Zweites Blatt
llr. W
Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Mntag, 18. August 19(9
Tie
Abg. Dr. Drau n-Franken (Soz.): Wir ftim* für das Gesetz, nm( der Nt'apitndlurfrt endlick
kür
des
dazu em gegangenen Petitionen für erkbigt er»
Wasserwerk tiMti
? folgt die dritte Beratung des Grund-
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'geira'1 Ragna Svendburg
(jeüetctt- soliden.AI I vioman von Anny Wothe.
ÄoAKriirf horfinlfirt \ •tnt'fii’ftlfttrt 31
Fortsetzung 35.
Nachdruck verboten.)
CCETOOöD^DXOIC
lianbtoiri
Gehalts vor sehen.
Eine ungarische Note an die deutsch-
(rin Antrag der Mehrheitsparteien (Sozial- dnokraten, Zentrum und Demokraten) will einen 7a einschieben, wonach die Steuer nur ^ur ^l'te erhoben werden kann, toenn der stenerpflich- jge Betrag bei bebauten Grundstücken 20 000 Mk., ei unbebauten Grundstücken 5000 Mk. nicht über-
Das Gesetz wird darauf angenommen.
Das Spielkartensteuergesetz wird in dritter
Nack unerheblicher Debatte wird die Einfügung Artikels 7a in das Gesetz angenommen.
Vs folgt die dritte Beratung des Zündwaren-
g unverändert angenommen.
Zu dem Verzeichnis von Petitionen, welche Ausschuß für ungeeignet zur Erörterung im num erachtet sind, richtet Abg. ThielelSoz.) Vorsitzender der Petitionskommission die Bitte i die Presse und an die gesamte Öffentlichkeit, : allem Nackstwuck darauf hinzuwirkcn, daß
Briimg angenommen.
Tie Gesetze über röte außerordmtliche KriegK- bc und eine Kriegsabgabe vom Vermögms- clis werden in dritter Lesung angenommen und
geben. 'M
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A«s Stadt und Land.
Gießen, den 18. Aug. 1919.
** Amtliche Personalnachrichten.
Schulamtsanwärterin Wally von Zedlitz und Neukirch aus Hofgeismar wurde zur Lehrerin an der Viktoriaschule zu Darmstadt er-
itaus, ’to.itaitilit Rosenztvch,
Jen, Seitenweg 581
l,e fltniigL) 0157g
„Ich kann ihn nicht auf geben, ich liebe ihn Wnd. Trennung von ihm ist schlimmer als Md."
I Ragna lächelte leise. „Tas glaubt die Ju- M»." sagte sie milde. „Und 'roie viele müssen den M-D der Entsagung gehen? Wie viele müssen Ntfen? Und dann" — — Ragna holte tief r***™ — es kostete ihr jedenfalls Anstrengung zu mcchen — „wenn Gott dir ein Kind schenkt, — « lvillst du deinem Kinde in das schuldlose Ant-
putsche Nationalversammlung.
Präslla.ll Fehrenbach eröffnet die Sitzung ijj, 3 Uhr 20 Minuten.
Aoeite Beratung des Gesetzentwurfes betref- <,d Maßnahmen gegen die Kapikalsabwanderung.
Abg. Raschig (Dem.): Wir sind selbstver- nändlich gern bereit, alle Maßregeln zu unter» u.>en, die geeignet sind, die Kapitalflucht zu un- i.-rbinben und wenn möglich noch rückgängig zu ^chen, auch wenn es sich dabei um Maßnahmen i.utbelr, die niemand früher zu denken gewagt hätte, tior allen Dingen muß daraus Wert gelegt wer- daß derartige Maßnahmen vorsichttg vor- eitet und bis zum letzten Dlugenblick geh?im ge» Hüten werden. Als die Nachricht durch die Presse png, es sei eine ?lbstempelung der Banknoten be- jb(i(f)tigt, war die Folge ein ungeheurer Valuta-
^Abg Dr. Ri eß er (T. Dpt ): Wir werden
Gesetz annehmen, da die Kapitalflucht mit iltrtt Mitteln verhindert werden muß. Trotzdem lyn wir uns genötigt, unsere Bedenken gegen sis Gesetz zum Ausdruck zu bringen. Man sollte te Absicht der Notenabstempelung nur nach nochmaliger genauer Prüfung der Frage vornehmen, lb dadurch nicht schwerer Schaden angerichtet wer- frat würde
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zuständig fei ober bei welchem der Znsmnz.'nweg nicht erfolgt sei ober wo das nötige Beweis mal eri al fehle.
