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3u>l!lingrnmd-ruck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Such- u. Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.

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das eine

Deutsch-Oesterreichs, bis zum Zeitpunkt Anschlusses, eine beratende Stimme Reichsrat haben.

M. 208

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Hranksurt a. M. U686

Die deutsche Regierung hat auf herausfordernde französische Ultimatum _____

Erklärung abgegeben, wonach die angefocktt- neu Bestimmungen unserer Verfassung außer Kraft bleiben. Bis der Völkerbund den Zu­sammenschluß der deutschen Länder gestattet. Mit Recht heißt es in der d e u t s ch e n A n t -

Reue Redeblüterr WilfonS.

Amsterdam. 5. Sept. (Wolff.) Nach einer Meldung des Pressebureaus Radio aus Anapolis trat Wilson seine Rundreise durch Amerika an. Er hielt seine erste Rede in Columbus (Ohio) und erklärte bei dieser Gelegenheit, seine Absicht sei, seinen Landsleuten Bericht zu erstatten. Der Friedensvertrag mit Deutschland bestrafe Deutschland, denke aber nicht daran, ein großes Volk zu zerschmettern. Man habe Zurückhaltung an den Tag gelegt. Es sei nicht vorgesehen, Deutschland mehr Schadenvergütung zahlen zu lassen, als es zahlen könne. Er sei erstaunt über einige Bemerkungen, die über den Friedensvertrag gemacht worden seien und die bewiesen, daß man ihn nicht verstanden habe. Ter Völkerbund sei die Erfüllung des Versprechens, das die Vereinigten Staaten veranlaßt habe, in diesem Kriege mitzu­kämpfen. Wenn der Völkerbund nicht errichtet würde, würde man den im Kriege Gefallenen die Treue brechen. Der Friedens vertrag gebe den kleinen Nationalitäten das Recht, ihr eigenes Leben zu leben. Dafür hätten die Amerikaner gekämpft. Italien brauche Fiume aus strategischen Grün­den, obwohl sich dort nur zerstreut italienische Niederlassungen befinden. Im Rahmen des Völker­bundes würde Italien diesen Stützpunkt nicht nötig haben. Es sei ihm, Wilson, lieber, jedermann mtf seiner Seite zu haben, als gezwungen zu sein, bis an die Zähne bewaffnet zu bleiben. Mit dem Friedensvertrag werde versus, den Ungerechtig­keiten in Europa ein Ende zu machen. Seiner Ansicht nach habe man auch einen verhältnis- mäßigen Erfolg zu verzeichnen, verhältnismäßig desl>alb weil dre nationalen Grenzen nicht immer mit völliger Genauigkeit gezogen werden könnten. Zum Schluß pries der Präsid^tt die Arbeitergesetz­gebung.

Die Entschließung des amerikanischen SenatSansschusses.

Washington, 6. Sept. (WTB.) Reuter. Der Senatsausschuß für auswärtige An­gelegenheiten ordnete an, daß der Friedens- vertrag dem Senat mit 24 Vorbe­halten übermittelt werde, in denen Bürgschaften bezüglich der Monroelehre und bezüglich innerer Fragen verlangt werden.

Arbeiterkonferenzen in Amerika.

Amsterdam, 6. Sept. (WTB.) LautTcle- graaf" meldet dieTinies" aus Washington, daß au der amerikanischen industriellen Konferenz, die in den nächsten Monaten beginnt, 45 Vertreter teilnehmen, und zwar je 15 Vertreter des Kapi -

Annahme von Anzeigen f. die Lagebnummer dls zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbiiidlichkeit Preis für 1mm höhe für An-.cigenv.34mm Breite örlllch 15 Pf., auswärts 18 Pi., für Reklame- anzeigen von 70 mm Breite 48 Pf. Bei Platz- vorfchrii:20°/^Auifchlag. Hauotlchriitieiler: Ang. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für denübrigenTeil: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck: fämtlich ui Gießen

Liman von Sander» gegen englische Lügen.

