Samstag, 7. Ml 1919
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesien)
Zweites Blatt
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Was sind mm diese wunderlichen Pfingst- Nnwuen, mit denen sich eine Unzahl von Braunen verbindet? Es falb uralte G) eifter, utc pit dem Fruchtbarkeits- und Wachstumsglauben, siii Re^enzauber und Quellenverehrüng zusam- «rnhängen. Die Lanbverlleidung, in der sie auf- lrelen, ist auch den Dämonen verschiedener Natnr- " t;HCd, und zweifellos reicht die Entstehung Gestalten in die Urzeit der primitiven
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Lenz
kftrcwerndrn: > M iu. ml 1919.
J» LUM. uhr, vom trauer- vkr. L auS ftan.
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Pfingstgeister.
Im deutschen Pfingstbrauch taucht eine Fülle heimnisvoller Gestalten auf, die mit den Veristen Namen belegt werden. Da kennt .... ... ^.jüringen den Grünen Mann oder das 'aubmännd)en, im Erzgebirge den Wilden Mann, n Elsaß das Pfingstllötzei, in Bayern das iftngftl, in Schwaben den Latzmann, in Schlesien tn Rauchfieß; in anderen Gegenden wieder heißen ’iese Pfingstgeister Fischermeier, Psingstbutz, ■' ” ?, Pfingstpflitterr, Wasser
chon bis zur Antwort des Amtes verloren geht, ist erstaunlich. Tann aber wickelt sich eine Kette von Irrtümern und falschen Verbindungen ab, man gerät auf falsche Nummern und fremde Leitungen. Ha tman aber glücklich ein Gespräch zu Ende geführt, so vergißt das Amt die Verbindung zu trennen und man stellt bis zur Verzweiflung est, daß man immer noch mit dem alten Ge- prächsteiluchmer verbunden ist.
Es ist dies ein so gerüttelt Maß von Klagen- und Wünschen, daß man nunmehr von der Leitung« des Telegraphenamtes ernsttich Abhilfe erwarten muß. Die Post ist schließlich immer noch em Organ das im Dienste des öffentlichen Verkehrs steht und das daher die Interessen des Publikums wett- gehenst zu berücksichtigen hat.
Aus dem Amtsverkündigungsbiatt.
** Das Amtsverkündigungsblattk Nr. 41 vom 6. Juni enthält: Abänderung des Gesetzes über Kapitalobfaidung. — Aufruf des Rnchs- ernährungsministeriums an die deutschen Land-- wirte. — Sonntagsruhe und wechselnder Naück- dienst tn den Apotheken zu Gießen. — Arbeitslosigkeit in der Tabakindustrie. — Dienftnachnchteu des
altgermanischen Frühlingsgottheit, trn der wir in dem bei Tacitus geschilderten Ner- th»!sfest hören. Ter Mailönig wurde im Mittel- "libr von den Dorfburschen aus ihrem Kreise gefühlt, mit frischem Grün umhüllt und in seier- I’tftem Zuge ins Dorf gebracht. Ihm zur Seite Heben seine Diener, z. B. Koch und Kellermeister einr Oberst, Rittmeister und Fähnrich. Als diese dritte auch in die Städte Eingang fand, bildete fe r Einzug des Maigrasen den Mittelpunkt des 2'singstsestes, wie eö Don den mittelalterlichen S'tiailbai in den niederdeutschen Städten ge-
Mife tm allgemeinen nicht auch zu einer vcrao- torta der Fleischpoerse führen, weil die erhebliche Steigerung der Unkosten des Metzgergewerl^s dies nicht zuließ. Die Schwierigkeiten in der Much- Mad Lutterverforgung sind, abgesehen von Den »Auswüchsen der Schleichversorgung, auf die un- lyhinbe Preissteigerung für Futtermittel und den «Mangel an Kraftfutter zurückzuführen. Eine ■Steigerung der Produktion wird erst dann zu ■erwarten sein, wenn die Futterpreise zurückgehen Ittiib ausländisches Kraftfutter eingeführt wird Much die Eiererzeugung ist durch den Futtermangel lurgintftig beeinflußt. Der Zuführung von Flersch- Hkonserven und Nährpasten hat die Preisprüfungs- Atzrlle sich mit gutem Grund entgegen gestellt, weil Ibic Uebervorteilung der Verbraucher durch hohe «Pveise Und mangelhafte Qualität sich sonst in DLberhessen auf Himderttausende beziffert hätte.
