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Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 32 Zweiter Blatt

Aus Statt und Land.

Gießen, 7. Februar 1919.

Vrenrrholzbeschaftung.

Der ProvinK-Bauernrat schreibt uns: Die am 4. Januar vom Provinz-Bauernrat be­schlossene und in 9h:. 10 desGießener An­zeigers" veröffentlichte Resolution, betreffend Bttmnho!zbeschaffung, wurde dein. Hess. Fi- mrnzmmiiterium, Abteilung für Forst- und Aameralrerw.rttnng, z 'gestellt Do» diesem ist nuiim.he nachsteh.nöe A iwort e.n.egaruen:

Für die Brennholzvetsorgung der Be­völkerung lind für 1919 folgende Anordnun­gen getroffen worden:

Üm den durch Kohlenmangel gesteigerten Bremiholrtt'darf nach Möglichkeit decke» zu fftnnen, sind die Dberförftiercieii. angelviesen worden, die Holzfä.lungen ohne Rücksicht auf die fesklnselten Hiebsätzc über diese Humus »ach Maßgabe der Brennholznachfrage aus­zudehnen

An Gemeinden ohne ausreict-eirde.i eige­nen Waldlwsiß und an Kommunalverbänoe in den waldarmen Landestei en kann Brenn­holz aus dem Domanici^vald zur Verteilung an die Allgehörigen der Gemeinden und Kom- munalverhande gegen Zahlung der Taxe frei­händig abgegeben werden.

Um die Brennhohjv.rsorgurg des fina n- ztell schwachen Teils der Bevölkerung licherzustellen, soll Brennholz an die Minder­bemittelten, d. h. an fold) Personen, die ein Einkommen unter 1500 Mk. versteuern, zu der vorherigen niederen Taxe freihändig abge­geben werden.

Holzhauer erhalten bis zu 3,8 Festm. Brennholz zur Tare.

Der nach Vollzug der freihändigen Ab­gaben verbleibende Rest des Brennho zes soll dem freien Verkehr überlassen bleiben. Durch die öffentliä)en Verkäufe i|t jedem Einzelnen Gelegenheit geboten, seinen Ho'zbedarf da zu decken, wo es ihm am zweckmäßigsten, be­quemsten und billigsten ^scheint.

Den übrigen Waldbesitzern (Gemeinden, Standeslierren, Privatsorstretw.tttungen 1. Klasse ist empfohlen worden, sich die Brennho Izversorgung der Bevölkerung in gleicher Weise angelegen sein zu lassen, wie die staatliche Forstverwaltung."

** Rotes Kreuz. Der Materialien- Abteilnng des Hessischen Roten Kreuzes lag wahrend oe« Krieges neben andere» Aufgaben die Versorgung von 110000 Soldaten mt der Front und 17 000 Mann in den Lazaretten im Feld mit Liebesgaben ob. Es wurden hierfür Werte im Betrag von rund 5 Millio­nen Mari aufgebracht.

' Reichsverein demokratischer Arbeiter, Angestellten und Beamten (Gruppe der Deut­schen demokratischen Partei). Unter starker Beteili­gung von Vertretern aller Arbeiter, Angestellten und Veamtcn-Gruppen, besonders der Post und Eisenbahn, wurde unter obiger Bezeichnung eine Ortsgruppe in einer am 5. Februar im ächipkapaß stattgefundenen Versammlung gebildet Die Versammlung stellte sich einmütig auf den Boden des demokratischen Partei­programms. Die Ortsgruppe bezweckt, innerhalb der demokratischen Partei ihre sozialen und wirtschaft­lichen Forderungen zur Geltung zu bringen und mit derselben für die wahre Demokratie zu wirken. Es ist beabsichtigt, voraussichtlich in nächster Woche eine öffentliche Versammlung zu veranstalten. 3n den Vorstand wurden gewählt: Als Vorsitzende: Eisen- bahnlchloffer Ehrhardt, Eisenbahnassistent Detröe, Buchhalter Sichert. Die Geschäft führung übernimmt der erstere. Als 1. Schriftführer: Registrator Wied- meyer, als 2. Schriftführer: Aktuariats-Aspirant Schröder: als Kassierer: Oberpostschaffner Schmidt: als Beisitzer: Staatsarbeiter Decker-Wieseck, Reserve- Lokomotivführer Simon, Ober-Postassistent Damb- mann, Straßenbahn-Wagenführer Steih, Buchhalter Hirsch, Bautechniker Höhn. Die Iuwahl von Ver­tretern nicht berücksichttgter Gruppen ist beabsichtigt.

