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ZwlMngsrrmbdruck u. Verlag: Brühl'sche Univ.-Vuch- u. Zteindruckerei R. Lange. Schriftleltung, Geschäftsstelle u. vrnckerei: Zchulstr. 7.

die

dem

Erhöhung de» Weltportoö.

Bern, 24. Sept. (Wolff.) Wie der Berner KorreipondeM derThurgauer Zeitung" erfährt, rst roeder auf bcm intemothnolcn MUvru Weltpostvereins in Bern, noch bei der schweize­rischen Weltpostdirektion bekannt, daß vom 1. Ja­nuar 1920 ab das Weltpo st Porto für Briefe von 25 auf 40 Centimes erhöht wird.

Wiedereintritt der Demokraten in Regierung?

Rus dem besetzten Gebiet.

Der mißliebige ßanörtf in Höchst.

Höchst a. M., 24. Sept. (Wolff.) Zum kommissarischen Landrat des Kreises Höchst war kürzlich auf Befehl des Generals Mangin der bis­herige Kreisschrrlinspekwr Dr. H i n d r i ch s , Vor­sitzender dec Zentrumspartei in Höchst, bestellt worden. Gegen dessen Ernennung tocnbcte sich ein Teil der Arbeiterschaft der Höchster Farbwerke, die durch einen Teilausstand die Rückgängigmachung der Ernennung zu erzwingen suchte. Dr. Hindrichs erläßt nun eine längere Darlegung, in dec er feststellt, er habe mit dem Arbeiter ausschuß der Farbwerke verhandelt, sei von den Strei­kenden tätlich angegriffen und in der Versammlung von den Arbeitern gezwungen wor­den, die Erklärung abzugeben, er werde von seinem Posten zurücktreten, ivenn cs von der Administra­tion genehmigt werde. Diese Genehmigung sei indes nicht erteilt worden. Er werde daher gegen das hetzerische Treiben gewisser Kreise wegen Auf- lehmrng gegen die Staatsgewalt und Unruhe­stiftung energisch vorgehen und hoffe, daß der gesunde Sinn der Bevölkerung dem Terror dieser kleinen Minderheit Einhalt tun werde. Er werde aber unter leinen Umständen vor dem Terror der Straße und der im Dunkeln arbeitenden Draht­zieher zurückweichen. Daß er fein Amt nicht als Parteimann führen werde, gehe schon daraus her­vor, daß er sofort nach der Uebernahme des Amtes den Vorsitz der Zentrumspartei niedergelegt habe und auch für die anderen Parteien angehö­rigen Arbeiterführer em getreten sei und die Zu­rücknahme der beabsichtigten AuÄoeisung von sechs wegen Anzettelung des Streiks verhafteten Ar­beiterführern erwirkt habe.

Geßlerhüte.

Mainz, 24. Sept. (Wolff.) Nach einer amtlichen Bekanntmachung des Oberbefehls­habers der 10. Armee haben auf der Straße die Männer die entblößt vorbeigetragenen Regimentsfahnen der alliierten Ar­meen und die militärischen Leichenzüge durch Hutabnehmen zu grüßen, ferner haben wäh­rend des Abspielens der Nationalhym­nen der alliierten Mächte die Männer die Kopfbedeckung abzunehmen und stehend zuzu­hören.

Annahme von Anzeigen f. die Lagesnummer bis zum Nachmiilag vorher ohnejedcVerbinölichkelt Ureis für l mm höhe für Anzeigen v.34mm Breite örtlich 15 Pf., auswärts 18 Pf., für Neklame- anzeigen von 70 mm Breite 48 Ps. Bei Platz- t>otfchriii20°/09Iuffd)Ia(h Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Berantivortlieh für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzer-enteil: v. Brch sämtlich m Gießen

erkennt? Auf die Hauptsache ist also das FlugblattZur Aufklärung" nicht einge- gangen. Dagegen eifert es gegen allerlei Ungerechtigkeiten, Versäumnisse der Stadtverwaltung, Uebergriffe von Reichs- wehroffizieren il dergl. Die Masse aufs neue aufzuhetzen zu törichten Gewalttätigkeiten, das ist wohl der Zweck. Wir finden aber, da­gegen müßte die Gesamtarbeiterschaft ein offe­nes und entschiedenes Wort der Abwehr aus­sprechen!