Eine Reibe von Berichten des Petitionsaus- schusseS wurde daraus ohne Erörterung gemäß den Kommissionsanträgen erledigt
Schluß 61/, Uhr. Nächste Sitzimg Montag vormittag 10 Uhr. Tagesordnung: Anleihekredite, zweite Beratung des Offiziers- und Mannschafts- versorgungsgesetzes und der Reichsabgabenordnung.
Weimar, 16. Aug. (Wolff.) In der Sitzung des sozialen Ausschusses kündigte heute Unter- staatssekretär Schulz die baldige Vorlage eines Reichsjugendgesetzes an.
Ich kenne den Fürsten nicht, aber ich bin überzeugt, er spielt mit dir. Kein chrlich denkender 'JJZamt wird die Gastfreundschaft eines Freundes annehmen, um ihm sein Weib zu entfremden, aber selbst, 'Wenn es anders wäre, dein Weg liegt klar vor dir, du mußt aushalven, damit dein Kiick dermaleinst nicht gezwungen ist, seine Mütter zu verachten, die seinen Vater verriet, bevor rnne unschuldigen Augen das Licht der Welt erblickt."
Sigrid war leichenblaß zu Ragnas Füßen gesunken und hob jetzt die gefalteten Hände zu ihr empor.
„Hill mir doch," flehte sie, ,Mis foll ich tun, erbarme dich meiner."
Ragna strich zärtlich die Locken von ihres Lieblings weißer ©tim. _
„Folge mir mir dieses einzige Mal noch, bat sie weich, „und du wirst es mir später danken."
„Komm mit mir," bat Sigrid, „laß mich nicht so allein in diesem schrecklichen Kampfe."
Ragna bebte Zusammen. Wie gern hätte sie der Schwester Wunsch erfüllt, aber konnte und durfte sie Sven in einen neuen Konflikt bringen, wenn sie unter Ausgabe ihres ganzen eigenen „Jchs" Sigrids berechttgten Wunsch erfüllte.
Nein, das hieß aufs neue Sigrids Glück gefährden.
,Lch kann nicht, mein Süßes," flüsterte sie, „aber sei überzeugt, daß ich in der Stunde der Not jederzeit bereit bin, zu dir zu eilen, um dir beizustehen. Und jetzt ruf. mir die Großmama, zuvor aber versprich mir, meinen bestimmten Anordnungen zu folgen und noch heute noch Soend- Burg zurückzukehren."
Sigrid lehnte matt das Köpfchen zurück uno sagte mit fast irrem, müdem Lächeln:
„Mein Glück ist tot — tue was du willst, nur schnell, bitte, sonst ist alles umsonst."
Und mit sanftem Wort zog Ragna Sigrid in re Arme. Wie süß, wie schmeichelnd die Stimme kgnaö zu trösten verstand. Sigrid war es, als ikre sie wieder ein Kind, als läge sie am Herzen Mutter, und Tränen, heiße Tränen voll Reue 6) Weh strömten aus den schönen Augen über zarten, blassen Wangen der jungen Frau.
Nationalversammlung nicht wie bisher mit Fravleia*.^A^M^ritionen überschwemmt würde, für die sie un- ninfnrh IlW 1 *11
Mr "Indisch, Kttpons
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tuergesetzes.
Ja der Mstimmung erklärt Mg. Tr. Mumm iftsck Ntl.): Wir tjaben fleißig mitgearbeitet, fön* in aber dem Gedanken der Monopolisierung, wie
rftcuert werden muß. Der allgemeine Tiefstand Irr Moral hängt zweifellos mit dem Kriege zu- Itnmten und nicht, wie hier behauptet worden ist, tri der Revolution
Rcicksfinanzministe^ Erzberger: Es han-
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österreichische Rcgientng.
