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Samstag, 29. März 1919

StBilüngsrnnSörud n. Derlaj: VrühNche Univ.-Such. u. Steinöruderet R. Sange. Sd)riftldtung, ®efd)äftsftelle u. »ruderet: Sdp.ilftr r.

ß.irfung. Der Entschließung

aufs Neue über

gejammert wird

Ieiner durchweg imperialistischen Politik hul-, schein Boden begangenen digt, werden die denen Lenin undHTrotzki ihre Chancen anderswo suchen.

und die Bar-

von llnietgen s. bie Laqeönumnrer vis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbmdtichkeit 5tiknprei|e:

Mr örtliche Anzeigen 25 Vi..Mr auswärtig« 30 -3U für Reklamen Wlf.l.nebft 20 oleue- runas-us i laa;Plcn;oor- fdirili 20 % Anschlag. t>auot|d)ri tleiier: Aug. Lieg BeraiUwartlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigeuteü: v. Beck; lämtlid) in Gießen

Nr. 75

Ter 6itb<ner Anzeiger erscheint täglich, außer EonntagS. - 'VeUaaeru Ll«bever^amilienblütter;

Kt<»iion

(Br den Nreir Sietzea.

mdnati.Pif.l.35,oterlei- iährl'ch 'Btt.-LOS, durch Abhole- tu Zweigstellen. Wionatt 'Bit. 1.25 durch die Post 'Bit. 4.05 viertel- iährt. ausschl. Bettellg. perniprech - Anschlüsie: für die Schriltleittmq112 Verlaa,Weick)äir<sstelle51 Anlchrillsür Dralitnach- rrchten: Anzeiger Siehe».

Wochenrückblick.

Ts ifl nach dem Wortlaut des Noten- weck)sels zwischen N udan t und Erzberger noch nicht ausgemacht, ob es sich um ein förm­liches und ernstliches Ultimatum der Entente handelte. Der Große Rat in Paris hält sich im Hintergründe, und nur der General Nu- dant eifert noch einmal drauflos. Jede Wei­gerung Deutschlands, auf die Forderung der Truppenlandung in Danzig einzugehen, soll als Bruch des Waffenstillstandes angesehen werden. Die deutsche Regierung hat ihren ab­lehnenden Standpunkt erneuert und von der Enterbe entsprechend den Gefahren, die aus bent Durchmarsch polnischer Truppen durch Danzig erwachsen, Aufklärungen und Garan­tien gefordert und den Vorschlag wiederholt, die Armee des Generals Haller möge in einem weiter östlich' gelegenen Hafen landen. Nun warten wir wieder eine Weile.

Orlen Deutschlands V r'ammlungen veran­staltet werden, in denen man sich gegen einen Gewaltfrieden auflehnt. Dann würde die Politik der Entente schließlich enden wie die­jenige Albas dem kleinen Volke der Nieder­länder gegenüber. Graf Posadowskp, in der Nationalver ammlung ein furchtlo er Ver­teidiger des alten Staates und seiner Ein­richtungen, läßt sich imTag" auch über die Frage der e i n z e l st a a t l i ch e n Neuglic- derungen sehr konservativ und orthodox aus. Er schreibt: m

In solch wirtschaftlicher und politischer Not sollte man wenigstens nicht sogenannte Stam- meseiaentümlichkeiten, denen wir zum.äst den lan­gen Leidensweg unserer Geschichte seit tausend Jahren verdanken, dazu benutzen, um feibftfuch­tige Zukunftspläne zu schmieden. Nie war es in foldjem Maße höchste vaterländische Pflicht, landschaftliche Eigenwünsche zu unterdrücken und das deutsche Vollsbewußtsem als lebendigen Aus­druck des deutichen Gcscuntwilleus politisch zu be­tätigen, statt die Zerrüttung des Reiches und seine innere und äußere Schwäche zu atavistischen Staatsgründnngen zu benützen."

