Erstes Blatt
Samstag, 16. August 1919
169. Jahrgang
Awillingsrunddruü u. Verlag: vrühl'fche Univ.-Buch- u. 5teindruckerei R. Lange. 8christleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: $d)iil|tr. I.
wochenrückblick.
„rr o -rr t püiscl)en Völker selbst gebotene Ordnung des ""gültig geworden sei
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nimmt der Kampf um die Schuld an Krieg und Zusammenbruch seinen Fortgang. Offen und verborgen, in amtlicher Form, parteipolitisch ausgcwertet, erbittert, einseitig und mit persönlichem Haß werfen sich die Gegner angesichts der hohnlachenden Welt die schwersten Verbrechen am deutschen Volke vor. Ein
einem nickst mmixr versöhnlichen Tone gehalten.' Amwvrtno'e gerichtet, in der er diese erfudit, da fi.* bereit sei, entsprechend der Politik und den Gesichtspunkten der Entente zu handeln, mit der interalliierten Kommission und den nach Buoapcst
Der oberste Rat und Rumänien.
Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Reuter mel- ouä Paris, daß der Oberste Rat sich in
Ur. 190
Ter »tehener Anzeiger erscheint täglich, außer Lonn- und Feiertags.
Bezugspreis: monalL'W L1-GO, vierte !- jährlich Mk. 4.80, burrf) Abhole- iu Zweigstellen monatl. Dit. 1.50; durch diePost Alk. 4.50 viertel- jährt, ausjcht. Bestellg. Fernsprech - Anschlüsse: siirdleLchr>stleitnügll2 Verlag,GeschäitsstelIe5I AnschriltsürDrahtnach- nchlen: Anzeiger Siege».
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Verfügung t landivich'chast- sind öden Don ning der Lclbsl- ic über die sesl- rcn Mengen an zlick attzuliesern. die nach § 13a und Buchiveizen gestellt werden. Ic jede ihr zur i abnimmt." durch die Worte
Die irische Frage.
Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Drahtlos wird aus Lottdon gemeldet, Bonar Law habe auf die Frage eines Parlamentsmitgliedes, ob die Lord Greh gegebenen Instruktionen für seinen neuen Posten teilweise dahin lauten werden, zu versuchen, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und England durch die Regelung der irischen Frage und die Versöhnung der Irländer besser zu gestalten, geantwortet, .er sei überzeugt, daß Lord Grey alles tun werde, n>as in seiner Macht liege, und in jeder Hinsicht, wo dies notwendig sei, die Beziehungen zwischen beiden Ländern verbessern zu Helsen.
Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Laut „Telegraas" beschloß die englische Regierung die S i n n f e i n - O r g a n i s a t i o n c n in der irischen Grafschaft Clare als ungesetzliche Vereine aufzu heben.
I mäßige, durch die Kräfteverhältnisse der euro-1 funden, daß der Waffenstillstand vom 13. Rpvember ----- " " '■ ' ■ ~ 1—-------v- sti. — Der Oberste Rat rumänische Regierung eine in
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Annahme von Anzeigen f. die Xagesmtmmer bi» zmn Nachmittag vorher ohneiebeVcrbmdli.Nkeil preis lür 1 mm höhe für Anzeigen v.34mm Breite örtlich 15 Ui, ausivärts 18 Bf., für Reklame- anzeigen von 70 mm Brette 48 Bi. Bei Platj- vorfchrin20°/^Anfschlag. Hauvtschriitteiter: Aug. Goeg. Berantivortlich für Bolit'k: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: 1>. Reinhold Zenz; für den Alizeigcitt-.it: p. Beck; fämtlrch in Gießen
Die Geheimnisse de- Völkerbundes.
Rotterdam, 15. August. (Wolfs.) Ter „Ni-euwe Notterdamsche Courant" meldet aus London, dqß L o d g e s Aeußerungen über die japanische Gefahr in Amerika großen Eindruck gemackst haben. Lodgcs Aeußermngen seien der nirksamste und gefährlichste Angriff auf "Wilsons Völkerbund gewesen. Es sei beinahe undenk- 6ar, daß der Vertrag ohne Eiirschränkmrgen ratifiziert werde. Ta sich Wilson entschieden weigert, denk Senat über die Besprecl-ung aus der Friedenskonferenz Bericht zu erstatten, suchit der Senats- ausschnß für auswürttge Angelcgenl-eiten zu erreichen, daß Oberst House vor dem Ausschluß erscheint. Ter Ausschuß bettackstet dies als die letzte Hoffnung, um über die Geheimnisse des Bundes Aufklärung zu erhalten.
Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Nach einer von englischen Blättern vvm 13. August gebrachten Neutermeldung aus Washington erklärte Senator L o d g e in seiner Senatsrede, der Völkerbund sei nur eine Alliance, die augenblicklich von fünf, in Wirklichkeit aber von drei Großmächten beherrscht werde. Tiefer Bund zur Erzwingung des.Friedens trage zum Zwang und sehr wenig zum Frieden bei.
Deutschland soll restlos zahlen.
Versailles, 14. Aug. (Wolff.) Der FriedeusausschußdesSenats hörte gestern den Schluß des Berichts des Senators Milliös-Lacroix über die Finanzen und die Wiedergutmachung und alsdann den Finanzminister Klotz und den Minister für wirtschaftlichen Wiederaufbau Loucheuran. Die Minister erläuterten im einzelnen den finanziellen Mechanismus, den die Friedenskonferenz ausgearbeitet hat, um die vollständige Erfüllung der Verpflichtungen Deutschlands sicherzustellen. Sie betonten ausdrücklich, daß Deutschland die Summe, die die Wiedergutmachungskommission festlegen werde, restlos bezahlen müsse. Die Minister sprachen sich auch über die Maßnahmen aus, die die Alliierten und Assoziierten getroffen haben, um die restlose Ausführung der Deutschland aufgezwungenen Verpflichtungen sicherzustellen.
Die Rückkehr der Kriegsgefangenen.
Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Englischen Blättern zufolge erfiärte Churchill in der Un- terhaus-Sitzung vom 13., dast das britische K r i e g s a m t wiederholt um die Erlaubnis nachgesucht habe, die deutschen Kri e g s g e f a n- !reuen heimsenden zu dürfen. Er bedauere ehr, daß es dem Kriegsamt bisher nicht gelungen ei, tun dem Odersten Rat die Ermäckstigiing zu erhalten, mit der Heimsendung der deutschen Kriegsgefangenen zu beginnen.
Die WaffcustillstandSkommiffion.
Wei mar, 15. Aug. (Wolff.)Die W affen st ill st andskom Mission wurde dem Reichsministerium des Aeußern unterstellt. Den Vorsitz hat an Stelle des zu anderweitiger dienstlicher Verwendung in Aussicht genommenen Ministerialrats von Stockham- mern Oberbürgermeister Wilms übernommen, der auch die Geschäfte der Waffenstilbstandskommission in Düsseldorf weiterführt.
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seiner gestrigen Nackmittagssitzung mit der Antwort der rumänischen Negierung besaßt hat. Die Antwort erhebt in höflichem Tone Einspruch gegen die Beschuldigung, daß Rumänien gegenüber Ungarn sich ein Verbrechen habe zuschulden kommen lassen und daß es sich von den Alliierten trennen wolle. Rumänien sei der Ansicht, daß es im Hinblick daraus, daß es selbst ausgeptündert worden sei, sein gutes Recht sei, sich mit den Vorräten, die es in Ungarn angetroffen l-abe, zu vm argen. Ungarn habe noch Uebcffchuß, den es aussühren könne. Rumänien erkläre fernerhin, daß es die Bevölkerung von Budapest, die vor der Ankunft der rumänischen Truppen vor Hunger umgekommen sei, mit Lebensrnitteln versorgt habe. .
