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PoftIche«No»to:
Srantfurt a. M. UM6
Erstes Blatt
(69. Jahrgang
Stettag, 9. Mat 1919
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Zwill'mgrruuddnlck u. Verlag: vrühl'sche Unio.-Vuch- u. Sttiüöruderei R. Lange. Schristleilung, SefchäftLftelle u. vruckeret: Zchulstr. 7.
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Allgemeine Entrüstung über die Zriedensbedingungen.
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trag zur Permanenzerklarung des Krieges/ Tas Haager „Vaderland" sagt: „Im Frie
ÄrCTmetibcr Unwille überall über die Zu- putuugen der Entente! Alle Deutschen sind sich darüber einig, und es hat kaum einen fgroßen Zweck, die Aeußerungen der Presse vussührlich wiederzugeben, da sie alle auf den glcidjen Ton tiefster Empörung gestimmt ?ind. Bor allem kommt überall zum Aus- daß dieser Friedensentwurf eine ungeheure moralische Niederlage Wilsons bedeute, wenn es ihm mit seinen Skundgebungen in den letzten Jahren auch nur leinen Augenblick ernst gewesen sei. Es ist aber charakteristisch, das; Wilson und Lloyd George, wie von ihnen demonstrativ bekannt gegeben wird, sich Frankreich gegenüber ausdrücklich verpflichtet haben, tn ihren Ländern und beim Völkerbund einen Vertrag durchzusetzen, wonach England und Amerika den Franzosen mit Waffenhilfe beifpringeu, falls Deutschland eine drohende Haltung ein nehme. Man ist sick also dessen bewußt, daß der Friede, wie ihn die Entente aufgesetzt hat, die Deutschen aufhetzen und aufpeitschen htuf$ zu neuem Kampf, zu spaterer Abschütte- luna der Sklavenketten. Da stehen also im grellsten Tageslicht an der Schutzmauer für krassen Imperialismus und Verneinung sitt- tirfj-cr Ziele in der internationalen Politik dieselben Manner, die früher häufig so salbungsvoll über politisches Verbrechertum gesprochen haben! Eharakterköpse inmitten von Sck)auerereignissen, wie sie die Jugend auf joen Jahrmärkten, ost in lebensgroßen Wandbildern zu schrecken pflegen. Und Wilson ist auch dabei! „Alle Huld der Sittsamkeit erstickt", aus dem Körper der Verträge und des Dälkerverkehrs die innere Seele gerissen! Wir können im einzelnen kaum besser den Widerspruch darlegen zwischen diesem Friedensentwurf der Entente und den 14 Punkten Wilsons, als es Herr Scheidemann im Friedensausschuß der Deutschen Nattonalversammlung bereits getan hat. Er nannte das Dokument der Feinde ein „befristetes Todesurteil". Im großen und nanzen klingen aus der Presse dieselben Auffassungen heraus, die Scheidemann über die Haltung des amtlichen Deutschlands gestern vorbrachte. Kein Schacher, sondern neue Gegenvorschläge auf Grund des Rechtes! Es soll der Versuch gemacht werden, möglichst bald zu mündlichen und wirllichen Berhand- fungen zu kommen. Nur die „Deutsche Tageszeitung" Derfpridjt sich von Verhandlungen nicht viel imt) läßt Zweifel darüber, ob man nicht rundweg das Nein aussprechen solle. Auf der anderen extremen Seite ist das Blatt der unabhängigen Sozialdemokratie, die „Freiheit", zwar auch der Meinung, daß etn schändlicher Machtfriede hier vorliege, aber Daß man ihn annehmen müsse, weil die Mittel fehlten, ihn abzuwehren. Das Blatt hofft natürlich auf Wettbolschewismus und Hin- wegfegung der imperialistischen Führer.