Wien, 18. Aug. (WTB.- Nach einer Meldung des ungarischen Korrespondenzbureaus richtete der ungarische Außenminister eine Note an die deutsch-österreichische Regierung, in der es heißt: Mit Bedauern und Befremden erhielt die ungarische Regierung von einer Note der deutsch-österveichischen Regierung Kenntnis, wmiach diese den Präsidenten der Friedenskonferenz um die Ermächtigung bat, die Ord- Sunb Ruhe in den westungarischen Kvmitaten
Gendarmerie, Volkswehr und Sicherheitstruppen sichern zu dürfen. Als Begründung führt die deutsch-österreichische Regierung in ihrer Note an, daß die dort versammelten ungarischen Truppen, deren „Chauvinismus und Gewalttätigkeit" bekannt sei, der deutschen Bevölkerung der west- ungarischen Komitate „Schrecken und Verderben" aussetzen 'mürben. Tie ungarische Regierung sieht sich gezwungen, gegen diese Voraussetzung auf das entschicdenste zu ptoteftieren. Die deutschsprechende Bevölkerung Ungarns, die Fleisch von unserem Fleisch und Blut von unserem Blute ist, wird unter dem Schutze der hierzu entsandten nationalen Truppen von den Schrecken des Bolschewismus endgültig befreit '.ver- den. Was nun die Zugehörigkeit bet von deutsch- sprechender Bevölkerung bewohnten Gebiete West- imgorns betrifft, so würde sich die ungarische Regierung einzig und allein den unabänderlichen Beschlüssen der Versailler Friedenskonferenz beugen müssen, während jede einer derartigen Eillschließ- ung vor greifende gewaltsame Besetzung dieser Gebiete unsererseits bewaffneten Widerstand zur Folge gen müßte. Die ungarische Regierung muß ietzlich auf den peinlichen Eindruck Hinweisen, das Bekanntwerden des Sckrittes der deutsch- österreichischen Regierung auf die Gesamtbevölkerung Ungarns ohne Unterschied der Sprache und politt scheu Gesinnung macht und daß, währens die westungarischen Komitate vom blutigsten Terror und Bolschewismus heimgesucht war und Hunderte unter den entsetzlichsten Grausamkeiten dem roten Henker zum Opfer fielen, die deutsch-österreichische Regierung sich sorgfältig jeder Intervention enthalten hat, im gegenwärttgen Augenblick aber, wo das Land einet Wiedergeburt entgegengeht, sie vor imaginären Gefahren schützen zu müssen glaubt.
Ein englisches Gesetz gegen Streiks.
Berlin, 18. ,Aug. Tas „Berl. Tagebl." meldet aus dem Haag: In einer Versammlung von Arbeitgebern und Arbeitern in Birmingham teilte Clynes mit, daß Lloyd George mit dem Entwurf eines Gesetzes beschäftigt sei, das Streiks nur erlaubt, wenn sie acht Tage vorher angekündigt 'werden.
„Mein Liebling," flüsterte Ragna, Sigrid aus farie ziehend, „sieh, du mußt es versuchen, dein H zu bezwingen. Tenke, es sei unser Mütttr- 'X, das zu dir redet. „Wacke über sie, wach- r meine kleine Sigrid," bat sie mit ersterbender irnmc, sorge, daß fte gut und fromm bleibt 5 niemals abwcicht ovm Pfade der Pflicht. >llte sie aber schwanken zwischen „Gut und Böse", sti du ihr eine Stütze, leite sie auf den rechten Murti S^TiÄ Und ist der Weg schwer," sprach die Mutter • iter, „so sage ihr, daß die Gebete einer Mutter t leicht machen, daß der Gedanke, feine Pflicht zu haben, die tiefste Nacht des Elends mit Mein Strahl erhellt."
I Sigrid schluchzte leise an Ragnas Brust.
