Mittwoch, 5 Adnrar 1919
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Lm.ahme oou anjttjea f. i'ie iaqeenuminei bis zum Nachmittag oorher ohne jedeBerbmdlichteit ddknprcife:
für örtliche Anzeigen 25 üf.Jür auswärtige 30 fift Reklamen ÜJlt.l. - nAft 201 „Xeue^ runaSztts iünGj'l'laijoor- * fcbrift 20 % Anschlag, feauptjcbri rleiter: Ang. Goetz Verantivorttich für 1?olit<r: Äug. t^oey. für den übrigen Teil: D& RLHiholi) Zen,;; für den Anzeigenteil: ö. Beck; sämtllch.in Gießen .
Vie Benter Konferenj.
Bern, 4. ftebr. Die gestrige Nachtsitzung der internationalen Arbeiter- und Sozialisten- lanferenz crösinete M i st r a l (französi'chc Mehrheit) mit kurzen Bemerkungen zur Tagesordnung:
..Auch die französischen Mehrchi ssrz'alisten -«ch d-r Ansicht, daß die Fragen der Vevantwort- AWditn, iuti> yoat auch der nxilrr tuxüaLwgsk1
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ttn ®ninbftü<fct, bh rfteigeningsoenneri« )l II. tn Irtls u. D. )tfrau Henriette geb. lohannr, Stnbtt In d> eingtttagtR waren, lti 1919, vormittags chnete Gericht auf der >da. versteigert werden.
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Ter »tetzenrr liqtiiei erscheint täglich, außer Koriniar^i. - Beilagen: •kbtnerfiamilknblätter, Kit $tkü str len Kreis Siegel.
v-zugspeeis: monatl.Mk.l.35, vierteljährlich Mt. 4.05. durch Abhole- 3'veuifteUeii monatl Dlk. 1.25 durch die Bost Mk. 4.05 viertel- jährl. attsschl. Bene'.lq. sien,sprech - Anschlüsse: fürdieLchrütleitnugll2 Dertaa,Geschä>tSstelIe5l Anlchritt für TralNnach- rtchten: Anzeiger Siehe».
imb betont, daß die ganze tntemotionnle Sozial^ xmofratie gefährdet würde, nxmn cs nicht zu einer Versöhnung, sondern nur zu einem Gericht käme.
Die Verhandlungen nxrben hierauf ahgebre- ä>en und auf nachmittag 1 Uhr vertagt.
B er n , 4. Febr. (WTD.) Der internatto- naleGewerkschaftskongreß wird mo: gen Mittwoch abend im Berner Volkshaus eröffnet werden.
voraobracht ,, am schmerz^
lichsttm bewegt Vielleicht wird and), die deutfclse Nationalversammlung selbst am wirkungsvollsten ihre Aufgaben mit einer ebcn- svlchen fcietlidycn Verwahrung beginnen. Allerdings, der Rechenschaftsbericht der gegenwärtigen Regierung wird dieses Bud) viel- leid)t nicht freimütig genug aufschlagen, beim man wirft der Regierung vielerlei Unterlassungssünden vor, die uns tiefer, als es mtuniqäiißlid) war, ins Elend geführt haben. So walzt heute die „Franks. Ztg" schwere Schuld auf das Haupt Erzbergers, der gegen einen unzulänglichen Zuschuß zu unserer Ernährung die ganze deutsche Handelsflotte dem Feinde ausgeliefert hätte. Alles war bisher unrecht und rechtswidrig, was die Gegner wider uns unternom-
nationak* ausschließen will. Es gebe andere Leute, die man dann auch ausschließen müsse. (Renaudel unterbricht fortwährend durch lebhafte Zwischenrufe.) Unsere Aufgabe ist es, dem Haß ein Ende zu setzen und über dem Meer von Blut uns wieder die Hände " reichen.
den, geprüft werden sollen. Aber wir wollen nicht hier diese oder jene Person oder Methode ver- urteilen. Wir begrüßen die deutschen und russischen Revolutionäre."
