Ur. 99 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Dienstag, 29. April W9
fein," meinte sie listig. „Aber ich nhfi Ihnen keine Verlegenheiten bereiten. Steigen Sie hir <m der ortbcmt Seite aus. Ter Diener braucht Sic nicht zu sehen. Toch da fält mir ein, Sie wissen ja meine Adresse gar nicht —"
Sie kramte in ihrem Täschchen, suchte ein Besnchskärtchen hervor und überlegte es sich dann anders:
„Schreiben Sie sich meine Adresse aus?"
„Genügt es, wenn ich Hut und Mantel an Herrn Kommerzienrat Rosenberg, Konsul b?r Republik Costalintu, wohnhaft im Grünewald, Kö- nigsollee 211 fenbe?"
„Sie kennen mrsere Adresie?" staunte Ruth.
„Wie merkwürdig. Aber nun gehen Sie."
,Lck gehorch:!"
Torival erg-iff ihre Hand und führte sie an ferne Lippen. Sie liefe es geschehen.
„Ich bin Ihnen sehr bmifbir für Ihre Unterstützung bei meiner Flucht!" sagte er.
, Wenn Sie mtil jemand gebrauchen, der für Sie einen Totschlag begehen soll, so verfügen Sie, bitte, über mich. "
„Sie sind doch hoffentlich nicht ein Mörders stotterte sie. , , ,,
„Bis jetzt nutzt. Aber wenn Sre befehlen — rür Sie kommt es mir auf ein paar Morde nicht an." _ „
„Gehen Sie?" drängte Ruth.
„Aber — noch einen Augenblick . . . Können Sie auch einbrechen?"
Torival erstarrte wiederum.
, Ich bin blöd innig — sie ist blödsinnig — die ganze Welt ist blöd i mia . . ." konjugierte er.
Und antwortete ohne Besinnen:
Arrr Stadt nnö Land.
Gtetzcn, 29. April 1919.
KriegObcihilfe für vcrsorgungtzbcrechtigte Heeresbcamte im Rnheftand.
Nachdem die laufenden Kriegsteuerungszittagen für die aktiven Beamten Preußens und des Reiches wü Wirkung vom 1. 1. 19 wesentlich erhöht worben sind, sollen auch den versvrgungSbe^ rechtigtcn Heeres beamten im Ruhe stände und ihren Hinterbliebenen höhere Kriegs^ beihiilfen gewährt werden. Tie Bewilligung ist nur auf Antrag und im Bedürfnisfalle zulässig.
Wer aber eine Kriegsbcihitse schon beantragt hat, braucht sein Gesuch nicht zu wiederholen, auch nicht, wenn cs früher abgelehnt worden ist. Ten Dienststellen, die die Anträge nachzuprüfen haben, erwächst dadurch eine erhebliche Arbeit Es lässt sich daher leider nicht ver- 'meiden, daß fidt die Erledigung verzögern' wird. Tie Beteiligten müssen sich infolgedessen gedulden.
Eine gleiche Aufbesserung nnrb für. die lersorgungsberechtigten Offiziere im Ruh^ stunde und ihre Hinterbliebenen erfolgen. Auch den vcrsorgungsbercchtigten Heeresangchö-- rigcn des Un tero ssiziers- und Mannschaf l s sta n des und deren Hi n te r bl ie b.e- n c n können bösere laufende Unterstützungen neben den einmaligen gewährt werden.
Der Doppelgänger.
Roman von CarlSchüler.
Fottsetzung Nr. 15.
„Nur anZnatzmÄoeise!" versicherte Torival. Darf ich Ihnen meinen Namen nennen, gnä-- biges Fräulein? Tarf ich diese blödsinnige Ote» schichte erklären?" ■
Tos ist nicht nötig " wehrte Ruth ab. „Ich renne' Sie! Als Sie im Opernhaus verhaftet wur- hcn saßen Sie neben meiner Schwester und meinem Schwager. Tenen, hat spater der Logenschliesser erzählt, wer ©tc smd. Sie werden letzt sofort aussteigen!«"
Sie drückte auf den kleinen Gummiball der Meise, die dem Fahrer das Signal zum Halten T,b Ter Wagen war bis an die Kornelrusbrücke gelangt und hielt dicht am. Raickstein dos Bürgersteigs. _ _ .
