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Erstes Blatt

169. Jahrgang

Montag, 28. Juli 1919

Erzbergers Enthüllungen.

2ie große polnische Auseinandersetzung

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neutrale Vermittlung unternommenen

Lrilärung -es früheren Reichskanzlers

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Ftiiw Richtigkeit hat, daß Friedensmvglichkei- ! ttii int Jahre 1916 und 1917 absichtlich durch- treirjt wurden. Diese Prüfung kann aber nach

Seltersweg 7511

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storikern und einem publizistisch geschulten üiiften bestehen, die das Recht haben, alle ns fünfte zu verlangen und jede Erhebung izuordnen. Das deutsche Volk soll die Wahr- !it erfahren, aber objektiv nicht in der irteiischen Enthüllung?taktik eines Mannes

rte aller Art

Waffen und lern von Waren m von Waggons

er Verkehr nach

auswärts ,

, Wetzlar und weite |.:

Nr. 175

icr «leß-rer Anzeiger erscheint täglich, außer Eonn- und Feiertags.

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Rep farSciire*11

Der Jmmediatbericht CzcruinS.

, Wien, 26. Juli. (WD3.) Wic derWiener Mittag" meldet, erhielt Erzberger den Dc- richt C z e r n i n s vom früheren Kaiser Karl selber mit der Verpflichtung, über die Her­kunft des Berichtes zu schweigen.

für. bie nächsten WMen, die unter der Partei«gita- torisck-cn Außnacl/uitg des Streits über die SickMld am Kriege und über die Schuld am Frieden geleitet und duvchgclämpst werden sollen."

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gegeiteinander aufwüblt, die einem ge- pufammenarbeiten aller Kräfte, das uns durchaus nicht frommt. Was hier getrie- tpird, Vie .Aufstellung eines Kampfrufs

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zelegencheit aus der damaligen Lage hei­l' beurteilt werden muß, und nicht von dem - g*inbpimfte aus der durch den Verlust des

»rfÄf* skieqe3 und die Revolution geschaffen wurde.

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* Sofr^btftn

Grund des Schrittes des britischen Gesandten beim Vatikan eine speziell aus Belgien bezügliche «n- rage an Deutschland gerichtet hatte, ist in Berbmbung mit der Beantwortung ter päpstlichen Frictensnote die belgische ~ erneut aufgeTUHrrmeiT worden. _. -------, , .,

1917 beriet die von Herrn Michaelis einteuijaw1 lung des Schreibens, des Nuntius Mcelli an mich

(Eine LNlärung £ubenöorfis.

Berlin, 26. Juli. General Ludenbvrff laßt folgendes erklären:

Tas Schreiben des Nuntius Pacelli tmb daS Antuvrtschreiben des Reic^tanzlcrs Tr. Michae­lis, die heute in der Mvrgenpresfe veröffentlicht tr urten, sind dem General Lutenterff erst heute früh bekamrtgeworden. Er hat von düsen Sckwei- ben früher nie etwas gehört. Andeutungsweise und» geheimnisvoll wurde Ende August oder Anfang September 1917 der Obersten Heeresleitung mit* geteilt, daß England eine Fühlungnahme erstrebe. Völlig unabhängig hiervon war dem General An* sang August vom Oberst v. Lasten auf Grund von '.hm zugegangenen Mitteilungen auS pastfistisckxm Kreisen des neutralen Auslandes gemeldet, daß England jetzt eine offene Erklärung Deutschlands über Belgien erwarte. Ter General glaubte, eS handle sich in beiden Fällen um dre gleiche An­gelegenheit und erklärte in beiden Fällen s itH Einverständnis mit einer Erklärung über Belgien. Cs fand eine Reite von Bespreclmugen über die belgische Frage statt, barunter auch ein Kronrat vom 11. September. Im Verlaufe der Vcrtente lungen wurde eilte Einigung über eine Formel! betteffs Belgiens erzielt. Eitrige Tage darauf regte der Reichskanzler in einer Besprechung mit fentem Stellvertreter Tr. Helsferich und dem Staats* fefretär v. Kühlmann, der auch Oberst Hasten»

