Nr. 220
Zweites Blatt
EießenerAnzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
—EMMnwaMLMü/w. ■■ __ 4 I J Z
Samstag, 20. September (919
Nachdruck verboten.)
Fortsetzung 11
Las Glück der andern
Original-Roman von Erich Eben st ein.
Copyright 1916 by Greiner & Comp., Berlin W 30.
Begriff auch von unserer Jüngsten bekommen, lieber Magnus!" sagte sie.
Er blickte überrascht auf bas Bild, wurde sogar ein wenig rot, verriet aber durch kein Wort, daß er Modest« bereits kannte.
Warum — war ihm selbst nicht recht klar.
„Es könnte Evelyn demütigen," redete :r sich ein, „denn da sie mir nicht sagen, welchen Beruf sie ausübt, wollen sie offenbar, dass ich es nicht weiss."
Ein grosses, inniges Mitleid mit dem stolz verschwiegenen Jammer dieses hfimlich für das tägliche Brot Arbeitenm üffeus üoerkam ihn.
T-as muss anders werden, nahm er sich vor. I
M i t a u , 19. Sept. (WTB.) Gestern griffen 150—200 Mann reguläre lettis ch e Truppen, die entgegen den Verabredungen die neutrale Zone und die Temarkationslinie überschritten hatten, der Strasse Riga — Mitau eine
Quecksilber
Mrot Kenger njjt »reiten ßtludjl 'Motbtnbcrntr, itawdS.
LtaStmission Gießen, Löberstr. 14
Jeden Sonntag Abend 8*/a Uhr Religiöser Vortrag
„ Mittwoch „ 8*/, „ Bibelstunde Jedermann herzlich willkommen. ,02ÄD
Sie sollen alle fvoh und sorglos werden, und diese arme, zarte, kleine Modesta zuerst soll nicht mehr arbeiten müssen . . .
Ueber das „Wie?" zerbracht er sich vorläufig nicht Len Kopf.
Tann kam Lotte mit Bertie. Ter gefiel Magnus sogleich ausnehmend, und er fand, dass Bertie trotz seines glattrasierten Gesichts mit den en:r- oiftfen Zügen und dem Ausdruck zäher Willens- kraft im Blick wirklich sehr männlich aussehe. Ein Urteil, das ihm Lottchens begeisterte Lieb: errang.
Als er sich endlich knapp vor ein Uhr entfernte, sah er bedeutend ruhiger [röter Reise nach ötettenegg entgegen.
Er konnte dec Mutter ja mit bestem Gewissen nur gutes von Losensteins berichten.
Am nächsten Mvrgen schon wollte er die Reise antreten. Sein Chef hatte ihm den erb'tencn Urlaub bereitwillig gewährt. Tas Gesuch um Verlängerung sollte nachträglich eingereicht werden, wenn er unter den veränderten Umständen den Dienst nicht etwa ganz aufgrb und sich der Bewirtschaftung seiner Güter widmete. Darüber wollte er sich auch erst mit der alten Gräfin besprechen.
Evelyn wollte seine Abwesenheit benutzen, um zu Tante Ada zu reisen. Sie hatte Magnus nichts von ihren Absichten in Bezug auf die Aussteuer gesagt, sondern diese Reise als einen „Akt der Pietät" gegen die Tante hingestellt, „di: doch eigentlich meine Erziehung bestritten hat ..." wie sie schloss.
„Lem Weib", der Roman eines Blinden, von ^mma Fr.edlacnder-Werther in 5 Akten und „Ter duitende Amadö", ein Luiffpiel von aussergewöhn- Uchem grossem Lacherfolg, in 3 Akten zur Auf- 'uhrung.
Starkenburg und Rheinhessen.
ch. Aus Rhein Hessen, 17. Sept. Auf dem Nieder-Jngelh:intec Obstmarkt: stellte sich der Zentner Trauben auf 160—180 Mk., Tomaten auf 70—85 Mk.
Hessen-Nassau.
