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Dienstag, }9. August

[tigere Bedingungen vereinbart worden sind, ein Stundenlohnvon 1,23 Ml. su zahlen ist.

Tie erfdbtenenen Parieren rahmen bet Sckäedsspruck; an: ein Teil der Arbeitgeber war nitfit er[d;iciiett und l-at:e ©httgintg mit den Ar­beitern behauptet. Erklärung über den Sd,iebs* i|nnrf,i wird aucfi von diesen noch etngeTtolt.

4. denselben Sttmdenlolm setzte der Schlicke lungsausschuß auf Antrag des Tentid^ir Volz arbeiterverlandcs, Zahlstelle Gieren, gegen das Sägewerk C. Kaltenhäuser in Schot- t c n fest, dessen Jnl-aber feine Verhrnderimg an< gezeigt hatte.

5. Tie Firma H e ylige n ftaed t u. C o. in Gießen hat den früher im Weißbrnoergeschaft tätig geweseneil Arbeiter Wilhelm Modus an5 Hattenrod alsHilfsarbeiter" entlohnt, ohne daß für seine Arbeit, die man ihm mehr ans Mit­leid Angewiesen habe, ein Bedürfnis torliege. Ter 'lichtunas aus ichnß entschied, daß Modus, wenn er alsAnstr eich er" befefäftrgt wird, als sog. ungelernter" Arbeiter zu gelten und daher den Tariflohn des Abldmmens vorn 23. Ttai 1919 lStundenlohn 1,30 Mk.) zu erhalten bat. Ter Anspruch wurde jedoch erst mit Wirkung von Mitte Ium 'zuerkannt. Erklärung her Arbeitgeber'- firma y Scksiedsspmch, den der Arbeitnehmer anerfan. . , wird e rüge holt.

6. Tie Arbeiter der Firma Sack u. J-ug- hardt, sowie Jean Dem u. Co. in Gießen ließen durch den Bezirksverein Gießen-Wetzlar des Teutsck,en Bauarbeiterverbandes unter Ermäßigung des urfprüng lüften Antrags einen Lohn vvar 1,80 bis 2 Mk. fordern; ztvar sei die Z c m e n t f a br i - kation nicht als reine Saisonarbeit anAusprechen und deshalb nickst bcm. Baugewerbe gleichen stellen, immerhin iirüßten Löhne bewilligt toerden, die den im Ticsbaugewerbe beschäftigten Erdarbeitern ungefähr entsprächen.

Tie Arbeitgeber führten an, daß die Z e - m e n t i n d u st r i e, die keine Kriegsindustrie gc. wesen sei und dauernd unter Materialmangel uni Kohlennot zu leiden habe, einen schweren Staub habe, Zement sei kaum noch aufzutreiben. Die Firma Sack & Jughardt sei noch besonders in folge der ungirnftigeit Lage ihrer Fabrik mit Kleinbahn-Vorfracht belastet. Der Schlichtung^ ausschuß wählte eine andere Abstufung in den beiden oberen Lohngruppen und erkannte dahin

Den Arbeitern der Firmen Sack & Jughardt sowie Jean Dem & Co. in Gießen sind von der laufenben Lohnwoche ab folgende Löhne zu zahlen: den Arbeitern über 20 Jahren ein Stundenlohn von 1,75 Mk.,

den Arbeitern über 1820 Jahre em Stunden­lohn von 1,55 Mk.,

den Arbeitern über 1618 Jahre ein Stunden- lohn von 1,30 Mk.,

den Arbeitern unter 16 Jahren ein Stunden lohn von 1 Mk.,

Fliesenleger erhalten für die Zeit ihrer Spezial­arbeit den für das Baugewerbe bestehenden Tariflohn.

Soweit bereits günstigere Lohn- uno Arbeits­bedingungen bestehen, bleiben diese unberührt."

Die beteiligten Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben innerhalb einer Woche fett Verhandlung die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs zu erklären.

Vermischtes.

