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Erster vlatt
Mittwoch, 19. November 1919
169. Jahrgang
nur aus bcm friel» Alle
die O. H. L. übernahmen, narren es Wohl Wenige, die den Sieg der deutschen Waffen FmM vor der sogenaimten Reaktion und verleumdeten Militarismus für unerwünscht ten; aber es waren leider solche vorhanden.
Annahme von Anzeigen f. die Lagesinimmer bi5 juin Nackminag uotlxc ohne lebe^crbuibitdifeit Srtls für 1 mm Höhe für
n.eLien v.34mm Breite örtlld) 15 l>f, niiSiDfiitfl 18 •UL, für Rellame- anzeigen von 70 mm 1?re*ie 48 Pf. ’Brt Platz» voi idmn20e/ ,9luifd>lag. Hauvtschritleiter: Aug. Loen. üerQntiDortlid) ■ füt Politik: ’Mufl. ®oetj. für benübriafulriL Dr. Renidold Jem; für den Anzeigenteil: ö Beck; fäiniiich tu Dieben
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Ter 6kt<Mr Anzeige, erschein» laglick, außer Sonn und feiertags.
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genug ist.
Im übrigen erkläre ich. daß General Luden- dorsf und i ch bei allen großen Gntfdjei» düngen die gleiche Auffassung gehabt und in voller Uebereinstimrnung gearbeitet haben. Wir vertreten auch hier. Hand in Hand, die Aussassun- aeit »md Handlungen der O. H. L. seit oem .29. August 1916. Wir hielten den uneingeschränkten U-Boot Krieg schon bei unserem Eintritt in die O. H. L. für geboten. Anfangs 1916 war nicht zu übersehen, daß, wenn Armee unb Marine ihre Vorbereitungen für den U-Boot-Krieg beendet haben würden, die Führung des U-Boot-Krieges zur Pflicht wurde, weil anberc Mittel, der schwerbedrängten Westfront zu Hülfe zu kommen, nicht bestanden: der U-Boot-Krieg aber war der einzige Weg, den Krieg zu beenden.
Das Wort ergreift sodann General Ludendorff:
Ms Generalfeldmarschall v. Hindenbuvg irru) ich in die O. ö. L. eintraten, war die Lage sehr ernst, wir standen an der Front den Feinden gegenüber wie 6 zu 10. Die ungenügende Materialarisstat- tung urrd die zu geringe Vrnnitionsausstattnng bedeut le mit klaren dürren Worten die schwersten Verluste an Menschenleben und Wervn. Für den GeneralseLmarsclMl und mich war bei der Stellungnahme für den U-Boot-Krieg lediglich der Grund rnaßgelxrnd gewesen, daß der Reid>skanzler ein feindseliges Verhalten Dänemarks unb Hol- lands unter dem Drucke Englands in den Kreis seiner Berechnungen zog Md id il wir st inen Mann übrig hatten, um die Grenze zu schützen. Als wir
GietzenerAnzeiger
Eeneral-Anzeiger für Gberhesien
SmirfingsrunbhniÄ n. Verlag: SrShl'lche Univ.. Such. n. Steinbruderei K. Cartgt. SdirifUeitnng, S-lchästsft-ll- u.Drudcrei: Lchulstr. 7.
urteil.
Generalfeldmarschall v. Hindenburg: Heimat hat uns von diesem Augenblick an nicht mehr gestützt. Seit dieser Zeit fetzte auch die heimliche Zersetzung von Heer und Marine ein. Die Wirkung dieser Bestrebungen war der Obersten Heeresleitung während des letzten Kricgsiahrcs nicht verborgen geblieben. Die braven Trnp- ven, die sich ton der revolutionären Einwirkung frei hielten, hatten unter der Einwirkung durch du revolutionären Kameraden schwer zu leiden. (Glocke des Vorsitzenden. Nach Rücksprache mit den Abg. Warmuth uni> Dr. Sinz Heimer unterlaßt Vorsitzen- der Gothein jedoch eine Unierbrechung des Gericrcil- feldmarschalls.) liniere Forderung, strenge Zucht und eine strengere Handhabung raite-er Gesetze durchzuführen, wurde n i ch l erful t. So mutzten imfert Operationen mißlingen, so mutzte der Zusammenbruch kommen: die Resolution bildete nur den Schlu ßste» tl Em engln&er General sagte mit Recht: Die deutsche Lfemee »st
militäriselLN Mitteln an. Unsere Friedenspolitik batte versagt. Wir wollten fernen Krieg und be- Barnen doch den größten ...
