ßiekener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen,
Montag. 12. Mal
Nr. 109 Zweites Blatt
ein»
Tie Besprechung der Anfrage nrirb Vertagt/
Ter Antrag des Abg. Dr. O san n und Gen , betr. die deut,' chen Kriegsgefangenen, nnrb aus Antrag des Ausschusses iBerilÄerstatter Tors ch) für erledigt erklärt.
Ter Antrag des Abg. Hofmann u. Gen, betr. Auszahlung der Getreidepreise, wird, laut Ausschußantrag, für erledigt erklärt
Tie Anfrage Roß, Hartmann u. Gen. (lozd.), betr. Kettenhandel mit Pferden wird von dem Präsident des Landesernährungs- amtes Reumann dahin beantwortet, daß dic Mißstände der Regierung bekannt sind und daß sie sich an die maßgebenden Stellen wandte. Durch Gr- laß des Kätegsministeriums vom 13. März ist die Versteigerung von dienstunbrauchbaren Pferden wieder freigegeben. Abgabe an einzelne Personen ist verboten. Durch besonderen Erlaß des Kriegsministrriums vom 2. April sind die General- kommanüoS ermächtigt, Pferde der Landwirtschafts-
zumal bte Regierung der Beamtenschaft zu keiner Zeit und in keiner Weise den geringsten Anlaß zu irgendwelcher Beunruhigung gegeben hat.
(Tie Besprechung wird vertagt.)
„ us die Anfrage Tr. Dehlinger u. Gen. rfcefl. Vpt., betr
flunftbiinger
Aus Stadt und Land.
Gießen, 13. Mai 1919.
Vertreter der Arbeitnehmer im ReichS- ernahrungsminifterium.
' Der Reichsernährmtgsminister hat verfügt, daß zu allen Besprechungen, bei denen Arbeitgeber der Landwirtschaft oder aus Industrie, Gewerbe und Handel herangezogen werden, auch Vertreter der Arbeitnehmer einzuladen sind, weiter ebenfalls Konsumentenvertreter bzw. Arbeiterräte, wenn Interessen der Verbraucher berührt werden. Durch diese Maßnahme dürfte, wie das Reichsernährungsministerium hofft, die Fühlungnahme zwischen Behörde und den breiten Volksschichten weiter gefördert werden.
treten.
Die Frage von Fiume.
Paris, 10. Mai. Die Adriafraae ist immer nndj in der Schwebe. Der Vierer rat hat gestern diese Beratungen wieder auf. genommen. Der Fall ist sehr heikel. Orlando und Sonnino kamen nach Paris unter dem Eindruck zurück, daß die Frage von Fiume dnrch em ä ompro miß geregelt werde, das 3tauen den Besitz Fiumes nach einer Frist rchere, wahrend deren die Stadt von der Ge)ell)chrft der Nationen verwaltet werde Wuson hat das Kompromiß aber nicht anae nommen.
Deutsche Kinder in Schweden. ^Stockholm, 11. Mcri. (WTB. Laut .Svenska Dagbladett^ sind gestern die ersten beut* d? en K in der, teils aus Berlin, teils au3 Wien, im ganzen 494, in Schweden angekommen Sie wurden in Malmö von einer tausendköpfigen Menschenmenge emp angcii und von dort auf verschiedene Landgüter verteilt.
Aunft «nd Wissenschaft.