X Hanau, 18. Sept. Rinder- und Kalbshäute im Werte von 20 000 Mk. sind tnt hiesigen Schlachthnuse gestohlen worden. Als Verüber des Diebstahls sind 4 Metzger gesellen ermittelt ynd verhaftet worden. Die Häute haben j die Gesellen an Händler in Hanau und Frankfurt vcrkau't, die gleichfalls festgenommen worden find. , , 18. Sept. Ter Landesausschuss
hat li/2 Millionen Mark zur Unterhaltung der Land st raßen im Rechnungsjahr 1920 b> reitgestellt.
' Brautpaar geschickt, aber Evelyn lehnte auffallend : energisch ab, Magnus, der nicht ahnte, dass sie nuc ein Zusammentreffen mit dem Hvfmeist'r
, Gottorb fürchtete, freute sich darüber.
„Tu hast recht Liebste. Es wird viel gemütlicher sein bei euch daheim, und dein: Angehörigen müssen mir doch jetzt auch näher stehen als MÄl- ners, mit denen die Verwandtschaft nur ein: entfernte ist."
Er war so glücklich, dies jetzt, wo er Losensteins kannte, mit Ueberzeugung sagen zu können!
Evelyn warf ihm zum ersten Male nach ihrer Verlobung einen wirklich 'warmen, zärtlichen Blick zu.
„Es ist so 'nett von dir, MagnuS, daß bu weder adelsstolz noch hochmütig bist! Aber wirk deine Mutter ebmso denken?"
„Ich hoffe es. Mama war immer gvoßden- kend genug, den Wert des Menschen nach seinen persönlichen Eigenschaften zu bestimmen. Außerdem liebt sie mich auf das -ärtlichste, wie könnte sie da mein Glück trüben wollen?"
„Aber wenn sie dir nun schon heimlich eine adelige Braut ausgesucht hätte? Es gibt doch gewiss viele junge Tonien auf den Gütern um Rcttenegg?" Er lachte Über das, was er für verliebte Eifersucht hielt.
„Gewiss. Und möglich wäre es schon, dass Mama bei der einen oder andevm an mich gedacht hat. Aber sie wird diese Gedanken jetzt sofort fallen lassen und mir nicht einmal etwas sagen davon."
„Hoffen wir es. Wie lange wirft du bei ihr bleiben?"
(Fortsetzung folgt.)
gestaltung, die im Einklang mit den Erzeuger- wsten und den Weltmarktpreisen steht, jek^nfalls aber eine Verlängerung der jetzigen Preise "bis 1. Januar 1920. Im Interesse einer baldigen Ge- r^!^?bllcferung ersucl-en wir die Regierung, die Gestellung der nötigen Kohlen und Waggons mit altem Nachdruck zu erwirken und weiterhin strengste Bcstrasung der Fruchtausfuhr vorzusehen. Eine Befferung der Fleiichversorgung ist u. E. nur moglia) wenn die Schweinemast durch Freigabe von Gerste und Kartoffeln gehoben werde und wenn die Regierung Kredite zur Einfuhr von Futtermitteln zur Verfügung stellt. Um die Schwarzschlachterei zu bekämpfen, die Bevölkerung mit dem nötigsten Fleisch zu versorgen und die Arbeltsfreudigkeit zu vermehren, ist die Erhöhung des Lcbensgewlchtpreises auf mindestens 2 Alk. dringend erforderlich, weiter auch eine sofortige Erhöhung des Verkaufspreises von Fleisch. Ferner ersucht die Versammlung, eine Verminderung der aufgelegten Haferlieserungen eintreten zu lassen! und eine den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechende Umlage auf die einzelnen Kreise vornehmen zu wollen .Weiterhin wird eine Rücklieferung der Kleie an die Landwirte verlangt, falls die Ausmahlung des Getreides auf 80 Proz. erfolgen sollte. Endlich wird Freigabe der Haus- schlachtungen und Aufhebung des Viehkatasters gefordert. Zum Schlüsse erklärte sich die Ler- saminlung freiwillig damit einverstanden, wenn die Regierung auf Grund von Verhandlungen mit den wichtigsten Berufsklassen (Industrie, Landwirtschaft. Handel und Getoerbe) zu einem allgemeinen Abbau der Preise und Löhne und damit zu einer Hebung des deutschen Marktpreises im Ausland gelangen könnte.
2tüs Stadt und Land.
Giessen, den 20. Sept. 1919.
