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Drittes Blatt

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Fortsetzung 5.

(Nachdruck verboten.)

Ragna Soendburg

Roman von Anny Wothe.

Reichrgetreideordnung für die Lrnte 1919.

$n der am 21. Juni erfäncncnm Nr. 115 des -ieichs Gesetzblatt«- wird die ReidFgetrcitevrdnung tot bi« Ernte 1919 veröffentlicht. Es ist darin der versuch gemod^t, unter sorgfältiger Abwägung der Interessen der Erzeuger und der Verbrauckier dein allgemeinen Verbürgen nach Abbau ter Zwangs- virlschäft insoweit Red-nung zu tragen, als es zur Zeft inbgliclf erscheiirt.

Tarüter, baß diese Möglichkeit beim Brot­getreide zur Zeit noch nicht gegeben ist, ftnd sich wohl alle beteiligten Kreise einig. Tic Er aähning unserer Bevölkerung mit Brot und den aus Getreide herzustellenden NL'.frmitteln zu Prell r, die für die Allgemeinheit erschioinglich sind, ohne Erfassung ter Erillc durch die öffentlich. Hand und ohne behördliche Verteilung noch nich gesichert. Die immer meljr zurückgr'tenden Ernte krttäg«, der troternte Verlust ffntejcr und aus aiebiger Lieferung« bcrirve, die holZen Preise für das aus dein Ausland her bei zuhv lende Getreide, tm- schweren Bedenken gegen die Betätigung des wilden Wandels alle diese Umstände txrbieien tne Zulassiorg ter freien Verfügung über die Brot- ytreiteemte.

Tie große Knappheit unserer Lebensmittel l-ol ti im Lause tes Krieges je lLigcr, desto mehr er- forderlich gemadft, die Gerste zur Brvtstreckung and damit zur menfdilidjxm Ernährung l-cran^u- üehen. An sich ist sic eins unserer wicht igllen: Futtermittel, unb bei deren Knappheit ter" Wunsd» auf tdlweife Freigabe ter Gerste bei den Land­wirten besonders lebhaft und allgemein. Zweifellos iräre cs zur Behebung des von ter Bevölkerung so drückend empfundenen Fettmangels dringend er- aüiis::»t, die Gerste in großem Umfange für Lchi»rne;ucht und -mast frcizugcten. DaS ift aber erst dann möglich, roemt die Brotveriorgurrg des ganicu Volkes als völlig sidiergestellt angesehen werden kann. Ob das der Fall sein wird, läßt sich erst nach dem Ausfall ter jetzt reifenden Ernte beurteilen. Besondere Vorsidft aber ist aus den oben hinsichtlich des Brotgetreides gemachten Aus- Uhrungen geboten, und «S kann desl-alb di« Frri- gnbe grösserer Gerstenmengen zu Fütterungs- rmcken zur Zeit leider nicht erfolgen.

Bei 5)ülsensrüchten, Buchweizen unb Daser ist rme Lockerung der Zlvangsmirtsd)aft erßolgt. Tie 9mirtfd)aftimg der Dülsen fruchte hat trotz flEtr Ma'uralImen nur imtefriebigente Ergebnisse «zeitigt; ter Schleichhandel Ijkrt s ich ihrer in stärn- ig steigendem Maste bemächtigt. Tie Reicl>sgetrcite- fltllc wird fick) im kommenden WirtstlZafls ahr dar­auf beschränken, einen Teil der Ernte im Wege der Landllcferung zu erfassen. Dasselbe gilt für Buchweizen. In gleiclicr Weise wird sie die für die Herstellung von Mhrmittcln und zur Teckung des Hecocstecharfs erfortertidjen Hafer- >v.ngen erlassen: dabei ist eine wesentliche Ber- mchriuig der Nährmittel vorgesehen. Tie Land- lirfmmg soll «ohne Desclflagnahmc erfolgen, ihre trrfüllung ater durch fdjarfe Strafmaßnahmen silier gestellt luerben. Es empfahl sich nid#, die näheren Bestimmungen über die anzufordernden Ütengen, ihre Umlegung imb Ausbringung jetzt rion in ter Reirl^getreiteordnung feslzusctzen: die Rrichsgctreitestclle wird die Festsetzung,^leunigst t<rnu?tenen, sobald die Ernteergebnisse einiger» märten gesdiützt werden können.

