ihres wesentlichsten Objektes be­raubt' Tatsächlich wird auch die Versteuerung der Lebensmittel durch die Kleinhandelssteuer bei ben Massenartikeln wie Brot, Kartoffeln, Gemüse usw. für den einzelnen Verbraucher kaum fühlbar wer­den. Der Verbrauch bei der Errichtung von Bau­werken steht dem gewerblichen Verbrauch sehr nahe. Er wird von der Belastung freigelassen, zumal, da die Einbeziehung der Baumaterialien große Schwierigkeiten in der Abgrenzung gegen sonstigen gewerblichen Bedarf ergaben würde, beim Holz, Eisensabrikate, Beton usw. werden nicht nur rum Hausbau, sondern auch int gewerblichen Produk- tionsprozeß gebraucht.

bescheiden, aber sie gab men Geschmack der Ve­rhänge an dem einzigen

O Grünberg, 29. Juli. Hier fand am Sonntag das Wett urnen des 2. Bezirks statt. Das Trommler- und Pseiferkorps des Turnvereins holte (die kurz nach 9 Uhr mit EAazug em- getroffenen Turner <m ber Bahn ab. Nach Avhal- tung der Kampfrichtersitzung unter Vorfitz be5 Bezirksturnwarts P. Schüler-Wetzlar begrüßte im Namen des Gauausschusses Universitätssekretar Erle die zum Wettkampfe, angetretenen Turner; desgleichen sprach der Vorsitzende des Gründerger Dumvereins Begrüßungsworte. Es turnten 132 aktive Turner, 58 der Zöglings-Oberstufe, 134 der Zöglings-Unterstufe und 84 Schüler. Die $mn Siege nötige Punktzahl 4590 errangen 101 aktive Turner. 28 ber Zögling-Oberstufe, 65 der Zöglings-Unterstufe und 59 Schüler. Um 4 Uhr wurden allgemeine Freiübungen geturnt, an-, schließend sand ein Ausscheidungsttnnpf im Stab­hochspringen statt. Als 1. ©leger ging hier Herrn. Neuser vom Turnverein Gießen hervor, der 2 Meter 80 Ztm. hoch sprang. Um' 6 Uhr erfolgte die Siegerverkündigung. Es folgen hier die zehn ersten Sieger in jeder Stufe. Aktive Turner: Ehrenpreis Hmis T t, Gießen, M. T. V., mit 791/? Punkten, 1. Preis Will). Schenk, Steindorf, 'T. u. Sp. V., 77 Punkte, 2. Preis Henn. Neuser und Ang. Wallenfels, Gießen, T.V. 1846, 751/? Punkte, 3. Preis Otto Kröck, Heuchelheim, 75 Punkte, 4. Preis Emst Sommerkorn, Gießen, T. V. 1846, 74^2 Punkte, 5. Preis Willi Schmidt, Heuchelheim, 70^2 Punkte, 6. Preis Hrch. Schenk, Steindorf, T. u. Sp. V., 69^/z Punkte, 7. Pr. Karl Hahn, Hörnsheim, 69 P., 8. Pr. Otto Bopf, Lich, Herrn. Freitag, Heuchelheim, Wrlh. Magnus, Großen-Linden, Hrch. Schmidt. Grün­berg, 68V2 Punkte, 9. Preis Otto Möglich. Allen-, dorf a. d. Lahn, Aug. Walter, Treis a. b. Lda., Karl Weiß, Großen-Linden, 68 Punkte, 10. Preis Wilh. Martin, Steindorf, T. u. Sp. V., 67 Punkte.