1 Aehnlicke Aufklärungen wurden gegeben über D «ußerordenlliche und unberechtigte Preissteigerun- v pn für notwendige Bedarfsartikel und Haus- ue, wobei der Jahresbericht sich über die Auswüchse im Trödel-
barkeitsgcist wird er charakterisiert dadurch, daß er mit einem grünenden Zweig, der „Lebens- rute", Schläge austeilt.
Ter Zusammenhang der Gestalt mit der Quellenverehrung und dem Regenzauber offenbart sich in den Wasserbräuchen. Der „Pfingstl" in Bayern ist mit Wasserblumen und Schilf bekleidet; er wird mit Wasser begossen, in einen Fluß geworfen oder auch in einen Brunnen getaucht Dieses sehr derb und gründlich auSgeführte Bad des Geistes ist ein Symbol für das reichliche Nah, mit dem die Fluren durch den fliegen getränkt werden sollen. Zuweilen erscheint der Geist auch in Stroh oder welkes Laub gehüllt und mit Ruß oder schwarzer Farbe bestrichen. Hier stellt der Psingstgeist den Winter dar, dem der Frühling bat Garaus macht, gerade so wie in der Sitte des Todaustragens. An manche Orten wird der Pfingstgeist mit einer gewissen Feierlichkeit hm- gerichtet oder „geköpft". Durch diese sinnbildliche Handlung soll die in ihm wohnende Zauberkraft befreit und wirksam gemacht werden. Während es frücher und. vereinzelt wohl auch noch letzt als Ehre galt, den Pfingstgeist darzustellen, wurde dies später, wohl wegen der damit oerbunbenen Unbequemlichkeiten, als Straft aufgefaßt, und derjenige, der am Pftngstmorgen zuletzt aussmnd oder beim Wettreit en und Wettlaufen als letzter ankam, wurde zu diesem Amt ausersehen.
Der Pfingstbaum.
Wie zur lWeihnachts-eit die Tanne ober einer der beiden anderen unserer drei verbreitetsten Joa» beibäume der Gegenstand eines luiingen Baum- kultus ist, so hat „Pfingsten, bad liebliche Fest sich die Birke, allgemein a t e genannt, erkoren, um den festlich gesäuberten Wvhnraumen durch sie den duftenden Schmuck der nun wieder voll erwachten Matur zu mwleihen, oder, zu ^den Seiten der Haustür aufgepflanzt, die engen Woh- mmg an die allgemeine und gemeinsame Hemmt, dft Nichrr, assUÜlLpLen
punkt der Tätigkeit der Prersprüflmgsstelle sich im Lauft der Zett immer irrehr auf dre Ueberwach ung des Handels und Verkehrs und auf die Erstattung von .Gutachten für . Gerichte und Verwaltungsbehörden , sowie mir die Vornahme von Geschä f t srevi- sionen gelegt habe, während die Sitznngstatig- , feit zurückgetreten fei. Hierdurch wurde bedingt, , baß die PwisprüfungSstelle nach außen hin wenig hervortrat. Welchen Umfang die Gutachtertütigtett im Jahre 1918 erreicht hatte, wurde an einer Reihe von Beispielen nachgewiesen, die mit dem Jahresbericht demnächst in Druck erscheinen wird. Beispielsweise sind über ben Verkehr mit Getreide, Mehl, Kartoffeln usw. 212 Sackxn über Preisbildung. 