Eine EinfpruchSuote der ukrainischen Negierung.

Köln, 25. Sept. Wie die ,Köln. Ztg." aus Berlin erfährt, hat nach dem ukrainischen Pressedienst die ukrainische Regierung an die pariser Friedenskonferenz eine Ein- pruchsnote gegen das Vorgehen Denikins in der Ukraine gerichtet. Es heißt darin, daß die ukrainische Volksregie­rung mit allen Mitteln bestrebt war, Zusam­menstöße mit Denikin zu vermeiden und zu einer Verständigung mit ihm zu gelangen, in­dem sie der Meinung war, daß seine Auf­gabe sei der Kampf mit den russischen Bol­schewisten, nicht aber mit der ukrainischen Ar­mee. Der Befehlshaber der Denikinschen Truppen im Raum von Kiew hat der ukrai­nischen Sondermission die Antwort erteilt, )ah er die Armee Petljuras als eine bolsche­wistische betrachte und hat mit der Verhaftung )er Mission gedroht. Die Note stellt die For­derung auf, daß Denikin das von der ukraini­schen Armee errungene Gebiet sofort räume und ferner allmählich seine Truppen aus dem gesamten Gebiet der Ukraine zurückziehe.

Kopenhagen, 24. Sept. (Wolff.) Das eng­lische Kriegsministerium teilt mit, daß Deni­kins Truppen einen großen Sieg errungen und Kurff besetzt haben. Tie Einnahme tion Kursk, eines sehr wichtigen Eisenbahnknotenpunktes, be­deute einen erheblichen Fortschritt für die Trup­pen Denikins, die damit bereits an der Grenze zwilchen Ukraine und Sowjet-Rußland angelangt feien.

$partafiftifd)e Mordpläne.

Berlin, 24. Sept. (Wolff.) Im Haushalts cnisschuß der preußischen Landesversammümg teilte- wie die ,,B. Z." meldet, Ministerpräsident Hirsch u. a. mit: Tie sächsische Re g ieru n g sand bei einem Agitator des Spartakusbundes, der ins Ausland reisen wollte, eine I n st r u k - t i o n mit der Ueberschrift vor: An alle Rtrrfrmren3i männer! Tie Instruktion besagt: Me Gruppen Deutschlands, Oesterreichs und Tsä^ckw-Sbowakei gründen streng geheime politische D r - ganisativnsgruppen, deren Zweck es ist, alle politischen sJJuad;itfartK>rcn zu registrieren, die der kommunistischen Bewegung hinderlich sind. Durch diese Namensverzeicl^iiisse ivird es ermöglicht, unsere Feinde miss strengste zu überwachen und bet Aufständen dingfest zu machen und abznnrteilai. Sollte die Zentrale der kiommunistchchen Partei Deutschlands, Teutsch-Oesterreichs und der Tschecho­

slowakei den Plan zur Beseitigung von unliebsamen politischen Personen für gut befinden, so erhält diejenige politisch: Gruppe den Auftrag zur Ausführung, wo iw tetref- fenbe Person ihren ständigen WolMntz hat. Welcher Genosse die Tat auszuführen l>at, entscheidet das Los und dieser ist verpflichtet, innerhalb 24 Stun­den den Plan aikszuführen, wenn er nicht selbst ' dasselbe Schicksal erleiden wul. In diese politstschmj Gruppen dürfen nur die verschwiegensten und ver- ' trautesten Genossen zugelassen werden. Verrat wird ! sofort mit dem Tode bestraft. Ter gewählte Zcn- ' tralrat entscheidet in geheimer Wahl über die Aus- > führung des Planes.

Ter Ministerpräsident erklärte: das find die : Leute, die von der äußersten Linken und von der unabhängigen sozialdemo­kratischen Partei stets in Schutz ge­nommen werden.