vom 30. August 1917 sind mir nicht zugänglich. Nach meinen persönlichen Notizen hwe ict zur Behandlung d s iogeuaunten eng iscl.eu Frieteus- fülsters folgendes zu sagen: Tas Schriftstück wurde mir anfangs September vorgelegt. Ich h-rbe es mit den Staatssekretären und den Ministern te- sprochen und bin dem Kaiser, der, wenn ich mich nicht irre, am 9. September von einer Front­reise zurückkehrte, entgegen gefahren, um ihm Ver­trag zu halten. Ich bat den Kaiser um Ab­haltung eines Kronrats in Gegeirw.rr! der Obersten Heeres- und Marineteitung. Ter K r 0 n r a t lat am 11. September im Schloß Bellevue statt- gesunden. Tas Ergebnis de rBesprechung wurde von dem Kaiser in eigenbänbief unter­schriebenem Vermerk folgendermaßen zusammeu- gefaht: Tie Annexion Belgiens sei tedeullich. Belgien köime wiederhergestellt werden. Tie slan- briidK Küste sei zwar sehr wickstig und Zeebrügge dürfe nicht in englische S>aiiD fallen, aber die belgische Mste allein sei nid/t zu halten. Es müßte ein enger wirtschastlick)er Anschluß Bel­giens an Teutschiand tertetgeführt werten. Daran habe Belgien selbst Has größte Interesse.

lieber die weitere Behandlung des Frieden sfühlers wurde von mir mit dein Staatssekretär v. Kühlmaim vereinbart, daß durch eine unbedingt geeignete Persönlichkeit zu son­dieren sei, ob auf englischer Seile in ter Tat der Wille vorhattten sei, Den bisherigen Stand­punkt übertriebener Friedensforterungen, wie sie unzweifelhaft zu unserer Kenntnis gefommea roapen, aufzugeben imb auf einer annebrnbarrn mittleren Linie zu verhandeln. Tas Schreiben des päpstlichen Nuntius enthielt nady dieser Ric> tung hin keine irgendwie uberzeug.'nte Briv.ise. Tie Gefahr lag vor, daß es sich darum handle, Deutschland zu entgegen kam menten Erklänmgen zu veranlassen, ohne den eigene:: erttavagont.'n Standpunkt aufzugeben, so daß dadurch bi Ber- handlungsgrenzen £u unseven Unguuhcn rersckw- ben würden. Die Wahl te» Vermittlers fiel auf einen hervorragenden, dem Staatssekretär v. Mhl- mann persönlich nahestehenden neutralen Tiplo- maten, der ganz besonders qualifiziert erschien- die erforderliche Sondierung vorzmiehmen. Jhm^ wurde seine Mission unter Mitteilung ter Stete lungnahme Deutschlands gemäß obigem Kronrat in ter Weise umschrieben: Vorau "setzmig für Ver­handlungen mit England sei die Anerkenntnis: a) daß unsere Grenzen intakt Hieben; b) daß un­sere Kolonien zurückgewährt Mürber; c) daß kein« Errtschädigung gefordert werten dürfe: d) daß vop einem Wirtschastskrieg Abstwch genommen roiirbe. Ich _ habe in lieberemstimmung mit Exzellenz v. Kühlmann diesen Weg für den richtigen ge­halten, weil nur beiunbedingterBertrau- l i ch k e i t die Verfolgung dieser ersten Friedens- fäden möglich schien. Tie Verhandltmgen über die päpstliche Shiric boten diese Sichertest niete. Schon bei dem Empfmig des Schreibens des Nuntius hatte sich herausgestellt, daß ter damalige Ab­geordnete Erz ber ger vor mir davon unter* rickstet war, daß das Schreiben kam. Eine Indis­kretion durch ihn mußte aber vor allem verhütet werten. Deshalb konnte dem Nimttus gegenüber nur eine abwartende Stellung eingenommen und ihm nach Ablauf einiger Zett nur eine Antwort, allgemeinen Inhalts erteilt werten.

Daß jede Indiskretion die größte» Gefahren für die Anbahnung von Verhaute lungen in sich schloß, hat ter weitere Verlauf der Verhandlungen gezeigt. Tie Besprechungen im Kronrat uno ihre Ziele blieben nickst ver­borgen. Tie kriegerischen Parteien in Teutscte land, England und Frankreich bemächtigten sich der Angelegenheit und die Folge war, daß der Vertreter ter englischen Regierung öffentlich ab* leugnete, daß fettens der englischen Regierung ein Friritensangebot gemacht sei. Ich habe den Gedanken, unter weisem Nachgeben mit Bezug auf Belgien zum Frieden $u kommen, mit Leb­haftigkeit ergriffen und habe es durchgesetzt, daß eine einheitliche Stellungnahme zu dieser Frage innerhalb der maßgebenden Kreise erfolgte. Ich habe mich bemüht, den geeigneten Weg zur Der* folgung ter ersten Anregungen zu wählen. Wenn sch der Plan zerschlug, so lag es daran, daß unsere Feinte nicht wollten. . ,

Gegeben in Scüirow, 26. Juli 1919.

