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pet1*«lo*to: jwrfhirt a. M. U686

Erster Blatt

169. Jahrgang

Dienstag, 27. Mai 1919

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oderheffen

Swllttngrnillbbrnck «. Verlag vrühl'sche Univ.. Such. u. Sleinbrudertt S. Lange. Schriftleitung. Sefchäslsflelle u. Dmdcrel: Zchulpr. 7.

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«Stilen .'teilt:

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(Eine deutsche Note über dte Verantwortlichkeit am Krieg.

.Versailles, 2S. Mai. <WTB.) Snitc ist T9 Präsidenten der alliierten <vneb<mdtonfere3tj ,Jn der deutschen FriedenSdelega- 109 nachfolgende 'Jt o t e überreicht »norden:

Be LrilleS, 24. Mvi 1919. Herr Präsident!

.Der Inhalt des schreibens Eurer Exzellenz t® 20. ds Mts. über die Frage der Gerant* e?r t l ichkeitDeutschland- für dir Folgen

.viertes bat der bcutfaten Fricdensdelegation bab Jüc alliierter, und assoziierten Regie- ?^9en den Sinn vollständig mißverstanden haben, "'dein die deutsche Regierung und daS deutsche ^n fdg mit der Noto deS Staatssekretärs Lansing

November 1918 skiUs biveigend einverstan- , erklärten. Ilm dieses Mißverständnis anfzu- siebt sich die deutsche Delegation genötigt, '? ölhirrt m und assoziierten Negierungen die Er- Mts'e ins Gedächtnis zurückzurufen, die jener U6c vorMsüinAL.

Der P r Lsiden t der Bereinigten Staaten hat zu verschiedenen Malen feier lut) erNart. daß der Weltkrieg nicht mit eiwcit Mach- frieben, sondern mit einem Recht K^riedech enden solle, und haft 'Jbnert&i mir für diese» Mite<^- ziel hier enthält bad Telegramm eine Lücke, 6k ungefähr »nie folgt austuiüllen ist: . in den tfrtra erngetreten wäre-. In diesem Sinne wurde die Formel geprägt: keine Annexionen, keine .Ihm tri» .butionen. keine ©Irafiabluninr '?Luf der anderen Seile verlangt aber der PioftderU unbedingt die Wiederherstellung des verlebten .R e ch t S z u st a n d e s. Die positive Seite biefei Forderung fand ihren Ansbrnd in beit 14 Ptmklen, die der Priisioent in feiner Botschaft vom 8. Ja- I ur 1918 niederlegte. Sie tex langt von dem beut- s^hen Volk baupt sacht »^h zweierlei: 1 Verzicht auf Hüditigt Teile deS Neich.,ieoiets im Welten und Osten unter dem GesichSpitnkt der Seibschstim- iming: 2. daS Versprechen der WiedeiErstellung derbelebten Okbiete Belgiens unb NordfrankieichS

