Nr. 33 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
der
zu
Fortsetzung 61
Nachdruck verboten.
Berlin, 7. Febr. (WTB.) Heber die Frage Einberufung eines zweiten Reichskongresses der Arbeiter» und Soldatenräte fand im Zentral»
Die Berner Konferenz.
Bern, 7. Febr. (WTB.) Nachdem il a. in der Nachmiltagssihung der armenische Vertreter eine Ne
marken. Fleischkarten u. bergt gestohlen. Don dem Täter fehlt jede Spur. - Auf dem gestern hier an» gesetzten Lichtmetz-Schweinemarkt waren gar kein« Ferkel aufgetrieben, aber viele Kauflustige hatten sich eingefunden. Einige kauften von hiesigen Züchtern Jahr alte Ferkel, das Stück für 100 Mk.
0 Lich, 5. Febr. Die ersten Holzversteige- tungen im Stadtwald fanden diese Woche in den Diftnkten „Lange Buchen" und „Eisenkaute" statt. Aus der weiten Umgebung, sogar aus entlegenen Dörfern der Wetterau, hatten sich Käufer zahlreich eingefunden, was zu Preisen führte, wie sie hier noch nicht erzielt wurden. So kam Buchenscheitholz bis zu 73 Mk. das Meter; für Buchenknüppel wurden bis zu 50 Mk. und für 50 Wellen bis zu 40 Mk. bezahlt
# Rodheim, 7. Febr. Seinen 83. Geburtstag feierte dieser Tage der älteste Bewohner unseres Dorfes, Konrad Heinrich Reinhardt
** Wieseck, 7. Febr. Zu unserer vorgestrigen Notiz ivirb uns von Wieseck mit geteilt, haft bi« Tanzveranstaltungen unb Mas e teälte nicht von Wiesecker Burschen, sondern von Militärpersonen aus Gießen abgt halten werben, welch« Musil unb ihre Damen milbringen. Die Vcranstal. tungen sollen nur von wenig Wieseckerinnen besucht werben. Interessant ist, baß die Wiesecker Burschenschaft eme Protestversammlung abachalten hat, um dem ihr unliebsamen Treiben ein Ende bereiten.
schaute mit bisher ungekonntem Beifall, auf diesen außerordentlich ungestümen Liebhaber; beim er erkannte, daß Horace bisher leine Gelegenheit gehabt habe, zu zeigen, aus welchem Stoffe er gemacht sei. Wie konnte Galahad von d"m Manne — denn er war jetzt kein Knabe mehr — irgendwelches Interesse für eine Sache erwarten, die ihm als eine geringfügige und sinnlose Posse erschien?
Und war denn Horace eigentlich so viel zu verzeihen? Er hatte einen Irrtum begangen, aber er hatte ihn beizeiten eingesehen. Ms er entdeckte, daß seine Liebelei mit Sibyl nicht das Wahre sei, hatte er mit der grausamen Logik der Jugend unbekümmert die Vergangenheit ausge öscht und sich zu neuem Beginnen »orbereuet. Es schien dem Vater, als ob der Freier Kathie ernstlich liebe. An Kathies Liebe konnte kein Zweifel sein. Sie war eine Saite, die bei der leisesten Berührung erklang. Er wollte dieser Aufwallung Zeit lassen, sich wieder zu legen, und wenn sie sich nicht legte, wollte er es wagen. Außerdem war Die Sache schon geschehen. Er teilte Horace mit, daß es nicht eue. Oo Horace noch ein Jahr warten könnte?
Horace, höchst erleichtert, voll von Glückseligkeit, erklärte, zehn warten zu können, wenn er nur zum Schluß Käthie bekomme. Natürlich konnte er bei seinem gegenwärtigen „Salär" nicht heiraten, aber seine Geschastsaussichten waren gut, und er wollte sparen. Dem Later gefiel der Ernst des jungen
Ans Statt und Land.
Gießen, 8.Februar 1919.