158 Sachen über Unvostenoerechmmg und 56 Sachen gegen Schleichhandel, auf dem Gebiet der Versorgung mit Fleisch und Vieh, Milch und Butter, Eier, Geflügel usw. 281 Sachen über Preisbildung, 211 Sachen über Unkostenbevechmmg und 207 Sachen Legen bat SÄrickchandel bearbeitet worden. Außer den Lebensmitteln sind auch die Gegenstände des täglichen LebenSbeoarss in erhöhtem Maße kontrolliert worden. Sv wurden rund 500 Sachen über Preis biKmng, 292 Sachen über ,UnMtenberatnung und 274 Sacksen »ur Bekämpfung des Schleichhandels bearbeitet. Auf Veranlassung der Preisprüfungsstelle fand eine große Zahl mm Reviswnen in den Landgemeinden und in den Städten bet Provinz statt. Davon wurden durch das Personal und Vertrauensleute der Pre^- Prüfungsstelle in LebensmittelangkLegenhettmi .96 Fälle in den Landgemeinden und 30 Fälle M Städten untersucht, während bei Gegenständen des täglichen Lebensbedarfs in Landbezirftn 52 Rev^- f tonen und in Städten 70 Revisionen durch btc Preis Prüfungsstelle selbst vovgLnommen wurden.
Die Tätigkeit der Preisprüfungsstelle bei der Bekam p fu n g des Kriegswuchers verteüt sich auf die einzelnen Krrite der Provinz etwa.folgendermaßen: Kreis Alsfeld 67 StraftmziAen, Kreis Büdingen 96, Kreis Friedberg 82, Kreis Gießeir 66, Kreis Lauterbach 26, Kieis Schottensl. Nachweislich wurden durch Mitwirkung der Preisprüsungsstelle 5 56Be- strasungeninOberhessenerzielt. Trese Zahl bildet jebod) mir einen Teil der Geiamtheit der Strafurteile auf biefem Gebiet, weil nicht alle Ergebnisse zur Kenntnis der ,P. P. O. gelangen. Tie Bedeutung und der Einfluß der Wirssanchett der Preisprüfungsstelle war unpetftnnbar -ehr groß und nnrrbe auch durch die Strafverfolgwigs- behörden anerßanni. Durch die TLtigi'ett der P. P. O. wurde die Provinz Oberhesftn vor manchm wirtschaftlichen Schaden bewahrt und konnte ftch verhältnismäßig gut geregelter und erträglicher Preise Vrfveuen. Der vvlkswirtsck-aftliche Nutzen, der durch die Bekämpfung des sck^vnickri hosten Kettenharttdels mit minderwertigen Waren für i>te Provinz entftanben ist, kann allein für emzrine Artikel auf viele hunderttausende von Mark be
wachsen, denn bei der sckpmerigen Umwandelnng und Ueberldtung der Kriegswirtschaft in t» Friedenswirtschaft und bei dem notwendig werdenden Abbau der Preise können bearrtige Ueberwachürngs- stcllen nick« entbehrt werden. Gerade durch den Abbau der zentralen Zwangsbewrrtfchkchung torrb der Schwerpunkt der Aegrlung des WwtfchastS- lebens von den Reich^enttalsbellen noch den Pw- vinz- und BeziLkssbellen verlegt.
Nach den rnteressantsn Aufklarungar des Kreisamtmanns Walter machte Herr Eduard Krumm (Gießen) einige ergänzende Mitteilungen über die Erfahrungen aus seiner Gutachtertättgkett bei der Preisprüftmasstelle und hob besonders hervor, daß die P. P. O. durch ihre WirL'anike-it die Pi-ovinz vor großenr wirtschaftlichen Schaden bewahrt habe. Beispielsweise wäre allein bei einem einzigen Artikel von Waschmittel em SckM-en von 80 000 Mark entstanden, wenn die P. P. O. nicht den Vertrieb dieses Arttftls verhindert hätte. Bei einem anderen Artikel der Ersatzmittelbranche bezifferte Herr Krumm den Schaden auf rund 280 000 Mark. Er trat mit entschiedenen Worten für das Weiterbestehen und ben Ausbau der Preisprüfungsstelle ein.