Der ans der Türkei heim kehrende General Liman von Sanders veröffentlicht folgende Er-, kläruug:

Bon Malta zurückgekehrt, höre ich, daß im Militär-Wochenblatt" Nr. 122, aus derTimes" entnommen, Auszüge aus dem Bericht des Gene- vals Allenby über den türkischen Rückzug von der Palästina front erschienen sind, von denen einer irr gänzlich unwahrer Darstellung angibt, daß ich bei dem englischen UeberfoU auf Nazareth von dort entflohen sei.

Zur Nichtigstellimg dieser Lage erkläre ich:

Als eine englische Kavalleriebrigade mit zahl-, reichen Maschinengewehren und einigen Panzer - mitos am 20. September 1918 morgens in nächt­lichem Raid das Quartier der Heeresgruppe F. in Nazareth überfiel, um das Oberkominando der Heeresgruppe gefangen zu nehmen, enffpann sich ein fünfftündiger Straßenkampf. Am Schluß des-

Telegrammverkchr zwischen Italien und den Mittelmächten.

Bern, 5. Sept. (Aplff.) Nach Mailän­der Blättern haben sich Die Militärbehörden mit dem direkten Telegrammverkehr zwischen Italien und den Mittelmäch - ten einverstanden erklärt.

Einschränkung der amerikanischen Getreidelieferungen nach Europa?

58 er n, 5. Sept. (Wolff.) Nach derPer- severanza" sollen die Vereinigten Staaten dem interalliierten Wirtschaftsrat mitgeteilt ha­ben, daß dieGetr-eidelieferungen nach Europa eingeschränkt werden müssen. Es könne nur die Hälfte der geplanten Menge, und zwar bereits zu Mehl verarbeitet, aus- geführt werden.

Besuch de» italienischen KönigSpaarc» in Amerika.

Bern, 5. Sept. (Wolff.) Die italienische Presse gibt eine Nachricht derEvening Mail" wieder, wonach sich das italienische Königs­paar mit dem Kronprinzen im Oktober nach den Bereinigten Staaten begeben nrirbj

Arbeitersorderungen in Ungarn.

B u d a pe st, 5. ^pt. (Wolff.) Ungarisches Korrespondenz-Bureau. Ter Ministerpräsident Friedrich erklärte heute einer Arbeibewepu- tation, die Erfüllung der Wünsche der Arbeiter hinsichtlich der WiÄ>eraufnahme der Arbeits­losenunterstützung sei sehr schwer, denn alle Fabriken seien in Konkurs. Mit Ausnahme der staatlichen sei keine in Betrieb. Es sei kein Geld vorhanden. Tie Banknttenprchse werde >ie Regierung aber nicht in Betrieb setzen. Post- parkossengeld werde nur soviel gedruckt, als Zehn- tausendkvonennoten -als Teckung einlaufen. Ter Wunsch nach einer Lohnerhöhung sei eine äußerst chwierige Frage. Ter Ministerpräsident wies als Beispiel für iüe Lage der Fabriken mir die Lip- taksche Fabrik hin, deren Arbeiterrat während des Kommunismus 97 Millionen Schulden mackste. Um die Arbeiter dieser Fabrik zu beschästigen, sei ein Arbeitslosenfonds seitens be5 Ministeriums der öffentlichen Arbeiten geplant. Hierfür seien 10 Millionen in gutem Geld notwendig. Uebrigens zeicze die Arbeiterschaft feine große Neigung zur Teilnahme an den öffentlichen Arbeiten. So seien bei Gelegenheit 4500 Arbeiter gesucht worden. Es meldeten sich jedoch insgesamt nur 150. Hinsicht­lich der Arbeitslosenunterstützung habe der Staat immer mehr getan, als er eigentlich hätte tun können.