. ** Darmstadt, 10. Mai. Am 31 Mai wird ht Darmstadt die Ausstellung „Kunst des Jahres Darmstadt 1919" eröffnet. In ihr soll em neuer Ausstellungsgedanke verwirklicht werden Werke die in den letzten Jahren geschaffen wurden und noch nicht der Öffentlichkeit zu- gmiglich waren, wenden sich zum ersten Male an bte große Allgemeinheit, so daß in ihnen ein Ueberblick über das Kunstschaffen des abgelause- nen Jahres geboten wird. Ta man bei der Aus- wähl der eingeladenen Künstler vorsichtig zu Werke gegangen ist, wird die Uebersicht durch allzuviel Mittelgut nicht getrübt. Damit gelangt der erste Teil eines großzügigen Kunstprogramms für Darmstadt zur Ausführung. In den nächsten Ausstellungen sollen bedeutende Meister des Auslands gleichfalls mit der Produktion ihrer letzten Jahre herangezvgen werden, aber vor allem die welche das vorwartstreibende Element im Kunstleben verkörpern. Dadurch, daß dieser Ausstellung gegenüber den anderen ein leitender Gedanke zu gründe hegt, verspricht sie Aber das« Maß des Gewöhnlichen herauszuragen._________________
Die diesjährige Kreislehrer- ? w m l u n g fand Freitag unter dem Vorsitz des Kreisschulinspektors, Pros. Alles, aus der Liebigshöhe statt. Fast alle Lehrer des Kreiies waren erschienen. In seiner Begrüßungsansprache wwmete der Vorsitzende den aus dein Felde zurück- gctthrten Lehrern warme Worte der Änerkenmmg und des Dankes. Drei Lieder des Gießener Knaben- chors unter der Ler.ung seines Lehrers Görlach ver- chönten die würdige Feier. Kraushaar-Trais-Hor- loff hielt dann einen anregenden Vortrag über den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule, in öem er ausführte, daß dieser Unterricht immer noch mehr von strnem Ballast befreit, also vereinfacht werden müßte. Er dürfe nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck sein, das Sprachgefühl müsse geweckt, Sprachrichtigkeit unb Gewandtheit im Ausdruck erzielt werden. Die Regeln sind aus das Aller- notwendigste, zu beschränken. Die Hebung muß an erste Stelle treten. Dann werde aus dem Schul- kreuz, das der Sprachunterricht vielfach getvesen sei, eine Freude für Lehrer und Schuler, und das Deutschtum werde eine wesentliche Förderung erfahren. In der nun folgenden Aussprache fanben bte Leitsätze des Vortragenden restlose Annahme. Unter den mm folgenden Mitteilungen des Kreis- fchulinspektors sei fcruorar hoben, daß die Entwürfe zur Neugestaltung des Volksschulwesens den ein- «elnen Bezirksvereinen zur Durchberatung und Aeußerung etwaiger Wünsche zugestellt werden sollen.
Letzte Nachrichten.
Der Eindruck öts ersten Notenwechsel;.
Versailles, 11. Mai. W) Die bei» den ersten Noten des Grafen BrvcLvrff-R-mtzau anClemenceau wurden heute von der französischen Hefse sleichzei tg mit Clemeneeaus Antwort veröffentlicht. Die -wenigen vorliegenden Besprechungen stellen übereinstimmend fest, daß Gra Brockovrff-Rantzau in keiner der beiden Noten erklärt, Teutschlano werde nicht unterzeichnen Mm müsse sich also auf Versuche der deutschen Delegation gefaßt machen, jeden Vertragspunkt einzeln zu erörtern oder durch Gegenvorschläge zu ersetzen. Ter „Matin" meint, TeutscLand denke? nicht daran, nicht zu unterzeichnen, denn die Allll irrten seien einig und die Nichmnterzeickmun-^ würde für Teuffchland die schimmsten Fo'gen haben. ,.Petit Parisien" schreibt: Diesem ersten Scharmützel werden weitere folgen. .Journal" glaubt, daß die deutsche Telegaiion die Friedens- wnferenz unausgesetzt mit Schriftstücken bornbar- ^tcren werde: das sei logisch. Der Guerilla kne^ sei die Waffe der Schwachen und unter den ge- gebenen Umständen biete er die einzige Aussicht, eine Lücke im Panzer und im Willen zu finden. ~^r deutsche Einwand, daß der Vertrag mit Wil- wns Grundsätzen nicht übereinstimme, sei durch Clemeneeaus Entgegnung glatt erledigt. Tagegen lei Clemeneeaus Antwort bei dem zweiten Argument, m welchem Graf Brockdorff-Rantzau Gegenvorschläge ankündigt, weniger entidneben, beim es fet fraglich, wo die grundsätzlichen Erörterunyens aufhörteii und die einzelnen an fingen und diese Unbestimmtheit werde man auf deutscher Seite ausnutzen.