Von besonderer Deteutung für die Sicherung der Lieferungen ist die Einführung einer von vorn- berdn icftgrlegten Ersatzpflicht in Höhe des Dop­pelten tes Marktpreises, durch die die Rcichsge- trcidestelle dafür schüchlos gehalten werden soll, tah sic ihr lstnlerzvgene Mengen im freien Hantel enuerben must. Ferner soll die Nichtigkeit von ftauf* und Miteren Lieserungsverträgen fiter die im Wege ter Landlieferung zu ersassenten Frückste biK>nxit eintrrtm, als dadurch die Ablieferung der von der 91 eid^gr treitefteile um z u legenden Men- S unmöglidr gemad^t wird. Um zu verhintern, durch das Drängen tes Handels und die da­durch zu emxxttente Preissteigerung die Erfassung ter um gelebten Tiengen ter genannten Früdste 1 oeföTtrtet wird, ist darüber hinausgel,-end bestimmt, vast alle vor dem 16. August 1919 über Hafer ter neuen Ernt« abgeschlossenen Verträge ver­boten unb nidjiig sind, gleichgültig, ob sie vor tem Inkrafttreten ter neuen RcidBgellciteorimung ab- Mchilvssen worben find oder erst nachher abgcschLos- $en werten.

Auf jede Art ter öffentlichen Bewirtsdjastung dm Mais, Wicken und Hirse tonnte verzichtet :Verden. L u pinen finb bereits durch ceinc vor ; kurzem ersdnenene Verordnung aus ter Reichs- getreidcordr.ung gestrichen Worten.

Die Festsetzung ter zur Ernährung ter Setbft- I terforger und zur Fütterung tes Vieles zu Der» kenterten Mengen ift zunächst vortetelten Wor­ten; Re wird durch den Reichsernahrungsminister

,^Za," nickte Bruder Geerd ernst,sie meinte t? zwar nicht so böse, die Male, denn sie bitte die hinter selber lieb und wollte sie nur nicht hergeben für das Prinzeßchen, ater bi« arme Waise empfand t5 doch bitter und schwer. Niemand wollte sie !>eb haben in tem fronten Hause. Tie alte Frau, te doch eigentlich, gut war, hielt sie für eine böfe tejc und die Sinter für garstige Unarte, da zog tes arme Prinzeßclnm von dannen. Wie sollte sie fchoksen, lehren und arbeiten für andere, wenn Huer ihr freundlich entgegentam ? Sie tvandte siä. rill, heimlich in ter Nacht von bannen. Tas drinrestchen lief immer zu, immer weiter, es hatte smrcht vor ben Menschen, die so böse unb lieblos [taten, es lief, bis cs an ein grostes Wasser kam. tter das Drinzetzchen sah es nicht es wollte Jur fett, fort. Unb hie Wellen, die nahmen es limeidjelnb auf unb trugen es fort in den Himmel i-W feinem toten Mütterlein. Ta hatte es doch Eich jemand gefunden, ter es lieb hatte, bad ernte kleine Waisenkind."

än Fränzes Augen schimmerten grvste Tränen rird Aenne hatte ihr gerate nicht mehr sauberes ! rchnupftuch zu einem Knäuel geballt und sich in

tote Mündchen gesteckt, die Augen groß und 'st.; st ha ft auf den Bruder gerichtet. Ter Peter aber

I teb das häßliche Stumpft, äsch.n keck in die Hüte ;"tb sagte wichtig, tem Bruder die dicke Kinter- «und entgegenstreckend: ^Jch weiß, was du sagen tast st. Tos Ptkuzcßchen ist das neue Fräulein, und tar feilen brav und gut fein, damit es ihr nicht M. geht wie tem atmen Waisenkind, das ins

Samstag, f. Juli Wy

Siehener Änzeiga (veneral.Anzelgn sSr Dbnhesten)

zierte.