_ ** Aus dem Militär-Wochenblatt. Ter Abschied mit der gesetzlichen Pension aus dem aktiven Heere bewilligt: Frhr. v. Lersn:r i. Trag.- 3t. 24 zugleich wird er bei d. Res.-Offizieren d. gen. Regts. angestellt. Auf ihr Gesuch zu den Reserveoffizieren der betreffenden Truppenteile überc;cführt: Kuhn, Rittm. i. d. Train-Abt 18, o. Steiger i. Füs.-R. 80, Bodmsiek i. J.-R. 81, letzterer unter Verleihung eines Patents seines Dienstgrades vom 13. März 1918, Türck i. I.- 3t. 87, unter Verleihung fines Patents seines Dienstgrades vom 10. Dezember 1917, Schmitz i. J.-R. 116, Haubach, Butte i. J.-R. 168, letzterer hat ein Patent seines Tienstgvadcs vom 13. August 1918 erhalten, Frhr. v. Reinhardt i. Trag.-R. 23, Bosch i. Feldart.-R. 27.
** I m Expreß gutv erkehr muß jetzt zur Verringerung von Fehlleitungen die Eisen- wlmpaketadresse außer der Zahl der Expressguttücke auch der Inhalt und die Verpackungsweise angegeben werden.
Die oderhesjische vauernbewegmrg. Ecke Versllmuilnily dcs Bailcrildundcs und der Flcischcrmnung in Gicßcn.
Der Oberhessische Bauernbund und die F l e i s ch e r i n n u n g der Provinz Ober» Hessen hatten gestern nachmittag auf der Li e- bigshöhe zu einer Kundgebung gegen die Lieferungs- bzw. Drusch Prämie auf Getreide und die Festsetzung der Vieh-, Fleisch- und Läutepreise aufgerufen. In Scharen waren die oberhessischen Bauern erschienen, die der große Saal bei weitem nicht zu fassen vermochte. Nach einleitenden Worten des Abg. Fenchel sprach H i r s ch e l, Friedberg über die Drusckprämie, die er aufs schärfste verurteilte. Die Druschprämie, die in diesem Jahre Lieferungsprämie genannt werde, sei angeblich nötig geworden durch die mangelhafte Ablieferung der Landwirte. An der schlechten Ablieferung trügen aber nicht die Bauern, sondern die höchst ungenügende Gestellung von Drnsch- kohlen die Schuld. Durch diese ungerechte Maßnahmen würden vor allem die Kleinbauern, die nicht sofort ausdreschen können und dann auch die später erntenden Gegenden mit kälterem Klima schwer benachteiligt. Bei der jetzt herrschenden Kohlennot sei es geradezu ein Zufall, wenn jemand früher dreschen könne. Die Druschprämien, deren Löhe der Redner für diese Ernte bis jetzt ans 250 Millionen schätzte, würden der Verhetzung zwischen Stadt und Land neue Nahrung geben. Der Bauer müsse vor allem rücksichtslos gegen das größte Nebel, an dem unsere ganze Volkswirt- schaft kranke, gegen das Unwesen des Wuchers und Schleichhandels vorgehen.. Wenn ein Städter 8—10JBfimb Frucht zum Kaffeebrennen usw. erbitte, so solle man ihm diese ruhig geben, aber den Großschiebern fein Korn. Zum Schlüsse seiner Ausführungen führte der Redner noch eine Erklärung des Präsidenten des hessischen LandcS- ernährungsmatcs an, daß als einziger Stand die Bauernschaft ihre Schuldigkeit täte, da sie wenigstens arbeite.
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AuS Südostpreussen.
Berlin, 20. Sept. Der „Lokalanzeiger" meldet: In Südastpreußen soll, wie das „Allenfteiner Volesblatt" von maßgebender Stelle erfährt, für die Abtretungszeit eine deutsche Polizeitruppe unter Ententeaussicht gebildet werden. Eine Besetzung durch fremde Truppen käme nicht in Frage, solange die Bevölkerung die Ruhe bewahre.
Aus Trier.
Berlin, 20. Sept. Die Nachricht, daß Trier von den Franzosen geräumt werden soll und die Amerikaner die Stadt besetzen würden, trifft laut „Deutscher Allgem. Ztg." nicht zu. Ter Regierungsbezirk Trier wird nach wie vor von den Franzosen besetzt werden.
