Nr. 91 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) __ vonnerstag, lr. April 1919
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2,80 Mk
2,20 Mk.
2,92 Mk.
Verdienst als sie bei den früher geltenden Preisen hatten. Tie bisher gclbmben Fleischvcrkaufs- preise von 2,10 Mk. für das Pfund Rindfleisch und 1,64 Mk. für das Pfund Kalbfleisch bestehen chon seit über zwei Jahren. Ts wird mit Rück- icht out die in der letzten Zeit eingctretene außerordentliche Steigeruna der Löhne für Gesellen, der Materialien, Kohlen usw. eine Erhöhung der Spannung zwischen dem Einkaufspreis oes Viehes und dem Verkaufspreis des Fleis ches'nicht zu vermeiden sein. Die Metzger-Innung ist in tiefer Richtung bereits vorstellig geworden.
Der Doppelgänger.
Roman von Carl Schüler.
Fortsetzung Nr. 8.
Denn der fccrr Baron wollte das bestellte Abendessen durchaus nicht im Stichelassen, vor allemaber keinesfalls den guten Doktor im Ge- imn'e der vielen DeguemEeiten dieses ausgezer^ toten 5)otels stören, in dem er sich ,o wohl MMte^ sagte Dorival. -Diese Liebenswürdigst war auch ziemlich echt. Dem, "-"N man m« m, sendcr in Berlin umhergerannt ist, aufs^Gerate- chobl eine Tarn- suchend, die einem m der Oper zu lächelte, und vor einer Stunde das maräwnhatt 'mqchcuK Glück gehabt hat, diese Dame aua> wirk- tick zu finden — dann pflegt man das Leben an- aenelim zu finden und liek^nswurdig zu fern. Außerdem erwartete der liebenswürdige von Armbruster auch Sennor Claudmo unb ben meister Umbach - da kamen die Herren locben - und —
Und mit dem Herrn Rittmeister von Umbach nämlich mußte Dorival dringend.über Konsul Rosenberg sprechen! Möglichst auck uver dessen Familie! Umbach verkehrtedoch dort^
„Angenehmer Mensch, dieser Umbach, dachte $°rUnb mm unterbiet
di- neuciti 2&mbun0 in dcr An^^nb-u Ennl Schnepfe. Und man war sehr lustig und atz seyr 8111 Da streiften zwei Damen, eine ältere und eine
halten erfreut sein werde. Er stellte mit Bedauern est, daß insbesondere die Polenfrage anscheinend nidjt in der wünschenswerten Weise ger^n'lt wurde Er fügte hinzu, .daß ohne ein starkes »Polen nut Tanzig ein dauernder Frieden in Europa num .möglich sei. Der Redner kritisierte das Ausbleü«i wn Nachrichten über die Lage in Rußland und ut Mitteleuropa sowie dem Orient und schließt nut der Bemerkung. daß weder er noch seine Freunde der Regierung ihr Vertrauen weiterhin rieben könn tcn. Verschiedene Redner rufen dazwischen: Aus morgen!
Sodann betritt Pichon »oieder die leribüne Er beantragt öffentliche Debatte und stellt die Ver trauenssraae inbem er erklärt, daß, wenn in einem verbündeten Parlament unpassendere Erklärungen gemacht tue r ben, bie französisch: Kammer chrerseits weitere Aufschlüsse verlangen bürst. Sie könne icderzeit diese Debatte wieder aufnehmen. — Der Antrag mcs Einberufung der Kammer zu einer geheimen Sitzung des Sozialisten Jean Bon wurde daraufhin abgelehnt und die Vertagung auf morgen mit ö94 gegen 166 Stimmen verworfen. MayoraS und Renaudcl erklären sich gegen den Schluß der Debatte und fordern eine öffentliche Mstimmung. Durch Handaufheben beschließt dann die Kammer die Abstimmung auf 3 Uhr nach mittags.
Lloyd George über Rußland und den Frieden
„Tie Dame in Schwarz dort an dem Tisch?" Ter Kellner gab mit den Augen die Richtung an.
„Aber das ist eine Verwechslung. Ich kenne dir Tame nicht!" sagte Torival.