„E ch o d e P a r i 3" meint, Deutschland schreie $n>ar, werde aber zeichnen und den Vertrag, wenn auch unter Sträuben, durchführen, seine heutigen Tränen seien nur Krokodilstränen. Die sti le Hoffnung der Feinde spreche der „Vorwärts" aus, indem er sagte: Lassen wir einige Zeit verstreichen, wenn die Welt nicht mehr um Frankreich geschart
i'i.wlld die Stunde eines ehrlichen deutsch-ftan« --onlcheii Zivetkampfes schlagen. Von bcnuelbfli Gesichtspunkt au?gebcnb, vrmabnt der .Figaro' tnc Alliierten, ihre Vorkehrungen zur 'tküiihW ngang der Ausführung des Vertrages durch a.cut'dilanb zu verdoppel!,. £>e r r> c , welcher ge- ftern in her ,.V ictoire" zugegeben hatte, ootz der Vcrtragsenvvuri in zwei Punkten mit Wil- lon? Grundsätzeii nicht übcrcimiimmc, ist heute äufcrll auigebridit darüber, daß die deutsche Delegation cs wagte, in der ersten "Note zu behaupten, der ih, angebotene Friede sei .„chi >ct versprochene Wilsonfri.pen Die lojialiiiidic Preise bringt noch keine Besprecknmgen
Berlin, 12. Mai. Tie „Deutsche Allgemeine Zeitung" berichtet aus Versailles: In der irwi- zösisckhm Presse ist größer als dic Ängst vor zu günstigen Bedingungen die Furcht vor den letzt kommenden Wochen. Tie Tatsache, daß Deutschland von der Frist zur Gäifradiung oon Gegenvorsckstägen l^sebrauch madKit wird, kommt der öffentlidxm Meinung ungelegen
Die Rückgabe der (befangenen.
Berlin, 11. Mai. (WTB.) In einer Note vvm 21. Ytpnl wurden die Alliiert ep ersucht, sckwn letzt ihre Zustimmung zu den Vorbereitungen für die reibungslose Heimführung der deul- chen Kriegsgefangenen äu geben. TeM- fchcrseits wurde vorgcschtagen, die UiUcrfommif- iwnrnt für Kriegsgefangene sogleich in die Bc sprech ung der Frage ein treten zu lassen. Daraus- hin teilten die A m er ik an e r am 30. April mit, daß zum Heimtransport der deutschen Gegangenen in amerikanischer Land bereits alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen seien. Tic deutsche Re gierung brauche, wenn der Zeitvmckt für die Heim, beförberung gekommen fei, nur den Bestimmungsort anjugeben. In einer Sitzung am 10. Mai erklärte nun General Nudant, die Frage der deutschen Kriegsgefangenen sei derzeit noch nicht soweit geklärt, daß sie innerhalb der Unlerkom- missionen oder von Einzelpersonen besprochen werden köiinte. Nudant ersuchte, die diesbezüglich von Major Pabst von Oheim angeregten Schritte zurückzustellcn, der Entscheid des Marschalls F o ch der ,n Bälde zu erwarten fei, fei abzuwarten ©rft bann könnte die Basis für em gemeinsames Zusammenarbeiten gefunden werden.
gibt der Präsident des LandesernähnmgSamts Neumann folgende Erklärung ab:
Die Aussichten für die nächste Ernte sind äußerst trübe Die Wintersaaten sind zwar annähernd normal bestellt worden und zeigen einen im allgemeinen befriedigenden Stand. Ihr Ertrag bangt aber vom Kunstdünger ab, der in völlig unzureichenden Mengen zur Verfügung steht. Au dem. besetzten linken Rbeinuier liegen die haupt- lächltchsten Produktionsstätten von Stickstoff, Thomasmehls und Kali, wodurch ein empfindlicher entsteht. Im unbesetzten Gebiet ist die Inganghaltung der Werke durch Mangel an Eisenbahnwagen, Kohlen, Roh- und Betriebsstoffen be- blndcrt. Mit Phosphorsäuredünger ist daZ besetzte Gebiet versorgt. Das unbesetzte Gebiet erhält über- hauvt kein Thomasmehl. Besonders die leichteren Böden leiden stark an Phosphorsäuremangel. Etwas günstiger liegen die Verhältnisse auf dem Kalimarkt. Geliefert wird nur Rohkainit, der für die feineren Kulturen in Frage kommt. An Stickstoffdünger haben wir mit schwefelsaurem Ammoniak und Kalkstickstoffdünger, etwa 25 dis 30 Prozent, zur Verfügung. Unbedingt müssen die betriebsfähigen Düngerfabriken in Betrieb geletzt werden Die Versorgung der Landwirtschaft mutz sichergestellt werden. Die Arbeiter müssen sich auf ihre Pflicht zur Arbeit besinnen, und die Landwirte müssen auf die sparsame Verwendung des Tüngers bedacht sein.