** Die Gesellenprüfungen haben im hiesigen ^rlsgewerbevevein ihren Anfang genom- inen. Anmeldungen werden in dieser Wocle noch täglich von 56 Uhr entgegengenommen ßm Ge­werbehaus.

** Lich tspielhaus, Bahnhoffttaße. Don heute bis Svnntag einschließlich tritt

W wimiitriamt Mtntm des Herrn Wniiflh

Roman von H. A. Adams.

Nachdruck verboten. Fortsetzung 60

Derrn bei jenem plötzlichen Zusammen treffen in bett Sturzwellen batte Em nicht nirr ihre Tochter wiedererkannt; sie hatte auch dem jungen Manu wiedererkannt, der Der luftige Begleiter ihres Marmes war bei ihrer nächtlichen Streife nachdiesem Geschöpf!"

Aber Etit sagte nichts. Diesmal war sie entschlossen, es herauszubekommen. Und ihre ftätbie sollte mit ihr kommen und selber sehen. Mtyie würde bett Betrüger bei feinen kleine» Streickfen ab sangen und Em ihren Gally bei den seine» Und detmoch, als sie auf die ver­traute Gestatt ihres Gally schaute, der im Stuhle über seiner Zeitung eingeschlafen war, fühlte sie, seltsam genug, daß sie niemals ihren <Äally mehr geliebt hatte als jetzt. Und weil sie ein überlegendes Wesen war, ver­spürte sie einen Zorn über sich selber und über ihre törichte weibliche Vertranensselig- keit, ihre dumme Liebe zu ihm. Er konnte nicht schlecht sein ihr Gally nicht, hatte sie gemeint.

O, wenn sie nur den Beweis hätte, daß er unschuldig sei!

15. Käpitel.

Ga lahad geht in die Welt.

Arglos sah Em am nächsten Morgen, wie (Äalahad davoneilte, um sein gewohntes

Mia May im Film Die Bettelgräftn auf. Montag und Dienstag gastiert Albert Basser- mann.

Frostweiter. 3n der vergangenen Rocht sank das Thermometer auf - 7,1°; die niedrigste Tempe­ratur betrug - 4,1°.

Landkreis Gießen.

-m. Hungen, 7. Febr. Gegenwärtig mehren sich Einbruchsversuche, die vielfach für die Diebe erfolgreich sind, in erschreckender Weise. Hauptsäch­lich haben sie es auf Lebensmittel abgesehen und in letzter Zeit sind einige Einwohner schwer heimgesucht worden. Die Gendarmerie ist eifrig tätig, um dem Gesindel das Handwerk zu legen. Hier sollte am kommenden Sonntag ein Maskenball abgehallen werden. 3n Anbettacht der schweren Zeit, die der­artige Veranstaltungen als einen Frevel erscheinen lasten, hat sich der Arbeiterrat scharf dagegen gewen­det und so wird dem Ball wohl auch die Genehmi­gung der Behörde versagt werden.

Kreis Friedberg.

