Einzelbild herunterladen

Erstes Blatt

Samstag, 16. August 1919

169. Jahrgang

Awillingsrunddruü u. Verlag: vrühl'fche Univ.-Buch- u. 5teindruckerei R. Lange. 8christleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: $d)iil|tr. I.

wochenrückblick.

rr o -rr t püiscl)en Völker selbst gebotene Ordnung des ""gültig geworden sei

s 8^rei3frffCn europäischen Völterlcbens die unerschiitter-1 l>Lt daraus an. dlc rur

Ttr ner wninni nm hn> (^rhnfb A ti irriOA < < . z . s ~ * * < - , I rinmi h i rf*f- m rttNr-r

bet

nimmt der Kampf um die Schuld an Krieg und Zusammenbruch seinen Fortgang. Offen und verborgen, in amtlicher Form, partei­politisch ausgcwertet, erbittert, einseitig und mit persönlichem Haß werfen sich die Gegner angesichts der hohnlachenden Welt die schwer­sten Verbrechen am deutschen Volke vor. Ein

einem nickst mmixr versöhnlichen Tone gehalten.' Amwvrtno'e gerichtet, in der er diese erfudit, da fi.* bereit sei, entsprechend der Politik und den Ge­sichtspunkten der Entente zu handeln, mit der interalliierten Kommission und den nach Buoapcst

Der oberste Rat und Rumänien.

Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Reuter mel- ouä Paris, daß der Oberste Rat sich in

Ur. 190

Ter »tehener Anzeiger erscheint täglich, außer Lonn- und Feiertags.

Bezugspreis: monalL'W L1-GO, vierte !- jährlich Mk. 4.80, burrf) Abhole- iu Zweigstellen monatl. Dit. 1.50; durch diePost Alk. 4.50 viertel- jährt, ausjcht. Bestellg. Fernsprech - Anschlüsse: siirdleLchr>stleitnügll2 Verlag,GeschäitsstelIe5I AnschriltsürDrahtnach- nchlen: Anzeiger Siege».

poftschecktonto: firanflur! a. M. U686

B alle für ihn

Verfügung t landivich'chast- sind öden Don ning der Lclbsl- ic über die sesl- rcn Mengen an zlick attzuliesern. die nach § 13a und Buchiveizen gestellt werden. Ic jede ihr zur i abnimmt." durch die Worte

Die irische Frage.

Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Drahtlos wird aus Lottdon gemeldet, Bonar Law habe auf die Frage eines Parlamentsmitgliedes, ob die Lord Greh gegebenen Instruktionen für seinen neuen Posten teilweise dahin lauten werden, zu versuchen, die Beziehungen zwischen den Ver­einigten Staaten und England durch die Regelung der irischen Frage und die Versöhnung der Irländer besser zu gestalten, ge­antwortet, .er sei überzeugt, daß Lord Grey alles tun werde, n>as in seiner Macht liege, und in jeder Hinsicht, wo dies notwendig sei, die Be­ziehungen zwischen beiden Ländern verbessern zu Helsen.

Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Laut Telegraas" beschloß die englische Regierung die S i n n f e i n - O r g a n i s a t i o n c n in der iri­schen Grafschaft Clare als ungesetzliche Vereine aufzu heben.

I mäßige, durch die Kräfteverhältnisse der euro-1 funden, daß der Waffenstillstand vom 13. Rpvember ----- " " ' ' ~ 1-------v- sti. Der Oberste Rat rumänische Regierung eine in

Vorräten du-

ung:B Som chasten, die schon jfngern im Som» mren, sowie solche Angestellte solch«

tm ,M \W' SorteSttfltgiil"

Annahme von Anzeigen f. die Xagesmtmmer bi» zmn Nachmittag vorher ohneiebeVcrbmdli.Nkeil preis lür 1 mm höhe für Anzeigen v.34mm Breite örtlich 15 Ui, ausivärts 18 Bf., für Reklame- anzeigen von 70 mm Brette 48 Bi. Bei Platj- vorfchrin20°/^Anfschlag. Hauvtschriitteiter: Aug. Goeg. Berantivortlich für Bolit'k: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: 1>. Reinhold Zenz; für den Alizeigcitt-.it: p. Beck; fämtlrch in Gießen

Die Geheimnisse de- Völkerbundes.