Gezeichnet: Michaelis."

Michaelis.

Ter frühere Reichskanzler Michaelis er» ___Karte zu den Angriffen des Ministers Erzberger Frage in Berlin folgendes: 1 ___#

Am 9. September |Tie amtlichen Schriftstücke über die Behante

'N der Nationalversammlung hat vorläufig terrn Erzberger zu seinem Siege verholfcn, tn he Kreuz; ei tung als einen Pyrrhussieg leznchnct. Die sensationellen Enthüllungen de-7 Reichsfinanzministers auf ihren tatsäch iiliicn Wert hin abzuschätzen, ist noch nicht itiiglid), da der vielgewandte, verschlagene Ürortheld, der Neichsschaumschläger, wie ihn li:Tägliche, Rundschau" nennt, es allzugut iersteht, Tatsachen nach eigenem Gutdünken zmechtzufrisieren. Der Vorstoß Erzbergers sezen den Abgeordneten V 0 e g l e r, wobei er euch mit einer geheimnisvollen Depesche ope tirrte, die sich nachher als Schreiben desMi- iters Müller herausstellte, ist noch in war ntnber Erinnerung.

V Erzberger. Der Vorschlag des Abg. Dr. HßD ist von der Deutschen Volkspartei in- ischen zu einem Antrag verdichtet worden.

Das wichtigste Aktenstück der Anklage, h> englische Telegramm an den Papst, harrt ro der Verösfentlichung. Nach den Anden­ken Helfferichs war diesem Friedensfüh- l nicht der Wert zuzusprechen, den ihm der »pst beilegte. Jedenfalls glaubte die dama- V Rcichsregierung ob mit Recht oder krecht, das muß sich erst ergeben, nicht f> auf diesem Wege in dec belgischen Frage »legen zu sollen. Sie unternahm nach Den dz..den des früheren Reichskanzlers Michae- I einen anderen Schritt und ließ durch Itatssekretär von Kühlmann einen neutra- e Diplomaten beauftragen, in London wei- sondieren. Nach mehreren Blättern soll iiich hierbei um eine spanische Vermittlung handelt haben, die im Sande verlief, weil

Bereiterklärung zu Verhandlungen

Auswärtige Amt nicht erreichte. Wie das »erklären ist, darüber wird sich Herr von Istmann zu äußern haben.

Man möge nicht vergessen, daß die ganze

Die Entgegnung helfferichs.

Berlin, 27. Juli. Dn: frühere Staats- Minister D r. Helf ferich geht noch einmal in derKreuzzeitung" mit seinem Gegner ins Ge­richt und stellt folgende Daten zusammen: Arn 31. März 1917 schreibt Kaiser Karl von Oesterreich - den bekannten Brief an den Prinzen von Parma. In der ersten Aprilwochc gingen Kaiser Karl und Kaiserin Zita mit dem Grafen Czernin ins deutsche foauDtqimrtwr. Ihr Versuch, Deutschland zum Verzicht auf Elsaß-Lothringen zu bewcaen, findet keine Gegenliebe, um so we­niger, als Kaiser Karl gleichzeitig die Designierung des Erzlstrzogs Karl Stephan zum König von Polen betreibt. Am 14. April wird der Jmrnediat- bericht des Grafen Ezernin ins deutsche Haupt- quartier gebracht. Acht Zage später ist Herr Erz- b e r g e r in Wien, im Aufttag des Reichskanzlers, wie er behauptet, ohne Auftrag tes Rrick-skanzlers, wie Herr von Bcthrnann und der Wiener Bot­schafter Graf Wedel behaupten. Er wird von Kaiser Karl empfangen und erhält von diesem, was Herr Erzberger schamhaft verschweigt, ohne Wissen des Grafen Czernin den Czerninschen Jm- mediatbericht. Graf Czernin tritt durch einen Freund in Berlin mit Crzbergcr in Verbindung und ermuntert ihn zu seinem Julivorstoß. Arn 6. Juli 1917 überfällt Herr Groberger im Hauptausschuß den Reichskanzler, er mag es leug­nen soviel er will, ;a feine eigene Fraktion, mit dem von der Sozialdemokratie aufgenommenen und zu einer großen Aktion geschmiedeten Anttag ein Friedenspronunziamentv" des Reichstages herbeizuführen.

