schickten Fingern nach den roten Locken der Mutter, und braufren im Krrk fiel bas letzte gelbe Laub von den Bäumen. Ter Winter war nahe, sehr nahe. *
hast du von den Fischerkindern Das alte Märchen vernommen, Tie auf dem fänxmten Kahne Allein ins Meer geschwommen?
Sie pflückten sich Wasserrosen, Sie fangen der Lieder viele. Sie herzten und küßten einander Im süßen Wechselspiele.
Sie haben den Strand verloren, Ms sich der Tag entschwungen, Sie kehrten nimmer wieder, Ihr Name ist verklungen.
Wolfgang Müller von Königswinter.
Und der Winter war gekommen, grau, bleischwer lag er auf Svendburg. Nicht wie Ragna gehofft, sollte sie in Berlin ilm verleben, sondern hier im holten Norden. Was Ragna mit allen ihr zu Gebote iteljcnben Mitteln vermeiden wollte, jetzt auf Svendburg zu sein, das ihr einst zu eigen, es war nun doch geschehen, und sve — sie konnte nichts daran ändern, sondern sie mußte still ibre Pflicht erfüllen und aushalten.
Als die ersten Derbststürme sich einstellten, da kam es bei Sigrid. Ein kurzer, böser, ttockcn klingender Husten und leichte Fiebererscheinungen 4/09 Sie muß nach dem Süden," sagte der Arzt, und Sigrid jubelte auf. „Ja, nach dem Süden," strahlten ihre Augen, alles schien bet ihr unterzugehen in dem einen Gedanken. Sven, dem jeoer
Wunsch Sigrids Befehl war, hatte zugestimmt, und obwoU Sigrid erklärt hatte, sie könnte feite gut mit ihrer Jungfer oder der alten Chcha allem reifen, und in Italien selbst könnte ja bte Großmama sie unter ihren Schutz nehmen, hatte er doch erklärt, er würde gern den Winter mit ihr im Süden zubring en, wenn Ragna so selbstbos sein wollte, dm kleinen Sven in der Zeit in ihre Obhut zu nehmen.
Ragna hatte nid# rocht gewußt, ob Sven nach dem Süden ging um Sigrids willen, oder um cs ihr zu erleichtern, länger auf Svendburg zu bleiben. Fast war es ihr, als ahnte er, wie sehr sie sich aus der einstigen Heimat ßottsehnte, zurück zu ihrer Arbeit, nach Freiheit, nach Licht. Wenn er aber ging, dann konnte ftc ruhig hier bleiben. Ter kleine Sven war versorgt und ihr blieb genug Muße für ihre Arbeiten, denen sie eifrigst nachging.
Ihr letztes Werk „Glauben" hatte ihr wieder einen glänzenden Erfolg und große materielle Vorteile gebracht, so daß ihre Unabhängigkeit sich immer sicherer gestaltete. Aber gerade weil sie jetzt ganz auf eigenen Füßen stand, wurde es ihr leichter, Gast auf Svendburg zu sein, was sie unter anderen Verhältnissen nie getan haben würde.
Sie hatte also freudig ihre Zustimmung ge- gebat, Sven rn Abwesenheit dLs Elternpaares zu beaufsichtigen. Taufend Wünsche knüpften sich für sie an diese Reise. Ragna hoffte beftimmt, daß Sigrid und Sven sich enger aneinander schließen würden. Sigrid, so zart und hilfsbedürftig, aus Svens Teilnahme angewiesen, und Sven mit dem großen, edlen, weichen, teilnehmenden Herzen. Und Ragna spann für Sven und Sigrids Glück goldene Zukunftspläne und lächelnd Jtrrijte ihr Blick das
Monbfodige Knabbern zu ihren Füßen, das mit tackenden Augen zu ihr aufsah.
„Sxdte die Großmama von Sigrid fern, versprich es mir," hatte sie noch beim Scheiden Sven gebeten, „sie ist von je her des Kindes Verderben geroefen."
