Donnerstag, 8. Mai 1919
169. Jahrgang
Erstes Blatt
Unerhörte Zriedenzbedingunzen
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Ansprachen Llemenceou; und Rantzaus.
Versailles, 7 Mai. Deute fand im Tria» non Palast-Hotel die Ueberreichung der Friedens- bedingungen an die deutsche Delegation statt. Tie deutschen Delegierten erschienen etwas später. Ihre Ankunft wurde durch einen Diener angekündigt, Worauf jid) sämtliche Anwesende erhoben. Die Lattichen erschienen unter Vorantritt des Grasen
cum zugefügt wurde, bezahlen. . _ thringen mu& an Frankreich zurückgegeben nerden, das and) das Kohlenbecken des L a a r t a l e s erl-alten wird. Tie Verwaltung des Saardistriktes wird von einer vom Völkerbund
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Ter fel<[tn<r »nzriger erscheint löqlid), außer tonn - und Feier lag».
Bezug,preir: wwnatl. IM LI 35, viertel - jdbrlid) Mk. 4.05. durch Abhole- u. Zivergsiellen nwnatL Mk 1.25 durch fcieüoft Mk. 4.05 inert d* jährt, ausscht. Beüellg. Remlpred) - 9tnsck>lüfie: für die 6<f)t>lUfiiunfll 12 Veriaa.«elchäu»stellebl Untdfrih fürT radtnach- erchien Anzeiger •lefeen.
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Foch4 Unzufriedenheit mit der militärb fchen Sicherheit.
Paris, 7. Mai. (WTB.) In der heutig gen geheimen Vollsitzung der Friedenskonferenz, worin Italien vertreten war, machten die Vertreter einiger Mächte Anmerkungen zu dem Friedensvertrag, doch wurden keine Vorbehalte erhoben. Fach hielt eine Rede, in der er erklärte, ba& die Frankreich gewahrte Sicherheit vom militärischen Standpunkt aus ungenügend sei. Nach seiner persönlichem Ueberzeugung sollte der Friedensvertrag nicht unterzeichnet werden. Er legte Nachdruck auf die Notwendigkeit, daß die Franzosen die Brückenköpfe am Rhein behalten.
Wirtschaftliche Londerberatungeu der Entente.
Paris, 7. Mai. (Wolff.) HavaS. Der Oberste Wirtschaftsrat hielt gestern eine Sitzung ab, in der Lord Cecil den Vorsitz führte. Er prüfte die Maßnahmen zur-w irtschaftlichen Abschließung Deutschlands für den Fall, daß sich die deutsche Delegation weigern würde, die Friedenspräliminarien zu unterzeichnen. — Auf Empfehlung der Finanzkommijsion hat der Rat beschlossen, folgende Erleichterungen eintreten zu lassen: Die Schwarzen Listen werden, soweit sie nicht schon heute versckwun-- den sind, aufgehoben. Die Neutralen sollen die Freiheit haben, Deutschland alle Kredite zu gewähren, die deutschen Guthaben sollen zur Bezahlung der Einfuhr fceigegeben werden. Der Ertrag der deutschen Ausfuhr kann zur Bezahlung der deutschen Einfuhr Verwendung finden. Es kann auch die Erlaubnis zur Goldausfuhr zur Bezahlung erteilt werden. Diese Beschlüsse sollen den einschlägigen Finanzkommissionen zugestellt werden. Der Rat prüft darauf nochmals die 3rage der Donauschiffahrt. Die Schiffahrt soll unter seine Oberhoheit gestellt werden.
Eine Geheimsitzung.
