Samstag, 26. Juli 1919
Erstes Blatt
169. Jahrgang
bgrüben vor allen Dingen die vom Ministerpräsi- Hitcn angcfünbigte Einführung der obligatorischen
Dr.
das
Darauf ergreift
Reichöfir.anzminister Erzberger
Wort:
Ist das alles? Das ist die einzige Frage, die ich an den Vorredner zu richten habe. Soviele Anklagen in Berlin und hier, und so schwack>e Begründungen. wie in einer beliebigen Agitationsrede. Wir nehmen den Kampf auf und wollen ihn gegen die Partei des Vorredners mit aller Entschiedenheit und Rücksichtslosigkeit führen, int Interesse des deutschen Volkes. Die Wiederkehr der deutsch-nationalen Elemente würde den politischen Ruin des deutschen Vaterlandes für die Zukunft bedeuten. Das Deutsche Reich ist eine Republik und wird eine Republik bleiben trotz Herrn Graefe und, aller anderen. In langen Jahren parlamen-
Weimar, 25. Juli. Molff.) Der 2lbg. Mittelmann (D. Vp.) brachte fol-i
tonnen. Eine ehrliche Demokratie Hütte unserem Volke die Entscheidung überlaseit, anstatt ilym mit dem Gaukelspiel des Waffenstills andes zu kommen. Hart auf den Tisch scktlngend. hat Herr Erzberger als erster das gemocht. Ter Redner führt bann eine
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torischer Arbeit habe ich politische Fehler begangen. Den Weltkrieg habe ich nie propagiert. Ich habe mich aber zuerst öffentlich zurückgezogen. Seitdem bin ich immer schamlos angegriffen worden. Ich habe immer das beste für das Vaterland gewollt und au cf) dafür gearbeitet. Ich wünschte, meine Gegner hatten ein so gutes Gewissen rote ich. Wer, wie Herr Graefe, im Glashause sitzt, darf die Regierung nicht als illusionistisch bezeichnen. Wer hat denn vier Jahre lang das deutsche Volk von einer Illusion in die andere gestürzt? Deutschland hatte vier Jahre lang überhaupt keine politische Regierung, sondern eine Militärdiktatur. Es war das Unglück des deutschen Volkes, daß es seine Militärs herrschen und die politische Vernunft nicht zu Worte kommen ließ. Mehr als einmal waren FriedensmSglichkeiten vorbanden. Jetzt haben wir nicht mehr zu schweigen! Mtnde- stens zweimal konnte ein ehrenvoller Friede zustande kommen. Tie Rechte mit dem Militär zusammen hat sie beidemal verhindert! (Große Bv- twgimg.) Tas belgische Problem war das größte Hindernis. Ter Mftttster verliest dann einen amtlichen Bericht, narb; welchem Schwerinduftrielle große Werte in Belgien zu Gunsten der grvßtam- talislischen Interessen Teutsthlands erwerben sollten. Ludendorff und 6 et ff end) seien der Ansicht genesen, daß man das deutsche Volk vor vollendete Tatsachen stellen mußte. Tie Men sind in bel-