Sven hatte ihr bewegt die Hand gereicht und sie dann mit einem so langen, merkwürdigen Blick angesehen, gleichsam als wollte er noch einmal ihre ganze Gestalt voll heißer, entsagender Liebe umfassen. Doch nein, sie täuschte sich svohl — er dachte nur noch an Sigrid und war seit Monaten nur für Sigrids Wohl bedacht. Warum stieg es so heiß in Ragnas Wangen, wenn sie des Ad- sckiedsblickes gedachte?
„Schütze mein Kind," hatte er ihr noch zu- geflflftert und dann hatte sich Sigrid ihr leidat- schaftlich in die Arme geworfen und hatte sie geküßt immer und immer wieder und dabei waren Tränen, große, heiße Tränen aus Sigrids Augen auf Ragnas Hände gefallen, daß Ragna glaubte, sie noch immer zu fühlen.
„Erzähl' dem dummen Jungen da mm seiner süßen, kleinen, einfältigen Mama," hatte sie dicht an Ragnas Ohr geflüstert, „und sag' ihm, daß er raifagbar von ihr geliebt worden ist, selbst da, als sie von ihm ging."
Und dann hatte sie noch einmal das leise weinende Kind geküßt, Ragna war es sogar, als hätte sie die zarten, kleinen Hände betend über Svens Köpfchen gefaltet, und dann war sie hinaus- gestürmt, aber lange noch hatte ihr Tüchlein vom Schiffe herübergewinkt, als sie an Svens Seite über das Mieer von bannen fuhr.
(Fortsetzung folgt)
Zweites Blatt
Nr. 200
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Kriegsgefangenen - behandlung in Zrankreich.
Son bett Protokollen, bte im Durch- aangslager Gießen ausgenommen wurden, ist das folgende vielleicht am bemerkenswertesten, weil in ihm ein Teil der von uns vorher veröffentlichten Fälle auf das genaueste bestätigt wird. Was in dieser Bekundung wieder zutage kommt, übersteigt die schlimmsten Vorstellungen:
Freiwillig erscheim der aus französischer Kriegsgefangenschaft entflogene Max Gra n zi n 5vs Wutzkow in Pommern, geb. am 17. Dcärz 1893, Unteroffizier im akt. J.-R. 176 4. Komp., nm Beruf Maurer, wohnhaft in Sauenburg i. P., ffeldsfr. 13, entlasten nach Bez.-Kdo. Lauenburg,
dir föornifter zu tragen, toorauf ich 15 Tage strengen Arrest bekam. Nach Verbüßung dieser Strafe wurde mir eröffnet, ich käme vor ein Kriegsgericht, um nochmals wegen dieser Sache beftraft zu werden. Ich bat bett Käprtän, mir rnmmehr als Untersuchungsgefangenen doch meine tolle Ration Essen zu geben, er gab mir aber ;nr Antwort, das stände mir nicht zu. Daum» ' wollte ich ein Schreiben an den General schicken, , tiuiumv.Hv. toaä jedoch nicht genehmigt wurde. Eine halbe ttngaffe unb •fttap Stunde später kam aber doch der Kapitän und ließ mir die mir zusteheitde ganze Ratton Essen verabfolgen und noch eine Schlafdecke, mit dem Bemerken, es sei uns dies vom General be- toilltgt. Dann habe ich noch etwa weitere zehn Zage als Untersuchungsgesangener dort zuge- bnufit und während dieser Tage.wurde ein Protokoll ausgenommen. Kurz nachher kam ich vor das Kriegsgericht zu Fernre-Mil-on, von Mlchem ich mit sosottiger Rechtskraft zu zehn Jahren swangsarbeit verurteilt wurde, weil ich mich geweigert hatte, die Tornister zu tragen. Ich wurde sodann vor ine deutsche Gefangenen-Kompagnie geführt, unb ort wurde mir in Gegenwatt der franjöfifdjen segleitrnannschast mit aufgepstanztem Sriten- veivehr das Urteil vorgelesen. Von bort aus kam id) bann in das Zuchthaus von Avignon voselbst 2000 bis 3000 deutsche Kriegsgefangene tingeföerrt waren, darunter auch neun deutsche i Offiziere. Am Tage meiner Einlieferung wurde [trabe ein Oberleutnant schwer miß- anbelt. Das Essen war bort sehr schlecht.