Berlin, 24. Sept. (Wolff.) In derB. Z. a. M." wird eine Geheimc> rder veröffent­licht, die bei dem kürzlich in Pasing bei Münchve verhafteten Kommunisten Heile gefunden wurde. Sie lautet im Auszüge: Abschrift. Betrifft Organisation des neuen gewaltsamen Umsturzes! imd Aushebung der Reichswehr, wie sie eventuell! oorzunehmeu ist. Angesertigt anfangs September; 1919. Die Reichswehr ist gegen Morgen, bei Hellwerden in den Kasernen anzugreifen und im Schlafe auszuheben. Während der Nacht sind die Wohnungen der Offtziere aufs schärffte zu überwachen. Der Offizier, der feine Wohnung in der offenbaren Absicht verläßt, zur Truppe zu eilen, wird ohne Anruf nieder­geschossen. Bekannte Monarchistenoffi­ziere sind unverzüglich unblutig zu be­seitigen. lieber das Eindringen in die Tore liegt für jede Kaserne ein besonderer Plan vor. Alle Unteroffiziere sind nur mit Hemd und Unter­hose bekleidet und mit zwei Decken versehen in einem Raum unterzubringen unb schärssteus zu bewachen. Die Mannschaften bleiben auf ihren Stuben, dürfen aber nicht aus den Betten, bis vom Oberkommando entsprechende Befehle ein­treffen. Im übrigen ist es b<H f er , es sterben in dieser Stunde drei als in der näch- sten30Menschen. Die Kasernen sind bann auf das schärfste zu bewachen unb zu besetzen. Alle Waffen und die gesamte Munition haben unange­tastet an ihren Lagerplätzen zu verbleiben, bis Gegenbefehl kommt. Kein Mensch darf die Kasernen lebend verlassen, keiner ohne Ausweis sie betreten und dann auch nur in Begleitung eines Wachmannes. Den gefangenen Soldaten gegenüber ist die größte Mensclstichkeit zu beach­ten. Es sind sofort Aufklärungsblätter zu verab­folgen. Zu der gleiten Minute des Sturms auf die Kasernen sind alle öffentlichen Gebäude, Straßenkreuzungen und Plätze zu besetzen' besgleickxm muß zur gleichen Zeit von allen milltärischen Depots, Geschützstellungen usw. Besitz ergriffen werden. Wer sich zur Wehr setzt, wirb erschossen. Jeder bewaffn ete Zi­vilist, der nicht zur Roten Armee gehört, wird erschossen. Ter gesamte Eisenbahn-, Post- und Telegraphenverkehr ist mit der Minute des Um­sturzes lahmzulegen. Wahrend der Nacht mar­schieren dazu bestimmte Truppenteile der Noten Armee Über die Felder und nicht über die Land­straßen auf die umliegenden Dörfer, soiveit sich in ihnen Truppen der Reichswehr befinben, inch heben sie dort aus. Hierüber liegt für jede Ort­schaft em besonderer Plan vor. Kein Mensch darf München verlassen oder in es hinein. Jede Trupps bat sich vom Dunkelwerden an bis eine Stunde vor dem Umsturz unauffällig in der Nähe des ihr zugewiesenen Abschnitts zu sammeln. Ter Waffen­gang ist unvermeidliche Tem Truppenkom manixt ist eineirreführende" Abschrift dieses Planes durchSpione" zuzustellen. Zivilisten mit Schuß- naffen tu der Hand werden ohne Standgericht auf Befehl eines Offiziers erschossen. Plündern wird mit dem Tode bestraft. Eisernste Tisziplin, vorherige Festsetzung der Offiziere und sofortige Propaganda in der Reichswehr. Die Rote Armee ist in festen Verbanden zu organisieren.