Paris, 15. Aug. (Wolff.) Havas. Tie Antwort der rumänischen Regierung hat auf die Vertreter der Großmächte einen sehr guten Eindruck gemacht. Obivohl der Text nicht ganz veröffentlicht ist, weiß man, daß in bezug auf die Politik in Budapest bor rumänische Befehlshaber und Oberkommissar Weisungen erhalten hat, nach den Wünschen der Entente zu handeln. Was den zwischen den Rumäne»: und Ungarn abge- schlossenen Waffenstillstand nnbetrifft, so erklärt die Note, daß vt vor ter Ci'«spräche der Alliierten zustande gekommen sei. Da Die Ungarn die Rumänen angegriffen hätten, habe sich das rumänische Kommando in dem guten Glauben be
ten, die sittliche Kraft, mit der oas putsche Volk in den ungleichen Kampf hin- einging, und den sittlichen Zusammenbruch. Das aber ist das Einzigartige an diesem, in den Tagen von Deutschlands schmachvollstem Zusammenbruch geschriebenen Buche, daß es leidenschaftlich anklagen kann, wo vermeidbare tzehler gemacht worden sind, daß es aber über der Anklage den Blick für die Größe nicht verloren hat und begeistert uns das Heldenepos des deutschen Volkes wieder so ins Lcwußtsein zurückzwingt, wie wir es alle erlebt haben. Und eben darum sollte dieses Buch mancher lesen, der sich jetzt nicht mehr darauf besinnen will. Gerade daß ein Mann, der den Alldeutschen keinen geringen Ein- niiß auf die unheilvolle Wendung der Dinge beimißt, sich furchtlos dazu bekennt, daß der dem deutschen Herzen niemals nahestehende Militarismus trotz all seinen Fehlern und Schwächen „die einzige Stütze und Bürgschaft der gesamten europäischen Kultur war, die mt diesem Militarismus rettungslos in Lichts zerrinnen, in die völlige Verwahrlosung und Auflösung übergehen wird," zeigt due unerschrockene Objektivität der Betrach- lumgsweise.
Aus seiner ganzen Einstellung heraus | Hornesfer zu dem Ergebnis, daß der Misgang des Weltkrieges als eine Fäl-, ber Weltgeschichte auszufassen ist.
“md dies begründet er damit, daß die recht-.
vom höheren Gesetz der Geschichte erforderte Entfaltung der Dinge griffen die außereuropäischen transozeanischen Mächte England/ und Amerika ein — und haben ganz Europa auf den Kopf gestellt, die natürliche und sittlich geforderte europäische Ordimng umgestürzt". Und wie Bismarck eine Einmischung Englands in den jahrhunderte alten Gegensatz zwischen Deutlchland und Frankreich als Fälschung betrachtet hätte, „so haben wir das Recht und die Pflicht, diesen Ausgang des Weltkrieges als Unsinn, Wahnsinn, als gänzliche Umlehrung aller natürlichen, gerechten, heilbringenden Ordnung Europas aufzufassen, als Fälschung der Weltge- schicht e".
Und zu noch einem bemerkenswerten Er- bebnis kommt das an tiefen Erkenntnissen überreiche Buch, einem Ergebnis/ das erst befremdend anmuten will und das dennoch das Wesen der Demokratie tiefer erfaßt, als jene, die, da glauben, die bloße kompakte Masse als solche, als einzige, entscheidende Macht aufstellen zu können. Einem Ergebnis, mit dem Homeffer zu einem noch ausstehenden zweiten Bande seines Werkes üherleitet, der den „Aufbau" behandeln soll. Er sagt:
„Tie echte, berc^iigte, einzig heilsame Demokratie ist mir diejenige, welche dem Apfstieg der Begabten freie Bahn verschafft all ^Hemmnisse aus der Tradition und der trägen GäwvWlnütt alle Vorurteile betätigt, die dem EmpvcfteigcH der holten Begabung im Wege stehen. Tiese wahrhafte Temokratie l»t nicht nur unserem Beamten- unb Staatsorganismus gemangelt, wie allgemein bekannt ist, sie hat auch den großen Massenbewegungen selbst, allen demottattscheil Bestrebungen, die sich so nannten und sich gegen den starren, abgeschlossenen Staat erhoben, mchlt minder gemangelt. Unsere Zeit hat von der wahrhaften Demokratie noch, keinen Hauch verspürt. Tenn nur durch den innerlich, traft feiner Natur berufenen Führer kann das Volk, die Gesamtheit herrschen, weil nur dieser den eigentlichen, wahren, unbewußten Willen der Gesamtheit, den diese selbst nicht kennt, zu erfassen und herauszuheben vermag. Wie der große Dichter oder ReliZionsstister empfindet, ausspricht, was alle fühlen, ohne daß sie es wußten, wie er die Seele des Volles gleickcham erst entdeckt, wie nur durch diesen geistigen Schöpfer die Volksseele zum Erklingen kommt, sich selbst gewahr wird — beim das ist das Kennzeickien des wahren und großen Künstlers, wenn alle Welt überwältigt vor seinem Werk empsindet: „Ja so ist es!" und jeder sich wundert, daß er das nicht schon läirgft selbst ausgespvviMr, genannt, gedacht habe, weil er sein tiefftes Innere in jener Schöpfung staunend wiedereröennt — so auch beim staatlichen Künstler, beim politischen Führer. Tie Masse ist sich in ihrem drängenden, dumpfen Willen völlig unbekannt und unbewußt. Ter große Führer zeigt ilyr erst ihren Willen, läßt sie sich erst selbst erkennen und verstehen in ihrem Streben. Nur durch biefcn Einzelnen mit ungewöhnlichem Weit- unb Tiesblick kann die Demokratie, der wirkliche Volkswille herrschen. Einm anderen Weg gibt es für ihn nicht."