Vorsitzender Got Hein (unterbrechmd): Hier ist ein Werturteil. Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, daß Werturteile durch die Bekundungen der Zeugen nicht ausgesprochen werden sollen. Ich erhebe also gegen diesen Satz Einspruch.
Ebeneralleldmarschall v. Hindenburg (fort» fahrend). Dann lasse ich tue Weltgeschichte darüber entscheiden. Ich weiß nur das eine mit absoluter Gewißheit: Das deutsche Volk wollte den Krieg nicht, der de»ltsche Kaiser wollte ihn nicht, die Rechnung wollte ihn nicht und der Große General stab erst recht nicht. Daß die militärische Zentralleitung aus die Möglichfeit eines etwa unvermeidlichen Krieges Dorbereitet war, ist selbstverständlich: dazu war sie da. Wir betrachteten es als unsere vornehmste Aufgabe, den Krieg durch militärische Mittel so schnell uitb so günstig als möglich zu beenden, nm es der Reichsleitung zu ermöglichen, die Geschicke des Landes wieder mit den normalen Friedensmitteln zu bestimmen. Wir wußten, was wir von dem Heer, der oberen und unteren Führung, und nicht zuletzt von dem Mann im feldgrauen Rock zu fordern hatten und was sie geleistet haben. Aber trotz der ungeheuren Ansprüche an Truppen und Führung, trotz der zahlenmäßigen Ueberlegenheit des Feint es konnten wir den Lamps zu einem glücklichen Ende führen, wenn die geschlossene und einlieitliche Zusammenwirkung von Heer und Heimat eingetreten wäre. Aber was geschah mm? Während sich beim Feind, trotz seiner lieber legen h,nt, ein Zusammenarbeiten aller Parteien und aller Schichten zeigte, so daß sie sich in dem Willen ' jum Sieg immer fester zusammenschlossen, machten sich bei uns, und zwar je schwieriger unsere Lage wurde, desto mehr, die Parteiinteressen geltend.
Vor). Gothein (unterbrechend): Hier handelt es sich wieder um ein Werturteil, dos über das Volkim Innern gegeben wird. Nach den Beschlüssen des Ausschusses sollen solch- Werturteile nicht abgegeben werden. Ich bitte also, diese Stelle zu üoergehen.
Generalfeldmarschall von Hindenburg: Diese Zustände führten zur Spaltung des Siegerwillens.
Bors. Gothetn: Das ist ein Werturteil, gegen ija3 ich Einspruch erhebe.
Gen era l seldmars chal l von Hindenburg: Die Geschichte wird über das, was ich nicht weiter ausführen darf, das endgültige Urteil fällen. Als wir unser Amt übernahmen, stellten wir bei d.r Rcchsleitung eine Anzahl von Anträgen, um dte Zusammen Wirkung aller Kräfte her- beizuführen. Was schließlich wieder durch die Einwirkung der Parteien aus unseren Anträgen g - worden ist, ist bekannt. Ich wollte Kraft und Mitarbeit gewinnen, bekam Verjagen und Schwäch:.
