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Mittwoch, 16. April |919

Nr. 90

Swettes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

des

besetzen und bafj die Arbcücr onfeerbcm rat Mit­glied des dreiköpfigen Vorstandes stellen sollen, bo# mit allen Rechten und Pflichten tut der Leitung

Evang. Ärbc

Reichsversicherungsamt Berlin ein. Das im Rekursverfahren vom Reichsversicherungsamt bei der Chirurg. Klinik in Meßen eingeholte Obergutachten geht dahin, daß eine Erwerbs-

Rcichskohlcnvcrbandcs tciütimmt.

Rückkehr dcntscher Kriegsgefangener.

Bern, 15. April. (WTB.) Schweüe

Himmel gefallen, brach er in lautes Lachen auf.

Er sprang auf.

Nun, Herr Wachtmeister, haben Sie sich txm deni Fleck am Knie und von dem Vorhandensein der Goldplombe überzeugt?"

Tas hat seine Richtigkeit" antwortete der Wachtmeister.Hier ist Ihre Legi-imationskarte, Herr von Armbrüster." Er gab Torival das Aus- weispapier zurück. Tann setzte er den Helm auf. Ich bitte um Entschuldigung Herr van Arm­brüster!" Tann grüßte er und ging.

Der Direktor aber war totunglücklich.

Mich trifft keine Schuld, Herr Baron!" uctp» pelte er.Sie dürfen mir glauben! Dieser Esel von einem Portier, dieser Vogelsang, ist es ige* wesen? Gestehen Sie!" Er wandte sich nach dem Portier um, aber der hatte sich schon geräuschlos gedrückt.Bringen Sie mich nicht um meinr. Stellung, Herr Schnepfe!" jammerte der Tirektor weiter.Wenn Sie mich verklagen, Herr Schnepfe, bin ich ein verlorener Mann!" Er folgte Doripal in die Halle. ,Zch bitte, Herr Schnepfe"

Mann, wenn Sie mich noch einmal Schnepfe nennen," donnerte Torival ihn an rufe ich den Schutzmann zurück und lasse sie sofort abführen! Nach dem Alexanderplatz! In eine sehr ungemüt­liche Arrestzelle!"

Es tat ihm gut, einmal einem anderen mit dieser Arrestzelle drohen zu können. Unwillkür lich mußte er lächeln.

Dieses Lächeln legte der Direktor zu seinem Gunsten aus und mit einem tiefen Bückling sagte er:

Darf ich den Herrn Baron wieder in den Speistsaal führen?"

(Fortsetzung folgt)

fand, äußerte sich der Sachverständige gut­achtlich dahin, daß die Einstellung der Rente berechtigt sei. Hiergegen hat der Verletzte fristgerecht Einspruch bzw. Berufung erhoben, wuroc aber mit seinem Anspruch abgewiesen. Er legte deshalb gegen das Urteil des Ooer- vcrsicherungsamts durch Vermittlung der a e- meinnützigen Beratungsstelle des

gang der Bezugsscheine eine genaue Liste zu führen uns die Belieferung nach Reihenfolge des Einlaufs der Bezugsscheine vorzunehmen. Jeder Bezugs­chein iit möglichst sofort voll tzu beliefern, jcbod) j't der Händler im Vorfälle berechsigt, den Bezugs­chein durch Teillieferungen zu erledigen. Eine Be­vorzugung nach Menge und Zeit der Belieferung d-rrs bei Strafe her Schließung des Geschäfts nid)t latt finden.

Amtsrämwe sowie Schulen, Kirchen und andere öffentlichen Anstalten werden auf Grund von Be­zugsschemen, die bei dem Kommunalverband zu be­antragen sind, beliefert. Der ftomnunmlverband hat das Recht, eine Zusammenlegung von Ver- brauck>sbetrieben wie auch von Schulen zu veran­lassen.

