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Hr. 154 Zweites Blatt

Was wird aus den Beamten im Abtretungsgebiet?

Die Wirkungen des Friedens- Vertrages werfen ihre Schatten voraus. Die Ansiedler in den an unsere Feinde ab» zatrctenden Gebieten sind in ebenso großer Unruhe über ihr zukünftiges Geschick wie die Beamten aller Art, die später selbst durch den Friedensvertrag aus dem Amte geworfen werden oder zunächst zwar an sich im Amte bleiben können, aber wohl bald durch Maßnahmen der neuen Herren aus ihren Stellen gedrängt werden, insbe- loildcre dann, wenn sie ihr Deutschtunl irgendwie zu bekennen toagen. Abg. Dusche hat bei Beratung des SiedelungsgeseheS in ixe Nationalversammlung für die Ansiedler wurme Worte gefunden und dem Wunsche Msdruck gegeben, daß sie demnächst bei Ver­gebung von neuem Siedelungsland im Reich jetii in erster Linie bedacht werden. Den K.amten die Sorge für die Zukunft zu neh­men, beabsichtigt eine Anfrage, die die 'Lgg. Dr. Becker (Hessen), Aßmann, Beuer- mami, Graf Dohna, Klara Mende, Runkel .unb Weidtmann in der Nationalversamm­lung eingebracht haben und die folgenden Wortlaut hat:

Ter Friedens vertrag nimmt der Reichs- regierung große Gebrete in Nord, Ost und West. 2amil verlieren viele Beamte des Reichs und der 'm Betracht kommenden Gliedstaaten, von Ge- Mindcn und anderen offenttich-reck'tlichen Körper- jchafte» und Verbänden teils von selbst ihre Sltt- limgcii, teils werden sie nach den Maßnahmen der neuen obrigkeitlichen Gewalten ihre Stellung verlassen müssen.

Wir fragen an:

1. Welche M aßnahme hat die Reichs- «gierung in Aussicht genommen, um

a) solclx Beamten vor vorübergehender Not zu bewahren,

b) ihnen sodann zu angemessener dauern­der Stellung innerhalb des Gebietes des Teutsclxn Reiches zu verhelfen?

2. Ist die Rcichsregierung insbesondere bereit, die Reichs beamten aus bcn obzntretenden Ge- ti.U'ii al bild in mindestens gleichwertigen Reichs- friimteiiftcllcn innerhalb des zukünftigen Rttchs- ssbietcs underzubnngcn?

3. Ist die Rcick>Sregierung ferner bereit, ' auf die Regierungen der Gliedstaaten und auf die V-rwallungen der Gemeinden unb sonstig.n öfser t i.b-rechtlich-en Körper chaf'en und Verbände dahin einzuwirlen, daß sie den

diese Anfrage eine befriedigende und damit die tdriligten Kreise beruhigende Anttoort gibt.

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Beamten der Gliedstaaten usw. aus den abzutretenden Gebieten alsbald entsprechende Stellen in ihren Verwaltungen übertragen, solche einzelstaatliche, Gemeinde- und körper­schaftliche Beamte erforderlichenfalls auch in geeignete Reichs stellen zu übernehmen?" Hoffen wir, daß die Reichsregierung auf

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kchittchlwnbelspreise tat em übriges, die pslicht- snl:s;ige Ablieferung auf eilt so geringes Maß zu- kiitmfül/ren, daß die Fleischversorgung der Be- böllmnig in ernstester Weise Mfährdet wurde. Zur Bat ist die Viet)anfbringung völlig ungenügend ge- ferben.

