Nr. 59
Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
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Erne weitere
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lnealk!aff.,verb m.vorfchule, ert-Einjährigenzeugn.)
Amtlicher Teil.
Dießen, den 14. Februar 1919.
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landwagen
Leiterwagen
Kastenwagen
Einzelne Räder
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Seltenes 38. •*
schäften angenommen werden, übernimmt Aauptmann IRof)r. - Ferner soll hier auch noch ein Armee. Kraftwagen-Park für den Grenzschutz-Ost ausgestellt werden.
Äberhesfischer viehhandelroerbond.
Ter Vorsitzende: Prof. Rosenberg
ibitim ilfldlfifle Fabrikate eit btek'forrt D2U37 M. Isaak, Sid), Cbntjefirn.
lutuiahimvar.. iUöbet dAahmaichmendandl»
Mark 80.50 erspart, was bei der aegenwärtinen Beit schon etwas Heiken will, durch Gebrauch des neuen flüssigen Schweift- mütelo Manaxol. Beweis. Eine Bluse Mk. 85.—, ab eine Flasche Manarol Mk. 4.50. Nein Ber schwitzen unter den Armen, kein Brüchtawerden der S ofsc, kein Fneinanderlausen der Farben. —Machen Eie einen Versuch. um sich von der Richltaken vorstehender Angaben zu überzeugen. Zu baben bei N. 91 oll, Drogerie zum Kreuz. Gießen. 1452*8 AllelwFabrikant.Mauarol-Werr,Franksurta.M.
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Entwaffnung gebe uns öen Polen und Bolsäte- totflcn preis. Wir könnten nur im Namen der Gerechtigkeit unsere Stimme erheben zu flammendem P»teste, der zu bat Neutralen und bis zn den Völkern unserer Feinde bringe. Wir verlangten als unser Reckst, daß, man uns das! gebe, was mir mit Wilsons Programmpunkten angenommen 'haben. Im Namen der Menschlichkeit ber» langten mir Aufhebung der Blockade. Im Namen des Friedens verlangten wir Friedensschluß, statt den Vernichtungskrieg des Waffenstillstandes. Das letzte was uns zum Protest treibe, sei die nationale Ehre, die sich Teutschland nicht entreißen lasse.
Prof. Sievers erklärte, die Stellung derdeutsch- nat-onalen Dolkspartei ergebe sich aus ihrer Zusammensetzung von Leuten, die den Standpunkt vertraten, lieber in Ehre untergehen, als in Schande weiterbestehen. Seine Partei sei von den ersten Bedingungen des Waffenstillstandes nicht überrascht, da sie bei der freiwilligen Zerstörung unseres Heeres die, Dinge oorausgeseheu habe. Was auch sie nicht erwartet habe, sei die ständig wiederholte Verschärfung der Bedingungen. Jetzt müsse man sagen bis hierher und nicht weiter. Gebt euch nicht nochmals in Me Hände euerer Feinde. Des Ostens wegen dürfen wir uns unserer Waffen nicht entäußern. Mit den Polen laffe sich nur mit Heeresmacht verhandeln. Hinter den Polen drohe der Bolschewismus. Für März habe der Bolschewismus feinen Einmarsch in Deutsch, land i orausgesagt. Ohne Heeresmaterial werde es nicht gelingen, die drohende Welle abzuwehren, die nicht nur die materiellen, sondern auch die geistigen und sittlichen Werte vernichten werde. Darum müßten alle w eiteren Forderungen der Feinde mit klarer Festigkeit abgelehnt werden. Wenn wir so fortführen uns zu ducken, wie eine ängstliche Schafherde, so wurden wir auch den letzten Rest unserer Ehre einbüßen.
Rechtsanwalt Peters (Ehristliche Dolkspartei) betonte die selbstverständliche Stellungnahme seiner Partei zu flammendem Protest. 3m weiteren setzte »r auseinander, welcher Rechtsbrüche sich bie (Entente- nächte gegen uns schuldig gemacht haben, indem sie ch an die Bedingungen des Waffenstillstandes, die Amiahmc der Wilsonounkte durch beide Parteien, richt hielten. Mil einem Rechts- und Dersöhnungs- fricden, einem Wilsonsrieden, seien die Forderungen
mm mehr Platz greifen. Daß ein großer Teil des beutfdxn Volkes ben deutschen Militarismus mit» »nrradtt habe, sei der Grund, daß bie Sozial- bcnwfratte nicht offiziell in diesem Kreise vertreten sei. Sie pro testiere in dem Sinne, bafujie bi? Völker aufrufe, sich gegen den Machtwahn ihtvr Beherrscher jyu wenden.