„Geh lieber hin!" sagte der Rittmeister leise. „Sonst kommt sie noch hierher!"
Und endlich erhob sich Herr von Armbrüster, mit einem sehr unglücklichen Gesicht freilich, und begab sich an den Tisch der beiden -tarnen.
Der Rittmeister und die beiben Brasilianer sahen, daß sich Dorival den 2 amen vor stellte. Sie leihen, wie Frau von Maarkatz die Hand, die sie zum Kusse hingehalten hatte, empört zurückzog, al? Dorival seinen Namen nannte. Sie lachte höhnisch. Ihr Gesicht wurde blaurot vor Aeraer. Tie weich? Fülle ihres Körpers, die über dem Tischrand sich, bar war, geriet in heftig wogende Bewegung. Si- schien Dorival Vorwürfe zu machen. Der antwor tete kurz und steif. Sie bat ihn, sich zu- fetzen. Er lehnte kühl ab. Sie wurde wieder heftig. Da zog sich Dorival mit einer Verbeugung aus seinen Platz zurück. ।
Drei Gesichter sahen ihn gespannt an.
„Nun. wie war's?" lachte der Rittmeister „Fabelhaft!"
„Drücke dich deutlicher aus, bitte!"
„Tas sagst du so! Die Sache ist überhauv! sehr undeutlich!"
Oh, meine Ahnung!" rief Umbach. „Wiede, Emil Schnepfe?"
„Ja — Emil Schnepfe! Höchstwahrschcinlid- Emil Schnepfe. Nach den gütigen Mitteilung-.. dieser Tame bin ich nämlich ein Baron Harde:, fels. Ich habe die Dame im vorigen Herbst au- Sylt rennen gelernt, mich ihr sehr geundmet, mit ihr getanzt —"
(Fortsetzung folgt.)
gn Grünberg, 15. April. Der „Grünberger Anzeiger" schreckt: $u einem hiesigen Geschäftsmann kamen vor einigen Tagen zwei Kinder, die bettelten und angaben, von Gieß. : zu stammen. Auf die Frage, was ihr Vater mache, gaben sie zur Antwort: „Ei, der streikt!"
O Li ch , 16. April. Wie groß in allen Bevölkerungskreisen das Bedürfnis nach Landerwerb herrscht, zeigen die gegenwärtigen Versteigerungen des bei der Feldbereinigung geschaffenen Mafsengeländes. Außergewöhnlich hohe Preist wurden bis jetzt bezahlt. So bewegte sich der Preis für in der Nähe der Stadl gelegene Pflanzstücke, bla sich teilweise zur Anlage von Gärten eignen, zwischen 3 unb 6 Mk. pro Qnabral- meter. In einzelnen Fällen wurde dieser Preis sogar noch überschritten. Gutes Ackerland in der Nähe der Stadt, das in kleinere Parzellen geteilt wurde, um auch Heinen Leuten Kausmöglichkeit zu schaffen, kam durchschnittlich 2 Mark pro Quadratmeter, während der Morgen entfernteres Ackerland, je nach der Güte, 1000—3000 Mark kostete. , _ .
Münster, 15. April. Im hiesigen stein» bruch ist eine große Bauritwäscherei fcrliggcltcllt worden. _
up. Vom Lande. 16. April. Das Beibehalten der alten, gewohnten Zeit und damit das Verschwinden der Sommerz?it wird auf dem Lande mit Freude begrüßt. Die sogen. Sommerzeit war nie sympathisch: der Sprung von |>cr einen in die andere Zeit weckte stets Mißstimmung. Tie Begründung von Ersparung von. Lickt und Brennstoff war fürs Land hinfällig. Unsere Schüler gemimten, weil der Unterricht um 11 Uhr schließt, eine um eine Stunde längere Mittagspause.
Kreis Büdingen
)( Eckartsborn, 16. April. Hier bildete sich auf Anregung Don Lehrer Carl eine Ortsgruppe des Volksbundes zum Schutze ter beutfrfjen Kriegs- unb Zioilgefangenen, ber sofort 68 Mitglieder mit Beträgen von 170 Mk. ch itraten.