4 Bad-Nau heim x5. Febr. Hur Wah­rung und Förderung ihrer Lebens-, Dienst- und Rechtsverhältnisse schlossen sich heute alend i i äiiei stark besuchten Versammlung i t der Turnhal.e, die Lehrer P o r l h leitete, die Beamten des AnttL- gerichtsbezirks Bad-Nauheim zum Beamtenverein Bad-Nauheim zusammen, dem bereits 264 Mit­glieder aus allen Bcumtengruppen angeboren. Die Versammlung. stellte zunächst die Satzungen der neuen Vereinigung aus, wonach jeder Reichs-, Staats- oder Privatbeamte und Lehrer, sowie Be-. amtenantoärter int Verein Aufnahme finden kann. In den Vorstand wurden gewählt: LehrerP o r tb als erster Vorsitzender, Amtsgerichtsrat Schnei­der als stellvertretender Vorfitzeirder, Finanz­aspirant Schnell und Pros. Unverzagt als 1. und 2. Schriftführer, Stadtrechuer Stamm als Rechner. Außerdem gehören dem Vorstand noch sieben Beisitzer an, die aus allen im Verein ver­tretenen Berufsgruppen gewählt wurden. Zu den bevorstehende» Stadtvervrdnetenwahlen will der Verein in nächster Zeit in einer besonderen Ver­sammlung Stellung nehmen.

Kreis Schotten.

§ Nieder-Seemen, 5. Febr Der von Herchen- hain gebürtige Händler und Landwirt Baltasar Adolph kam gestern abend hier auf der Ortsstraße mit seinem Fuhrwerk so unglücklich zu Fall, daß er mit dem Kopf wider eine Mauer stieß und eine Viertelstunde darauf dec Tod eintrat. Sein Gefährte, Heinrich Port, kam mit einigen Verletzungen und dem Schrecken davon. Adolph ist 47 Jahre alt und war in der ganzen Gegend eine bekannte und beliebte Persönlichkeit.

Vermifcbtes.

St. Gallen, 5. Febr. (WTD) Schweizerisch« Depeschen.Agentur. 3n Wattwil brach heute nacht in dem Gemeindearmenhaus Feuer aus. Don den etwa 50 Insassen blieben 20 in den Flammen, 5 weitere werden vermißt. Die Ursache des Brandes ist noch nicht bekannt.

Letzte Nachrichten.

Eine Entschließung der Hess. HlnidclSlanmtrn.

Frankfurta. M., 6. Fcbr. (WB.) Die Vertreter der Handelskammern Kcksjel, Darmstadt, Dillenburg, Frankfurt a. M, Friedberg, Gießen, Hanau, Dotzlar traten aestern auf Einladung der Frank sirr ter Han- delskammer jufammen, nm über die Kölner Bestrebungen auf Errichtung einer west­deutschen Republik zu beraten. Es lvurde folgender Beschluß gefaßt:

Die Vertreter der genannten Handels­kammern erhebet- gegen die Bestrebungen, welche auf Eriichlung eines westdeutschen Staates oder auf Schwächung der Reichsge walt zu Gunsten der Bundesstaaten hinaus, gehen, entschieden Wider'prnch. Im "egensatz hierzu geben sie ihrer Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß aus dem jetzigen Umge- staltungsprozeß, wenn nicht der deutsche Einheitsstaat, so doch wenigstens ein Deutschland mit größeren politischen Machtbefugnissen der R e i ch s g e w a l t bei gleichzeitiger möglichst wirtschaftlicher und verwaltungstechnischer Dezentralisation hervorgehen muß

Boot nach der Bank zu erreichen. Es versprach schon zu dieser frühen Morgensttirrde ein heißer. Tag zu merben. Ein Nord ost hatte sich aufgemacht, der zwar die Temperatur etwas erniedrigte, dafür aber der Lust eineu Pro­zentsatz von Feuchtigkeit zufügte, der den sau­beren Kragen auswcichtc, ihn welk tverben und endlich unordentsich herabhängen ließ.