Prvs. M i chel im Auftrage der Deutschen temvlratisckZen Partei wies darauf hin, wie schmählich unser ^Vertrauen in loyale Friedensabsichken des Feindes getäuscht worden sei. Unsere Fcurde hätten nur ein Ziel, die völlige Zerschmetterung Deutschlands durch immer neue demütigende Forderungen. Man wolle sich in unseren Verteidigungskamps gegen die Polen einmischen, das Ittdiistriagebiet des rechten Rl)ein ufers besetzen und uns die letzten Berteidigungsmittel nehmen Nieman b i uns dmke drra t, den Kci g wie t : an"» zu nehmen. Daher müßten die neuen Forderungen als brutale Gewalttat empfunden tverden. Mit der Wegnahme des rechten Rheinufers werde die beutfrf)e Industrie völlig la^m-gelegt und die Kvh- lennvt zum
Bekanntmachung.
Mr weisen wiederholt herauf hin, daß bei Handel mit Ferkeln und Läuferschweinen, auch im ttzewicht unter 25 Kilo, nur den dazu ermächtigtem Mitgliedern des Oberhessischen Diehhandelsverbandes zusteht.
Höhe der Schneedecke: 1 ein Niederschlag: 0.7 mm
Höchste Temperatur am 14. 2.: —2-0*; 15 2 Niedrigste „ 14. 2.: -9.1°; 15. 2.
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proteftDerfamirlung Segen die wassenftillftanüsbevingungen.
z Gießen, den 14. Februar 1919.
Der Bürgerrat für Stadt und Kreis Gießen, die gesamten politischen Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokratie sowie die Vereinigten Gießener Frauenpereine hatten für gestern abend zu einer Protestversammlung im Stadttheater ein- berufen, die vor überfülltem Hause zu einer flammenden Kundgebung wurde
Professor Rosenberg dankte dem Ober- bürgermeiitcr für das bereitwillige Einräumendes Santes uitO den verschiedenen Parteien für ihr entschlossenes Zurseitestehen. Lediglich die Sozialdemokratie habe die Anteilnahme im Hinblick auf die Internationale in Bern aus taktischen Gründen abgelehnt. Sie stehe aber auf dem gleichen Standpunkte wie die hier vertretenen Parteien. Die Versammlung habe nickt die Absicht, der Regierung in ben Rücken zu fallen, sondern stelle sich auf den Boden der Erklärung Eberts: lieber Entbehrung als Entehrung. Das deutsche Volk aus seiner Lethargie auszurufen, sei der Zweck des heutigen Abends.
A s rter R ‘tuet iü <r e Tr. H o rne f fe r aus: Unter allen Völkern ber Geschichte sei das deutsche Volk eines der unglücklichsten. Dieser Augenblick sei einer der düstersten aus seiner Geschichte. Erbarmungslose Feinde vollzögen das tausend- tährige Schicksal Deutschlands, von Uebermacht zermalmt zu werden Unter dem Henkerbeil des fran- zösischen Königs sei der letzte Hohenstaufe verblutet, letzt wolle Frankreich das Henkeramt vollziehen am deutscksen Volke. Seit sich Frankreich zeittralisiert habe, sei es sein einziges Lebensaesetz gewesen, keine ebenbürtige Macht neben sich aufkommen zu lassen. Jetzt glaube es sein Ziel erreicht, aber fürchte Deutschands Wi-dcrbesinnung und wolle ihm die fitzten Machtmcktel e itr iften. Englands Machtwi le sei unerjättlidi. Frankreich wolle die erste Mackit des Festlandes bleiben. Englands Machtwille gehe über die ganze Weit. Wie Irland zwischen England und dem Weltmeer ü.ge, so tiegz Europa zwisch.m England und bem Weltland 9Ticn, deshalb müsse Europa nach seinem Witten hinab zur Verelendung. Dem Berni chtungswillen Englands und F.ank- reichs gegenüber könnten wir nur das Gewissen der Welt ausstacheln mit dem Notschrei.'hier wird unter dem Vorwand von Menschlichkeit Mord an einem Millionenvolk verübt. In Deutschland müßten wir uns wappnen gegen die Absicht der Feinde, uns eine Sklavenseele anzuzüchten. Deutschland sei in der größten Not immer am stärksten gewesen. Stark werde der Deutsche sein, auch der jetzigen Not gegenüber, wenn er einig bleibe.