Bors. Gothein: Das ist wieder ein Wert
daten den Krieg gegen uns als ein:n Kreuzzug bezeichnet haben. Wenn Bernstorfs bekundete, daß wir Amerika vom Eintritt in den Krieg nur hätten abhalten können dadurch, daß rtnr Wilsons Vermittlung annahmen, so frage ich, ob er davon mich dem Leiter der früheren kaiserlichen Regierung Mitteilung gemacht Hot. Ich habe gleichfalls von dieser Auffassung des Grasen Bern- storss bisher nichts gehört. Hingegen hatte Herr v. Detlnnann Dollweg festgestellt daß Grasv Bern- ftorn hier zum erstenmale mitteilte, daß Wi.son unmittelbar nach der Susscx-Note durch den Obersten House wtssen ließ, er könne geg.'n England nichts machen, weil bie öffentliche Meinung bargen wä «. Auch hiervon wußte ich nickte Dann o l ich gesagt haben, ich wo le den Fried n nickt: in drei Monaten wäre die Sacke ohn hin durch den U-Boot-Krieg beendet in i arker Erregung u. d mit der Faust aur den Di ch ich aiend) Dieie Worte habe i ch nicht gesagt Ich ver- a;gc. daß der GencraliClbmarickall und meine sämtlichen M.tarbeiter darüber ve-nommen nerden, ob ich jemals sagte, daß ich dem deutschen Volke keinen Frieden bring n wolle. Das i l ein Hohn aui die Verantwortung, die ich in meinem Herzen fühlte. Ich verlange, daß durck bie Berne Innung aller Mitarbeiter über diesen Punkt Klarl^it geschaffen wird.
Hieraus Varn wieder Generalfeldmarschall von Hindenburg zu Wort: Ich wollte nur aussprechen, daß ich auch entrüstet bin über das, was meinem treuen Gehilfen und Mitarbeiter hier nack)gesagt wurde. Er ist stets für den Frieden eingetreten, aber allcrdnrgs nur für einen ehren- vollen Frieden, und den fronte er damals durch einen deutschen Sieg zu erringen. In diesem Sinne frafren wir Tag unb Nackt gearbeitet. Jedenfalls weise ick den Vorwurf gegen jneinen Mitarbeiter aus oas schärfste und mit größter Entrüstung zurück. _r ,
Gras Bern storsf: Ick habe weder den Wunsch, noch die Neigung, dem General Lützendorfs in diesem Tone zu antworten. Ich muß lediglich ein Mißverständnis aufklären. Wenn General Ludendorfs meint, ich hätte gesagt, er wolle überhaupt keinen Frieden, so ist mir das gar nicht eingefallen. Was ich gemeint habe, war. daß Ludendorff mir gegenüber ausdrücken wollte, er wünschte Wilsons Fricdcnsvcrmittlung nicht. Etwas atü) er es habe ich weder behauptet, noch behaupten wollen.
Als hieraus L udendorff erklärte, lerne Erregung sei erklärlich, dmn Gras Bern stör f sei für ibn der Mann, der ihn an seiner Ehre verletzt habe, erwiderte der Borsitzend.', dieser Sch'uß fei nicht gereckt ertint. denn Bernstorfs habe nur sagen wollen, daß Lud en dorff bie Absicht hatte, den Krieg nicht auf dem Verhandlnngsivege, lond rn butdj den Sieg zu beenden, was ja auch eine berechtigte Forderung sei.
Ludendorf ? erklärt-zum Schürfte: Tie Lage war anders, als Graf Bernstorfs ist awah. Wir haben bewiesen, daß wir den Frieden wollten. Als in Rußland^)« Revolution ausbrach und der Erfolg am Stochod Überraschend groß war, bat Herr vvn Bethmann Hvllweg mich, wir möchten von bieiem @tf»ly möglichst wenig mack>en, um die FrilLensverHandlungen mit Rußland nicht zu stören. Tiefer großen Härte unseren Truppen gegenüber (tinrmten auch wir zu. Auck pilichteten wir dem Wunsche des Reichskanzlers bei, in jenen Ta^en bie Russen durch weitere Kä'mpst nicht zu reizen. Dadurch unterstützten wir die Politik des Reichskanzlers, zum Frieden zn kommen. In jenen Tagen Haie ich auch die Bedingungen für den Wafsenstillstand mit Rußland entworfen, die so miloe waren, doß fein Pazifist etwas dagegen eminenten könnt:. Das sind dock schlagende Beweise.