— Sterblichkeit in Hessen. Daß in den letzten Zähren in unserem Lande im Gegensatz zu früher bi? Zahl der Todesfälle die der Geburten überstiegen hat, diesen Eindruck hat wohl jeder gehabt. Heber das Jahr 1917 gibt nun die neueste Nummer der Mitteilungen der Hessischen Zentral- stelle für die Landesstatistik (Beilage zur „Darmstädter Zeitung") eine Uebersicht, die sich auf die Zivilbevölkerung erstreckt Hiernach betrug im ge- nannten Jahr die Zahl der Geborenen 15 506, die der Gestorbenen 19 385, wovon 1815 im ersten Lebensjahr. Das Jahr 1916 hatte noch mit einem Ueberschuß der (BcHrcnen von 390 abgeschlossen. Die Säuglingssterblichkeit war im Fahr 1917 im Kreise Alsfeld mit 7,8 Prozent am geringsten, in Heppenheim a. d. B., Viernheim und Wimpfen mit 17 Prozent am größten, während der Durchschnitt für Hessen 11,3 Prozent betr gt. Auch der Kreis Mainz zeigt mit 15,5 Prozent sehr ungünstige Verhältnisse. Don den Gestorbenen haben 112 das Alter von 90 unb mehr Jahren erlebt, von denen nur 12 ledig waren. Februar und März brachten die meisten Todesfälle, wozu u. a die ungewöhnlich rauhe Witterung beitrug. Der beträchtliche lieber* schuß der Todesfälle über die Geburten ist zweifellos eine Folge der zunehmenden Unterernährung gewesen.
*♦ Die kälteste Temperatur dieses Jahres war in dieser Nacht zu verzeichnen. Das Thermometer sank bis auf —13,5°. Dabei war die vorherige Tagestempcratur von — 9,7° bis auf + 6,3° gestiegen. Die Kälte kommt gerade rn dem Augenblick wo in so ziemlich allen Haushaltungen- die Koblenvorräte zur Neige gehen und die Orts- kohlcnstellc die traurige Eröffnung machen muß, daß mit einer dritten Kohlencation nicht gerechnet werden kann. Wir verweisen auf den Artikel: Spart Kohlen.
•• Ortsgruppe des Deutschen Offizier- Bundes Am 6. Februar, 4 Uhr nachmittags, fand in den Räumen des Offizier-Kasinos eine Derfamm- lung aller interessierten Kreise zur Gründung einer Ortsgruppe des „Deutschen Offizier-Bundes" statt. Der Vertrauensmann des Bundes legte die Ziele und den Zweck des Bundes klar, der sich bekanntlich über ganz Deutschland erstreckt und die Interessen der im Offizierrang stehenden Personen (auch die der Offizier-Aspirauten) wahrnehmen wird. Einen Anschluß an irgend eine politische Partei lehnt der D. O.-B., der selbstverständlich auf vaterländischem Boden steht, ab. Der größte Teil der Versammlung erklärte sofort ohne Aussprache seinen Beitritt. 3n den vorläufigen Vorstand wurden gewählt: Oberst a. D. Mohr, Hessenstraße, Frau verw. Oberstleutnant Graßmann, Hauptmann d. Res. a. D. Trani er, Leu'uant Seiger.
" Die Aliceschule beginnt das Sommerhalbjahr mit den Kursen und der Haushaltungsschule am 11. März: nur die Lehrerinnenseminare fangen das neue Schuljahr nm 23. April an, da Mitte März erst die staatlich?« Abgangsprüfungen stattfinden. Anmel- düngen sind für die Haushaltungsschule bis 1. März, für die Seminare schon bis 15. Februar zu erstatten. (Siehe Anzeige.)
** Schwarz - Weiß - Lichtspiele. Don heute bis Montag tritt Rolf ßoer als Detektiv Phanto- mas in dem Detektiv-Drama „Das Glück von ßm* benberg" auf.
Landkreis Gießen.
Ter Wagen hielt am Lieferantencingange von Herrn Brachs Hause, und beide fliegen aus.