Versailles, 7. Mai. (WTB.) Heber Mr gestrig geheime Vollsitzung der alliierten Mächte, in der der Friedensvertrag bs- kamngegeben wurde, darf die Presse keinerlei Einzelheiten veröffentlichen. Tie gesamte Presse weist große Zensurlücken auf, in der sie Einzelheiten des Vertrages veröffentlichen wollte. Es darf nur berichtet iderden, daß sämtliche anwesenden Mächte nach dem ausführlichen Berichte Trrrdieus über den Inhalt des Vertrages den? Vertragsentwurf einstimmig angenommen haben. „Echo de Paris" teilt mit, daß heute, abend gleichzeitig mit den Friedensbedingungo« die offizielle Abmachung zwischen Frankreich, England und den Bereinigten S t a at en, welche Ergänzungsgarantien für die Sicherheit Frankreichs und die Respektierung des Vertrages enthält, befamrtgtgrixnl wird. Clemenceau, Lloyd George und Wilson wer- den im Laufe der neuen Konferenz heule vormittag der Abfassung dieses Zusatzpakles, welcher keines falls ein Geheimvertrag sein soll, die definitive Form geben.
Eine Aeußernng bet „Westminster Garette".
Rotterdam, 7. Mai (WTB ) Tie „W e st» minfter Gazette" meldet dem „Nieuwi Aotterdamschen Courant" $ufolge aus Paris: üb*
Brockdorsf-Rantzau Jeder von ihnen ver- i neigte sich gegen das Präsidium, das Herr Cle^ meneeau führte Hierauf erklärte Clemenceau, zu dessen rechter Seite Präsident Wilson, zu dessen i linker Seite Herr Lloyd George saß, die Sitzung für eröffnet.
Clemenceau hielt hierauf eine kurze Ansprache an die deutschen Delegierten. Er sagte ihnen, daß jetzt nicht die Zeit und nicht der Ort fei, um große Reden zu halten. Tie Alliierten und assoziierten Nlächte seien bereit, den Deutschen den Frieden zu gewähren, um den diese ersucht hätten. Man werde den Deutschem in einem Bntte die Friedensbri»urgungrn übcrreid)m. ES werde den deutschen Devvllmäclltigten die volle Zeit zur Prüfung gegeben werden, ivie es dir Höflickcheit zivilisierter Nationen erfordere. Es möge jedoch die gmrze Welt wissen, daß die alli ierten Mächte entschlossen seien, von ihren Machtmitteln vollen Gebrauch zu mad)cn, um sich nach diesem schwersten aller Krieye volle Genugtuung zu verschaffen.
Nachdem hierauf noch einige kurze Mitteilungen über den Gang der Verhandlungen gegeben worden waren, erhielt Gvas Brockdorff- Rantzau das Wort. Während Herr dlmicncoau sehend sprach, blieb der deutsche Minister fitven. Seine Rede wurde Satz für Satz Äs Französiselje, dann ins Englische übertragen. Er entwickelte, a) tefegrrabljicrt der Sonl-erberichtersnttk r der ,,iVifj. Ztg.", die Argunrente für die deutftte Sackte, dvc jeder billig Detckcnde anteriennen muß. Er tvies dem Gedwcken zurück, daß DenlsckilMvd allein die Schuld am Kriege und im Kriege trage, ernannte aber an, daß Deutschland ebenso herani, worttich sei wie die anderen Ntächte. Die deutschen Telegicrten seien erschienen mit gutem Willen und in der Hoffnung, den Frieden w unterzeichnen. Jedoch möge man sich sagen, dcH unerfüllbare Forderungen rad|t nnterzcichnet werden könnten, weil niemand die Gorantte für ihre Erfüllung übernehmen finrne.
Ta ferne weiteren Bemerkungen aAszutanschen tp<rren, nnirte »ne Sitzung für aetchlossen erklärt und die delegierten verlieh-n unter gegen-- eiliger Verneigung dar Saal.
Aus demInhalt des Friedenödokumcntes.