* lieber die Fu ßwanderung eines Knaben nach Amerongen weiß das hol- ländische NachrichtenbureauBaz Dias" zu be­richten: In Amerongen traf vor einigen Tagen ein deutscher Knabe ein, der eine Fußwanderung vost fünf Tagen zurückgelegt hatte, um den Kaiser zu sehen. Der Knabe nennt sich Franz Gaube: er stammt aus Duisburg, wo sein Stiefvater als Heizer lebt. Der Junge kam in entsetzlich verwahrlostem Zustand auf dem Schloß in Ämc rangen an lyrb wurde zunächst bei einem der Chauffeure unter gebracht. Nachdem er gründlich gesäubert und gesättigt worden war, wurde er in das Schloß eingelassen, wo das kaiserliche Paar sich mit ihm unterhielt. Später befragt, wie der Kaiser augenblicklich aussähe, erzählt Gaube, daß Wilhelm II. den Eindruck eines alten Greifes von 60 oder 70 Jahren mache. Durch seinen Bollbart und seine gebückte Hal­tung sei der Kaiser beinahe unkenntlich gewor­den. Beim Gehen stützt er sich dauernd auf einen Stock. Nackchem der Junge eine Woche als Gast des Kaiferpaaves auf dem Schlosse zugebracht, wurde er bei einem Einwohner des Dorfes ein- Quartiert, und dort soll er bleiben, bis er nadj Deutschland zurückkehrt.

Schicksal hatte dir in Sven einen braven Mänr zugeführt, der, wenn er auch von gleichen Bor- ausfebungen ausgina, tote du und die ganze Sippe, toenigftens das ehrliche Streben hatte, das Kind, das so weltfern ausgewachsen war, glücklich zu machen. Dir aber, die Zeit ihres Lebens gedarbt, die sich gesehnt hatte, begehrt und gefeiert zu wer­den, was ihr nur in der frühesten Jngeichzeit ge­worden, die in den alten Tagen des Glanzes so kühn war, zu hoffen, von einem Fürsten begehrt zu werden, ivar es nicht genug, Sigrid an der Seite eines ehrlichen Mannes geborgen zu wissen. Ein Zufall führt dir den Fürsten Goratschin zu dessen Großvater verzeihe, daß ich an alt:, längst vergessene Geschichten so unzart erinnern muß! von dir geliebt wurde. Da flammte dein Ehrgeiz, wenn ich es so milde audgebrürft - nennen darf, wieder hoch empor. Warum sollte deiner Enkelin nicht gelingen, was dir versagt war? Tu sähest schon Sigrid mit der Fürsten- kröne über der weißen Stirn du sähest dick: ihr zur Seite Anteil nehmend an den Jöufingimgm, bk deinem Enkelkinde wurde. Was tat es, wenn die Ehre der Soendburg dabei in Stücke ging ; Glanz, Reichtum und Mchcht 'wurden ja ein getaut gegen das, was man Ehre nennt, was die Wenig sten besitzen und was doch jeder im Munde führt, als hatte er nur allein es gepachtet. So ein kleiner, kleiner Fleck ließ sich sicher hinwegwaschm! So backte )l du und betrogst den Mann, der dich und Sigrid aus Armut und Elend errettet, du miß­brauchtest fein Vertrauen, indem du dieses junge Geschöpf systematisch in die Arme des Fürsten hetztest und in Zwiespalt brachtest mit ihrem Herzm unb ihrer Pflicht. Jetzt aber ist deine Macht zu Ende und ich, dein Enkelkind, das oft zu deinen Füßen saß, vergeblich um Liebe bettelnd, ich bin dein Richter."

(Fortsetzung folgt.)

Nr. 192

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Gberheftenj

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Zur Beacht^

Nachdruck verboten.)

Fortsetzung 36.

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peute aber totll ich bid? fragen, Gräfin Soend- »ing, wie hast du den dir anoertrauten Schatz, Zieles Kind, das nur dich allein als Sckutz hatte, Mutet? Wie hast du deine Pflicht geübt?"

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Ragna stand mit Hammenbcn Augen vor der »nutul Tas Sonnenlicht fiel voll auf ihre Ge- M.und umwob ihr Haupt mit schimmerndem «chern.

Die alte Gräfin lächelte Ohmsch, fast mit-

lMdLnohvrche.w Arbeit unter biU! ft , recbmm« geiuchl.

1 Wilh. Schmidt. IV

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ist zurück.

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Ragna Soendburg

Montan von Anny Wothe.