Abg Dehlinger (Hess. Vpt.): Es rächt sich letzt das Versäumnis, daß wir uns nicht im Frieden in Stickstoff vorn Ausland unabhängig gemacht haben. Ter Redner bedauert, daß der Präsident des Landesernährungsamtes nicht der Hauptversammlung der Landwirtschallskammer beiwohnte. Er bedauert ferner die unberechtigten Angriffe im „Vollsfreund" auf die Landwirtschaft.
Abg. Fenchel (Hess. Vpt.) weist auf die Preistreibereien auf dem Düngermarrt hin. Die Landwirtschaft wird trotz aller Schwierigkeiten ihre Pflicht tun. In der Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer hat ein Redner erklärt, er könne zwanzig Zeugen dafür aufbringen, daß Direktor Neumann die von ihm abgeleugnete ab» sprechende Aeußerung über bte Landwirtschaft in Friedberg doch getan hat.
Abg. Hartmann (Soz.) u. a.: Es muß wieder mehr natürlicher Dünger verwendet werden, weshalb der Viehstand wieder vermehrt werden muß.
Präsident Neumann erllärt: An der Tagung der Landwirtschaftskammer konnte ich nicht teiliiehmen, well ich anderweitig in Anspruch genommen ivar. Tie Erklärung in Friedberg habe ich nicht getan. Dafür habe ich anwesende Abgeordnete als Zeugen.
n-Jfcfi191X711 Uhr geschlossen und die nächste Sitzung auf den 22. Mai, vormittags 10 Uyr, vertagt. Aus dic Trgesorditung werden das 4tzolmungsge,ctz, Fideikommißgesctz und Lwtdsied- uang-gesctz gesetzt. Ministerpräsident Ulrich legt ^vert daraus, daß die Abgeordneten die Gesetze vorher kennen lernen. Es sollen zu diesem Zweck mn-0. und 21. Mai Frak.ion-chesprechungeii stau fmden unb ant 22. Mai eine unverbindliche erste Lesung im Plenum, bamit vor den Beratungen nn Ausschuß die Stimmung des Hauses über dic Gesetzentwürfe Nargcstellt ,st.
?ur L irrstesgerung zu überweisen. Die veiprechung der Anfrage wird her agt.
. Antrag H o f man n u. Gen. (Ztr.) auf reichsgesetzliche Regelung der Sonn- *■^8? r u n<1(^ dem Ausschußantrag für
erledigt erklärt, da eine solche bereits erfolgt ist.
Tamit ist dic 2/igrsorbnunq crschöpst Tic ät&ung wird um 12 Uhr -----
Abg. Eißnert (Soz.) berichtet über einige NachträgezumEtat (Kap. 12, 103, 142) und einigen solchen zum Finanzgeseh, die einstimmig genehmigt werden.
Die Anfrage Dr. Osann u. Gen. (D. Vp.), betr. die Stellung Hessensinder Reichsverfassung, soll auf Wunsch der Antragsteller zurückgestellt werden.
Präsident Adelung stellt auf Wunsch der Regierung fest, daß diese zur Beantwortung sämtlicher aus der Tagesordnung stehender Anfragen! jereit war und die Vertagung durch die Ansrage- steller beantragt wurde. (Es befindet sich kein Mitglied der Deutschen Volkspartei im Hause.)
Ministerpräsident Ulrich erteilt folgende Antwort:
mulGesetzes erfolgen können.
Minister Dr. F u Iba: Abg . Wünzer hat zugegeben, daß die Anfrage: „3ft die Regierung bereit, Maßregeln zu treffen, derartige Verbrechen in Zukunft zu verhindern?", unglücklich formuliert war. Solche Verbrechen lassen sich niemals völlig verhindern. Unberechtigt ist der Vorwurf, daß die Regierung nicht nach den Mannheimer Unruhen den Heber tritt von Banden in den Odenwald verhindert habe Militär stand nicht zur Verfügung. Sicherheitsmaßnahmen genereller Natur können getroffen loerben, z. B. bte Ausstattung aller Einzelgehöfte mit Tag- unb Nachttelcphon- oerbinbung. Auch die Bildung von Änwohner- wehren, gegen die ein unberechtigtes Mißtrauen in einem Teil der Bevölkerung besteht, wird prophylaktisch wirken. Es darf niemals eine Sonderwehr daraus werden, die nur gewisse Bevölkc- rungstcile umfaßt. Unsere Landcsvolizei kann durch die Bildung von Kreispolizeikommisfariaten verbessert werden, die mit kriminalistisch geschulten Beamten zu besetzen sind. Das Tumultgesctz ist nicht anwendbar, da es sich um keinen Tumult, sondern um Vergehen einzelner Verbrecher handelt.