Das geht wohl auf den Plan der Los­lösung Rheinland-Westfalens, trifft aber nicht e'roa solche Bewegungen wie diejenige um Großhessen. Gerade die wirtschaftliche und politische Not in unsrem enger begrenzten.Hei­matbezirk lenkt auf einen staatlichen Zu­sammenschluß verwandter Gebiete hin. Der Gedanke hat jetzt auch in Darmstadt und Starkenburg stärkere Wurzeln geschlagen. Im Historischen Verein in Darmstadt hat Archiv- birettor Dietrich sich für die Schaffung eines rheinfränkischen Staates ausgesprochen. Zu den bekannten Bestandteilen Groß-Hessens will er nod) die Rheinpfalz, wenn cd geht, auch weitere rheinfränkische Gebiete hinzu- fügen. Wenn die Bewohner dieser neu ge- nannlen Landschaften sich zum Anschluß be­reit finden, werden auch wir diesen Gedanken sehr begrüßen. Die Darmstädter sollten aber nicht vergessen, daß man nicht auf Annexionen ausgehen darf, nur um hauptstädtische Inter­essen festzuhalten:Und wo ich führe, wo ich ritte, erschien ich immer ihre Mitte." Auch Herr Dietrich läßt den Gedanken der Ueber- brückung der Mainlinie hervortreten und wirft den weiteren fpmpathi chcn Beweggrund einer Sicherungspojitik unserer Reichsgrenzcn im Westen auf. Gewiß, das wäre das Gegen­teil von einer Zersplitterung oder Zerrüttung des Reiches. Ob die Pfalz den Ruf hören und ob sie darauf antworten wird unb kann?

Tie Ereignisse in Ungarn.

Budapest, 28. März. (WTB.) Mel­dung des Ungari chen Korrespondenzbureaus. Der hauptstäoti'che Kommissar für das ttnterrichtswesen ordnete an, daß in sämtlichen Schulen der R e l i g i o n s u n t e r- r i ch t sofort e i n z u st c l l e n ist und die frei gewordenen Stunden teils zur Erörterung ocr heutigen sozialen Verhältnisse, teils zum Un­terricht von in den Kreis des allgemeinen Wissens gehörenden Gegenständen zu ver­wenden sind.

London, 27. März. (WTB.) Reuter erfährt über die militärische Lage u. a.: In Un­garn ereignete sich in militärischer Hinsicht nichts Neues. Cs wird gemeldet, daß die ungarische Ne- gierung den bolschewistiselben Krieg in Serbien und anderen Nachbarländern erklärte und ihre Grenze nach Rußland öffnete. Man darf annehmen, daß die in der dortigen Gegend tefinbtiefen alliierten Streitkräfte, falls fein unvorl-ergc-ebeues Ereignis eintritt, der Armee der neben Negierung gewachsen sein werden, die am Ende des letzten Monats we­niger als 60 000 Mann stark war. Es ist anzmreh- mcn, das; die bolschewistischen Streit­kräfte in der Ukraine, die nach Südwesten vorrücken, nur mit großer Schwierigkeit imstande sein werden, die Karpathen und den oberen Djnestt zu überschreiten, um in Ungarn ein jub ringen.

Budapest, 28. März. (WTB.) Meldung des Ungarischen Klorr.-Bureaus. Die Gesamtbirpora' tion der Vertrauensmänner der frühe­ren kommuni st ischen Partei hielt gestern abend eine Konferenz ab. Der Volkskommissar des Meutern Bela Kun legte dar, daß infolge der veränderten Lage auch die Mittel des Kampfes sich geändert baten. Heute gebe es keinen größe­ren Anhänger der Parteieinheit als ihn, der seiner­zeit als Ordnungsstörer bezeichnet worden sei. Jetzt aber, sagte Kun, sind diejenigen, welckie uns Ord- mmgsstörer nannten, zu Uns gekommen und haben unser Programm genommen. Heute ist also ein ein* heitlick.es revolutionäres Handeln möglich und die Gelegenheit, die Partei zu liquibieren, gekommen. Gegenwärtig wird eine Sowjetoersassung ausgv- arbeitet, und zwar auf der Grundlage der Weisungen Lenins. Es ist nicht notwendig, das; man sich bis aus ten Buchstaben genau an die russiscte Verfassung hält. Man muß aus den Irr­tümern bei Revolution lernen. Voraussichtlich kön­nen in vierzehn Tagen die Sowjet wählen

Die Konferenzen über die Lage.