Das Kriegsgefangenengeld verliert ab 1. Juli 1919 ferne Gültigkeit. Nach diesem Ter­min findet eine Einlösung nicht mehr statt. An­träge auf Einlösung seid zu richten an:Inspek­tion der Kriegsgefangenenlager 18. N.-K., Abt. Geldverkehrsstelle des Kriegsgefangenenlagers Gie­ßen iit Frankfun a. M., Scl>arnhorststr. Nr. 50".

Tie Räude ist amtslierärztlich unter dem Pferde bestände des Landwirts Ludwig Philipp Ger lach zu Rodheim a. H. festgestellt vvordcn.___________________________

Letzte Nachrichten.

Der Friedcnsvertrag.

Berlin, 16. April. Aus dem Haag wird berichtet: Aus amerikanischer offiziöser Quelle wird gemeldet, daß der Fri-edensvertrag 7 5000 Wortes nthalte. (An einladender Vertrag setzt die allgeineinen Grundsätze auseinander, die in den anschließenden Protokollen ihre Anwendung finden. Diese Protokolle werden u. a. den Völkerbund betreffen, den die Deutschen zwar unterschreiben sollen, ohne jedoch als Mitglied zugelassen zu wer­den, bis der Völkerbund entsprechend den betr. Be­stimmungen Deutschland zuläßt. Vermutlich wird der Vieverrat eine besondere Verbandlunflskommis- |üjn aus seinen eigenen Mitgliedern buben. Es '/inb jedenfalls Erläuterungen geplant, bevor die deutschen Delegierten zur Beschlußfassiung nach Weimar zurückkehren. Die Minister des Aus­wärtigen der Großmächte, die im sogenannten Fün- f errat zusammen gefaßt sind, werden am Dienstag die technische Seite der Frizens.echanblungen bo fpredjen. Die Verhandlungen werden tvohl in Paris stattfinden, weil die Schwierigkeiten der Vorbereitungen für den Empfang der deutschen Delegierten in Versailles zu groß sind.

Der Stockholmer Gesandtenposten.

Berlin, 16. April. Oberbürgermeister Koch- Kassel erklärte, daß der Stockholmer Gesand­te n p o st c n ihm bisher nicht mtgeboten worden sei. Er wurde schwere Bedenken haben, das Amt anzunehmen.

.Der Neichskohlenrat.

Berlin ,15. April. (WTB.) Im Sachver­ständigenrat für Kohlenwirtschast wurde die Be­ratung über die Organisation der zu schaffenden! Verwaltungskörper fortgesetzt. Der Reichs ko tz- len rat wird sich danach mit geringen Erweite­rungen und Abäuderungen aus Mitgliedern des Sachverständigenrates unb wie dieser, paritätisch au3 Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammen­setzen. Der gesetzlich vorgeschriebene Gesamtver- band der Kohlenerzeuger wird als Reichskohlen- verband in Form einer Aktiengesellschaft begründet werden. Seine Mitglieder sind die bestehenden oder neu zu bildenden Bczirkssyndikate. Der Reichs- kotzlenverband wird für die gesamte Kohlenwirt­schast die allgemeinen .Richtlinien aufstellen und eine Berusungsstelle für Fragen bilden, über die in den Bezirkssyudikaten Streitigkeiten entstehen. Angelegenheiten, welche mit Besonderheiten der einzelnen Bezirke zusammenhängen, sollen nach Möglichkeit bei diesen selbst entschieden werden. Eine lebhafte Aussprache herrschte über die Art der im Gesetz vorgesel)enen Beteiligung der Arbeit­nehmer an der Verwaltung des Reichskohlenver- bandes. Man einigte sich dahin, daß die.Arbeiter drei Aufsichtsratsstellen, die Angestellten eine solche

Arr» Stadt «nd Land.

Gießen, 16. April 1919.

Lrrm Empfang der heimkehrenden Gefangenen.

Im März wurde das Deutsche Hilfswerk für die Kriegs- und Zivilgesangenen von der Reichs- zentralstelle, dem Roten Kreuz, dem Botkslnmde zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivil- gefangenen u. a. gegründet. Der Zweck dieser Gründung ist, Geldmtttel zu beschaffen, um den Empfang unserer heimkehrenden Ge­fangenen würdig zu gestalten. Die ReichSzen- tralstelle und die Vereine haben sich zusammen- geschlosscn, damit ein zweckloses Auseinander- fließen des Geldes vermieden und jedes Durch­gangslager gleichmäßig mit Geldmitteln versorgt wird.