liche Machtstellung des volkreichsten und kulturfähigsten Staates im Zentrum Europas verlangte. Die innere Logik des Krieges war, daß die schon früher gewordene Welt sich nochmals auibäumte gegen das eben erstandene Reich, damit dieses auf seinen letzten Gehalt und seine Kraft geprüft werde, ob es denn wirklich zu Recht bestehe, ob es nicht ein vorübergehender vergänglicher Schein sei, ob es in den Tiefen der Wirtlichkeit wurzele. „Aber in diese naturgemäße, rechtmäßige,
entlaubten Generalen in Verbindung zu treten, jun von ;bneit die Wünsche der Entente entgegenzunehmen. — Der Oberste Rat hat daraus noch gavisse Vorschläge der Wirtschastskommissivn, den Vertrag mit Bulgarien betreffend, angciwm- men unb sich bann auf nächsten Mittwoch vertagt.
Pans, 15. Aug. (Wolff.) Ter Oberste R a t der Alliierten wies bie Mission ber interalliierten Generale in Bubapest an, baß sie nicht befugt sä, ber rumänischen Armee Befehle zu geben, ba ber oberste Rat sich diese Mack.tbefugnme selbst vorbel-alte. Was beit E r z- herzog Josef anbclangc, so sollten die Generäle jede Ntttteilnng von säuer Seite eittgegennehinen, aber in keiner Weise den obersten Rat auf die Anerkennung seines Regimes verpflichten.
Der FricdenSvorschlag 1917.
Amsterdam, 15. Slug. (Wolff.) Tie eng- lischen Blätter vom 13. melden, daß das Weißbuch veröffentlicht wurde, welches bie Korreflou^ denz, bie im Zusammenl^ng mit dem Vvm Papst im August 191 i gemachten FriedensVorschlägen geführt wurde, enthält. Von besonderem Interesse in dem Weißbuch ist ein Memo- raiibum, das der französisch.' Gefck)äftc-träger am 27. August LordRvbertCecil übern icht hat. Tarin heißt es: Monsieur Ri bot bittet mich, Jhrren seine Befürchtmrgen mitzuteilen und zu erklären, da«ß er es nicht zulassen Emm, daß er auf den Weg geführt werde, von dein ber Vatikan an» scheinend wünscht, daß er ihn beschreitet. Er erwartet, daß bie britisch Regierung seine Drsick^it teilt und dem Grasen de Salis Jnsttuttivneir geben wird, um alle weiteren Versuchs des Kar» biualsdaatssekrctärs, die auf eine lxilbosfizielle In* tervention zwischen den Kriegführenden I/uizchlen- zu e n t m u t i g e n.
Hindenburgs Brief über den U°Boot-5irieg.