(Fortsetzung folgt)

hohes Alter eine Wiederwahl ab. Für die B«i- geordnetcnwahl ist Heinrich Raab aus­gestellt. Möge sich diese Wahl ebenfalls in Einig­keit vollziehen.

mit Zustimmung tes Staarenunssthusses und nach Anhöruirg tes zusländigen AuSch^tsieS ter Nattv- nalVersammlung erfolgen, fubalb ein Ueberbluf über dir voraussichtlichen Er geb» risse ter touunen- ten Ernte gegeben ist.

folgt von einem etwa achtzehnjährigen jungen Mädchen mit dicken, lichtbraunen Zöpfen, welches etwas befangen auf di« lärmend« Kinder schar und

Darf ich Ihnen meine Kinder vorstellen, Fräulein." Wie hart (lang Ragna dieses un- termUtdtc »Fräulein" ins Ohr- Noch nianalg

Airchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst am Sonntag, 6. Juli (3. nach Trinitatis).

Kollekte für die evangelische Gemeinde Bürstadt In der Stadtkirche. 8: Zugl. Christen!.

f. d. Neu konfirm. a. d. Markusgemeinte. Pfr- Ass. Sdiacfer: 9V,: Pfr. Mahr: 11: Kinderkirche f. d. Matthäusgcmeinte. Pfr. Mahr. In ter Johanneskirche. 8: Zugl. Christenl. f. d. Neutonfirm. a. d. Jol-annesgemeinte. Pfr. Ans- fclb; 9V2: Pfr. Bechtolsheimer: 11: Kinderkirche f. d. Lukasgemcinde. Pfr. Bedftolsheuner; abds.

8: Bibelbesprechung im Johannessaal. K i r ch- b e r g. Vorm. 10: Christenlehre f. d. männlliche Sugcnb Lollar: Nachm. IV, Uhr.

Katholische Gemeinde.

Samstag, stiachm. 5 und abds. 8: Gel. * bC Beichte. Sonntag. 6/2: Gel. z. hl. Becchte: 7: Hl. Messe. Gemeinsdiaftliche Kommunion ter Jungfrau: 8: AusteUung ter heil. Kommunion: 9: Hodmmt mit Predigt: 11: Hl. Messe mit fraueit-Kongregation. Diaspora^Gottesdirnst an« 6. Juli. Hungen 71/,# Laubach 10, Lich 91/, Uhr.

meine Geschuhte

Sie drehte ihm ihr altes, leterfarmges Ge­sicht mit den vielen Falten unb Runzeln voll zu und fugte ernst: .

Ick roeett, wat S«e meeuen, Herr Geerd, aber so'n olle Hexe is die Male Müllern noch lange nich. Verstanden?"

Beweisen, Male'en, tewei'en," lachte Geerte und setzt- die Zwillinge mit einem energischen Ruck auf die Erde. Tagmar ater zupfte ten Bruder ver­traulich ans Ote läppchen und tniff ihm vor Ver­gnügen in ten Arm, baß erAu!" schrie, während sic ihm zuflüstcrte:Tu, es hat wirklich geseften bei Male, na, verdient hat sie's lange. Himmel, da hält ter Wagen," schrie sie auf,unb ich habe nun doch nicht das Ausstzngen gesellen, wie ach so gern nxolltc. Ob Gunhlld sie auf tem Bahnhof gefunden hat? Wo ist denn nur die Mama?"

Mama, Mama," schrien die drei Jüngsten durcheinander, daß die Wände zftterten.Tas Fräulein, das neue Fräulein kommt, Hurra! Sie hat fein« rote Feter auf tem Hut, und ju rßt ge­wiß kein Zuckcrwerk," tobte e* durch das Wohn­zimmer, daß dic soeben rintretente Frau Pro­fessorin die Mutter dieser hoffnungsvollen Sprößlinge einen Augenblick wie erstarrt steifen blieb.