)( Usenborn, 16. April. Auch in unserer Gemeinde wurde nach einem Vortrag des Aus-^ tauschgefangenen Ingenieur Feckel-Ortenberg auf Veranlassung von Pfarrer Werner dahier eine Ortsgruppe des Volksbundes für bie deutschen Kriegsgefangenen gegründet, der zmiäck>st 25 Mitglieder beitraten.
Starkenburg und Rheinhessen.
mr. Darmstadt, 16. April. Ministerpräsident Ulrich wird mit dem heutigen Tage nach Darmstadt übersiedeln und im Ministerhotel in der Neckaistraße Wohnung nehmen, nachdem der Staatsminister v. Ewald nunmehr das Hotel geräumt und in das von ihm schon im vorigen Sommer erworbene Amveien rn der Heidelberger Straße umgezogen ist Da Ministerpräsident Ulrich außer den für das Staatsmrnr- sterium notwendigen BureauräuM.ichker en nur einen Teil des ziemlich geräumigen Anwesens als Wohnung notwendig hat unb nur ein Stockwert hierzu benutzen wirb, sollen bie übrigem Räume, besonders in Anbetracht ber herrschenben Wohnungsnot, vermietet werden.
Hessen-Nassau.
Die Plündernngöichädcu in Frankfurt.
an dem Tisch sitzt, Fräulein Lotz!" — to gab mit dem Augenglas ungeniert die Richtung an, in der Dorival saß — „Erkennen Sie ihn wieder?"
Fräulein Lotz wandte das Tuldergesicht dem Nachbartisch zu. Als sie Dorival erblickte, flieg ein Not in ihre Wangen. Ein kurzes Aufblitzen kam in ihre Augen. Und ihre Stimme zitterte »ein tranig, als sie antwortete:
„Tas ist doch der Baron Hardenfels, den war im Herbst in Sylt trafen?"
„Sehen Sie! Ick habe ihn sofort erkannt!"
Frau von Maarwtz nickte Dorival heftig zu. Sie bemerkte nicht, daß auch ihre Gesellschafterin, verstohlen hinüberblinzelte . .
„Tu. Dorival —" sagte der Rittmeister von Umbach leise, „sieh mal vorsichtig nach links! Tort sitzt ein schwarzes Ungetüm, das fortwährend zu uns l)erübernickt. Ter Rickchna ihrer Blicke nach meint sie dich. Keitnst du die Dame?"
Torival blickte auf, sah geradewegs in das freundliche Nicken der Frau von Maarkatz Hinern und wurde von der Gestllschafterin liebevoll an- geblinzelt^!" Mir unbekannt!"
„Tie Jüngere nickt jetzt auch!" lachte der Rittmeister.
„Unsinn das gilt jedenfalls irgend Temanb am Nebentisch. Ich wenigstens —"
Tie beiden Brasilianer wurden aufmerksam
„Tie Tarnen am Tisch dort scheinen —" begann der Toktor.
Ta kam der Kellner:
„Frau Baronin von Maarkatz lasten ben Herrn Baron bitten, für einen Augenblick an den Tisch der gnädigen Frau zu kommen."
„Frau von Maarkatz?" fragte Torival betroffen.
Nus Stabt unb Canb.
Gießen, 17. April 1919.
Fleischprei-crhohung.
Es ist feine erfreuliche Osterbotschaft die das fhäbti! cf e Lebe asm i.telanrt uns mit der Nachricht netten läßt, daß die Fleischpreise eine so toefeni- siche Erhöhung erfahren haben, daß sich dies auch bei oct geringen Wochenration fühlbar machen wird. Nock weniger erfreulich ist es, daß dieser ersten Fleischpreiserhöhung gleich noch eine zweite folgen soll.
Das städtische Lebensmiltelckntt schreckt:
Durck telegraphisch Anordnung des Hessischen Landesernährungsamtes in Tarnrstadt sind bic an die Landwirte zu zahlenden Vieh- preise loescntlich in die Höhe gesetzt worden und zwar:
für Rinder 1. Klasse von 90 Psg. auf 1,25 Mk. für das Pfund Lebendgewicht,
für Rinder 2. Klasse von 80 Psg. auf 1.— Mk. für das Pfund Lebendgewicht,
für Rinder 3. Klasse von 55 Psg. auf 0.80 Mk. für das Pfund Lebendgewicht,
für Kälber von 80 Psg. au| 1,10 Mk. für das Pfund Lebendgewicht.