Es ist nicht zu verkennen, daß die bisherigen vchlachtviehpreise bei der erheblichen Steigerung Hier landwirtschaftlichen Produktionskosten uns jSiljne Mich den billigen Ansprüchen der E r - Itugcr nicht mehr gerecht toun'-et. Seit Einsüb- jng der zwangsweisen Bewirtsck)astung von »iilMinb Fleisch vor drei Jahren haben die Preise Mr Schlachtrinber ferne Erhöhung erfahren, son- Btm sind im Gegenteil herabgesetzt worden, um per Verfütterung von Brotgetreide an das Vieh ferzubeugen. Andererseits bedeutet eine Er- p.'mng der Schlachtviehpreise und demzufolge fr Fleischpreise eine erneute Mehrbe - Bcftung der Verbraucher. Da wir aber bicntoärtig, um nur die vorgesehenen geringen INnschrationen verteilen zu können, auf die Ein- fa'ir des teueren Auslandsfleisch.'s angewiesen sind, plxn nach vorliegenden Aeußerungen verschie- Ffte Ber brau cherkrttse sich für die Einführung ^as höherer Fleisckchreise im Inland erklärt, so- Wt dadurch auf eine erhöhte Ablieferung inlän^ Wh.n Viehes gerechnet werden kann. Dadurch wird k nicht nur möglich sein, die Fleischrationen ohne l^ntfprudjnabmc ausländischen Fleisches aufzu- Magen, fonbem es ist auch zu erwatteit, daß das Wh der Preiserhöhung verstärkt zur Ablieferung Minietrde Vieh Infolge des Weideganges und der |*:infütterung in Mrze von besserer Qualität sein Md.

. ^lus diesen Erwägungen heraus hat das v.cbsernährungsministerium nach Anhören der Wtscheii Freistaaten durch Verordnung vom 17. W lReichsgesedblatt Nr. 116) die Schlacht- h.vreise für Rinder mit sofortiger Wir- !^g in folgender Weise erhöht:

Schlarkstviehklasse A 130 Mk. für den Zentner

<b Stall

I Schlachtviehklasse B 110 Mk. für den Zentner L ab Stall

lir Schlnchtviehklasse C 80 Mk. für den Zentner ab Stall

Kaweeni-ehrank kleiner oder iniitL Ech tu tauf, gesucht. Zu tri mb» Ludwiglttake 311 evtlmM

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-In Verbindung mit dieser Preiserhöh: p Regelung der Preise für ^Tptsächlichst

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chlichsten Nutzviehgattungen g-uiöncpt genommen, um die zwiscl>en Nutz- und achtvr.h reisen bestehende ungesunde Span- ^2 zu mildern. Tamil wird der Einwand, der 6,. Erfüllung der Ablieferungspflicht von >N"ichtvr..-h von den Landwitten ständig unter « i oei3 auf die hohen Nudviehpreise gemacht besn/lgt. Tie nähere Mekanntgabe dieser nMung wird tu Kürze erfolgen.

1.^ rn,bie Schlachtviehpreise jetzt eine Erhö- WO erfahvm, durch die die Viehhaltung sich

Erhöhung der Schlachtviehprelse für Rinder.

Aus ben Mitteilungen des ReichÄxrsicherungs- amles:

' Lluf die niedrigen Schlachtviehpreise, die für teie Landwirte unrentabel waren, wird zum guten E il die mangelhafte Schlaclstviehablieserung der Bfi ten Monate ziirückgesührt. An einer Berrneh- piiig des Scl>lachtviehbeftandes hatte die Landwirt- itdnft kein Interesse, und der Anreiz der hohen

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Gietzener Anzeiger sSeneral-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 5. Juli IW

lohnend gestaltet, so wird die Landwirtschaft hoffentlich alles daran setzen, die Bersorgmig der Bevölkerung mit der an sich knapp bemessenen ?fleischration zu ermöglichen. Es muß an die Ein- icht aller denkenden Ätcii'c appelliett werden, daß unser Volk nur bei Aufrechterhaltung der Ratio­nierung in den Daupttrahrungsmitteln über die ihm aegennxir.ig noch drohende Ernährungs- und Wirlsäwitskrise Hinwegzubringen ist. Dazu gehört aber auch, daß die Erzeuger willig und ehrlich ihoen Lieferungsverpflichtungen an die Allgemeitih il n a ch k o m m e n. Insbesondere darf ettvartet merben, daß die erhöhten Schüuhtvieh- preise der Landwirtschaft und ihren Organisationen ein Ansporn sein werden, den zerstörenden Einflüssen des Schleichhandels den Widerstand eittgegenzusetzen, oh.re bcn dieser Krebs­schaden unserer Fleischversorgung nicht wirksam zu beseitigi-n ist.

Au» Stadt und Land.

Gießen, den 5. Juli 1919.

Die Zucht der Seidenraupe.

