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Oktober 1919.

iltrl. Hanges Abbildungen.

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Nr. 256 Zweites Blatt

Mahnahmen gegen die wohnungrnot.

Von dem Juristen, der imGießener Anzeiger" Dom 27. Oktober die Maßnahmen neaen die Wohnungsnot in Gießen kritisch beleuchtet hat, geht uns heute abermals eine Stellungnahme zur Entgegnung des städti­schen Wohnungsamtes zu:

gm 2. Blatt des Gießener Anzeigers vom ktober 1.919 ist eine Antwort des städtischen Wohnungsamtes aus den Artikel in Nr. 249 ab< gedruckt. Wenn noch einmal aus diese Zuschrift geantwortet wird, so geschieht das selbstverständlich nur im Interesse der Sache und ohne jede Spitze gegen das Woonungsamt.

Die Antwort des Wohnungsamtes geht gar nicht aus den Kern der geäußerten Bedenken ein. Daß es nicht nur sür einen Juristen, sondern auch für jeden verständigen Laien klar ist, welche Auf- gabeu nach den Gesehen und Berordmingeu ein Einigungsamt lMietcinigungsamt) und die Ge- rneindebehörde (Wohnungsamt) Haden, ist gar nicht bestritten. In welchem Maße aber in Gießen die Tätigkeit der beiden Organisationen ineinander überyespielt hat. dürste wohl eine Prüfung der erlaßenen Anordnungen ergeben. Es ist auch eißen« artig, daß ein Zusammenarbeiten beider Aemter dadurch gewährleistet sein soll, daß der Schrift- führer des Mieteinigungsamtes zugleich der Ge- schästssührer des Wohnungsamtes ist; bei allen derartigen nebeneinander, aber aus ein Ziel hin arbeitenden Organisatwnen tonn das Zusammen­arbeiten nur durch die gemeinsame Oberleitung und Oberaufsicht herbeigeführt werden.

In der Zuschrift des städtischen Wohnungs­amtes wird weiter gesagt, daß der Zuzug nach Gießen durch die Stadtverwaltung bereits im Mai b. I. verboten sei. Wenn man axr die Veröffent­lichungen in der Zeitung nacholättert, so sieht man, daß die Genehmigung des Hessischen Landes- Arbeits- und Wirtichaftsamts zu diesem Verbot, erst Ende Juni veröftentlicht worden ist. Welchen Personen der Zuzug nach Gießen gestattet werden muß, worüber fick das Wohnungsamt in längeren AuSlührungen verbreitet, fit ja hinlänglich bekannt und in dem Artikel in Nr. 249 gar nicht in Frage gestellt: daß das Wohnungsamt aber erklärt, es könne die Aninahmesähigkeit der Stadt für Stu­denten nicht seststellen, oogftich in dem genannten Artikel ein Weg dafür gewiesen war, erscheint doch recht bedenklich, denn es bedarf doch keines weiteren Hinweises, daß dec übermäßige Zuzug von Stu­denten die Räume den einheimischen Familien wegnimmt.

Wenn weiter das Wohnungsamt hinweist auf die Berordnungen des Hessischen Landes-Arbeits­und Wirtschaftsamts, welche für die Frage der Beschlagnahme übergroßer Wohnungen in Be­tracht komme, so hat es offenbar noch nicht er- Tarmt, woraus es ankommt und was ja gerade der angegriffene Artikel erwähnt hat, daß nämlich die Gemeindebehörde die Anordnung der Beschlag­nahme übergroßer Wohnungen, zu der fragliche Verordnung sie ermächtigte, tatsächlich noch nicht erlassen hal. Sie war im Schlußsatz der Bekannt­machung des Oberbürgermeisters vom 6. Juni 1919 im Gietzener Anzeiger Nr. 131 in Aussicht gestellt, ist aber in einer vechtsgültiMN Form noch nicht veröffentlicht worden, wie wohl bei einer Be­schwerde eines Hausbesitzers oder eines Mieters über derartige Anordnungen eine Beschwerde- inftanz oder das Gericht feststellen würde.