Diese unerwartet einguictene Erhöhung der Viechpreise bedingt naturgemäß eine wese ntliche Erhöhung der Fleischkleinverkaufspreise. Die Berechnung der notwendigen Verkaufs-Preiserhöhungen ist in folgender Weise erfolgt:
Es wurde zunächst festgestellt, was das der Stadt Gießen in dieser Weise überwiesene Dich nach den früher geltenden Einkaufs-Preisen gekostet hätte: sodann wurde der Unterschied zwischen dem früheren Gesamtpreis und dem tatsach.ich jetzt bezahlten Preise errechnet. Die so festgestellte, jetzt eingetretene Verteuerung wurde auf das gesamte, amtlich sestgestcllte Schlackstgrwicht ausgeschlagen. Hierbei ergab sich im Einzelnen folgende Berechnung:
1. Rinder.
Tas Gesamtlebendgewicht ber Rinder betrug 14 544 Pfund. Die durch Erhöhung ber Vieh- preise eingetretene Verteuerung beläuft sich insgesamt auf 4636,10 Mk. Hierzu kommen noch 262,97 Mk. Erhöhung der Provision des Oberhess. Viehhandelsverbandes und des Kreisamtes Gießen.
Tie Proviswn des Viehhandelsverbandes, bic früher 6'/- Pvoz. des Vieh.iickanfsprcises betrug, wurde puf 6 Proz. herabgesetzt, da mit der Erhöhung der Einkaufspreise selbstverständlich eine Erhöhung der Einnahmen des Vi.chh nckelsverban- des bei gleichbleibendem Prozentsätze verbunden gewesen wäre, <Wir vermuten sehr stark, b ß trotz des verminderten Prozentsatzes die Provisionen infolge der allgemeinen Erhöhung kein geringeres, sondern höheres Erträgnis abwersen. D. Red.) Zu der Proviswn des Viehhandelsverbandes kommt noch ein Zuschlag des Kreisamts Gießen von 1 Prozent.
Dem Gesamtlebendgewicht von 14 544 Pfund stehen eine Verteuerung von insgesamt 4899,07 Mk. und ein Schlachtgewicht von 7310 Pfund gegenüber. Ties ergibt eine Verteuerung von rund 70 Pfennig auf das Pfund Schlachtgewicht. Tementspreckend wurde ber bisherige Klcinverkaufspreis von 2,10 Mark für das Pfund Rindfleisch auf 2,80 Mk. erhöht.
2. Kälber.
Das Gesamtlebendgewicht der Kälber betrug 4046 Pfd. Durch bie eingetretene Viehpreiserhöhung ergibt sich eine Verteuerung von 1213,80 Mk. Tie Kälberpreise für bas Pfund Lebendgewicht wurden von seither 0.80 Mk. auf 1,10 Mk. heraufgesetzt. Sämtliche Kälber ergaben ein Schlachtgewicht von 2275 Pfund. Es entfallen von der Gesamtverteuerung von 1213,80 Mark sonach auf bas Psunb Schlachtgewicht rund 56 Pfennig. Unter Berücksichtigung breser Verteuerung mußte der bisherige Kl ein Verkaufspreis von 1.64 Mk. auf 2,20 Mk. für bas Pfund erhöht werden .rr i_
Die Fleisch-und Wurstpreisebetragen
jüngere, nach Plätzen suchend, dicht an ben pier Herren vorbei. Sie ließen sich bann an einem Tisch ganz in ber Nähe nieder.