Nach der Rückkehr in sein Hotel hielt Graf Brockdorff-Rantzau einen Empfang sämtlicher zu unserer Mission zählenden Herren sowie der Vertreter der Presse ab und berichtete über den Bergung der Ueberreichung. Tas Dokument übertrifft schon nach tunet Durchsicht die schlimmsten Befürä>- tnngen. Wir sotten im Osten Oberschlesien an die Polen verlieren, ferner einen großen Teil ber Provinz Posen einschließlich Bentschen. Don West Preußen wird nicht blaß ein Korridor zur See, sondern ein breiter Gürtel Land den Polen überwiesen. Danzig soll unter dem Namen eines Freistaates ebenfalls von Tcuffchland ab- getrennt werdm. Zm Westen wollen die Franzosen das linke Nheinufer auf 15 Jahre besetzt halten. Tas Saarrevier wird nach dem bereitst bckonnten Plaire ebenfalls vorläufig von Deutsch-' land abgetrennt. Es sollen innerhalb zweier JalM zwanzig Milliarden Marfivon uns bezahlt werden. Tie endgültige Festsetzung der Entschädigungssumme solle erst im Jahre 1921 vor- aenommen toerben. Endlich werden alle unsere Kolonien uns genommen. .
Es Jini) der deutschen Delegation für die Prüfung zwei Wichen Zeit gegeben. Ihre Bemerkungen dürfen durchaus nur in schriftlicher Form erstattet werden, Derr Clemenceau hat jede mündliche Verhandlung für unmöglicherklärt. Sobald die deutschen Bemerkungen eingegangen sind, wird von Seiten der Entente eine Antwort erteilt werden. Gleichseitig wird man den Teutschon mtteilen, innerhalb welcher Frist sie sich definitiv über die Annahme zu äußern haben.
Die Zriedensbedingungen.
Amsterdam, 7. Mai. (Wolff.) Ter „Tele graaf" melbct aus London vom 6. Mai: „Tic „Times" wird morgen ungefähr 10 Spalten mit einer Zusammen üellung der wichtigst e n Friedensbedingungen, die den deutschen delegierten vorgelegt werden sollen, veröffentlichen. Tie wichtigsten Bestimmungen sind folgende: *
Tie deutschen Landstreitkräfte müssen binnen zwei Monaten noch Unterzeichnung des Der träges auf nicht mehr als 70 000 Mann Infanterie und 30000 Mann Kavallerie beschränkt sein, die Gesamtzahl der Offiziere darf nicht mehr als 4000 betragen. Es wird nur freiwilliger Militärdienst gestattet werden. Auch die deutschen Rüstungen sollen auf das äußerste eingeschränkt werden. Atte Befestigungen bis zu 50 Meilen östlich des Rheins müssen abgerüstet werden. Tie beutfeben See str ei t kr ä fte dürfen zwei Monate nach Unterzeichnung des FriedensverlrageS keine U-Boote mehr enthalten und werden bann nunmehr aus 6 Schlachtschiffen, 6 leichten Kreuzern 12 Torpedojägern und 12 Torpedobooten bestehen, alle anderen Kriegsschiffe müssen entweder ht bte Reserve versetzt oder als Handelsschiffe umgebaut werden. Tie Besatzung darf nicht mehr als zu- ■ jammen 15 000 Mann, darunter 1500 OMzrere und Teckoffiziere zählen. Alle militärischen imd maritimen Anlagen auf Helgoland müssen geschleift ; werden, der Kvrier £xxfcn muü bm vandels-
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ernaimlen, aus 5 Personen bestehenden Kommission ausgeübt. Nach 15 Jahren wird die Bevölkerung entfdriben, ob sie vom Völkerbund, von Frankreich oder von Deutschland regiert zu werden wünscht. Wenn Teutsck)land gewählt wird, wird es die Kohlenbergwerke zu einem noch näher zu vereinbarenden Preis von Frankreich kaufen müssen.
Polen wird einen Zugangsweg erhalten, der bis noch Tunzig läuft. Diese Stadt wird $u einer s eien Stadt gemacht. In Schleswig wirb eine Volksabstimmung abgebalten werden.