Äni beide Forderungen konnte sich die deusche Regierung und das deutsch Volk ein- las en, nx*il der Gx^mbsatz der Selbstlesummnng bei neuen demokralstrlkn Dersassung Deutschlant-S ent­sprach und die her zu stellenden Gebiete von deutscher 'Seite durch eine völkerrech-wi.>r.ge Handlung, lnämlich durch Vxrletzimg der Neutralität mit den tSihrecken des .ittvrges überzogen ivorhen »va-en. Das Selbstbestiminungsrechi be< polnischen Volkes lullte übrigens febon die srMiere Regierung eln-nso anerkannt wie das an Belgien verübte IhuTdM. Wenn nun daS durch Staat sekrelär Lansing vom 5. November 1918 an die deutsch Negierung übermittelte Scl>reiben der Entente bim Tkyriss um 'WiederInrstellung der besetzten Gebiete" cniei- lxren Auslegung unterzog so erschien für die beut» fuk Düiffaftiiiig fclbswerständlich, daß die Ersah- Uslicht, die in der Auslegung frftiKlcgt würbe, jUK mcl»t au£ andere Geriete beiicfrcn konnte als ©ic, deren Schädiaung als rcdfJMDibrig zu.ie - Weben war und di'ren Herstellung die leiten dien Staatsmänner der Gegner als Kiiegsziel betont ballen. So bezeichnete Wilson die Wtebergnl- 'niddilung des Unrechts an Belgien in f ilier wl» fdfaft vom 8. Jamiar 1918 ausdrücklich Lls bei- tligen Akt, ohne den die ganze Struktur und Geltung des Völkerrechts für immer er­schüttert fern wurde. Ebenw faste der eng­lische Premierminister Lloyd George in einer Rede im Unterbaute am 22 Oktober 1917:Die Dornebmften Forderungen der britischen Regie­rung und ihrer Verbündeten waren stets die völ­lige politische, territoriale und wirtschaftliche Wie­derherstellung bt-r Unabhängigkeit Belgiens und feine Entschädigung, soweit solche möglich ist« für die Zerstörung f. iner Städte und Proviii«en. D a S ist keine Forderung einer Kriegs­entschädigung, wie sie 1871 Frankreich von Deutschland auserlegt wurde. Das ist kein Versuch, die »losten der M' r i e g f fl b r n n g von einem kriegführenden auf einen anderen abzuwälzen. Was hier für Belgien gesagt wird, mußte Deutschland auch für Nordfrankreich anerkennen, da die deut­schen Heere nur auf dem Wege über die verlebte belgische Neutralität die sranzüsisdnm Gebiete er­reichten. Dieser Angriff war es, wofür die beutfdK Negierung D^mtichlandS Verantwortlichkeit luga1«, nicht aber di e angebliche Schuld an dem Kriegsausbruch oder die äufeerüdK Tatsache, daß die formelle Kriegserklärung von feiner Seite ausgegangen war. Die Bedeutung der Note Lantingö lag für die deutsche Regierung barin, daß die Entsdvd^mgsvflid»! sich mrfx auf die Wiederl-orstellung der Sachwerte beschränkte, sondern auf jeden Schaden (ni'c.ebdmt wurde, den die Zivilbevölkerung im besetzten Ckbiet an der Person ober am Eigentum erlitt, mochte er im Ver­lauf der Krieg-Handlungen zu Lande, zu Wasser oder von der Lust auü berbeiaefübrt fein. Tas deutsche Volk cinpsand die Einseitigkeit wohl, die darin lag, daß man ihm die Wiederherstellung äklgiens und Nordsrankr ichS auserlegte, während man ihm eine Entschädigung für die Gr-biete des beutidten OstenS versagt, die von den Truppen des russischen Zarismus nach einem von langer Hand DorbereitctcH Plan überfallen und verwüstet waren. erkannte aber an, daß der russische UeberfaU nach dem formellen Völkerrecht anders zu beurteilen war, als der Einfall in Belgien und nahm deshalb von einer Ersatzforderung feiner» seits Abstand.

Wenn nunmehr die Alliierten und assoziierten ^Regierungen die Auffassung vertre en sollten, daß für jede völkerrechtswidrige Handlung, die im Kriege begangen ist. Schadenersetz geschuldet wird, so will die deutsdv "Delegation die grundsätzliche Richtis'eit dies.-sStandplmklt S nidit befreiten, ftc macht aber daraus aufmerksam, daß dann auch Deutschland seine erhebliche Scha­denrechnung aufzustellen bat, daß die Sda^nersatzvcrpsl!chtuns7n seiner Gegner, insbe- smcdere (r g nülber der tnrnrfi die völkerredstSwidrvge Hungcrblodadc unenneßltch gefdebigten bcuifdnt Zivilbevölkerung sich nickt ans die Zeit beschränken, wo der Shrieg nock beiderseits geführt wurde, son­dern ganz besonders anck für die Zeit Mtressen, wo eS nur noch eine Kriegführung der alliierten und assoziierten Mächte gegen das sreiwil- lig wehrlos geworbene Deutschland gab. Jedenfalls entfernt sich hie Auffassung der alliierten intb assoziierten Regierungen non der Vereinbarung, btc Deutschland vor Abschluß des Waffenstillstandes getroffen hatte. Sie läßt eine endlose Reihe von Streitfragen am Hori­zont der Friedensverhandlungen ernporstcigen und könnte zur praktifchen Lösung nur durch eine unparteiische intcrna:iona e Schiedsgerichtsbarkeit gebracht werden, eine Schiedsgerichtsbarkeit, wie sie in Artikel 13 Abs. 2 des Entwurfs der Frie- densbedingungen vorgesehen ist.

Tiefer Absatz bestimmt:Zu den Fragen, die im allgemeinen eine schiedsgerichlliche Lösung zu-

Heu? Wendungen.