Hier und da findet man noch, namentlich'6uf alten Friedhöfen, einzelne (Hemplare des weißen Maulbeerbaumes, her Futterpflanze der Seiden­raupe, als letztes Erinnerungs.zeichen der Bestre- bungen, die Seidenraupeitzuchk auch in Oberhessen einzuführen. Eingestellt wurden diese Versuche in» folge des verheerenden LLuftretens von Seacheni lunter den Raupen, die die gesamten Bestände in kurzer Zeit vernichteten. Nachdem es aber gelungen ist, die gefürchtetste der Seuchen, die Fleckenkrank-- heit oder Pebrine, durch die Pasteursä^e Zellen- grainierung wirksam zu bekämpfen, sind die Ver­suche zur Zucht der Seidenraupe in Deutschland mit neuem Eifer und vielversprechendem Erfolg wieder ausgenommen worden. Eine besondere Or­ganisation, der deutsche Seidenbau-Verband ^Dresden), hat sich gebildet und gewahrt seinen MitglicLern nicht nur Rat in allen praktischen Fragen, sondern unterstützt auch etwaige Zuchtver- ifutbe durch Abgabe von einwandfreier Raupen­eiern, sowie durch Venvertung der gewonnenen Kokons. Seit der Krieg so viele beschrankt Erwerbsi- fähige geschaffen hat, besitzt die Seidenraupenzucht eine erhöhte wirtsckwftliche Bedeutung infolge ihrer leichten Ausführbarkeit und ihres schnellen Ver­laufs. In etwa acht Wochen (Ende Mai bis Ende Juli) machen die Raupen ihre Entwicklung burrf), und der erhöhte Preis für Rohseide (im letzten Jahr 30 Mk. für das Kilogramm) gewährleistet bei gutem Verlauf in der kurzen Zeit mit unbedeutenden Mitteln einen recht an­sehnlichen Verdienst. Allerdings setzt der Zucht­beginn genüg'/nbe Mengen her Futterpflanze, des weißen Maulbeerbaumes, voraus, die erst noch zu beschaffen wären. Ohne Beihilfe des Staats unb der Gemeinde ist eine solche Bereitstellung nicht denkbar: doch ist bd der Anspruchslosigkeit der Pflanze (sie kann auch zur Einfriedigung von Gätten usw. verwandt werden) überall Gelände vorhanden, das für diesen Zweck geeignet wäre (westl. Abhang des Trieb am Rande des Philo­sophen Walds, tvestl. Abhang des Rodberas usw.)

Tie Höhere Mädchenschule hat wäh- vend des Kriegs in ihrem Schulgarten einen kleinen Bestand an Maulbetwbäumen anaelegt und macht zur Zeit für Schulztoccke in kleinem MaMabe einen Versuch zur Aufzucht der Raupen. Kriegs- befd}äbigten insbesondere, aber auch sonstigen Interessenten, wird der Betrieb gerne vor geführt. Sie werden gebeten, sich in den Vormittagsstun­den im Schul Haufe mit Reollehrer Eoroinus in Verbindung zu setzen.

** Was wird aus dem Lebensmit­tel-Ersatz nach dem Kriege? Der Mangel an Rohstoffen und Material auf allen Gebieten hat während des Krieges eine blühende Ersatzmittel- Industrie berborgerufen, die auch bei den Leben8- fmitteln aushelfen wollte, und es fragt sich nun, was wird ans allen diesen Erzeugnissen, die sich nickst immer gerade des besten Rufes erfreuten, wenn die Blockade aufgehört hat unb allmählich die früher verweirdeten Stoffe wieder zur Verfügung stehen. In derZeitschrift für Abfallverwertung und Ersatzstoffe" werden interessante Erfahrungen zu dieser Frage zusammengestellt. Danach kommen wohl nur noch die Fabrikationen zur .Herstellung! von Fleischextraktersatz, Suppenwürfel und Tunken in Frage, die auf der Ausschließung von tierischen und pflanzlichen Stoffen durch Salzsäure beruhen. Sie sind zum Teil so gut zu verwenden, daß sie ssich auch wohl in der Friedensrvirtschaft erhalten werden. Auch einzelne Kasfee-Ersatzmittcl werden hergestellt, die in Friedenszeiten wohl noch billiger sein werden, als die Korn- und Zichorienfabrikate von der gleichen Güte, wie mir sie auch früher schon tatmten, und diese dürften weiter in Konkur­renz bleiben. Dagegen hat die Herstellung von, Fetten aus Obstkernen nicht befriedigt, weil die Sammlung der Kerne zu schoierig und die Aus- bcute an Fetten zu gering war. Ebenso sckteint die Fabrikation von Fetten durch Pilzzucht den hohen Erwartungen, die auf sie gesetzt wurden, nicht ent­sprochen zu haben: es werden aber noch täglich neue Versuche, besonders in der Belüftung der Bot­tiche, die schwer einwandfrei herzustellen ist, aus­geführt.