Rotterdam, 15. August. (Wolfs.) Ter Ni-euwe Notterdamsche Courant" meldet aus Lon­don, dqß L o d g e s Aeußerungen über die japa­nische Gefahr in Amerika großen Eindruck gemackst haben. Lodgcs Aeußermngen seien der nirksamste und gefährlichste Angriff auf "Wilsons Völkerbund gewesen. Es sei beinahe undenk- 6ar, daß der Vertrag ohne Eiirschränkmrgen rati­fiziert werde. Ta sich Wilson entschieden weigert, denk Senat über die Besprecl-ung aus der Friedens­konferenz Bericht zu erstatten, suchit der Senats- ausschnß für auswürttge Angelcgenl-eiten zu er­reichen, daß Oberst House vor dem Ausschluß erscheint. Ter Ausschuß bettackstet dies als die letzte Hoffnung, um über die Geheimnisse des Bundes Aufklärung zu erhalten.

Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Nach einer von englischen Blättern vvm 13. August gebrachten Neutermeldung aus Washington erklärte Senator L o d g e in seiner Senatsrede, der Völkerbund sei nur eine Alliance, die augenblicklich von fünf, in Wirklichkeit aber von drei Großmächten be­herrscht werde. Tiefer Bund zur Erzwingung des.Friedens trage zum Zwang und sehr wenig zum Frieden bei.

Deutschland soll restlos zahlen.

Versailles, 14. Aug. (Wolff.) Der FriedeusausschußdesSenats hörte gestern den Schluß des Berichts des Senators Milliös-Lacroix über die Finanzen und die Wiedergutmachung und alsdann den Finanzminister Klotz und den Minister für wirtschaftlichen Wiederaufbau Loucheuran. Die Minister erläuterten im einzelnen den finanziellen Mechanismus, den die Friedens­konferenz ausgearbeitet hat, um die vollstän­dige Erfüllung der Verpflichtungen Deutsch­lands sicherzustellen. Sie betonten ausdrück­lich, daß Deutschland die Summe, die die Wie­dergutmachungskommission festlegen werde, restlos bezahlen müsse. Die Minister sprachen sich auch über die Maßnahmen aus, die die Alliierten und Assoziierten getroffen haben, um die restlose Ausführung der Deutschland aufgezwungenen Verpflichtungen sicherzustellen.

Die Rückkehr der Kriegsgefangenen.

Amsterdam, 15. Aug. (Wolff.) Englischen Blättern zufolge erfiärte Churchill in der Un- terhaus-Sitzung vom 13., dast das britische K r i e g s a m t wiederholt um die Erlaubnis nach­gesucht habe, die deutschen Kri e g s g e f a n- !reuen heimsenden zu dürfen. Er bedauere ehr, daß es dem Kriegsamt bisher nicht gelungen ei, tun dem Odersten Rat die Ermäckstigiing zu erhalten, mit der Heimsendung der deutschen Kriegsgefangenen zu beginnen.

Die WaffcustillstandSkommiffion.

Wei mar, 15. Aug. (Wolff.)Die W af­fen st ill st andskom Mission wurde dem Reichsministerium des Aeußern unterstellt. Den Vorsitz hat an Stelle des zu anderweiti­ger dienstlicher Verwendung in Aussicht ge­nommenen Ministerialrats von Stockham- mern Oberbürgermeister Wilms übernom­men, der auch die Geschäfte der Waffenstilb­standskommission in Düsseldorf weiterführt.

AtricW?

-ttbe *

Litz 1*5

nngeii her Reichs innöenen Mate

1) §§ S, 9,-10, ti zu beiafien |uw, m Laser. W1 uliesern"

«d 191" Ä j 1920'' unb na

-uni 1918" dur-b

rtcabzMiebca" n Worteb*l --»dS'A

! " zn ersetze»-

uni) einem

August

Worte ^W§13a i^Qtt.lolgcnbe 116 hielten d in streichen:

1918 st (Rnchs-tzc- in - Gerste" unh die Worte 'd der daraus 1 Brotgetreide, Metzen.

He" durch die .Metzen, leser Genehrnj- E.der Trock- oi. .nummmtai-- tnidestelle oder ^ningsminiiter

Äe" durch die nrd) die Worte

seiner gestrigen Nackmittagssitzung mit der Ant­wort der rumänischen Negierung besaßt hat. Die Antwort erhebt in höflichem Tone Ein­spruch gegen die Beschuldigung, daß Rumänien gegenüber Ungarn sich ein Verbrechen habe zu­schulden kommen lassen und daß es sich von den Alliierten trennen wolle. Rumänien sei der An­sicht, daß es im Hinblick daraus, daß es selbst ausgeptündert worden sei, sein gutes Recht sei, sich mit den Vorräten, die es in Ungarn angetroffen l-abe, zu vm argen. Ungarn habe noch Uebcffchuß, den es aussühren könne. Rumänien erkläre ferner­hin, daß es die Bevölkerung von Budapest, die vor der Ankunft der rumänischen Truppen vor Hunger umgekommen sei, mit Lebensrnitteln ver­sorgt habe. .