Wilsons ursprnüglicher Völkerbunds- Vorschlag.
Amsterdam, 19. Sept. (Wolff.) Nach Meldungen aus Washington vom 18. September überreichte Bullittim Laufe seiner Erklärungen m dec, Senatskommission ein Exemplar von Wilsons ursprünglichem V ö l k e r b u n d s v o r s ch l a g, das von Wilson eigenhändig auf seiner eigenen Schreibmaschine geschrieben war. Dieses Exemplar er- bielt Bullitt seinerzeit von Oberst House. Bul- litt erklärte noch, dass Lansing, White und Bliß ihre Meinung über den Friedensvertrag so deutlich wie nur möglich aüssprachcn, und daß ihre Ansicht darüber nicht weniger als begeistert war.
Ein Grenzgefecht mit den Letten.
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* Stadtausschüsse für Leibesübungen. In allen größeren Städten Deutschlands sind nunmehr sogenannte Stadtausschüsse für Leibesübungen gegründet worden, deren Aufgabe es ist, die Beratung aller Sport und Tumfragen, sowie des Spi-lplatz-, Turtt- und Schwimmhallen- wues m den Kommunen zu regeln. Gewöhnlich ind dreie Stadtausfchüsse aus je einem Vertreter der ortsansässigen Tum-, Sport- und Schwimm- vererne, je einem Stadtverordneten aller Parteien und einigen sonstigen Personen zusammengesetzt, die der betreffende Dlrrbürgermcifter ernennt.
_ ** Oberhessischer Kunstverein. Die L>onderausstellung von Aquarellen, Zeichnungen und kunstgewerblichen Arbeiten hat fieß täglich eines regen Besuches zu erfreuen. Ein Teil der ausgestellten Arbeiten ist erfreulicherweise durch Ankauf in hiesigen und auswärtigen Privatbesitz übergegangen. Die ausgestellten Bilder und Kunstgegenstände sind keine Schülerarbeiten, sondern von den Lehrern der einzelnen Abteilungen ausgestellt. Die Ausstellung ist morgen Sonntag von 11 bis L und an Werktagen von 3 bis 5 Uhr unentgeltlich geöffnet. Tie Ausstellung verbleibt Nur noch kurze Zeit, da in den nächsten Tagen die Eröffnung der Kunstvereinsausstellung bevorsteht.
** Die Anlagemusik der Regimentskapelle ReichStvehr-Jnf.-Rgts. Nr. 36 (Ober- muiitmeifter Löber) fällt morgen aus.
** Hindenburg feier. Tie Drntsch- nationale Volkspartei ivirD am Oltober, dmi Gebirr tStage Geneoa seldmarsckjalls Hindenburg eine vaterländische Feier im Hotel Einhorn veranstalten. Tie Festrede hat S?:rr Pfarrer Julius Werner-Frankfurt am Main übernommen. Näheres wird noch bekannt gegeben.
** In den Schwarz-Weiß-Licht- v spielen kommt ob heute bis Montag 22. Sept.1 südlich
Bürgermeister Diehl-Hochweisel schob die Schuld an dem ungeheuren Rückgang unserer Diehbe stände vor allem dem Schleichhandel und der Schwarzschlächterei in die Schuhe. Der Regierung fehle es aber an der nötigen Macht, um segen dieses Univesen energisch vorzugeheu. Wie es «ewffse Seiten verstünden, ihnen nicht gmehme Beschlüsse der Behörden zu Falle zu bringen, beweise der Gießener Ra t haus stur m. Zur Behebung der Fleischnot müsse vor allem die Schweinezucht gefördert werden durch Freigabe von Hafer und Gerste zur Mast. Auch sei bei einiger» matzen gutem Aus all der Ernte eine Aufhebung der Kartoffelbewirtschaftung zu erwägen. Um die Ablieferungssreudigt'eit der Sauern zu erhöhen, müsse der Viehpreis von 1,30 auf 2 Mk. erhöht werden, wie es im Kreise Friedberg in dieser iöodk- probeweise geschehen sei.