Dorival hatte Hmnior ,
<£cr Seidenhut imrb voraussichtlich auch Ihrem Later gehören," sagte er. „Darf ich mit dem Mantel in Jh« Wochrung schicken? Oder bestehen Sie darros, dass rch mich gleich mer der Sachen entledige?"
R.'th zögerte.
„Sic würden nnch zu -Lxmr perMAten, fuhr Torival fort, „wenn Su: mir Mantel und Hut noch ein halbes Stündchen leiben wollten. Ich bitte darum!"
„Aber der Mantel hat rwertaukend Mark kostet. Sie werden ibn gewitz mcht zurückgeben f
„Auf Ebrenwvrr!"
Ruth lächele. .. ,
„Das scheint mir ein schlechtes Unterpfänd zu
die Meststände in einzelnen Ausstellungspalästen viel reirfxr mit Mustern versahen als auf ben letzten Kriegsmessen. Eine andere Frage ist die, cb die Industrie den Bestellungen, die auf Grund der ausgestellten Muster erteilt werden, gerecht werden kann. In dieser Bezi.hung hängt sehr viel, wie man immer wieder von den beteiligten Fabrikanten hören kann, von einer ausreichenden Kohlenbelieferung ab. Ta die Preisentwicklung noch keine feste Grundlage erlangte, werden im Meßverkehr Aufträge immer noch mit Vorbehalt und „freibleibend" angenommen.
Aur öem MmtsDertunöigungsblatt.
Tas Am t sver lü ndi gung s b la 11 Nr. 20 vom 28. April enthält: Bekanntmrvchuna Nr. K 40 über allgemeines Reifeverbot. Dom 1. Marz 1919. — Bekanntmachung, Schutz der Mieter. — Bekanntmachung, Verfahren mit trichinös befundenem Auslandsspcck. — Ausstellung von Tupli- katarbeitsbüchern. — Diensd achrichten des Kreisamtes. — BekanntmackIl-g, Feldbereinigung Allen- dort a. d. Lda. — Gefunden und verloren.
Schutz der Mieter.
Au den bereits erlassenen Bekanntmachungen zum Schutz der Mieter sind nunmehr die Aus führmtgsbeslimmungen erfolgt:
Als Vo rsitzende der Mieteinigungsämter sind bestätigt: für den Amtsgerichts- bezirk Gießen-Land: Amtsgerich'srat H a n s u l t, für den Amtsgerichtsbezirk Grünber'g: Oberamts- richter Tölp, für den Amtsg.rich sbezirk Lich: Oberamtsrich er Rausch, für den Amtsgerichtsbezirk Hungen: Oberamtsrvchter Volk, für die Orte des Amtsgerichtsbezirks Laubach: Oberamts- rrchter Zimmermann.
Einzelne Orte anderer Amtsgerichtsbezirke sind dem benachbarten Bezirk ungegliedert. Für den Stadtbezirk Gieren bleibt das bisherige Mieteinigungsamt tätig.
Ms Beisitzer kommen je zwei Personen ans dem Kreis der Vermieter und Mieter in Bctrmht: cs sind auck Stellvertreter zu ernennen. Tie Wahl hat durch den Gemeinderat zu erfolgen. Tie durch die Tätigkeit des Vorsitzenden entstandenen Kosten sind als Kosten der Organisation zu betrachen. Es ist deshalb jeweils die betreffende (Gemeinde, in deren Bezirk das Einigungsamt tätig ist, damit zu belasten: da das Verfahren gebührenfrei ist, findet ein Ersatz dieser Kosten nicht statt.
Soweit also nicht durch Einwirkung der Bür- germeifhereicn eine Mietstreitigkeit an Ort und Stelle gütlich zu erledigen ist, ist die Angelegenheit dem zuständigen Vorsitzenden des Mieteinigungsamts vorzuiegen oder es sind die Parteien an diesen zu verweisen.