8n diesem Zuchthaus weilte ich vom 17. Januar 1917 bis 5. Juli 1918. Ein von mir während Keser Zeit unternommener Fluchtversuch mißlang. Zch wurde deswegen mit 90 Tagen strengem
unb erklärt:
Ich- geriet am 2. Juli 1916 an der eomme bei Herbewurt mit ungefähr 30 bis 32 Mann in französische Gefangenschaft. Wir wurden fofort von ben Franzosen angefallen, vollständig ausgeraubt uttb sodann, um uns der französischen Bevölkerung zu zeigen, 5 bis 6 Tage hinter der Front herum- geführt. Tiefe Gelegenheit benutzte die Bevölke* nmg, Männer, Frauen unb sogar Kinber von 5 bis o Jahren, uns ins Gesicht zu spucken, unsere Achselklappen nbzurrißen, mit Sternen nach uns jit werfen und mit Kartoffelhacken auf uns loszu- j^tagen. Während 4 Tagen haben wir nichts zu essen, nicht einmal etwas zu trinken bekommen und mußten unter freiem Pimmel biwakieren. Sodann nmrben wir nach dem tag er Moyenville in der Gegend von Roh geschafft, wo es auch nur eine dünne Wassersuppe nab. Hier wurden unsere Nattonale auf genommen. As erste Arbeit mußten wir täglich bis zu einem Kubikmeter Steine Nopfen. Infolge der schweren Arbeit unb der schlechten Kost unternahm ich am 11. Juli einen Fluchtversuch, wurde aber bereits zwischen dem ersten unb zweiten Graben g.-fa&t und gefesselt wieder bei meiner früheren Lvmpagnie P. G. 11 in Pressy eingebracht. Ter Lagerkommandant — die Kommandanten ioaly selten alle 14 Tage, so daß man deren Namen nicht erfahren bzw. sich nicht merken konnte — verurteilte rnicki zu 14 Tagen strengen Arrest bei Nasser unb 23rot, barfüßig und lediglich bekleidet mit Hemd und Unterhose. Als ich meine 30 Tage i5 im Jsrarlitisju ovaesefsen hatte, mußte ich notfy 3 Tage bei der- 1 Wahlooriieder selben Kompagnie arbeiten unb wurde der Sttaf-
, .. . Milon überwiesen. Dort angeEommcn, mußte ich , pro Tag l'/r Kubikmeter Steine Aopfen Ta ich
c arn ÄSl diese Arbeit aber bei der schlechiten Kost ntriit lersten merilenrat M fcmnte, befahl mir der Kapft-in Tragen von --d - mit M auersternen gefülltem Tor- nister. Tiefen Tornister sollte ich an meinem Ruhetag vormittags 3 Stunden unb nachmittags 3 Stunden in der Julilfttze im frcmzösischcnMarschtempo tragen. Ich hatte dabei n o ch 3 L ei b ens - oesährten. Als wir baten, ben Kapitän dieser- tzüb sprechen zu dürfen, ließ er uns überhaupt richt zu Worte kommen. Ich weigerte mich nun,
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Arrest bei Master unb Brot bestraft. Nachdem ich 30 Tage verbüßt hatte, erhielt ich jedoch Strafaufschub und wurde uad) Carpiag n e mit anderen Gefangenen verbracht. Der bortige an der Front verwundete Leutttant unb Lagerkommandant Philippe Hit uns sehr schleckst behandelt, indem er uns schlechtes Essen gab. Als daraufhin 6 Mann einen Fluchtversuch machten unb wieder eingefangen wurden, ließ sich genannter Leutnant Stöcke schneiden, und er sowohl wie die Posten haben mitdenStöckensolangeaus die Leute geschlagen, bis die Stöcke zerbrachen unb die Leute bü zur Unkenntlichkeit entstellt waren, beim die Hiebe sielen meistens auf ihre iKöpfe. 