Gott sei mir gnädig!" rief sie in komischem Entsetzen und schob Aenne und Franz«, die fick an ife teranteängten, energisch von sich. ,Lhc seid 10 die reinen Vandalen."

|Vandalen, Vandalen, Hurra, Hurra!"

Verhältnisse unb Umstände hier sehr hohe An- forte rangen gestellt werten, die erforderlichen Fä­higkeiten in reichem Ddaße. Tie Beigco r d- neienwahl ist auf den 13. Juli festgesetzt warten. Ter bisterige Beigeordnete Jakob Heller wirb für eine Wiederwahl als einziger Kairdidit in Frage kommen.

* Lindhetm, 3 Juli. Heinrich Wilhelm König wurde zum Bürgermeister gewählt.

* * Massenheim, 3. J^ili. Zum Beige­ordneten wurde ter LvSterige Inhaber tes Am res, Gust. Map, givül)li.

* * Miltelgründau, 3. Juli. Bürger­meister Knecht ist gestern wiedcrgewäh.t wor­den.

**Niederwöllstadt, 3 Juli. Zum Bei­geordneten wurde der Weißbinder Schmidt lSozll ohne Gegnersdtzisl gewählt. Die Wahl gesdiah auf Grund einer Vereinbarung, wonach die Bur- gerlid>en den Bürgermeister, die Sozialtemokratcn dagegen den Beigeordneten, stellen.

* * O b« r m 0 ck st a dl, 3. Juli. W. Sei­he im ist mit 151 Stimmen zum Bürger­meister gewählt worden. Ter Gegenkandidat Wild. MicLel erhielt 150 S im men. T<r bir- Irrige Bürgermeister Halle auf eine Wieterlvahl ocrzichtet.

* * Ober-Rosbach, 3. Juli. Hier wurde der Sozialdemokrat Welcker ohne Gegenkandidat zum Bürgermeister gelvählt.

* * Oberwöll st adl, 3. Juli. Zum Bürgermeister wurde Go.t rieb Gonbolf mit großer Mehrheit gewählt. Ter Gew.tz:! e lwt bereits vor mehreren Jahren das Bürgermeister­amt innegehabt.

# Schlitz, 3 Juli. Ter am Sonntag mit 731 Summen einstimmig geiväh te B.erufs- b ü r g e r m e i fl c r F.itz N ie P 01h te i bet fid) zur Leeudigung s i >uristisd-eu Studien gegen­wärtig noch in ch n und wird s-in Ami erst im Herbst dieses Iah es antreten. Beigeordneter Zöller, ter bi. beuge Bürgermcisder-Stellver- rretcr, hat sich bereit erklärt, die Bürgermeister­geschäfte bis zu die,cm Zeitpunkt wei:erzusühren. Am fommenten Sonntag findet di? Wahl tes ersten Beigeordneten statt. Eine gestern abenb im Hendridstckien Saale veranstalttlle Lürger- wTammlung, die von Ttanneni u b Frauen aller Parteien gut besucht war, entschied fid) für die Wiederwahl tes bisherigen verdienstvollen ersten Beigeordneten. Si ic Wiederwahl kann als gc- lidKrt betrachtet m-rten, wenn auch, wie ver­lautbart wi d. die Sozia.b mokra «n noch mit einer Gegenkandidatur kommen so . ten.