Tic Hauptbefugnisse der Mieterni- gungsämter seien nachstehend nochmals kurz zu- sammengefaßt:
Tas EinigungSamt kann auf Anrufen eines Mieters über die Wirksamkeit einer Kündigung des Vermieters und über die Fortsetzung des gekündigten Miewerhältnisses jeweils bis zur Tauer eines Jahres bestimmen, oder ein ohne Kündigung ablaufendes Mietverhältnis jeweils bis zur Tauer eines Jahres verlängern. Es kann auf Anrufen eines Vermieters einen mit einem neuen Mieter abgeschlossenen Mietvertrag mit rückwirkender Kraft aus heben. Bestimmt das Einigungsamt die Fortsetzung oder Verlängerung des MietverhälttnsseS, fo kann es dem Mieter neue Verpflichtungen auferlegen, insbesondere den Mietzins erhöhen. Tas Einigungsamt ist ermächtigt, auf Anrufen der Gemeindebehörde den mit dem neuen Mieter vereinbarten Mietzins auf die angemessene Höhe herabzusetzen. Tie Erlaubnis des Vermieters, den Gebrauch der gemieteten Sache einem Dritten zu überlassen, insbesondere die Sach: weiter zu ver- mieten, wird durch die Erlaubnis des Einigungs- amtcs ersetzt.
Tic Gemeindebehörde kann untersagen, daß ohne ihre vorherige Zustimmung Gebäude oder Teüe von Gebäuden abgebrochen ober Räume, die bis zum 1. Oktober 1918 zu Wohnzwecken bestimmt oder benutzt waren, zu anderen Zwecken verwendet werden. Tie Zustimmung darf nur versagt werden, wenn das Einigungsamt sich mit der Versagung einverstanden erllärt hat.
Tie Gemeindebehörde länn anordnen, dafe der Verfügungsbereck't igte unverzüglich Anzeige zu erstatten hat, sobald eine Wohnung oder sonstige Räume unbenutzt sind.
Hat die Gemeindebehörde dem Verfügungsberechtigten für eine unbenutzte Wohnung oder für andere unbenutzte Räume, die zu Wohnzwecken geeignet sind, einen Woh-nungssu chenden bezeichnet und kommt zwischen ihnen ein Mietvertrag nicht zustande, so setzt auf Anrufen der Gemeindebehörde das Einigungsamt einen Mictver- ttag fest. Ter Vertrag gilt als geschossen, wenn der Wohnungssuchende nicht innerhalb einer vom Einigurgsamte zu bestimmenden Frist bei diesem
** Amtliche Personal nach richt en. Ernannt wurde am 14. April der ordentliche Dro- ressor an der tierärztlichen Hochschule Tr Wilhelm! Zwick in Wien mit Wirkung vom 1. Oktober 1919 an zum ordentlichen Professor für innere Veterinärmedizin an der Landesmnverptät Gie- 6en — Uebertragen wurde am 19. April dem einstweilig in Knoden angeftellten Lehrer Fcreonck von Stein, zur Zeit in Grost-Rohrheim emc Lehrerstelle an der Volks,chule zu Groß-Rohrheim, Kreis Skntfjctnt.
** Vorsicht vor Waldbränden Mit Rücksicht auf die bei trockener Witterung bestehende Gefahr der Entstehung von Waldbränden ist es verboten, «Ü unverwahrtem Feuer oder LM einen Wald zu betreten, oder in der Nahe cmcs Waldes Heuer anzuzünden. _ ., o . , ,
** In den Schroarz-Weife-Licht- »vielen, Selkersweg 81, tritt ab beute kns> Freitag der beliebte Künstler Bernd-Aldor m seinem neuesten Jilmwerl „Marionetten der Lei- ^nschnft" und Lene Voss in dem! Lustspiel „Eme tolle Ratte" auf.
Landkreis Gietzcn.
tt Langsdorf, ,27. April. In der . ver- Eugenen Nacht wurde hier bei dem Weichensteller Henrich Schäfer «ingebrochen und einige >>asen entwendet. Ter imbetanntc Täter stieg zweimal über das Hoftvr, wobei er von einem Nachbar- Mädchen beobachtet wurde, welches Schäfer kveckte. Tiefer nahm die Verfolgung auf, wahrend welcher der Tieb die Hasen fallen liefe und das Weite suchte. Einen Rucksack mit noch einigen leeren! Säcken liefe er am Tatorte zurück.
Kreis Büdingen.