Zucker-, Frucht-, Sti Äaffee- uno andere ii w den böchüen M Angebote an M. $:ü stein, Giesien, Lachn Handl, Eeltersive? >; Telephon 53i tifi

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1 Ctadtv. Kiel (U. S. P.) fragt wegen der KwSrcAtut I Teuerungszulage der städtischen Arbeiter an.

| Oberbürgermeister Keller erwidert, daß die TntvLge noch bearbeitet werden.

Stadtv. Vetters (So-0 wünscht eine Tabelle £ter die Gehaltsbezüge der Beamten, denen Teue-- rumgszulage bewilligt wurde. Tic neue Zulage betrage 3/< Millionen. Der Notwendigkeit könne sich niemand verschließen. Aber es führe ins Endlose. 6s fei nottvendig, auf die Preisgestaltung der Lebensmittel ernzuwirken. Vielfach wurden auf Lebensmittel Aufschläge genommen, die mit ihrem Werte und der augenblicklichen Preislage in feinem Verhältnis ständen. Hier müsse die Preisprüfungs- ftrfte ein schreiten.

Stadtv. Volz (Soz.) tritt für die Stadt­arbeiter und Hilssichutzleute ein.

Stadtv. Frau Naumann (D.-N.) fragt nach btt Gehaltsregelung der Angestellten, bei denen die Stadt Zuschüsse gewährt.

Stadtv. Kling (D.-N.) tritt für Revision der Beamtenbesoldungsordnung ein und für Vor­schüsse der Beamten und im Herbst zum Ankauf ton Kartoffeln und Brennholz.

Oberbürgermeister Keller bemerkt, daß An- Imge vorliegen, die noch behandelt werden sollen.

Stadtv. Ebel scÄießt sich Pein Anträge Vet­ters an und erbittet eine Uebersicht, in welchem Verhältnis die Beamten und Arbeitergehälter und bie Lebensmittelverhältnisse gestiegen sind.

,Tein Recht?" Tie alte Frau mit den wachs­weichen Zügen lächelte geringschätzig.Das hast du verwirkt, als du Heimat und Vaterlwus ver­meßest, um wie eine Abenteuerin hinaus in di: Delt zu ziehen. Unsere Wege gehrn auseinander, flußer mir gibt es nur noch eine Gräfin Svend- hng und das ist Sigrid dich kenne ich nicht mehr."

Ragna erblaßte, aber in ihren großen, grauen Augen zuckte ein flammender Strahl auf, wie olitzesleuchten.

Es handelt sich hier gar nicht um mich," sie, ihre Erregung gewaltsam bezwingend, fendern um Sigrid."

il Ihretwegen bin ich. hier, ihretwegen seh: ich ach wieder. Als ich von Svendburg fortging, vn .für dich, , Sigrid und mich eine Existenz zu KfeiTfen, weil ich zu stolz toar, das Gnadenbrot an- zu essen, ließ ick dir meinen einzig m und (timen Schatz zurück. Meine Schwester und dein kivlelkind! Wenn ich auch längst cingefctyen hatte, M unsere Wege weit auseinander gingen, so traut: 4' dir, einer Soendburg, doch so viel verwandt- AMuhes Gefühl zu, daß du dein eigen Fleisch und

Der Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhcssen.

Verhandlung vom 14. August 1919.

1. Tie Arbeiter des Quarzit st einbrnchs dec Firma Hofmann in Alsfeld waren in Streik getreten, da die Neuregelung der Löhne nicht zustande gekommen war. Aus Antrag des Deut­schen Bauarbeiterverbandes, Bezirks­ausschuß Frankfurt a. M., befaßte sich der Schlich- tmigsausschuß mit den streittgcn Verhältnissen. Antragsteller wollen die Sätze des Tiesbauge- werbes (1,35 Mk.) Stundenlohn angewandt wissen, und zwar wegen der z. Zt. bestehenden Heber» Produktion nach einem sofortigen Uebergangs- lohn von 1,20 Mk., auf dem man aber, rveil er zur Lebenshaltung nötig sei, unbedingt bestehen müsse.

Der Arbeitgeber machte geltend, daß im lau­senden Jahre bereits drei Lohnaufbesserungen zu- gestanden seien, und daß der seit 20. 6. 1919 ge­zahlte Stundenlohn von 1 Mk. das AeuHerste fei, was man leisten fömte. Denn es fehle der Absatz, die Krupp-Werke z. B. seien über­reichlich mit" Material versehen und ließen nichts mehr anrollen.