Abg. Loos (2ent): Man muß dem früheren Regime den Vorwurf machen, daß es 300 000 Verbrecher ins Heer einstellte unb im Kriegs haubwerk ausbildete. Bei der Einrichtung von Volkswehren muß man vorsichtig sein. Die Bewaffnung der Studenten hat bei der städtischen Bevölkerung Unruhe erregt, und die Bewaffnung der Bauern hat dahrn geführt, daß sic vielfach bei der Erfassung der Lebensmittel mit den Waffen drohen.
Abg. Wünzer (Dtsch. Vp.): Man muß solche Anfragen sinngemäß interpretieren. Was wir erstrebt haben, ist ja geschclien durch die Herausgabe der Richllinicn für Einwohnerwehren.
Abg. Dorsch (Hess. Vp.) wendet sich gegen den Abg. Loos, der dic Bewaffnung der Bauern bekämpfte. Wir Bauern sind dic letztem, die Reoo- tutiun machen Wir sind für die Rezepte Noskcs.
Abg. Loos (Dem.): Ich habe mich nicht gegen Einwohnerwehren auf dem Lande gewandt, sondern gegen die eigenmächtige Bewaffnung der Bevölkerung. Der Sicherheitsdienst in den Strafanstalten muß verstärkt werden.
Abg. Kiel (Unabh.): Es sind überhaupt keine Einwohncrivchren notwendig, wie das Beispiel in Gießen beweist.
Die Anfrage Dr. Osann u. Gen. (Dtsche. Vvt.) über dieBildung von Groß-Hessen wird auf Antrag der Anttagstellcr abgcfeSt.
Zur Anfrage Tr. Osami u. Gen. (Dtsch. Vpt.) über bic Rechtsansprüche der Beamten- schaftaufGehalt gibt Ministerpräsident Ul- ri ch folgende Erklärung ab:
Erklärung.
Au die Regierung sind bisher ttunbgebungen Ö13 der hessischen Bearntensclnfl, die eine Unruhe oder auch nur einen Zweifel darüber enthalten, ob ihre Rechtsansprüche von der neuen Regierung aufrecht erhalten werden, nicht gelangt. Hierzu! bätlc auch Einerlei Anlaß Vorgelegen, nachdem die Regierung bereits in dem Erlaß an sämtliche unterfiel(:en Behörden und Beamten des Landes vom 14. November 1918 ausdrücklich erklärt hatte, daß alle übrigen Gesetze, Vcrordiiunoen und Ein- ruhtiutgen des Staates usw. in Kraft bleiben und ba& alle von der früheren Regierung vollzogen.-n Annellungen und Verpflichtungen bestehen bleiben.