Nheinufers verlangt. Foch wollte noch mehr, nämlich die Einverleibung von sieben Mil­lionen Deutschen. Es wurde imRat" Wider­spruch dagegen erhoben. Die Beteiligung der alliierten Truppen an der Besetzung der Nheinlande sei, so sagte Tardieu, anfänglich abgelehnt worden. Als dann Mitte März Wil­son nach Frankreich zurückkehrte, sei der eng­lisch-amerikanische Vorschlag des Garan­tiefriedens aufgetaucht. Aber Frankreich habe dazu noch positive Garantien ver­langt, nämlich hinsichtlich der zukünftigen deutschen Armeen, der Neutralisierung des Nheingebietes und der zeitlich begrenzten Be­setzung des linken Rheinufers und dec Brückenköpfe. Wie man sieht, erscheint Cle- menceau jetzt tatsächlich als der Triumphator. Charakteristisch ist, daß in der französischen Kammer trotzdem noch von verschiedenen Sei­ten kritische Bedenken geäußert worden sind. Ganz naiv wurde beanstandet, die deutsche E i n h e i t sei nicht zertrümmert worden. Und das soll keine unnatürliche Gewaltpolitik sein! Nun, Clemenceau kann sich rühmen, dem großen Einigungsgedanken der Deutschen den­noch eine hemmende Fessel angelegt zu haben. Es ist der Artikel 80 des Friedens- vert rages, auf den er pochte, indem er die deutsche Verfassung anfocht. Vor den Toren des Reiches und Oesterreichs liegt der famose WachthundVölkerbund", dessen Einverständ-

forderlich ist, wenn die deutschen Völker Uch die Bruderhand reichen und sich einigen wollen. Aus diesem Artikel 80 schaut der Zwangs- und Unterdrückungsfriede mit größ­ter Unverfrorenheit um sich. Man will und roome kein großes deutsches Volk; man wünscht Zwietracht unter den deutschen Stäm-

fUn^-n^)te rtm liebsten das Reich zer­stückeln. Die deutsche Regierung hat schon wäh­rend der Friedensverhanülungen darauf hin- gewiesen, daß Deutschland die deutsch-öster­reichische Grenze, nie gewaltsam verschieben wolle, sie wolle sich nur dem Wunsche Oester- rekchs nach Wiederherstellung des staatlichen Zusammenschlusses mit dem deutschen Stammland nicht widersetzen. Dem Sinne dieser Erklärung entsprach es, daß in der deutschen Verfassung das Stimmrecht Deutsch- Oesterreichs im deutschen Reichsrate lediglich für den Fall geregelt wurde, daß der Anschluß des Landes an das Reich in der erwähnten

Die syrische Streitfrage.

Amsterdam,^ Sept. (Wolff.) LautTelo- grnaf" schreibt dieMorning Post" in einem Leitartikel über die syrische Frage: Die Lage sei gleichzeitig kompliziert und ein wenig, komisch geworden. England wünsche die Zuteilung, Syriens au Amerika, Frankreich erhebe dagegen keine Be­schwerde, aber die Amerikaner seien nicht geneigt, Syrien anzunchmen. Tas Blatt verlangt, daß England einen deutlichen Beweis für seine Um interessiertheit geben solle. Tie meisten Fragen, über die jetzt gespwchien werde, seien für England viel weniger wichtig als die Möglichkeit einer Ent­fremdung mit .Frcmkreich. TieTimes" schreibt über den britischen Standpunkt: Wir werden das Abkommen von 1916 natürlich in allen Punkten, die die Franzosen selbst für ausführbar halten, innehalten. .Es ift beryu nur guter Wille und ein gesunder Menschenveri tand nötig. Es ist Sache der französischen und englischen Staatsmänner, dem syrischien Skandal ein jLnde zu machen.

Die Lage im Baltikum.

Berlin, 5. Sept. (WTB.) Im Reichs«» kabinett wurde erneut die Lage in Kur­land besprochen. Tas Ergebnis der Erörterungen war.folgendes: Es bleibt bei dem Beschluß bett, die schl-eunige Räumung Kurlands. Ten Osttruppen könnm andere Zusicherungen als den. Soldaten der Reichswehr nickst gemacht roerben. Tie von den Truppen int Baltikum ausgestellten Forderungen sind zum gwßten Test unerfüllbar^ Von Offizieren wie Mannschaften ist unbedingtes Gehorsam gegenüber den Befehlen der Reichst Regierung zu fordern. Das Beharren in der Auf--« lehnung würde den Abbruch der Verbindung, das heißt Sperrung der Löhnung und Verpflegung, zur Folge haben, sowie die strafrechtliche ArrfolgunL der Schuldigen.