3 von diesen Leuten lsteßen: Bergmann, Friseur aus Köln, Weschke aus Schlesien und Vogelgesang, Dbergefreitcr der Fuß-Art., angeblich ein Elsäster. Letzterer soll dann gestorben sein. Diese drei Leute wurden mit noch anderen Ausreißern sodann nur mit dem Hemd bekleidet und barfüßig in eine« verdunkelte Zelle gesperrt, auf deren Zementboden vorher noch Wasser ausgegossen worden war. Sie bekamen drei bis vier Tage nichts zu essen unb wurden daraufhin jeden Dag zwei- bis dreimal mißhandelt, und zwar in der Art, daß auf Befehl des genannten Leutnants Philippe die Posten, Korpo- rälc unb Sergeanten, wer gerade wollte, die Zelle mit Revolver und Gummifchläuchen betraten unb auf bie wehrlosen Gefangenen los- f d) lugen, wobei sie bie Gefangenen höhnisch an- schrien: ,,Jhr Feiglinge, wehrt euch doch, wir sind nur zwei unb ihr selb sechs Mann. Währenb dessen lauerten draußen bie Posten mit geladenem Gewehr. Dieses tägliche Schlagen geschah absichtlich, denn der genannte Leutnant Philippe hatte ben Befehl gegeben, fobalb sich ein Gefangener zur Wehr setze, ihn fosott zu erschießen. Ta die Gefangenen ibreit Peinigern Gelegenheit hierzu natürlich aber nicht bieten wollten, ließen sie lieber alles schweigend über sich ergehen. Aus diese Weise haben die Leute 60 Tage in dieser Zelle verbracht. Mitte August 1918 kam ich sodann zu einem Arbeitskommando bei einer Seesalz-Saline in der Gegend von Marseille. Dort waren Verpftegung unb Behanblung leiblich. Aber als toir dort 6 bis 8 Wochen verbracht batten, würben wir roieber nach bem alten Lager Earpiagne gebracht. Tvtt waren Verpflegung unb Behanblung biefelben geblieben wie früher, auch war wie früher der Leutnant Philippe noch da. Anfangs Februar 1919 wurde ich nach Haut- ville zwischen Nancy und Luneville gebracht zur Gefangenen-Komp. P. G. R. L. 821. Auch hier wechselten unsere Vorgesetzten aus begreiflichen Gründen alle 14 Tage, so daß man deren Namen nicht feststellen bzw. sich nicht merken konnte. Dort wurde von uns verlangt, täglich 6 bis 8 cbm Erde zu schütten. Wer diese Arbeit nicht leisten konnte, mußte nacharbeiten. Als Essen gab es eine dünne Reissuppe unb ein Stück Fleisch in Talergröße. Unser Lager war ein sogenanntes Waldlager und hatte nichts weiter als eine Toahtumzäunung. Das Wasser mußten wir aus einem Granattttchter schöpfen, der zur Hälfte innerhalb und zur Hälfte außerhalb der Umzäunung lag. Als eines Tages einer unserer Kameraden, um etwas frischeres Wasser zu fch-öpsen, den Arm durch die Dvaht- umzäunung steckte, wurde der Mann, obnvhl fein Körper noch innerhalb der Umzäunung des Lagers war, auf 15—20 Meter Entfernung von dem sranrösijchen Posten ohne weiteres erschossen. Bemerken will ich hierbei noch, daß der Leutnant, welcher diesem Arbeitskommando vorgesetzt war, auS deutscher Kttegsgesangenschaft ent» lasten worden war. Ten Namen dieses Herrn hoben wir nie zu hören bekommen und schttftliche Reklamattonen durften wir nie einreichen. Sogenannte Neutrale ober Kote-Kreuz-Kommissionen, die, wie mir gesagt wird, nach uns schauen sollten, habe ick während meiner ganzen dreijährigen G> fangenfefaft nie zu Gesicht bekommen. Ter Lager- kommanbant hielt uns bei jeder Gelegen heft vor, er habe in Teutschtand nur eine Pellkartoffel und etwas Suppe bekommen und wolle dahw a^ch dafür sorgen, daß wir nicht mit gesundem Körper wieder auf deutschem Boden zurückkommen sollten. Ueberhaupt ist unsere Behcaüstung fett dem Augenblick, wo die Franzosen i hre'eigen en Gefangenen zurückerhalte n hatten, viel viel schlimmer geworden, soweit dies überhaupt noch möglich war. So z. B. wurden von diesem Zeitpunkt ab täglich diejenigen, die etwas angestellt haben sollten, auf die Wacht- stube beordert, um sich dort „blauen Tabak" zu holen. Dieser „blaue Tabak" bestand darin, daß den Gefangenen die Hände zusammengebunden wurden und sie an den so zusammengebundenen Händen mit einem Stttck über entern im Wacht- lokal angebrachten Querlnlken hochgezogen wurden, bis fiii etwa 30 Zentimeter über dem Boden schwebten. So hängend, wurden .ihnen dann mit bem Gewehrkolben Schläge