In großer, mit (Spannung an gehör ter Rede red#fertigte daraus Wels den
Standpunkt der deutschen Mehrheits- Sozialiftcn.
Wels erklärte: Wir sind mit Thomas einig, trenn er die Ausrichtung der 3iitem«twnale fordert. Thomas dient aber dieser Aufrichtung nicht, wenn er die Ausschaltung der deutschen Mchr- htissozialisten verlai.gt. Der Wtet>?rauftxm der Internationale wird nur mit Hilfe der beutfdrn Sozialdemokratte geschehen tixmen. Die Jw.perta- listen siiw schuld am Kriege, und was haben wir getan? Wir standen zu unserem Volk, nicht zai unserer Negierung. Die Verantwortung für den Krreg haben wir von vornherein dem Imperialismus ntgeschoben. Doch muß der Name Rußland hier fallen. Wir lebten unter dem Aipdouck des zaristischen Rußlands, das als die größte Gefahr der gesamten Kulturmensä>heit galt. Wir sind weit davon entfernt, die deutsche Regierung zu vertechlgen. Tas ist nicht und war nicht nufer 'beruf. Tausende von Versammlungen haben wir tm Zuli 1914 gegen das Ultimatum an Serbien abgehalten. Als alles nichts half, sahen wir uns m eine Notlage gestellt. Hätten wir gegen unsere dEMernng Partei ergriffen, hätten wir den Mili- tärstteik verkültdsgt, glaubt Thomas, daß wir dadurch die rusflsche Dampfwalze hätten aufhalten können?
ders verantwortlich war? Welches Recht hätte dann die Revolution gehabt? Auch Eisner gibt zu, daß er kurz vor dem Krieg überzeugt war, daß von Osten her ein Ueb-rfall drohte. Noch im August 1914 konnten viele, vielleicht alle, im Zweifel sein, ob Deutschland einen Petteidigungs- oder Angriffskrieg führte. Aber als ich das erste deutsche Weißbuch las, da war es mir schon beinahe klar, daß wir getäuscht worden waren, und nach wenigen Wochen konnte kein Zweifel mehr bestehen Die Wahrheit ist kein Multiplika- tionserempel. Aber wir wünschen nicht, daß die Mehrheitssoziolisten hier als Büßer erscheinen. Sie sollten sich nur überlegen, ob sie nicht in 4'/, Jahren in einem Taumel von Irrungen befangen waren. Die Mehrheitssoziallsten sind auch über die Aussichten belogen worden. Dieser Krieg ist von einer kleinen Horde größenwahnsinniger Militärs in Deutschland im Verein mit Kapitalisten und Fürsten ohne jede politische und militärische Einsicht gemacht worden. Die deutsche Sozialdemokratie hätte nach 14 Tagen Krieg ihre Aufgabe darin sehen muffen, die Regierung zu stürzen und Frieden zu machen.