Die jüngere ber betben Damen, em etwa fünfundzwanzig 'Jahre altes Fräulein, mit dem blassen gottergebenen Gesicht einer Missionarsfrau, war bte Gesellschafterin der Frau von Maarkatz. Frau von Maarkatz war Witwe. Obwohl Herr von Maarkatz vor mehr als zehn Jahren geilorben war, nrug sie noch immer Witwenschleier und Trauerllecker. Es geschah dies weniger aus Trauer um den Verstorbenen, der ein Spieler und Trinker gewestm war, soickern weil bie weiten schwarzen Gewänder bie umfangreiche Gestalt wobl uend verdeckten und der große Schleier das gerötete grobe Gesicht anäbig verhüllen konnte, wenn bie Beleuchtung! nicht vorteilhaft mr. Sie litt nicht, daß Fraulem Lotz auch Schwarz trug. C-j wünschte nicht, dav man das Mädchen für ein. Verwaiste von ihr hielt In Theatern, Konzerten, aus Rennplätzen, bei großen Wohltä igkctts-Veranstaltungen, rn b n Badeorten, bei ben Fünfuhrtees der vornehmen Berliner Hotels, kurz wo immer die Leutchen zusammen kommen, die sehen imb kleben mcrtai wollen, traf man Frau von Maarkatz. Und wie ihr Schatten folgte ilft das schlichte Fraulein Lotz.
Während ter Kellner bdnente, bluffe Frau von Maarkatz durch ihr langgeitieltes Augenglas neugierig in der Runde herum. Sie war immer aus ber Suche nach Bekannten. Unb immer bereit, neue Verbindungen anzuknüpftn.
Ta schrak sie zusammen. Ihren molligen Rwr- per durchrieselte em Beben. Sie ließ das Au gern- qlas sinken — hob es wieder unb blickte noch euv mal hm — ließ es fallen . . . „Fraulem Lotz!
„Gnädige Frau?" • . .
„Sehen Sie sich den Herrn genau an, der dort
Letzte Nachrichten.
Lriedensbesprechurrgen
in der französischen Kommet,
Paris, 16. April. (WTB.) Havas. Kammer. Der Abg. Lcbey rich'et an P ichon die Anfrage, an we'chem Tage er die DisLission ferner Interpellation über die Bedingimigen wünsche, unter denen Rrgienmg dem Parlament bie Fr ic- densbedi gungen bekann geben will. Pi>chf>n erklärte sich mit der fofortigen Beantwortung einverstanden, bk- mit 400 gegen 99 Stimmen beschlossen wurde. Lebe y verachtete auf das Wort.
Vor stark besetzten Trckünen erklärte btroant Pichon, daß dieWaffenstillstandspräli- m i n a r i e n dem Parlament zur Ratifizierung vorgelegt werden sollen, sobald sie zu Friedenspräliminarien erhoben seien, mit anderen Worten, sobald sie die Unterschrift aller Vertragschließenden tragen werde. Unsere Taktik entspricht oem Wortlaut und dem Geist der Verfügung, daß Ver- lwnblungcm über Verträge Sache der vvllziehcndeü Gewalt sind, jedoch mit dem ausdrücklichm Vorbehalt, daß bestimmte Verträge, wie steispielsweise der, über den gegenwärtig verbandelt wird, dem Parlament zur Ratifizierung vorgelegt werden sollen, sobald der Vorfriede unterze-ichiet ist: vorbei' jedoch tonnen selten die Verträge dem Parlament vorgelegt werden, da dies eine llnterorbntnig ber gesesMbenden Gewalt unter die vollziehende Gewalt bedeuten würde. Im Grunde genommen ergebe sich immer wieder dieselbe Frage, die Frage des Vertrauens in die Unterhändler dzw. in die Negierung. Nock) immer, wenn wir eingeladm wurden, uns auszusprvchen, hat die Regierung in dieser Weise geantwortet. Die Kammer hat uns ihr Verttanen bewahrt. Tiese Feststellung ist wich- tig; wenn sie der RePerung tveiterhin ihr Vertrauen schenben, so wird diese bestrebt sein, die Mitglieder des Parlaments nach Möglichkeit zu unterrichien. Tie Verhandlungen, die täglich fortgesetzt loerben, stehen vor dem Abschluß. Es ist vollkommen wahrsckieinlich, daß der Feind in den nächsten Tagen eingeladen werden wird, die von den Alliierten auf- gestellten Bedingungen anzunehmen. Tie Regierung stellt zu dieser Erklärung die Ver-
demnach von heute an Rindfleisch das Psimd Kalbfleisch das Pfund Hammelfleisch das Pfund Flei'chwnrst das Piund 2,60 Mk. Blut- unb Leberwurlt das Pfd. 1,60 Mk. Blut- u. Leberwurst. Seräuchert, das Pfund 1,80 Mk.