brtt sich nn ein seh^ einschneidendes, aber notwen- Gesetz. Gegen die Kapitalsflucht, die in den krten Monaten niemals erwartete Formen ange- emmen Ijät, sind rücksichtslose Gegenmaßregeln trvrbedkb. Tie schwierige und vermitwortiin^s- tzolle Arbeit wird das Finanzministerium nicht Mir in Verbindung mit allen anderen Ressorts, iiiWt auch mit den führenden Banken, j. vruehmen. ic von der Rcickissinanzvertvaltung beabsicktig- Itn Maßnahmen können keinen Valutasturz her- tvrrusen, weil sie daraus gerichtet sind, die beut=* Id-ert Weirte zu steigern. Me geg*n den Umtausch hergebrachten Bedenken können uns nicht davon bhaltcn, mit den stärksten Mitteln vorzugehen, gt.tc Sd äbigung de-s Wirtschaftslebens wirb nicht ri treten, tuoM aber eine sehr zu begrüßende Stei- wruna des bargeldlosen Zahlungsverlehrs. Zwi- deni(i,fine werden nicht ausgegeben werden. Wir fallen uns durch Kontingentierung der neuen Säte« helfen. Verschleierungen und Fälschungen e: Stempels sind so gut wie ausgeschlossen, da bn für diesen Zweck eigens konstruierte Stempel lach der Meinung von Fachleuten nicht nachge- noi f werden kann, wenigstens nicht innerhalb tt-ier Monate, die als Abstempelungszeit zunächst n betracht kommen. Tie Gesamtabstempelung '.virb ikl über einen sehr langen Zeitraum, vermutliche ihn Jahre, erstrecken. Ueber die mit dem Auslaute zu treffenden Verabredungen mochte ich fencr Mittellungen machen.
Tas Gesetz, das auf Antrag H a m pe (Dtsch. <?•'.! die lleberfdnüft „Gesetz gegen die Kapital- üuiir" erhält, wird hieraus in zweiter und brittnr
nannt. Am 11. August wurde der Hauptsteueramtsrendant Rechnungsrat Philipp Weiß zu Worms in gleicher Diensteigenschast an das Haupt- fleueramt Gießen versetzt. Am 9. August wurde der Psandmeister Konrad Weppler in Zwingenberg auf fein Nachsuchen unter Anerkennung feiner dem Staate geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt, ebenso der Bahnwärter in der Hessisch- Preußisck)cn Eisenbahngemeinschafl Otto Klös zu Kohden vom 1. Oktober d. I. an.
** Stiftung für bie Universitäts- Bibliothek. Geheimerat Professor Dr. Siebeck, der hervorragende Vertreter der Philosophie an unserer Universität, der mit Rücksicht auf sein geschwächtes Sehvermögen vorn kommenden Semester ab in den Ruhestand tritt, hat seine über 2500 Bande umfassende fachwissenschastliche Bücherei der Universitäts-Bibliothek überwiesen. Ihre Bestände erfahren damit eine äußerst wertvolle Bereicherung.
** Briefsendungen. Nach Serbien, Kroatien und Slavonien sind gewöhnliche und ein- tzefchriebene Briessendimgen jeder Art und Zeitungen technischen und wifsenschaftlichen Inhalts zugelassen.
Spielplan der frankfurter Theater.
Opernhaus: Montag, 1.8. Aug.: Die Rose von Stambut; Dienstag, 19.: Die verkaufte Braut; Mittwoch, 20.: Dvsca; Donnerstag, 21.: Der Ring des Nibelungen IV., Götterdämmerung; Freitag, 22.: Violetta; Samstag, 23.: Margarethe; Sonntag, 24.: Tosca; Montag, 25.: Hannerl: Dienstag, 26.: Tie toten Augen; Mittwoch, 27.: Die Gezeichneten. — Scho u f pielhaus: Montag, 18.: Minna von Barnhelm; Tienstag, 19.: Die Schmetter lingsschilacht; Mittwoch, 20.: 1913; Donnerstag 21.: Rosmersholm; Freitag, 22.: Robert Guiskarb. Ter zerbrochene Krug; Samstag, 23.: Robert Guiskard, Der zerbrochene Krug; Sonntag . 24. nachm.: Wilhelm Tell, abends: Die drei Zwillinge; Montag, 25.: 'Gespenster; Dienstag, 26.: Robert Guiskard, Der zerbrochene Krug; Mittw-och^, 27.: Die Schmetterlingsschlacht.
KZettervoraussage
für Dienstag:
Ziemlich Heller und trocken (Gewlltevneigilng). Temperatur wenig geändert, westliche Winde.
Poliüschk Arbeiter für den Wiederaufbau im Westen.