Ter Vorsitzende, Geheimerat 11 finger, hob gleichfalls die vollswirtsckMftlickie Bedeutung der Provinzpreisprüfmigsstelle hervor und.würdigtt die von ihr geleistete Arbeit mit anerkennenden Worten für alle Beteiligten; auch er trat dafür ein, daß die P. P. O. wie bisher auch für die lieber» gangswirtschast bis auf weiteres bestehen bleiben müsse.
Kreisamtes. t w ,
Sonntagsruhe rn ben Apotheken zu Gießen. Das Ministerium des Innern hat hierüber folgende Anordnungen getroffen: Sämtliche Apotheken sind jeden Sonn- und gesetzlrckftn^ Feiertag bis 1 Uhr nachmittags offen ju halten. Von 1 Uhr nachmittags bis zum nächsten Vormtt- tag 7 Uhr dürfen zwei Apotheken geschlossen hiev' ben. Die diensthabende Apotheke darf um 9 Uhr abends schließen und hat für bie kommende Woche den Nachtdienst allein zu übernehmen. Für dre Bevölkerung muß diese Apotheke durch.Zrehen der Nachtglocke jederzeit zugänglich sein. Die Apothck^ haben an ihren Geschäften in auffälliger und auch zur Nachtzeit gut lesbarer Weise einen Aushang anzubringen, auf dem bie diensthabende Apothets «genau mit Angabe der Straße bezeichnet ift Den Zeitweisen Schluß ihrer Apotheken haben dre Apo- theker wöchentlich durch Veröffentlichung zur Kenntnis bet Bevölkerung zu bringen. Den Aerzten haben die Apotheker monatlich einmal eine Mtttellung zugehen zu lassen, aus der hervorgeht, wann dre ern- zelnen Apotheken der Bevölkerung zugänglrch smd.
Di en ft nachrichtendes Kreis am Les. Wilhelm Sack VI. wurde am 30. Mar d. Js. als Polizeidiener von Heuchelheim, Karl Becker LL nntrbe am 3. Juni d. Js. als WiegemeUt-er fui Muschenheim eidlich verpflichtet.
tervorraryn stark entlastet. ,
Tas Verlangen der Poftbehörde, nach Anmeldung der GesmÄche bei Seite zu treten, ift bei den beschränkten Verhältnissen unmöglich. Tas Publikum konnte sich nur an die gegenüber» liegenden Schalter ober aber -— auf die Straße begeben.
Die einzige MöglftAeit %ur Abhilft ift eine schnellere Abserttgung und hierzu ist etn für allemal ein Fern sprech« pparak erftr- derlich, der ja nicht gerade innerhalb der Schalter- täume zu stehen braucht. Er könnte sicher im Flur des Postgebäudes unterge&radftt werden und würde den Draht nach den umliegenden Ortschaften erheblich entlasten. ,
Für den Verkehr vor den Schaltern wäre es außerdem zweckmäßig, wenn die Schilder an den Schaltern so hoch gehängt würden, daß sre von den Davorstehenden nicht verdeckt werden.
Wenn die Verzögerungen im Telegrammverkehr mit der vierfachen Belastung gegenüber der FriedensMt erklärt werden, so ift
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Zum Post- und Telegraphenverkehr in Gießen.
Tie Ausführungen des Telegraphenamtes zu den Beschwerden über Mißstände im Post- und Telegraphenverkehr Gießen hoben wenig Anerkennung gesunden. Erneute Zuschriften sind der Ansickst, daß Verbesftrungen mit gutem Willen der Behörde trotzdem leicht durchgeführt werden können, wenn auch das Hauptpostgebäude den vermehrten Ansprüchen nicht mehr in jeder Weise gewachsen sein kann.