Kreis Büdingen.

.** Nidda, 2. Juli. Die Gewerbeschule konnte wegen Ausbreitung der Grippe ihren Unter­richt erst am 11. November 1918 beginnen. Der Schulbetrieb ist im übrigen von der Ungunst der Verhältnisse wenig berührt worden. Die Befuchs- ziffer hat gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme zu verzeichnen, sie hätte sich noch verstärkt, wenn die ungünstige Bahnverbindung nach Friedberg nicht 810 Schüler dorthin abgelenkt hätte. Die Tagesschule war von 37 Schülern besucht, wor­unter sich fünf Kriegsbeschädigte befanden. Am Zeichenunterricht der Handwerkerschule nahmen 29 Schüler und am gewerblichen Fortbildungsunter­richt 41 Schüler und Schülerinnen teil. Im ver-° aongenen-Winter ist wiederum ein Kursus zur An­fertigung von Kriegsschuhen mit 12 Teilnehmerin­nen abgehalten worden.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stellenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Zu den bevorstehenden M^eistags- und Provinzialtagswahlen.

Tie Stadtverordneten- urb Gemeinderats­wahlen haben eine bedenkliche Wahlmüdigkeit ge­zeitigt. Tie Bürgermeister- rmd Beigeordneten- Mahlen mit ihren eventuell nötig werdenden Stich­

wahlen, die auch an einem Sonntag stattzu finden haben, werden die Wahlsreudigkeit nicht erhöhen, so daß, wenn schließlich die Kreistags- und Pcir- vinziattagswahlen herankommot, die Wahlbetei­ligung auf ein Minimum benabfinten wird unb die reinsten Zufallsergebnisse erreicht werden dürften.

Für die Gemcinderatswahlen waren Verein­barungen aller, oder coo das nicht zu erreichen war, eines Teiles der Parteien getroffen worden. Was liegt nun näher, als daß die Parteien den Versuch machen, die Koeistags- und Provinzial­tagswahlen in ähnlicher Weise vorzunehmen. Ein nicht zu verkennender Vorteil eines solchen Vor­gehens wäre, daß die zu vergebenden Sitze ge­rechter auf eine größere Zahl von Otten im Kreis und in der Provinz Dcrt.ilt werden könnten. Bei einem Wahlkampf d r Parteien würden mit großer Wahrschiulichkeit einzelne Otte mit einer unverhältnismäßig großen Vcttre ung verschiedener Parteien bedacht werden, wälstend andere Orte ganz leer auSgehen würden. Tie Grundlage für die Aufstellung der Listen ist in bcn Abstimmungs- verhättnissen bet der letzten Volkekammerivahl ober in der Zahl der auf jede Partei entfallenden Ge- meindergtsbcisitzern gegeben. In Orten, auf die nur ein Kreistags- oder PoovinZa tagssitz fällt, müßte das Mandat der stärksten Partei zufallen. Kleinere Orte könnten gemeinsam einen Kandidaten prä­sentieren. Auf diesem Wege würde es gelingen, die Sitze gerecht zu verteilen, das Parieigezänk zu vermindern und die Wahlenergie für die voraus­sichtlich im Januar- statt findenden Reichstags- walsten aufzusparen. Schließiick) wäre auch die Zusammenlegung der Kreistags- unb Provinzial- tagswahlen mit Abgabe eines nut mit einem Kenn­wort versehenen Stimmzettels in die Kreistags­und Provinzialtagsurne zu empfehlen.

Büchertisch.