Für die Lösung derartig wichtiger Fragen, tote die Behebung der Wohnungsnot, hat eine städtische Behörde unbedingt die Mitarbeit der Bürgerschaft notwendig, und in dieser Richttmg anregend zu wirken, ist nur der Zweck der beiden Verösfentiichungen gewesen. Hoffentlich tragen sie dazu bei, gerade die Gießener Bürgerschaft aus ihrer Teilnahmiosigkeit aufzurütteln und die Stadt­verwaltung in ihren Bemühungen zu unterstützen. Hierher gehört auch die Frage der unnützen Ver­wendung der beschlagnahmten Baumaterialien, worüber die Baupolizei und der Demobilmachungs- ausschuß der Stadt Gießen zu wachen hätte; viel­leicht nimmt ein oder der andere Bürger Gießens einmal zu dieser Frage Stellung, nachdem er sich die Mauerbauten eines Bauunternehmers in der Süd-Anlage angesel-en hat.

Der Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen.

Verhandlung vom 18. Oktober 1919.

1. Die Arbeiterschaft der Firmen Heyligen- staedt, Schaffstaedt und Bänninger in Gießen hatte darüber Beschwerde geführt^ daß die Akkordentlohmmg die Erwartungen bet toeitem nicht erfüllt habe, daß die Teuerung aller Lebensverhältnisse inzwischen derart gestiegen sei,

Das Glück der andern.

Original-Roman von Erich Eben stein.

Copyright 1916 by Ordner & Comp., Berlin W 30.

kNachdruck verhorn.) Fortsetzung 39.

xvm.

Acht Tage tonen vergangen. Qualvolle Tage für Magnus. Jede Stunde, j^be Minute wartete er, das Harald Molkern kommen werde, um Mo- deslas Hand zu erbitten.

Aber es geschah nichts. Wohl kam Harald zu- tafeilen abends auf ein Stündchen herüber, saß toben Modesta und plauderte mit ihr, eher es schien, als könne er sich zu keinem bestimmten Entschluß ausrafien.

In seinem Blick Ivar eine gewisse unruhig: Unentschlossenheit, die Magnus reizte. Und w'nn er mit dem Freund allein war, dann fühlte er deut­lich, daß dieser stets mit dem Wunsche kämpfte, mit ihm über Modesta zu reden, diesen Wunsch aber dann doch roieber unterdrückte.

Magnus fiel es gar nicht ein, ihm zu Hilfe zu kommen. Was ging ihn das Liebesglück Liber -Unglück der beiden an? Nur insofern wünschte er ungeduldig endlich eine Entscheidung, damit er seine eigenen Leb mssstcine danach einrichten föne.

Tenn das war zur fixen Idee in ihm gewor­den: Sein etgeues Unglück und die innere Leere seines zukünftigen Lebens würde nicht zu ertragen sein, wenn das wahre Glück sich so nahe daneben kein Nestchen baute. Und nur darum, redete er sich ein, war er heimlich b wütend auf Harald, weil dieser zu keinem Entschluß kommen konnte.

Nebenbei litt er Qualen unter Evelyns plötz­lich zu Tage getretener Zärtlichkeit.

Sein Wert war in ihren Äugen entschieden

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Obeicheffen) Samstag, h November 1914

daß eine Teuerungszulage von 30 Proz. auf die vor einiger Zeit festgesetzten Löhne gefordert wer­den müsse. Die Arbeitgeber gaben zu, daß baö Akkordwesen noch Mißstände enthalte, die Fabri­kation sei aber vollständig geändert worden, cs seien noch Versuche nötig, und man werde in einiger Zeit zu einer Beseitigung etwaiger Un­stimmigkeiten gelangen. Es sei auch richtig, daß die Lebensmittelpreise allenthalben bedeutend in die Höhe gegangen seien, was man bei der Be­antwortung der Forderung der Arbeiter nicht habe ooraussehen können: im Gegenteil, damals habe man noch mit einer reichlichen Ernte und mit einer Senkung der Preise bestimmt rechnen dürfen. Inzwischen habe man sich überzeugt, daß man grundsätzlich, wenn auch nicht in der von den Arbeitern verlangten Höhe, eine Teue­rungszulage bewilligen müsse.