Der Sch lichtungsausschuß entschied: Von Wiederaufnahme der Arbeit an ist ein Stun­denlohn von 1,10 Mk., ab 1. September 1919 rin solcher von 1,20 Mk. unb ab 1. Oktober 1919 von 1,35 Mk. zu zahlen.

Die schwierige Sage der Industrie, bei der bekannten Kohlen- und Transportnot, ist in der Quarzittndustrie noch durch die Aus- landslonkorrenz verschärft. Die zuerkannten Löhne sind aber zur Lebenshaltung der Arbeiter 'nötig; ein Lohnabbau kann zunächst nicht in Frage kom­men, da eine dauernde Preissenkung noch nicht zu beobachten ist.

Arbeitgeber erklärte, daß der Schiedsspruch nicht anerkannt werden könne, vielmehr die Ent­scheidung des Staats kommissars angerufen werde; die Arbeitnehmer behielten sich ErKärnng (inner­halb 1 Woche) vor.

2. Der Deutsche Bauarbeiterver­band, Zioeigverein Frankfurt a. M., strebte für die Arbeiter des Bauunternehmers Wil­helm Wirth in Nieder- ll stadt die Einführung des nach dem Lohntarif für die.Lohn­gruppe II festgesetzten Lohnes an. Ter Schlich- timgsaus schuß entschied, daß den im Betrieb be­schäftigten und zu der bett. Zeit beschäftigt ge­wesenen Arbeitern ab 1. Juni 1919 ein Stunden­lohn von 1,80 Mk. für Maurer und 1,70 Mk. für Hilfsarbeiter und ab 15. Ai^gust 1919 ein solcher von 2 Mk. bzw. 1.90 Mk. zu zahlen ist.

Die Arbeitnehmer erkannten den Schiedsspruch an, der den nicht erschienenen Arbeitgeber mit Aufforderung zur Erklärung ^gefertigt wird.

3. Aus Antrag des Deutschen Holzar- beiterverbandes, Gau Franffurt a. M., wurde zur Turchfühmng des um Pfingsten in Mlsftld für die Holzindustrie getroffenen L-ohnabbommens entschieden, daß den ,in den Oberhessischen Sägewerken von Heiiu- rich Reitz in Ehringshausen, Friedrich in Tecken- bach, Will). Feyh I. in Gontershausen unb Romer in Grost-FÄda beschäftigtem Arbeitern Dtont der laufenden Lohnwvche ab, soweit nicht bereits güw-

Köpfchen und hob nur ein klein wenig die LDer mit den langen Wimpern, als sie leichthin sagte:

Tu wirft wohl rtutgebanigen Ragna anpören müssen, Großmama denn ich will was sie will."

Tu, bu 'willst, was sie will," fuhr die Gräfin auf Sigrid ein, ,Hu einfältige^ Geschöpf, daß noch nie einen anderen Willen gehabt als den rnftnen?

Stadtv. Beckmann (ü. S. P.) ist für drin- genbe Erledigung bet Zulage für Stadtarbeiter. Er wendet sich dagegen, daß aus der von Stadtv. Ebel verlangten Uebersicht falsche Schlüsse gezogen werden.

Stadtv. ftrauS müHer (D. V.): Die Frage der Beamten- und Arbetterschast darf nicht partei­politisch behandett werden. Die Stadt wird in jeder Weise entgegenkommen. Wb es fehtt, muß un­bedingt geholfen werden.

Stadtv. Mann (Sr^.) betont, Zahlenmate­rial habe nur einen zweifelhaften Wert.

Stadtv. Ebel (Dem.) wendet sich dagegen, daß aus seiner Anregung voreilige Schlüsse ge­zogen würden.

Stadtv. Schm ah l (D.-N.) schließt sich den Ausführungen Krausmüllers an.

Ter Antrag des Finanzausschusses wird ein­stimmig angenommen.

Vergütung für Aushilfskräfte.