Wirkung auf das Ausland: Erkäl­tung der gerade damals umyrtitimbaienReigung der Westmächte zu Frtepensverhandluniren. Diese Neigung bestand, trotz der sehr hochmütigen Auf­nahme, die noch im April Prinz Parma mit seinem Briefe fand, übrigens damals schon gegen ernstliche Bedenken von Lloyd George. Es folgte eine Reak­tion. Der französische Minifterpräsideitt erklärte schon damals dem ttalienischen Botschafter in Paris, daß Frankreich ter Erschöpfung entgegen­gehe. Lloyd George kam nach Paris und sprach seine größte Sorge über die Zuspitzung der eng­lischen Ernährungslage aus. Bon französischer Seite wurde eine neue Anknüpfung nickst nur zu Oesterreich-Ungarn gesucht, fanbern auch wegen einer Aussprache mit einem bekannten Diplomaten sondiert. Sogar Erzberger wird für das alles die Belege in den Akten des Auswärtigen Amtes finden.

Da kam die Erzbergersche Bombe im Hauptausschuß, und es kam mehr! Es kam die Indiskretion, in der Herr Erzberger am 22. Juli vor dem Reichstagsausscchlß ter Zentnrmspartei, also in einem größeren Kreise, zu seiner persön­lichen Verteidigung den Czerninschen Ge­heimbericht preisgab! Der Berickst hat srinen Weg nach Paris gefunden, ist dort mt Zusammen­hänge mit ter Erzbergerschen Aktton als bat» Münze imb als Anzeichen unseres nahen und sicher bevorstehenden Zusammenbruches genommen wor­den. Die Wirkung war, daß die Friedensneigung bei unseren Feinten einer hochgesttmmten Sieges­zuversicht und einem entschlossenen Kriegswlllen Platz machte.

Nun ter angeblich? Friedensschritt Englands durch Vermittlung tes päpstlichen Stuhles Ende August 1917. Zum Verständnis des­sen, svas dmnals in Rom und Berlin vorging, muß ich tetr an erinnern, daß die vom 1. August datierte Fricdensnote des Papstes gegen Mitte August den friegfüteenten Macksten überr-eickst Wor­ten ist, nicht nur Deutschland und seinen Buntes- ffenossen, sondern auch England und seinen Ver­bündeten. Ich frage Herrn Erzberger: War die­ses Telegramm der britischen Dicgimmg an ihren Gesandten beim päpstlichen Stuhl nicht vielmehr einfach eine Rückaußerung auf die päpstliche Frie- temsnote? Herr Erzberger stellte es so dar, als ob tn diesem Telegramm die Wjederherstelttmg Bel­giens und Garantien für feine Unabhängigkeit die einzige Voraussetzung gewesen waren, von ter Eng­land FrietensverHandlungen abhängig gemacht habe. Ich frage Herrn Ercherger: War nickst etwa in diesem Telegramm der ganze Wust ber für rin unbesiegtes Volk unannehmbaren Friedenste- ding nagen aufrechterhalren, tert die Entente in ihrer unverschämten Antwort vom 10. Januar 1917 an Präsident Wilson zusammengefaßt hatte? Ich keime das Telegramm nicht. Weder Herr Michse- lis raxfj Herr KWmann haben mich bannB nr riefe5 Geheimnis gezogen, vielleicht weil ichl da- ttrals gerate auf Urlaub war. Ater gerate in nn- ercr Anttoort an Pacelli ist zu lesen:Wenn sich unsere heurigen Gegner darauf berufen, daß fk als Antwort auf die Note tes PräsLenten Wilson ihre KrisaSziele mitgeteilt hätten."