Auch im Auslände regen sich viele Stimmen des Einspruchs und der Entrüstung. So Verurteilen „Daily News" das veröffentlichte FriedeuHdokument in der schärfsten Weise. Es sei „das härlste Urteil", das je über eine große Macht ausgesprochen worden fei. Man ent» 'kleide Deutschland u«ü) befehle ihm dann noch, feine Taschen umzukehren. In dec neutr a- >l e n Presse finden sich ebenfalls scharfe Zu- rtüdroeifungen. Das Amsterdamer „Handels- jblad" schreibt: „Die Deutschland auferlegten iFriedensbedingungen sind so hart und so demütigend, daß sie selbst die geringsten Erwar- ftungen auf einen Rechtsfrieden tief enttäuschen. Der Friede ist eine Verhöhnung der Prinzipien Wilsons, auf die sich Teulsch- ckand verlassen hatte." Der „Nieume stiolterdamsche Courant" sagt: „Es ist dies kein Friedensvertrag, sondern ein Ver-
Sitzung de? $rieötnsausfd)nfjcs.
Berlin, 8. Mai. (WTB.) Sitzung des Frie- densauslchustes am 8. Mai, nachmittags 5 Uhr. 'Die Mira über des Friedensausschusses find vvll- räblig eridjunen, ebenso zahlrciä>e Mitglieder der Nalionalrersaiumlung. Präsident Fehren- ba ch eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache: Meine Damen und Herren! Tas Unglaubliche ist «efdjefcn. Es ist uns von unseren Feiirden ein
bcu von Brest-Litowsk waren die Worte «enthalten, daß man von mm an in Frieden 'und Freundschaft leben wolle. Im Friedens- ‘bertrag fehlen diese Worte mit Recht, denn !rs sei dies unmöglich unter der Wirkung solcher Bedingungen." — Der Haager ^tieuroe Courant" atmet auf, daß der Haag nicht zum Ort der Friedenskonferenz gewählt wurde, nun, wo der Friede ns vertrag in einer solchen Form vorliege.
Fricdensvertrag vorgelegt worden, der über die Befürchtungen des größten Pessim i- sten noch hinausaehl. Dieser Friedens- oertrag bedeutet eine Versklavung des deutschen Dolles auf ewige Zeiten. Es bleibt Unverstand!rch, wie ein ALann, der der Welt einen Frieden oes Rechtes und der Gerechtigkeit versprach, auf dem ein ehrlicher Völkerbund sich aufbauen sollte, eS über sich bringen konnte, bei der Ueberreichung dieses habgetränkten Friedenswerkes zugegen xu sein Demgegenüber stelle ich hier fest die mämiig- lich würdige Haltung in der Ansprache des Vor sitzenden unserer Fricdensdelegation. Meine Damen und Herren! Wir stehen jetzt vor einer ungeheueren verantwortungsvollen Aufgabe. Wir treten an Sie heran mit ernster Ruhe und Enischossenheit. Ich erhoffe von unserem Fricdensausschuß und den ganzen Nationalversammlung eine Haltung, die unter Zurückdrän gung aller Parteigesichlspunk^ nur darauf bedacht ist, der Würde des Vaterlandes wie der Art unseres Volkes gerecht zu werden. Gott verleihe uns in dieser schweren Schicksalsstunde ein einiges starkes Geschlecht.