Die Mehrheitspardtt müsse ihren schweren Irrtum offen beferaien und sie müsse erklärst, daß es damit nun endgültig tzri Ende seii Die Partei hat «eine große Schuld wahrend des Krieges auf sich geladen, indem sie durch ihre Politik nicht nur den Krieg verlängert .sondern mitgeholfen hat. Deutschland in ben Abgrund zu stürzen. Eisner kam bann auf die Lage des deutschen Volkes zu spceä-en. „Das deutsche Volk ist das Opfer der deutschen Organisationssucht, das Opfer l)er wiirschaftlichen Gründlichkeit und des S>stems. Das arme deutsche Volk hat nichts mit dem Verbrechen ferner Herrscher zu tun, cs war durch ein Lügensystem verhindert, die Wahrheit zu erkennen. Nackidem cschcine Fürsten baöongejagt, die Regierung gestürzt, die Demokratie hergestellt hat, und im Begriff steht, den Sozialismus zu schaffen, hat es das Recht, mit den Wideren Völkern gemeinsam am Wiederaufbau der neuer Welt zu arbeiten. Und es darf nicht geschehen, daß (man ihm die Freiheit nimmt und daß man es zum Sdmldsklaven fremder Kapitalisten erniedrigt. Dieses deutsche Volk hat im Kampf gegen den Krieg b'-^hr zum Opfer gebracht als irgendein anderes Volk. Darum ist auch die deutsche Revolution nicht das Werk des Zusammenbruchs, sondern das Ergebnis einer im Stillen unermüdlich vorwärts drängenden Arbeit, die gerade dann einsetzte, als das militärische Deutschland scheinbar auf der Höste bet Macht stand, wie das die gewaltsam unterdrückte Streikbewegung im Jahre 1918 beroiren hat." Der Redner verbürgt sich, daß die Itevolution in Bayern speziell eine wirtschaftliche Revolution ist, die schon seit Jahren geistig vorbeveitet wurde. Wir wotten unfere schwere Schuld sühnen, indem wir auf dem Wege zum Sozialismus kämpfend voranschreiten. Eisner wendet sich alsdann an die Entente-Sozia- listen mit der Aufforderung, den Deutschen die Hände zu reichen und verbunden mit ihnen den gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Weim man dem deutschen Volke Unwürdiges znmuten wolle, so werde es l-'ebcr untergeben, -ls dieser Zumutung zu entfbrechen.
Die Rede wird mit außerordentlich starkem Verfall aufgenommen.
Müller
(Mehrheitssozialisk) nimmt Stellung zu dem persönlichen Angriff von Renaudel sowie zu den Angriffen auf die sozialistische Mehrheitspartei. Der Redner glaubt fest an die Wiedervereinigung der deutschen lozialistifchen Parteien und ebenso fest an den Aufbau der Internationale. Wels habe mit fernem Wort das alte System verteidigt, und man lehne jede Verantwortung für dieses alte System ab. Die Fehler der Regierung haben wir gegeißelt und gebranbmarft, wo wir formten, aber nicht nur die beutfeben Militaristen, sondern die Militaristen von ganz Europa tirugen die Schuld am Kriege." Ter Redner kommt lodairn auf den Vortvurf Renaudels zu sprechen, wonach er Ende Juli 1914 in Paris die französische sozialistische Partei über die Hal- hntg der deutschen Sozialdemokratie getäuscht haste Dice Begegnung in Paris gehöre zu den sveickigsten Erinnerungen des Redners, weshalb ihn bietn Vorwurf doppelt schmerze. Müller stellt fest, daß ^schon in Paris gesagt habe, daß es tn Deutschland Kreise gäbe, die sich vor Petersburg fürchteten und bw Schuld an einem Kriege nicht der deutschen! Regierung zumesien würden. Die Parteientscheidung über die Haltung der sozialistischen Parteien lei auf jener Konferenz in allem Vorbehalten wor- d«m, da es unmöglich sei, die Ereignisse vorauszusehen. Der Redner sei erst während des Krieges in die Reichtstagssraktion gewählt worden und habe dort für die Bewilligung der Kredite gestimmt, weil er nach dem Ausbruch des Krieges, wie auch einige Mitglieder der unabhängigen Sozialdemo- iratte seine Meinung ändern mußte infolge der ruilttchen Bedrohung. „Deutschland war infolge- de'ien auf das schlimmste gefährdet. Die russische Mobilmachung war für den Krieg der ausschlag- g-ebenae Faktor. Wir wollen die volle Wahrheit und darum wollen wir, daß alle Archive der ganzen Welt geöffnet werden, um die wirklich Schuldigen festzustellen. Ich muß die Frage aufroerfen, ob die fr an-mische und englische