Anzahl sozialdemokratischer Aeußerungen an, daß die Politik des Neici-stags seit dem November 1917 nicht mehr unter dem Einflüsse der Alldeutschen stand. Und jetzt sollen die Alldeutsck-en die Träger der Politik vor dem 10. November 1918 geivesen fein? Das heißt Sand in die Augen des deutschen Volkes streuen. (Andauernder Beifall rechts und Widerspruch links.) Aber der Schlimmste aller Annexionisten .. (der Redner blickt auf den Minister Erzberger; langandauernde starke Heiterkeit). Ter Redner legt das bekannte Annexionsprogramm des Ministers Erzberger aus dem November 1914 dar und fährt fort: Dieses AnnexiHnsprogramm können Sie nicht ableugnen. So feljen die Annexionisten aus, die Sie uns beute auf einmal in die Schuhe scksteben wollen. Ich zweifle nicht, daß Herr Erzberger hernach allerlei vorlegen wird, was die Annexionslust der alldeutschen Kreise in der obersten Heeresleitung beweisen soll. (Minister Erzberger: Mlerdings.) Ich bin überzeugt, daß es Ihrer Geschicklichkeit und Gewandtl-eit gelingen wird, durch irgendwelche Enthüllungen sich hier im Hause eine Begeisterungsatmosphäre zu schaffen. Ick; halte aber den Nachweis für erbracht, daß der Minister ihm bekannt gewordene Geheimnisse in einer so schwer schädigenden Weise für das deutsche Volk verwandt bat, daß er unmöglich noch Vertrauen finden kann. Wenn er auch nicht im feindlichen Solde gehandelt hat, so hat er doch so gehandelt, als ob er im feindlichen Solde gestanden hätte. (Langanhaltende Unterbrechungen.) Ter Redner spricht unter andauernder großer Unruhe und Schlußrufen ans dein Hause weiter. Was hören wir in der Rede des Mmisterpräsi- denten? Tas arme unschuldige Belgien spielt die erste Rolle in seinen Darlegungen. Werktätige Liebe soll unsere Nevanck)e gegen Frankreich sein? Von den Brutalitäten weiß er kein Wort zu sagen. Als höchstes Ziel unserer auswärtigen Politik bezeichnet er unfeien Eintritt in den VölkerbuM. Hat er gar kein Gefühl dafür, wie solche demütigenden Freundlichkeiten und Untertoürfigteiten auf das Ausland wirken werden? Und wie die äußere Polttik, so ist auch die innere Politik der Revo- luttonsregierung völlig zusammengebrochen. Tas abgedroschene Wort „Freie Bahn dem Tüchttgen" hat sich schon lange venoandelt in das Wort „Freie Bahn dem Gesinnungstüchtigen — ran an b'e Futterkrippe!" Den wilden Lohnstreikereien steht die Regierung völlig hilf- und machtlos gegenüber. Jetzt kommt man mit der Sozialisierungs- politik und mit einer Steuerpolitik, die einfach eine Vermögenskonfiskation bedeutet. Trotzdem wird man um den Staatsbankerott nicht herum- Eommcrt. Uebcrall totale Auslösung jeder Ordnung, jeder wirtschaftlichen Betätigung. Wir wollen daher der Regierung unser Mißtrauen in aller Form aussprechen. Im Lande sehnt man sich trotz all seiner Mängel nach den Zuständen unseres alten Systems zurück. Es werden noch schlimmere Zeiten kommen. Aber wir geben den heftigen Glauben nicht auf und bi? yri^e Pflicht, diese Regierung zu bekämpfen, wo wir können. Wir sprechen ihr mit allen Gründen unser Mißtrauen aus. Wir wissen, daß wir mit einem solchen Antrag eine weitgehende Resonanz im deutsckxm Volke außerhalb des Hauses finden werden. Tie Schlußworte des 9i ebner 3 geben unter dem lauten Lärm von links und dem Beifall von rechts verloren.