Dte Negierung hat für jeden heimkehrenden Gefangenen einen Betrag bis zu 1 Mark bei der Grenzübergangsstelle und bis zu 3 Mark im Durchgangslager bewilligt. Diese Summe reicht aber nur aus, um ein kleines Liebesgabe n- pa ke t herzustellen. Die finanzielle Lage be3 Staa­tes erlaubt es nicht, größere Beträge zur Ver- f'lgung zu stellen. Infolgedessen ist es notwendig, ie private Wohltätigkeit in Anspruch zu nehmen.

Es ist geplant, im ganzen Deutschen Reich eine Opserwoche Anfang Mai abzuhalten, in der jedem Gelegenheit gegeben wird, durch eine tGabe seine Dankbarkeit den Kriegern zu erzeigen, die ihr treues Ausharren in vorderster Linie mit einer jahrelangen schweren Gefangenschaft bezahlen mußten. So traurige Empfänge, wie sie in der letzten Zeit in Wesel, Stettin unb Magdeburg vorgekommen sind, müssen vermieden werden. Da- zu tarnt jeder einzelne von uns beitragen, wenn er in der Opferwoche seinen Straften entsprechend (gibt. Die Bitte des Deutschen Hllsswerkes, zu unterstützen, haben bereitwilligst zugesagt: Der Reichspräsident, der Präsident der Nationalver­sammlung, der Ministerpräsident, die Minister Graf Brockdorss-Rantzau, Noske. Erzberger unb die Abgeordneten Dr. Cohn, v. Graefe, Naumann, Payer, Stresemann.

Der Aufruf des Hilfswerkes wird auf guten Boden fallen. Denn es werden von selbst aus iKreisen der Bürgerschaft Vorschläge gemacht, wie man einen möglichst würdigen Empfang vorberei­ten unb den Znrückgekehrten die Quarantäne-Zeit im hiesigen Lager erträglich machen soll. Wir geben nachstehend eine derartige Anregung wieder, die uns von Hausverwalter Joh. Loh zugeht.

Ter Volksbund besaßt sich schon einige Zeit mit Empsangsvorbereitungen für unsere henn- behrenden Gefangenen am Bahnhof und geeigneter Unterhaltung während einer lOtägigen Quarantäne im Lager. Ich nehme an, bah es nur einer An- Ixigmig bedarf, um unsere Gießener Gesang-, Musik- und Turnvereine usw. auf bie Beine zu bringen, unseren heimkehrenden Brü­dern zu zeigen, daß wir sie trotz schwerer Zeit nicht vergessen tjaben, sondern ihre Heimkehr nut Liebe und Dankbarkeit erwarten. Wenn man von den Empfangsfeierlichkeiten in der Sc^veiz liest, wie die Vereine dort gewetteifert haben, den durch- fommenben kranken und verwundeten Kriegern Liebe zu erweisen, so sollte man annehmett, daß kein Gießener Verein zurückstehen möchte. Wer sich nicht selbst betätigen farm, der sollte dem Volksbund Mittel zur Verfügung stellen. Auck unsere Volks- unb höheren Schulen bür- fen bei dem Empfang nicht fehlen, vor allem müßten die Schülerchöre mftwirken.

Wir unterstützen die Anregungen Herrn Lohs durchaus, sind ober dafür, baß auch hier keine Verzettelung eintritt unb daß alles möglichst ein- heitlich vom Volksbunde aus geregelt wird.