Beck-Gießen, Sekretär der Fleischerinnung der Provinz Oberhessen betonte zunächst die Not- wendigkeit des Handinhandarbeitens zwischen ifieischerinnuilg und Bauernbund. Die Fleischer, die gegen Aufhebung der Leder- und Häutebewirtschaftung gewesen, aber nicht gefragt worden seien, bedauerten selbst die übermässige Steigerung des Häutevreises. Der Redner nimmt in schärfster Welse _ gegen die Herabsetzun g des F1 e i f ch p r e i s e s Stellung, die er als weltfremde Matznahrne der Regierung bezeichnete. Die Bevöl- ^rung habe gar kein Bedürfnis nach billigerem Fleisch (?), sie sei froh, wetm sie überhaupt Fleisch habe. Der durch Erhöhung des Häutepreises erzielte Ueberpreis müsse in erster Linie der Landwirtschaft und dann auch dem Metzgerhandwerk zugute kommen.
Abaeordneter Dorsch betonte zunächst, daß W Landwirtschaft noch auf Jahrzehnte den Grundstock unserer Ernährung bilden müsse. Der Redner -bemerkt, daß es im alten Deutschland niemals zu ^solchem Mißbrauch des Begriffes Freiheit gekommen sei, wie es sich in Russland, Ungarn, München, Hamburg und — (unter tosendem Beifall der Bauern) auch in Giessen gezeigt habe. Beachtenswert war weiter, zu hören, daß es keinen Bauernstreik gebe, solange es einen Bauernstand «ruf eigener Scholle gebe.
Im Verlaufe einer sehr ausgiebigen und leb- : haften Aussprache — bis 5 Uhr sprachen fast 20 Redner und die Wortmeldungen waren noch nicht annähernd erschöpft — wurde folgende Ent- : Schliessung einstimmig angenommen:
»Die Versammlung des HessisclMn Bauern- 1 bundes und der Fleischerinnung der Provinz Ober» 1 Hessen erfiärt sich grundsätzlich gegen die Drusch- ! Prämie in jeder Gestalt, auch wenn sie die Be- < zeichnung Lieserungsprämie, erhalten sollte. Wir I Verlangen im Interesse unserer Vogelsberg«rw und der später dreschenden Kleinbauern eine Preis- »
Halle eine wahre Todesangst, ihm zu begegnen: denn natürlich würde er sie dann wiedererk.'nnen unb verächtlich auf die „Tafeldeckerin" blicken.
Evelyn hatte ihr am Margen noch einmal klar gemacht: „Tu hast dich und uns alle schauder- hcfit blamiert. Ein Glück nur, daß die Kammels- terg deinen Namen nicht lveiss und es also hoffentlich nicht Magnus verraten kann. Er würde dir das nie verzeihen!"
Unter diesen Umständen hatte die arme kleine Modesta es gar nicht gewagt, ihre Begegnung mit Magnus bei K'ammelsbergs vor der erzürnten Sckwester zu erwähnen.
Teste grösser war ibre Angst, dass es durch Magnus selbst schliesslich doch noch herauskom- men würde. Er musste sie ja wiedererkemien, wenn er sie sah!
Indes,en fürchtete sie sich umsonst. Man erzählte Magnus natürlich von ihr und entschuldigte ihr unbegreiflich langes Ausbleiben. Emmy holt: zuletzt Modestas Bild, das auf Mamas Schreibtisch stand.
„Damit .Sie wenigstens einen annähernden
Man empfing ihn weder mit Geziertheit, noch mit Unterwürfigkeit, sondern mit einer natürlichen Herzlichkeit, die auch ihn sofort warm werden und viel länger bleiben ließ, als er eigtätlich vorgehabt hatte.
Besonders Lottchens frische, zutrauliche Art liess keinerlei Steifheit aufkommen. Si: erzählte dem „neuen Schwager" iratürlich gleich von d:m, was ihr Herz ganz erfüllte, und liess es sich nicht nehmen, Bertie, „den besten, liMen aller ylanner", in aller Äle zu holen, damit Magnus iFjn doch gleich kennen lerne.
„Lotte, sei doch nicht so töricht!" schalt Evelyn. „Magnus wird deinen Wunderjungeil ja foohl später noch kennen lernen! Er sieht nämlich ganz foie ein Junge aus mit seinem bartlosen Gesicht," fetzte sie, zu Magnus getoenbet, hinzu.
Lotte warf ihr einen entrüsteten Blick zu.