Hnnal^mt von Anzeige« f. die 4.ageenuminer bi3 zum Nachmittag vorher obneiebe jArbüiblirtiteit Drets für \ mm Höhe für An eigen u.34 mm freit« örtlich 15 Pi., auSwäitS 18 Pi., für Reklame- anzeigen von 70 mm Vre ie 48 'Vf. Bei Platz- vorlchrui20°/.,Austchlag. Hauptfchriitteiler: Ang. Goeiz. Verantwortlich für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Remholo Jenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen
f-rai finanziellen Wiederaufbau dürfen nicht zur I shsaugung des Produktionskapitals führen. Wir
bgrüben vor allen Dingen die vom Ministerpräsi-
prüsen! Wir haben unsere Armee vor einem neuert Sedan bewacht. Am 6. November bekam ich ben Auftrag ftch babc mich nicht dazu gedrängt), dis w-eiße Flagge am 8. November morgens zu ziehen, also zu tapitulieren, und zwar mit Zustimmung der Obersten Heeresleitung. Hatten Sic (nach rechts) es verantworten können, daß die Feind« verwüstend durch unser Vaterland zogen? Ter Umsturz in Deutschland soll den Waffenstillstand erzwungen halxm. 'Aber Hindenburg befahl, wenn imsere Forderungen nicht durchsusetzen feien, so sei trot-bihn der Waffenstill and abzuschließen. Ich stelle fest, die Friedensresolulion hätte Erfolg haben, müssen und röttncit. weim dieser Grundsatz bei der Gelegenheft bc~ Fricdensuote des Papstes angewandt worden Tvdre. Ter Zusammenbnich Teulsck/- lands ist nicht durch die Revolution, sonder rt durch die konstante Täuschung der Militärs bedingt worden. Nicht die Friedensresolntion hat die deutsckw Widerstandskraft gelähmt, sondern der Zusammenbruch ist erfolgt durch den Mangel am innerer und äußerer Einsicht der Konservatit'en und der Obersten Heeresleitung, die das beunebe Volk einschüchterten und terrorisierten und dieses 3iel auch jetzt noch fvrtsetzen. Die Geltung der Regierung und der Mchrheitsparteien hat ein Ende! Ich werfe die Frage auf, ob denn am 22. Juni überhaupt noch die Möglichkeit einer anderen Stellungnahme als die Unterzeichnung bestanden hat. Ich stelle fest, daß ich in der ganzen! kritischen Zeit durchaus loyal gehandelt habe. Ich habe aus meiner Auffassung fein Hehl gemacht und in der Vorbesprechung des Kabinetts, bie zur Klärung der Frage wesentlich beigetragni hat, schließlich erklärt, daß ich aus der Regierung aas-, treten würde, 'nrnit die Fri eben smi ter zeichn ung- abgelehnt würde. In diesem kritischsten Augenblick der deutschen Geschichte mußte gejubelt werden. Mit Freuden erinnern wir uns der Erklärungen, der Abgeordneten Schiffer und Heinze, daß unsere (Sntfcbeibung ans dem eh lichen Willen ge roffett worden sei, unserem Vaterlande zu dienen. Die Deutsch-Nationalen haben sich dieser Auffassung nichtangeschsos en und sich tamft stlbst ein unrüljm* liches Zeugnis ausgestellt. (Lebhafte Zustimmung.) Ter Vorwurf und der Uebermut, der aus der Wendung des Abgeordneten Gräfe spricht, '/viel hätten uns an die Futterkrippe setzen wollen, wird von dem Volk dem Vertreter einer Partei nicht vergessen werden dürfen, die Jahrzehnte selbstj an der Futterkrippe gesessen hat. Wir haben den Gewaltfiieden annehmen müssen, rocil kein anderer ^Ausweg bestand. Wir haben die Verantwortung, übernehmen müssen für das, was Sie verbrodjew haben. Wir werden aber niemals zugeben, daß, sie mm versuchen und die Veraulioorttmg, die auch Ihre Sckmld ist, zu unserer Schuld zu-machen unb uns heuchlerisch mit Hohn Unb Spott zu über-’ gießen. Der Friedensvertrag ist die Schlußrechnung .eines Krieges. Wer den Krieg verliert, verliert den Frieden. Wir aber haben den Strieg verloren. Düften igen, die sich in unDenrirnftigcm, ttotzigem, verblendetem unb verbrecherischem Eigensinn der Mög»- lichkeit eines ehrendsten Fliedens cntg gensttt.'ten^' und wenn sie hundertmal durch ihr lautes Nein! ihre Hände in Unschuld waschen wollen, sie werden bie Schuld nicht los weder vor uns noch vor der Geschickste, nod) vor ihrem eigenen Gewissen. (Stür- lmischer Beifall, der sich auch auf die Tribünen fortsetzt.)
Nach persönlichen Bemerkungen wird die 2Bei* terberatung auf Samstag den 26. Juli, vormittags ValO Uhr, Vertagt.
Schluß 8V2 Uhr.
Der Palazzo Caffarelll.