** Das Fest der silbernen Hoch­zeit feiern Karfreitag Emil Krämer und Frau Lina geb. Bender, Neuenweg 6.

LU. Vonder Landes Universität Gießen. Der außerordentliche Professor Dr. Friedrich L e n z in Braunschweig har den an ihn ergangenen Ruf auf die Siegmund- Heichelhetm-Professur dahier angenommen

"Unfallversicherung. Der 61jähr. Taglöhner und Heizer I. L. zu Gießen zog sich am 22. Mai 1915 im Betriebe der Stadtgart- nerei zu Gießen beim Heben einer Handmah- maschine eine Zerrung der Gelenkbänder und Muskeln an der rechten Schulter zu. Als Un­fallfolge verblieb gerinae Beeinträchtigung der Gebrauchsfähigkeit te rechten Armes. Dieserhalb bezog der Verletzte fett Ablauf der Wartezeit eine vorläufige Rente von 10 Proz. d.i. 5 50 Mk. monatlich. Aus Grund einer Nachuntersuchung, die am 4. Apml 1916 durch den Großh. Kreisassistenzarzt Dr. Sch. ,tatt-

Tie beiden Herren nickten ihm zu, unb er gab dem Direktor einen Wink.Kommen Sie. Zeigen Sie mir den Herrn!"

Ter Direktor öifnete die Saaltür.

Draußen stand der Portier imb gab emtgen Hausknechten Anweisungen über die Fortschas- fung mehrerer Gepäckstücke

Wo ist der Herr?" fragte der Direktor den

Portier schien nur auf diese Frage ge­wartet zu haben. Er trat auf die andere Sette Dorivals und deutete am dte offene Tur, dte in das Zimmer des Direktors führte.Bitte, treten ^iC Gefolg^von dem Direktor und dem Port'er betrat Dorival den Raum. Neugierige Blicke folg­ten ihm Die Beamten an der Auskunftsstelle die Listjungen, die Diener am Wmdsang des Haustores, die Dame am Fernsprecher, dte Haus­knechte, sie alle stierten nach der Türe, durch die die drei Männer verschwunden waren und die der Portier hinter sich zugezogm hatte

Aber es blieb alles stlll.

Kein lautes Wort drang aus dem Raum heraus und lohnte die Ausdauer der Neugierigen Einmal schien es den Zunachststeheilden als hätten sie den berühmten Hoteldieb laut lachen ®ÖTe$a trat der Herr vom Zimmer 273, der Freund des Hoteldiebes, ans dem Speiiesaal. Suchend blickte er sich um. Tie Hausknechte for­mierten sich sofort zu einer geschloffenen Reihe UN" «bensxn^

N-fte-un- bU

Der Doppelgänger.

Roman von Carl Schüler.

Fortsetzung Nr. 7.

Ter Hoteldivektor begrüßte die beü* Herren mit ftinem besten Lächeln und gleitete sie seW in den Svcisesaal an euren kleinen Tuch, der in ber Nähe der Ausgangstüre stand. Gr bie Speisekarte vor, rief einen Kellner zur Be Mraui^erbei. bezüglich nntergebvacht," E^Jchün^uch sehr «ifrieben/; antwortete der Doktor , Es ist eine Wohltat M einem guten deutschen Hotel zu wohnen. Lenken sie nicht mauch- mal mit ' Schaudern an unsere brasilianischen Hotels?"

Torival lachte. ,

c*.rt diesem Augenblick erschien ber Tirektor des Hotels N^der und führte Semwr slmidmo an C tpr reiben Freunde. Er wartete bie Be-

tagte er lich Su

Dorival und flüsterte ihm zu . . .

Ein Herr möchte Sie sprechen. Er wartet in d£! ftettr frost- T-rio-l erflmmtEr soll boch heremtommen.

heimlich den Schweiß von der kahlen Sttrn.

Zch°ta L'Lber hier Bitte, enischul- bigeix Sie mich einen Augerwtia.

Stimme. Er schluckte ein paarmal, brachte aber kein Wort heraus.

Ta bannen," ries statt seiner ein Limunge. Sie werben auch schon erwartet."