△ Nidda, 26. April. Sattlermbister Friedrich Ludwig Schneider und seine Eheftaul Sophie geb. Orth dahier feierten gestern das Fest, der goldenen Hochzeit. TaS Jubelpaar ist noch recht rüstig.
Kreis Lauterbach.
O Reuters, 25 April. Ein alter Kriegsveteran von 1866 und 1870/71, Johs. Seibert, der 38 Jahre lang in treuer Pflichterfüllung das Amt des Polizeidieners in unserem Orte versah, wurde unter zahlreicher Beteiligung zur letzten Ruhe geleitet.
Handel.
Die Leipziger Messe.
Leipzig, 27. April. (WTB.) Die Leipziger Mustermesse begann heute, nachdem schon gestern im Vorverkchr zahlreiche Geschäftsabschlüsse mit recht erheblichen Umsätzen zustande gekommen sind Tie Zahl der Besucher, die nach den Voran- meldunoen auf Grund der vom Mefeamt erteilten Reisebescheinigungen auf 80—90 000 angegeben worden war, wird sicherlich erreicht, wenn nicht übertroffen werden, beim mit jedem einlaufenden Zuge kommen Scharen von Einkäufern und Ausstellern -an. Tiiskoolländer und Dänen kamen in der letzten Nacht an. Heute wurde eine Reihe ausländischer Gäste im Rathaus vom Oberbürgermeister Rothe empfangen. Bei Besichtigung der Meßhäuser, die durch Barackenbauten auf dem Marktplatz eine bemerkenswerte Bereicherung erfahren haben, wurde namentlich von den Ausländern dem Erstaun«, Ausdruck gegeben über das, was die deutsche Industrie trotz aller Hemmnisse der letzten Monate leiste. In der Tal find
Widerspruch erhebt. Tas Einigungsamt kann dabei anordneii, dafe die Gemcrndc an Stelle des Woh- nungssuckLnden als Mieter gilt und berechtigt ist, die Mieträumc dem 'Wohnungssuchenden weiter zu vermißen.
Auf Anfordern der Gemeindebehörde sind der Gemeinde unbenutzte Fabrik-, Lager-, Werkstätten, Dienst-, Geschiftsrällme oder sonsttge Räume zur Hernchfirng als Wohnräume gegen Vergütung zu überla len. Tas Einigeigsamt bestimmt die Höhe der Vcrgü.ung und die Zahlungsbedingungen, wenn eine Einigung hierüber nicht zustande komitti. Tic Gemeindebehörde ist berechtigt, die hergerick teten Räume zu vermieten.
Trichinöser Auslandsspeck. Nack den bisherigen Erfahrungen werden bei amerikanischem Speck verhältnismäßig häufig Trichinen gesunden. Es sind in eingrführtcm amerikanischen Schweinefleisch in 1—8°/o der Stücke Trichinen ermittelt worden. Nach dem Reichrgesetz, betreffend die SMachveh- und Fleischbeschau, ist jede trichinöse Speckseite unschädlich zu beeitigcn. Ties rtürbe bei der gegenwärtigen Ernährungslage einen nicht zu vcrantmorteiiden Verlust an wertvollen, mit grofecn Geldopfern betoufiten Nahrungsmitteln bedeuten, der vermeidbar ist. Tenn die Trichine stirbt bei Erhitzung aut 70 Grad C ab. T em entsprechend ist jür inländisches trickfinöses Fleisch und das anhaftende Fett die Tauglichmachung burtfji Kochen, Tämpfen und Ausschmelzen zuge lassen. Mit Rückscht aus die gegenwärtige Ernäh- rungNage hat bie Reichsslcfich elle das Reichs- ministermm des Innern um Liiiverständnis gebeten, dafe bis auf weiteres auch ausländisches Schweinefleisch, in dem Trichinen gefunden werden, tauglich gemacht werden darf. Ten Trichnenbe 1 (bauern wird daher empfohlen, ausländischen Speck vor Tristänenuntersuchung nicht auszugeben und etwa trichinös befundenen Auslandsspcck unter be- hördlicktcn Verschlutz bis zur Entscheidung des Reirlksministeriums des Innern auszubewahren.