„Sehen Sie diesen Hammelsbug?" sagte der Fleischer, indem er die Rückseite des Wagens öffnete. Sorgfältig machte er an einer Stelle einen Einschnitt und schob ein kleines znsammengefaltetes Papier hinein.
,.So schicke ich ihr meine Liebesbriefe," erklärte er triumphierend. „Sie weiß, wo sie danach zu suchen hat, und roerm sie auch ein bißchen schmutzig von außen sind: Je näher den Knochen, desto süßer die Gefühle, Ivie man zu sagen pflegt. Na, wenn Sie nun eine Nachricht an Ihr „Schätzchen" kritzeln wollen und die Adresse darauf schreiben, will ich Annie bitten, daß sie es abgibt, und will es in mein Billeduh hineinstecken. Und Sie kön- nen Ihr Hemde verwetten, Herr, daß Annie es ihr irgendwie zustecken wird."
Der Zettel war bald geschrieben, und Galahad sah ihn in einem Hammelsbug sicher befördert.
Nach der Geschwindigkeit zu urteilen, mit der der Fleischer zurückkam, war es augenscheinlich, daß die Reihe an der Dürren war, den Dienst an der Hintertür zu tun.
Vie waffcnftWandrverhandlimgen.
Berlin, 7. Febr. (WTB.) Sitzungsbericht der Waffenstillstandskommission in Span vom 6. Februar. Die deutsche Kommission ersuchte die zUhierten um Mitteilung, ob mit einer Verlängerung des Waffenstillstandes bis zum Vorsriedcns.chluk gerechnet weroen könne. Sollten die alliierten Regierungen hierzu nicht bereit sein, so werde gebeten, mit den neuen Verhandlungen nicht später als am 12. Februar zu beginnen. Es liege im beiderseitigen Interesse, daß für die notwendigen Besprechungen hinreichend Zeit zur Verfügung stehe. Außerdem werde infolge des AufeMhalts der deutschen Regierung in Weimar bet Rückfragen erheblich längere Zeit nötig sein, als bei den letzten Verfandlungen. (General N u d a n t teilte mit, daß die zur Herstellung der landwirtschaftlichen Maschinen notwendigen Roh- und Hilfsstoffe vom linksrheinischen nach dem rechtsrheinischen Gebiet ausg- führt werden könnten. Saarkohle könne die Entente nur im Umfange des Luxemlmrger Abkommens nach dem rech, en Rheinufer liefern. Gesuche, Rohstoffe und Halbfabrikate von dem rechtsrheinischen nach dem linksrheinischen Gebiet entführen zu dürfen, seien an das Comitä Economiaue Jntefirllis in Luxemburg zu richten. General siiudant hatte in einer der früheren Sitzungen gebeten, den in Deutschland befindlichen elsaß-lothringischen Soldaten den Bfiefvcrkehr mit den Angehörigen zu erleichtern. Die deutsche Kommission teilte hfitte mit, daß d utscherseits diesem Bri-f verkehr keinerlei Hinder- irisse in den Weg gelegt werden. An den Verzögerungen in der Postbefördening nach und von Elsaß-Lothrrngeu ist nur die französische Sperre schuld Alle deutschen Bevölkerung lassen leiden unter dieser Absperrung. Die deutsche Regierung sei nicht in_ der Lage, entern kleinen Tnl von Reichsmaehörigen Vergünstiiungen zu gewähren. Den elsaß-lothringischen Soldaten könnten Erleichterungen im Briefverkehr mir zugestanden werden, wenn alle Reichsang hörigen von ihnen Gebrauch machen könnten. Das Verlangen Fochs, die in Südrußland befindlichen elsaß- lothringischen Soldaten vor allen an- deren dort stehenden deutschen Truppenteilen zurückzubefördern, war, wie bekannt, deutscherseits abgelehnt worden. Marschall Fo ch ließ heute mitteilen, er halte seine Forderung aufrecht urck drohe, falls ihr nicht Folge gegeben werde, mit zeitweiser Unterbretbung d_s lxwilligten Abtransportes der deutschen Truppen aus dem Schnarzmeergebiet.