Schiedsgerichte. Unser ganzes Wirtschastsprogramm birat dem Gedanken, aus unferm zerrissenen Volk Htber eine Einheit aufzubauen, denn das ist die - Loranssetzung zu einem Wieder ausstieg. Von bie* afrm Standpunkt aus bat uvs die Regelung der Ikchnldfrage mit der tiefsten Besorgnis erfüllt. In |hur dlugenblick, wo wir die Einheit des Volkes |"fp nötig haben, wird ein Schulkompromiß abge- ' ftli'ssen, daß unser Volk in seiner Grunderziehung «nisemanderreißt. Dieser Entwicklung gegenüber herben wir auf dem Boden der Einl^eft unb Freil>eft Sitb eines starken Nationalbewußtseins an dem
logramm der R ichsreg'erung mftzuarbciten .chen. (Lebh. Beifall bei den Demokraten.)
Abg. von Gräfe (D. Ntl.): Tie jetzige Re- • itenmg unterscheidet sich von ihrer unmittelbaren Lrgängcrin nur dadurch, baß ein Teil her alten Mitarbeiter ausgeschifft wurde. Die Ministerien haben das nur bestätigt. Clwrakteristisch nschien mir das Geständnis des Ministerpräsiden- h. Er verzichtete darauf, bie Errungenschaften kr letzten 8 Monate aufzuzäblen. Herr Ban-r, dir bas die Geste des stolzen Bewußtsnns? Gute kare lobt sich selbst, ober Vorsicht und Rücksicht [if denjenigen Kollegen im Ministerium, der die ti.ieMliche füllende Stellung hat. (Große Un* n!>* links.) Als Opposition haben wir keine Der- eilassung, Ihnen den Rückblick zu schenken. Wir Neffen uns genau ansehen, wodurch die jetzige Itgimntg und ihre unmi'telbare Vorgängerin auf it Platz Bismarcks gekommen sftid, um sein Werk zerstören. (Großer Lärm links.) Wir müffen
' Gründe unserer Regierung nachprüfen, wes* lb wir die Regierung und ihre Taten als ein theil für unser deutsches Volk ansehen. War r Weg, auf tem sie die Monarchie stürzten, der ilk- der Mehrchit des deutschen Volkes? Tas al'lresultat gibt Jlpien fein Reckst dazu. Ten ^blmvdus haben Sie sich aus eigener Mercht- bllkommenheit der Revolution so gestalten fön* »n, wie es Ihnen günstig erschien. Haben Sie rr eine ursprünglich republikanische Mehrheit in Hem Hause erzielt? Tie Berufung auf die Mehr- kit dieses Hauses ist ein Trugschluß. Sie kam Stande durch eine Vergewaltigung des deutschen kckkes (lebhafte Unruhe linkst, wie man dem kn tickten Volke jetzt eine republikanische Verfassung kg en den Willen seiner Mehrheit aufgezwungen kl. Möglich würbe die Vergewaltigung der Mehr-
L durch di - Mi b-rljcit nur, well das deutsch^ Volk, Uri) bie Schrecknisse des Striegel zermürbt, Friede frb Brot verlangte unb alles über Bord wirf, kmt ihm dafür bie Aussicht auf Friede unb Brot ItMxten wurde. Wenn auch manche Phantasten hot und Friede erwarteten, so haben doch unenb- m Viele lediglich zur Beftiedigung ihrer polifi- fcn Macktgelüste das deutsche Volk in seiner ge*