Berlin, 15. Aug. (Wolff.) Auf unsere Anfrage bei dem früheren Reichskanzler, ob er sich zu dem in der Presse veröffentlichten Schreiben des Generalseldmarfchalls von H.in« denburg an den Prinzen Max von Baden in Sachen des U-Bootkricges zu äußern gedenke, teilt uns von Bethmann Hollweg mit, daß er seinerzeit auf das Ersuck>en der Reichsregierung zu diesem Sck)reiben ausführlich Stellung genommen habe. Er werde seine damalige Aeußerung, die allerdings in wesentlichen Punkten zu abweieliendcn Ergebnissen führt, bei einer zusammenhängenden Darstellung des U-Boot-Krieges unb seiner Vorgeschichte bekanntzugeben.
Eine Anfrage an Crzberger.
Berlin, 15. Aug. Der frühere Staatssekretär Dr. Friedberg veröffentlicht im „Tageblatt" eine Anfrage an Erzberger, in ber er ihn aufs ordert, seine Behauptung, daß die Entente nicht unsere geplante Vermögensabgabe für sich in Anspruch nehmen könne, mit der Anlage II zum Artikel 232 § 12 Absatz B des Friede ns vertragest zu vergleichen. Das dcutsckie Volk habe du, Recht darauf, Klarheit zu verlangen.
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Dank SbertS an bie Schweiz.
Bern, 14. Aug. (Wolff.) Schweizerische De^ peschknagentur. Präsident Abor bat vom Reick)s- bräfibenten Ebert aus Anlaß bes Abttanspocts der letzten beutsck>en kranken Solbaten aus der Schweiz ein Telegramm er batten, in dem Ebert in warmen Worten ber Fürsorge ber Schweiz für bie gesunden und kranken Zivllinternierten unb Gefangenen gedenkt unb Herrn Adoc als dem Präsidenten des Internationalen Komitt.es vom Roten Kreuz, ber Schweizer Regierung, den Transport- und ^ntcrnieru ngjbeböröen und voc allem dem gaflfreien Schweizer Volke den herzlichsten Dank der deutschen Regierung, des deutschen Volkes und insbesondere der Internierten selbst für das seist)ne Werk, das die ©djuivig damit ausgesührt hat, ausspricht. Bundesrat Müller antwortete im Namen des Bundesrats unb bes Bundespräsidenten Ador iu einem Tanktelegramm.
Die tschechischen Spione.
93er!in, 15. Aug. (Wolff.) lieber die tsche- chischenSpionein Berlin erfährt die „B.Z.", daß auch ber tschechische Oberleutnant H r o m.a dka verhaftet worden ist. Wie es heißt, soll der tsckiechische Emissär Bartos sich gerühmt haben, an dem seinerzeit von tschechischen Offizieren unternommenen Ueberfall aus das Wiener Arsenal beteiligt gewesen zu sein. Die Untersuchung ber Polizei erstteckt sich auch auf bie Nachprüfung dieses Teiles der Angelegenheit.
Aus dem Reiche.
Einmalige BcfchaffnngSbeihilfe für Beamte.
Weimar, 15. Aug. (Wolff.) Die Reichsregierung hat heute besch lassen, es solle, vorbehaltlich der Zustimmung dec Nationalversammlung, allen Beamten eine einmalige B esch a f fu n g s b e i h i l fe gewährt werden, und zwar 100G Mark für kinderlose Verheiratete, 600 Mk. für Ledige; daneben sollen für jedes zu berücksichtigende Kind 200 Mark gezahlt werden. Die Beb- Hilfe ist in z w e i R a t e n im September und im Dezember dieses Jahres fällig. Die Grundsätze über die Gewährung lausender Teuerungszulagen werden dahin geändert, daß die Kinderzulage vom 1. September an einheitlich auf 50 Mark festgesetzt werden soll. Die anwesenden preußischen Minister erklärten sich bereit, eine gleiche Vorlage für die Landesversammlung dem Staatsministerium zur sofortgen Beschlußfassung zu unterbreiten.
Wirkungen des Kohlcnmangels.
Cuxhaven, 15. Aug. (Wolff.) Die Stockungen im Fischdampferbetrieb infolge des Kohleninangels gestalten sich immer umfangreicher. Zur Zeit liegen in Cuxhaven 14 Fischdampfer auf, in Geestemünde-Bremerhaven 30 Fischdampfer. Am Donnerstag sind in Cuxhaven überhaupt keine Zufuhren mehr an den Markt gekommen.
entwürdigendes Schauspiel, zumal wenn es sich in der Versammlung der berufenen Führer des Volkes, zwischen augenblicklichen und । früheren Leitern des Staates abspielt.