Umsichgreifen der antonomlsttfcherr Bewegung im Elsaß.

Berlin, 5. Sept. (W. B.) DieDossischr! Bettung" meldet aus Karlsruhe: Infolge des Um­sichgreifens der autonomistischen Bewegung im Elsaß verlangt die offiziöse elsässische Presse in Leitartikeln einen Hochverrats- "Prozeß gegen die Autonomistenführer Rapp, Ley und Muth wegen Aufforderung des elsäs­sischen Volkes zur Erhebung und wegen Gefähr­dung der Sicherheit des Staates. In einem Ar­tikel imRhin" fordert 23 etter 16 die fran­zösische Regierung zu energischem Einschreiten auf und stellt fest, daß die Msenbahn-, Post- unb Polizeibeamten gemeinsame Slche mit den Auto­nomisten 'im Elsaß machen. Das Land sei von. ihren Flugschriften überschwemmt.

Christlich-sozialer Gewerkschaftskongreß.

Wien, 6. Sept. (WTB.) Ter Kongreß der christlich-sozialen Gewerkschaften ist gestern eröffnet worden. Funke-München über­brachte die Grüße der christlichen Gewerkschaften Deutschlands, deren Mitgliederzahl von 230 000 im Jahre 1914 auf über eine Million gegenwärtig gestiegen ist. Sekretär U n t e r m ü l l e r e. stattete den Bericht der Zentralkommission. An den Bericht schloß sich eine längere Debatte an.

Vochenröckbllck.

Cs lohnt sich, die Tatsache noch einmal festzuhalten, daß einezuständige Stelle" eine bestimmtere Angabe wurde nicht gemacht dem Wolffschen Bureau das Lob der deutschen Pazifisten, das ihnen von ihremInternationalen Rat" wegen ihrer Haltung während des Krieges gespendet wor­den war, als etwas durchaus Fragwürdiges bezeichnet hat. In der Tat, die Herren Quidde und Genossen haben gar keinen Anlaß, stolz auf ihre Wissenschaft und auf ihr Vertrauen auf das Ausland zu sein. Der preußische Mili­tarismus ist gestürzt aber die Welt wird nach wie vor durch Gewaltpolitik beherrscht. Welcher überzeugte Völkerfriedensfreund hat Freude an dec Persönlichkeit Wil­sons!Scham, wo ist dein Erröten? könnte man diesem zurufen. Aber er läßt sich kaum noch hören, ec hat sein Lehrbuch zu- geschlagen und zuckt wohl jetzt die Achseln über die, die seine Worte für bare Münze genom- inen haben. Er hat jetzt eine andere Pandora- büchse seines wohl konservierten Idealismus aufgebrochen; er macht in Arbeiterfreund­lichkeit .Laut tönt er es in die Welt, daß die Arbeiter künftig größeren Teil am Gewinn er­halten, daß ihnen sozialistische Mitbestim­mungsrechte verliehen werden müßten. Wie er diese Versprechungen wohl einlösen wird! Man räumt ihm kaum noch ein Restchen Glau­benskredit ein. Hertling hat von ihm gesagt, ihm sei die Heuchelei zur zweiten Natur ge­worden. Diese Feststellung hat sich aus der Zeit der Uebertreibungen und Täuschungen als eine der treffendsten Kennzeichnungen in die Gegenwart und Zukunft hinübergerettet.