Von Deutschland wird gefordert, daß eS zu- gintftcn der fünf alliierten und assoziierten Machte aus olle Reckte und Titel, die es be-üglich feiner überseeischen Besitzungen hat, verzichtet. Tie meisten dieser Besitzungen werden kraft eines Mandates des Völkerbundes von einer der großen Kolonialmächte verwaltet werden. Deutschland verzichtet aus alle Rechte und Privilegien aus der Algecirasak.e von 1906 und aus die, die aus den französisch-deutschen Verträgen von 1900 und 1911 sich ergaben. Alle Abmachun- gen zwischen Teulschland und dem Reiche des Slierisen werden für ungültig erklärt. Fünfzehn deutsche Kabel werden den Regierungen der Alliierten und Assoziierten zur Beifügung gestellt.
Weitere Einzelheiten.
Paris, 7. Mai. (WTB.) Der von Reuter verösfentlichte Auszug aus den Friedensbedingungen enthält u. a. folgende Angaben:
Deutschland tritt an Polen den größten Teil von Oberschlesien, Posen und der Provinz West- Preußen auf dem linken Weichselufer ab. Die südliche und östliche Grenze Ostpreußens gegenüber Polen wird durch Volksabsttmmung bestimmt. Danzig wird mit seiner unmittelbaren Umgebung F reist ad t.
Belgien erhält das strittige Gebiet von Moresnet und einen Teil von Preußisch- Moresnet. Deutschland verzichtet aut alle Rechte über Eupen und Malmedy, deren Einwohner das Recht haben sollen, binnen sechs Monaten gegen diese Aenderung im ganzen ober teilweise zu protestieren, worauf der Völkerbund endgültig entscheidet.
In einer 50-Kilometer-Zone östlich des Rheins darf Deutschland keine Befestigungen ober Streitkräfte halten. •
Tas Saarbecken, auf das sich die bereits bekannte Regelung bezieht erstreckt sich von der Grenze Lothringens nach Norden bis St. Wendel, schließt im SBefkn das Saar gebiet bis Saarhölz- bach, im Osten die Stadt Dornburg ein.
Die Volksabstimmungen im Osten sollen stattfinden: im Regierungsb^irk Allenstein, zuzüglich der Kreise Angerburg und Olotzko, ferner m einem Teil Westpreußens, bestehend aus den Kreisen Stuhr und Rosenberg sowie aus Teilen des Kreises Marienburg und Marienwerder. Ostpreußen soll freien Zugang zur Weichsel und die volle Benutzung des Stromes erhalten.
Die Nordostecke von Ostpreußen soll an die assoziierten Mächte abgetteten werden.
Von der holländischen Regierung wird die Auslieferung Katfer Wilhelms verlangt.
Grundsätzlich soll Teutt'Äand zur Dergü- tung aller Schäden, die durch den Krieg entstanden sind, verpflichtet fern, soll aber jedenfalls die Vergütung aller den Zivilpersonen zu- gefügten Schäden übernehmen. Tie Gesamtiumme der Schadenvergütungen wird spätestens brs Mm 1921 festgesetzt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll Deutschland 20 Milliarden Mark m Gold, in Waren, Schiffen und dergleichen bezahlen
Bezüglich der bände lsschiffe sottDeutsch, land Lrsatzp'licht Tonne für Tonne und Klüfte rür Klasse tmerfennen und den Alliierren alle deutschen bandele schiffe von 1600 Sonnen und darüber, die bälste seiner Schiffe zwischen 1090 und
und anderer Fischereifahrzeuge ausliefern, sowie für Rechnung der Alliierten während der nächsten sünj Jahre jährlich bandelSschiije vo« 200000 Tonnen bauen .