Diplomatie alles getan bat, um die russische Mobilmachung zu verhindern Wir waren immer pessimistisch in bezug auf den Ausgang des Krieges. Wenn Renaudel Scheidemann besonders verantwortlich machen will und uns weniger, so lehnen wir als dessen Kameraden, die mit ihm im Parteivorstande sitzen, dies ab. Wenn Scheidern arm vorgeworsen wird, er habe von einem Siegfrieden gesprockxm, so ist demgegenüber an sein Wort zu erinnern: „Ein Narr, der an den Sieg glaubt!" Ein Gericht könnte man nur anerkennen, wem, es zusarnrnengefe^t wäre aus Jicutraeln und nicht aus Männern wie Thomas, der den Ankläger gespielt habe. Der Redner appel- kert ium Schluß en die Solidarität alp-?- Genosstm
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Schon bevor die deutsche Nationalvvr- fmmnlung in Weimar ihre Tagung eröffnet bat, werden allerlei deutsche Stimmen laut, die fid) an das Ausland toenben. Wir haben vernommen, wie einige süddeutsche Landes- verfamuUungeu mit energischen Protesten gegen die Deutschland f chw.eren Lasten das Haden, was uns heute
men haben, seit wir in der Auseinandersetzung mit Wil on uns grundsätzlich mit dessen Nidst- linien für den Frieden einverstanden erfiärt haben. In dem Augenblick, da die Nationalversammlung ihre Arbeit beginnt, ist es doppelte Pflicht und Notwendigkeit, die Einheit des gesamten deutschen Volkes hervor- Luheben im Ausdruck unserer Empörung über die Enttäusck)ung, die die Entente auf unser friedliches Entgegenkommen in den letzten Monaten uns bereitet hat.
Nun trifft cs sich für die deutschen Interessen nicht gerade glücklich, daß ungefähr zur selben Zeit, da in dec Goethestadt die neu erwählten Volksvertreter sich zusammentun, in Bern die Internationale tagt und die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich ablenkt. Der erste Sitzungstag in Bern war erniedrigend für Deutschland. Wir hören die Vertreter des Häufleins der „Unabhängigen" in Bern das große Wort führen und erleben es, daß die größte deutsd-e Par ui, die burd) die Volkswahlen ans Regierimgsruder berufen worden ist, nämlich die Mehrheitssotzialdenio- kratie, vor den Sel-ranken des Berner Tribunals als Angeklagte erscheint. Wir soUten meinen, diese Partei sollte jetzt zu etwas Besserem berufen fein, als zu bloßen Ber- teidiaungsreden. Wo bleibt die Einheit des deutsc!)en Volkes, wenn gegenüber einer planmäßigen ferndlicben Propaganda die oeutfcl-en Interessen derart auseinanderge- rissen werden! Den Franzosen kann diese iGeiichtssziene, in der ihre eigene Schuld mit keinem Wort zur Verhandlung steht, recht fein. Ihre Hauptwort führ er fordern in Bern bau Deutschland und ben deutschen Mehrheits- 'sozialisten Buße in Srck mid Asche. Und sie erreidjen es tatsächlich, daß auch bei dieser Gelegenheit wieder die alten Triebfedern der füiiftlidjen Tugend weit springen, die uns in die Nacht der Verbannung, in die Ausschließung v.'m Vö kerbund, s'«oßen sollen. Was nützt es, daß dieVerteidigungsreden der HerrenMals und Müller im großen und ganzen advotato- risch geschickt gewesen sind? Auch sie haben die beutfdje „Ehrlichkeit" wieder über die ausländischen Fangstricke stolpern lassen. Das arößte Unheil Ijat aber Herr Eisner von den Unabhängigen, der bisherige Ministerpräsident von Bayern ange- rid)tet. Er ging über von Bekenntnissen deutscher Schuld am Kriege und er hat mit seiner Rede die schon bestehende Kluft im deutsck)en Volle erweitert. Ging er doch so weit, zu bedauern, daß die jetzige deutsche Regierung noch immer kein offenes Schuldbekenntnis abgelegt habe! Auch wenn nach diesen Eröffnungsreden über die Schuld frage Kompromisse gesd)lossen werden sollten, wenn es Herrn Tl«omas irid)t gelingt, die deutschen Mehrhcitssoziälisten aus den Berner Beratungen auszuscheiden, so ist wieder einmal enviesen, daß der Weg der Internationale nicht der richtige ist, um gerechte deutsche Ansprüche zu vertreten und KU retten. Der Berner Kongreß war bisher ein übles Nachspiel zu dem Lügenseldzug unseres Hauptgegners, der auch nach dem Waffenstillstand nod) immer zielbewußt fortgesetzt wird.