Halle (Saale), 24. Sept. (Wolff.) Aüßet sechs Halleschen wurden in Halle noch zwei Mün­chen e r K o m m u n i ste n, der Schlosser Gras und der Buchbinder Franta, verhaftet. Diese beiden tva- ren, wie jetzt einwandfrei ftstswht, nach Ha lka entsandt worden, um den früheren Kom^ mu nisten führe r Hartung zuermiorden^ Bei den beiben Münchenern wurde ein umfange reicher Briefwechsel, sowie Morphium unb Chlor»-, orm vorgefunden. Es wurde anfserbem festgestetÜ^ daß zuAgitationsvvecken" Halle von den Kom- tnumiflen in sieben Bezirke erngeteilt war, unb daß jeder dieser Bezirke einem Führer unterftonb. Den Zweck dieser Organisation war angeblich) die sorg», faltige Durchführung der Agitation und die lieber- wachung persönlicher Verhältnisse, um zu vorhin-, dern, daß sich Spitzel in die Organisation ein-, schmuggel len. Im einer Berßrmnilnng dar Kvm-

Aus dem Reiche.

Eine Meinungsverschiedenheit Mischen Erz- bergcr und den Mehrhritssszialisten.

Berlin, 24., Sept. (Wolff.) Ter zwölfte Ausschuß der Nationalversammlung begann die Beratungen über die U m s a tz st e u e r n. Ter Ver­treter der Mehrheitssozialisten beantragt die Ver­tagung bis zur Grtebigung der direkten Steuern. L.as Volk Eötnte die mit der Umsatzsteuer verbun­dene Last jetzt nicht tragen. Erzberge r er­klärte, für die Regierung sei die Vertagung des Ihn- mtzstcuergesetzes mit allen sich daran ergebenden Konsequenzen unannehmbar. Nach einer län­geren Debatte wurde auf den Antrag des Vertreters der Mehrheil ssozialisten beschilossen, die Sitzung abzubrechen, damit die mehrheftssozialist^che Fraktion die Angelegenheit beraten könne.

Ein Arbeitersekrelär Polizeipräsident.

Berlin, 24. Sept. (WTB.) Die preußische Staatsregierung hat den Arbeitersekrelär Gustav Krüger-Magdeburg zum Polizeipräsidenten von Magdeburg ernannt.

Die Besetzung von Danzig und Oberschlefien.

Paris, 24. Sept. (Wolff.) Havas. Der Enps" glaubt zu wissen, daß der Oberste Rat die Hage der militärischen Besetzung Danzigs und Oberschlesiens durch interalliierte Trup­pen geprüft hat. Es lagen zroei Anträge vor. Nach dem ersten sollte Danzig von britischen und Ober­schlesien von sranzösischen Truppen besetzt werden. Die Anhänger des zweiten Antrages machten darauf aufmerksam, daß sie es vorziehen, der Be­setzung einen interalliierten Charalter zu geben und überall ftanzösische und britische Truppen hinzulegen. Es scheint, daß dieser zweite Eintrag durchdringen wird.

Zum Seemaunsstreik.

Hamburg, 25. Sept. (WTB.) Zum Streik der Hamburger Seeleute erklärt der Transportarbeiterverband, Abteilttng Seeleute, in einer Zuschrift an das Hamburg Echo", daß der vom deutschen Seemannsbund pwllamikrte Ausstand unter keinen Umstanden vom Transportarbeiterverband anerkannt werde. Aus Kuxhaven wird gemeldet, daß der gesamte Fischdampferverkehr infolge des Streiks ruht.

Der Vorstcrnd der Unabhängigen Sozial­demokratischen Partei in Gießen hat gestern ein Flugblatt, über dem mit großen Lettern Zur Aufklärung!" steht, herausgege­ben. Wir können an dieserAufklärung" nicht stillschweigend vorübergehen, soweit sie sich mit dem örtlichen Vorkommnis und unserer Beurteilung dazu'beschäftigt. Da ist es höchst bezeichnend, daß gleich die ersten Sätze des Flugblattes grobe Unwahrheiten und Ent­stellungen enthalten. Diese Sätze lauten nämlich:

Unter der AufschriftKrawalle im Stadt- Parlament" ereifert sich ber hiesige alldeutsche Gießener Anzeiger" über die Maßnahmen, bie die Gesamtarbeiterschaft zur Vereitelung ber Bewil­ligung von Mitteln behufs Anschaffung.einer grö­ßeren Anzahl Mocdwerkzeuge getroffen batte, und versteigt sich dazu, diese HäudiungÄvcife ber Ar- beilericiiast eine verbrecherische zu nennen, obwohl bock» solche nur ein Borbeugungsmittel zwecks Ver­gütung von Verbrechen barstellt. Freilich in den Augen dieser Herrschaften ist es fern Verbrechen, gegebenenfalls lungernde und zum Aeußersten ge­brachte Mitmenschen, einerlei ob Mann, Frau oder Kind, mit den anzuschaffenden Mordwerkzeugen über den Haufen zu schießen."