Vtr l-alton eS heute nicht mehr für wahr- fcheinlick, datz die Friedensverhandluugeil in ^rzer Frist plötzlich abgebrochen werden, ttnn augenblicllich ist wirklich so ettvaS wie Austausch von Meinungen im Gange, ber auch von bet gegnerischen Seite nicht letighd) als Androhung und Aufzwängung zes VtllenS betrieben wirb. ElSmenceau hat der Frage ber deutschen Westgrenze und kJ Saargcdietes, in der die deutsche Partei frtanntlid) wegen der offensichtlichen .Nei-

Frankreichs zu dauernden Gebiets Erwerbungen die wirkungsvollsten Ausdeucle fr» Befremdens hatte firtden können, mit Srrwahrungen geantwortet, die dartun, nhe hf Entente auch weiterhiu ihre Gewaltfrie- hnSmadierei und anttexionisnschen Pläne tmtet einigen SMiffen von internationaler j.echlsstiminung verbergen möchte. Als Sach- h.lter der Geretlstigkeit wird in der Note < 'menceaus der btedere Völkerbund auf» L, nutzt, vor dessen Namen schon jetzt jeder- n mit tief den Hut ziel)cn soll. Wir miiffen der diesen Mißbrauch eines l-eiligen Ra­t'. ms scharf Aurücfroeifen und immer wieder tifbeden, daß ein sehr cgoistiscl)er, Partei- Uier und herrschsüchtiger Sonderbund, der ,Gierendr' nämlich, sich hier mit stolzen in bern schmückt. Seit mann ha beit die ,pazi- t;:ifd>en Streife den Grundsatz anerkannt, baß h- Völkerbunb die Wuchergeschäfte eines j« l abfchneidcrS bei einem Volke besorgen k rf? Mr kommen in diesem Zusannncuhaug c. f bie Darlegungen, die in deS Grafetr f utzau neuer Note über die Verautwort- liDfeit am Kriege enthalten sind. Dort wer­ten nämlich auch wieder^ die Begriffe von Srtbt und Bölkerversöhnung zurechtgerückt. Dcu: chland wehrt sich mit al en feinen Kräften t gegen, daß in der neuen Weltfd)öpfung fein ^tind) von nationalen Interessen kultureller uib politischer Art einfach als die Hölle gel­t'i soll, während die Erfinder der Hungev- 1 '«labt, der WasfenstillstandSmarter als un- slütildvolle Engel im Himmelreich schweben tib Gottvater die Gesetze vorfchreiben wollen. jL r geben mit Brockdorss-Rautzau auf das zu- pi(f, waS Wilson früher gesagt hat und was Lil sein Softem uns erscheinen muh falls kr früher offen und ehrlid) war. Da gibt fftme Zweifel, daß wir iin November mit An- »ahme der Note Lansings entfernt nicht daran Igel)ad)t haben, unS bei den Friedcnsbcdingun- kn die Schuld am Kriege anrechnen zu |u lassen. Wenn wirklich der Sd)ein de! BöllerbundeS die Schöpsung einer neuen do'.itischen Weltordnung bestrahlen soll, so kurfen wir verlangen, daß die Streitfragen bttd) eine u n p a r t e i i f d) e internatio- üal e Schiedsgerichtsbarkeit zur iäsung gebracht werben. In dieser Richtung Serben fid) wohl aud) die Schritte benagen, btt unsere Regierung nach der letzten Äuitb- nrachung der Entente, in der nur bie Aeude- n ng einzelner Stlaufcln zugestanben wirb, nrdj tun wird. DaS Verlangen Fod)s nach ^eremplarischer SB3lebergutmad)ung" Ie<)iit 'nen keineswegs die uns vorgezeigte Mijd)- fr'burt eines Gewalt» und Jdealfriedens. Die "«estizenfarbe muß aus dem FriedeirSvcrtrag heraus I

Wir haben schon jetzt die besten RechtS» stnd EntlastungSzeugetl in den liberalen Krei­sen Englands und Amerikas aufzuweifen. Ter a ierikstnifd)e Delegierte Bullitt, dessen Pro- 't r gegen den Gewattfrieden wir vervffent- -icht haben, ist ein persönlidfer Freund WU- "ts, ein Stück von dessen besserer 93er- 3ingenl)eit. Am Freitag soll in dem Hotel, die amer.kanische Abor> rmng ihren Sitz ^'üqeschlagen hat, zu Ehren BullittS ein Dner stattgefunden haben, an dem 20 Mit- nlcbtr der Abordnung teilnahmen. Will ^-Uson trotzdem an die Tafel gehen, wo der ^«hehungcr gesättigt werden soll?