Paris, 28. März. (WTB.) Wilson und die Chefs der Regierungen hatten aml Donnerstrg zwei Sitzungen, bk eine um 8 Uhr morgens bei Wilson, die andere um 3Vs Uhr im Krngsnnm- flerurm im Kabinett von Clemenceau. Man hörte am Morgen Lou chenr, ter über die wirt­schaftliche Lage Deutschlands und tesen Hilfsmittel für die Bezahlung der von ten Alli­ierten verlangten Entschädigungen terrck^ tete. Der Nacinnittagssitznng, die bis 6 Uhr 45 Minuten dauerte, wohnten Marschall Fo ch und die Generale Pershing unb Robilant bei, deren Anwesenheit zeig', daß bi? Diskussion über imh- tärifdic Tinge sich crslreckle. Es ist klar, teil; sie die Maßnahmen betrafen, die infolge ter Er­richtung ter Sowjetlierrsckiaft in Bndapcü .zu treffen sind. Man hoff', gegen E.rte der nächlEn Woche in Bezug auf die FnetemsprAim-inanen mit Deubfrl'Iand zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Tie teiitWm Finantztelegi^ten kommen nicht nach Frankreich, um von den Präbinnnrr- frietenstedingungen Kenntnis zu nelpnen. Vertrag wird kaum vor der zweneu AprilwoäL den deutsclicn Delegierten mitgeteilt tverten können. Die Zusammenkunft zwisckxn ten Enleutevertrcterm und den brutfefcn Bevolbmääniglen ivird endgültig in Versailles stattftnten. Ter allgemeine Ein­druck ist, daß man sich bemüht, vor Ostern zur Unterzeickmung .des Präliminar frierens zu ge­langen. Ter teftnitive Friedensverttag wird im Spiegelsaal in Versailles unterzeickxnet werten.

Reue Entrüstungsmache des französischen Senats.

Paris, 28. März (WTB.) Havas. Der Senat erörterte ten Bericht des Ansscl ..s,es, ter mit ter Prüfung ter Fragen beauftragt ilt, die für die befreiten Gebiete von bei unterer Beteutung sind. R e y n a l d als Berichten!»tter schilderte die Eindrücke ter Ausschüsse, die mit dem Besuch ter befreiIen Gebiete beauftragt nxrrcn und (egte die m et Indische Art und Weise ter, mit meldet die Teulscten bei ihren Zeruörungen vor- rulrtcu. Henry Michel forderte u. a. Ltraf- maßimhmen gegm ten Kaiser und den Kron­prinzen, nx-Idr gelangt iverten muß'en. lLehr gut! auf jaWeidjen Brnkm.l Ter Senat nalim einftimmig eine Entschließung Rey a.ds an, in iwldr'r ter Senat seine heftige Entrü­stung über die vor. Fernte auf jranzöir-

ben Schülern vorlesen tihmten.

Die deutsche Antwort an Nudant.

Berlin, 28. März. (WTB.) Tas Verl. Tagebl." meldet: Die deutsche Ant­wortnote auf die Forderung des Generals N u baut betreffend den Durchzug der Armee Haller durch D a n z i g ist von sämtlichen Par­teien der Nationalversammlung einschließlich der Unabhängigen genehmigt worden.

Die Verhandlungen in Spa.

Berlin, 27. März. (WTB.) Die englische Kvmmissou teilte mit, daß in Paris auch die Freigabe ter Fischerei im K.rttegat er­wogen werte, daß aber die Fischerei im Slayorar i tierholen bleiben werte. In einer beutfrfjen Note I wurde bemgeg-müber terauf hins'wiesen, daß >>as; am 23 März zugebilligte Fischereigebiet derartig verseucht ist, daß Feme Fangergebnisfe zu erwarwn seien. Deutscherseits werde batet erneut ersucht, sowohl im Kattegat als auch im Ska gerat btc Seesisck>erei lujulaf cn. Der ameritanifdje Lebens- mittelfoutrouan Hoover ließ in seiner Note bekairntgeben, daß ein ameriCanifdjer unb em tschechischer Vertreter in Lebensrnitteln nach Tschecho-SLowalien und .Oesterreich in Hamburg eintoeffen würden. An der deutsd^tsckvd^islhen Grenze solle eine aus Deutschen unb Tsckteck>n teste teilte Kontmisswn mit einem amerikanischen Vorsitzenden cingereicht werden. Hoover fragt an, ob die deutsche Regierung hiermit einverstanden sei.

Die deutsche Kommission erhob mi Hand von zwei Berichten erneut Einspruch gegen die Behand­lung ter in Tcmesvar (Ungarn) internierten etwa 200 Deutschen und besonders gegen das Ver­halten g-^nuL^r dem kommandierenden General des 63. Gr!ve.aliiommandos, General v. Schoch. Sie protestierte ferner gegen die Derfcksleppimg von 4ODO deut schm Arteitstrupte'.i nach Serbien.