Wir haben zu der Gesamtarbeiterschaft das volle Vertrauen, daß sie auch im poli­tischen Kampfe Wahrheit und Ehrlichkeit be­wahrt haben will. Unb wir sinb gewiß, daß Nur wenige darunter, die unser Blatt lesen, so dumm sind, um nicht zu erkennen, wie von den Unabhängigen hier mit ber Wahrheit imngegangen wird. Wir hatten die Maß­nahmen der Gesamtarbeiterschaft, nämlich die Kundgebung auf Oswaldsgarten unb die dem Oberbürgermeister abgegebene Erklärung keineswegs verbrecherisch ge­nannt. Wir hatten auch nicht be- »mstandet, daß Personen, die an die­ser Kundgebung teilgenommen hatten, der öffentlichen Stadtverordnetensitzung beiwohnten, soweit die Raumverhältnisse dies fließen. Wohl aber hatten wir verur­teilt die Lärmmacher, die alles niederschrien, die Stadtverordneten mit Gewalt bedrohten und ihnen gar ein Ultimatum auferlegten! Das ist doch wohl ein großer Unterschied. Und wir haben inzwischen gesehen und erfahren, daß die Mehrheitssozialisten und Gewerk­schaftler, die unter den Einberufern der Pro­testversammlung waren, keineswegs für diese allerdings verbrecherische Handlungsweise verantwortlich gemacht sein wollen. Wer ernst und ehrlich nach Aufklärung ringt, darf 0och die Geiamtarbeiterschaft nicht einfach mit

Da» österreichische Rotbuch.

Außer der auellenkritischen Darstellung der diplomatischen Vorgeschichte des Kriegs, die Dr. G o o ß mit Ermächtigung des Staals- amts des Aeußern nach den Wiener Akten herausgegeben hat, ist ein a m t l i ch e s ö st e r- reichisches Rotbuch erschienen, das den Wortlaut dec Aktenstücke enthält und die Er­gänzung zu dem früheren österreichisch-unga­rischen Rotbuch darstellt. Es umfaßt die Zeit vom 28. Juni bis 23. Juli 1914. Das sach­lich Neue ist durch das Gvoßsche Buch be­reits bekannt geworden. Die Veröffentlichung beginnt mit dem Handschreiben des Kaisers Franz Joseph an Kaiser Wilhelm, dem die Berchtoldsche Denkschrift über die serbische Angelegenheit beigelegt war. Den Schluß bildet der Bericht des Gesandten in Belgrad über die Ueberreichung des Ultimatums an Serbien.

Die Sudetendeutsche«.

Wien, 25. Sept. (WTB.) Korrespon- oenzbureau. Gestern nachmittag fand die feier­liche Verabschiedung dec Vertretungen und Regierungen dec Sudetendeutschen durch bie Republik Deutsch-Oesterreich im Sitzungssaale der Nationalversammlung statt. Für Deutsch-Böhmen war Landeshauptmann Lodgeman, für die Sudetenlande Landes- hauptmann Kreisler, für den Kreis Deutsch- Sübmähren Kreishauptmann Teufel, alle mit Landes- und Regierungsbeamten, erschienen. Präsident Seitz beklagte in seiner Ansprache namens der Nationalversammlung die chmerzliche Verpflichtung des Friedensver­trages, über 3V2 Millionen Volks­genossen in den Sudetenländern prach - und volksfremden Völkern zu überantworten. Er schilderte, wie die Sudetendeutschen durch freiwilligen Eintritt zu Deutsch-Oesterreich gekommen seien und ihren unvergeßlichen Kampf um ihr heiliges Selbstbestimmungsrecht. Er betonte die Un- zerreißbarkeit der Bande des