Zur Sicherung der Durch übrnng des Frre- densvertrages soll das deutsche Gebiet ro e ft* l i ch des Rheins und bte Brückenköpfe 15 Jahre lang besetzt werden Bee getreuer Ausführung der Bedingungen sollen bestimmte Gebietsteile, darunter auch der Brückenkopf von Köln, nach fünf Jahren geräumt werden Andere Gebietsteile, darunter der Brückenkopf von Koblenz, nach 10 Jahren, wieder anders txuunter der Brückenkopf von Mamz, nach 15 Jahren.
Bei früherer Erfüllung sämtlicher Frredens- bebingungen werden die Besatzungshecre fotorfr iiirüdgcnomincn.
London, 7. Mai. (WTB.) Reuter. Der „Daily Telegraph'' meldet aus Paris, daß gemäß den finanziellen Bedingungen des Frieden)verträges der gesamte bestehende oder potentittle Reichtum Deutschlands den Alliierten als Etrtschädigung vcrpsändet wird. JedeS deutsche Schiff über 1600 Tonnen wird bef d) l aa* nahmt. Die Halste der Schisse zwisckien 1000 hind 1600 Tonnen und ein Viertel der deutschen: Fischereislotte müssen innerhalb zweier Monate ausgeliefert werden. Die deutschen Sclnffswerstei^ giuiiicn zum Nutzen der Alliierten arbeiten.
Neu York, 7. Mai. (WTB.) Jieuter. Der oberste Friedensrat hat den 9kreinifflen Staates alle deu tschen Schiffe zugesprochm, die feit ^Beginn des Krieges in Amerika interniert waren.
Nock» ehmtaT, wie bei der Bekanntgabe der SBaffmftinftantebebingungen, durchzuckt bad beulfdK Volk jäher Schreck und Zorn. stSas gestern in Versailles Herr Clämenceau mit, wie es scheint, kalten, barschen Worten dem Grafen Rantzau überreicht hat, ist ein Dokument des Haftes unb Volkerfrevels, wie so bitter und abweisend gegen alle pazi- fistischen Neigungen es wohl die Welt nicht erwartet hatte. Wir sehen unb lernen tat* sächlich, daß die BertvirNichung des oft vns vorgegaukelten Menschheitstraumes unmöglich, ja, daß selbst nur ein kleiner Fortschritt der Völkerversöhnung jetzt nicht mehr gedacht werden kann. Unsere Feirtde treiben eine ausgemachte Gewalt- und Raub- Dolitik. Wrr haben das ausführliche „Frie- densbuch^', das Deutschland unteiffchreiben soll, noch nicht in Händen, es fehlen amchnoch ausreichende deutsck)e amtliche Mitteilungen — aber die Auszüge des Reuter-Bureaus und Iveiterc verläßliche Aeußerungen genügen uns, aim ein Urteil auszusprechcn. Diese Umrisse «und Hauptlinien ergeben eine grimmige Frie- densfratze, von der das gesamte deutsche Volk «empört weit .zurücktreten wird. Auch jetzt «wollen die Gegner die Schraube der Er- ipressungen noch nicht bis zum letzten Ende <ttigezosfrn haben: sie verlangen die Zahlung Don einer Milliarde Pfund Sterling, also zwanzig Milliarden Mark, binnen zwei Jahnen: dann aber, int Jahre 1921, will man Deutschland noch einmal auspressen und die »virkliche, endgültige Entschädigungssumme namhaft machen. Es liegt die volw Würze Clömenceauscher Bosheit in dem Werke, und wie wenig der „Mcnschheitsfreund" Wilson will und vermag, das sehen wir klar in dieser Stunde. Er war groß in Warten und ist ein Zwerg in entspr«l)enden Taten. Denn das ganze Vertragsmachwerk schlägt den getroffenen allgemeinen Vereinbarungen geradezu ins Gesicht. Wir sollen alle Kolonien abge- chen, in Ost und West den dreistesten iLänderraub uns gefallen lassen, wählend das Selbstbestimmungsrecht der Völker so unbeachtet