Der teuifdje Vorsitzende teilte ten Alliierten mit, ten an die Brückenköpfe Köln intb M ainz angrenzenden Cteineinten, welche durch die schein­bar beabsichtigte willAtrliche Erweiterung ter Brückenköpfe sehr bcinrnfbigl sind, seien beruhrgende Zusicherungen gegeben worden, daß die Besatznngs- armeen an tv Bestrmnrmvgen tes Waffenst ssiwnds- vertrages ybirnben seien. Tie deutsch »üommiifion bittet die Alliierten, auch ihrerseits eine baldige Erklärung ter Besatzungsarmeen beider Brückcn- Löpfe im gleichen Sinne terbeiruführc-n.

Herr Schcidemann hat in ter National­versammlung die zahllosen Kundgobuttzgen der Entschlossenheit des deutschen Volkes erwähnt. ImTag" schlägt Graf Pofadowskn'bor, es möchten an ein und demselben Tage in allen

Es hat ganz und gar nicht den Anschein, als hätte die Entente die Absicht, die Schwie- . rigkeiten des baldigen Friedensschlusses zu vermehren. Man merkt es ihren Kundgebun- gen, besonders dem Dementi ter falschen Nach­richten über Lloyd Georges und Pichons Reden, allmählich an, daß sie zunk Ende kommen möchte. Die Vcrufttng einer deut­schen Finanzkommission nach Paris ist von der gegnerischen Scit^ auch so eine Art aw- maßenben Gnadenbeweises. Wir geraten dar­über nicht in Entzücken und halten vnfere geleerten Kassen zu. General v. Hammerstein hat in Spa ein mnfangreichcs Beweismaterial dafür vorgclcgt, daß Deutschland keineswegs f ü r S ch ä d e n in so weitgehendem Maße er­satzpflichtig gemacht werten kann, als es die feindlickien Behauptungen und Schilde­rungen hinstellten. Wochenlang haben die Feinde nun über die zu stellenden Be­dingungen verhandelt, und jetzt haben wir mit Her Note Kammersteins eigentlich erst zum ersten Male von außen her amtlich in diese Verhandlungen hineinsprechen können. -Wir sehen heute bereits die Wirkung. Der ^französische Senat hat eine Entschließung angenommen, in derCa die Zerstörungsschäden barei der Deutschen ______

Deutschland ist heute weit davon entfernt, auf jeden ihm angebotenen Frieden anzubetßen. Die Entente ist keine glänzende Siegerin das sehen wir mit jedem Tage klarer. Eintge französische Blätter empfehlen noch Gewalt­griffe, Zwangsmaßregeln; aber nachdem Wil­son in den letzten Tagen gegen gewisse Pa­riser Preßtreibereien unwillig Einspruch er­hoben hat, sind die bisherigen vertraulichen sNachrichtenquellen für die Pariser Oeffentltch- -keit überhaupt gesperrt worden. Neutrale 'Blätter sprechen von einer Schlappe ter Po­litik Clemenceaus. Pichon aber hat vor­gestern in ter Kammer eine große, oder rote der nach ihm aufgetretene sozialistische Abge- - ordnete Moutant sagte, hohle Rede über die Rußlaitd gegenüber zu befolgende Poltttt ge­halten. Danach betreibt Frankreich btc eifrige Bekämpfung des russischen Bolschewismus -und unterhält zu diesem Zwecke zahlreiche Trupveil im Osten. Dann aber sagte Ptchon: Die Konferenz hat sich eingehend mit dem russischen Problem befaßt; ibre Beschluste müssen abgewartet werden." Kein Wunder, daß der Minister mit einer sohohlen Siebe große Unruhe in der Kammer erweckte. Der .genannte Moutant brachte zahlreiche Be­weise von Kriegsmüdigkeit der französischen ,Soldaten vor, warf die Schuld an der Ber- tknbung Rußlands auf die unmenschliche Blockade unb rief schließlich ans: bald drohe eine bentsch-öfterreichisch-ungarifche-rufti'ckle Allianz. Der Umsturz in Ungarn ist den Fran­zosen dock stark in die Glieder gefahren!