Diogenes (Ein Narr des Lichts). Shm- kolifches Schauspiel für die (Gegenwart von Tt. Ernst Schwarz-Echzell. Preis 2.50 Mk. Tie Tarstellung des Gegensatzes zwischen Weltherr­schaft (Alexanders imb Seelen Herrschaft (Tioge- nes) ist die Problemstellung dieses Dramas. Die Idee des Stückes ist, daß die in unseren Tagen herrschende UebersckMung irdischer Güter über­wunden werden muß, um die Welt zum Licht, d. h. zum ewigen inneren und äußeren Frieden zu führen. Es soll dazu beitragen, die fortschreitende Entfettung des Lebens,bem Einzelnen zur persön­lichen Empfindung zu bringen. Ta, wie wtr hören, das Ttama jedenfalls an unserer Bühne im Win­ter zur Aufführung gelangen wird, behalten wir uns ein näheres Entgehen darauf vor.

Letzte Nachrichten.

Der Reichöernährungsminister über die Preissenkungen.

Berlin, 4. Juli. Der Reichsernäh­rungsminister hat folgenden Erlaß an die Freistaaten, Kommunalverbände und Gemeinden geridjtct:

Um die Absichten, die mit der Verbilli­gung der ausländischen Lebensmittel verbunden sind, zur vollen Durchführung zu brin­gen, bedarf es einer bereitwilligen Mitarbeit der Gemeinden unb Kvminunalverbände. Die Preis­senkung ist in der Weise erfolgt, daß den Kvm- mnnalDerbänben die Ware zu billigen Preisen zur Verfügung gestellt wird. Es muß nunmehr dafür gesorgt toerben, daß nicht Zuschläge von Zwischen- stttlen und Zwischenhändlern genommen werden, die die Absicht der Verbilligung teilweise unwirksam fmadx'u. Die Preise sollen betragen: bei Reis bas Pfund im Kleinverkaufspreis höchstens 2 Mk., bei Hülsen fr üchten im Kleinverkauf das Pfund höchstens 3,25 Mk., bei Mehl das Pfund im Kleinverkauf 82 bis höchstens 84 Pf., für Fleisch in kleineren und mittleren Städten 9 Mk. das Kilo, in größeren Städten höchstens 9,50 Mk. das Kilo, bei Sveck 8 Mk. das Kilo, Kondenzmilch die Büchse 1,80 Mk. Bei den Sommunaltxrbgnbcn unb Gemeinden dür­fen Ucberschüsse aus uer Verteilung der anslän- tbischen Lebensmittel nicht erzielt werden.

Britische Offiziere über die Lage in Deutsch­land.

Amsterdam, 4. Juli. Den englischen Blät­tern vom 2. Juli zufolge hat die Regierung am 1. Juli ein Weißpapier mit weiteren Berichten britischer Offiziere über die wirtschaftliche Sage in Deutschland veröffentlicht. In diesen Berichten wird die politische Ruhelosigkeit tatsächlich auf die Unterernährung und den Hunger zurückgeführt, die unvermeidlich zum Bolschewis­mus führen, lieber Schlesien berichtet die britische Kommission, daß es eine wundervolle kleine Pro­vinz mit ordnungsliebender hart arbeitender unb moralisch gesunder Bevölkerung sei. Das ganze Land bis zur Grenze sei rein deutsch, unb es sollte ihm gestattet werden, deutsch zu bleiben.

Die amerikanischen Besatzungstruppen.

Amsterdam, 4. Juli. Laut Telegraaf er- klätte (General Pershing in einer Unterredung, baß bie amerikanisch eR Besatzungs­truppen auf dem linken Rheinufer wäh­rend der gesamten Dauer der Besetzung bort ver­bleiben werden. Wenn Deutschland bei der Durch­führung Der Vertragsbedingungen guten Willen bezeugt, wird bie Anzahl ber Mannschaften sehr herabgesetzt werden. Si« wird jedoch nie weniger als 50006000 betragen. England wirb bie Be- satzungstruppen im Kölner Brückenkopf im gleichen Verhältnis vermindern. Tie Abrtte Lansings nach Amerika erfolgt in etwa 10 Tagen.