Bluts, der Sprache, Kultur und Sitte, die das deutsche Volk südlich und nördlich der Thaya verbänden. So werden in der unaufhaltsamen Entwicklung der Völker und Staaten zweifellos auch die Brüder in )en Sudetenlanden eines Tages das Selbst­bestimmungsrecht wieder erlangen, das ihnen >er Gewaltfrieden von Versailles und St. Germain geraubt hat. Staaten werden und vergehen, Völker aber bleiben. Von beiden gäben unsere Tage ein unbestreitbares Zeug­nis. Noch ist auch die deutsche Sache nicht verloren. (Heilrufe, lang anhaltender Beifall.)

4>en gewalttätigen Lärmmachern zusammen­werfen! Es handelt sich hier also weniger um Aufklärung als um Hetze; daß unser Blatt dabei alsalldeutsch" anbesprochen wird, wundert uns darum auch nicht weiter. Das Flugblatt fährt dann fort:Die Gesamt­arbeiterschaft braucht sich die Anwürfe, die von dieser Seite kommen, nicht so zu Her­zen zu nehmen, muß vielmehr stolz darauf «ein, eine derartige Vorlage mit all ihren' raurigen Konsequenzen zu Falle gebracht zu ,'>aben." Es ist ein eigenartiger Stolz, den die Herren um Beckmann hier an den Tag legen, daß sie sich einfach alsGesamtarbeiterschaft" bezeichnen! Es ist der gleiche Unfug, der auch darin liegt, daß gewisse Massen, bie zu Aus­schreitungen und Gewalttätigkeiten übergehen, einfach alsDas Volk" bezeichnet werden.

Das.Flugblatt läuft im übrigen daraus hinaus, darzutun, daß die Verhältnisse in der Revoluti-onszeit gegen früher sich nicht ge­bessert hätten, daß noch immer eine Schicht Um Ausbeutern alles beherrsche, daß die Regierung und ihre Organe diesem Treiben machtlos gegenüberstünden. Charakteristisch sind folgende Sätze:

In Wahrheit wollen unb können sie keine Ab­hilfe schaffen, da sie selbst kapitalistisch befangen srnd und sich scheuen, durchgreifend einzuschreiten. Im Gegenteil, Schritt für Schritt roeidjen sie vor den Aasgeiern in Stadt und Laad zurück und zwingen schließlich das ausgemcrgelte Volk, bie Initiative selbst zu ergreifen unb hiergegen finb bie anzuschaffenden Ntordwasfen bestimmt."

Was heißt:Initiative ergreifen?" Doch wohl Massengewalt, Gewalttätig­keiten, Putsche veranstalten? Wenn bie Un­abhängigen Mitarbeiten wollen, daß bie Aus- Wucherung des Volkes, bie in ber Tat viel­fach besteht, durch gesetzliche Mittel auf ' das schärfste erfaßt werbek, wollen wir gern mit ihnen zusammengehen, unb es ist arges Stück Gewissenlosigkeit, von uns zu behanp- teni, haß wir gern gegen hungernde Men­schen würben schießen lassen. Wir sinb ber Meinung, auch eine unabhängige ober kom­munistische Sintflut würde uns noch keine Idealzustände bringen. Dafür sind, wie die letzten Prozesse gezeigt haben, unter den Ra- di.kalsLen noch zu viel verbrecherische Ele- ircente, die der unabhängige Parteivorstand vielleicht auch als Gesamtarbetterfchaft aner-

Berlin, 24. Sept. (Priv.-Del.) Zu _____

Wiedereintrittd er Demokrat en indie Reichsregierung erfährt dasBerl. Tage­blatt" von unterrichteter Seite, daß die Ver­handlungen, bie durchaus vorbereiten­den Charakter tragen, seitens der Demokraten von dem ehemaligen Reick-sirnanzminister Schif­fer geführt werden. Tie Anregung zu den Ver- hwidlungen ist von der Regierung ausgegangen.

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169. Jahrgang Donnerstag. 25. September J9J9

Gietzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhefsen

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(Ein Flugblatt über -ie Urawalle I im Gießener Stadtparlament.