liegen bleibt, wie ein zerbrochenes Spielzeug. Mit welchen Empfindungen müssen wir uns heute der früheren Wilson- scheu Erklärungen erinnern, daß er nichts gegen das deutsche Volk habe und nicht Krieg 1 gegen die Deutschen, sondern nur gegen den Militarismus führen wolle. Jetzt wäre er bereit, ein solches Friedensbuch zu unterzeichnen, wie wir es in den nächsten 14 Tagen, bis zum Termin der nächsten amtlichen Ge- genäußerung, durchblättern sollen! Welch eine frivole, engherzige, brutale Weltpolizei leuchtet aus den uns vorgelegten Friedensbedin- jungen hervor, ganz abgesehen von dem -darin geoffenbarten materiellen Egoismus und Macktwillen! Kein Restchen von Achtung heiliger Bolksrechte, kein Gefühl für Men- isck)enwürde, fein Schimmer von Vertrauen in die Zurunft und in die Deutschen. Das alte Lied wiederholt sich: man wiN nur ein völlig ohnmächtiges deutsches Volk, fehl gleichberechtigtes, in der Völker- lamilie duloen. So lädt man unserem geschwächten Volkskörper nicht nur die «schwersten und grausamsten Ketten auf, sondern man geht daran, ihn gleich auf 15 Jahre hinaus zu fesseln. So lange sollen wir die Besetzung unseres Rheingebietes dulden! Der Spartakismus hat auf die Häupter der Entente ftarf ansteckend gewirkt; sie gehen mit herfelben Roheit und den gleichen Mitteln Vor. Einen gleich stumpfen und blöden Geist gegenüber dem Walten geschichtlicher Gesetze und Erkenntnis hat man nie erlebt. Wir sollen nicht nur zerstückelt werden, abfiefem, sondern wir sollen auch unsere Selbstachtung ausliefem. Ein einseitiges, gerichtliches Verfahren soll den ehemaligen Kaiser treffen. Was darüber zu sagen ist, haben wir bereits früher gesagt.
Durch die Deutsche Presse geht schon der Sturm der Ablehnung dieser unannehmbaren Bedingungen. Unsere Friedensdelegierten und unsere Regierung aber haben die Pflicht, die deutschen Gegenforderungen und Abände- .rungen zur Sprache zu bringen und zu begründen. Bis dahin wollen wir uns jeder Torderung, was zu geschehen habe, enthalten.
schisfen attcr Länder, die mit Deutschland in Frieden jlebc.i, aus der Basis vollständiger Gleichheit offen stehen. Es wird Teulschland gestattet werden, bis zMn 1. Oktober eine Höchftzahl von 100 Wasserflugzeugen zum Ausspüren von Minen zu haben: nach diesem Talum darf Teulschland keine militärischen ober mari.imcn Luftstreit- träft? bi’lxüktt und innerhalb eines Abstandes wn 150 Kilometer von der d u scheu Grcnrze auch keine Flugzeuglagcr. Tie in diese Zone fallenden Flugplätze müssen abgebrockieu und der Boden muß umg^pflügt werden.
Tie Alliierten beschuldigen den srülcren deutschen Kaiser n chl eines J^eric' en 5 g gen d e S ra gesetze, sondern der em'ic e; V r klung der in ernationalcn Moral un) d.r Hei ig leit der Verträge 63 wird ein besonderer Gerichtshof eingesetzt werden, u n gegen i n tu ver'ahren. Die P r onen. bi? der Verletzung der ft.kg gesetze u:ib ftri g ge.rauche beschuldig? werden, werden vor alliierte Kriegigerichte gebracht werden.
BiszurvollständigenFeststellung der Forderungen der Mliierten muß Teutschtlaiird, eine Milliarde Pfund Sterling bezahlen. Ferner muß TeulschLand alldn Sdiabcn, der Zivilpersonen der Alliierten und deren Eigen-
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