Es muß ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß durch die jetzt vorgenommene außerordentliche Fleischpreiserhöhung nur die durch das Hess? Land eser n a hru n gsam t vorgenommene Erhö hu n g de^r Vie 5vre i se aus- geglichen worden i|t. X ie Me feger haben demnach bei den neuen Preisen keinen höheren
London, 16. April. (WTB.) Unter den heutigen Zuschauern im Unterhause befand sich auck- der Prinz von Wales. Lloyd George ttneb- bei feinem Erscheinen mit lautem Beifall begrüßt. Er sagte, es sei seine ernste Uebcrzeugung, datz eine militärische Intervention in Ruß lan b ber größte Unsinn sein würde. Ei wolle lieber Rußlanb den Bolsckfewisten überlassen, als erlekm, baß Großbritannien bankrott ntacke Don einer Anerkennung ber bolschewistischen Re gicrung könne keine Rebe sein. Sie sei niemals vorge>'cklagen, noch sei herüber verhanbelt worden Deutschland würde eine Armee I)aben, die für ben Polizeidienst ausreichend fein würde unb ein.' Flotte, bie eben genügen würbe, um seinen Handel zu beschützen. Die Alliierten wünschten einen ge rechten, aber nicht rachsüchtigen Frieden, ovr streng.- sein müsse.
Sturz der provisorischen lettischen Regierung.
Berlin, 17. April. Aus Königsberg wird berichter: Die „Lkönigsberger Hartungscl'- Zeitung" meldet: Tie provisorische let tische Regierung ist beut? nack)m tc^g durch Truppenteile der bal isck-en Laudxw.hr gestürzt worden. Ter lettische Ministerpräsident ist.zu der englischen Konrmisswn gtf üchtet. Ter Minister des Innern, der als besonders reaktionär gilt, wurde verhaftet. Tas Schicksal der übrigen Ministw ist noch unbekarcnt.
Die Hilfe für Bayern.
Berlin , 17. April Die Erkenntnis, baß ein weiteres Hin schleppen wirksamer Hilfe für Münä«i tinb Südbayern bie schlimmsten Folgen habecc Niürde, hat, wie die „Deutsche Ällgenwine Zeitung" aus Nürnberg meldet, eine einheitliche Änssasiun? über bie sofort zu ergreifenden Maßnahmeic ge - cigt unb die Widerstände gegen rn außerbaycrische Hilfe beseitigt Au^ das Zentrum hat seinen früheren aus borttfulnri frischen Gründen aufrecht erhaltenen Wckenprii gegen bie Inanspruchnahme von Reichshilfe gegen die Spartakisten auf gegeben. .
Wie das „Berl. Tgbl." berichtet, haben auch die persönlich geführten Verhandlungen des bayerischen Ministerpräsidenten unb des Kriegsministers mit ber wÜrttembergi- schen Regierung erwünschte Früchte gezeitigt.
Die Zukunstssorge hrr Garnisonftädtc.
Berlin, 16. April. ,WTB9 Von zuständiger Seite wirb uns mitgeteilt: Die Nationalversammlung hat beschlossen, bas deutsche Heer auf» Mösen. Wenn auch wohl damit gerechnet locrbcn kann, daß in Zukunft ein neues Heer gcbillVt werden wird, so ist seine Stärke und Gl ederung zur Zeit noch völlig ungewiß. Es ist zu verstehen, daß die Städte, in denen bisher Truppen teile standen, in Sorge sind, baß ihnen /di' Garnison genommen wirb, benn sie werden wirtschaftlich dadurch geschädigt. Die Mehrzahl von ihnen wird sich aber mit diesem Gedanken absinden 'müssen, wenn die Behörden auch bemüht fein werden, bei etwaiger Zuteilung von Garnisonen auf die wirtschaftlichen Verhältnisse Rücksicht zu neb- wen. Ebenso kann man verstehen, daß die Ein wohner cs schmerzlich empfinden, bie Truppente'.l7. bie viele Jahrzehnte, ja Jahrhunderte, in ihren Mauern standen, zu verlieren unb sich deshalb an bic Regierung wenden. Ihnen kann aber in die ’ fern Augenblick keine Antwort werden, da die Zu ‘ hin ft des Heeres noch völlig ungeklärt ist. : Äw- ■ fragen in dieser Richtung erübrigen sich daher.