Wels erinnert an frühere Erklärungen von >5anrc-s, Sernbat und Cachor, die alle ein vollkommen klares Verstände ris für Deutschlmids Zwangslage gegenüber der russische Barbarei hatten. Wir l)aben von jeher geglaubt, daß nnr tm Kampfe um Sein ober Nichtsein standen, unb nnr haben die Sage Deutschlands immer für sehr trübe gehalten. Die Gefahr deutschen Eroberung^ reges bestand überhaupt nicht. Als stärkste deutsche Volkspartei mußten imr aber mit intferm Bolk stehen und leben. Der Einmrrrsch in Belgien war ein Völkerrechtsbruch, aber ein Mick in 2>euttchands Städte, ein Gang durch die deutschen Jndustriebezirke wird heute unseren englischen Freunden die Augen öffnen. Er würde das Ge- wrssen der ganzen Welt wecken. Der Aushun- gerungskrieg ist die furchtbarste Anklage gegen die Kriegführung der Entente, und er schlug mts die /kiffen aus der Hand tm .Kampfe gegen die Methoden der beut- 'chen Kriegführung. Ebenso schuldig wie die Urheber sind die, die während des Krieges ihre Raubverträge abgeschloss-n hal>en. Die Veröfseitt- lickung dreier Verträge dlirch di- Sowjetregierung stutzte uns tn unserer Ueberzeugung, daß wir einen Vertetdigungskrtcg führten. Die Entente, ja Thomas selbst, hat 5lereiiÄi zur Fortsetzung des Krieges gedrängt. Daraus, Genosse Thomas, wurde der Bol>chew!smus geboren. Daraus wurde er in Rußland erst möglich Wenn Ihr fragt, wo Hieb
Protest gegen Brest-Litowsk, so fragen wir: mo bliebt Ihr selber in Brest-Litowsk ? Ihr kamt mcht, ,-^hr ließt die Sowjcttegxirnng allein. So uffujt Ihr erst die Slirnmung von Brest-Litowsk Die einzige Gefahr ist ein brutaler Machtsriede. Er würde den (Rauben an den Sorial'snms er- ichüttern^und neben einer tiefen Enttäuschung eine Ichwere Reaktton Hervorrufen. Für uns a(ier wird bte Tat sprechen. Die junge sozialisttsche Republik tt^den wir erfüllen mit sozialisttsckiem Geiste und das Wort: „Vereinigt Euch, Proletarier aller Länder" werden wir unseren fittbern predigen von früh bis spat. (Lebhafter BeLiattst'
Renaudel unterstützt darauf die These Thomas. Renaudel will nicht die Verantwortlichkeit der deutschen Sozialdemokratte, sondern die der deutschen Mehrheits- soziohsten festgestellt sehen. Die Internationale müsse wählen zwischen den deutschen Mehrheitssozialisten und den deut- schen Unabhängigen, nicht zwischen Deutschen und Franzosen. „Die Mehrheitssozialdemokraten haben der deutschen Regierung durch 4 Fahre hindurch immer geholfen.- Die stanzSsische Regierung habe die gesamte Armee 10 Kilometer hinter die Grenze zurückgezogen, um auch den geringsten Zwischenfall zu vermeiden (Eine unmittelbare Verantwortung für den Krieg habe sie nicht. „Wir vergessen die Schuld des internationalen Kapitalismus am Kriege nicht und wir sind bereit, die imperialistischen (Belüfte und den kolonialen Appetit, wie er jetzt in Paris sich äußert, zu bekämpfen. Aber unser Land wird nicht auf uns hören, wenn die Vorfrage nicht erledigt ist. Liebknechts Blut auf Tuch. Die Internationale muß unbedingt zwischen Mehrheitssozialisten und Unabhängigen wählen"
In der heutigen Morgensttzung sind 88 Dele- giertc anwesend und 23 Länder vertreten. Re* ange- kommen sind Belgien, Spanien, 3talien und Oesterreich.