Darauf werden die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit abgebrochen, weil weder Generalfeldmarschall von Hiudeub arg
Bethmann-Hollweg und dem Generalfeldmarschall v. Hindenburg über e.ne Aeußerung d-5 Professors v. Schultze-Gaevernitz (bezüglich dessen Vorwitrs des Twvp.lspiels) erklärte General v. Ludendorfs: Der Artikel des Abg. v. Schnlze-Gaever- nitz hatte nur Bedeutung, weil in ihm betont nxicbe, imr hätten gespielt. Tas ist eine der infamsten Lügen! (Der General wird hier durch den Bo» sitzenden unterbrochen mit der Bitte, derartige Werturteile zu unterlassen und mit dec Erklärung, daß er die Pflicht frabe, Professor v. Schulze- Gaevernitz als Mikglstd der Nattenalveriammlung zu schützen. Zudem habe dieser die betreffende Behauptung gar nicht ausgestellt.
Ludendorff: Ick wollte sagen, daß das die Lügen sind, die im Volte umlxrlouftn und dahin lauten, daß wir an allem Bösen schuld sind. Der Borwurs der Zwiespältigtert hält der Nachprüfung nicht stand. Das möchte ich mit al.em Nackidruck betonen.
Auf den Vorhalt des Vorsi tzenben, baß Graf Bernstorfs hier vor einigen Wochen Bekundungen gemacht habe über seine Unterredung mit Ludendorss am 4. Mai 1917, wobei 8uben- dorff erklärte, daß jetzt durch den U-Boot-Krieg die Sackte in drei Monaten beendet fein werde, erwiderte General Ludendorff: Wenn Graf Bernstorfs sagte, feine Tätigkeit hinsichtlich de» Friedens wäre mir unerwünsckst gewesen, so ist das falsch. Aber allgemein war mir die
Tätigfeil des Grafen Bernstorfs unsympathisch. Ich halte ass für möglich, daß er
den Reichskanzler über Willon nicht rechtzeitig unterrichtet hat, und daß er dadurch ba5 Schwanken in der U-Boolsrage veranlaßt hat, was schließlich zum Kriege mit Mmerifa und txm Neutralen führen mußte. Des Grafen Tätigkeit gefiel mir auch deshalb nicht, weil er in Amerika der englischen Propaganda so gut wie nichts entgegen geletzt hat. Aut diese «Propaganda all.'itt führe ich es zurück, daß die amerifainfdjci Sol-
Maspiahmen, das Hmdenburgprvgramm, das Hilfsdienstgesetz, und schliesstich der sogenannte AuMärungSdienst und die Aufnahme einer starten Propaganda gegen den Feind bezweckten nur, den Komps für das deutsche Volk so ichnell und so gut wie möglich zu beenden. Als im September 1916 der Reickiskanzler an uns mit dem Gedanken einer Friedensvermi.ttlung durch Wilson frerentrat, stimmten wie zu. Mit Spanniing, aber auch mit Skepsis warteten wir, ob Wilwn wirklich den Frieden vermitteln würde. Als nichts kam, lvaren wir nicht überrascht. Ms der Reick)skanzler dann das Friedensangebot der Mittel- m a (b t e machte, madnten wir gleichfalls loyal mit und zwar umsolicber, als wir den Willen des Obersten Kriegsherrn kannten, seinem Volke den Finden zu geben unb dem Hnre einen ttmen Winttrseldzug zu ersparen. Unsere Lage zu Anfang Dez. 1916 mar trotz unserer glänzenden Erfolge in Rumänien und den heroischen Leistungen an allen Fronten sehr ernst. Der Kräsdeverbrauch war groß. Dazu la in die Ueberlegenheit der Feinde a i Material. Tas Schlimmße al>er war die physische Awvannung der Truppen Der Geist an der Front roar noch ungebrochen Immerhin war die Lage schon so, daß wir zu ßanbe allein auf einen Sieg nicht rechnen konnten. Wir konnten günstigen a ls hoffen, in bet Verteidigung den feindlichen Siegeswislen zu lähmen Wir konnten unS sagen: wir können den Feind nickt zur Friedensbereitscka't zwingen, und wir mfif en, um u ?fer Ziel zu err ich n, de t Krieg so ich e'f n b so gni wie mög ich beenben unb ettvas tun, wenn un er Fri. densangeool kein ni Er olg fa e : 'clte Am 12 Dez m >cr 1916 ging im er Fr e- dersangebot in die Welt Betörten muß ich, daß wir dauernd m vo ler lieber in imm rig mi bet Reichs«eg e ung gearde 11 taixn, bereu Poli il wir nach P licht und G wis'en nack außen unter' stützten. Aus bec Antwort der E tent? auf da- F.-iebcnsangedot sprach der Vernichtuuo.s.oill' Lloyd Georges. Das Angebot tonnte sehr bald als gescheitert gelten. Noch während wir auf die Antwort werteten, machte Wilson seinen Vorschlag auf einen Frieden ohne Sieger unb ohne Besiegte.