verabfolgt, so baß sie am andern Tag arbeitsunfähig waren und den Körper voller blauer Fleck' hatten. Taher die Bezeickmung „blauer xabaf". Ich selbst habe mehrere Male auch vom Posten Faustschläge ins Gesicht bezogen, so daß ich aus Nase und Mund blutete. Zur Wehr setzen dursten wir uns nicht, denn sobald wir irgendwie Miene dazu mochten, wären wir fosott auf der Stelle erschossen worden. Letzteres war es aber gerade, was die Franrosen bezweckten pnd wozu sie uns durch ihre Mißhandlungen pp. reizen wollten. Unsere Toten wurden allgemein stets außerhalb der Kirchhöfe, ohne Oieistlichen, einfach emgeschauselt und ihr Grab erhielt auch nickst einmal einen Kranz. Oftmals waren wir bei der schweren Arbeit so hungrig, daß wir Brennesseln und Löwenzahn fammeiten, um unseren Hunger zu sttllen. Auch Maulwürfe, die wir ausgruben, mand;mal waren 6 bis 7 Stück Junge dabei, wurden abgezogen gekocht und von uns gegessen, um den Hunger zu stillen. Die Franzosen, die dies sahen, lachten dann dazu. Auch wenn bei den Arbeitskommandvs im Felde bte Bauern verreckte Kälber begruben, haben wir sie nadji 2 Tagen aus- gcgraben, gekocht und gegessen. Zu bem Zeichen Zweck haben wir, so oft es möglich war, Hunde unb Katzen eingefangen. Wenn wir habet aber erwischt wurden, gab es wieder 15 Tage ftrengpn Arrest und Kolbenschläge. So habe ich gefefcn. wie ein Matrose, welcher eines Tages zum Wasserholen ins Tors kommandiett war und bet dieser Gelegenheit einen Hmrd eingefangen, in .feine Jacke gewickelt, abgezogen und gekocht hatte, von ben Fvan- zo>'en ^ertappt, mit schweren Mißhandlungen und 15 Tagen Arrest bestraft wurde. Die Behandlung war deratt schlecht, daß trotz der schweren Strafen, die uns drohten, 60 bis 70 Mann ausaerifsen find. Zwei von diesen Ausreißern hatten sich bereite ungefähr 12 Kilometer von dem Lager entfernt, als sie von den Franzosen wieder gefaßt wurden. Ein sianzösifcher Alpenjäger erbot sich, die Gefangenen bort an dem Ott ihrer Festttahme wieder abzuholen. Zu diesem Zwecke bewaffnete er sich mit einem Revolver, einem Stahl stock, der mit Telephondraht umwickelt war, und besorgte sich ein Pferd. Am Abholungsotte angetaugt, band er den beiden Gefangenen die Hände übers Kreuz über dem Rücken zusammen und ließ sie vor dem ttabenden Pferde herlaufen, wobei er sie andauernd mit dem Stahlstock schlug und an trieb. Nachdem sie auf diese Weise etwa 5 bis 6 Kilometer gelaufen waren, blieben sie erschöpft auf der Straße liegen, wo sie dann von einem Lebensmittelwagen aufgelefen und nctzl, dem Lager zurückgebracht wurden. Bei bem einen von diesen beiden Gefangenen wurde Hitz- schlag festgestellt. Ter andere hieß Götze und war Kellner aus Berlin. In Wirllichlkeft haben sich alle diese Vorfälle nioch viel grausiger abgespielt als ich sie hier schildern kann. Einiges wird mir vielleicht später auch noch einfallen. Man kann bie Franzosen nicht anders als mft ,,<5<f#veine" bezeichnen, berat sie haben uns noch schlimmer behandelt als bas Vieh.