Zöglings-Oberstufe: 1. Preis, Henn. Kröck, Äuchelheim, 74V2 Punkte, 2. Preis Kurt Walter, Treis a. d. Lda., 72V2 Punkte, 3. Preis Wilh. Weiß, Großen-Linden, 71»/s Punkte, 4.Pveis Wilh. Wenzel, Gießen, M. T.V., 68V2 Punkte, 5 Preis Karl Rinn, Krofdorf, 66V2 Punkte, 6 Preis Henn. Blll, Naunbeim, 65 Punkte, 7. Preis Hrch. Schmidt, Lich, 64 Punkte, 8. Preis Karl Michel, Grünberg, 63 Punkte. 9. Preis Rad. Fischer, Gießen, T. V. 1846, 627« Punkte, 10. Preis Wilh. Schenk, Steindorf, T. u. Sp. V., Ludw. Becker, Naunheim, 61 Punkte. Zög­lings-Unterstufe:!. Preis Wilh. V 1 ngel, Gießen, M. T. V., 88 Punkte, 2. Preis Wllh. K 0 ch, Gießen, T. V. 1846, 8^/2 Punkte, 3. Preis Eugen Jöckel, Grünberg, 8IV2 Puntte, 4. Preis Arthur Jung, Heuchelheim, 7972 Punkte, 5. Preis Max Kreiling, Heuckstlheim, 761/s Punkte, 6. Preis Friedr. Schmidt, Münchholzhausen, 73 Punkte, 7 Preis Georg Otto, Gießen, M. T.B., 71*/, Puntte, 8. Preis W. Gerlach, Krofdorf, Fr. Kraft, Krofdorf, 71 Puntte, 9. Wilh. Reeh, Krofdorf, 70V2 Punkte, 10. Hrch. .Trechsler, Gießen, T V. 1846, 70 Punkte. Schüler: 1. Preis Fritz Pfeififer, Gießen, T.V 1846, 82Pnntte, 2. Preis Werner Feiser, Gießen, M. T.B 81'/z Punkte, 3. Karl Machalett, Lich» 81 Punkte, 4. Preis Hrch. Wehr, Heuchelheim, Gerh. Groh, Wetzlar, 80'/? Puntte, 5. Preis Ludw. Krämers- Gießen, M.T. V., 80 Puntte, 6. Preis Erich G e i tz, Gießen, T. B., 79 Puntte, 7. Preis Hans Felsin q, Gießen, M. T. V., 78V. Puntte, 8. Preis Wllh. Dietz, Lich, 77 Puntte, 9. Preis Wllh. Hang, Lich, 76 Puntte, 10. Preis Karl Keßler, Großen-Linden, 741/. Punkte. Die aus­getragene Stafette gewann der T.V. von 1846,

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wie grollender Donner klang, rief laut und ver- nehmlich durch die fülle ArvndemiaäIt:

Zurück, rühre sie nicht an, ober bu bist des Todes!" t .

Arne erkannte mit Staunen ben Fremden, dessen Schutz batte Ragna verttaut gewesen.

Sie wünschen, mein Herr?" fragte Arne ^Ragna war einer Ohnmacht nahe, aber sie wußte, daß sie in diesem Augenblick ruhig bleiben mußte, und darum sagte sie voll Ueberlegenhett und doch voll freundlicher Güte:

,^Jch bin unter gutem Schutze, Graf Svends bürg, ich danke Jhnai. Herr Doktor Lorenzen ist einer meiner hxueften Freunde, und wenn es auch etwas ungelvölmlich ist, daß wir zu dieser Stunde hier zusammentreffen, so ist das durch die Ver­hältnisse bedingt."

Der Graf sah Ragna lange an. Er war einen Augenblick verwirrt, daß sie seinen Namen nannte. Hatte er ihr denselben so deutlich gesagt. Auch Arne zuckte bei dcennung des Namens zusammen und ttat unwillkürlich einen Schritt zurück.

,^ch hätte nicht geglaubt, Herr Graf," fuhr Ragna fort,daß nach unserem heutigen Abschied sich unsere Wege nochmals tteuzen würden. Da es nun aber dock geschehen ist, darf ich Sie wohl bit­ten, mich ruhig dem Schutze des Doktors Lorenzen zu überladen, der allein mir erwünfcht und lieb ist." , ,, ,

So kann ich nichts anderes tun, als Sie, mein Herr, um Entschuldigung bitten," sagte Sven Soendburg, ftlvch-tig feinen Hut ziehend und Arne mit feindseliMMi Blick streifend,und Ihnen, mein Fräulein, wünsche ich viel Bergnügeu unter dem Schutze dieses dieses Freundes!"