Heute nun heißt es in einer'Meldung derFrkf. Ztg." aus Stockholm, A m e r t k a und E n g l a n d hätten mit der r u s s i) ch e n Sowjetregierung Verhand'ungen em- geleitet. Was aber tut D e u t s ch l a n d tn die­ser Richtung? Diese Frage ist in der Natwnal- versammlung aufgetaucht, und Noske hat er­widert, alle Instanzen seien sich mit Hinden­burg einig, daß im Osten keine weiteren deut­schen Angriffe erfolgten. Grenzschutzmaß­nahmen seien freilich unentbehrlich. Wie wett ter russische Bolschewismus gepflegtere Ma­nieren angenommen hat, ob die russischen So­zialisten jetzt wirklich einigermaßen vand m Hand gehen, nachdem Lenin eine solche Emi- gung angebahnt haben soll, bleibt unernnewn. Vielleicht vollzieht sich die russische Hilfe für Ungarn nicht in ter Art der Hunnenbrande. Wie es mit dem Bolschewismus aber auch stehe, fei er ein Geist des Segens, fei er ein Kobold, bringe er Himmelslufte, oder Darup! der Hölle, wenn die Amerikaner und Eng­länder mit ihm verhandeln, können wir ^uuch. Wir müssen damit rechnen, daß unsere Regie­rung die Friedensbedingungen der Entente von sich weisen muß. Solange bie Entente

Ter Reichswchrminister Noske bringt das Gesetz auf Schaffung einer borläufipen Rcichs- marine ein. Ter Entwurf lehnt sich eng an das Gesetz über die vorläufige Reichswehr an, für deren Aufstellung die Arbeiten übrigens weit vor­geschritten sind.

Die Vorlage wird nach -^er Aussprache in erster unb zweiter Lesung im wesentlichen imüer*. ändert gegen die Stimmen der Unabhängigen an* genommen.

Abg. SchmibthalS (Dem.) erstattet hieraus den Bericht des Haushaltsausscksusses Über bie Sicherung ter Acker- und Garlenbestel- ( u n g. Der Ausschuß will das Aufsichtsrecht auch daraus erstteckeii, mit welchen Früchten die Accker bestellt werten. Er beantragt außerdem mit Rück­sicht aus die Verhältnisse in ter Ostmark, daß bei Verwaisung eines Betriebes infolge ausrühve- ri)d)er oder feindlicher Handlungen die Verwal­tungsbehörden für die Bewirtschaftung ter be­triebe zu sorgen haben sollen.

Abg. Blum (Zentrum): Die Verordnung ist angesichts unserer kritischen Ernähnlngslage von tetec Bedeutung. Sie sollte aber kürzer gefaßt werten.

. Abg. Feldmann (Soz.): Die Verordnung ist notwendig, denn jetzt muß jedes Fleckchen Erte tem Ackerbau zugesül-rt werten. Die Verordnung . trifft nur die Großgrundbesitzer. Tie Reine« Bauern haben sich mit ihren Betrieben immefl nur den Interessen ter Allgemeinheit angepaßt.

Ein Antrag (teutschnationaler) verlangt die Stteichung ter V"stimmung, daß dem Landwirt das Nutzungsrecht bei mangelhoster Bestellung im letzten Wirtschaftsjahre unb wenn zu erroarten ist, daß die neue Bestellung ebenso mangelhaft nus- gesührt wird, entzogen werten soll.

Abg. Krest (Deutschnall^: Unser Anttag ist im Interesse ter Reinen Landwirte gestellt. Diese waren während des Krieges oft nicht in ter Lage, ihren Besitz fachgemäß zu bewirtschaften. Sßenn die Regierung etwas zur Förderung bet Produktion tun will, so möge sie vor allen Dingen den Arbeiter- und Soldatenräten auf die Finger Hopfen, sie möge endlich dafür sorgen, daß di« Vertetzung der Arbeiter aufhört.

Abg. Dusche (Deutsche Volksv.): Ich glaube, die SScrorbnmtg wird im großen und ganzen auf dem Papier stchenbleiben, trofctem linb wir mit ihr einverstanten, wünschen allerdings die An­nahme des Antrages des . Abg. Amstadt.

Abg. Wurm (U. S.): Wir lehnen ten An­ttag Arnstadt ab, weil er eine Llbschwächung der Verordnung bedeutet. Durch die Revolution ist zwar die Lage ter Landarbeiter verbessert Worten, aber noch immer nicht genügend. Diese Verord- mmg richtet sich nut gegen die Böswilligen.