Ich habe hier die volle Wahrchrit gesagt und farm bte Richtigkeit meiner Angaben jcherzeft beschwören.
v. «. il
grtz. Max Gran-in.
Sport»
*» Fußballsport. Sonntag den 7. September wird die 1. SchMermcurnschast des Duisburger Sportklubs Wreußen auf dem Hatdtfportptatz ein Fußballwetttviel gegen die Schülerabteilung des Vereins für Rasenspiele 1900 E. B. austvagen. „Preuße n"-Tuisbnrg steht im Reiche in der sportlichen Jugendbewegung an führender Stelle und verfügt über ausgezeichnete Jugendmannschaften für Fußball, Hockey uni) Leichtattstettk. — Für die Schüler sämtlicher hiesiger Schulen hat der B. f. R. 1900 bei ben am 14. September statt findenden Stadtwettkämpfen an der Hardt zahlreiche Lauf- und Spring Konkurrenzen eingelegt.
** Bad-Nauheim, 27. Aug. Ein Reiter-Sportfest unb landwirtschaftliche Pserde- und Fvhlenschau nrirb von bex Reichsivehr-Brigade Hessen Nr. 18 am Samstag, den 6. September unb Sonntag, ben 7. September zu Bad-Nauheim veranstaltet, das ohne Zweifel nicht allein auf Spott kreise, sondern auch auf Landwirte eine bedeutende.Zugkraft ausüben dürfte. Unter den verschiedenen Rennen wirb auch ein Trabrennen für Landwirte stattsin- den. Zum Reitersportfest ist der Nennungsschluß für Freitag, den 29. Aug., abertbß 7 ,U!jr, festgesetzt. Tie landwirtschaftliche Pferde- und Fohlenschäu erstreckt sich auf Arbeitspferde (Belgier) und Wagenpferde (Warmblut).