Ter angebliche Mangel an technisch ausgebildeten Beamten muß stark bezweiftlt werden. Tie Zeit von der Demobilisation bis heute war lang genug, um tüchtige Beamte heranzubilden, wenn die Poftbehörde mehr geeignete Leute eingestellt oder wenn sie solche aus anderen • Standen herausgenommen hätte.
Es roirb anerkannt, daß bie Hilfskräfte sich bie größte Mühe geben, das Publikum abzuserttgen. Aber es fehlt an praktischer Einteilung. Ein einziger Beamter zur Abnahme der Telephvn- und Telegrammangelegenheiten .ift tatsächlich zu wenig und vermag den Verkchr nicht zu bewältigen. Es müßte daher unbedingt ein weiterer Schalter zu diesem Zwecke eingeschoben werden. Der Andrang von etwa 50 Personen könnte sich dann auf zwei Schalter in dieser Ecke verteilen.
Ein Schalter könnte dadurch gewonnen werden, daß bie Rentenauszahlung etwa in den Paketaufgaberaum bet Hauptpost verlegt würde. Tamil würde auch der Verkehr am Schal-
Gottesdienst am Montag, 9. Juni (2. Pfingstfeiert.). Evangelische Gemeinde.
In der S t a d t k i t ch e. 8: Siehe Johannes- kirche; 9y2: Pfr. Mahr. — JnderJohannes^ kirche. 8: Pft. Ausfeld; 9Vz: Pfr. Bechtolshei- mer. Beichte U. hl. Abendm. f. Luk.- u. Joh.-Gem.; lli/i: Kinderk. f. d. Luk.-Gem. Pft. BechtolShei- mer. — Kitchberg. Vorm.: 10.
Kalholische Gemeinde.
6y2: Beichtgel.; 7: Hl. Messe; 8: Aust. d. Hk. Komm.; 9: Hochamt m. Pred.; 11: Sl. Messe itl Pred.; 2: Festand. m. Segen. Samstag, nachm. 5 u. abds. 8: Beichtgrl. — Diaspora-Gottesdienst am 9. Juni: Lich 9y2.
feiert wurde. Der Maigraf ritt an der Spitze der Gilden zu.Pfingsten ins freie Feld, too man einen neuen Maigrafen wählte, der diese Wurde das ganze Jahr behielt. Das Maigraiensest dauerte mit großem Prunk mehrere Tage und war meist mit einem Schützenfest verbunden. Als diese Feste in zn große lleppigkeft auSarteten, schritt die Obrigkeit dagegen ein, und so sind fte — mit Ausnahme der zu Pfingsten abgehaltenen Schützenseste — aus ben Mauern der Städte verschwunden und mit ihnen ein Stück alter romantischer Poesie. In ländlichen Formen aber, leben die im Mittelalter so ritterlich ausgestalteten Pfingstgeister im deutschen Volksglauben noch immer fort. Die geheimnisvolle mtb zauberhafte Herkunft dieser Frühlingsdämonen kommt noch in der Art zum Ausdruck, wie sie in manchen Gegenden im Walde gesucht werden. In Thüringen stellt man z. B. ben „Maikömg tn ein Laubgestell unb versteckt ihn un Busch. Die anbern Burschen suchen ihn dann und führen ihn ms Tors zum Pastor, zum Lehrer und Amtmann, bie raten müssen, wer darin ist. In seinem phan- tasttschen Aufputz von Laub, Blumen und anderem Grün wirb der Pfrngftgerst in großem Aufzug herumgeführt, bald setzt man ihn auf einen Schlitten, bann wieder auf einen Wagen.