Galahad kaufte sich wie gewöhnlich eine Zeitung und wandte sich schleunig'! den An­zeigen zu. Denn er mußte Arbeit finden, und zwar sofort. Er las die lange Liste derGe- fud)teil'' durch; aber es mar niemand dar­unter, der sich nach einem alteren Herrn sehnte, dessen einzige Fähigkeit das Zahlen von entwerteten Banknoten war. Jedoch fand er ein oder zwei Stellungen, für die er sozir- sageu einigermaßen passend fein konnte. Er schrieb sich die Adressen sorgsam auf und be­schloß, später am Tage dort vorzusprechen. Das erste, »vas er tun mußte, war ja dock» unbedingt, den Fleischer aufzusuckien.

Er mußte eine lange Stunde in Der Hitze an der Straßenecke märten, ehe der saubere weißgekleidete Fleischer flott angefahren kam. Galahad rief ihn an, und der Fleischer lud ihn höflich em, neben ihn auf seinen fett- glänzenden Wagen aufzusteigen.

Der Fleischer legte demütig die Ursache seines Ausbleibens an jenem Abend dar und versprach eifrig, es mieber gutzumachen. Denn erst als er Marguerite am vorhergehen­den Abend gute Nacht sagte, war ihm die Er­innerung an fein Versprechen gekommen; bis zu jenem Augenblick hatte er es vollständig

Die Tagung der Nationalversammlung.

Berlin, 7. Febr. Wie die .Deutsche Allge­meine Zeitung" berichtet, steht an erster Stelle auf einer der nächsten Tagesordnungen der Nationalver­sammlung das Notgesctz über die vorläufige Reichs­gewalt. Oft das Gesetz angenommen, so fällt der letzte Rechtsgrund unserer Feinde fort, die Regierung als nicht beglaubigt hinzustellen. Nicht minder wichtig ist die ärebitoorlage. Es sollen 25 Milliarden ge­fordert werden. Diese gewaltige Summe ist mit der Tatsache begründet, daß die Ausgaben des Reichs­haushaltes zur Zeit noch um etliches über den Kriegs­stand erhöht worden sind. 3n dem seit dem 9. No­vember abgelaufenen Vierteljahr beliefen sie sich auf 12 Milliarden.

Gäste der deutschen Nationalversammli'nf.

Weimar, 6. Febr. Der Eröffnungssitzung der Narionalversammlung wohnten bei: der dänische Ge­sandte Gras Moltke, der persische Gesandte Fustein Kuli Khan, der schwedische Gesandte Freiherr von Esten, der schweizerische Gesandte Mercier, der finnische Gesandte Hjelt und der litauische Gesandte Schalls, ferner verschiedene andere Mitglieder des diplomati. scheu Korps. Auch der preußische Gesandte Graf Wedel mit Gemahlin war anwesend.

-itzungSbcriäft dcr Wasicnstillstandskommissiou vorn 5. Februar.

Berkin, 7. Febr. Die Alliierten lehnten es ab, die von Deutschland nachgesuchte Erlaubnis zur Fischerei imSkasserrak und Kattegat zu er­teilen. Die deutsche Bitte, die Fischerei in der Nordsee bis zur Linie HornSrifs-Borkuin frcizu- geben, werde, wie weiter mitgeteilt imirbe, erst dann genehmigt werdm, wenn bi? Forderungen des Artikels 22 des Wafsenstillstandsvertrages durch- grführt worden feiert.

lieber die Einfuhr von Büchnn, Flugblättern, Broschüren und ähnlichen Druckfack-en in das be­setzte linksrheinische Gebiet ließ der Verband u. a. folgendes belmtntgeüen: Die gegenwärtig im Schulunterricht benutzten Bücher können ohne Sondererlaubnis eing.'führt werxn. Dagegen sind Neuauflagen dcr Zensur vorzulegen. Die Bc- satzungsi>ehörden bemalten sich ajec drs Recht vor, bereits im Gebrauch befindliche Büch.r und Lehr­bücher zu verbieten und einzuziehen.