Wie dem aber auch sei, nachdem Herr Pa­celli im Auftrage des Kardinalstaatssekretärs aus

Siebener-Konnnission tes Reichstages über die Papstnote. Die belgische Frage spielte dabei die .Hauptrolle. Am nächsten Tage, dein 10. 'Septem- ber 1917, sand im Schloß Bellevue unter tem Vor ­sitz des Kaisers ein Krvnra?"über die belgttck'e Frage statt, zu dem ich telegraphisch aus tem ur» lanb 51 irücfL'crufen Worten iixir. lieber den Ver­laus di'eses K r 0 n r a t e s möchte ich hier rott= Teilen, was ich schon bor Monalm, also imbeein» mißt von ter fetzigen l§rzbergel scheu Darstelluna, *fur den dritten Band mA ter Darstellmigrn Weltkrieges geschrieben I>abe und was schon seit Wochen im Satz steht:Der Reichskanzler und Herr v. Kühlinann habm geheimnisvolle Anteu-- tuugen über eine Friedensmöglichkeit ge­macht, die sich neuerdings eröffnet habe und zwar durch Vermittlung eines durch England teauf- tregten neutralen Vertteters. VorausseAmg für 5-rieten§6erbanbhmgat sei unser völliger tedin- Üuitgjlofer . rzickü auf Belgien. Wir be f ür > wo rteten diesen Verzicht. Demgegenüber setzte sich ter C he f des A dmi r a 1 st a bes dafür ein, daß jeder Friste uns die flandrische Küste bringen müsse. Die Herren von ber Ober­ste n Heeresleitung gaben zwar die flan­drische Küste preis, General Lutendorff betonte je­doch die militärische Wichttgkett einer Einbehaltung ter Festung Lüttich und ihrer Umgebung. Der Kaiser entsck/ied sckstießlich t?n Sinne tes Kanz­lers. Der Kronprinz, ter in ter Sitzung selbst nicht das Wort ergriff, sprach sich nach der Kvn- ferenj mir gegenüber dahin aus, daß nach seiner Ansicht jd>e Möglichkeit zu einem entlrfneocnen Frieden zu kommen, ergriffen werten müsse, und daß ter Friede an keiner an sich noch so wichtigen Einzelsortermig scheitern dürfe."

Kanzler imb Staatssekretär tes Auswärtigen Amtes hatten also hinsichtlich Belgiens vollkom­men freie Hand. Ich persönlich habe mich ohne writeres der von dem Kanzler und tem 2luswär- tigen Amte vertretenen und dann schließlich vorn Kais«: gebilligten Antwort angeschlossen, daß keine Itelgifdjc' Frage ein Hindernis für eine ernstliche F-ri^tensmöglichkrit bilden dürfe.

Bleibt die Frage: ,Marum hol ber Nuntius erst am 21. September ein^ Antwort erhalten imb warum bombte vom Reichskanzler Michaelis unterschriebMe Antwortnote wie Herr Er-berqer c9 anteujet abgelehut, eine Er- C.V nbzugeten?" Sa» wenig wie die Oberste HeereÄerlung war ich über den tem jkwiirat zu Grünte liegenden Unter^runb ter angeblichen Friedensmöglichteit urttemchtet worden, auch in ter Kvonrarckfftzung wvrten über diesen Punkt Brinerla Aufklärungen gegeben. Hier müßten, ehe sich irgend jemand rin abschtteßentes Urteil bil- ; den taim, zunächst rinmal die beiten Herren Mi- j chaeliö und von Vühlmann gehört worden. Tann wird, wie ich schon jetzt glauben sagen zu, können, bas ganze Gebäude des Herrn Erzberger zu s a m m en b r e che n!

Einorsetts aber sei an einen öfferttlichen Aus­tausch von Erklärungen erinnert, ter zwi­schen ter englischen und ber deutschen Re­gierung im, Dezember 1917 über diese Angelegen­heit statt gefunden hat und ter einige Fingerzeige gibt. Am 13. Dezember hat Bal four im Unter» hause auf eine .Anfrage geantwortet, die britifdje Regierung habe im September 1917 durch Ver­mittlung eines neutralen Diplomaten eine Aitt- tcüttng erhalten, ,chaß es ter deutschen Regierung ein Vergnügen bereiten würde, ter brittschen Re­gierung eine Mitteilung über den Fristen zu machen." Tie brittsche Regierung habe geant­wortet, daß sie bereit sei, eme solche Mitteilung entgcgenzunehmen, = bäte ater dann nichts mehr gehört! Dazu bemerkte das deutsche Aus­wärtige Amt:Die temsche Regierung fei es, die Anfangs September durch ueuriwle Vermittlung eine Ans ra ge.üter die deutschen Kriegsziele erhalten habe und zwar in Formen, daß die deuffche Regierung das Borwissen und Einverstärümis ber brittschen Re- rierung mit dieser Anfrage habe annehmen müssen. Die deuffche Regierung sei grundsätzlich zur Be­antwortung dies« Anttage bereit gewesen, ter wettere Verlauf der Ereignisse habe indessen ter deutschen Regierung die Ueberzeugung auf* gedrungen, daß auf ©eiten ber Gegner nichts geschah, um die von ter deutschen Seite be­absichtigteunmittelbare Beantwortung der An­frage" zu ermöglidjen. Darauf erklärte Lori» Ro­bert Cecil am 17. Dezember, die britische Re­gierung habe zwar wiederholt versucht,durch Ministerrriren Ausllärung über die deutschen Kriegszrcle M erlangen, niemals ater fei mit Wissen der brittschen Regierung von dritter Sette eine solche Anfrage an Deutschland gerichtet worden".