150 Millionen für die Kriegsgefangenen- Heimkehr.

Berlin, 14. Juli. Um den Kriegs- ge fan genen , die so Schweres erduldet haben, bei ihrem Uebertritt in bas bürgerliche Leben eine Hilfe zu leisten, hat sich bie Reichsregierung aus eigener Entschließung bereit gefunden, 150 Millionen Mark auf Antrag des Reichs­ministers zurBersügungzu st eilen. Tiefen Betrag erhält dieKriegsgefangenenhttmkehr", eine sich über ganz Deutschland bis in die klein­sten Orte erstreckende Organisation, als Reichs­zuschuß zu ihren eigenen durch Sammeltätigkeit aufgebrachten Mitteln, um sie in zweckmäßiger Weise hilfsbedürftigen heimkehrenden Kttegs- gefangenen nutzbar zu machen, insb^ondere durch Beschafsung von Arbeitskleidung und Arbeitsgerät.

Die Richter in eigener Sache.

Amsterdam, 4. Juli. Der Pariser Bettcht- erftntter des ^Tttegraaf" meldet: Die Alliierten

werden binnen futtern eine Kommission einsetzen, die darüber zu wachen haben luirb, bah Deutsch­land die Vettragsbebiiigungeu erfüllt. Für bie einzelnen Bedingungen werden Unterkommissionen! gebildet werden. Eine davon wirb mit der Durch­führung der Bestrafungen beauftragt werden. Unter ihren Mitgliedern wird sich ein hoheck englischer Richter befinden. Sie wird Maß­regeln für eine entsprechende Zusammensetzung des Gerichtshofes, vor dem der Kaiser cricbcineit wird, treffen, unb dafür sorgen, daß er seine Aus­gaben erfüllen und jede verlangte Strafe aus­erlegen kann. Tie Note an die niederländische Re­gierung wird in feiner Hinsicht den Charakter; eines Uliimatums tragen, fo.ibctii die Auslieferung wird unter voller Anerkennung der souveränen Rechte Hollands verlangt werden. Tie Alliierten werden als Befrtter unb Beschützer ber kleinen Staaten, zu btnen Holland gehört, darum er» suchen. Ter Kaiser wird, wenn er vor Gericht er­scheinen muß, nad> dem Totver gebracht werden.

Hindenburgs Rückkehr nach Hannover.

H a n n o o e r, 4. Juli. Um 11 Uhr traf Gene- ralseldmaesckwll o. Hindenburg auf dem hie­sigen Bahnhof ein. Zu seinem Etnpsang waren Vettrtter des Magistrats und der Behörden er­schienen. Bürgermcister Dr. Weber hielt eine Ansprache, auf die Hi-idenburg folgendes antwor- tete:Vielen herzlichen Tank für den freundlichen Willkommengruß. Die Zeiten sind fdjflutr, aber sie müssen durchgehalten werden. Es ist nicht deutsche Art, zu verzagen. Auch ich hoffe auf eine bessere Zukunft. Jeder einzelne Deutsche muß dazu helfen. Ich kehre in bie Heimat zurück unb es ist mir ein Lichtblick, so viel Wohltvollen und Güte zu finden, die Ausdruck finden in dem schönen fccim« das mir meine Mitbürger bereitet haben. Gruß unb vielen Tank allen Mitbürgern." Der Feldmarschall begrüßte danach die Herren ber Der» schiebenen Abordnungen durch Händedruck, und unter dem Jubel einer riesigen Menschenmenge, bie immer unb immer wieder lqhhafte Huldigun­gen darbrachte, setzte er die Fahrt nach seinem neuen Heim in der Seelhorststraße fori.

Eine Kundgebung des Papstes.

Rom, 4. Juli. (Stef.) Anläßlich eines ge­heimen Konsistoriums führte der P a p st aus: Wäh­rend wir uns über andere Angelegenheiten, die nicht nur die Kirche, sondern die ganze Ehristenheit be­treffen, Stillsckiweigen auferlegcn, wollen wir doch nicht schtveigend über die großen Sorgen Hinweg­gehen, bie uns bezüglich der katholisck-en Missionen bewegen. Nachdem wir vernommen haben, daß die Friedenskonferenz Beschlüsse faßte, bie in Zukunft das Recht ber SBerlünbigung des Evangeliums jir kürzen schienen, haben wir vertrauensvoll die Mit­glieder ber Konferenz gebeten, ihre Aufmerksam­keit aut biesen Punkt lenken zu wollen. Wir sind glücklich, verkünden zu können, daß die maßgeben- ben Persönlichkeiten der Konferenz unser Gesuch der Billigkttt entsprechend geprüft und zum größten Teil gut aufgenommen haben. Wir sind zu der Hoffnung berechtigt, daß die gleichen Persönlich- reiten sich von ber gleichen Billigkttt leiten lasse» toei Ausführung besten, was nicht nur bie katho­lische Kirche, fonbent bie ganze Zivilisation an* geht. Da jetzt die Fttnbseligkttten endlich beendigt sind, flehen wir inständig ewige Gnade, daß die Blockade, durch die so viele Unalück- licheverhungern müssen, aufgehoben wird, daß die noch in Gefangenschaft be­findlichen Soldaten endlich befreit werden unb bie Herzen ber Völker, bie sich bis jetzt als Feinde gegenüberftanben, sich von neuem durch die Vanbe der christlichen Eharitas verbinden, ohne bie jeder Friedensvertrag nutzlos sein muß.