h. Marburg, 27. Aug. Der erste 58 er» bandsweit strert des Kreises Hessen-Nassau des Deutschen Athletik-Sportver-
Donnerstag, 28. August 1919
bandes, der hier unter großer Beteiligung, bc< sonders von Sportgenossen aus Kassel unb Gießen, in diesen Tagen abgehallen wurde, erreichte Montag abend sein Ende. An ben Wettkämpfen, die Sonntag ftüh begannen, nahmen etwa 190 Mitglieder der verschiedenen Vereine teil. Die ersten Preise erhielten folgende Teilnehmer: Gewichtheben (Schwergewicht): Arno Frötfcher, S.-V. Wler> Kassel, 64V- P., G. I s e n be r g, K.-S.-V. Gießen, 63V< P. Schweres Mittelgewicht: I. Göbel, A - S.-V., Kassel, 64V- P., 4. A. W a g n e r, K.-S.-C., Gießen, 44V- P. Leichtes Mittelgewicht: Schwarz- mann, S.-C., Treffurt, 60Vz P. Leichtgewicht: Ä. Micl)el, S.-B. Adler, Kassel, 47- 2 P., W. Müller, K.-S.-C., Gießen 543/< P. Federgewicht: C. Wein-- traut, A.-S.-B., Marburg, 471/» P., K. Steiy. S.- u. R.-E., Friedberg, 41 y2 P. Drin gen (Schwergewicht) : A. Frötscher, S.-V. 9G>ler, Kassel, A. Wagner, K.-S.-C., Gießen. Sckstveres Mfttel- gcwicht: H. Holtmann, S.-B. Adler, Kassel, Leichtes Mittelgew.: O. Rermarm, S.-B. Hessen, Kassel, Leichtgew.: H. 9Hibenfönig, S.-C. Heralles, Kassel. Federgewicht: W. Neidl-ardt, S.-D. Adler, Kassel. Leichtathletik: A.-S.-B. Marburg. — Meisterschaften: Stemmen: Schwergewicht: 1. Arno Fröt'cher, Sp.-V. Adler, Kassel, 118 P., 2. Heinr. Hubenthal, Athl.-Sp.-V. 1891 Kassel, 93 P. Schweres Mittelgewicht: 1. Julius Göbel, Athl - Sp.-58. 1891 Kassel, 129 P., 2. Anton Ojartj, Athl.-Sp.-V. Marburg, 124 P. Leichtes Mittelgewicht : 1. Carl Schwarzmann, Sp.-V. Treffutt, 122V? P-, 2. Wilhelm Michel, Sp.-V. Adler, Kassel, 113 P. Leichtgewicht: 1. Georg Rinder- mann, Krastsp.-V. 1902, Kassel, 105 P, 2. Fritz KraftsSp.-V. Adler, Kassel, 104 P. Fäergewrcht: 1. Heinrich Steitz, St.- u. Ringklub Friedberg, 98 P., 2. Willi Neidhardt, Sp.-V. Adler, Kasstt, 95 P. — Ringen: Schwergewicht: 1. Siegfried Friedemann, St - u. R.-Kl. Friedberg, 2. H. Hubenthal, Athl.-Sp.-V. 1891, Kassel. Schweres Mittelgewicht: 1. H. Holtmann, Sp.-V. Adler, Staffel, 2. A. Wagner, Kr.-Sp.-Kl. Gießen. Leichtes Mfttelgewicht: 1. Louis Dowc (Kirchhain), Athl.-Sp.-V. Marburg, 2. Otto Reimann, Sp.-V. Hessen, Kassel. Leichtgewicht: 1. Alfred Michel, Sp.-V. Adler, Kassel, 2. Willi Gerstung, Athl.-Sp.-V. Marburg. Federgewicht: 1. Willi NeidhaiÄ, Sp.-V. Adler, Kassel, 2. August Rmi, Sp.-V. Kurhessen 1893, Kassel. — 400 Meter- ©taf fetten lauf: 1. Athl.-Sp.-V. 1891 Kassel, 2. Sp.-V. Kurhessen 1893, Kassel, 3. Athl.-Sp -V Marburg. — Mannschaftskämpfe int Tauziehen (Gewicht bis 900 Pfund): Sp.-Kl. Heralles, Kastel, 1. Ehrenpreis, geft. v. Athl.-Sp.-V. Marburg, unb Diplom: Sp.-V. Adler, Kassel, 2. Preis, Tiplom: Athletik-Sp.-V. Marburg, 3. Preis, Diplom: St.- u. R.-Kl. Friedberg, 4. Preis, Diplom.