Versailles, 17. Aug. (WTB.• Ein Bericht des S^zialkorrcst jnbmten des „Temps" aus Warschau meldet: Eine anschstneud offizielle, durch die Warschauer Blätter veröffentlichte Rote läßt erkennen, daß die Besprechungen vuiidicn der fron' zöjllcken Regierung und der volnischeu Telegatton über die Frage der Heranziehnng volnischer Arbeiter für die W icbe raut bau arb eit en in den zerstörten Gebieten in Frankreich zu einer voll- ständigen Einigung geführt haben, und daß die Zu Wanderung polnisch^ Arbeiter von größerer Ausdehnung fein lvird, als ursprünglich geglaubt wurde.
Die iudknfeindlichcn Ausschreitungen in Polen.
Amsterdam, 17. Aug. (WTB. > Englücken Blättern vom 15. 8. zufolge teilte Harms w o r t h in feiner schriftlichen Antwort mit, es sei ihm l»ekamll, daß sich Seutc der Armee des Gxneral5 Haller nm 26. Juni an den judenfeindlich?n Ausschreitungen in Warschau beteiligt, u. a. ,oer- fdnebenen Juden die Härte abgerissen und daß sir auch in anderen als ooii ihm in der Unterhaus' sitzung vom 5. Aug. erivälyntcn Städten Juden angegriffen und verletzt haben. Hartnsworth fügte hinzu, die britische Regierung werde eine Korn- iniftion nach Polen entsenden, um die Stelluna der Juden in diesem Lande zu untersuchen.
Die Schweiz und der Völketbuud.
Basel, 18 .Aug. (W. B.) Schweizerische Depefchen-Agentur. Sonntag vormittag nahm der sozialdeinokratische Parteitag der Schweiz u. a. den Eintrag des Parteivorstan- des, den Beitritt der SckMeiz zum Völkerbund zu bekämpfen, mit großer Mehrhell an. Es waren 542 Delegierte anwesend, eine bisher nie erreichte Zahl.
Eine neue Krise in der Türkei.
Versailles, 18. August. (W. B.) Ern Ar- tikel im „Echo de Paris" mit der Ueberschrift „Neue Krise in der Türkei" läßt er kennen, daß "die Derhälttiisse dort verworrener als je sind. Pertinax schreibt: Schlechte Kunde kommt aus der Türkei. Das im April gebildete Kabinett von Damad Scheris Pascha, dem Schwiegersöhne Abdul Hamids, steht int Begriff, zu verschwinden. Der Kriegsminister Nazim Pascha hat den Sultan brieflich gebeten, den Großwesir zu entlassen, was 'wohl nur seine eigene Entlassung herbeiführen wird. Tewffk Pascha, der ehemalige Großwesir, geht auch. Diese Persönlichkeiten werfen ihrem Chef Energielosigkeit vor. Sie verlangen die Wahl einer Konstituante, die, da die christlicheit Wähler entschlossen sind, sich der Wahl ?jU enthalten, eine den Nattonalisten, den Freunden Deutschlands ergebene Mehrheit erhalten würde. $n der Türkei ist keine leitende Kwast, da der llerne Kreis der Jungtürken, verzweifelt über die Mederlage, abseits steht. Die einzigen Gruppen, die überhaupt fähig sind zu handeln^ verzetteln ihre Kräfte in Gewalttaten gegen die alliierten Mächte. Jnnerbalb sechs Tagen wurde zweimal versucht, die Wache der Hohen Pforte zu entwaffnen. IN Anatolien organisiert sich unter Führung von Mustapha Kemal Pascha und Hatid Pascha ein Krieg gegen jede eveilluelle christliche Herrschaft. Kürzlich haben sich die Anhmwer des geheimen Mmiitees, die in secks anatolischen Vllatets die Herrschaft haben, in den Besitz von Uschak an der Eisenbahn Smyrna—Aifun—Bar» Hissar gesetzt. Mustapha Kemal Pascha hat die Absicht, eine revolutionäre Konstituante nach Siwas einzuberufen. Man behauptet, er arbeite für Rechnung des Prinzen .Abdar Rabin, des jüngsten Sohnes Abdul Hamids, eine» eingefleischt ten Deutschfreundes. Die Friedenskonferenz, die den Brand durch die voreilige Besetzung von Smyrna entfacht hat, läßt die Dinge gehen, tote sie geben. Mcht die geringste Harmonie herrscht "unter den dortigen.Vertretern der großen Mächte: die einen eilen durck das Land, indem sie das Selbstbestimmungsrecyt der Völker predigen und sich nach den Wünschen der Bevölkerung ertunbi (gen, die anderen, und das ist die Mehrzahl, dienen den Absichten und Jntriguen ihrer Regierung. In Paris kümmert man sich nicht um das. was sich vorberellet.