lasten, gebären Streitfragen über bie Aullegung' eines ü.*er alle Punkte des interndtio l

nfll<*n R?ct»t.', über ba^ Benetzen ieber Tat adre. bereit @«ieten eine Verletzung einer interndtio- nuLit Vkiv liöuuii't bedeuten würbe, oder über bie Au.-bebnmi unb Art Oer Wiedergutmachung, bi. im Falle einer solchen Verleitung »u leisten wäre "

«iure E. zellenz weilen ferner in Ihrem Schrei beu vom 20 Mai darauf hm. daß nach den GiunbfSiMt des internattonalen Rechts kein Volk bu.di eine .Veränderung feiner pvlilifchen Re- gxTungviorm ober burd) den Wanbel in ben Personen ferner Führer bie von seiner Regieruiig einmal emgegangene Verpflichtung zum Erlvichen bringen kann Tie deutsche Friebensdelcgdtion ist nx'it bnvo.i entfernt, bie Richtigkeit dieses Grund­satzes za bestreiten: sie vcnvahtt fid) auch nicht gegen die Dinchsührun-l des durch das Angebot der früheren Regierung vom 5. Oktober 1918 du- geleiteten Abkommen , sondern gegen bie in dem Fliebenc'entil'urs enthaltene B e st r a f u n g für bie angeblichen Ergeben (einer früheren politischen und m-laäriidxn Leiter Der Prusibent der Ber­einigten Slaaten von Amerika erklärte am 4. De- »entber 1917, baß oer Krieg nicht mit einem R ackealt irgendeiner Art beendet werben solle, weit bie u-verdntwoctlichen Herrscher eines Lan­des ihrertei s schweres veiabsch-uungewürbiges 11 n reckt begingen Die deutsche Delegation beruft fid) nickt «ui diese unb dlmlitbc Zusagen, um sich irgendwelchen Völker recht! ichen Verpstichtungen zu entziehen, ain-r sie fühlt sich berechtigt, an sie ?>u erinnern, toenn man dem beulsdien Volke bie ^>iantreortung für bni Ausdruck bes Kriege^ und bie Haltbarkeit für alle Kriegsschäden auf eilcgen will.)d) in ben öffentlichen Verhaub- lu g n kurz vor Abschluß des Waiieustiilstandeö wurde dein deutschen Volke versprach, n, daß TeutscklandS Schnllal eme grunblegcube A cube - rung erjahren würbe, wenn man von be m seiner Herrscher trennen würbe Tie dcuticke Delegation mache bie Warte Eurer Exzellent nicht batzin verstehen, baß biefe Zusage der alitierten unb allozitertcn Regierungen bamalS mix eine Kriegslist war, um den Widerstand des beutidh-m Volles zu lähmen unb baß bie Zusage heute zurück genommen werben soll.