Ti? deutsche Kommission ersuchle die Alliier­ten, ausgedienten aktiven UntcrofiV.ieren, die sich um Zivilstellen bemühen, die Einreise ins besetzte Gebiet zu erleichlecn. Deutscherseits wurde iwä>- inals auf den Schmuggel mit deutschen Banknoten von Holland nach Belgien h »gewiesen. De deutsche Kommission protestierte neuerdmAs energisch gegen die Verhaftung dmtscher Staats rngchörig- r durch die Entente, die im Besitz rechtmäßig erworbener lutschlagnabrnter französischer und belgisäter Ma schinen sind. Sie. verlangte nochmals die sofortige Freigabe der Verhafteten.

Auf die deutsche Bitte, die früheren Gefan­genenlager Rastatt, Darmstadt. Limburg und Mannheim von den Desatznngstruppcn räumen zu lassen^ ließ Marschall Fach erklärest, daß die Lager besetzt bleiben, um darin nötigen­falls Elsaß-Lothringer aus Gesundheitsrücksichten unterbringen zu föiuten.

London, 6. Febr. Reuter- Sonderbericht­erstatter melder, es werde en wirtet, daß bei der nächsten Zusammenkunft der Schad?nvergütungs- kommission die einzelnen Nationen in der La,72 sein Werben, ihre Forderungen i>?r Kommission vorzu­legen. Zur Zeit bemühten sie sich alle, die Ver­handlungen nicht dadurch in die Länge zu ziehen, daß sie uttniögliche ForderuMeu stellten. Die wich­tigste Frage iverde zweifellos die sein, bis zu nelchem Betrage die Zenttalmächtc in der Lage sein _ im-beit, zu zahlen. Man erwarte aber die Festfetzüng der Endsumme nicht vor einer Woche.

Posen.

Berlin, 6. Febr. Amtlich. Bei den in den letzten Tagen mit Vertretern bes obersten polnischen Volksrates zu Pofen in Berlin staltgehabten Ver- hanblungen erklärte diepveußisck>e Negierung im Einverständnis mit der Reicl^regierung, daß die durch die jüngste Entwicklung in der Provinz Pofen entstandene Lage in keiner Weise den Entschei­dungen des Friedensschlusses vorzugreisen vermöge, das; gemäß dem Waffenstillstandsvertrag int Osten die Reichsgrenzen vom August 1914 anzuerketmcn seien und daß innerhalb dieser Grenzen die staat- liche Souveränität beim deutschen Reiche bzw. dem vreußischen Staat liege. In Konsequenz dieser Rechtslage hält die preußische Regierung das Vor- handensem einer polnischen Armee unter polnischer Besehlsgewalt innerhalb der deutscl-en Reichsgren­zen für unmöglich und forderte ihre Auflösung. Ferner forderte sie die Wiedereinsetzung der preu-

vergessetc gehabt. Marguerite hatte ihm keine Zeit gelassen, au etwas andres als an Mar­guerite zu denken dlber während dieses Feier­tages 'hatte der Fleischer die fchrecklick-e Ent­deckung gemacht, daß alle Madcl-en ein und dasselbe Mädchen sind. Das ist bie. wahre Tragikomödie des Mannes. Marguerite schien ihm zuerst ganz anders und pikanter als Annie zu sein, gerade so, wie ihm zuerst Annie als ein Fortschritt Pearl gegenüber erschienen war, und Pearl appetttrei-mder als Rodina die nun beinahe Vergessene zu fein schien.

Bei näherer Bekanntschaft mit Mar­guerite hatte der Fleischer all die pikanten Unterschiede dahinsck>windeu sehen; mit Ent­setzen sah er zu, wie Marguerite in Annie auf­zugehen schien. Was er wirklich sah, war Marguerite, die in ihrem 0)eschlecht auf ging. Wieder stand nun der Fleischer der sck>auder- haften Gleichheit der Weiber gegenüber. Mar­guerite sagte dieselben Dinge auf dieselbe Weise; sie hatte dieselben Kniffe, die er fd>on auswendig kannte; sie zeigte denselben Un­willen, wenn er sie küßte, dieselbe Bereit­willigkeit, zu verzeihen, wenn er sie wieder küßte. Und so durchlief sie ihre kleine Ton­leiter und war am Ende nichts als ein ganz gewöhnliches Mädchen.