Hierauf ergriff
Ministerpräsident Scheidemann
das Won:
Der heutige Tag, der uns endlich nach dem sechsmonatigen Martyrium des Waffenstillstandes die Kenntnis der Hauptteile der feindlichen Frie- densbcdinMMgen gebracht hat, bedeutet die t i e f st e Stufe des deutschen Niederganges, ja vielleicht noch nichb einmal! Ein Ja sowohl wie cm Kein können uns noch tiefer, noch hoffnungsloser in die staatliche iuü> nationale Vernichtung hinunterstoßen Wir stchen am Grabe des deutschen Volles, wenn all das, was sich hier Friedensbedingung nennt, zur vertrag.ichen Tatsache wird. Ich kann Ihnen schon angesichts der nod) nicht vollständigen Uebcrmittelung der Bedingungen keine restlose Darlegung von der Stellungnahme der Regierung geben. Am 5. November 1918 hat der Staatssekretär Lansing an die deutsche Regierung depeschiert: ,,£ie verbündeten Regierungen haben den Schrittwechsel zwischen dem Präsidenten der Vereinigen Staaten und der deutschen Regierung sorgfältig erwogen. Mit den nackatehenden Beschränkungen a"iäcv.; sie ihre Beveitsdmft, auf Grund der in Kvngveßlwtschaft des Präsidenten vom 8. Januar 1918 ausgestellten Friedensbcdingungen und den in seinen späteres Ansprachen verkündeten Grundsätzen einer Äusein- andersetzilng mit der Regierung Deutschlands Frieden iu schließen." Tie Beschrmtkungen bezogen sich ausWe Frril)eit der Meere und ine Wieoerl-erstel- lung oer Ixsetzten Gcbie.e. Lassen Sie mich nun d i e 14 Punkte der Wilson No re, auf welche sich Herr Lansing bezieht, d:r Reihe nach in Vergleich mit einzelnen Punkten der Friürens- bedingungen setzen, die leider in Gegenwart und unter Billigung de s Präsidenten der Vereinigten Staaten un- fc.cn Delegierten überreich! wurden.
Präsident W i I f o n sagt in Punkts: Aus. tausch ausreichender Garantien dafür, daß die nationalen Rü st ungen auf das niedrigste mit der inneren Sicherheit vereinbare Maß herabgesetz twerden. Wie sieht der Austausch heute aus? Der fünfte Ab» schnitt enthält die militärischen Friedensbedingungen, beschränkt den Umfang der deutschen Armee und Flotte und schafft die Dienstpflicht in Deutschland ab als erster Schritt zur allgemeinen Abrüstung.
3n Punkt 5 fordert Wilson eine freie, weitherzige und unbedingt unparteiische Schlichtung aller Kolo, nialen Ansprüche, die auf einer genauen Beach, tung des Grundsatzes fußt, daß bei der Entscheidung aller derartigen Souveranitätsstagen die Interessen der betroffenen Bevölk rung ein ebensolches Gewicht haben muffen, wie die berechtigten Forderungen der Regierung, deren Rechtsanspruch bestimmt werden soll." Und die Verwirklichung dieses Prinzips? Durch den vierten Abschnitt liefert Deutschland seine Kolonien und seine unter verschiedenen internationalen Konven» tionen in Afrika erworbenen Rechte an die Alliierten aus.
Punkt 7 von Wilson lautet: „Belgien muh, wie die ganze Welt übereinstimmend verlangen wird geräumt und wiederhergesteLt werden ohne jeden Versuch, seine Souveränität, der es sich ebenso wie alle andern freien Rationen erfreut, zu beschränken." Gewiß, zu dieser Grundforderung hat sich Deutsch, land immer wieder erklärt. Aber heißt es Wiederherstellung, wenn ihm neben Moresnet zwei deutsche Kreise (Eupen und Malmedy zugesprochen werden, und ist es nicht eine Verzerrung des Selbstbestimmungsrechts, wenn die Bevölkerung dort innerhalb sechs Monaten dagegen protestieren darf, daß aber der Völkerbund - und welcher Völkerbund ? - dann endgültig entscheidet.