# Aus dem Schlitzerlande, 2. Juli. Soweit in den Gemeinden des Sdiliterlandes am -Dountap die Bfirgermeisterwablen stattmnten, ver- l e;en iie wie jüngst die Gern rinder alsn« hl cn im Zeidfcn öer Einmütigkeit und ohne tertnädige Wahlkämpfe. Nur in vereinzelten Orten standen sich zwei Bewerber gegenüber. Vielerorts wurden die bisherigen Bürgermeister einstimmig wietergewählt. so in Hemmen Heinrich Hilpert, in Sandlofs Chr. Jaust nach 27jäbriger Amts- tätigTrit, in Uctzhausen Joh. Adam Schäfer/ in Bernshausen Konrad Schwarz, in 11 el­fer g häufen Joh Eurich IV. nach schon 35jäbriger Amtstätigkeit, in Pfordt Johs. Fischer VII., in Frau r omba ch Heinrich Hoh- mcier, ter schon 13 Jahre sein Amt verwaltet, in Unter-Schwarz Konrad Livs, in Rimbach Adam Töring II., in Queck Chr. Hofmann. In Ober-Wegfurth wurde der bisterige Bür­germeister Konrad Hühn mit 9 Stimmen wieder­gewählt, während der Gegenkandidat, Gemeinde­rechner Horst. 5 Stimmen erhielt. Neugewählt wurden: in H u tz d 0 r f Karl Fischer mit 59 gegen 46 Stimmen, die auf Heinrich Hohmeier III. lauteten; in Unter-Wegfurth Joh. Livs mit 9 gegen 6 Stimmen: in Hartershausen Beigeordneter Bal. Kreutzer mit 21 gegen 19 Stim­men, die für einen zweiten Bewerber abgegeben wurden; in Nieder-Stofl Beigeordneter Kon­rad Quaattz. In Willofs wurde der bisherige Bürgermeister Jol)annes Weber II. mit 87 Stim­men wietergewählt: der Gegenkandidat Adam Marr erhielt 54 Stimmen.

** Steinbach, 2. Juli. Kommenden Sonn­tag findet die WahleineSBürgermeisters iür unsere Gemeinte stall. Der bisherige Bürger­meister Kramer, welcher das Amt nun feit 1911 führt, hat sich durch seine Pflichttreue unb seine Zuvorkommenheit das Bertr-auen der ganzen Ge­meinde erworben. Aus Dankbarkeit wird deshalb von Aufstellung eines weiteren Kandidaten Abstand genommen, und Kramer wird einstimmig wieder- gewählt werben.

* * U t p he, 3. Juli. DieB fi rgermeifter- wähl stand unter tem Zeid-en ter Einigkeit. Maurermeister Hartmann Friedrid> Dietz tourte einstimmig mit 209 Stimmen gemälzt. Der bis­herige Bürgermeister lehnte mit Rücksicht auf sein

von dieser zu dem neuen Fräulein blickte, das doch auch gar zu unglücklich an ter Tür stand.

Gunhild Lorenzen, die älteste Tochter tes Hauses, halle schon etwas Erfahrung bann, denn seitdem sie erwachsen war, halle sie immer die zweiselhaft angenehme Pflicht gehabt, die neuen Stutzen unb Ktnderiräuleins vom Bahnhof abzu­holen unb ins Haus zu beförbem. Früher batte es die Mama getan, aber bei der stattlichen Zahl, die sich im Laufe der Zeü an gefummelt hatte im letzten halben Jahr warm es nur acht ge­wesen hatte die Frau Professor eine wirllich empörende Gleid>gültigkeit für derartige Empfänge an ten Tag gelegt. Tie Kinder waren erschreckt und bestürzt verstummt. So hatte doch noch keine ausgeschaut, wie chie tehe blonde MLdd>eirgestalt, vor ter sich soeben Bruder Geerd tief unb ehr­furchtsvoll verneigte, als wäre sie eine wirkltche Prinzessin, und auf die jetzt die Mama -nschritt und ganz kühl unb förmlich sagte:Seren Ste mir herzlich willkommen, Fräulein."

Sie ist doch eine Prinzessin," sagte ^anze entschieden zu Male, die ihr soeben, well ft« sich schüchtern etwas näher schleichen wollte, als Male für gut befand, /inen energischor Kiuisf versetzt hatte.Sie ist so fein und so schön."