Sch i- ß ich mache» Euer Exzellenz g.ltend daß bie oltiirrtni tut» afivjwerten Rtächle daS Recht balxn, De'tichianv itad) benfelben Methoden zu (x-M wein bie es beim Frankfurter Frieven unb beim üdeben von Brest-Litonllk feinerseits ange- runbet habe. Tie deutsche Tdega um unterläßt es bvdänfig, »u prüfen, timytetorit fick jene beiden Fri»d» nsfchlü fr von dein Henle vorigen den Frie- t<iit<nhinirt untedd)eibcn, tk-mt für t*c alliierten unb alfoAirrten Rrgirrungen ist eS h.utr zu spät, um auf feine Piäiudzien einen Rechtsanspruch zu gründen. Der Ati ienblick jnerfür ivar gekom- rm-n als sie vor der Wal)l fttmbm, die 14 Punkte PialiberUeu brr Vereinigten Staaten von Ame­rika als Jrü'dcnsbasis anzunehmcn oder abyu- lt*bnen In diesen 14 Punkten .vurde auSbrüd- lidi tic Wiedergutmachung des Un­rechts von 1870/71 verlangt und vom Frieden von Brest-Litowsk als v^n einem absckreckeitdi'N 2'<ispiel gv p.ockxm. Die allii r eu unb as oziierten Rigierung.ii liabet tS damals abgeleimt, einen (Oeinaljfrieben her Bergangeiilieit zum Musbr zu nehmen. Das beutfdx Volk, bad niemals die Ver <mtit»it1tri)Mt für den Ausbruch des Krieges aut sich genommen hat, kann mit Recht verlangen, daß rinn feine Gegner mirteilen, aus we 1 chen Gründen unb mit welchen Beweismit­teln sie feine Schuld an allen <5d>6bcn und Leiben be<fe5 Krieges alS Unterlage ber Friedens Ixbingintgai mndKit. Es kann sich balyer nidM mii ixt Vemc'rTnng a;fpfen lallen, das von den all.urU'g unb as oziirrt.-n Regierungen durch eine (x-fenixere Kvmmiiston in ber Frage brr Veranl- niurtlid>fdt gesammelte Material fei eine innere Angelegenl^it dieser Regiennigrn. Diese Le- benslrage bes beutschen BolkeS muß in aller Oeffentlrdikeit erörtert we» den: die Methoden ber Geheimdiplo­matie fiubdierbei nicht am Platze. Tie btutfdK Regierung IcW'.t sich vor,, aus bie Auge- legentirit zurückzukvmmeri.

Genehmigen Sie Herr Präsident den AuS- bmd meiner audgcjcidjnetm Hochachtung!

grj. Brockdorsi-Rantzau.

dlemcnceaus Antwort über die west- grenz« und dar Saarbtdcn.

Versailles, 26. Mai. (Wolff.) Die d e u t s ch e D e l e g a t i o n hat aus ihre beiden Noten zu den Bestimmungen des Friedens­vertrages betreffend die deutsche West- grenzc und das Saarbecken von Ele­mente au nachfolgende Antwort er­halten:

Herr Präsident!

Ich habe die Ehre, den Empfang Ihrer Schreiben vom 13. und 16. zu bestätigen. Da bie beiden den nämlichen Gegenstand betref ftn, ziehe ich vor, sie zusammen zu beanb warten.

Was die in diesen Schreiben niedergeleg- trn allgemeinen Bemerkungen betrifft, so bc streite ich feierlich ft int Namen der alliierten und assoziierten Regierungen, daß, wie Sie behaupten, im Friedensvertrag deutsche Ge­biete gleich Seyachfiguren zum Gegenstand eines Handels zwischen verschiedenen Souve­ränitäten gemacht werden. Tatsächlich werden die Wünsche der Bevölkerung der sämtlichen besetzten Gebiete in Berücksichtigung gezogen werben. Die Modalitäten dieser Volks­befragung wurden im Hinblick auf die ört­

lichen Verhältnisse mit Sorgfalt erwogen. In dem an Belgien abgetretenen Gebiet ist der üiicitthdien Meinung iede Freiheit gewäbrll't- ftet, um ttd) binnen einer Frist von sechs Mo- na:en auezusprechcu. Die einzige Ausnahme wird gemacht für denjenigen Teil von Prcu- ßisch'M i' r e s n e t, der sich westlich der Strafte von Lüttich nach Madien bindebl, dessen Be­völkerung weniger alS 500 Einwohner unv* 'faftl und dessen Waldbeftand an Belgien ab- getreten wird als Teil der Wiedergutmachung kür die von Deutschland in Belgien iwrgO nominelle Zerstörung von Walddestünden.

In Bezug aus S ck l e S w i g ist zu benter- len, daß fid) die Bevölkerung aus Wunsch der dänischen Regierung unb deren Bcvülkcrmig mit der Angelegenheit besaßt.

Die vorgeschlagene Abgabe von deut­schen Kohlen - Betriebs - Aktien ivürde eine schwierige Lage für die sranzösv- schen ?lklionäre schassen. Die vollständige llcbergabc der in der Nähe der französischen Grenze liegenden Gruben ist btc einfachste Entschädigung für die in Fran kreid) zerstörten Bergweile Gewisse Stellen in vom 13. Mai scheinen eine gewisse Ungenauig- leit der Auslegung unserer Artikel zu verraten. Um die Höhe ber Zahlung in Gold bei einem evCiitl. Rückkauf der Bergwerke im Saargebiet zu vermeiden, beschlossen die alliierten und assoziierten Regierungen, diese Beftiinntung zu ändern. Sie schlagen vor, der Bestimmung folgende Fassung zu geben:

Die Verpflichtung Deutschlands, seine Zahlung auSzuiübreu, wird uon der Entscha- digungskommission in Erwägung gc ogen werden. Deutschland kann eine Hiipothck da­für geben, bereu Höhe die Kommission bestim­men wird.