Der Antrag Arnstadt wird angenommen.

Sodann wird ter Ausschußantrag mit diese» Mentetung mit 151 gegen 115 Stimmen ange­nommen.

Nächste Sitzung Samstag 10 Uhr: Beamtem interpellation, Notetat, Reine Kommissionsverort> nungen.

Nach ter Annahme des Antrages der Sozial­demokraten erhätt Arttkel 19 folgende Fassung;

Tas Stimmrecht der Gliedstaaten im Reichsrat ist von ter Zahl ihrer Ein­wohner nach Maßgabe ter jeweils letzten Volks­zählung abhängig. Grundsätzlich entfällt aus .'ine Million Einwohner eine Stimme, iwtei ein lieber-» schuß von mehr als einer halben Million einer vollen Mission gleick-gerechnel wird. Kein Gliete final darf mehr als zwei Fünftel (Dwourf ein Drittel) aller Stimmen führen. Sofern jetech fjierbnreb bie Stimmenzah-l Preußens unter 24 (Entwurf 18) sinkt, ist das Stimmenverhältnis ün Reichsrate im Wege der Verfchjungteiicterun^

~ it Grausam-1

............ Regierung- nach- brücklich, die Aufmerksamkeit ter alliierten Mächte | auf die Ausdehnung des Schadens zu lenken, ten Frankreich erlitt, und sie auf die von ten Deuffck-eil 'bei ihren sy'tcmattsckrcn Zerstörun­gen imS ciicträglidiai Plünderungen angtlixmbu Verfahren litnjuivriien. Er fordert die Rückgabe und Crfetzimg der geraubten oder zerstörten Güter mittels-eines fdmdleren Vena'-wL s mib die voll­ständige Wiede: g.umacknlng ter den frwlzösffd>eu Lands' euten znge ug:en Sack>- und Periom-nschä- ten. Er ersudst ferner alle Tatkraft aufzuwcnteu, um bered).ig;e S t r a f ma ßnahm en gegen alle Verantwortlichen du ck^u etzen. Ter Senat besdslaß. test ter Bericht Revnalds allen Sdjulen miigeteilt werte, damit die Lehrer ihn

audgefdirteben werten. Die Diktatur be- deuteniÄtinjedemFalledenTer rot, denn ter Terror sei nur eines der Mittel ter Dik­tatur und komme Nur in Frage, wenn man seiner bebarf. Ter Redner erklärte sodann, das Wrdstigste fei jetzt die Durdssührung der S o z i a l i f i e r u n fl im sdmellsten Tempo, und dazu sei die Parterciw- beit notwendig, und unterbreitete ter VertrarrenK- männerlorboration ter aufgelösten u.ngarifchnr Kommunistenpartei eine Entschließung, in der erklärt wird: Jeter, ter im Namen ter kom- imunistischen Partei, weld;eS Unternehmen oder rod die Handlung er immer unter nimmt, ist ein Betrüger unb ein Feind der Interessen tes Prole­tariats. Die Konferenz nahm eiintimmig diese Ent­schließung an, wonach die koinmunistifche Partei endgültig in der provisorisch als sozialistische Parten L>ezeichnettm einhettlichen ungarijdxn Proletarier- Partei ausgeht.

Ausweisung der Habsburger.

Wien, 28. März. Eine teutsch-österreichische Regierungsvorlage hebt ässe Herrfcherrechte unb Vorrechte des Hauses H a b s bu r g -L o t h rin­gen auf und verweist dessen Mitglieder unb die von Bourbon-Parma des Landes. Fer­ner werden Gesetze vorgelegt Wreffenb die Aus­hebung tes Atels unb gewisser Elwentitel, Aus­hebung der Totesstrase, Begnadigungen.

Cisenbahntrslre.k in Wien.

Wien, 28. März. (WTB.) Heute vor­mittag trat auch das Personal der Rord- bahn in ten Ausftand, so daß fast der ganze Fernverkehrs ruht. Die Verhandlungen

'zwischen der Negierung und allen Eisenbahn­verbänden werden fortgesetzt. Wenn die auf den Strecken liegenden Lebensmittelzüge mor­gen nicht wieder fahren können, wird in der nächsten Woche die Brotzuteilung allgemein auf die Hälfte herabgesetzt werden müssen.

Deutsche Nationalversammlung.

Erster vlatt (69. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

jss&. General-Anzeiger für Gberhesfen