W ic das Durchgangslager Gießen mitteilt, hat das Hessische Freikorps, Infanterie-Regiment 116, Bataillon Zickendrath, den Reingewinn seines am 10. dlpril 1919 veran stalteten Unterhaltungsabends in Höl-e Von 500 Mark zugunsten ber aus Gei'angen- chaft zurückkehrenden Kameraden der Kommandantur des Durchgangslagers Gießen zur Verfügung gestellt. Die schöne Summe ist in ben Spenden- fonbs der Kommandantur (Bank für Handel und Industrie) vcveinnahmt worben. — Ebenso wurde der ansehnliche Betrag, den das vom Musikkorvs des Infanterie-Regiment) 116 am 13 ds Mts im Hotel ..Einhorn" veranstaltete Wohltätigkeitskonzert erbrachte, dem Spendensonds der Kommandantur zugeführt.
Landkreis Gießen.
ben, wurden bisher für etwa 5 Millionen Mark Sachschaden gemeldet.
— Franklurta. M., 16. April. Nack»Mitteilungen in ber Arbeiterratssitzung wurden in den letzten Tagen bei den Lebensmitteldurck-- fud^ungen beschlagnahmt: Bei einem Arbeiter 87 Kg SckK.nkcn unb mehrere Spcckieften, bei einem Privatmann zwei Kühe, ferner an anderer Stelle 40 Pfund Kakao, 111 Kisten Marmelade und 40 Korbflasckxn Frnch saft, bei einem JBivt allein 1000 Zentner Kartoffeln, bei einem Schieber vier Waggons Sckiovvlade.
Aus dem besetzten Rheingeblet.
— Worms, 16. April. Durch Urteil des bieigen Miitär-Po i;ci-Berufungsgeiichtes ist b r „Pkainzer Anzeiger" zu 2500 Franken Geldstrasc und zur Anzeige des vorliegenden Urteils auf eigene Kosten auf bic erste Seite aller in der Tronin Rheinhessen erich inenden Zeitungen verurteilt wor > den, weil das Blatt eine zweftc Ausgabe veröffentlicht hat, oljaic sie vorher zur Zensur urorgelegt zu haben.
verrnisebte».
* Schwefelregen. Eine interesiante Be obachtung wird der Monatsschrift „Unsere Welt" von einem Leser mitgeteilt, lieber Gießen unb die nähere Umgebung ber Stadt ging am 6. Mai 1916 ein „Sanve elrcgen" nieder, nach dem bic Oberfläche der sich bübenben Wasserpsutzen mit einer gelben Schicht bedeckt war; als bas Wasser später versickerte, blieb eine gelbe Kruste zurück, bic auch noch an ben folgenden Tagen trotz neuer Rcgensälle deutlich sichll>ar war, so daß es sich also um eine ziemlich beständige, dem Regenwasscr beigemischte Substanz handelte. Der Beobachter sucht die Erklärung für diese Naturerscheinung darin, daß Blütenstaub des gerade blühenden, in ber Gegend viel angebauten Rapses durch Wettersäulen ober Wirbelstürme in die Höhe gehoben unb vom Winde meite'g?tragen worden ist, Ti: Schriftleitung ber Zeitschrift nimmt demgegenüber an, bas; der Schweselvegen seine Entstehung den Blüten der Kiefer und Fichte verdankt, die als Windblütler ganz außerordentliche Mengen ttockc- nen Blütenstaubs erzeugen.
trauensfrage.
Franklin Bouillon, der Präsident ber ..Immission für Auswärtige Angelegenheiten be» ..... . Flogt das Schtveigen der Regierung. .Er erinnert
= Frankfurt a. M., 16. April, Von Regierung daran, daß sein Vorgänger sich Verden Geschäftsinhabern, die am 31. März bei I pflichtet habe, zusammen mit der Regierung zu ar- den Plünderungen am meisten gelitten ha-1 beiten. Es frage sich, ob Frankreich über dies 8er»