Ragna stand da, wie gelähmt, ehe aber Ame oder sie etwas erwidern konnten, war Ston im Schatten der Häuser verschwunden.

Ragna," preßte Arne Ijtertor.Wer wer war dieser Mann, und 'was was war er Ihnen?

Ein Vetter von mir, den ich heute zufällig traf," gab Ragna mit schwerem, müdem Ton zurück.

Und was war er Ihnen?" wiederholte Arne.

Alles und doch nichts," kam ed tote em Aufschrei von Ragnas Lippen, dann war sie im Hause verschwunden.

Alles unb doch nichts," 'wiederholte Arne. Nun weiß ich, warum sie mich nicht lieben kann."

Er ftorti) allein im gleißenden Mondlicht. Kühl

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Der TurnerbundLahn-Dünsberg^ hält sein diesjähriges Bergtumen am 14. Septbr. auf dem Altenberg bei Odenhausen (Lahn) ab. Geturnt wird: Stabhoch- und Frerweitsprung, Stemmen und Kugelstoßen. Beim Zöglrngsturnen ist anstatt Stabhoch- Freihochsprung als Hebung eingelegt. Sammelpunkt für die Turner ist Wis­mar, 9'/s Uhr vormittags, von wo aus der Ab­marsch durch den Wald nach dem Altenberg erfolgt.

[] Marburg, 28. Juli. Zu dem am nächsten Sonntag hier fhrttfinbenben Wetturnen des 1. Bezirks des Gaues Hessen hoben sich von den rund 70 meistens ländlichen Turnvereinen über 500 Teilnehmer am Fünfkampf gemeldet. ____

HW

ginn6 flfbl'tJi

intb stelz ragte die Jungftau mtt ihren Schnee- feldern empor, und das Monblicht stveute flam­mende Feuerfunten in den schimmernden Schnee.

Arne Lorenzen sah es nicht. Er starrte nur nach Ragnas Fenster empor, hinter dessen Schei­ben es dunkel blieb die ganze Nacht. Aber Ragnr schlief nicht. Sic faß, die Hände um die Dries geschlungen, auf ihrem Bettrand unb starrte in *'" Leere, aber durch ihre Seele zitterte es wie irrer, qualvoller Gedanke:

Nun ward so ruhelos mein Herd, Ta sie um Mitternacht ein gekehrt Unb mich wellten gelehrt.

Aber nicht ihr Auge, sondern ihre

weinte, 'weinte tausend Tränen. *

Grauer Vogel über ber Hcide, Ter klagend die Heimat mied, Ich gl mibe, wir beide, totr beide Haben dasselbe Lied.

Es i^at btt ein Sturm aus Norden Zerstört das heimische Nest;

Auch mir ist entrissen worben Was mein ich wähnte so feit.

Wir wollen zusammen fingen Tas Lied vom beriureiten Glück, Und wollen uns 'weiter schwingen, Und nimmer kehren zurück.

Prinz Emll von Schönaich-Cavoloth.

Nebel brauten über der marsi chen Heide.

war es das T>oppelpaftellbild, das vor dem Schreib- fisch in dem schweren, kostbaren Rahmen das kleine Zimmer mit Märchenglauz erfüllte?

Wer war die blühende, schöne Frau mit dem rot goldenen Haargemoge unb den schlllernden, grünlichen Sphmxaugen? Wer der ernste Mann mit bem kühnen Blick und ber Adlernase, an dessen Schulter dieser eigenartige Frauenkopf lächelnd lehnte? Wie tarnen sie, die bestimmt waren, aus den Hohen des Lebens zu wandeln, in das Bahn- wärterhäuschen am Wege?

,,Zum steten Gedenken" hatte eine kinderhafte Hand unter das Bild geschrieben undzum steten Gedenken" hatte es guk Ragnas Schreibtisch Platz gefunden, denn Ragnas Heim ist das Neine^ win­zige Giebelstübchen mit der noch^ Heineren Schlaf­kammer nebenan in dem Bahnhans der Heidt,

(Forttetznng folgt.)