Tas Friedenswerk Wilsons wurde salvlicrt durch die Erklärung des U-Boot-Llstieges. Ter Abg. Dr. Graefe hat sich mit einer Darstellung des Grasen Wedell m den Hamburger Nachrichten bcschäsfigt. Ich bin dem Grasen Wedell für sein Hervortreten dankbar. In seinem Artikel bestätigt er zweierlei; Tie 91otn.cnbigfeit eines Fnedenssckstusses im Jahve 1917 mib die Möglicksteit dazu. Gegenüber dem Grasen Wedel! halte ick) aufreckst, daß ich im amtlichen Auftrage in Wien war. Von dem Jrn- mediatberickst des Grafen Czeniin an beit früheren Kaiser Wart Ijat der Graf Wedell nur einen Satz geschrieben. Er habe im Großen Hauptquartier nicht den gewünschten Eindruck gemailt. Der Berickit des Grasen Czernin wird in den Nächsten Tagen veröffentlicht werden, und da mag sich jeber ein Urbeil darüber bilden, ob man diesen Bericht mit entern so nichtssagenden Satz so abtun dürfe. Dieser Bericht ist nur seiner Zeit frei zur Verfügung gestellt worden mit der einzigen Bedingung, über seine Herkunft zu schweigen. Ich fühle mich zur Diskretion verpflichtet und werd« den Namen des UcberbringerS nicht nennen. (Andauernde lebhafte Bewegung.) Wenn Herr Graefe mit seinen Behauptungen hat zum Ausdruck bringen tvollen, daß ich von Oesterreich bestochen sein soll ober im österreichischen Sold stehe, oder hat irgend zum Älusdrluck bringen wollen, daß ich auf Veranlassung Oesterreichs meine Stellung zur Friedensfrage eingenommen habe, wer es wagen sollte, das erste oder das zweite sich zu eigen zu machen, den erlläre ich für einen gemeinen Lügner unb Chrabsckflieider. <Beifall.) Von diesem Brief habe ich meinen Parteifreunden in Frankfurt a. M. Kenntnis gegeben, toobei bie absolute Gewähr bestaub, daß aus diesen Kreisen nichts herausgekom- nten ist. Wer behauptet das Gegenteil? Sie Herr (Hugenberg? Warten Sie ruhig. Sie sind mir gerade der richtige. Graf Wedel behauptet, daß eine rl>einische Zeitung darüber berichtet habe. Er war aber so schamhaft, den Namen nicht zu nennen. Es ist nämlich die ,,Nheiniick--Westfälische Zeitung". Glaubt denn wirllich irgend jemand, daß diese Zeitung von' mir oder vom Zentrum informiert worden' sei? Oder bestelst nicht beispielsweise auch bie Möglichkeit (ich behaupte es nicht, aber es besteht bvch bie Möglichkeit), daß bie Oberste Heeresleitung, bie den Be- rickst auch gehabt bat, rhn in diese Zeitung lan- zstvt hat. Im weiteren Verlauf seiner Rede kam Ev-berger aiif die Ereignisse im Juli 1917 zu sprechen unb erHärte: Meine Rede vom 6l. Juli 1917 wird in den nächsten Tagen in einer Broschüre: Warum mußten wir nach Versailles gehen? veröffentlicht werden, unb ich bin überzeugt, mancher wirb sagen, wenn er bie Rede gelesen hat, wie war es nur möglich, daß über eine solckie vernünftige Rebe ein solcher Spektakel in Deutschland gemacht werden konnte. Am 1. August hielt der Reichskanzler seine Rede mit dem Grundgedanken, daß alle Friedensangebote aussichtslos seien. Er weigerte sich eine klare Erklärung über die Neutralität Belgiens ab^ugeben. Am 30. Aug. erhielt der Reichslanzler durch den Nuntius ein Schreiben, in dem ein Angebot Englands Vortag, dem die fianzösische Negierung sich angc- schlassen habe, bie kaiserliche Regierung möge sich über die Unabhängigkeit Belgiens erklären unb Garantien für wirtschaftliche, politische unb