Amerika und Mexiko.
Wien, 18. Aug. (WTB.) Nach einem Funk- spruch des Wiener KorrespondenzbureauS aus Rom wird aus Paris gemeldet: Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko sind gespannter denn je. Die führenden amerikanischeii Zeitunaen sehen einen Konflikt voraus und erklären, daß Großbritannien seine Ein- toillipung zur Annexion Mexikos durch die Vereinigten Staaten gegeben habe.
„Tic Großmama!" beharrte Ragna.
^,Tn 'wlllst sie sehen? Sie wird dich nicht empfangen livollen," rief Sigrid angstvoll. „Sie ist außer sich, wenn sie dich hier fmbet"
„Sic soll mich sinden," sagte Ragna hart, „sie silll außer sich sein — lah ihr sagen, eine Tarne wünsche sie sofort auf deinem Zimmer zu sprechen, das genügt. Sie kommt und wenn sie sich auch noch so mühsam herschleppen muß, beim sie denkt natürlich, es Wäre eine Freundin aus der glanzvollen, langst entschwundenen Jugendzeit."
„Wie bitter du bist, Ragna," sagte Sigrid leis«, sich mit müden Schritten erhebend und nach der Klingel greifend, dem eintretenden Klllner ihre Befehle erteilend — ich hätte das kaum gedacht."
Tann schwiegen beide — ein banges, langrs, angstvolles Schweigen wie Sttlle vor dem Sturm.
Und dann langsame, müde, schwere Schritte, eine wachsbleiche Hand, welche die bimfien Portieren des Zimmers teilt und dann stand sie aus der Schwelle, die Greisin, fest auf den Krückstock gestützt die alten gelähmten Mieder hochaufgerichtet — Gräfin Svendburg in ihrer ganzen Kälte und ihrem eisigen Stolz.
Ein kalter, harter, feindseliger Strahl flammte in den dunllen Augen der alten Frau auf, als sie Ragna erkannte, dinn glitt ihr Auge gleichgülttg hinweg, als fie mit eisiger Stimme sagte:
„Man hat mich zu sprechen gewünscht, ober ich sehe niemand, der es wagen darf, zu mir zu reden. Nur dich, Sigrid, sehe ich."
„Ick wage es dennoch, Großmama," sagte Ragna, dicht vor die Greffin tretend, und stolz das goldig schimmernde Haupt erhebend, ,chenv es ist mein Recht."
(Fortsetzung folgt)
Dir künftige Lage des Meutel-Geü.etcs.
Berlin, 18. Ang. Ter „Berl. Lokalanz." meidet aus Königsberg: Tie vom M cm ein: Vorparlament zu direkten Verhrndluilgen mit dem Entente Vertreter über die Martina der künftig:n Lage des Memel-Gebiets nach Berlin entsandte Kommission'l>at dem alliierten Vertreter eine Denkschrift überreicht. Diese sagte eine schnell: Erledigung der Angelegenheit zu und stellte in Aussicht, daß eine Entenbe-Kvmmissiion baldigst an Ort und Stelle die Verhältnisse prüfen Werve.
Fliegerunglück.
Berlin, 18. Aug. Wie der ,,Berl. Lokalanzeiger" meldet, ,var gestern nachmittag von dem Flugplatz Johcuinisthal ein Flugzeug aufge- ftiegen. Bald stürzte es mit seinen drei Insa s s c n a b. Lcuttiant Tonnenkephi wir tot, Oberleutnant 9toerten wurde der rechie Fuß bis $um Knöchel abgetrennt, Leutnant Gillo trug leichte Verletzungen davon.
Die Streiklage in Oberschlesicn.