Waffenstillstand im Baltikum.

Berlin, 4. Juli. Ter Pressebttrat ber deut­schen Gesandtschaft in Riga teilt mit: Am Ton- nerstag mittag ist an der letttsch-esthriifck^n Front ein Waffenstillstand in Kraft getreten, ber bie militärische Lage eingehenb regelt. Alle Feind­seligkeiten werden eingestellt. Tie Reste deutscher Truppen, die noch fit Lettland liegen, räumen von beute nachmittag, den 5. Juli, an, das ganze Land sobald wie möglich. Eine Vorwärtsbewegung darf nur im Notfall entsprechend ben Friedens­bedingungen gegen bolschewistische Truppen flott» finden. In Riga bleiben geringe Wachen zur Durchführung des Abtranspotts beutfdyen Herres- gutes. Tie lettische Landeswehr zieht sich bis Samstag nacht hinter die Dona zurück, während die Esthen in ihren errichteten Stellungen ver­bleiben. Zwischen Riga unb Libau wird der un- gehindette Verkehr freigegeben. In Riga unb Libau setzt bie Entente Gouverneure ein, bie in. Gemttnschast mit den Letten die Venvaltung über­nehmen, wobei bie Engländer die Zivilverwaltung, bie Amerikaner bie Militärverwaltung übernom­men haben.

Der österreichische Friedensvertrag.

Amsterdam, 4. Juli. Der Pariser Korre­spondent des Neuyork Sxralb erklärt, daß ber jetzige (Entwurf des österreichischen Friedensvettrages we­nigstens fallen gelassen werden soll. Die Versuche, Deutsch-'Oesterreich unter bie Kontrolle gewisser öst­licher Nachbarn zu stellen, werben aufgegeben wer­den und das wirtschaftliche Skelett der alten öster­reichischen Monarchie wird zum größten Tttl btt- behalten werben, wobei Wien in gehn)fern Grave seine alte führende Stellung behalten soll. Dies bebautet nicht, baß bie Souveränität der neuen slavischen Staaten beeinträchtigt werden soll, son­dern mir, baß Deutsch-Oesterreich dazu ermuntert werden soll, seine früheren Danbelsbeziehungen mit ben anderen Fragmenten des zerstückelten Reiches wieder aufzunehmen. Jar dem deutschen Vertrag ist die vollständige Lostrennung Deutsch-Oesterreichs von Deutschland ausdrücklich vorgesehen. Es schttnt die neue Politik ber Verbanbsmächte zu sein, ben alten herrschenben Klassen in Wien einen Ansporn zur Durchführung dieser Verfügung zu geben. Ein britischer Sachverständiger erklärte, baß bas Sow­jet-Ungarn bas Haupthinternis für eine teilweise Wieberaufrichtung bes alten Oefterrttchs bilbe.

Ausschrttiungen gegen die Juden in Lemberg.

Berlin, 5. Juli. (WTB.) Ans Lemberg meldet dasLemberger Tageblatt" unter 29. Juni: Seit drei Tagen wüten in Lemberg heftige Ex­zesse gegen bie Juden Die Geschälte wer­den ausgeraubt, jüdische Passanten überfallen unb ihnen die Bärte abgeschnitten ober abgerissen.

Neuapostolifche Gemeinde

Gottesbienste: Sonntag nach.-niitag 3'/, Uhr 7805 Mittwoch abend 8*/i Uhr.