vermischtes,
* Eine Statiftik der französischen Fliegerverluste im Kriege. Erne offizielle Stattstik der Verluste^ die die ftanzösische Flugwaffe int Weltkriege erlitten hat, wirb soeben zum ersten Male veröffentlicht. Vom 4. August 1917 bis zum 11. November 1918 tourben 1945 Flugzeugführer und Beobachter getötet, 1461 werden vermißt, deren Tod als sicher angesehen werden kann, und 2922 wurden verwundet. Außerhalb der Heereszone wurden 1927 Führer und Beobachter getötet, fe> daß die Gefamtverluste an Toten und Verwundeten 7757 betragen. Da die voll» Stärke der Waffe am 1. Tezsnber 1918 12 919 Mann betrug, stellen die Krtegsverluste 61 Proz. bar, wahrschetnlich die schwersten Verluste, bte irgendeine Waffe der verbündeten Armeen während des Weltkrieges erlitten hat. Tte sftugzeugproduk- tion Frankreichs während des Krieges kennzeichnen folgende Zahlen: im Jahre 1915 wurden 3460 Flugzeuge gebaut, 1916 börite 7522, 1917: 22*751 und während der ersten 9 Monate vor 1918: 34 219. Tte Flugzeugfabriken beschäftigten am 1. Januar 1915 12 650 Arbeiter, 1916 schon 30960, 1917 68920, 1918 am 1. Januar 131551 und am 2. November 168003 Arbeiter,
Büchertisch.
— Das Abonnement auf die Meggen- dorfer-Blätter kann jrirerzeit begonnen werden. Bestellungen nimmt jede Buchhandlung und jedes Postamt entgegen, ebenfo auch der Verlag in München, Perusastt. 5. Der Abonnementspreis befragt vierteljährlich nur 4 Mk. (ohne Porto), die einzelne Nummer kostet 40 Pf. .(ohne Porto). Die seft Beginn eines Vierteljahrs bereits erschienenen Nummern werden neuen Abonnenten auf Wunsch nachgeliefert.
— Das Schönste von Storw, ausye- wählt und eingeleitet von Walter von Molo. Eur- bandzeichnung von Heinrich Jost. 1. bis 25. Taufend. Preis gebunden 5Mk. Verlag von Albett Langen in München.
Kagna Svendburg.
Roman von Anny Wothe.
!NaÄ>ruck verboten.) Fortsetzung 44.
ffser zu werden suchen, so gut wie die da, bie u selbst mein chesferes Ich nanntest. Sieh nur die er lacht," fuhr sie fort, verstohlen die Tränen ton ben Wimpern trocknend, „ich glaube, er kennt
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schon."
Sven schlang tief bewegt den Arm um fern 3db unb Sigrid barg ihr Köpsck^n wie ein müdes ind an ferner breiten Brust. „Laß uns kämpfen ad ringen, Sigrid," sagte er sanft, „das Gute i wollen und das Rechte zu tun, laß uns treu ffammenhalten in Leid und Freud, damit diese krnigen Kinderaugen nie trübe werden, ivenn infer Sven einst seiner Eltern gedenkt."
Tas klang wie ein Schwur, und Sigrid lächelte toter Tränen. Traußen sank bie Sonne blutrot As Meer, und ein vorübersegelndes Schiss zog folz feine leuchtende Bahn.
Ragna verfolgte die Spur, überquellendes 2mkgefühl im Herzen.
Sigrids Kind haschte mit den (leinen, unge-
Jn demselben Augenblick trat Sven ins Zim- ver. Auch auf feinem ernsten Antlitz glomm rin !ächeln empor, als er sein ftinb an Sigrids Herzen Imb. Ein leuchtender Blick traf Ragna. Das hatte Hut sie vermocht, berat bis jetzt hatte Sigrid ihr Smb kaum an geblickt.
Sigrid streckte ihm mit rin em weben süßen
’Serue-Äoff mderlächeln um den Virard bte weiße Hand ent- iie unb Saroa« gegm< er warm an feine Lippe'-t zog.
j umfß,6t: ..Verzeihe mir, Sven," sagte sie sanft, „trenn
Wiesrnb'- ich bö|e unb ungerecht gegen dich war, ich null . gtcinww iffstr zu werde,: suchen, so gut wie die da, bie