NeucrdingL. ist mit Zustimmung der Regierung in dem Artikel 5 der vorläufigen Ver- 'assung vom 20. Februar 1919 nochmals besvn- \kx* frUgelegt, daß alle bisherigen Gesetze irrob Verordnungen in Kraft bleiben. Daß dies auch :tzr die bisherigen Rechtsansprüche der Beamten auf Gehalr, Ruhegehalt, Witwen- und Waisen- rerwrgi ng güt, bebarf keiner bcsonberen Heroor- [ k^ung, wurb aber auch zu allem Ueberfluft ton mir tn der Sitzung der Volkskammer vom 14. Februar 1919 ausdrücklich bestätigt. Ich glaube, der Beruhigung unter der Beamtenschaft °ni besten damit zu dienen, daß ich über eine selbstverständliche Sache nicht viele Worte mache
Auf die Anfrage der Abgg. Dr. Osann u ® e n., betreffend die Verfassung des Reichs, in Dntcksache Nr. 69, beehre ich mich zu Erwidern, daß die Regierung sowohl bei der Beratung des Gesetzes über die vorläufige Reichsgewalt, wie auch oct den noch schwebenden Verhandlungen über den Emtwurf cmer Verfassung des Deut,chen Reiches einer Vertretung der Regierungen der deutscher Gliedstaaten in einem Organ, wie dem (Staaten- cm,s,chuß unb bem Reichsrat, bas zur Mitwirkung oct der Gesetzgebung und der Verwaltung des Rri- chcs berufen fein soll, zugestimmt hat. Dabei ist der IjeiJtitbe Bevollmächtigte angewiesen worden, dafür emzutreten, daß Hessen in bem ihm nach der früheren Reick)sverfassung zuaelnlligten Stimmrecht nicht verkürzt wird. Obschon die h-ff'ische Regierung gegen eine Schmälerung des Sttmmrcchts des Freistaates Hessen auch unmittelbar bei der Reichsregierung Protest erhoben hat, wurde durch dic Vorschrift im §2 des von der Deutscknm National- venammlung beschlossenen Gesetzes über bic vorläufige Reichsgewalt vom 10. Februar 1919, wo- nach bei den größeren Freistaaten in dem Staatenausschuß grundsätzlich auf eine Million Landes- einwohner eine Stimme entfällt und ein Uebcrschuß der mindestens der Einwohnerzahl be- Neinsten Freistaats gleichkommt^ einer vollen Million gleichgerechnet wird, die Stimmenzahl des Freistaates Seifen von bisher 3 auf 2 Stimmen herabgesetzt Auch nach dem bisherigen Gang der Ver Handl urigen über den Entwurf der Berfa,sung des Deutschen Reiches muß damit gerechnet werden, daß Hessen ebenfo wie andere Gliedstaaten eine weitere Ver- nrinderung seiner bisherigen Sttmmcnzahl im Rcichsrat erfahren wird, da das Stimmrecht nach Artckel 19 des Verfassungsentwurfs ebenfalls, nur von der Zahl der Einwohner (abhängig gemacht werden ,oll, ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche unb politische Bedeutung, die dem betreffenden Gliedstaat nach der früheren Reichsoerfassung zu erkannt worden ist.
Kundgebungen in Wien.
_ _ Berlin, 12. Mai. In Wien fanden gestern stürmische Kundgebungen für den Zusammenschluß des ganzen deutschen Volkes und für das Festhalten am Selbstbesttmmungsrecht Deutsch-Oesver- reichs statt.
Die Halluua der fran;östschen Sozinlistcu.
Versailles, 11. Mai. (WTB - Die ntanite7' meldet: Ter ständige geschästsführende Ausfchuß der sozialistischen Partei hat am Freitag abend beschlossen, die Prüfungder Fric^ denspräliminarien einem Ausschuß zu übertragen, Der aus Albert Thomas Fvossard, Grenier, Longuet, Paul Louis, Loriot, Miswal, Pcisson, Rappapvrt, Renaudel, Sembat unb Sc verac bestehl und die sozialistische Gruppe des Par lamcntv um die Entsendung von g.eichfalls 12 Ge nosse^ in diesen Ausschuß zu ersuchen, welche die Einzelheiten des Vertrages prüfen und die Be- dingpngen eines ,'chnrilen und zweckmäßigen Handelns der Partti prüfen und lestlegen soll Der Ausschuß wird bereits am 13. Mai zusammen
Deutsche Kundgebungen im Osten.
. Königsberg (Pr.), 11. Mai. (WTB.'Als naff-vollc Verwahrung gegen den von unseren Gegnern aufgezwungenen Gewaltfricben, dessen schmachvolle Beuimmungen in ganz Ostpreußen heft,le Empörung weckte, hatten sich) heute um die Mittagsstunde viele Tausende Königsberger Männer und Frauen aller Stände und Parteien mit Ausnahme der unabhängigen Sozialdemokraten, die eine besondere Versammlung im Geweihch^tshause Deriuftal teten, zu einer wuch.igeii Massenkundgebung auf dem Exerzierplatz vor dem Stein- dämmer Tore vereinigt. Ter writt Plan war von der Menge bad/gefüllt. Reimer aller Parteien hielten zündende Ansprachen zu den Versammelten, m der sie der allgemeinen ©ntnlftmui über dic Deutschland und Ostpreußen angetane Schmach packenden Ausdruck verliehen und eine entsprechende Einschließung zur 9lnnaljme brachten.