Anderwärts wird ber „Pfingstböttl" in einer Schiebkarre gefahren oder er hat einen „Psmgst- esel" bei sich, den ein mit einem Bündel Heu beladener Bursche darstellt. Die Begleiter singen Lieder, unb es entwickeln sich ganze bramatlsche Wechselgespräche, wie sie uns z. B. von dem braun» schwcigisck>en „Fürstje-Mcier" erhalten ,uid. Die Kinder sammeln habet allerlei Gasen cm Veit- sckunknallen und Schellengelön liefern die Begle^ tung Tie dämonische Natur des Geistes wird durch Schellen, Rasseln, und Klingeln angedeutet, mit denen -er behängt ist. So tragt der „Pftugst- lümmel" im Schwarzwald vorn und leiten große Kichglocken, unb der „Pfiugstpflttteri ist mit rasselnden Schnecksngehäufen O Frucht
I ^Tätigkeitderpreirprüsungsstelleder Provinz Gberheffen.
Gießen, 6. JiMi.
Von jeher war die Birke in den Anschauungen des Volkes rin Bild der Gesundheit unb Fruchtbarkeit Heilkräftig waren ihre Blätter gegen Gicht, labend' ihr Saft, ihr Blut.. In maltchen Gegenden wird,iur Frühlingszeit bas Vieh, bannt eS gut gedeihe, mit Birftnruten ausgetrieben. Di« Raupen will man verjagen, tnbem man sie unter Hersagen eines entsprechenden sprucylrins mit Birkenrirten bedroht. Vielfach ist dne Virtt, bte ricentliche Frühlingszierde des Waldes, schon in aller Zeit besungen warben. Anzwliend macht uns ein altes Waldlied im Zwiegespräch mit dem Nutzen dieses Baumes bekannt. Der Srautigam. fragt an:
„Birke, Birke, des Waldes Zier,
Will Hochzcft machen. Brauch' viele Sachen, Was schenkst du mir?"
Sie schenkt ihm fteundlich> einen grünen ©traufr zum Hvchzritsschmaus, eine Rute, bie kommt bett Kindern zugute, einen Lesen raub, den führt mit Fleiß die junge Frau, einen Peitschenstiel, ben er schwenke über ber Rosse viel, zum Weinsatz einen Ast als Reif, schließlich den Wein selbst- ihr Blut, damit der Söräutigam Ruhe hat. Sie besitzt nur das nackte Leben. Doch Jener will Hvck>zeit machen, braucht viele Sachen, unb muß sie noch heizen sein Kämmerlein.
Nitt wenige Bäume sind denn auch in ber Tat in allen ihren Teilen so verwendbar wie die Birke. Ihre Nutzbarkeit vym Besen unb dr züchtigenden Ritte bis zum Kleiderschrank unb zur Schlittenkufe ist ungemein mannigfach 9tamcnt* lich das dichte, feine unb sehr Zähe Holz falber die verfcl'iebenste Verwendung. Als Mobelholz iso namentlich das trnrnmerig genxid-jene -öirtenboyf sehr gesucht Aus der Birte flletzt im «teil fm zuckerhaltiges Wasser. Aus bie.em durch verschiedene Behandlung und Zusatze em Honig- ober metartiges Gettank bereitet. O. K,
Tie Preisprüfirngsstelle ber Provinz Obcr- Mfcn hielt am Mittwoch nachmittag im Sitzungs- Vle ber Hanbelskammer ihre diesjährige H a u v t- ^rsammlung ab, die alle zahlreichen An- »sciiden überzeugte, wie notwendig diese Stelle m den zurückliegenden Monaten war unb em welch mlocnbiger Faktor sie auch in ber nächten lleber- «iigszeit bleiben muß. Nach einleitenben Worten 1L Vorsitzenden, Geheimerats LI finger, trugen ii beiden stellvertretenden Vorsitzenden, Professor T Kleber ger für ben wirtschaftlichen, Kreis- Eimann Walter für den vertvaltungsmäßigen tmb juristischen Teil, ihre Jahresberichte tot Ungeheure Schäden und Mißbrauche sind »c amtlich in unser gesamtes Wirtschaftsleben ein» tourten, und viele werden barum geneigt fein, zu