Im Auftrage der deutschen Regierung hat die deutsche Kommission gegen den Ausdruck in einer Note bet Alliierten Verwahrung eingelegt, daß Deutschland den Krieg gewollt hervorg^rufen habe. Die deutsche Regierung habe wiederholt erklärt, sie sei bereit, aus dem Friedenskongreß die Schuld- frage im weitestgehenden Sinne zu erörtern. Der Vorsitzende der interalliierten Waffenstillstands- kommission werde ersucht, Anweisung zu geben, daß solche Fragen künftighin nicht mehr in den Noten der W^s ensticksta ds Emission angrschnit- ten werden. General Nudant beschränkte sich darauf, von diesem Protest Kenntnis zu nehmen Die deutsche Kommission hat die Alliierten um Aufklärung ersucht, weshalb Zahlungen von dem besetzten nach dem unbesetzten Gebiet nickt mehr geleistet werden dürfen. Falls diese Maßnahme nicht aufgehoben werde, würden sich die Fabriken im unbesetzten Deutschland genötigt sehen, ihre Lieferungen nach dem besetzten Gebiet einzustellen.
Die Entente wurde deutscherseits ferner gebeten, zur Auszahlung der deutschen Entschädigung an die spanische Regierung ihre Zustimmung zu geben, die für eine versenkte spanische Fischerbark bezahlt werden muß. — Das an Ädmtral Browning geriete Ersuchen um Fahrgench- migung für deutsche Kohlendampfer nach Danzrg und Königsberg ist abgelehnt worden. Die See- ftnilräftc der Entente haben Anweisung erhalten, solche Kohlendampfer zu kapern. Tatsäch.ich fahren nur diejenigen Kohlendamp'ec, die gemäß dem Abkommen der Waftensttcksta.tdstommission für de.i Transport von Truppen und Kriegsmaterial ge- nehmigt worden sind. Die Entente unterbindet einerseits die Kohle iversorgung Ostdeutschlands und verlangt anderseits Avw.hrmaßnahmen gegen den Bolschewismus, den Bahntransport der Lebensmittel nach Polen und Schutztrupxn für diese Lebensmitteltransporte. Die Durchführung biefer Forderungen ist natürlich nur möglich, wenn der absolute Kohlenmangel im Osten durch Freigabe der Küstenschiffahrt für Kohlenscndungen fo ort behoben wird. In diesem Si ine überreichte die deutsche Waffenstillstands.ommissiou in Spaa eine Note zur Weitergabe an die alliierte Kriegsleitung.
Letzte Nachrichten.
Die Bildung der neuen Regierung.
Berlin, 8. Febr. lieber die Teilnahme an der Regierung verständigten sich laut „Berl. Lok- Anzeiger" die Mehrheitssozialisten und Demokraten enbgühig. Auch das Zentrum sei zu diesen Beratungen zusammengetreten, wobei eine völlige Uebereinstimmung der drei Parteien erzielt worden sei.
Das Zentrum hatte der „Vossischen Zeitung" zufolge schon bestimmte Forderungen für die endgültige Verfassung angemeldet, so z. B., daß die Trennung von Staat und Kirche in der Verfassung ausdrücklich ausgeschlossen werden müsse.
Bei der Beratung der Zentrumsfiaktion am Mittwoch über die Teilnahme des Zentrums an der Regierung stellte sich, wie die.,Germania" schreibt- heraus, daß eine eryebliche Minderheit entschieden aus dein Standpunkt stehe, daß das Zentrum eine Mitverantwortung für die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse seit dem 9. November und für den bevorstehenden wirtschaftlichen Zusammenbruch, der ganz allgemein befürchtet werde, nicht übernehmen könne. Die Sozialdemokratie habe durch ihre jahrelange negative Politik und ihre verletzende und verhetzende Agitation den Zusammenbruch unseres Heeres herbeigeführt und die politische Gesinnung der Volksmassen vergiftet. Wenn das Zentrum trotz seiner schweren Bedenken eine Beteiligung an der Regierung schließlich nicht ablehnen sollte, so würden hierfür allein die wichtigen vaterländischen Interessen maßgebend sein. — Nachfolger Davids im Fraktionsvorstand der Sozialdemokraten wurde, wie verschiedene Blätter melden, Hoch.