Paris, 15. Aug. (Wolff.) Havas. Tie Ant­wort der rumänischen Regierung hat auf die Vertreter der Großmächte einen sehr guten Eindruck gemacht. Obivohl der Text nicht ganz veröffentlicht ist, weiß man, daß in bezug auf die Politik in Budapest bor rumänische Befehls­haber und Oberkommissar Weisungen erhalten hat, nach den Wünschen der Entente zu handeln. Was den zwischen den Rumäne»: und Ungarn abge- schlossenen Waffenstillstand nnbetrifft, so erklärt die Note, daß vt vor ter Ci'«spräche der Alliier­ten zustande gekommen sei. Da Die Ungarn die Rumänen angegriffen hätten, habe sich das rumä­nische Kommando in dem guten Glauben be­

ten, die sittliche Kraft, mit der oas putsche Volk in den ungleichen Kampf hin- einging, und den sittlichen Zusammenbruch. Das aber ist das Einzigartige an diesem, in den Tagen von Deutschlands schmachvollstem Zusammenbruch geschriebenen Buche, daß es leidenschaftlich anklagen kann, wo vermeidbare tzehler gemacht worden sind, daß es aber über der Anklage den Blick für die Größe nicht verloren hat und begeistert uns das Hel­denepos des deutschen Volkes wieder so ins Lcwußtsein zurückzwingt, wie wir es alle er­lebt haben. Und eben darum sollte dieses Buch mancher lesen, der sich jetzt nicht mehr darauf besinnen will. Gerade daß ein Mann, der den Alldeutschen keinen geringen Ein- niiß auf die unheilvolle Wendung der Dinge beimißt, sich furchtlos dazu bekennt, daß der dem deutschen Herzen niemals nahestehende Militarismus trotz all seinen Fehlern und Schwächendie einzige Stütze und Bürgschaft der gesamten europäischen Kultur war, die mt diesem Militarismus rettungslos in Lichts zerrinnen, in die völlige Verwahr­losung und Auflösung übergehen wird," zeigt due unerschrockene Objektivität der Betrach- lumgsweise.

Aus seiner ganzen Einstellung heraus | Hornesfer zu dem Ergebnis, daß der Misgang des Weltkrieges als eine Fäl-, ber Weltgeschichte auszufassen ist.

md dies begründet er damit, daß die recht-.

vom höheren Gesetz der Geschichte erforderte Entfaltung der Dinge griffen die außereuro­päischen transozeanischen Mächte England/ und Amerika ein und haben ganz Europa auf den Kopf gestellt, die natürliche und sitt­lich geforderte europäische Ordimng umge­stürzt". Und wie Bismarck eine Einmischung Englands in den jahrhunderte alten Gegen­satz zwischen Deutlchland und Frankreich als Fälschung betrachtet hätte,so haben wir das Recht und die Pflicht, diesen Ausgang des Weltkrieges als Unsinn, Wahnsinn, als gänz­liche Umlehrung aller natürlichen, gerechten, heilbringenden Ordnung Europas aufzu­fassen, als Fälschung der Weltge- schicht e".

Und zu noch einem bemerkenswerten Er- bebnis kommt das an tiefen Erkenntnissen überreiche Buch, einem Ergebnis/ das erst befremdend anmuten will und das dennoch das Wesen der Demokratie tiefer erfaßt, als jene, die, da glauben, die bloße kompakte Masse als solche, als einzige, entscheidende Macht aufstellen zu können. Einem Ergebnis, mit dem Homeffer zu einem noch ausstehen­den zweiten Bande seines Werkes üherleitet, der denAufbau" behandeln soll. Er sagt:

Tie echte, berc^iigte, einzig heilsame Demo­kratie ist mir diejenige, welche dem Apfstieg der Begabten freie Bahn verschafft all ^Hemmnisse aus der Tradition und der trägen GäwvWlnütt alle Vorurteile betätigt, die dem EmpvcfteigcH der holten Begabung im Wege stehen. Tiese wahrhafte Temokratie l»t nicht nur unserem Beamten- unb Staatsorganismus gemangelt, wie allgemein be­kannt ist, sie hat auch den großen Massenbewegun­gen selbst, allen demottattscheil Bestrebungen, die sich so nannten und sich gegen den starren, abge­schlossenen Staat erhoben, mchlt minder gemangelt. Unsere Zeit hat von der wahrhaften Demokratie noch, keinen Hauch ver­spürt. Tenn nur durch den innerlich, traft feiner Natur berufenen Führer kann das Volk, die Ge­samtheit herrschen, weil nur dieser den ei­gentlichen, wahren, unbewußten Wil­len der Gesamtheit, den diese selbst nicht kennt, zu erfassen und herauszu­heben vermag. Wie der große Dichter oder ReliZionsstister empfindet, ausspricht, was alle fühlen, ohne daß sie es wußten, wie er die Seele des Volles gleickcham erst entdeckt, wie nur durch diesen geistigen Schöpfer die Volksseele zum Er­klingen kommt, sich selbst gewahr wird beim das ist das Kennzeickien des wahren und großen Künst­lers, wenn alle Welt überwältigt vor seinem Werk empsindet:Ja so ist es!" und jeder sich wundert, daß er das nicht schon läirgft selbst ausgespvviMr, genannt, gedacht habe, weil er sein tiefftes Innere in jener Schöpfung staunend wiedereröennt so auch beim staatlichen Künstler, beim politischen Führer. Tie Masse ist sich in ihrem drängenden, dumpfen Willen völlig unbekannt und unbewußt. Ter große Führer zeigt ilyr erst ihren Willen, läßt sie sich erst selbst erkennen und verstehen in ihrem Streben. Nur durch biefcn Einzelnen mit ungewöhnlichem Weit- unb Tiesblick kann die De­mokratie, der wirkliche Volkswille herrschen. Einm anderen Weg gibt es für ihn nicht."

liche Machtstellung des volkreichsten und kul­turfähigsten Staates im Zentrum Europas verlangte. Die innere Logik des Krieges war, daß die schon früher gewordene Welt sich noch­mals auibäumte gegen das eben erstandene Reich, damit dieses auf seinen letzten Gehalt und seine Kraft geprüft werde, ob es denn wirklich zu Recht bestehe, ob es nicht ein vorübergehender vergänglicher Schein sei, ob es in den Tiefen der Wirtlichkeit wurzele. Aber in diese naturgemäße, rechtmäßige,

entlaubten Generalen in Verbindung zu treten, jun von ;bneit die Wünsche der Entente ent­gegenzunehmen. Der Oberste Rat hat daraus noch gavisse Vorschläge der Wirtschastskommissivn, den Vertrag mit Bulgarien betreffend, angciwm- men unb sich bann auf nächsten Mittwoch vertagt.

Pans, 15. Aug. (Wolff.) Ter Oberste R a t der Alliierten wies bie Mission ber inter­alliierten Generale in Bubapest an, baß sie nicht befugt, ber rumänischen Armee Befehle zu geben, ba ber oberste Rat sich diese Mack.tbefugnme selbst vorbel-alte. Was beit E r z- herzog Josef anbclangc, so sollten die Generäle jede Ntttteilnng von säuer Seite eittgegennehinen, aber in keiner Weise den obersten Rat auf die Anerkennung seines Regimes verpflichten.

Der FricdenSvorschlag 1917.

Amsterdam, 15. Slug. (Wolff.) Tie eng- lischen Blätter vom 13. melden, daß das Weiß­buch veröffentlicht wurde, welches bie Korreflou^ denz, bie im Zusammenl^ng mit dem Vvm Papst im August 191 i gemachten FriedensVor­schlägen geführt wurde, enthält. Von beson­derem Interesse in dem Weißbuch ist ein Memo- raiibum, das der französisch.' Gefck)äftc-träger am 27. August LordRvbertCecil übern icht hat. Tarin heißt es: Monsieur Ri bot bittet mich, Jhrren seine Befürchtmrgen mitzuteilen und zu er­klären, da«ß er es nicht zulassen Emm, daß er auf den Weg geführt werde, von dein ber Vatikan an» scheinend wünscht, daß er ihn beschreitet. Er er­wartet, daß bie britisch Regierung seine Drsick^it teilt und dem Grasen de Salis Jnsttuttivneir geben wird, um alle weiteren Versuchs des Kar» biualsdaatssekrctärs, die auf eine lxilbosfizielle In* tervention zwischen den Kriegführenden I/uizchlen- zu e n t m u t i g e n.