Daher hatte der Fleischer an diesem Mor­gen von dem Gescksieck-t, das nicht klug genug war, verschieden sein zu können, nur eine geringe Meinung Aber dennoch gab es in 1 seiner Erinnerung ein Weib, das wirklich anders war Er zerrte nrühsam die Erinnc-!

8reitag, l.jtawW

ßischen Bedörben, soweit sic in der Ausübung ihrer Amtstätigkeit durch die Polen behindert seien, und erklärte nur bie Behörden als zuständig ansehen zu könnm, die von der preußischen Regierung etn- gesetzt ober anerkannt würben. Tie B vollmächtig- tcn des obersten polnischen Voltsraces erklärten zwar, sie erkennten den Rechtsstandpunkt der preu­ßischen Regierung nach der formalen Seite hin an, könnten jedoch angesichts dcr tatsächlichen durch dir entstandene Bewegung ei »getretenen Verhältnisse die daraus preußisä-erfeits yergelei.elen Fordemn- g-en nicht erfüllen zu können. Jnsbcfonderc lehnten sie bie verlangte sofortige Wassenniederlcgung ab. Statt dessen schlugen sie vor, die Verhandlungen aus zwei Wochen zu vertagen und während dieser Zeit beiderseits, die Kampfhandlungen einzustrllen. Die preußische Regierung hat daraus im Einver ständnis mit der.Reiclsslcilung dem polnischen ober­sten Volksrat mitgeteilt, daß die Einstelluna der .Uampfhandlungen nur unter der Bedinau'ng bewil ligt werden könne, daß keine polnischen bciuafhieten Formationen innerhalb der deutschen Reichsgrenje verblieben.

Die Folgkll der Bremer Krawalle.

Rotterdam, 7. Febr. (WTB.)Dailn Mail" meldet aus Paris: Die Zusage der Alliier­ten nach Deutschland auf deutschen Sänften Le­bensmittel zu liefern, ist nachträglich von Garant ien unb Bürgschaften für die ord­nungsmäßige Ablieferung und Verteilung ab-* höngig gemacht worden. Die Vorgänge in Bremen ufro. haben zu diesem Beschlüsse der Alliierten geführt.

Die Antwort der Entente aus die Brewer Vorgänge.

Bern, 6. Febr. (WTB.) Der Berner Bund enl- hält Berichte über Hungerrevolten. 3m Elsaß hat die große Lebensmittelteuerung zu Plünderungen aus den Wochenmärkten, in Metzgereien und Bäckereien geführt. Don der durch Soldaten verstärkten Gen­darmerie wurden 100 Personen verhaftet. Die (Eh sässische Presse ersucht die französische Regierung, Lebensmittel zu liefern und Arbeitsgelegenheit zu be­schaffen, da es sonst zu großen Ausschreitungen kom­men könne.

Truppen gegrn Hamburg.

Berlin, 7. Febr. iWTB.) 3m Bereich der Pro vinzen Brandenburg und Pommern finden Truppen- Konzentrationen statt. Wie verlautet, sind die Trup­pen nach Hamburg bestimmt.