Bezüglich der Haltung Amerikas stellte dann Generalfeldmarschall von Hindenburg fest, daß durch bie Vernehmung ves Grafen Bernstorff klargelegt wurde, bah Amerika auch ohne den U-Boot-Krieg entschlossen war, gegen uns in den Krieg zu treten.
Aus die Frage des Vorsitzenden, ob dies nur für den Fall gelte, daß wir bie Friedensvermittlung ablebnten, äußerte sich Hinben burg: Die vom Reichskanzler angeführten Gründe wurden von uns voll gewertet. Aber die militärischen Gründe waren uns stichhaltiger. Der Entschluß »um U-Boot-Krieg war wohl der schwerste Entschluß, der von uns bis dahin gefaßt wurde. Schwerer war nur noch der Entschluß am 26. Septem Iwr 1918 zum Waffenstillstand.
Geneväl L udendorff stellte dann fest, daß in ctiem Telegramm des Herrn do n Lersner an das auswärtige Amt, wonach Hindenburg er» tert habe: ,Lch halte das Wilsonsche Angebot für von En^and hervorgerufen. Wir fbraten aus nationalen Gründen unb mit Rücksicht auf unsere starke militärische Position jetzt nicht darauf ein» gehen. Offiziere und Soldaten erwarten den rück- sidstslvsen Einsatz aller Kräfte" ein halber Satz fehlt. Es müßte hcisrn: ,Lch halte dos Wiljonschc Angck«t für von England fretDorgerufen, umuns hin zu halten".
Generalftldmarfcckall v. Hindenburg: Wir (Taben geglaubt, doß das Angebot Wilivns nur aus dem Wunsche heraus ergangen ist, um uns hftizu- IjoIten und um eine Bersdwrfung des U-Boot- krieges, vor dem England schwere Sorge hatte, zu verhindern. . I
Im Anschluß an die Berlesmtg eines Bnef- wcchscls zwischen dem früheren Reichskanzler von |
Vie Vernehmung hindenburgr und Ludendorsft
Die Aussagen der beiden großen Heer Mrer, die gestern vor dem parlamentarischen Ausschuß vernommen wurden, boten ebensowenig sonderliche Ueberraschungen als die vor ihnen erschienenen und befragten Zeugen Hindenburg uno Ludendorff find unzertrennlich, haben beide offenbar oas gute Gewissen, nichts als ihre Pflicht getan zu haben und scheinen fest überzeugt zu sein, daß ihnen kern weiteres Mittel und kein anderes Verfahren zu Gebote stand, um zum Frieden zu gelangen als diejenigen, die sie angeweudet haben. Neu und erschütternd ist nur, daß der greife Hindenburg glaubt, trotz allem hätte der Steg erreicht werden können, wenn in der Heimat noch mehr die Front und der Siegeswille gestärkt worden wären . . .