Die Schriftführer
der deutschen Nationalversammlung.
Weimar, 7. Febr. (WTB.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurden folgende Abgeordneten zu Schriftführern gewählt: Richard Fischer-Berlin (SZ, Dr. Neumann-Hofer räemofr.), Stücklen (S.), Dr. Pfeiffer (Z.), Adolf Kenrpke (Deutsche Vpt.), Boltz (Z.), Maltervitsch (deutsch-nat.), Frau Agnes (Unaoh. S.).
Der GründnngSplon einer Republik Nordwest-Dentschland.
Hannover, 7. Febr. (WTB.) Der Zenttalrat der Arbeiter- und Soldatenräte Hannover faßte den Beschluß, der Einladung der Braunschweiger Landesregierung und des Aibetter- und Soldatenrats Braun- schweig zu dem Kongreß auf den 9. und 10. Februar nach Braunschweig zwecks Gründung einer Volks- republik Nordwest-Deutschland keine Folge zu leisten. Er empfiehlt auch den übrigen Arbeiter- und Soldatenräten im Korpsbereich, den Kongreß nicht zu besuchen. Der Zenttalrat Hannover proteftiert gegen die von oer Braunschweigischen Landesregierung beabsichtigte Gründung einer Bundesrepublik Nord- west-Deuffchland, da diejSchaffung von einzelftaatlichen Freistaaten nur der Nationalversammlung vorbe- halten sei.
Die Arbeiter- und Soldateuräte.
Kreis Büoingrn.
A Nidda, 6. Febr. Gestern abend erschoß sich hier in seinem Quartier der Artillerist Peter Neu- bert aus Mühlheim a. M. Er war auf dem Ab- teilungsbureau des hier einquartierten Feld-Art.» Regts. Nr. 25 beschäftigt. Die Ursache des Selbst- morbes soll Liebeskummer sein. — In der Gastwirtschaft zum Gambrinus hier wurden der Besitzerin, Witwe Svwalni, 1000 Mk. und mehrere Reife-Brot-
As wiätrjimit Mnteutt Üti Hm»
-MW JcllcS.
Roman von H. A. Adams.
rat eine vorläufige Erörterung statt, die in der .nächsten Woche fortgesetzt werden soll. Eine Reihe Beschwerden hat Erledigung gefunden. Demnächst soll die Frage der Organisation und Neuwerbung von freiwilligen Truppen in ihrer einheitlichen Gestaltung mit den zuständigen Stellen besprochen werden.
Die Kampftage im Osten.
R a w i t s ch, 7. Febr. (WTB) Der Deutsche Volksrat veröffentlicht folgenden Gefechtsbericht tc3 Abschnittskommandeurs: Am 6 Febr. um 5 Uhr nachm. griff der Feind Friedrichsweiler erneut an. Durch die Volkswehr Friedt ichsweilers und Teile der Garnisonkompagnie Rawitsch wurde er abgewiesen. Es gelang ihm nur, den Kirchhof zu besetzen. Abends beschossen wir den sehr lebhaften feindlichen Verkehr bei.Gründorf und Wy- damy. Die Nacht war ruhig. Am Vormi tag des 7. Febr. gingen Jäger mit Begleitbatterien, die Sarner Bürgerwehr und Piomeve unter kräftiger Unterstützung der übrigen Artillerie zum Slngriff auf Sarne vor. Kirchhof Friedrichsweiler, Karlsruhe und Vorwerk Foluß wurde genommen. Um 12 Uhr mittags war die Stadt Sarne und Sar- nowko wieder in unserer Hand. Die beiden aus Lissa zur Unterstützung geschickten Panzerzüge haben hervorragenden Anleü an der Wieder-
„Es ist heiß, als ob von der Hä le per Deckel weg wäre," bemerkte der Fleischer, indem er sich mit der blaubebänderten Schürze das Gesicht abwischte. „Ich nehme an, daß Ih ren eine F.chrgelegenh?it nachher Straßenbahn zurück nicht unangenehm wäre, Herr?"