bayerische Ministerpräsident Eisner ergreift das Wort zu 1'/..stündiger Rede. Tr hat aus den Reden der Franzosen mehr Klagen als Anklagen herausgehört und behält die Zuversicht, daß diese erste Aussprache der bisher Getrennten nicht ohne Erfolg sein wird. Wir brauchen in Deutschland die innere geisttge Einheit, um zum Aufbau der Internationale beizutragen. Wir Deutschen wollen unsere schwere Schuld dadurch sühnen, daß wir auf dem Wege zum Sozialismus ernst und kraftvoll voran- fchreiten. Die 10 oder 12 Millionen Deutsche, die zur Nationalversammlung Mehrheitssozia isten gewählt haben, sind keine Schwurzeugen für die alte von den Mehrheitssozialisten nicht bekämpfte Kriegspolitik. Weshalb wählte man sozialdemokratisch? Aus Pro- test gegen das gestürzte Regiment. Die Rede des ’Parteigcnoffen Wels erscheint Eisner allerdings völlig alten Geistes. (Er versteht ihren Zweck nicht. Wolle Wels sagen, daß die üerttsche Regienmg nicht bejon-
Der erste Redner in der Nachintttv^itzrrn« ivar Kantsly. Er erklärte: An der ©djulb; der deutschen Regierung am Kriege ist' nicht mehr zu -Weiseln. Sie hat das deutsche Volk über die Ursachen des 5"krieg^s belogen. Dir müssen hierbei hie Namen Liebknecht und Rosa Luxemburg nennen (die Versammlung erhebt sich), sie sind als Märtyrer des Sozialismus gefallen. Jtocb bis zur Stunde hat sich die deutsche Ziegie-- rung noch nicht zu einem offenen Geständiris über die Scknrld ausgeschwungcn. Aber das deutsche Volk wird in Zukunft ein friedfertiges fein. Die df Millionen Stimmen der Mehrheits'ozialisten wurden nicht für die KriegSpolittk "^gegeben. Einigkeit ist jetzt das Losuugs.iwct des P oictariaB, mtb dieses glaubt sie in der großen Organisation bat alten Sozialdemokratte ju finden. Die (Einigung der beiden sozialistischen Partien hängt nur noch von dem Prestige einiger kompromittier er Personen ab. Möge uns das Ausland in unserem ©trebnt nach Einigung helfen! Zwei Gefahren gibt es: den Bolschew.smus und die Gegerirevv- luiton. (Starker Beifall auch bei den Franzosen.)
Als erster Engländer spricht im 'Hamen der britischen Delegierten Steward Dunning zur Schuldfrage: 9m gegenwärtigen Augenblick diese Frage zu erörtern, ist nutzlos. Ä)ir könnten sie jahrelang besprechen und tzommen nicht zum Ziele. Die brittschen 'Delegierten protestieren gegen die Länge dieser Diskussion. Thomas wünscht, die schuldigen Regierungen zu bestrafen. Aber wo sind diese Regierungen? Sie sind gestürzt. Unsere Aufgabe ist es, den Haß zwischen den Rationen zu beseitigen. Darum haben die Reden (Eisner» und Kautskys einen tiefen Eindruck auf uns gemacht. Sie find der erste Schritt zur Versöhnung. Wenn die deutschen Mehrheitssozialisten den zweiten Schritt in demselben Sinne tun, ist der gemeinsamen Sache viel geholfen.