Marcellino trat in das Zimmer des Direktors unb blieb erstaunt auf der Türschwelle stehn

Sein Freund Torival von Armbrüster saß auf einem Stuhl. An seinem rech en Bein waren Unterhose und Beinkleid in die Höhe gestreift, so daß das Knie entblößt war. Ein Schutzmann beugte sich über ihn. Tann richtete sich der Schutzmamt auf, und Torival warf den Kopf zurück iunb riß den Mund weit auf

Kennen Sie den Herrn?" fraate der Portier unb zeigte auf Torival. Tabei bohrten sich seine Blicke fest in die Augen des Brasilianers.

Natürlich. Ich habe ja ein Jahr lang mit ihm! gearbeitet!" erklärte Marcellino.Was geht denn hier vor?" \

Ter vorletzte Backenzahn auf der linken Seite!" lallte Torival.

Ter Portier aber packte mit festem Grift den Arm des Brasilianers unb sagte:

Nicht gemuckst!"

Ter Brasilianer stanb wie versteinert da. Seine Augen flogen von einem zum andern. Ter Hotelbirektor stand rechts von dem Schutzmann, mit erhobenen Armen und dem geheimtuerischen GesicÄ eines Ord)esterdirigenten, der feine Musiler xu einem Pianissimo ermahnt. Ter Portier glotzte ihn an, wie ein bissiger Hund. Von dem Schutz­mann konnte er nur den breiten, prallen Rücken sehen und den Grift des Säbels, ber dem Mann an ber Seite hing. Aber Torivals Gesicht war ihm zngewanbt. Und als Torival den Brasilianer sah, ber mit halbgeöffnetem Mund dastand, wie tont

Depeschen agentur DemBund" zufolge hat bv ranzöfische Regierung unter noch zu crfüllenbeu Bedingungen die Bewilligung erteilt, baß etwa 2000 'wegen Tuberkulose ober ivegei» Verwundung in der Schweiz internierten beutfdyen Soldaten in der nächsten Zeit in ihre Heimat zurückkehren dürfen.

Die neue Zeit in der Berliner Stadtverordnetenversammlung.

B e r I i n , 15. April. (WTB.) Bei einem An» trag der beiden sozialdemokratischen Fraktionen in der Stadtverordneten^ Versammlung, alle Bilder und Büsten des Hohenzollernhatiscs aus den städtrscheii Gebäuden zu entfernen, verlas Oberbürgermeistei Wermuth eine Erklärung, wonach der Magistrat bereit fei, in den GJebäuben, die für tben ösfent Lichen Verkehr zugänglich find, alle Snmbole bei ruberen Regierung zu entfernen. Stadtverordneter (Saffet (Dem.i erflärte zu den Ausführungen bft Oberbürgermeisters, daß ^ine Partei bie.tn Schrill nicht mitmache. Zu den Sozialdemokraten gewandt tiief er aus: Sie inerden es nieerreidim, daß die Erinnerung an die großen Herrschicr beS Hohen zollernHauses und ihre Taten aus unseren unb dec beutfdien Volkes Herzen getilgt wird. Der An­trag wurde gegen bie Stimmen der bürgerlichen Fraktionen angenommen.

Die tage in Bayern.

Berlin, 16. April. DemLokalanzeiger" wird berichtet, daß die Nachricht, daß die Kommn nisteusührer Teller und Mühsam sich in den Händen der Regierung Hoffmann befinden, aus Bamberg bestätigt wird.

Nach einer Meldung aus Nürnberg fvr dem die Bauern der Oberpfalz in entern Notrm an die Regierung die sofortige Waffenabgabe au die Bauern, insbesondere an die des Bezirks Len­genfeld. In dem Schreiben heißt es u. a: Bauern lassen uns nicht wie tolle Hunde von bm Spartakisten niederknallen ober in grausamer Weist ermorden. ~ ;

Berlin, 16. April. Die Lage der bayerischen Regierung gilt, wie die Blätter übereinstimmend sagen, nad) wie vor als entst. LautBossischn: Zeitung" reifte gestern Mmisterpräsident Hoff­mann mit dem Militärminister mit unbekanntem Ziel von Samberg ab.