England stopft sich die imperialistischen Taschen voll, so daß man selbst in Amerika und Frankreich darüber unwillig wird. Es hat seinen Unterjochungsvertrag mit Persien kei­nem Völkerrat unterbreitet. Und wie steht es mit dem Friedensidealismus in Frankreich? Clemenceau hat zwar einem Lobredner bedingungsweiser Abrüstung zu­stimmend und gefühlvoll die Hand gedrückt aber welcher Geist in der Regierung und Kam­mer Frankreichs die Führung hat, das hat am Dienstag der Regierungskommissar T a r - dieu in seinem Bericht über die amtliche französische Politik, wie sie in den Verhand­lungen des Obersten Rates sich Geltung ver­schafft hat, deutlich verraten. Es ging ein kaum verhüllter Triumph durch seine Ausfüh­rungen. Zuerst hatte die französische Regie­rung am 25. Februar die vollständige Unabhängigkeit und Neutralität des linken

Die Erörterung öes Zriedenroertrages in der französischen Kammer.

Paris, 5. Sept. (Wolff.) Die Kammer etztt die Tiskussion des FriedMsderttages fort. Sembat sagte, er sie der Ansicht, daß die 14 Punkte Wilsons das ganze Ideal Frank­reichs enthielten. Es fei genügend/-aus Dan- i- iS einen FreihasQi zu machen, um Polen ryen Zugang zum Döorre zu geben, ohne Preußen ent­zwei zu sckyieiden. Ter Redner sagte, daß neben den militärischen Garantien moralische Garantien notwendig se'.en. Frankreich müsse Deutschland da­ran hindern, auf die Alldeutschen zu hören. Er begrüßte unter dem Beifall der ganzen Kammer die Union der beiden grlaßen Demokra- tienFrankreich und England. Er betonte, daß der Vertrag nicht die allgemeine Abrüstung ordere, und fügte hinzu, daß alle Nationen ob befreundete oder feindliche sich vereinigen sollten, um die durch den Krieg entstandene Fi- nanzkatasttophe wieder gut zu machen. Er for­derte, daß das Urteil über die Verantwortung am Kriege im Namen aller Völker gefällt werde. (Beifall auf der äußersten Linken.)

w o r t n o t e, man füge sich einemtief bedauerlichen Gewaltakt."Wenn die Regie­rungen für den Fall einer Ablehnung ihrer Forderung mit einer Ausdehnung der Be- fetzung drohen und sich hierfür auf den Ar­tikel 429 des Friedensvectrages sieht zwar muß darauf hingewiesen werden, daß der Frie­densvertrag, ganz abgesehen davon, daß die alliierten und assoziierten Regierungen ihn bisher nicht ratifiziert haben und daher ihre Ansprüche vom Rechtsstandpunkt aus über­haupt nicht darauf gründen können, für eine solche Maßnahme kerne Stütze bietet. Der Ar­tikel 429 des Friedensvectrages berufen, so eine längere Dauer, aber keine örtliche Aus­dehnung der Besetzung vor." Vor dein Weltkrieg, als Deutschland noch seinen Platz im Rate der Völker hatte, wären solche offen­kundigen, willkürlichen Beugungen der Völ- kerselbstbeftimmungsrechle ganz undenkbar ge­wesen. Da herrschte noch nicht diese anmaßende Weltdiktatur, die auch aus dem künftigen Völ­kerbund nicht gerade Strahlen der Liebe und Versöhnung erwecken wird. . . .

M Knedensbedmguligen sür Oesterreich.

Wien, 6. Sept. (WTB.) Ter Kabinetts­rat beschloß nach Erörterung des Friedens^er­trag es solidarisch, der Nationalversammlung die Anna h m e zu empfehlen. In der gestrigen Sit­zung des Hauptausschusses berichtete Staatskanzler Renner über die Verhandlmtgen in St. Germain und erklärte, es sei notwendig, den porgelegiteu> Vertrag zu unterzeichnen. Ter christlich-soziale Ab­geordnete Hauser dankte unter allgemeiner Zu­stimmung Staatskanxler Renner und dessen Mit­arbeitern für die ungeheuere Arbeitsleistung in den letzten Monaten. Ter Hauptausschuß beschloß, der Natioiüalversammlung einen Antrag zu unter­breiten, den Leiter der FriedenÄxlegation zu be­auftragen, den vorliegenden Vertrag zu unter­zeichnen.