G tvrschafiSselrelär Mann erllärte die abseitige Stellung ber svzialbemvkratisckien Partei. Dir Arl»eiterllasse sei am ersten berufen, gegen den Militarismus Englands und Frankreichs zu protestieren. .(Sie protestiere nicht, weil sic es für zwecklos halte. Sie wende sich an die Arbeiter .lassen ber Nationen. Tie Arbeiter würden b.i einem Schmachtenden zuerst gezwungen werden, auszuwandern. Tas hätte die Internationale in Bern crng*fcT)m und würde danach handeln. Wenn neue harte Bedingungen auferlegt würden, so feien die Sozialdemokraten sich darüber klar, daß Deutschland das Fach früher ober später gewaltsam ab chüttcln mLsse. Tie feindlichen Bölter wiir- den von ilfrer herrschenden Klasse zum Haß gc- itachelt. Sie würden einen Erfolg davon nicht sehen, sondern die Völkerverbrüderung werde im-
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Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst am Sonntag, 16. Febr (Septuagef.). Evangelische Gemeinde.
, In der Stadtkirche. 9Vr: Bte.-Ass. Sckae- ser: 11: Kinderk. f. d. Mark.-Gcm. Psr.-Ass. Schae- Kr: 6: Pfr Mahr. Beichte u. hl. Abendrn. für Matth.- u. Mark.-Gern. — In der Johannes- r t r (b f- 9'/r. Pfr Ausfeld: 11: Kinderk. f. d Aolb-Gern. Pfr. Ausfeld: 6: Pfr. Becktolsheirner; 8: Bibelbcspr. im Johanncssaal. —Kirchberg. Dorrn. 10. — Lollar. Nachrn. U/3.
Ka hrlische Gemeinde
o 0'/-Beichtgel.: 7; Hl. Messe, gern. Komm d. Jungl.: 8: Austeü. d. hl. Komm.; 9: Hochamt m. Pred.; 11: Hl. Messe m. Pred., MUitärgottesd.; jJ’/s।: Christenlehre, darauf fatrament. Bruder,'ch - And Samstag, 22. Febr., nachrn. 5 u. abds. 8: Verchtgel. — Diaspora-Gottesd. am 16. Febr: Ach Oy».
wohltäliqketl§ronzett der Regimenkmrchk tos 3nf.iRegt$. 1(6.
Gießen, 14. Febr. 1919.
Das vom Unteroffizieroerband Gießen ins Leben gerufene Symphoniekonzert auf der Liebigshöhe hatte gestern abend zahlreiche Hörer versammelt, die den Darbietungen der aus dem Felde zurückgekehrten beliebten Kapelle mit Interesse lauschten und in steigendem Maße ihren Beifall bekundeten. An die Spitze seines Programms hatte Herr Obermusikmeister Wilhelm Löb er eine eig ne Komposition ^stellt, ein symphonisches Präludium zu dem Eharal: Lode den Herrn, den mächtigen König der Ehren. Wenn auch der Titel mehr erwarten läßt, so zeigt die Arbeit insgesamt doch volle Beherrschung des orchestralen Apparates wie auch einige intereffante Einzelheiten. Rach einigen einleitenden Akkorden taucht ein charakteristisches Mollmotio auf, das später- ^in eine große Rolle spielt: es wird zunächst fugiert durchgeführt und mündet in den Ehoral aus 3in weiteren Verlauf erscheint es noch mchrere Male im Wechsel mit diesem, um ihm schließlich völlig Platz zu machen. Wenn wir das Werk recht verstanden haben, so ist der Satz wohl auf diesem zwischen Moll und Dur streitenden Prinzip auf gebaut: im Glanze des vollen Orchesters vorgettagen steht der Ehoral am Schluffe sieghaft da. - An Zweiter Stelle stand Beethovens Pastoral- symphanie op. 68. Die stille Heiterkeit des ersten leidenschaftslosen Satzes erfuhr allerdings eine wesent- l'che Einbuße durch das überhastete Tempo. Richtig war der zweite erfaßt und der kadenzenartige Schluß mit den nachahmenden Stimmen der Rachttgall (Flöte), Wachtel (Oboe) und des Kuckucks (Klarinette) gelang trefflich. Der dritte Satz mit seinen sidelen Dauernweisen, realistischen Naturstimmungen und dem idyllischen Hirtengesang gelang wohl am besten und löste starken Beifall aus. - 3m zweiten Teil interessierte dann noch besonders neben der großzügig hingestellten Tannhäuserouoerlüre eine Suite von Alerandre ßuigtni, die bei raffiniertester 3nftrumentatu>n die Dorzüge französischen Esprits mit der einschmeichelnden Melodik der Neuitaiener verband und sich glücklich von allem Banalen fernhielt, was man beispiels- weise von Bizets L'Arlsfienne nicht immer sagen kann Der Dorttag dieses Werkes war wohl die beste Leistung des Abends. ®. R.