Punkt 13 von Wilson: Es sollte ein unabhängiger polnischer Staat errichlrt werden, der die von unbestritten polnischen Bevölkerungen bcwohMen Gebiete einschließeit sollte, bcnl ein freier und sicherer Zugang zum Meere zu- gesichen werden sollte und dessen politische unti wirtschaftliche Unabhängigkeit und territoriale Unverletzlichkeit durch internationales Abkommen garantiert werden sollten. — Und heute? Deutschland soll an Polen den größeren Teil von Oberschlesien, Posen und die Provinz W e st - Preußen auf dem linken Weichselufer abtreten. O st Preußen soll durch einen Korridor von Reiche abgetrennt und Danzig eine „freie Stadt" werden, also aus dem Reichwerband ausscheiden. Aber ich will Sie nicht Punkt für Punkt auf die Unvereinbarkeiten Hinweisen. Vom Völkerbund, der die Storning und den eigentlichen Sinn dieses Friedensvertrages ausmachen sollte
und der angeblich berufen war, jeden ferneren Krieg unmöglich zu machen, ist in diesem Dolümem kaum mehr andeutungswetse die Rede. Unb auch die oft gehörte Behauptung, daß unsere Auffassung der 14 Willonschen Punkte von der Wilsons wesentlich abwcicye, daß es sich also um Jnterprelations- Verschiedenheiten handle, läßt sich migesichts des unversöhnlichen Widerspruchs zwischen dem Programm und der nunmehr vorliegenden Ausführung in gar keiner Beziehung mehr aufrecht grüfte Prinzipien bel>errschen den Wil sonschat Gedarckeivg mg: Nationale Selbst- beftimmung jtnb Beseitigung aller wirtschaftlichen Schranken, also not io aale und wirtschaftlich« Uimbljängi gk.it. Und was fordern heute die Alliierten und AssoziiertLN? B e- setzung des Rheinlandes samt der B r ü t kenköpfe auf lLtg'.ens 15 Jahre, fünfzehnjährig' französische Verw.lltung des Saar beste ns unter Einsststnß von Homburg. Tann Zurüstkauf der Ävhleula^r gegen Gold und Volksabstimmung, für welche nationale Zukunft sich dies rein deutsche Land, diese rein deutsst>e Bevi'llerung entschlichen wolle. Besonders bezeist>n>end ist, weil durch {einerlei noch so fern liegende Begründung zu belegen, die geforderte Abtretung der Nordostecke von Ostpreußen an die assoziierten Mächte. So sieht unser nationales Selbstbcstimmmigsrecht aus! Und unsere wirtsstwftlist>e Unabhängigkeit? Tas Dokument von Versailles wimmelt von Durchbrechungen dieses ztveiten großen Prinzips. Soll doch unser gesamter Besitz und alle Einnahmen Deutschlands sowie der deutschen G.iedsbaaten an erster Stelle zur Bezahlung der Kosten der Wiederlxrstellnngen sowie aller der Lasten haften, die sich ans den vorliegenden Vorträgen oder irgend welches sonstigeit Abmachungen zivischen Deutschland und den alliierten und assoziierten Mächten seit Abschluß des Waffenstillstandes ergeben haben. Ich wlll nur die eine, die ungeheuerlichste Bedingung anführen: Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll Deutschland 20 Milliarden Mark in Gold, in Waren, Schissen usw. bezahlen und zwar auf Grund einer uns zu präsentierenden "'chadensersatzrechnung, die im Jahre 1921 festzu- llelllit sein würde! Zwei Jahre soll unser Wirtschaftsleben, unser gesamter Handel, die Lebensführung des Einzelnen sowie des ganzen Volkes unter dem Damoklesschwert einer unbekannten Forderung stehen, das jede Voraussicht auf Berechnung in Stücke hauen kann. Das soll unsere wirtichastliche Unabhängigkeit sein!!
Meine Herren! Jedes weitere Wort würde die Unmöglichkeit, die Unbarmherzigkeit dieser Bedingungen abfchwäche-n, die nichts anderes ist als ein befristetes Todesurteil!