Wahrhaft befreiend ist es, wenn uns dec Blick von diesem allzumenschlichen Hader ab- aelenkt und die Schuldfrage, wie die ganze Tragödie des deutschen Volkes von einem über den Parteien stehenden Standpunkte aus mit philosophischer Durchdringung aufgerollt wird.
„Aber nun bars man, nachdem man zuvor sorglos unb gedankenlos in ben Tag hineingelebt bat, nicht in ben entgegengesetzten Fehler verfallen unb bei bem bcutfdxn Volke eine furchtbare Schuld, tw'hl gar die Schuld am ganzen Kriege, suchen vollen. Jetzt wühlt man in der Schuld des deutschen Volkes, stellt grimmig und hohnlachend das rigene Volk vor aller Welt an den Pvanger. Tas ist abgesehen von den hochverräterischen Folgen solchen Treibens — denn das heißt doch bie Feinde zur letzten Auskostnug ihrer Rache, zur scliraickenloseri Ausnützung ihres Sieges geradezu ein laben und an stacheln — davon abgesehen ist ein solches Verhalten ein Zeichen kleinlicher, erbärmlicher Menschen, bie sich nicht selbst beherr- fdhen können, sondern von einem Gegensatz in den andern taumeln. Tiefe Selbstzerfleischung ist nicht der rechte Weg, unser Volk aus dem tiefen Verfall triebet aufzurichten. Damit stößt man es vollenbs ü ben Abgrunb hinunter.
Fehler sinb begangen worden. Aber ein Fehler U nicht immer Schn ld, sittliche Schuld. Lch glaube an ein schuld loses Leiden, ein un* verschuldetes Unglück. Es dünkt mich eine außerordentlich oberflächliche Auffassung, daß ber äußere (rrjolg der letzte Richter über Gut unb Böse sei. Kenn die äußeren sichtbaren Begclwnheiten, Erfolg I oder Mißerfolg, das letzte Urteil über den inneren i 23ert ober Unwert einer Sache enthielten, bann I bedeutete das nichts Geringeres, als daß in der I Nett die Gerechtigkeit herrsche, daß innerer Gehalt I unb Geschick einander deckten. Dann gäbe es gar f Tfine Tragödie auf Erden. Die Gerechtigkeit steht nit ber Wirklichkeit in einem ständigen Kampfe L unb ringt um ihre Bewährung, ihre Darstellimg | und Herrschaft auch in ber äußeren Gestaltung I (Sänge. Aber sie erringt bie Verwirklichung in I ben Ordnungen unb Geschicken bes menschlich?n Daseins bei weitem nicht immer. Auf biefen Kamps hin zwiscl>en Ideal unb Verwirklichung scheint mir d»s ganze Menschenleben eingestellt, geschaffen jit fein.
Unser Volk hat die größte Tragödie erlebt, die je die Weltgeschichte gesehen bat. Denn die Tragödie bedeutet oas schuld 1 o se Leiben. Zwar Fehler sind von ben tragischen Helden begangen worden. Aber nun liegt bas Tragische gerade darin, daß es gleichsam schuldlose Fehler sind, daß der Held durch das unentwirrbare Netz ber Schicksalsverstrickung, ber mtaufbebbaren Umstände in diese Fehler hineingenötigt, hineingezwungen ffiirb, daß er sich ihnen gar nicht entziehen kann, besonders im furchtbarsten Falle, wenn widerstrei- lenbe Pflichten, ein Zwiespalt auf seine Seele eindrängt: daß er in jebeni Falle eine Pflicht verletzen muß. Das ist tragisch."
Von diesem Standpunkte aus betrachtet Ernst Horneffer in dem eben erschienenen Buche „Erkenntnis. Die Tragödie des deutschen Volkes" (Orma-Verlag, Frey- schmidtsche Buchhandlung, Kassel) die schwer abzuwendenden internationalen Verstrickun- gen, die diesen Krieg herbeiführen muß-
iesjener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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