Ter Finanzausschuß beantragt, die Vergütun­gen der Bureau Hilfskräfte mit Wirkung vom 1. April 1919 wie folgt zu erhöhen: Vom 20. bis 24. Lebensjahre auf 300 Mk., vom 25.29. Le­bensjahre auf 325 Mk., vom 30. Lebensjahre auf 350 Mk. monatlich. Dazu tritt für jedes Kind eine Ktnderzulage von je 500 Mk. jährlich. Die für bie Siinberjulagjen der Beamten geltenden Vor- schristerl finden im übrigen entsprechende Anwen­dung. Die Vergütungen der Bureauhilfsdiener unb ber Hilfsfclbschützen werden mit Wirkung vorn 1. April b. Js. um 50 Mk. monatlich erhöht und bie Kinderzulage auf 500 Mk. für jedes Kind fest­gesetzt. Die Vergütungen der Burcaubilfskräfte unter 20 Jahren werden mit Wirkung vom 1. April b. I. um 30 Mk. monatlich erhöht.

Ter Antrag des Finanzausschusses, ber eine wesentliche Erhöhung ber Bezüge darstellt, wird chiftimmig angenommen.

Gewährung eines Uebertmerungszuschusses an die Baug'llwssenschaft.

Oberbürgermeister Keller benchtet, baß vom Reich, Staat unb Gemeinde Bautostenüberteue- rnngszuschüsse für Klein- und Mittelwohnungen zu bereinigen sind. Von der Stadt sind ls/4 Millionen bei den zuständigen Stellen beantragt worben. Das Landes-Arbeits- und Wrrtschasts- amt hat jedoch mitgeteilt, daß es nicht in der Lage sei, diesem Aittrag zu entspreck)en, da die Mittel begrenzt seien. Aus öfient- lickien Mitteln der Stadt sollen 700 000 Mark bewilligt re erben. Der Finanzausschuß beantragt für die Gemeinnützige Baugenossenschaft, bie mit ihren Bauten sofort beginnen will, 400000 Mk. zur Verfügung zu stellen unter Bedingungen, die der Stadt einen entscheidenden Einfluß zusichern.

Stadtv. Ebel (Dem.) stimmt dem Anträge zu.

Stadtv. Mann (Soz.) vertritt ben Stand­punkt, baß eine Herabsetzung der Mittel gerecht- fertigt wäre.

Stadtv. Krausmüller (D. V.) schlägt in Anbetracht der Dringlichkeit glatte Erledigung vor.

Stadtv. Sommer (Dem.) behandelt die Fragen der Lehmbauweise, des Zusttoms zu den Städten und eines Provinzialwohnungsamtes.

Stadtv. Mann (Soz.) regt an, Luxusbauten zu verhi7idern, die das vorhandene Baumaterial beeinträchtigen.

Beig. Krenzien bemerkt, daß sich das Stadtbauamt mit der Lehmbauweife befasse.

Errichtung von Schulftellen an den Volks­schulen.

Oberbürgermeister Keller führt aus, daß durch die Einführung der Einheitsschule die Vor­schulen Wegfällen. Fünf neue Volksschulstellen sind am 17. April von ber Schuldeputatton befürwortet worden unb sollen dem LmrdesbildungSamt vorge­schlagen werden.

In diesem Sinne wird beschlossen.

Stadtv. Frau Nau monn ($>. N.) beantragt, daß die erledigte Stelle der Handarbeitslehrerin, wieder besetzt werde.

Damft ist die Tagesordnung erledigt.

Außerhalb der Tagesordnung be- antragt Stadtv. Beckmann (U. S. P.), den Kriegshinterbliebenen 10 Ztr. Holz unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Oberbürgermeister Keller bemerkt, daß ähnliche 9lnträge auch von den Kriegsbeschädigten vorgebracht würden, aber noch nutzt schriftlich vorliegen.

©tabtp. Müller (Bürgerv.) ist der Ansicht, daß man einstweilen noch ohne Handarbeits­lehrerin auskommen müsse, da es an Sälen mangele.

Stadtv. -Weiß (U. S. P.) beantragt, ben Kriegs Hinterbliebenen unb Kriegsbeschädigten eine Teucrungsbeihilse von 100 Mk. zu gewähren und

leidig und sank dann ächzend in bat Sessel, den ihr Sigrid zurecht rückte.

Was fällt dir ein," sagte sie, heftig ihren Krückstock auf den Boden stoßend, als sie sah, daß Ragnas Blick herausfordernd den ihren suchte imb sich durch ihren Hohn und Spott nicht beirren ließ.Wie kannst du törichtes Kvtd es mögen, Rechenschaft von mir zu fordern, du, die du jedes Rx.cht auf meine Liebe und Nachsicht selbst mit Fußen getreten hast!"