Meine Tarnen und Herren? Die Reichsregic- rung muß auch dieses jedes Gefühl aufwühlende Dokument des Hasses und der Ver- b l e n d u n g politisch nüchtern behandeln. Sie würde ihre Pslistst aufs schärfste verletzen, wenn sie fiel) Empfindungen überlassen wollte, die — das dürfen Sie mir glauben — mir ebenso nahe liegen wie den meisten von Ihnen. Sie kann sich allerdings nur schwer zu dem Glauben verstehen, daß unsere Gegner in dieser ernstesten Stunde der Welt eine Art Abhandlungsprogramm vorgelegt, jun das nun der Schacher losgehen kann. Sie erhofft daher eine Einigung nicht vom A b handeln, sondern vom Ver handeln. Und in diesem Sinne hat sie die Telegation in Versailles anweisen lassen, das, was ich vor Ihnen auszuführen die Ehre hatte, den feindlichen Regierungen in einer Note darzulegen, gleichzeitig die gewünschten Gegenvorschläge innerhalb der vorgesehenen Frist in Aussicht zu stellen und schließlich um die Anbahn ung mündlicher Aussprache zu ersuchen, in der vor allem Auskunft über die Gründe zu erteilen wäre, welche zur Aufstellung dieser oder jener Forberung geführt haben. Tie Reick^regie- rung will zu Verhandlungen, will zum Frieden kommen. Ein gemartertes Volk und Land wie das unsere vertragt keine heroische Geste. Was Goas Brockdorff-Rantzau im Namen der Tel egal von sagte: „Wir werden das uns übergebene Dokument mit gutem Willen und in der Hoffnung prüfen, .daß das Endergebnis unserer Zusammenkunft von uns allen unterzeichnet werden kann", bat er ganz im Sinne der Reichsregierung gesagt. Wir weroeit Jakobs Kampf mit dem Engel des Friedens mit allen Kräften führen, mit unseren, ich darf sagen, auch mit Ihren und hoffentlich mit allen Kräften unseres gesamten Volkes.
Tie Vertreter aller Fraktionen erklärten sich mit diesen Darlegungen des Ministerpräsidenten einverstanden und auch die Unab- hfingigen Mannten sich zu der Auffassung, daß dieser Fricchensvertrag von uns nicht ertragen und nicht erfüllt werden könnte. Im Namen aller Parteien gab der Präsident der Nationalversammlung, Abg. Fehrenbach, eine Erklärung ab, in welche er den Ausführungen des Ministerprch'identen zustimmte. Bon der Friedensdelegaiion in Versailles ist die Nachricht ein getroffen, daß auch diese sich mit der genauen Durcharbeitung und Prüfung des umfangreichen Vettragswerkes beschäfftgt und dafür zwei Tage für notwendig erachtet.
Ausruf der Regierung an dar Volt.
Berlin,8. Mai. <WTD.) Der R e i ch s p r ä si« d e n t und die Reichsregierung wenden sich in ein?m Aufruf an das deutsche Volk, in dieser schweren Stunde mit der Regierung auszubarren im wechselseitigen Vertrauen auf dem Wege der Pflicht und im Glauben an den Sieg der Vernunft und des
Rechtes. An den deutschen Osten wendet sich eine gemeinsame Kundgebung der Rcichsrcgierung und der preußischen Staatsregierung, die Bevölkerung der Oft» Provinzen Preußens möge überzeugt sem, daß die Regierung der Republik das Aeuherfte aufbieten werde, um die ihr drohenden Gefahren abzuwehren. Die Rationajoerfammlung ist auf Montag nach Berlin einberufen worden.
Tie Mcinunflen in der preußischen Lanvesversammluog.
B e r l i n, 8. Mai. (WTB.) In der heutigen Sitzung der Preußischen Landesversammlung betonte Ministerpräsident Hirsch, daß die Frieden-:bedingungen zu der am 11. April gefaßten Ent chließung der Landesversammlung in schärfstem Widerspruch stünden. Von einem Verständigungs- frieden sei in den Bedingungcrt keine Spur: es sei ein reiner Machtfriede. Vizepräsident Dr. Frentzel erklärt an— schließend im Auftrage einer großen Anzahl von Abgeordneten, daß sie gegen das vom Ä^achlhunger der Entente diktierte Vorgehen ebenso schärfsten Widerspruch einlegen, wie gegen die Bedingungen, die gegen Treu und Glauben verstoßen. Nachdem noch A 0 o l f Hoffmann (Unabh.) erllärt hatte, daß seine Partei die^ Bedingungen d er Enleitte aufs schärfste verurteile und einen Appell an die Proletarier.aller Länder gerichtet hätte, die den Gewaltfrieden der Eiltente durch die soziale Wellrevolution zunichte machen würden, schlug Vizepräsident Frentzel Abbruch der Verhandlungen vor. Tag und Tagesordnung der nächsten Sitzung unbestimmt.