Die mit den Parteien gepflogenen Verhand­lungen führten zu einer Verständigung, wonach eine Teuerungszulage von 20 Proz?' zugestanden wurde. (Näheres siehe Bekanntmachung.)

2. In der Streitsache des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands, Bezirksbureau Gießen, gegen die Gesellschaft für Beton- u n d Eisenbetonbau kam aus Grund der Verhandlung, bei der die Arbeitgeberin glaubte sich daraus berufen zu können, daß ihr Rechtsvor­gänger eine kündigungslose Auflösung des Arbeits- Verhältnisses im Basaltwerk in Saasen vereinbart gehabt habe, eine Verständigung zustande. (Näheres siehe Bekanntmachung.)

3. Ter Deutsche Transportarbei­terverband hatte gegen eine Anzahl Gie­ßener Firmen den Antrag gestellt, daß ein neuer Tarifvertrag festgesetzt werden möge. Ein Teil der Firmen hat sich mit den in Betracht kommenden Fuhrleuten verständigt. In der Ver­handlung wurde mit einigen Firmen, die erschie­nen waren, die Sachlage durchgcsprochen. Es wurde alsdann beschlossen: Die Verhandlung wird ausgesetzt, um den Antragstellern Gelegenheit zu geben, die Angelegenheft weiter aufzullären, und sich mit den einzelnen Firmen, wo es nötig sein sollte, ins Benehmen zu setzen. Falls erforderlich, wird erneute Anrufung des SchlichtungsauSschusfes anheimgestellt.

4. Die Verhandlung über dock Antrag des Transportarbeiterverbandes gegen Karl Vorbach, Okarben, siel aus, well ange­zeigt worden war, daß der Arbeitgeber sich mit seinem Fahrer verständigt falte.

5. Aus bringendes Ersuchen des obersten Be­triebsleiters der Butzbach-Licher Eisenbahn war beschleunigte Verhandlung angesetzt worden, dcu bei der Butzbach-Licher Eisenbahn angeblich wegen Lohnforderung Streik ausgebrochen war. Es handelte sich um einen Sympathiestreik für Forderungen, die allgemein vom Hauptaus­schuß der Angestellten des Lenzschen Bahntonzecns gestellt worden waren und über die nach dem Tarifvertrag ein Schiedsgericht entscheiden sollte. Für den Schlichtungsausschuß in Gießen sollte lediglich in Frage kommen, die beschleunigte Wie­deraufnahme des öffentlichen Verkehrs zu erzielen und deshalb in dieser Richtung einzuschreiten. Nachdem man sich mit den ^Beteiligten ins Be­nehmen gesetzt hatte, stellte es sich heraus, daß eine förmliche Verhandlung nicht mehr nötig war, da inzwischen der öffentliche Verkehr wieder auf genommen worden war.

Aus dem Amtsvcrküudignugv-latt.

* Da s Amtsverkündigungsblatt Nr. 113 vom 30. Oktober enthält: Sitzung des Provinzialtags. Tie Versorgung der Bevölke­rung mit Kartoffeln. Einrichtung von Fort­bildungsschulsparkassen. Ausführung des Tenk- ntalschutzgesetzes; hier: Ausgrabungen und Funde. Urlaubsfaendigung des Kreisveterinärarztes Professor Tr. Knell. Räude.