Berlin, 18. Nvv. Schon lange vor Beginn brr Sitzung ist ber Sitzungssaal dicht gefüllt. Vvrs. Got Hein erwartete am ZeugeiUifch den General- felomarfchall imb richtete an ihn folgende Worte: ..Herr Genevasfeldmarscliall! Ter Aussckmß hätte Jfrnnt gern die Mühewaltung erspart, frier zu er» Kirnten. Er hätte Ihnen gern rn dieser Winterzcit bie schwierige Reife erspart. To aber General £ut<nborfi Wert darauf legt, gemeinsam mit Ihnen vernommen zu werden, so mußten wir Sie bitten, frier au crfrfxincn.
Gmeralfcldmarsdiall v. Hindenburg: Ich bars wohl erwidern, daß es mir ein Bedürfnis gewesen ist. an der Seite meines Kampfg'nvssen in schwerer und großer Zeit frier zu erscheinen. Ich bin dankbar dafür, daß mir frier die Gelegenheit dazu gegeben ist. Ebenso danke ich dafür, daß mir die Reife erleichtert worden ist.
Dorf. Go tHein: Herr Generalfeldmarschall! Ich bitte Sie jetzt, txm Zeugeneid zu leisten.
Generalfeldmarschall v. Hindenburg: Ich bin bereit, den Eid zu leisten, möchte aber bitten, bah ich vorher eine Erklärung verlesen lassen darf, br ick für mich unO General Ludendor ff ab- zugeben habe.
General Lubenborff: Ich stehe auf demselben Standpunkt wie ber GeneralieldmarsdxiL
Gcueval Ludendorff verliest dann folgende Crklärnng:
Der Paragraph 34 ber Verfassung bestimmt, daß "für da- Nntersuchungsveriabren die Bestimmungen der Strawrozeßorduung sinngemäß An- tombung finden. Tiefe fiel.t das Recht der Ze u g - nisverweigerung vor. Da das frier schwebende Verfahren sich nur auf 'Fragen des subjektiven Glaubens frinsickstlich der Zweckmäßigkeit dec Fortsetzung des Krieges bezieht und lich bahn Gefahren für bie Aussagen ergeben, Io er» fiärm wir beide Unterzeichneten, der Geiterab- fe.'dmarschall v. Hindenburg und General der In- fantertr Ludendorft, daß wir eine Aussage- Pflicht, die für uns rcdjtlidje Gefahren ergeben könnten, grundsätzlich nicht anerkennen können, fonbem daß wir, wie schon der frühere Reichskanzler v. Bethmann Hollweg unb sein Stellvertreter Dr. Hel sferich ansgeführt haben, vor einer Anormalität stel-en. Wenn wir gleid>» tvobl zur Eides- und Ausfagenleistung uns entschlossen haben, so geschieht es lebiglidj ans der Gnoägung, daß nad) einem vierjährigen Kriege ein so starkes Volk rote das deutsdfe ein Recht darauf frat, zu scheu, wie sich die Tatsachen unverz:rrt und ohne Partei leiden schatt an ber Front unb in ber Heunat abgespielt haben. Nur an ber Wrhr- beit kann bas Volk wieder gesunden, und darum sind wir zur Eidesleistung und zur Aussage bereit.
Was die Versasl'ungsniLsäikeit des Untersuch- ungsanssclm ses ai^langt, sv schloßen wir uns den Korb halten an, die Dr. Hel s ferich gestern in feiner Erklärung nicbcrgclegt hat.
• Vars. Go lhein: Ich kann nur bemerken, daß bas eine private WrllcuÄinßerung des Herrn
An bcm tatiäckli'lten Sadrbesland, ber ung unb bem verfassungsmäßig nieder- tirfe^ten Ausschuß ändert biete Willensäußerung nichts
Generasfeldmarscholl v. Hindenburg und Lu- dendorsf leisten darauf den Eü> mit dem religiösen Zusatz
Vvrs. Go tfrein: Tie erste Frage, bie wir 3‘frn/n vorzuleAm haben, lautet: Don welchem Zeit- pmift ab fridt bte Oberste Heeresleitung bie Er- Tldrung des uneingefdrränften U-Bovt-Kriegcs am L itebrunT 1917 für unaufschiebbar und aus tvadicm Grunde? Tie Fragen sind Ihnen bereits zugaagngen.