Die neuen Verhandlungen in Trier.
Parts, 14. Febr. (Haoas.) Marschall Foch eröffnete um 3 Uhr die Sitzung mit einigen kurzen Porten des Hinweises auf die Entwicklung feit der testen Zusammenkunft und erteilte das Wort dem Reichsminifter Erzberger.
Die Zukunft Preußens.
Derlin, 13. Febr. Die Vertreter der preußi- chen Handelskammern hielten am 12. Februar m Berlin eine Sitzung ab und nahmen eine Ent- chließung an, in der cs heißt: Die Versammelten wurden freudig die Schaffung des deutschen Einheitstaates begrüßen, aber sie erheben in Wahrung der ynen anoertrauten wirtschaftlichen 3ntereffen ent- chiedenen Widerspruch dagegen, daß ohne gleichzeitige Schasttina der Reichseinheit Preußen in eine Mehr- Zahl selbständiger Staaten zerstückelt wird.
Gin Protest der Nhcinhesscn.
Mainz, 14. Febr. (WTB.) Die Vorstände bei Deutschen Dolkspartei für Rheinhessen, der Deut- chen Demokratischen Partei, der Sozialdemokrattschen Partei und der Ienttumspartei für Rheinhessen Haden folgende Entschließung angenommen: Wir Vertreter des rheinischen Volkes im besonderen hessischen biet, erheben lauten, feierlichen Einspruch gegen die in der Auslandspreise zutage ttetendcn «Begebungen auf Loslösung des linken Rheinufers oder einzelner seiner Teile von Deutschland. Wir stützen uns auf das in der ganzen Welt anerkannte Selbstbestirnmungs' recht der Völker und verlangen mit unseren Stammes- yenoffen im Deutschen Reich vereint zu bleiben.
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Reichstagung deutscher Techniker-
Am 8. und 9. d. Mts. hat zu Eisenach die erste Reichstagung deutscher Techniker stattgefunden, zu der aus allen perlen des Reiches Vertreter erschienen waren. In zweitägiger ernster Arbeit wurde durch Beraturrgen und Aussprachen der Grundsatz zu einer Bewegung gelegt, die ein- schneiderrd für unser gesamtes Wirtschaftsleben zu werden verspricht. Die Erkenntnis, daß dieses sich nur bann zum Wohte unseres Volkes zu entwickeln vermag, wenn die deutsche Technik an leitender Stelle mittatet, hat dazu geführt, daß Männer der Technik sich zusammengefunden haben, um hi rastloser uneigennütziger Arbeit unter Ausschaltung aller Gegensätze in den technischen Berufen, zum Wohle des deutschen Voltes einzugreifen. Der Hinweis auf die uns auf er.eg en fünf)Iba en Wasfenstittstandch.- dingungen, die als die Frucht einer nicht fach- mämiischeu.Vertretung unseres Boltes anzu- ehen sind, sowie der Hinweis auf die in den Friedensverhandlungen zu lösenden nicht zu zählenden Kchnischen Aufgaben, führten dazu, der ^Lationalversammtüng in Weimar, )er Reichsretzierung und der Waffenstilfi tandskommission Drahtungeri zugehen zu lasen, in denen im Hinblick auf den Ernst der Stunde die Mitarbeit des Technikers an füh^ render Stelle zum Wohle des Volkes geordert wird. Das Ergebnis der Reichstaaung war unter Zusammenschluß aller technischen Fachgruppen im Reiche die Gründung des Bundes technischer Berufsstände.