Lvtteriegcnehmigung Tas Ministerium des Innern hat der Baycrischm Zweigstelle München des Vereins Jnvalidendank die Erlaubnis erteilt, 10 000 Lose einer zugunsten bayerischer Kriegsbeschädigter zu veranstaltenden Geldlotterie innerhalo des Freistaats Hessen zu vertreiben. Ter Ziehnngstermin ist der 10. Mai 1919.
vvchettlsch.
— Die Weltliteratur. Nr. 13. Inhalt : Tie Geschichte vom Moschus. — Die goldene Fratze. Von Jakob Schaffner. Preis 25 Ps. Verlag der Wc.t.iteratu'', München 2, Färbergraben 23.
— Sozialismus ist gemeinwirtschaftlicher Kapitalismus. Eine Einführung in das Wesen znkünfttger Volkswirtschaft von Äugo Riekes. 116 Seiten Oktav. Preis geheftet 2 Mk. Verlag Otto Wigand in Leipzig.
— „V o m lieben Adam Mens ch", von Julius Kreis. Ter Verfasser, ein Münchner, der nicht blofe Poet, sondern auch Zeichner ist, hat auch den Buchschmuck beigesteuert. Tas Merkchen ist erschienen bei Hesse & Becker, Verlag in Leipzig (176 Seiten. Gebd. 2.40 Mk.).
— KapitalsanlageundVerMögens- Verwaltung. Praktische Winbe von Reg.-Rat Prof. Dr. Georg O b st, Bankdirektor a. D. Verlag von Carl Ernst Poeschel, Leipzig. Preis 2,20 Mk.
Letzte Nachrichten.
Eiu Dementi über NoSkeS Abfichten.
Bamberg, 28. April. (WTB.) Die Nolch- richten der Presse, dgst das militärische Uitterneh- nten gegen München vom Reichs wehr Minister geleitet wird, ist unrichtig. Tas Ministerium Hoffmann verhängte über das rechtsrheinische Bal-ern das Standrecht. .
Die Laste in Obkrschlesien.
Breslau, 28. April (WTB.) Tie Belegschaft auf dem Georgsschachte der Berginspektion Z a b o r z e hielt eine Versammlung ab, die ihren Anschluss an den Generalstreik deschlvß. Eine Llbordnung übergab dem Bettiebsführcr folgen? ? Forderungen: 1. Ersetzung des Grenzschutzes durck eine Arlreitermiliz, 2. Aufhebung des Belagerungs- züstandes, 3. Freilassung der vvlilifchrn Gefangenen, 4. Versammlungs- und Redefreiheit, 5. Sechsstündig.' Arbeitszeit, 6. Bezahlung der Streik- sch'chten, 7. Erfassung der Lebensmittel durch die Arbeiter- und Soltatenräte, 8. Selbstverwaltung für ObcrsckF's:en und Kattvwitz.
Ti3 Pre sestelle des Staatskommis'ariats für Oberschlesien teilt mit: Tie Gruben- mid Hüttenbetriebe arbeiten bis auf die Gruben um Künigs- l.ütte, die von dem elektrischen Strom abhängig sind. Tie Heinitzge-ube übermittelte dem Bergarbeiterverband äbülickx Forderungen wie die Belegschaft des Gcorgschachtes, denen sie folgende Forderungen hin-ufügte: Stillegung der angefan
„Sesbstverständ.ich! Tas ist doch Mein Handwerk! "
Ruth schauderte.
„Gehen Sie nun!"
„Auf Wiedersehen!" sagte Dorival vergnügt. Er öffnete die Wagrntüre und trat auf den Bürgersteig hinaus. Als er die Tür hinter sich schliessen wollte, sah er, dafe Ruth das Licht im Innern des Wagens ausschaltete und sich zu ihm vorbeugte.
„In den nächsten Tagen werde ich mich vielleicht an Sie wendm!" f üsterte sie ihm zu.
„Fabelhaft!" murnt I e Torival.
„Und nun. mein lieber Junge, wollen wir schleunigst nach Haust gehen und einen kräftigen Kognak zu uns nehmen!"
Und barm pfiff er :
„Rechte Hand, linke Hand — alles ver- tansckt .
5.
Tie Frühpost des nächsten Morgens brackfie Dorival einen Bries des Herrn Direktors Zahn vom Institut Prometheus. Auf prachtvoll bedrucktem BriZpapicr. In Schreibmaschinenschi ist.