Hindenburgs Brief über den U°Boot-5irieg.

Berlin, 15. Aug. (Wolff.) Auf unsere Anfrage bei dem früheren Reichskanzler, ob er sich zu dem in der Presse veröffentlichten Schreiben des Generalseldmarfchalls von H.in« denburg an den Prinzen Max von Baden in Sachen des U-Bootkricges zu äußern gedenke, teilt uns von Bethmann Holl­weg mit, daß er seinerzeit auf das Ersuck>en der Reichsregierung zu diesem Sck)reiben aus­führlich Stellung genommen habe. Er werde seine damalige Aeußerung, die allerdings in wesentlichen Punkten zu abweieliendcn Ergeb­nissen führt, bei einer zusammenhängenden Darstellung des U-Boot-Krieges unb seiner Vorgeschichte bekanntzugeben.

Eine Anfrage an Crzberger.

Berlin, 15. Aug. Der frühere Staatssekre­tär Dr. Friedberg veröffentlicht imTageblatt" eine Anfrage an Erzberger, in ber er ihn aufs or­dert, seine Behauptung, daß die Entente nicht unsere geplante Vermögensabgabe für sich in Anspruch nehmen könne, mit der Anlage II zum Artikel 232 § 12 Absatz B des Friede ns vertragest zu vergleichen. Das dcutsckie Volk habe du, Recht darauf, Klarheit zu verlangen.

*

Dank SbertS an bie Schweiz.

Bern, 14. Aug. (Wolff.) Schweizerische De^ peschknagentur. Präsident Abor bat vom Reick)s- bräfibenten Ebert aus Anlaß bes Abttanspocts der letzten beutsck>en kranken Solbaten aus der Schweiz ein Telegramm er batten, in dem Ebert in warmen Worten ber Fürsorge ber Schweiz für bie gesunden und kranken Zivllinternierten unb Gefangenen gedenkt unb Herrn Adoc als dem Präsidenten des Internationalen Komitt.es vom Roten Kreuz, ber Schweizer Regierung, den Transport- und ^ntcrnieru ngjbeböröen und voc allem dem gaflfreien Schweizer Volke den herz­lichsten Dank der deutschen Regierung, des deutschen Volkes und insbesondere der Inter­nierten selbst für das seist)ne Werk, das die ©djuivig damit ausgesührt hat, ausspricht. Bundesrat Müller antwortete im Namen des Bundesrats unb bes Bundespräsidenten Ador iu einem Tank­telegramm.

Die tschechischen Spione.

93er!in, 15. Aug. (Wolff.) lieber die tsche- chischenSpionein Berlin erfährt dieB.Z.", daß auch ber tschechische Oberleutnant H r o m.a dka verhaftet worden ist. Wie es heißt, soll der tsckiechische Emissär Bartos sich gerühmt haben, an dem seinerzeit von tschechi­schen Offizieren unternommenen Ueberfall aus das Wiener Arsenal beteiligt gewesen zu sein. Die Untersuchung ber Polizei erstteckt sich auch auf bie Nachprüfung dieses Teiles der Angelegenheit.

Aus dem Reiche.

Einmalige BcfchaffnngSbeihilfe für Beamte.

Weimar, 15. Aug. (Wolff.) Die Reichsregierung hat heute besch lassen, es solle, vorbehaltlich der Zustimmung dec Na­tionalversammlung, allen Beamten eine einmalige B esch a f fu n g s b e i h i l fe gewährt werden, und zwar 100G Mark für kinderlose Verheiratete, 600 Mk. für Ledige; daneben sollen für jedes zu berücksichtigende Kind 200 Mark gezahlt werden. Die Beb- Hilfe ist in z w e i R a t e n im September und im Dezember dieses Jahres fällig. Die Grund­sätze über die Gewährung lausender Teue­rungszulagen werden dahin geändert, daß die Kinderzulage vom 1. September an ein­heitlich auf 50 Mark festgesetzt werden soll. Die anwesenden preußischen Minister erklär­ten sich bereit, eine gleiche Vorlage für die Landesversammlung dem Staatsministerium zur sofortgen Beschlußfassung zu unterbreiten.

Wirkungen des Kohlcnmangels.