Letzte Nachrichten.
Aus der Rede
des Grafen Brockdorff-Nautzau.
Zn ber Rede te-3 Grafen Brockdorff-Rantzau, die er ht bet Natiin-il; rfanrrntunj gehalten hat, ind^nvch folgende 9crt*»nnl;i*ben:
Sie wissen, teelu, G cinten Frankreich
Meteoroloaische veobachtungen der stat
ber (Entente nicht vereinbar. Das Verlangen nach Abtretung bes Saargebietes fei angesichts des Selbst- bestimmungsrechtes em schreiendes Unrecht. Das Verlangen, mit den Erzeugnissen der deutschen Kriegs- industtie die Waffengewalt unserer Feinde zu stärken, , sei angesichts der Lage im Osten unannehmbar. Richt scharf genug könne betont werden, daß Deutschland kein Spielball der (Entente sei. Weitere Demütigungen werde das deutsche Volk um keinen Preis weiter über sich ergehen lassen.
'Prof. Schian betonte, daß die Deutsche Dolkspartei sich jedem flammenden „Bis hierher und nicht weiter" anschließe. Es sei Zeit, daß das deutsche Volk aur Besinnung komme. Es genüge nicht, Ordnung im 3nnern zu schaffen. Der Friedenswille unserer Feinde sei nie optimistisch zu beurteilen gewesen, aber was ihre Rachsucht uns nach unserer Bitte um Frieden biete, schreie zum Himmel. Uns gegenüber habe Wilson sich gegen jede Ausdeutung seiner Punkte verwahrt, aber von ttlemenceau ließe er mit sich verhandeln und decke mit seiner Autorität, was uns jetzt wieder angetan werden solle. Es schreie zum Himmel, daß die Neutralen im Norden sich während des Waffenstillstandes den Wafferweg ad- schneiden ließen, auf dem wir Lebensrnittel beziehen könnten. Fetzt wolle man den Waffenst llsta d auf Kündigung machen, um uns die Kohlen für den nächsten Winter zu nehmen. Hätten wir noch ein Heer, so hätten es die Feinde niemals gewagt, uns solche Bedingungen zu stellen. Proteste und Der- Handlungen nützen nichts. Und dennoch sei die Zeit vorbei, wo wir uns oe beugten und jasagten: Wir wollten nicht mit sehenden Augen unser Todesutteil unterschreiben, und wenigstens noch die eigene Ehre bewahren. Wenn dies Selbstbesinnen nicht unseren Feinden gegenüber nütze, so werde es wenigstens das deutsche Volk wieder aufrütteln für seine Zukunft.
Prof. Rosenberg verlas hierauf folgende Entschließung, die einmütig mit großer Begeisterung angenommen wurde:
An die Reichsregiening in Weimar.
Die heute in überaus zahlreich besuchter Der- fammlung im Stadttheater vereinigte Bürgerschaft der Stadt Gießen erhebt einmütig flammenden Protest gegen die wiederum drohende maßlose Verschärfung der Waffenstillstandsbedingungen durch die Entente. Das deutsche Volk, das im Derttauen auf die 14 Punkte Wilsons die Waffen niedergelegt hat, hat ein Recht darauf, daß der zugesagte Gerechtigkeitsfriede nicht durch den nur vorübergehenden Waffenstillstand vereitelt werde. Die Gießener Bürgerschaft erwartet daher, daß die Reichsregieruug, statt einer Verschärfung der Waffenstillstandsbedingungen zuzu- stimmen, die ursprünglichen Abreden über den Waffen- stillstand zur Verwirklichung bringe oder, wenn das nicht möglich ist, die Verhandlungen abbreche. Die Reichsregierung wird in diesem Bestreben das ganze deutsche Volk hinter sich haben, das sich freudig zu dem mannhaften Worte des ersten Reichspräsidenten bekennt: Lieber ärgste Entbehrung, als Entehrung.
3m Schlußwort erinnerte Prof. Rosenberg daran, daß Staatssekretär Preuß zum Schluß seiner Rede in der Nationalversammlung mit den Worten: Deutschland, Deutschland über alles, ein Bekenntnis zu einem starken und freien Deutschtum, zu Einigkeit, Einheit und Unantastbarkeit bes Deutschen Reickzes abgelegt habe. Mehr als je müßten wir national denken, fühlen und handeln. Um das zum Ausdruck zu bringen, bitte er die Anwesenden, sich zu erheben und dieses deutscheste Lied anzust mmen.