Tiefer Brief lautete:
„Hochverehrter Herr Baron! Meine Leute sind in grofeer Zahl in Ihrer Sache Tag und Nacht unausgesetzt tätig. Ich bin glücklich. Ihnen heute schnt einen großen Erfolg melden zu können. Einem meiner vorzüglichsten Mitarbeiter, der besonders die Treffpunkte der twr=i nehmen Welt zu beobachten htt, ist es gelungen, festzustellen, daß Emil Schnepfe fick in Berlin aushalt. Er hit ihn gestern nachmittag in einem I unserer ersten Hotels gestellt. Leider ist Dnil
genen Arbeiten über und unter Tage, Stillegung des Kesselhauses und inasckinellen Betriebe, Eni' stellung der :'tohlenverlatmng vom Bestände, Bll düng einer Grubenwelsr, Abscpmig des General bevollmäch.igten, Bergrats Kagler, eines fSabr steigers und eines Steigers und Sturz der Rc giei ung Ebert-Sä'ttema :n. „Es i ■ ialxr fcüno' ft l t", üg tdic Piesscftelle .e:>Staa slommis a ial ■ pinzu, ,,.ra6 her söge.aruue Aklion.aus nijrfc jet neucilidicn oberschlesischvn Bewegung der Kriegs- arbeiterrai von Hindenburg ist, t«r nur auS unab* tjangigen Sozialisten und njii 'nnten 'Io.cn bc>.eht und dessen Zührer der unabhängige Sozialist Rcch:sanw..lt Lichtenstein in Gl iwitz ist. Jrrvlg des Etrci.s in dem obersllcfischen .Elektrizitätswerke in Zalorze, ist, wie der „Wanderer" meldet, beute auf einzelnen Gruben der Bettieb wegen der Sttombcschcänkung eiiigcstcllt. — In R u da ver snck-tc eine Einbrecherbaude aus Zaovrze in de-. Nackit zum Sonntag zu plündern, drang in eiiw Anzahl Häuf er ein und bedrohte die Einwohner mit Erschießen. Tie Polizei erschoß, er.me Embreckei und verhaftete einen.
Beu t hen (Oberscklesien), 28. April. (WTB.1 Ter Ausstand in der oberschlcs scheu Elektrizitäts- nerks-Zenttale in Cborsow wurde abends gegen 6 Uhr beendet Turcki diese Zentrale werden dir Städte Beuthen, st attowitz und Könias - Hütte mit elektrischer Kraft versorgt. In der Zen hak in Zaborze dauert der Äusstmw noch an. Glciwitz und Hindetckurg sind datier noch stromlos.
Die Loge in Bayern.
Berlin, 29. April. Tie Spartakisten^ Herrschaft in Bapern hat, wie btrfeijiebenen Blättern berichtet wird, eine weitere Ausdehnung erfahren. Auch der berühmte Oberlayerische Wallfahrtsort A l t ö 11 i g ist in die Hande der Spar talisten gefallen. Man befürchtet, daß die Kost baren Kloster schätze sowie die Rcliguien großen Schaden leiden könnten. — Lebensmittel werden auf dem Lande fortwährend requiriert.
Die Maifeier im besetzten Gebiet.
Bern, 28. April. lWTB.) Wie Lyoner Blätter aus Koblenz melden, untcrfagitc der Ober kommandierende der Besatzungstruppen die Mai ° feier, da man politisch: Temonstraliouen befürch tet. Große Plakate mit der Aufschrift: „Wir wollen einen gerochen Frieden!" und „Tie 14 Wilsonschen Punkte müßen verwirklich werden!" waren von den Einwohnern sertigzestellt worden. Ter amerikanisch' General glaubte aber, eine solch Propaganda besonders wegen der amerikanischen Soldaten nich dulden zu können.
Wechsel der Bischöfe in Clsaß-Lothringev.