Cßtrn, daß Instanzen wie bie Preisprüfungsstelle Sa Zwecke nicht erreicht hätten unb darum viel- .friiht entbehrlich wären. Das ift aber .ein so ober- ^iches unb grundfalsches Urteil, tote wenn man h faiipten wollte, die Polizei wäre überflüssig, weil ^ Diebstähle unb Straftaten so sehr zunehmen. c,.r Preiswachtdienst, so übertoältigenb der Strom bet Unmoral ist, ber in den Libern unseres Haw- dtsö- mid Wirtschaftslebens fließt, ist weit wich- ni-r als bie meisten Kriegsgesellschaften, und der tziat der Preisprüfungsstelle für die Provinz Ober» teilen steht in einem durchaus erträglichen Verhältnis zu ben bedeutungsvollen Aufgaben, bte «kt zu erfüllen find, unb zu den Schäden, vor taten diese Einrichtung die Allgemeinheit bewahrt. Der bellagenswerten Preisentwicklung, bie W Dr. Kleberger in seiner Wirtschaftsschau für fo Diele Lebensmtttel unb Bedarfsartikel feststellte, ftajib bie Preisprüfungsstelle recht häufig machtlos gijmüber, aber im allgemeinen hat sie doch mit at&tta Instanzen tatkräftig mttgewirkt, um viMchem Hebel zu steuern. Wir wissen, tote ber Schleichhandel bie besten Regeln imb Berorbnun- qpt über ben Hausen wirft, wie für bie meisten Volksgenossen unerschwinglich ivirb, was früher
zum 2eben unentbehrlich galt. Wahrend die Preiserhöhungen für Getreide, Mehl unb Brot jwi ihre natürliche Urfadje in Lohnsteigerungen Küb erhöhten Erzengungskosten fanden, machten sich in der Bewirtschaftung von Kartoffeln, Obst mb Gemüse die hohen Zwischenverdienfte der Aufkäufer und Kommissionäre störend und preis- flficemb bemerkbar. Zudem waren die Höchft- pr^se t«r Landes gern üsestelle für die Provinz (Meiieit, bie bekanntlich gemüfearm unb auf auswärtige Einfuhr angewiesen ift, praktisch Nicht durchführbar. Dem ungesetzlichen Verkehr , zu Vucherpreisen konnte unter diesen Verhältniffen ton unserer lokalen Stelle aus nicht begegnet prden. Auch beim Obst konnte der Schleich- ftutbel infolge her Knappheit, der geringen Ernte witb des Versagens einer Preisregelung in ben skvachbartkn preußischen Bezirken nicht wirksam I ^srßt meröen. Erfolgreich wirkte die Preisprü-
^«sstelle beim Handel mit Trockengut von den '■wnannten Artikeln, indem sie die Einsuh- , lUitg des Herkunftsnachweiszwanges erwirkte. Für •bie Fleischversorgung konnte bie Senkmrg der Vreh-
llnsaem schvem Fleischversorgung konnte die Senkmrg der Vieh- otben sind, bilte, .,trist im allgemeinen nicht auch zu einer Herab-
niä frühzeitig genug Vorkehrungen getrosten wurden. Rohmaterialien zum Ausbau neuer Leitungen hätten aus H-oeresbestänben rechtzeitig unb in so erheÄichcm Maße beantragt werden können, daß der W-riteu nickst unter Verkehrsstockung zu leiben brauchte. An Arbeitskräften bestand ebenfalls fein Mangel. Ter Fehler lag eben in dem Mangel einer zeelbewußten und rechtzritigen Organisation.
Falls die Schwierigkeit des Telegrammverkehrs durch Mangel an Leitungen und Apparaten vorläufig noch nicht behoben werden kann, so steht es i>cr QberpoftbehöiHe Darmstadt auf Bericht ihrer unteren Organe zu, durch Antrag beim Reichspostamt zu erwirken, daß mvmchttge Telegramme zu Verlobung, Geburtstag usw. vorläustg nicht mehr angenommen werden. Die Anzahl lote cher Telegramme mit nichtssagerümi Mitteilungen wird aus 40 Pro?, geschätzt.