Don Heller Begeisterung gettagen durchbrauste der Gesang Deutschland, Deutschland über alles, den Raum des Theaters.
Bevor die Versammlung auseinander ging, verlangte Oberst Spohr in kurzen begeisterten Worten, wie es die Römer stets in größter Not getan, einen Diktator zu berufen. Kein besserer Mann könne da- für gesunden werden als Hindenburg. Kein Reden, kein Singen helfe mehr, jetzt sei es an der Zeit, das Schwert hochzuhalten.
Dem Redner, einem der ältesten Mitbürger Gie- ßens, wurde laute Zustimmung bezeigt.
A«s Stadt und Land.
Gießen, 15. Februar 1919.
♦♦ DaS Fe st der silbernen Hoch- äret t begehen am 18. Februar Weichew- teller 1. Klasse Heinrich Bechtold uno »essen Ehefrau Marie, geb. Müch.
** Gießener Konzertoerein. Das für Sonntag den 16. Februar angesetzte fünfte Konzert muß verlegt werden. Neue Ankündigung erfolgt in den nächsten Tagen.
** Promenadenkonzert. Am Sonntag, den 16. Februar, vormittags 11 Uhr, findet bei günstiger Witterung ein Konzert durch die Negimentsrnusik des 3nf.-Regts. Nr. 116 in der Süd-Anlage statt. Musikfolge: 1. Soloejgs-Lied aus der zweiten Peer-Gynt- Suite. E. Grieg. 2. Ouvertüre zur Oper: „Oberon". E. M. v. Weber. 3. Melodien aus der Oper: „Der fliegende Holländer". R. Wagner. 4. Angereihte Stücke aus der Operette „Schwarzwaldmädel". L.Feffel. 5. Mein Regiment! Marsch. L. Blankenburg.
** Vortrag. Heute (Samstag) abend findet im Großen Hörsaal der Universität um 7 Uhr ein Dorttag des Herrn Gerichtsaffeffor Dr. Michel statt über „Völkerbund und Rechtsfrjeden". Der Vorttag wird veranstaltet durch die „Deutsche Liga für Völkerbund, Westdeutsche Zentrale".
"Deutsche Dolkspartei. Der öffentliche Dor» trag Prof. Dr. Gmelins über den Neichsverfaffungs- Entwurf findet Montag den 17. Februar, 7'/, Uhr, im Saale des Hotels Großherzog statt.
" Schachklub Gießen. 3m Tast- Krämer findet z. I. ein Schachwettkampf in 2 Klaffen statt. Schachfreunde, die teilnehmen wollen, werden ersucht, sich im Spiellokal zu melden.
** Kriegsbeschädigte, die Strümpfe unbedingt nötig haben, wollen sich bis spätestens 20. L M. im Gewerbehaus, Zimmer 2, beim Kreis- und Orts- ausschuß Gießen für die Kriegsbeschädigtenfürsorge, melden.
** Fernsprechanschluß. Die Verwaltung der Universitäts Augen- u. .Kinderklinik Gießen ist durch Fernruf 2116 an oas Fernsprechnetz angeschlosfen nwrden
Landkreis Gießen.
" Dau bring en, 14. Febr. Ein erfreuliches Bild zeigt unsere Pfennigsporkaffe. 3m Jahr 1918 wurden 858358 Mk. eingelegt. Die Pfennigsparkaffe ist eine Schwester von der hiesigen Spar- und Dor- schußkaffe und zahlt ebenfalls 4 Prozent.