Berlin, 28. April. (WTB.) Tie „Deutsch Mlgemeine Zeitung" meldet aus Jüritch. Paps, Benedikt ernannte soeben auf Grund des für Elsaß-Lothringen noch geltenden 5wn?ordats den von der franzosichhcn R^gerung vorgrschagemm Elsässer Ruch, Bischf von Nancy, fest 1914 fron zösifcher Armeebischf, yint Bi chs von Strafe bürg und den hisherigen Nietzcr Generalviftn Pell zum Bischf von Metz. Gleich'^ittg be wllligte Rom die angebotene Verzvchlleisttmg der Bischöfe Fritzen von Sttaßburg und B e n z l e i von Metz. Diese Lösung der elsässi'chi Kirchm frage ist eine Frucht der durch Kardinal A m e 111 mit Clemenceau geführten Verhandlungen. Tic Ernennungen stellen allo einen Akt der fran zäsischen Staatshoheit über Clsah-Lothringcn tnth ihre Anerkennung durch die Kurie vor.
Großthüringcn.
Berlin, 29. April. Verschiedenen Blättern zufolgc begannen Aftern nnif;imittag in Weimar kommissarisch Beratungen »vegen Vorbereitung des Zusammenschlusses lec thüringischen Lande unter der Angliederung vvn Gebtctstellen Sach'ens und Preußens zu einem Freistaat Grrch tlfitringen.
Furchtbare Zustände in Rifla.
H e l s i n g f v r s, 28. Aprll. (Privat-Telr- gramm.) Ein ans Riga eingetroffener Reifender gibt über die Verhältnisse in R iga folgende Schilderung: Seit dem Einrücken der Soviettruppen bt Riga herrscht ein furchtbares Elend, das durch dir jetzt emg:trctene völlige Anarchist! sich nock gesteigert hat. Die Zahl der Verhafteten ntufe auf etwa 16 000 bezifiert werden. In den letzten Wochn »verden t ä g l i tfe 2 0 0 fp i n t i d? t u u g c n vorgenommen. Do.i den Ecschoisenen sind 50 Pwt Teutschc und Deutscyoalten, 40 Prozent Letten und der Rest Juden und verschiedene Nativnali-. täten. Einige Stadtviertel wurden vollsrnidig evaluiert und die Einwohner aut irr oben Insel Haftranom interniert. Tas wirtschaftliche Leben in Riga ist tot. ?llle Mafckfinen, Vorräte an Lebensmitteln, Kleidern und (vebrauick:isg?genstän- den bis zu den Nähmaschinen werden forüPcichleppt. Wenn der jetzige Zustand nur noch kurze Zeit dauert, ist die Zukunft Rigas auf Jahrzehnte ver- nichet.
Schnepfe, der zu den gefährlichsten Eftibrechern gehört, mit denen ich je zu tun gehabt habe, meinem Beamten wieder entkommen. Tie Flucht gelang ihm nur dadurch, daß er mit einent harten Gegenstand, jedenfalls einem Schlagring, meinem Beamten derart auf die Nase, schlug, daß eine nicht unerhebliche Verletzung entstand. Sie sehen daraus, wie schwer unser Berus ist. Sie dürfen sich aber, hochverehrter Herr Baron, ^daraus verlassen, daß wir jetzt, nachdem wir die Spur des Schnepfe überrasckxrck schnell gefunden haben, ihn baldigst zur Strecke bringen werden!
Ich habe die Ehre zu sein Ihr sehr ergeben« Zahn.
Tirektor des Tetektivinftituts Prometh-ms." Torival lachte laut auf.
Er lachte so gellend, so fürchterlich, dafe der Tiener erschreckt ins Zimmer gelaufen kam, weil er fürchtete, fein Herr fei plötzlich übergeschnapvt
„Herr Baron haben gerufen?"
„Nee — hab ich nicht! Ucbrigens, weil fru da bist: Hast du gestern abend dem Tienstmann, der das grofee Paket in das Haus des Konsuls Roscnbcrg zu bringen hatte, auch richtig eingc» schärft, daß er den Mund zu halten hat? Taft er den Absender nicht verraten darf?"
„Jawohl, Herr Baron. Ter Mann mtlbetr. sich nach Ausführung des Auftrags, rote Herr Baron befohlen hatten. Es ist nicht nach dem Absender gefragt worden."
„Schön."
Galdino verschwand lautlos, Über den Gcisirg- zustand seines Herrn ziemlich beruhigt.
(Fortsetzung folgt.)