Breslau, 11. Mar (WTB.) Die Bevölkerung der ProvinzialHauptstadt Schlesiens Dereurigtr sich heute zu großen Massen ver sa m mlun- aen auf dem Schloßptitz, auf den Plätzen bei bei Jahrhunderlhulle, auf dem Rvßvlatz und im Zirkus Busch 3um einmütigen flammenden Pvottst gegen den Gewaltfrieden der Entente, besonders g?grn die Zerstückelung Schlesiens. Redner aller Parteien hielten in gnofcr Zahl anfeuembe Ansprachen, denen die Annahme einer Entsckstießung folgte . Breslau, 11. Mai. (WTB.) Ter Prvvin- ziallandtag und der Provinzialausschuß Schlesiens richteten heute eine wirkungsvolle Kundgebung an die deutsche Reichsregierung, die preußjsche Staats- regicrung, die Nationalversammlung unb dir preußilche Lmtdesversammlung. Es hißt darin: Ganz Schlesien ist über die Friedensbedingnngcn unfetcr Grinde von unsagbarer Empörung erfüllt Was dabei gefordert wird, müRLe auf iniabfebbare Zeit den völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch, gänzliche Rechtlosigkeit unseres Volkes undLohn- sllavcrei für Millionen deutscher Arbeiter unter der Fremdherrschaft des ausländischen Großkapitals bewirken.
verfassunggebende Volkskammer des Freistaates Hessen.
Mtnißerpräsident Ulrich führt fori
Tie Reichsrcgierung hat heute morgen nachstehendes Telegramm an mich gerichtet, bas ich »u verlesen mir erlaube, und dem ich bitte, möglichst |u entsprechen. Es lautet:
In schwerer Not und sorgenbelastct hat das deutsche Volk in den Monaten des Waffenstillstandes den Friedensbedingungen entgegengebarrt. Mit ihrer Bekanntgabe ist bitterste Enttüm'chilng unb unsägliche Trauer über das ganze Volk gekommen. Tiesen Gefühlen aller Deutschen wird ösfenllich Ausdruck zu geben sein. Auf Beschluß der Reichsregierung werden die Regierungen ocr Frristaattn ersucht, zu veranlaffen, lxiß Tür die Tauer einer Woche alle öffentlichen Lustbarkriteii unterbleiben und in den Theatern nur solche Darstellungen zur Ausführung gelangen, dic dieser schwersten Zeit entsprechen. (Zustimmung.)
Ich wollte das an dieser Stelle zu dieser Stunde öffentlich verlesen, weil ich glaube, daß das genügt, um festzustellen, was wir zu tun haben, unb was wir entschlossen sind, zu tun.
Bravo!)
Beide Ansprachen werden vom ganzen Hause mit etnmü iger Zustimmung angenommen.
Das Haus tritt hieran* in tdc Tagesordnung.
Zu der Anfrage Dr Osann u .Gen. (D. Bolkspll über die Notlage des Handwerks gibt der Präsident des Landesarbeitsamtes Raab eine längere Erklärung ab.
Der Anfrageslellcr Dr. Osann beantragt die Drucklegung der RegierilngSantwort unb Vertagung der Aussprache bis nach der Drucklegung, da bte Regierungsantwort neue Behauptungen enthalte. Es wirb bemgemäß beschlossen.
Tie Anfrage Dr. Osann u. Gen. (D. Vv.) über die Erteilung des französischen Unterrichts im besetzten Rbeinhcsfcn wird auf Antrag des Anfragestellers zurückgesttllt, bis die Verhältnisse durch die FriedcnSverl-audlungen g?- Närt sind.
Die Anfrage Dr. Osann! u .Gen (D. Vv.) über den Mord in Lützel-Rimbach gibt dem Minister des Innern Tr. Fulda Anlaß zu einer Darstellung des Falles, der mrs der Preife bekannt ist.
Abg. Wünzer (D. Volksp.) befd,inert sich darüber, dah die Anfrage in der sozialdemokr. Presse abfällig kritisiert und ihr eine bauernfängc- rische Absicht untergeschoben worden sei. Der zwritt Teil unserer Anfrage befaßt sich mit der Frage, ob Entschädigungen auf Grund des Tu-