Allgemeine Mobiln achung Iw Belgier».

Amsterdam, 26. Mai. (Wolff.) Der Mederlanbisd>en Telegravl)en-Agentur toixt gemeldet, baft die belgische (Mrenjcae- sd> lossen worden ifL Niemand bars Bel­gien verlassen. Im Zusammenhang mit dem Ablauf bed der beutschen Dclegatton bewil­ligten Termins am 89. Mai wurden alle Mi- Iitärurlaube rückgarrg.g genta hl und bie all­gemeine Mobil m a ci- u ug ungeordnet.

Der Kampf der Engländer gegen die Afghanen.

Sim la, 25. Mai. (Wolsf.) Reuter. Der afghanische Oberbefehlshaber sandte an den britischen Beausttagten am Kaiberpast einen Brief, in dem er um Einstellung der Feindseligkeiten ersucht.

Sin Lieg nngnrlfcher Truppen.

Budapest, 26. Mai. (Wolff) UvgansLes Eore.-Bureau Der Feind zieht Jii) in aus»> lösten Be banden gegen Saio Szeut Pe­ter, Szikszo unb Tis -1lue zuiück, von un* feren ftvgtviljm Tnippen verfxlgt. Ain 23. Mai marm bie in bet Umg- lnntg von Miskolcz fhiell iusainnt«igezog'->>en t(d>edliifdi-rum&- n i s heu Truppen zu einem f.ljnteibion ökg< n- anfliiff über gegangen; ber Ibirnpf bauerte erbittert bis zu in 24. Mai oormitiaod mt. Tie Misvd< szer Arbitersckaft, von £<nrbln bewaffnet und ein- »teilt, fönirfte neben Budapesei Arbdlmegimew tem. Tie Verluste tx-d Feind S sind s. In groß; bas anS siebenbüvg shen Rumänen ge'nwete 61. 3nfaiiterie»fllegimcnt nnirbe ruilie.m verniiart. In ber Gegend vvn Putnok ivarfnt unsere AbteiB luivgon den Feind über daS Bueckg birge zurück und erreicht en den Sajo unb bod Nimatal.

Die £oslöfungsbcftretunflcn im Rheinland.

Berlin, 26. Mai. iWTB.) DieKSlnische BottSzeitung" glaubt mitteilrn zn können baß. bie SelbstäubigmackungSbestiebun- n e n gewiifer rbnnlänbifdier Kreift nicht ohne Borwifscn bei Re i ch S r e g i e r u n g sich abspielen unb baß bie «kivrcduingen, die ein­zelne rheinische Politiker mit dem französischen General Mangin hatten, vorher unb auch nachher der Regierung in Berlin unb ber Friebensdelegation in Versailles berichtet feien Das Blatt sagt fchließlich: Wenn bie Reichs- regierung damit rinoerftanben war, kann eS eine rheinische Zeitung wohl auch sein

Demgcgcnüler sei untren heutig festgestellt, daß roeber die prx-ußische noch bie ReichSregierung von biefen Berbanblungen vcrstänbigt rear unb haft von einem Einverstanbnis nicht im entferntesten bie Rede fein kann. Im Gegenteil, die Reich-regierurw steht nach wie vor auiS entlchiebenste auf hem Standpunkt, baß diese läge, in denen die Existenz bed gan^m Rdd»eS durch bie FriebenSbebingnngm in Frage gestellt ist ft cf) am allerwenigsten dazu eignen, grund­legende unb rein interne deutsche Angelegenheiten zu erörtern, alS twldje fid) bie Errichtung neuer Bundesstaaten unbedingt barfldlen müssen.

Aus der Pfalz.

Die Franzosen setzen ihre brutale Ber* gewaltigunaspolitik in der Pfalz fort. Sia haben jetzt den Regierungapräiidenten Dr. v. Winterstein zwangsweise außer Landes gebracht, glciducitig haben die 21 LandauLH