Kundgebungen in der württembergifche» Landedversammlung.
Stuttgart, 8. Mai. (WTB.) Z» Vegimr der heutigen.Sitzung der würftembergisd<n San* desversarnrnlung hielt Präsident Keil eine Ansprache, m der er ausführte: Die Friedensbe- Mnginigen her feindlichen Mächte entsprechen aber nicht den Wilsonschen Grundsätzen, sie dienen nicht der Versöhnung der Völler, sie fid)cm nicht ixn dauernden Frieden, sie laufen vielmehr auf einen Gewaltfrieden hinaus, wie er in dieser Art in. der Geschichte kein Beispiel hat. (Zuruf von redjtS: Was zu erwarten war!« Tas deulsche Volk, bad1 sich anschickt, die Kapitalisteilherrsckiack im Innern abzuschütteln, soll zu einem SÜarvnvolk erniedrigt werden, .daß in alle Zukunft allen Ka'^talisten unb Imperialisten der Entenlestaalen Frondienste 'leisten soll. (Sehr richtig.) Sollte selbst, worüber in dieser Minute ein Urteil nicht möglich ist, die Lebensnot des deutschen Volkes die Regierung zwingen, einen solchen Frieden zu unterzeichnen, unser Volk würde sich inirerlich mit ihm niemals abfinden. (Sehr wahr!) Wir toller die Hoffnung nicht aufgeben, daß es nod> gelingt, die erdrückenden Bedingungen zu mildern iuu> wir wollen zu diesem Zwecke das Weitgewissen, insbesondere das Gewissen der Arbeiter Frankreichs und Englands erneut anrufen, damit sie, wenn nicht vom Standpunkt der Gk-rcdjtigfeit, so doch vom Standpunkt des eigenen Wohls ihre Staatsmänner zurückhalten von ihrer Siegerpolitik, die nur dem Siegesrausch entsprungen ist, die aber den Völkern nimmermehr tum Heile gereichen wird; uns aber soll der Eindruck der neuesten Berichte aus Versailles zum Bewußtsein brinaen, daß ei in diesen Tagen mehr als je einmal gilt, allen kleinen innerpolitischen Streit zurückzustellen und unserem geliebten deutschen Volke di? Möglich- teit des 2cbeni, der Erholung und des Wiederaufstiegs zu verschaffen.
Die Börse In Berlin und Frankfurt geschlossen.
Berlin, 8. Mai. Unter dem vernichtenden Eindruck der Friedensbedingungen, die Deutschland zugemutet werden, bat der Börsenvorstand beschlossen, die Börse auf drei Tagezuschlteßen.
Fr ankfu rt a..M., 8. Mai. Laut Beschluß des Börsenvorstandes bleibt die hiesige Börsebisaufweiteresgeschlossen Jeder Börsenverkehr ist untersagt.
Aos sem oorge!egten Zriedensvertrag entnehmen rmr die folgenden wichtigen unb interessanten Slb schnitte:
Wiederherstellung und Schadenersatz.
Die alliierten und assoziierten Regierungen verlangen und Deutschland erkennt an feine und seiner Verbündeten Verantwortlichkeit für die Verursachung alles Verlustes unb alles Schabens, den die alliierten und assoziierten Regierungen als ein« Folge des Krieges erlitten haben, der ihnen durch den Angriff Deutschlands unb seiner Verbündeten auferelegt worden ist.
Da die alliierten unb assoziierten Regierungen anerkennen, daß die deutschen Hilssgucllen, wenn man die dauernden Verringerungen solcher Hilfsmittel in Betracht zieht, die infolge aoberer Der- tragsansprüche entstehen, nich: zur völl^g.n Wieder- gutmadjung all dieses Schadens unb VerlustcS ausreichen, so verlangen sie, das; Deutichland Ersatz leistet für allen Schaven, der Zivilperfonen unter folgenden sieben Hauptklassen entstanden ist;
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