Seine Liebe und Nachsicht?" entgegnete Ragna mit schmerzlichem Lächeln.Deine Lieb: habe ich nie besessen, aber unendlich oft als Kind ent­behrt. Teure Nachsicht lernte ich nur kennen, wenn sie beiiten eigenen Wünschen entg:genkam. Ich verzichte auf beides, unb ich bin auch nicht hier, sie '/Md) zu rufen. Ich verlange etwas anverÄ von dir, und ich glaube 'wohl, nicht fehl zu gehen, werm ich. annchme, daß die greife Gräfin Svmd- burg, bie, so viel mir bekannt ist, eine tadellos': Vergangenheit haben will, nicht noch! an bet Schiwelle des Grabes eine Ehrlosigfeit begeht, die durch nichts hinweggewaschen werden kann."

Bist du wahnsinnig?" schrie die alte Frau auf, mit dem tückischen Blick des Tigers ihre Gegnerin messend und vergeblich den Versuch ma- dfenb, sich zu erheben.Was sagst du zu dieser bodenlosen Frechheit, Sigrid. Komm, führe mich auf mein Zimmer, ich habe nicht Lust, mich hier noch länger Insulten von dieser--," sie rang

vergebens nach Worten,dieser Person sagen zu lassen."

Sigrid rührte sich nicht. Sie lag, die Augen fralb geschlossen, in ihrem Schaukelstuhl, als ginge sie die ganze Sache nichts an. Ihre zarte Gestatt machte den Eindruck des Müden, des Gebvochen- i ^Bei den heftigen Worten der Gvoßnruttrr toanbte sie nur ein Öan wenig das votlockige

ihnen Kartoffeln zum billigsten Preis zu liefern. Ferner beantragt er bie Anstellung eines Kriegs­beschädigten beim Arbeits- und Wohnungsnach- weis.^ -

Stadtv. Kling (D.-N.) beantragt, ben Klein­tierzüchtern ben VerfteigerungSpreis für G.as um 50 Prozent zu ermäßigen.

Stadtv. Schmahl lD.-N.) fragt an, warum bei ber Beratung über die Hinterlandbahn niemand zugegen gewesen sei. Ferner erkundigt er sich, reo bie verbilligten Lebensmittel blieben, von denen in Wetzlar Schmal;, Speck und Hülsenfrüchte wöck)entlich verteilt würden.

Beigeordneter Krenzien gibt Aufklärung, daß diese Lebensmittel noch zu erwarten seien.

Oberbürgermeister Keller bemerkt, daß die Einladtmg zur Besprechung des Hinterlandbalm­projektes verspätet eingegangen sei.

Beigeordneter Krenzien äußert, daß die Stadt keinen entscheldenden Einffuß auf bie Ge­staltung der Hinterlandbahn gennnnen könne, so­lange sie die Biebertalbahn nicht erworben habe

Oberbürgermeister Keller verspricht, die Frage dentnächst auf bie Tagesordnung zu setzen.

Stadtv. Otter (USP.) befürwortet eine Ein­gabe der Nachtschutzleute.

Stadtv. Fourier (USP., teilt mit, daß billiger Speck morgen ausgeteilt werde.

Die Sitzung schließt um 11,30 Uhr.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 18. Aug.

Tie heutige dringende öffentliche Sitzung be­handelte zum größten Teil Fragen, bie in der Llb-- nefenbeii des Stadtober Hauptes zurückgestellt rurren, aber leinen längeren Aufschub mehr er- tiildeten. Bor allem war bie Teuerungszulage für Ocamte, Lehrer unb Bebienstete, sowie die Ver- giilHilft der Aushilfskräfte zu genehmigen. Sämt- iidv Parteien standen von vornherein auf dem Voten der Vorlagen, die einstimmig bewilligt wur­den. Eine kurze Debatte bezog sich nur auf Neben- sragcn. Sodann wurde ber Baugenossenschaft 1894, die sofort mit ben Arbeiten an ber Siedlungs- fotonie beginnen will, ein Ueberteuerungszuschuß von 400 000 Mk. bewilligt. Ter letzte Punkt be- ttaf die Errichtung von Lchulftellen an den Bolks- sckulen, die durch die Aufhebung der Dorschlilen notnendig geworden sind. In Frage kommen fünf Stellen, deren Erledigung beim Landesbilbungsantt beantragt werben soll. Nach Schluß der Tages- orbltung wurden verschiedene Anregungm zur Un­terstützung von Kriegsteilnehmern unb Kriegshin­terbliebenen durch verbillitzten Bezug von Kohlen unb Kartoffeln vorgebvchht. Tie Sitzung war innerhalb einer Sttmde beendet.