„Dafür ist er innerlich desto männlicher! Und fetzt hole ich ihn erst recht, damit Magnus stlbst urteilen kann! Es ist ja so nah, und Bertie wird gerade zum Essen heimgekommen sein!"
Wie ein Wirbelwind stürmte si: davon.
Modesta hatte sich nicht blicken lassen. Sie hatte eine Beforgung vorgffchützt und sich schon um zel/n Uhr entfernt. Man begriff nicht, dass sie nicht schon lärrgst wieder daheim sei.
In Wahrheit war sie es auch, fass aber drüben bei Hilda Sattler und lauschte herzklops.'nd durch die Wand, ob Magiius beim noch nicht sort- flinge, dem: eher wollte si: nicht hinüber. Si:
Die Kohlenkrisis in Wien.
.Wien, 19. Sept. (WTB.) Auf Grund des Bewlu^eS oeS Kabinettsrats erliess heute das Staotsamt für Haiidel unb Industrie eine Verordnung, wonach vom 21. September 1919 ab die Achtuhrsperre für Gasthäuser, Kaffeehäuser, Konzertsäle, Darie- tös eintritt. Tie Abendblät!er stellen fest, daß rm Laust des heutigen Tages die Kohlenkrisc ffch nicht gebessert, sondern eher verschlechtert hat Sollte in absehbarer Zeit nicht eine wesentliche Bcssermlg der Kohlenversorgung Wiens eintreten, P wird nicht nur der Betrieb der Gaswerke, sondern auch der Eiseirbahn ernstlich gefährdet.
Die Steinkvhlenerzeugung in England.
A m st e r i> a m, 20. Sept. (WTB.) Aus einem Bericht des „Board of Trade Journal" geht hervor, daß die Steinkohlenerzeugung in England im Zunehmen begriffen ist. In der Wock^e, die mit dem 5. September schboß, wurdm stir dem 27. Juli zum erstenmale Nned'.r 4V2 Mil. lionen Tonnen erzeugt, eine Mmge, die für den Verbrauch des Inlandes und für di: Ausfuhr er forderlich ist.
Die Nutzniesser der deutschen Valuta.
Berlin, 20. Sept. Der „Lokalanzeiger" meldet: Nach einem Londoner Telegramm der „National Tidende" besagen aus Paris ein- treffende Nachrichten, daß die Franzosen mh großen Einkäufen in Deutschland be^ ginnen, weil Deutschland das einzige Land ist, in dem die Valuta über Pari steht.
Oberbürgenneifterwahl in Karlsruhe
Karlsruhe, 19. Sept. (MTV.) Zum Oberbürgermeister von Karlsruhe wurde mit 91 gültigen Stimmen der bisherige Mannheimer Bürgermeister Dr. Julius Finter gewählt.
Ausschreitungen auf dem Leipziger Messplatz.
deutsche Feldwache an. Sie wurden nbg> luieicn. Verlusto auf deutscher S:ite: ein Ver- rounbctcr.
Die angeblichen Fricdensvorschlägc an Russland.
Daris, 19. Sept. (Wolff.) Havas. In der Tisku,,ron des Friedmsvertrages in der Kammer behauptete der Sozialist L o n g u e t, daß Lloyd Georges Unterhäwostr, namentlich Bullitt, mit onedensvorschlägen der cngfisckien und amerikani icheu yiegteruna an die Sowjets.nach Russland geschickt habe. Clemenceau wi:d?rhoUe zu ver- fchledeuen Malen, dass Lloyd George weder ihm periönuch noch in der Friedenskonferenz von diesen tzrledensvorjchlägen etwas mitgeteilt habe. Lon- guef sprach dann von den russisckien Gegenvorschlä- deren Wesen er auseinandersetzte. Er sagt?, dass Lloyd George seine Ansichten geändntt und die Verhandlungen nicht weiter verfolgt habe. Ein? englllche Mitteilung besage, daß England von dsts'.r Jnterventron in Russland abstehe. Longuet sprach dann von der Notwendigkeit, mit Sowjetrußland die Beziehungen wieder aufzun?hmen, woraus Pi> chon erklärte, daß Frankreich dies nicht könne.
Französische Truppen in Armenien.