(Br um bad) (Elsaß-Lothringen) bedauert, daß di» deutschen Delegierten (zufälli erweise) bei der Rede Bunnings nicht anwesend waren. Würden sie ähnliche (Erklärungen wie (Eisner und Koutsky abgeben,, so wäre die Internationale neu geschaffen, und die 3ntcmationale ist nötig, wenn man in Paris Deutschland nicht zerstückeln, wenn man das linke Rheinufer nicht annektieren soll. Sonst würde dieser Friede ein Fetzen Papier bleiben und als solcher behandelt werden. Aber damit dieses nnmöglich ist, müssen die deutschen Mehrheitssozialisten ganz andere Erklärungen als bisher aageben. - Rach kurzen Aeutzerungen von Martna (Estland) und Remic (Böhmen) spricht Troelstra (Holland) gleichfalls die Erwartung aus, daß die Genossen der deutschen Mehrheitssozialdemokratie durch ihr Auftteten das Band zwischen Deutschland unb der übrigen Internationale wieder zusammenknüpfen.
Wels gibt eine Erklärung über die vorüber- gehende Abwesenheit der deutschen Delegierten ab und bedauert, an dem Genuß, die Worte des Ge- noffen Dunning zu Horen, oorbeigekommen zu fein.
Longuet fühtt im Namen der ftanzösischen Mehrhcitssozialisten aus: Heute ist der Ratio- nalismus in Berlin und Wien besiegt, aber er hat in Paris, London und Rom neu fein Haupt erhoben. Longuet glaubt nicht, daß Thomas ernstlich die ganze deutsche Mehrheitspartei aus der 3nter<
bp s'; >^721 ' bb-nch 7J ;, denbttg 381 ' ’®rflb<fl,386 . ' i,0 263 » « so
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< ist am 30. Dez. 1918 worben.
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Erstes Blatt 169. Jahrgang 7" ’
GießenerAnzeiger
ä General-Anzeiger für Oberheffen---L.
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Die Anträge
der deutschen Sozialiftrn Sa Berrr»
Berlin, 4. Febr. Die deutschen Mehr- heitsso^ialisten Mvlkenbuhr, Müller und Wels baden der Territorialkommisswn des Berner Sozialistenkongresses mehrere Eut-schsießmu- gen unterbreitet. Die eine Entschließung fordert im Namen der deutscheir Sozialdernr^ kratie die Rückgabe der deutschen Koloniep; owie das volle Mitbestimmungsrecht im S?dl- kerbund bei der künftigen Regelung aller kolonialen Fragen. Die zroeite Entschließung stellt eine Zurückweisung Frankreichs imperialistischer Adsick-ten aus das Saargebiet, die Pfalz uttd H/as linke Rheinufer dar..Die dritte Entschließung betrifft die staatliche Zugehörigkeit Elsaß-Lothrinoetts und die vierte EnMließung die Regelung der deutsch-polnischen Grenzfragen.
Die Dorbereitnngen z»r deutsche« Nationalversammlung.
Berlin 4 Febr. (WTB.) Erzberge» cst heute ,ruh nach Weunar abgereist. Er führt dort neben der Ausübung seines Abgeordneten-. Mandates die Geschäfte als Vorsitzender der deut- ichen Waßensnllskaudskommission weiter.
Ser Im 4. Febr. (WTB.) In W e i m a r ist alles ruhig. Alle anderen 9racyrichten sind erfun» ben. Die Vorberciluirgen zur Nattonaloersamm- lung nehmen einen sachgemäßen Verlauf.
Erfurt, 4. Febr. (WTB.l Tie con verschiv- oetten Blättern verbreitete Nachricht, die Agentur:. Erfutt deS Wolfsck-en Bureaus sei gestern vo« Spartakisten besetzt worden, entsoricht nicht- dcnTat fachen. Auch die hiesige Hauptpost unih das TelegraphcrwM lau« jau vvrüdergehv^