Tie tunkt sich keene Fingerspitze in't Wasser," gab Male zurück. .Hott soll mir bewahren vor so'n« Stütze."

Ernste Teuerungdunruhen in Italien.

Amsterdam, 3. Juli. Laut Telegruaf m«te den die Times aus Mailand, teß am 1. Juli ftr Forli sowie anderen großen italienischen Orten im Zusammenhang mit ter Teuerung ernste Un­ruhe n stattgcfunden haben. Viele Läden würben geplündert unb zerstört. Es kam zu hef­tigen Schießereien.

Massenvergiflung durch sckrlechtts Fleisch.

Elberfeld, L Juli. (L.-A.) Nach Genuß von Hammelfleisch, das von der Stadtvcr- waltung auägegrbcn worben wär, erkrankten im Orte Uebcrruhc zahlreiche Personen unter Bcr- gistungsersdpinungnt. Tic Zahl der Erkrautten wird bis heute auf etwa 900 geschätzt.

* Prosessorengchälter. Die neue Teutsche Ak tem slhe Zeit chrift" oerösfeniluht eine zeitgemäss« Betrachlnng über Prosessvrrw- gchälter: An ter Technisd-eu Hochschulc Hannaoer ist eine aufjerorbcntlidje Professur für Bauinge- nieur-Wissensd)aften g«grüntet unb besetzt Worten. Der neuberufcnc Professor erhält ein Gehalt von 3000 Mk. fd)reibe dreitausend Mark unb Honoraranteile, die sich auf einige bunbert Mark belaufen mögen. Ferner ist gleichfalls an der Technischen Hochschule Hannover eine außerordent- Hd)e Professur für Wirtschaftsgeographie in Aus­sicht genommen. Diese soll mit 3500 Mark schreite breitaufenbfünfbuntert Mark nebst ten geringen Honoraranteilen bezahlt werden. In der Wodxnschriit tes Architektenvereins zu Berlin wird die Stelle eines Assistenten der Wasserbau-- Prosessur in Hannover mit einem Einkommen von 4200 Mark zuzüglich Teuerungszulagen aus­geschrieben. Der Assistent bekommt also bedeutend mehr als ter außerortentlicte Professor. Der un­gelernte Wafserbauarbeiter bezieht dagegen im Be­zirk der Wasserstraßen - Baudirektion Hannover 15 Mk. Tagelohn. Das Jahreseinkommen eines Sttaßenbahnschasfners beträgt 6000 Mk., eines Berliner Mfillkutsd-ers 9300 Mk., eines Kellners 12 000 Mk.

* A uf einen sehr merkwürdigen Einfall geriet infolge der Nahrungsmittel­knappheit eine in Köln wohnende Witwe aus dem Posener Kreis Filehne. Um sich Nah­rungsmittel zu verschaffen, hat sie in sieben en bei ver chiedenen Standesämtern sälsch- ttcherweife Geburten angemeldet.' Diil der standesamtlichen Urkunde begab sie sich dann zu den Lcbensmittelver.orgungsftel.en und er­hielt dort die vorgcschriebenen Nahrungs­mittel und Stärkungsmittel für Mutter und Kind. Vom Schwurgericht wurde sie zu drer Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Uommanalwahlen.

** Albach, 2. Juli. 6ei ter Bürger- meisterwa hl tourte ter bislterige Beigiortmetr unb stellvertretende Bfirgermeiaer Arnold mit 113 Stimmen zum Bill gern reiner gervählt. Ter Gegenkaiwü-at Wllhelm Lenz erhielt 59 Stimmen. Tie Beigeorbnetemc»ahl findet am 13. Juli statt.

rr. Bernshausen, 2. Juli. Der bisterigr Bürgermeislerstellvert.eter Konrad Schwarz U. wurde mit 32 Stimmen cinftimmig zum Bürger­meister gewählt.