V e r s a i l l e s, 19. Sept. (Wolff.) Eine französische Division in Stärke von 10 000 Mann wird nach Armenien gesandt. Sie soll in Alexandrowa landen, um den Bezirk von Adana an dec Bagdaübahn zu besetzen. Die Presse glaubt nicht, daß die französischen Truppen schon diesen Winter bis Er- zerum vorstossen können.
Ten Abend heute wollte man noch gemütlich im Familicmkreise zubringen, um sich gegenseitig näherzutreteu.
Zwar hatte Beate eine Einladung für das I
Mini, Franks. Sli. ? ife gelir. eitfc. bopwi1. iderschrank nti de-Einrichtunr. iflL Snjeö. u. 01Ä n Qlicüenn^-n«. kvtrch. pol Wait tn ote in. rocls. i’lct :olane, eoiL m. 9iw: änttb.fauf.gef. g. u. 018229 ab. G.L öhcrer, gut erbnltcnc lcher*chrank,R< Hratar-Schra'ik nolenmfeppich ü ftn gef. SmtiilL M t<monngabe u. 0183t -en Gieß y.nidn» I alte gut erbaltcsv. bkntüren levtl-Gla-l m werden Wort u en geiudjt. Sdjdnl ieb. unt 1M an b« nener Anzeiger erbe: Witte S'S geb. unt OlMetbe: nrenerAnWaereröi ittltz. Sldiiti oit WMt, M ild- fl. Lilbersach» unb Schuht
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Berlin, 20. Sept. Zu schweren Ausschreitungen gegen zwei Grenzjager kam es gestern auf dem Leipziger Meßplatz. Die Jäger wurden von einigen Zivilisten mit Schimpfereien belästigt und, als sie sich zur Wehr setzten, zu Boden geworfen. Einem Schutzmann gelang es, die beiden nach der Polizeiwache in Sicherheit zu bringen. Inzwischen waren zwei andere Jägerebenfalls von der wütenden Menge verfolgt unb einer von ihnen ins Wasser geworfen worden.
Sozialistentag in Riga.
Mitau, 20. Sept. (WTB.) Ter Sozia- listentag in Riga nahm eine Entschließung für den Friedensschluss mit Räte-Rußland an. Üeuapostolifche Gemeinde
Gottesdienste: Sonntag nachmittag 3'/, Uhr 7005 Mittwoch abend 8'/, Uhr.
Büchertisch.
,. , ~ Tie Heimat. Zeitschrift für Heimat- ltebe, Heimatschntz, Heimatkultur und Heimatkiulst, Erscheint in zwangloser Folge jährlich, 25mal mit ■öotragen berufener Künstler und Sckiriftsteller aller Parterrickchungen, mit Kunst- und tech fischen Verlagen. Preis jährlich 8 Mark, der Einzelnummer 40 Pf. Zu bezsthm durch „Dick Heimat", ö-nebberg t. H. (Schiloß). •
— Lucie Hörlyk, Meta Linde geb. Van aj. Roman. Einzige berechtigte Uebersetzung aus dem Tämschien von Pauline Klaibcr-Go!tschau. Umicllag- und Einbattdzeiichntung von Alphvns Woelsle. Preis geheftet 5 Mark, geb. 8 Mark. Verlag von Albert Langen in München.
Letzt- 2»achriebtch,
Feststellungen Noskes.
Berli n, 20. Sept. Reick-swehrminister Roste empfing laut „Vorwärts" gestern Vertreter von Berliner Großbetrieben und führte vor hnen u. a. aus: Von der oberen Truppen- ührung kann ich sagen, daß diese loyal 9.intcF,.mir fteht. Von den Heerführern, die ern pofittsch unliebsames Aussehen erregt haben, ck keiner mehr im Dienst. Taß sich in den unteren Führer stellen noch eine Anzahl kurzsichtiger Heißsporne befindet, bie lieber heute als morgen losbrennen möchten, ist mir wohl be- kamtt. Bei der Aufgabe, aus 24 000 Offizieren 4000 für die Reicl-swehr herauszuwählen, wird ehr sorgfältig verfahren. Zu der G e f a h r e i n e r Gegenrevolution äußerte sich der Minister dahin, daß seiner festen Ueberzeugung nach jeder derartige Versuch von vornherein scheitern müsse.