Cuxhaven, 15. Aug. (Wolff.) Die Stockungen im Fischdampferbe­trieb infolge des Kohleninangels ge­stalten sich immer umfangreicher. Zur Zeit liegen in Cuxhaven 14 Fischdampfer auf, in Geestemünde-Bremerhaven 30 Fischdampfer. Am Donnerstag sind in Cuxhaven überhaupt keine Zufuhren mehr an den Markt gekommen.

entwürdigendes Schauspiel, zumal wenn es sich in der Versammlung der berufenen Füh­rer des Volkes, zwischen augenblicklichen und früheren Leitern des Staates abspielt.

Wahrhaft befreiend ist es, wenn uns dec Blick von diesem allzumenschlichen Hader ab- aelenkt und die Schuldfrage, wie die ganze Tragödie des deutschen Volkes von einem über den Parteien stehenden Standpunkte aus mit philosophischer Durchdringung aufgerollt wird.

Aber nun bars man, nachdem man zuvor sorglos unb gedankenlos in ben Tag hineingelebt bat, nicht in ben entgegengesetzten Fehler verfallen unb bei bem bcutfdxn Volke eine furchtbare Schuld, tw'hl gar die Schuld am ganzen Kriege, suchen vollen. Jetzt wühlt man in der Schuld des deut­schen Volkes, stellt grimmig und hohnlachend das rigene Volk vor aller Welt an den Pvanger. Tas ist abgesehen von den hochverräterischen Fol­gen solchen Treibens denn das heißt doch bie Feinde zur letzten Auskostnug ihrer Rache, zur scliraickenloseri Ausnützung ihres Sieges geradezu ein laben und an stacheln davon abgesehen ist ein solches Verhalten ein Zeichen kleinlicher, er­bärmlicher Menschen, bie sich nicht selbst beherr- fdhen können, sondern von einem Gegensatz in den andern taumeln. Tiefe Selbstzerfleischung ist nicht der rechte Weg, unser Volk aus dem tiefen Verfall triebet aufzurichten. Damit stößt man es vollenbs ü ben Abgrunb hinunter.

Fehler sinb begangen worden. Aber ein Fehler U nicht immer Schn ld, sittliche Schuld. Lch glaube an ein schuld loses Leiden, ein un* verschuldetes Unglück. Es dünkt mich eine außer­ordentlich oberflächliche Auffassung, daß ber äußere (rrjolg der letzte Richter über Gut unb Böse sei. Kenn die äußeren sichtbaren Begclwnheiten, Erfolg I oder Mißerfolg, das letzte Urteil über den inneren i 23ert ober Unwert einer Sache enthielten, bann I bedeutete das nichts Geringeres, als daß in der I Nett die Gerechtigkeit herrsche, daß innerer Gehalt I unb Geschick einander deckten. Dann gäbe es gar f Tfine Tragödie auf Erden. Die Gerechtigkeit steht nit ber Wirklichkeit in einem ständigen Kampfe L unb ringt um ihre Bewährung, ihre Darstellimg | und Herrschaft auch in ber äußeren Gestaltung I (Sänge. Aber sie erringt bie Verwirklichung in I ben Ordnungen unb Geschicken bes menschlich?n Daseins bei weitem nicht immer. Auf biefen Kamps hin zwiscl>en Ideal unb Verwirklichung scheint mir d»s ganze Menschenleben eingestellt, geschaffen jit fein.

Unser Volk hat die größte Tragödie erlebt, die je die Weltgeschichte gesehen bat. Denn die Tra­gödie bedeutet oas schuld 1 o se Leiben. Zwar Feh­ler sind von ben tragischen Helden begangen wor­den. Aber nun liegt bas Tragische gerade darin, daß es gleichsam schuldlose Fehler sind, daß der Held durch das unentwirrbare Netz ber Schick­salsverstrickung, ber mtaufbebbaren Umstände in diese Fehler hineingenötigt, hineingezwungen ffiirb, daß er sich ihnen gar nicht entziehen kann, besonders im furchtbarsten Falle, wenn widerstrei- lenbe Pflichten, ein Zwiespalt auf seine Seele ein­drängt: daß er in jebeni Falle eine Pflicht ver­letzen muß. Das ist tragisch."

Von diesem Standpunkte aus betrachtet Ernst Horneffer in dem eben erschienenen BucheErkenntnis. Die Tragödie des deutschen Volkes" (Orma-Verlag, Frey- schmidtsche Buchhandlung, Kassel) die schwer abzuwendenden internationalen Verstrickun- gen, die diesen Krieg herbeiführen muß-

iesjener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

1aus ben iin {Betriebe ß I S