** Berstadt, 3. Juli. Zum Büraer- meister wurde W 0 l k mit 253 unb zum Bei­geordneten Rau mit 187 einstimmig ge mählt. Beide (^'wählten hatten ihr Amt schon vorher inne, unb daß sie es zur allgvmcuum Zu ftietenteii ausübten, beweist ihre einstimmige Wieter.vahl.

G Ausdem ff re ise Friedberg, 2.Jull Bei bm vincanftalt. teil Bürgermeistcrwah len tourbni geivahll: In Oppershofen der bish. Bürgermeister Schmidt (einstim.); in Münzen- berg bet bish. Bürgermttster Metz: in Jom« äffen bet in ter 25jälnig< Laute oirl PH. Jung mit 247 gegen 75 Stimmen; in Wecke s he i m der bisherige fBürgcrnuilter Reid>teld (einiiim migi; in Dorheim ter bisterige Bürgermetilci Schmiebemeister Alles mit 336 Stimmen gegen 111 Stimmen imb 115 Stimmen, die ans einen netteren bürgerlichen und einen iojialtemo- fratifdxn Kai'Didaien fielen (bte Sozialdemokraten, die bei ter Nationalival)! m ter fiverwiegenten Mehrheit waren, haben 2/a iljrer Stimmen ver­loren» : m Kloppen heim gte ter bisherig« Beigeordnete Klient über teil biSterigen Bürg,r- meiltrr Ulrich, trotzdem dieser geschloßen die Un­terstützung ter Si^ialtennofnaten geiunten l>attc; in Petterweil wurde ter bisterige ^Bürger­meister Weteteim (Dauernbnnd> mii 196 Stimmen gendijit. mäh end ter sozialtemokra iftte hlanbibal Landwitt Ried U33 Stimmen erhicll: in Wie« der-Weisel, wo te« Wahl nid»t politisch ge­färbt war, wurde der bisherig« Vcllgcvrdnetc Land- nirt hinter mit 450 Stimmen gen<ihll^ ter Gegenlandibat Landwirt Häuser crl/ielt 327 Stim­men. Tie Waldon im Kreis zeigten überall, selbst in ben Orten mit vorwiegend arbcitenteo Bevölkerung in ter Frankfurter Jncnstriezone, ein starkes Abflauen der sozialdemokra- t i f d? e n S t i m m e n im Berl)älmis zu ten Wate len im Januar. Tic Watebeteiligtrng war allcnt- lxüben sehr stark. In mandnm Orlen traten fast alle Wo hl berechtigt en zur Wal^urn.e.

r. Gacbenteich, 2. Juli. Bei ter Bür- germci st erwähl beteiligten sich 92 Prozent ter Wähler. Ter bisheriae Bürgermeister Heinrich Kissel II., ter bereits 18 Jalwe zum Wohle ted Gemeinte gewirkt, wurde mit 294 Stimmen nieder gewählt.. Ter ffaartebat ter linksstehcttden Parteien, Weißbindermeister Adolf Decker, er­hielt 167 Stimmen.

** Großen-Buseck, 3. Juli. Zu unserer Notiz über die Bürgermerfterwahl in Groten- Buseck teilt uns FinanzaintsgeHille Merz berich- tigmb mit, daß zwar das zur Söiitgermeifbam>trl)I herausgegebcnc Flugblatt von ihm stammt, nicht aber die zur Gcmeinderatswahl verbreiteten schärfen Flugblätter, die ohne fein Vorherwissen von seiner Pallci Herausgebern wurden. Ferner wird berichtigt, daß dec Maurermeister Har­bach, der mit Landwirt Gans zur Stichwahl kommt, ebenjalls der sozialdemokratischen Partei angehört.

* * Großkarben, 3 Juli. Hier wurde ter Sozialdemokrat Buß mit 620 Stimmen zum Bürgermeister gewählt.

* * H a r h e i m , 3. Juli. Bei bet Bürger- meisterwahl siegte der von ter sozialtemolrati- itten Partei unterstützte Landwirt PH. B a t 10 n mit 316 Stimmen gegen ten bisherigen Bürger­meister Schmidt (Ztr.), der 300 Stimmen erhielt.