Wien, 6. Sept. (WTB.) Die großdeut­sche Vereinigung besstloß einstimmig, die Zustimmung zur llnterzeichnung des Friedensver- trages abzu lehnen.

Wien, 6. Sept. (WTB.) Ter Abgeordnete 'Waber und Genossen werden, wie die Deutschen, Nachrichten melden, heute in der Nationalversamm­lung einen Antrag ein&rrngen, worin darauf hin­gewiesen werdsr toiti), daß der Aufbürdung b e r Verantwortung für den Ausbruch des Krieges mit aller Entschiedenheit entgegengettetenj werden müsse. Es muß der Nachweis erbrachst werden, daß facher das deutsche noch deutsch-öster- reichiscke Volk die Schuld am Äusb-ruch des Krieges trifft. Daher solle die Nationalversammlung be­schließen, die in den Archiven kegendorr Dokumente, die den Kriegsausbruch betreffen, sogleich zu ver­öffentlichen.

Wien, 6. Sept. (WTB.) Beim Landeshaupt­mann für Deu tsch-B ö hmen sand eine Be­ratung über die Stellung derjenigen Landesver-, tretungen statt, die durch den Frieeensverttag ter­ritorial betroffen werden. Namens der Landes- Vertretungen Deutsch-Böhmens, Kärntens, ssttedcr- Oesterreichs, Ober-OesdcrreickI, der Sudoteickande und Tirols überreichten die betteffenden Lalckes- hauptmänner, sowie der Kreisl-auptmann von Teutsck--SüdmLhren, dem Präsidenten der Natio- natvcrs-ammlung, Seitz, eine Kundgebung für den Hauptausschuß, worin sestgestellt wird, daß die territorialen Bedillgungen des Friedensverttasesf das natürliche Selbstbestimmungsrecht^vergetvalti- gen und die Grundlage, aus der der WaNenstillsiaud geschlossen wurde, gröblich, verletzt. Die Landes­vertretungen erbeben Hal-er nochmals vor aller Welt gegen diesen Frieden der Gewalt feierlich Verwahrung und erklä-ren, daß die durch einen solchen Friedens vertrag unter eine Fremdherrschaft gezwungenen vier Millionen Deutschen für immerwährende Zeiten auf ihrem Selbstbestim- mungsrech-t, als die einzig nwglichk Grundlage moderner Staatenbildung, bestehen.

W i e n, 5. Sept. (Wolfs.) Ein Funkspruch des Wiener Korr.-Bureaus aus Ltwn meldet: Der Oberste Rat hat die Frist für die Annahme oder Wlehnung des deutsch-österreichischen Frie- densvertroges um zwei Tage bis zum 9. Sep­tember verlängert. Staatssekretär Ren­ner ist mit den Mitgliedern der deutsch-öster­reichischen Fricdensdelegation in Vt. Germain in Begleitung des Vizekanzlers F i n k in Wien em- getroffen. Mit dem gleichen Zuge tonten zahl­reiche Mitglieder der Nationalversammlung zur Teilnahme an der morgigen Sitzung der Na­tionalversammlung an, worin über den Fri^>ens- verttag verhandett wird.

Erstes Blatt 169. Jahrgang Samstag, 6. September Wy

Gretzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Weise erfolge. Vorläufig sollten die Vertreter st al is mus, der Arbeiter und der Land- ....i -c ;J-.3 r-, ~ des wirtschaft. DieTimes" zweifelt daran, daß

die Führer der Gemäßigten, wie Gompers, in der Lage lein werden, die radikalen Elemente m Schach zw halten. Die Arrarchisten unter den ausländischen Arbeitern sind sehr tätig. Auf dem foeben blendeten Kongreß der sozialistisckfen Partei m Chicago schienen die Gemäßigten in der Minderheit zu fein. Sie wurden von den Extre­misten, die eine neue amerikanische kommunistische Arbeiterpartei gegründet haben, im Stich gelassen. Auch unter den Landarbeitern macht sich der Radikalismus bemerkbar. Die Landarbcüer sind ebenfalls für Verstaatlichung der Eisenbahnen und anderer Industrien.