Die Mitteilungen, die das britische Drswärttge Amt im September 1917 den Vertretern der ber» häuteten Mächte über einen den t scheu Frie­den s schritt machte und die später von ter Sowjetregiernng veröffentlicht worden sind, be­weisen, daß die britische Regierung ihrerseits keruen Friedensschritt veranlaßt hat, sondern unter tem Eindruck

deutschen Frietensinttiattvc stand.

Es bleibt dabri, die einzige ernschaffe Frie­densmöglichkeit während tes aanzen Krieges be­stand im Sommer 1917 und diese Frietensmögllch- kett hat Herr Erzberger zerstört. Dafür hat Herr Erzberger sich zu verantworten!"

,^'Sknn man von allem Sachlichen absieht, ptmr diese Rede eine sehr wenig erfreuliche Tat, ^!We in einer übertendenziösen Weise die Frage teschuld am Kriege aufrollte und beantwortete H\<i te>6tamtt die Leidenschaften im Volke in einer

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fn als eine Anerkenntnis unserer Schuld am k'lkriege abzugeben, wie sie anscheinend auch dem englischen Telegramm verlangt wurde, mle niemand verantworten. Wenn man un­langen urteilt, kann eene Schuld nur an den ttals verarttwörtlichen Reichsftellen gelegen Kti. Es ist daher zu verurteilen, wenn der tyere wilde Annexiotrist Erzberger einseitige stsrellungen benutzte, um parteipolitisch vor- ^hen und mit seinen Enthüllungen eine sttui zu treffen versuchte, die von den Voc- llem ebensowenig wiMe, hrie die übrigen trtirien.

DieKöln. Ztg." stellt den Zweck der tbe mit folgenden Worten klar:

Erzberger war durch die Angriffe Helffc- ikhs und des Abgeordneten v. Graefe in Ver- idigungsposition gedrängt und kämpfte um in Leben. Hart und rücksichtslos hieb er 'rin, ohne vor den demagogischsten Worb- tdrehnngsküusten zurückzuschrecken. Ein bc- idmcnhct' Beispiel dafür: Graefe wendet sich d i :gen, daß Ungelernte, die durch kei- n i ei Sachkenntnis beschwert sind, heute in <l!st Staatsämter cindringen. Erzbergers so- f^iffischc Dialektik entgegnet darauf:Den lschmut und den.Uebermut, mit dem Herr .'N Graefe von dem Drängen UnbeMit­tel ter an die Futterkrippe sprach, wird ihm kok Volk nie vergessen."

A' Das Beispiel spricht für sich und läßt »ihnen, was ber Opportnnitätspolitiker aus im angeblichen Friedensangeboten gemacht i-ben kann. Bezeichnend ist es auch, wie er stch um den Beweis seiner amtlichen Mission i « cd Wien herumdrückte und auf schwerwie- APlf Ahrcaml1 ^"de Anklagen überhaupt nicht einging.

; Eine Ahnung von Erzbergers jEinseitig- ** »it lassen auch die Erklärungen Helfferichs, >endorsfs und des früheren Reichskanzlers aufdämmern, die im Anschluß an Anklagerede abgegeben worden sind. Ge- ch. es mutz geprüft werden, inwierveit es

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

5n>il!ing$ninö6ru(f u. Verlag: vrühl'schr U»is.-Such- u. Stcin6rpdtrci B. Lange. Schristleimng, 6ef*äft$|telk u. Druckerei: Schulftr. 7.

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»X IIS Vorschlag des Abgeordneten Dr. Hugo

IV vVIVVil mr durch einen objektiven Ausschuß aus

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