Und Galahad kletterte wieder auf seinen unsicheren und schlüpfrigen Sitz auf dem Wagen. Sobald sie die Stadt erreicht hatten, begab sich Galahad schweißtriefend imch Bloughs Geschäft. Horace empfing seinen zukünftigen Schwiegervater mit Ehrerbietuna unb führte ihn ein wenig früher als sonst zum Gabelfrühstück nach dem Teehause. Und in der künstlichen Glyzrnienlaube halten die beiden die unvermeidliche, ernst-komische Unterredung zwischen dem Vater und dem Lieb- haber eines weiblichen Wesens. Nachdem der Liebhaber mit des Vaters Eigentum davon- aelaufen ist, fragt er den Eigentümer des unschätzbaren Juwels um die Erlaubnis, es behalten zu dürfen. Und der Eigentümer, der jetzt erst erfährt, daß er heimlich des Dinges beraubt worden ist, das er über alles schätzt, willigt großmütig in diese unverschämte Räuberei. Und beide sind sehr ernst und sehr höflich. Der Einbrecher tut, als ob er den Raub noch nicht ganz sicher fortgebracht hätte, und der Vater macht nach einigem Besinnen dem Dieb ein Geschenk aus seinem gestohlenen Gute. ,
In diesem Falle gab es keinen Zweifel an des Einbrechers Ehrlichkeit, Und Galahad
Samstag, 8. gevruar 1919
solution für Errichtung eines unabhängigen Armeniens eingebracht hatte, Karn Renaudel auf die ellaß-lothringischc Frage zu sprechen. Der jebigt Friede breche den Frieden von Frankfurt. Die Altdeutschen verlangten das Pelbiszit, um Agitation betreiben zu können. Die über die territorialen Fragen vorliegende Resolution sei hinsichtlich des Plebiszit» zu scharf gehalten. Sie laste den Betroffenen keinerlei Möglichkeit, ihrerseits Bedingungen zu stellen. Das Plebiszit komme in den Wahlen zum Ausdruck. Der Redner bespricht dann noch die deutsche Resolution betr. das linke Rheinufer und das Saarbeckcn und erklärt unter stürmischen Beifall der Versammlung, daß die fianzösijche Sozialdemokratie sich jeder Annexion, ausgenommen der von Elsaß-Lothringen, widersehe. - Dranting nimmt bas Wort und erklärt, daß morgen über die Resolution bett, die territorialen Fragen abgestimmt werden soll.
Beratungen des Parifir KricgSrateS.
Bern, 7. Febr. (WTB.) 3n der heute im Ministerium des Aeußern in Paris stattfindenden Sitzung des obersten alliierten Kriegsrate soll die Frage der mobil zu erhaltenden Effektivstärke bei verschie- denen Armeen der Entente, ferner auch die Frage der Bedingungen bei (Erneuerung des Waffenstillstandes erörtert werden.
Dic Erschießung von russischen Großfürsten-
Haag, 7. Febr. Die „Times" berichtet aus Hestingfors: Es sind jetzt die ersten genaueren Nachrichten über die Erschießung von vier russischen Großfürsten eingetroffen. Sie wurden am 28. Ian. im Hofe des Gefängnisses Deriobinsk, einer Dorstadt Petersburgs, erschossen, gleichzeitig mit 172 anderen Personen, darunter 28 Frauen, die von den bostche wistischen Behörden der Teilnahme an der sogenannten französisch-englischen Organisation beschuldigt wurden. Großfürst Michaelowitsch war so krank vor Hunger, daß er auf einer Bahre in den Gefängnishof getragen werden mußte. Er wurde auf der Bahre erschoffen. Die Erschließung erfolgte bei 17 Grad Kälte am frühen Morgen durch eine Abteilung Matrosen unb Chinesen.