Wie dasB. T." meldet, befinden sich fett gestern morgen große bayerische Trup­pe n m a s s e n mit Artillerie und Maschinenczeweh- ren auf dem Wege nach der bayerischen Hauptstadt. Wann es dort zum entfditibenbcn Schlag kommt, ist noch nid# abzufehen. Es sei an­zunehmen, daß die Regierung warten tvcrde, bis sie im Umkreis von München über eine, größere Zahl tüchtiger Truppen verftcgt.

Der Streik im Ruhrgebiet.

Essen, 15. April. (WTB.) Die Streik' zisser geht immer weiter jurüd. Die Zcchl der Ausstänbischen hatte am 10. April mit 167 005 ihren Höhepunkt erreicht. Seitdem hat die Zahl täglid) abgenommen. Sie betrug bei der heutigem Frühschicht 127 629 gegen 138 256 gestern. Gegen die Höchstziffer ist mithin allein in der Frühschidü eine Abnahme von nmb 40 000 zu verzeichnen. In der gestrigen Früh- Mittags- unb NachsichicA belief sich die Zahl der Streikenden auf 263 141 gegen 300 154 in den drei Schichten am Samstag.

Essen, 15. April. (WTB.) 400 heule mit­tag in Kettwig zu einer Konferenz über den Streik zusammengetretene Ruhrbergleute wurden von Negierungstru ppen um­stellt und f e st g e n o m m e n.

Ein Aufruhr in Hamburg.

Berlin, 16. April. Wie dem ,,B. T." aus Hamburg berichtet wird, suchten sich die dor­tigen Kommunisten gegen Abend des Haupt­bahn h o s e s zu bemächtigen, jedoch scheiterte beti Anschlag. Der Verkehr im Bahnbof wird scharf überwacht. Mehrere tausend Personen stürmten das Rathaus unb den Rats­keller trieb aus dem letzteren die Gäste heraus und Plünderten. Ter Wache gelang es, die Plünderer zurückzudrängen. Auf den Straßen wur­den am späten Abend aufteizende Reden gegen Ebert und die Regierung Scheibemann gehalten.

Wilson.

Amsterdam, 16. April. (WTB.) Dem Telegraaf" zusolge meldet dasEcho de Paris", daß Wilson vor dem 1. Mai aus Frankreich abreisen wird. Er hosft, der Eröffnung der Kvn- 1 ferenz in Versailles beiwohnen zu können. Auf ber Schlußsitzung wird Amerika durch Oberst : House vertreten sein.

hritb. Bezugsscheine für Haushaltungen bürfai vorläufig für bie Zeit vom 1. Mai bis 1. OKober 1919 aus nicht mehr als 15 Zentner lauten. Scmxit HauSbrandlieserungen von Brennftofserzeugern an ihre Berg- unb Hütteuarbeider unb eingestellten bisher üblich gewesen sind (Deputatkohlen), _ blei­ben sie auch weiter hin geftntret. Den Bc lieferten darf anderweitiger Hausbrandbezug nur dann bc- . ---- . willigt tverben, ivcnn die Abgabe an Depulalkohleii

eitervereins Rekurs beim | um ter 15 Zentner bleibt Für diesen Fall darf ein ...-* cn^r;« «i« ' Bezugssckiein für die an 15 Zentnern fehlende

Menge ausgestellt werden.

Durch die Bezugsscheine wird kein Anspruch auf Belieferung erworben. Die Bczicysscheine sind bei «allen HänRcm des Landkreises Gießen, wo die Haushaltung in die ftünbenlifie eingetragen ist, gültig. Ter Händler ist verpftich.ct, über den Ein--

beschränkung heute noch besteht unb bei Dem Alter bes Verletzten jeoensalls dauernd be­stehen bleiben dürste. Unter diesen Umständen wurde der Anspruch des Verletzten für ge­rechtfertigt erklärt und ihm die Rente auch über den 1. Januar 1917 hinaus zugebilligt.