Berlin. 6. Febr. 3n Hamburg sind Einigungs- verhandlnngen zwischen der gesamten Beamtenschaft und den Parteiorganisationen nachtsüber geführt worden und haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Resolution Dr. Laufettberg fofort rückgängig gemacht wird. Die Entwaffnung der gesamten Arbeiterschaft wird umgehend vorgenommen. Truppensendungen nach Bremen sollen rückgängig gemacht werden. Die ßebensmittellager stehen außer Kontrolle des A.« u. S.-Rates Hamburgs und werden nicht mehr bewacht. Der 2L- u. S.-Rat verspricht, daß keinerlei Maß­nahmen getroffen werden sollen, die gegen die Regie­rung gerichtet sind. Die Beamtenorganisationen wer­den zu allen Verhandlungen zugezogen. Die Ruhe und Ordnung war vergangene Nacht nirgends gestört.

Einigung in Düsskldorf.

Düsseldorf, 6. Febr. Zwischen dem Dollzugs- rat des Arbeiterrates und den Vertretern der ver­einigten Beamten, und Berussorganisationen find die Verhandlungen heute wieder ausgenommen worden. Aus Grund derselben ist der Generalstreik und die Aufforderung zur vorläufigen Zurückhaltung von Geldzahlungen und Steuern an die Stadtkaste auf­gehoben worden. Die Bürgerschaft wird aufgeforbert, ttire bisherige Tätigkeit sofort wieder aufzunehmen. Die Aufhebung des Generalstreiks erfolgte, nachdem der Vollzugsrat zugesichert hatte, daß die Preste. und Versammlungsfreiheit gewährleistet würde und weitere Eingriffe in die persönliche Freiheit und das (Eigen­tum der Einwohner nicht beabsichtigt seien. Der Doll« zugsrat erklärte weiter, daß die Wahlen zur Stadt­verwaltung durch seine Anhängerschaft nicht gestatt werden und daß die 3nteresten der Gesamtheit der Bürgerschaft nach bestem Können wahrgenommen unb Anregungen hierzu von jeder Seite gegeben werden büyften. Die vom Dollzugsrat abgesetzten Beamten bleiben in ihren Aemtern. Die Forderungen der Polizei« und Eisenbahnbeamten sind vom Dollzugsrat alsbald zu erfüllen.

Ein Dopptlmord?

Berlin, 7. Febr 3n Rudolstadt in Thüringen wurde lautB. X. der Landwirt Lippach aus Schmiedehausen bei Camburg unter dem Verdacht verhaftet, seine beiden Frauen, die hoch versichett waren, ermordet zu haben.

nmg bertfln, stäubto sie ab und setzte sie tvic- ber auf den Altar seines Herzens. Es war bas Schätzchen, bas so einem Kerl Briefe hcrabfchrnitz und mit der lilienweißen Hand winkte". Er war sicher, baß sieanders" sei, beim ber Irrwahn bes Mannes ist un­heilbar.

Daher versprach ber Fleischer mit einer Aufrichtigkeit, bie beinahe sckwn Eifer war, unweigerüch an biesern Abend um acht Uhr mit Galahad an ber Sttaßenecke zusammen^ ztttreffen. Und er würbe auch bas Hundefutter nicht vergesset:.

Aber indessen wird sie uns nach so viel Enttäuschungen aufgegeben haben," sagte Ga­lahad niedergeschlagen.

Wir können ihr ja eilte Nachricht schik« ken" schlug der Fleischer vor.

Unmöglich," erklärte Galahad.Ihr Va­ter erlaubt ihr nicht, einen Bttef anzuneh­men oder abzusenden."

Lassen Sie mich machen," sagte Gala, hads Freund.Es brauchen nicht alle Briefe durch die Hand des Briefttägers zu gehen. Keiner, der wirklich wichtig ist, kommt je­mals durch die Post. Ich weiß es aus eige­ner Erfal-rung und verttaue meine Briefe nicht so einem verdammten Briefträger au. Nein. Ich weiß einen sichereren Weg als den. Na, uno wenn Annie nicht an die Tür kommen kann wegen des Fleisches, so ist da noch 'ne andreSchürze", 'ne dürre, alte Person, die auf mich ziemlich versessen und auf Annie eifersüchtig ist, und bie soll und helfen."

(Fortsetzung folgt. 1