Sitzungsbericht.

Anwesend sind Oberbürgermeister Keller, Beigeordneter Krenzien, svivie mit Ausnahme von Tiehl, Cichert, Gmelin, Kramer, Winn 37 Lladwerordnete.

Zu Urkundspersonen wurden erlvLhlt bie Stadtvv. Kra iling unb H ö hn.

Oberbürgermeister Keller eröffnet die Sit­zung um 11 r/s Uhr.

Teuerungszulage für Beamte, Lehrer und Bedienstete.

Tie Frage soll, wie Oberbürgermeister Kel­ler mitteilt, so geregelt werden, daß die frag­lichen Beamtenkategonen die gleichen Teuerungs- Klagen benebelt, wie die staatlichen Beamten. Ter Finanzausschuß beantragt hierzu folgende Sätze:

Ter Antrag des Finanzausschusses geht dahin, kn Beamten, Lehrern unb Bediensteten für das slechatungsjahr 1919 mit Wirkung vvm 1. April 1919 und unter Anrechnung auf die feit diesem tage bereits bewilligten Teuerungszulagen he gleichen Teuerungszulagen zu ge­währen, wie sie bie Staatsbeamten nach, dem Aus­treiben des Gesamttninisteriums vorn 14. Juli 1919 erhalten.

Bedienstete bis zur Vollendung des 17. Le­bensjahres erhalten eine Beihilfe in Höhe von 50%, bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres aiwt Beihilfe von 60% des Familienzuschusses, her 2000 Mk. für Verheiratete, für Ledige über 50 Jahren 80% beträgt.

Ter durch die Erhöhung der Teuerungszulage ^forderliche Kredit vvn 750 000 Mk. reiti> be- rilligt zu Saften der unter 46 a und 65 des bauptvoranschlages und ber in ben Voranschlägen ter Neben lasse vorgese henen Teckungsmittel.

Unter Hinweis darauf, daß die Hess. Volks­kammer und anberc Städte die Erhöhung der Teuerungszulagen debattelos genehmigt haben, bittet Oberbürgermeister Keller um einstimmige Tnnahme.

wollt."

Ragna holte tief Atem sie brauchte ein Paar Augenblicke den Persönlichen Ausfall ber Großmutter gegen sie zu bekämpfen. Sigrid aber rannte ihr zu:

DLach's kurz, sonst stehe ich für nichts."

Die kostbaren Spitzen ihres Morgcnkleides krachten unter den nervösen Händen Sigrids und fielen in Fetzen zu Boden.

Ragna legte schützend ihre Hand auf das fertige Haupt ber jungen Frau, und Sigrid lächelte, mit dem wehen Lächeln einer Sterbendm, beruhigend zu ihr auf.

Tiefes Kiird hier," sagte Ragna hart,hatte ich dir anvertraut, bis ich selbst kam, es zurück zu fordern. . Du entfebigteft dich dieser Pflicht, tnbem du sie Sven in die Arme triebst. Tu ftagttft nicht danach, ab die beiden sich liebten, ob sie für einander Paßten, dir war es genug, daß du den alten Glanz unseres Hauses itrieber aufrichten konntest, um selbst zu genießen. Mit dir, die du selbst nie wahre Liebe gekannt, die du selbst tote ein Stück Ware an den Meistbietendm einst verschachert worden bist, will ich nidji allzu streng ins Gericht geben. Tu tatest eben, was man allgemein in unseren Kreisen tut. Man ver­kauft sich und ob darüber das Herz in Stücke geht. So altmodische Sachen wie Liebe gibt es ja bei uns gar nicht mehr.

Als du bein Werk erdicht, da hättest du twhl mit dem Erfolg zusrieden fein können, Tas

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