Hessen-Nassau.
h Marburg, 13. Febr. Außer der Bewachungs- Kompagnie wird dem Fägerbataillon Nr. 11 eine weiter für den Heimatschutz bestimmte Freiwilligen-Kom- pagnie angegliedert. Die Führung dieser Truppe, zu der nur ausgesuchte im Felde erprobte Mann-
Samstag, 15.8ebmar 1919
und Belgien bet mit txrbärfitigern Eifer in bett rheinischen u-d westfälischen Ländern verbreitet nvrden: Errichtung einer s c l b st ä n d i g e n Re» p ub 1 il. die bald unter sranzösische Führung geraten würde, nachdem bie französischen und bei» aischnr Grenzen in Teutschland rvrgesch-vben mären. Mit tzwß.m Gcsckpck machen sich diese Pläne die Zenttisugalttast zu Nutze, die durch eine übermäßig: Zentralisierung bes ganzen Wirtschaftslebens in den Ärirgirorganifationcn der Reichs- bauptpabt und neuerdings durch gewisse bctäimte Begleiterscheinungen der Umwälzung im Westen ausgelöst 'ivorden ist. So werden auch treue Deutsche und redliche Anhänge des Reichs qedMitenS Opfer einer gefährlichen Verfüh - rung, vor der ich im Interesse einer gesundens Außenpolitik nur aufs yiuchdrückttck'ste warn« kann. tLebhaste Zustimmung,.) Tiefe Warnung darf ick auch an gewisse Kreise im Süden unseres .Vaterlandes richten, bei denen ber Ruf „Los von Berlin^ ein bis zu gewissem Ghafr Mar verständliches, aber darum nicht weniger bettagenswertes Echo findet. (Sehr richtig.) Ma« eine Wiederhersdettung der Mainlinie rür den Augenblick viel Vorteile versprechen, die schon während des Krieges eine unterirdische Pwpa- («irtba unserer Fer.tde der Bevölkerung glaichlZaft zu mackten vm'ucht hat, auf die Tauer — das lehren die Jahrhunderte der Geschichte —, wird eine solche Trennung mit Sicherheit zum Unter- gang der sfinttlichen und Wirtschaft!icken Selb- ftänbtgfeit der getrennten Glieder führen.
... bie Bestrebungen der Polen wanste juit der Redner mit folgenden Bemerkungen: - ,'mu& und wird unser Bestteben sein, durch
)orgfältige Pflege der gemeinsamen Interessen und durch gegenfeittge Sdpnung der so verschiedenen Eigenart einen modua vivendi zu finden. Dazu geirrt vor allem die Anerkennung des polnischen Rechts auf einen gesicherten Verkehr mit der C'ltjcc. Tas Problem Kann durch eine üertra^-- mätzige Regelung der Weichselschifsal>rt und durch Konzessionen aus dem Gebiet der Eisenbrstn und des Hafen-Wese-ns g>-löst 'werden, * daß die feajKti des Reichs über feine unveräußerlichen tt/estpreußtschen Gebiete angetastet zu inerben braucht.
Uefcr internationalen Arbeiterschub iprack» Graf Bwckdorff-Ranftau:
Es ist ein gemeinsames Interesse der Ar- bettersckajt aller Länder, daß der Arbeits- öll ^n jeder Form durch internattv-
nale Annal^rnng der sozialen Gesetzgebung ein Ende gemacht wird. Tamü liegt der Gedanke ^grünte an die gemeinsame Aufgabe alter Menschen, ihr Leben innerlich reicher und vvlllom- mener »u ^statten und nicht inmitten einer ge« IKtgerten Zivilisation zu Maschinenteilen des Pvvouktwnspnozesses herabzusirrten. 'Sehr ricktia! unks.) Treser Gedanke Ijat sich mit so elemen- tarer Kraft Bahn gebrochen, daß die Kreise, die ihnr fetzt noch widerstreben und ibn durch andere Ideale ilr,etzen möchten, sich schließlich vor der Wncht oer loztalen Kräfte werden beugen muffen, '.^bhattc auftinmning.. Es handelt fick um eine friedliche Verstanüigirtng über den Weg, den die sozrale Entwickelung nehmen sott. Es war eine Verleugnung unseres sozialen Geistes, daß die Friedensverrräge, die Teutschland mit den Ost. machten obfdM, rein tepitalistisch-n Charakter trugen 2er (5^^ ber deutschen Regierung regelt btc Arbeitsaufsicht unter Zuziehüng der Berufsorganisatwileu und ivitt intenrntu>iiate In. stanzen zur lleberwachung und Fortführung dec sozialen Ge,etzgebung einrichlen.
topfs!
trichter
Schöpfer impfieblt ’dqar Bcrrmann,
Datum
Temperatur der Lust
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Wetter
14.2. nm.
-0.8
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14.2. abds.
-0.6
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16.2. vrn.
-0.9
4.3
99
10
nachts Schnee