mi- litäriscke Unabhängigkeit des Lmibes zu geben, eine versöhnende Antwort werde einen guten Fortgang der Friedensuifter Hand: ungen erleichtern. (Große Bewegung.) Wir haben hier einen amt- lick^n Schritt einer neutralen Macht, die durch ihre Organisation unb Ideenwelt lvie wenige in der Lage zu beurteilen ist, wenn ein Friedensschritt Aussicht auf Erfolg bitte, hervorgegangen nicht aus eigener Initiative, sondern um einen ausdrücklichen Versuch ber englischen RegieriMg mit ausorücklicher Ermächtigung der frmizösischen. Die Erlaubnis, bie Note zu veröffentlichen, ist vom Papst ein- geholt, aber noch nicht ein getroffen. Was aber geschieht in Berlin? Man würde es nicht für möglich halten! Vier Wochen gibt man den Ministern keine Anttvvrt. In einem Schreiben vorn 24. September wird abgelehift, eine Erklärung abzugeben, weil bie Vorbedingungen für bie Abgabe einer fo leben Erklärung noch nicht genüg en b erörtert seien. Also ein amtlicher biplomafischer Bericht für rin Volk, bas m der größten Not schwebt, wirb vier Wochen lang nicht beantwortet, beim man erklärt chu nicht für genügend. (Große Bewegung.) Ende September war ich in München. Ich kenne den Nuntius seit längerem als persönlichen Freund. Er kam mir mit Tränen entgegen unb sagte: Nun ist alles verloren, auch Ihr Vaterland! Die armen Völker! Damit war der von England über den Heftigen Stuhl ein» geleitete Versuch erledigt. Das ist das Tragische, das Entsetzliche! Man kämpft für den Frieden unb bann kommt es so! Da kann man nicht schweigen! Wir müssen bem deutschen Volke faoen, wer zwei Jahre "lang gewissenlos irregeführt ist. Hatte es diese Din-ge besser gewußt, so hätte es einfach den Frieden erzwungen. Ende September war die vom ehrlichen Willen vom deutschen Reistag getragene Friedenspolitik des verständigen Ausgleiches durch die Agitation erledigt, die Hoffnungen, bie auch bie wideren Völker hatten, mit einem Schlage vernichtet. Deutschland ist mft offenen Augen in den Tod bin» cingaxnurt. So kam das Jahr 1918. Jeder Versuch, zur Vernunft zu neben, wrrrde mit militärischen Mitteln niedergeschlagen. Antwort war, man möge noch ein Weilchen warten. Und dann kam Ende September dw restlose militärische Zusammenbruch. Alle diese Tinge werden in den nächsten Tagen dem deutschen Volke übergeben werden. Tann tarn cs raff) bat Akten selbst
i LnthNungen Erzbergers über Zriedensmöglichkeiten.
Die gestrige Nachmittagssitzuug der Na- tttionalvcrsammlung wurde zu einem großen Tage für Reichsminifter Erzberger, der auf Angriffe des dcutschnationalen Abgeordneten t'iäfe unter den Worten: Das deutsche Volk soll die restlose Wahrheit erfahren, schwer- M'gende Enthüllungen über Friedensan- (jtbote im Jahre 1917 machte, die von der taiualigen Iiegierung nicht ausgewertet tour- hn. Wir können heute nur den Sitzungs- ittickt toicdcrgcben und müssen es uns vor- lchalten, später auf die Enthüllungen Erz- bergers zurückzukommcn.
Nachmittagssitzung.
Vizepräsidmt Dietrich erösfiret die Sitzung wn 3.40 Ulyr.