M.isK'brocken war, hatte an Ausdehnung zuge-1 land nach einer Reihe so glänzender, nie dage- »ommen^ 1915 iwt IL iei und 1 16 R min en luefcner Erftlge an zahllosen Fronten, nad) einer ^'9 ter in ben Kainpf ein. | Leistung von Heer und Voll, für die kein Lob groß zer Krieg lwtte kein Bespiel mehr tu der Ge- idjxfxte. Tt? Räume dehnten sich ins Gigantisl'L, -ne Truppen massen nahmen ung. hcirrc Stärken au und bie Technik gewann eilte vorherrschende BLvutung. Krieg und Wechvirtichift grillen in- etntinlRr über wve nie zuvor. Tas zahlenmäßige Verhältnis der Truppenkräfte an Menschen, Maschinen, Mir. i wn und anderen Hilismitteln nxir für uns, uno zivar von Anfang an, so ungünstig wie möglich. Getragen von der Liebe zum Vcck-rlaivd kannten wir nui ein Ziel: das Deutsche Reich und das deutsch? Volk, soweit menschliche Kräfte unb militärische Mittel es vermochten, vor Schaden zu bewahren und mÜitärischerseils einem gutem Frieden entgegen zu sühr en. Um diese gewaltigen Aufgaben unter- den schvierigsven Verhältnissen dnrchzu- sühoen, mußten wir den unerschüld'rlichen Willen zum Sieye hoben. Dieser Wille zum Sieg war aber unlös.ich gebunden an bi-n Glauben an unser gutes Recht. Dabei waren wir uns bewußt, daß wir in dem ungleichen Kampf unterliegen ntu'jten, wenn nicht die gesamte Kraft der Heimat auf den Sieg aus dem Schlachtfelde eingestellt wurde, urä) die militärisdiai sträfte von der Heimat aus erneuert würden. Hätten wii diesen Willen zum Sieg nicht gehabt, hättet, wir ihn nicht als seibltverstcnidlick angcseh.n bei dem Volke, so hätten wir dos schwere Amt nicht übernommen. Der beutidje Große General- stub ist in dem Sinn des großen nvilitärischen Pfrckosophen von Clausewitz erzogen Wir sahen den Kneg als die Fortsetzung der Politik mit
Grneralfeldmarschall v. Hindenburg: Be- tor ich diese Fragen pftichteremäß l«ntwvrte, bitte tefr als Grundlos für unser gesamtes Tun und 2&Xlen ftolaenbcs verlesen zu dürfen, beim aus bieten Grundlagen heraus ist alles gewachsen, was wir gtem haben.
SM. Gothein: Wir hatten allerbings bie Wtdrf txm ber Verlesung längerer Schriftstücke Abstayd zu nehmen, tocti es sich frier lediglich um txe <testlte:lung von Totsachen handelt. Es ist m wi>rlwltcn Erklärnngm des Ausschusses ausdrücklich leugeltellt worden, daß Werturteile Nmvfrl von den Zeugen wie von den Mitgliedern des Ausschusses ab Wut zu vermeiden sind
Genera selbmarschall v Hindenlmrg: Ms wir die Oberste Heevesl ittnig übernafrntai, war brr Weltkrieg bereits zwei Jal/re im Gonge.' Tie Erg-bnisse nach bcm 29. August 1916 lauen sich aber nicht losgelöst von den Ergebnis'en vor bieiem Dckum beurteilen. Denn der fitieg, bet 1914 yjcnnm iuyix; ------, ,ä
fwiidien Teut ch and und Oetterreich-Unge.rn einer- oon hinten erdrosselt worden. Wo die Schuld ist, teils, und Rl.ßond, Frankreich und Serbien an- bedarf keines Beweises. Das ist in großen Lrniai verersefts, bald darauf auch England und Japan, die tragische Entwicklung des Äiicged für Deutsch-