Japanische Flottenriistnug.
Amsterdam, 7. Febr. (WV.) Nach einer Meldung des „Daily Ehronicle^ meldet der Exchange Telegraph Company, daß Japan im Juni und Oktober je ein Schlachtschiff von 40000 Tonnen vom Stapel laste. Mit dem Bau von zwei weiteren Schlachtschiffen dieser Kategorie werde demnächst begonnen.
Amerika unb die Freiheit der Meere.
Amsterdam,?. Febr. (WTB.) Der „Mor- ntng Post" zufolge haben Wilson und seine Mit arbeitet dic amerikanische Auffasftung von der Freiheit der Meere, die der Fricdenskonjerenz unterbreitet werden soll, folgen dermaßen formuliert: 1. Keine Nation soll eine so große Flotte besitzen, daß sie imstande wäre, die Kontrolle über die Meere allein auszuüben. 2. Die Kriegsregeln sollen während eines sirieges nicht geändert werden. 3. Dre Nation, gleichviel, ob kriegführend ober neutral, soll für die Einhaltung der zur See geltenden Regeln in Kriegszeiten streng verantwortlich gemacht werden. 1. Der Begriff Bannware soll in Fricdenszeiten genau bestimmt werden, und kein neutrales Land soll Bannware verschiffen, noch sollen Schiffe neutraler Länder vrr suchen, eine von einem kriegführenden La'.'.de er richtete Blockade zu brechen. 5. Die Benutz! ng von U-Booten soll eingeschränkt werden oder >wch bes ser ganz verboten werden.
Ein Kasfenraub.
Berlin, 8. Febr. Wie dem „Berliner Lokal- Anzeiger" gemeldet wird, drangen in Beuel bei Bonn gestern mittag drei Männer, darunter einer in britischer Soldatenuniform, in die Zweigstelle der Kreissparkasse ein, bedrohten die drei Kastenbeamten mit einem Revolver, fistelten sie und raubten den Bestand der Kaste mit 108000 Mark. Die Räuber sind entkommen.
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Universität Frankfurt a. M.
Mannes. Er sah ihn nun als einen wirklichen Mairn cm, der nmgewandelt ivar durch die Flamme der Liebe, ernst gestimmt durch die 2ih unq neuer Terantw rt ichkeiten. Er koni te ferne Käthie Horace anvertrauen.
Nachdem dies nebst dem Gabelfrühstück erledigt mar, erwähnte Horace Sibyls Namen. Er war froh, daß Galahad nun einsehen mußte, wie sck>wer es gewesen nxtr, diese peinliche Posse fortzuführen, wie unmöglich es war, die Tragödie der Täuschung fortzusetzen.
Aber er hatte nicht mit dem unheilbaren Rimantiker gerechnet, der fein 'Schwieger^ Vater werden sollte.
„Natürlich sehe ich jetzt alles ein," antwortete Galahad. „Ich erkenne Ihr Widerstreben als berechtigt an: aber Sie müssen Sibyl noch einmal aufsuck)en."
„Das! Wenn ich doch Käthie heiraten will — wenn Sie wissen, daß wir uns lieben**'
„Sie werden einfcljen, wie notwendig es ist, wenn ich Ihnen alles erzähle," sagte Galahad.
Und er erzählte Horace von Sibyls drei Wochen, von dem kurzen kleinen Leben, das so unaufhaltsam, so eilig verrann.
„Deshalb war es also! Sterben muß sie . . Armes Mädels' murmelte er, wvV dann mit schwerem Aufatme.t: „Wenn es Käthie gewesen wäre!"
(Fortsetzung folgt.)