Abg Frau Dr. Bäumer (Dem.): An dem Fint Mnisterpräsidenten entwickelten Programm neTiMm wir im Rahmen unserer demokrattschen und t'Iitischen llebcräcugung Mitarbeiten. Dabei wollen liii in entschlossener Treue zu deutscher Art und keinming stehen, lehnen aber eine Gewaltpolitik knlschiedeu ab Der Völkerbund hat für uns nur ikrt auf ber Grundlage der Gleichberechtigung des Luffcben Volkes. Die Okkupation deutscher Gebiete miß sobald als möglich abgeschafft toerben, da sie nur neue Reibungsmöglichkeiten, die zum bewaff- Ht1rn Zusammenstoß führen können, bietet. Wir I nn uns auch gegen die Aufladung der Kriegs- ftiild. Wir verlangen, daß der von rms bereits aufgeworfene Gedanke eines internationalen ß Schiedsgerichts über die Schuldfrage noch einmal e örtert werden. Eine Revanchepolittk leimen wir oX Wir wollen Mitarbeiten an dem Versuch, eine tz rrndlage für die Zusammenarbeit der Völker auf» ifisiellen. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, bet Welt nicht bie Revolution, sondern den Welt- fiiiden zu bringen. Dem für die innere Politik «ifgestellten Regierungeprogramm stimmen wir dmchweg zu. Die notwendigen Maßnahmen für un*
gende Anfrage in der Nationalversammluns ein: Nach Eintritt Italiens in den Krieg wurde der Palazzo Caffare.lli, das Heim der deutschen Botschaft in Rom, von der italienischen Negierung beschlagnahmt. Blättermeldungen zufolge hat nun die deutsche Regierung, anstatt nach erfolgtem Friedensschlüsse die selbstverständliche Rückgabe des deutschen Besitzes zu verlangen, ein neues Haus für die Botschaft in Rom angekauft, und zwar mit der ausdrücklichen Begründung, weil der Palazzo Caffarelli beschlagnahmt sei. Ist die Reichsregierung bereit, über diese Angelegenheit Auskunft zu geben? Ist sie weiter bereit, für den Fall, daß die Blätterpreldungen zutreffend sind, den Ankauf des neuen Gebäudes rückgängig zu machen und von Italien die Herausgabe des Palazzo Caffarelli zu verlangen?
Der Arbeitsplan der Nationalversammlung.
W e i m a r, 2o. Juli. (Wolff.) Nach Mitteilung des Präsidenten Fehrenbach entwarf der Aeltestenausschuß folgenden Arbeitsplan: Es sott versucht werden, heute oder morgen in den Vormittags- und Nachmittagssitzungen die politische Aussprache zu beenden. Gelingt dies, dann soll am Montag die Beamteninterpellation beraten werden. Für Dienstag und die folgenden Tage ist in Bor- und Nachmittagssitzungen die dritte Lesung der Verfassung in Aussicht genommen. Dann soll etwa vom 1. bis 5. August für das Plenum eine kleine Pause eintreten. Am 5. August würden dann in erster Lesung die großen Steuervorlagen beraten. Darauf werden wir, fuhr der Präsident fort, versuchen, die itf der Zwischenzeit verhandlungsreif gewordenen kleineren Steuervorlagen ^u erledigen. Wie lange das beanspruchen wird, läßt sich natürlich beute noch nicht sagen. Es kann
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesfen
Zwilltngsrunddruck u. Verlag: vrühl'fche Unjo.-Vuch- u. Steinbrudcrei H. Lange. S^rtftlettnng, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulstr. 7.
aus mit dem Erfolge der Revolution gewesen. > nur den Drafen Bemstorff! Worum wurde er Nur ein einiges Volk hätte diese Tat vollbringen toaxfjentang nach seiner Rückkehr aus Washington I nicht zum Vortrag an höchster Stelle zu gelassen?
rügten Stimmung mißbraucht. Die Zermürbung ne^es Heeres hat seinen Zusammenbruch herbei^ l tjiJnt. (Lärmender Widerspruch bei den Sozia- p:ent.) Tie Revolution hat den letzten Stoß ge» f'wt. Sie machte die Annahme der Waffenstftl- ! oichsbebingungen nötig. Nun .geschah die welt- . t^iichllrche Lüge, daß man die vollständige Kapi- »aäion damals dem deutschen Volke als einen ristensttllstand fristerte. Wäre damals dem deut- L-rn Volte zum Bewuß-sein gekommen, baß es msr Waffen auslieferte, so hätte das etwas Aehn- üeS /hervoraerufen, wie am 12. Mai, als. alle irricien und bie Regierung erklärten, daß ein y-'H, stine Ehre nicht preisgeben dürfe. Was am .............— -------- --- „ . .
1-. Mai nur Rede war, wäre am Anfang Novem- giftle Hände geraten. Wilson wollte 1914 mit rc noch eine Tat gew-efen. Aber dann wäre es aller Energie den Friedan herbeisührcn. Man frone