Landkreis Gießen.

fi Lang-Göns, 15. April. Gestern abenb fkrnb hier eine > stark besuchte Versammlung des Bundes der Landwirte statt, in der Tr. Müller- Darmstadt sprach. Eine Entschließung für Abbau der Zwangswirtschaft und gegen den geringen Schlachtviebprris wurde ein­stimmig angenommen. 30 Mitglieder traten der schon bestehenden Ortsgimppe bei. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde in der Loch - mühle, Besitzer Karl Römer, eingebrochen Den Dieben fielen mehrere Säcke Frucht unb Mehl in die Hände.

Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 15. April. Die Stadtverordnetenversammlung b> wllligte heute 800000 Mark zur Herrichtung von Notwohnungen in besonders dazu ge­eigneten Häusern, Fabrikräumcm usw. und beauf­tragte den Magistrat, sofort eine Verfügung zu er» taffen, die den Zuzug Auswärtiger ver­bietet. Sie bewilligte sodann 50 000 Mark für den Verein für Volkskindcrgärten. Der Magistrat soll sofort die erforderlichen Schritte zur Ver­stadtlichung bzw. Sozialisierung der gesam­ten privaten Kinderfürsorge in bie Wege leiten. ~ _

= Siegen, 15. April. Jni Forstrevier Obenroth geriet der Jagdansseher Heidel ans Huckenbröhl mit einem Wil-ddieb in eme Aus­einandersetzung, in deren Verlauf der Wil^rcr durch einen Ähuß tödlich verwundet wurde. Dar­auf soll ber Aufteher feinen Gegner noch mit dem Gewehrkolben den Schädel eingeftblagen ha­ben, so daß der Mann nach kurzer Zeit verstarb. Heidel wurde in Haft genommen und dem Ge­fängnis in Eitorf zugeführi. Die über den Vorfall erregte Volksmenge verlangte die Auslieferung des Aufsehers und drang, als man ihr das Ver­langen abschlug, mit Gewalt in die Zelle Heidels ein. Dieser wurde von der Menge vor das Gefäng­nis geschleppt und mit Knüppeln erschlagen.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst am Gründonnerstag den 17. April.

In der S t a d t k i r ch e. 9V»: Vorst u Prüf, d. Konsirm. aus d. Mattb.-Gem. Vsr. Mahr; 6: Pfr-Aff. Schaefer Beichte u. hl. Mbendm. für Matth-tu. Mark.-Gem. In der JohanneS- kir che. Mds. 73A: Pfr. Bechtolsheimer. Beichte u. hl. Abeiibm. f. Luk - u. Joh.-Gem.

Gottesdienst am Karfreitag den 18. April.

In ber Stadtkircke. 9Vs: Pfr. Mahr. Beichte u. hl. Abcndrn. f. Matth.- u. Mark.-Gem. UV»: Kinder?, f. Matth- u. Mark.-Gem. Pfr Mahr; 6: Littirg. Gottesd. Pfr.-Ass. Schaefer In der I 0 h a n n e s k i r ch e. 9Vs: Pfr. Aus- feld Beichte \u hl. Abendm. f. Luk- u. Joh.-

Hy: Kmd^k. f d Joh.-O^. Pfi- Ausseid.

Mus öem 3mtsocrfün6igungsblatt.

Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 15 vom 15. April enthält.'!

Brginn des Unterrichts für die Kinder des erften Schuljahres. Einlösung des Kriegs­gefangenen geldes. Brenn srvftverforgung tnr Haushaltungen der ßanbtoir!fd>.xft unb des Klciu- ftewerbes in den ßanbgimeinbe'n des Kreises. Tienstnad-richten des Krcisamles.

Brennstoffversorgung in den Landgemcinven.

Brennstoffe für Haushaltungen dürfen ab 1 Mai nur gegen Bezngssch üie abgegeben toertwn. Diese «werden von der «ürgermeiiterei des Wohn­ortes des Bez':gsberechtigten auf Antrag ausgeste.lt ßanblPtrtftfr.f:liebe unb kleingcwerbl.che Betriebe be­dürfen einer Besch inigung, die ton ber Bürger­meisterei ober dem Kornmunalverbanb ausgestellt

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