* * Himbach, 3. Jur. Bürgermeister Schäfer ist ba großer Wahlbeteiligung wieter­gewählt worden:

O L i ch , 3. Juli. Ta ter bisherige verdienst- oolle Bürgermeister £ ärmer sicherem Vernehmen nach mit Rücksicht auf fein Alter eine Wiederwahl ablebnen würde, wirb für bie am Sonntag statt- fintenbe Bürgermetsterwahl nur ein Kan­te bat. ausgestellt werten. Es ist dies Siadnechner Heinrich Fuhr, auf dessen Person sich bie Ver­treter ter Ar heiler, Bauern, Handwerker unb Be­amten geeinigt haben. Ter Vorgeschlagene ist eine allseits beliebte Persönlichkeit und besitzt für das Bürgermeisteramt, an das durch versd-ietene

Geerd küs»i« seinen haß ickfen, kleinen Bruder I Unter diesen Ausrufen trat Ragna Gräfin auf btt rtine Stirn.Mer.i braver, kleiner Mann," Soendburg über die Schwelle des^ Zimmers, ge­sagte er bewegt, aber doch schalkhaft lächelnd auf Male blicllmd, die, am Fenster stehend, angelegeni- lichst auf die Straße hinab sah. _, _

Na, Muhme Male," sagte ec,wie gefüllt dtr

Das altbewährte Nerrenpolrei Krampte Mervinam Dr. Weil der Schwanen-Apotheke ta Frank fort, galt 3iy* wird ärzti. gerne verordn, bei Krämpfen ^6 PreU Mk. 5., zu haben durch die lwhv Privileg. Sehwanen-Apo'heke in Fraakfart, Daüi 11, BesL10°/<,Haemoßl.84 7eEistinbr.u.6e/eEnzianbltter8t halle jemand gewagt, sie so anzureten, unb hier schien es so natürlich. _ m

Tie klugen, dunklen Augen der Frau Professor hatten es wohl gemerkt, etwas wie ein halbes Lächeln flog um ihre Lippen, als sie fort fuhr:

,Liier mein Sohn Geerd, ftub. jur. im fünften Semester. Gunhilds Bekanntsdwft machten sie schon selbst. Dagmar, unser Wlldfang, der gern Sterne vom Himmel holte. Peter, der nichts weiter haßt, als das Lernen, unb zuletzt meine Jüngsten, bie Radaunracher in der Familie. Geht, Kinder, reicht Fräulein Söcnbburg die Hand. So, und du, Gunhild, begleite Fräulein Soendburg auf ihr Zimmer. Um 8 Uhr erwarte ich Sie hier zum! Tee. Heute soll fötale, unsere alte Getreue, bie ich fast vergessen habe. Ihnen vorzustellen, bir Kleinen noch zu Bett bringen, morgen wirb das Ihre Pflicht fein."

Eine Handbewcgung und Ragna war entlassen^ Tie Kinder sah sie kaum. Alles schwamm um sie her wie im Nebel. Wie im Traume folgte sie tem voranschreitenden jungen Mäddxm, das mit seinen lichtbraunen Augen ihr in der Seele zu lesen schien. Endlich stand sie in ihrem Zimmer unb Gunhild sagte schüchtern:

Es ist sehr tescherdcn, Fräulein, aber in tem großen Berlin braucht man jeden Raum, da meinte Mama, Sie würben zufrieden fein, wie es Ihre Vorgängerin auch war."

,Lch danke Ihnen," preßte Ragna mühsam heraus und drückte dem jungen Mädchen die Hand.

Dars ich Sic um acht Uhr abholen?"

Ragna nickte. Spredien konnte sie nicht. MZ die Tür sich hinter Gunhild gefd>loffcu_ halle, sank sie mit einem teilen Stöhnen auf das harte« kleine Soja, das bie eine Wand tes ZtmmerH

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