Ferner muß der Militärbehörde anempfohlen werden, ihre 8.8.-Telegramme nicht ohne genaue Nachprüfung der Dringlichkeit auf ben Draht zu geben Vor ber Mobilmachung war von der Militärbehörde in anerkennenswerter Weise in diesem Sinne verfügt worden. Diese Verfügung scheint aber heute nicht mehr beachtet zu werden.
Daß Telegramme durch bie Poft versandt werben, ist fernerhin unbedingt abzuftellen. Ter Avparatefaal kann und muß ben Schalter- beamten diejenigen Leitungen bekannt geben, welche übermäßig besetzt sind, damit das Publikum davon Kenntnis erhält, und dem Aufgeber des Telegramms die Möglichkett gelassen wird, selbst zu prüfen, ob er dieses trotzdem aufgeben will, ober ob er es vorzieht, einen ebenso schnell be- förberten Eilbotenbrief aufzugeben, der ihm bie teueren V-Telegramme erspart. Daß Telegramme nach Frankfurt oder Darmstadt oder nach dem unbesetzten Rheinland oft 24 Stunden unb längere Zeit brauchen ift ein Zustand, der sich nicht rechtieriigen läßt.
Ein Wort sei in biefem Zusammenhang dem Telepho nver kehr innerhalb ber Stadt Gießen gewidmet. Die Zeit, die beim Anläuten allein
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PjFiP. I öllJilllow riMen wirtschaftlichen Vortvags von Prof. Kle- UT. ,,nh neuen § feiger einzugehen, fehlt hier leider ber Raum. me^'MKcrisamtmaam Walter, ber über die allge- "!ci t’röte Tätigkeit des geschäftsführMden Aussck)u>jes 9flrLnuniernelH!^ md über bie wirisck,»aftlick)e Lage der Pwomtz iberh -ssen berichtete, Wrte aus, daß ber Schwer-
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VÜchertisch.
— Bölkerfriede? Den Franzosen zur, Warnung. Von Arnold Steinmann-Buchcr. 23ew lag von Leonhard Simion Nf., Berlm W 57.
— Was man wissen muß vom Bol^ schewismus(Spattalismus).Nach authentischen Quellen bargestellt von Ernst Lindenou. Verlag von Kurt Stockhausen, Nürnberg. t
Airchliche Nachrichten. {
GottrsL-teust am Sonntag, L.Jun» (l.$füigftfe$at^j Evangelische Gemeinde.
Inder Stadtkirche. 8: Mahr, SM
Pft.-Ass. Schaefer. Beichte u. hl, Abendmahl für Matth.- u. Mark.-Gem.; 11*/*: Kinder! f. Matth. xl Mark.-Gern, gemrins. Pft-Ass. Schaefer. — 3» der Johanneskirche. 6: Pft. Bechtolshemxr.- 9i/8: Pft. Ausseld: 11: Kinderk. f. d. Jod.-Gern. Pft. Austeld; 8: Bibelbespr. im Johannessaal. — Kirchberg. Vorm. 10: Hl. Abendm. f Staufenberg; nachm.: l1/?. — Lollar. 'Nächste: P/i.
Kalholische Genrcinde.
6^: Beichtgel.; 7: Hl. Messe; 8: Anst. d. hk. Ifornm.; 9: Hochamt m. Pred.; 11: Hl. Messe m. Pred.; 2: Vesper m. Segen- 8: Aloisius'-And. Nachm 5 Uhr und abends 8 Uhr: Beicht gelegenh. Diaspora-Gottesdienst am 8. Juni: Gründers .9?&
ber geschichtlichen Entwicklung Deutsch- S t )*> ,ehL:lllE ^-nds knüpft aber bad Austreten ber Pfingstgeister '.Jl die mtttelalterliche Sitte des Maikönigs ^Ter Maikönig, der am Pfingsffeft.feinen Einzug i ^ochfahr einer alt