Berlin, 18. Aug. Zur Streiklage in Oberschlesien läßt sich der vorwärts" aus Königshütte melden, daß gestern sich nichts geändert hat, für heute aber mit einem Zusammenbruch des Streiks zu rechnen sei. Tie Verkündigung dos .Arbcitszwanges steht für heule bevor. Gegen alle Streikenden, die heute die Arbeit nicht aufttehmen, würden die schärfsten Maßnahmen ergriffen. Von den LMirahüttcr Gruben fingen beute 60 bis 70 Prozent der Belegschaft an; d"r Krug- schacht habe beschlossen, vollzählig einztffcchren. Im Rybniker Revier sei die Betelligung am Streik bisher gänzlich abgelehnt worden.
Forderungen der Bankbeamten in Frankfurt.
Frankfurt a. M., 18. Aug. (L. A.) Die hiesigen Bankangestellten sind lli eine Gehalts bewegung eingetreten. Eine Kommiffion arbeitete auf Grund statistischer Feststellungen die Forderungen aus, die eine bedeutende Erhöhung
Letzte Naci)rictzten.
Die Vereidigung des Reichspräsidenten.
Berlin, 18. Aug. (WTB.) Die National- versammlmig setzte die feierliche Vereidigung des Reichspräsidenten auf die Verfassung auf Mittwoch, 20. August, 11 Uhr vormittags, in der Nationalversammlung an.
Prinz Max und die Abdankungsfrage.
Berlin, 18. Aug. Prinz Max von Vaden stellte kürzlich die Behauptung auf, der interfraktionelle Ausschuß habe im November die Abdankung des Kaisers gefordert. Wie die Na- tionalliberale Korrespondenz mitteilt, hat der interfraktionelle Ausschuß, dem damals auch Mitglieder der nationalliberalen Fraktion angehörten, niemals einen derarttgen Beschluß gefaßt.
Die Befreiung der deutschen Gefangenen.
Haag, 17. Aug. (TB.) .Het Vaterland" fragt, warum man die deutschen Gefangenen noch immer fern von der Heimat in svimden Tiensten nach ihrer Befreiung schmachten lass«, Vdo doch Deutschland alles getan habe, wrs man billigerweise von ihm erwarten konnte, da.-s in die harten Friedensbedingunyen eingÄwilligt, den Frieden so schnell wie möglich genehmigt und seinen guten Willen bei der Turchführung der Bedingungen be'wiesen habe.
litz sehen,, wenn du seinen Vater verlassen, hr- trogen hast."
„Schweige, Entsetzliche," schrie Sigrid auf — „ick kann und wlll nichts weiter hören, male nicht die entsetzlichen Schreckgespenster an die Wand, die mich Tag und Nacht verfolgen und mich noch zum Wahnsinn treiben. Als ich Svens Gattin wurde, da glaubte ich ilw zu lieben, ich war ihm so dankbar, daß er mich vor Not und Armut, die ick haßte, bewahrt, er war so gut und freundlich, so lieb und nachsichtig zu mir, er trug all meinen Wünschen Rechnung und schlug mir nichts ab. Mich, mich wollte er glücklich machen, wie ein Kind, dem man den Mund mit Naschwerk stopft, aber was in mir tobte und wühlte, das verstand er nickt. Ich war das Kind, das an seiner Hand, von ihm geleitet durchs Leben gehen sollte, und ich vertraute ihm rückhaltlos, bis — bis Goratschin uns näher trat. Schon auf unserer Hochzeitsreise fesselte mich sein Geist, sein sprühmder Witz, seine Sicherl;eit, seine Weltg^wandthnt. Er wurde mir eine liebe Gewohnheit — ich begann etwas zu vermissen, ivenn er nicht kam — bis ich schließlich etwas wie eine brennende Sehnsucht :mpsand, wenn er ausblieb. Großmama unterstützte mich in meiner Schwärmerei — auch sie War entzückt von ihm — nur Sven begann er langwellig zu werden. Das führte fortgesetzt zu kleinen Reibereim S-w schen uns, bis wir schließlich immer gleichgültiger zueinander drurben. Tie Gleichgültigkeit Svens hat mich bis jetzt übrigens zurückgehalten, das Aeukerste zu tun, aber die geringste Veränd'rung in seinem Wesen zwingt mich vielleicht, mich rückhaltlos dem Fürsten in die Arme zu Wersen.
„Und du schämst dich nicht, das alles zu sagen," sagte'Ragna, mit hartem Druck das Handgelenk Sigrids umfassend, „dir steigt nicht die. Schamrote ins Gesicht, wenn du an die Zukunft denkst?
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