Eine öffentliche Sitzung des Pro­vinzialtages der Provinz Oberhessen finbet Samstag, den 1. Nov., vormittags 91/» Uhr, im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes in Gießen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Konstituie­rung des Provinzialtags, 2. Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl der Mitglieder des Provinzial- tags, 3. Festsetzung der Tagegelder und Reisekosten der Mitglieder des Provinzialtags und des Pro- vinzialausschusses, sowie der Ersatzmänner, 4. Ent­scheidung über die Gültigkeit der Wahl der Mit­glieder und Ersatzmänner des Provinzialaus- schusses.

Einrichtung von Fortbildungs-- schulsparkassen. Angesichts des bevorstehen- oen Beginns des FortbftdungssckMlunterrichts lenkt die Kreisschulkommission die Mfmerksamkeit der Schulvorstände des Kreises auf die Fortbildungs- schulsparkassen. Da unter den gegenwärtigen Zeit­umständen die jungen Leute fortbildungsschulpflich­

tigen Alters größeren Verdienst als sonst erzielen, liegt es im erziehlichen unb volkswirtschaftlichen Interesse, daß sic zu Spareinlagen veranlaßt wer­den. Sie werden sich hierzu um so williger ent­schließen, wenn ihnen leicht zugängliche Einrich­tungen geboten toerben. Ta, wo es die Verhält­nisse irgend gestatten, wirb deshalb die Einrichtung von Fortbichungsschulsparkas^en dringend emp­fohlen.

Ausgrabungen unb Funde. Ta ohne vorherige Anzeige bei der zuständigen Behörde Aus­grabungen von Altertümern vorgekommen sind, sieht sich das Kreisamt Gießen veranlaßt, auf die Bestimmungen des Tenkmalschutzgesetzes sowie auf ,die Anzeigepflicht und die behördlichen Anord­nungen bei Ausgrabungen und Funden hinzu­weisen. Interessenten haben vor beabsichtigten Aus­grabungen sowie nach gelegentlich gemachten Fun­den die vorgeschriebene Anzeige durch Vermittlung der Bürgerlueistereicu an das Kreisamt zu erstatten.

Kreisveterinärarzt Professor Tr. Knell hat seftren Dienst ivieder angetreten.

Erloschen ist die Räude unter dem Pferde bestand des Mtbürgermeisters Hirz in Watzenboni unb Ludwig Vogel zu Großen-Buseck.

Tien st nachrichten des Kreis amte s. 1. Nack Amtsblatt des Ministeriums des Innern vom 22. September ds. Js. führen die Kreis­straßenmeister künftig die AmtsbezeichnungBau- sekrctär". 2. An Stelle des in den Ruhestand ge­tretenen Kreisstraßenmftsters Rohrer ist Bausekre- tär Enders in Gießen mit'der Versetzung der Tienstgeschäfte im 1. Baubezirk beauftragt worden.

Ausfall von Zügen.

Die Eisenbahnbirektivn Frankfurt a. M. teilt mit:

Der Mangel an Kohlen unb bie Not- wenbigkcit, weitere Betriebsmittel sür die Beför­derung von Lebensrnitteln und Brennstoffen freizu­machen, zwingen, nachstehende Züge von Montag den 3. November ab bis auf weiteres ausfallen zu lassen.

Sz. 1) 81 Frankfurt H. ab 7.20, Gießen an 8.52, ab 9.01, Hagen an 12.44, Essen an 1.50 Sz. D 82 Essen ab 4.31, Hagen ab 5.50, Gießen an 10.05, ab 10.15, Frankfurt H. an 11.3 abends

Pz. 773 Frank,urt H. ab 10.03, Marburg an 1.32 776 Marburg ab 1.28, Frank urt H. an 5.08 1657 Wetzlar ab 6.25. G eßen an 6.45 abds. IC22 Dillenburg ab 8.29, Wetzlar an 9.26 1654 Gießen ab 10.42, Wetzlar an 11.02 1623 Wetzlar ab 11.12, Dillenburg an 12.16 1658 Gießen ab 7.00 abds., Wetzlar an 7.20 abends

414 Gießen ab 6.00 abds., Limburg an 8.17 abends

409 Limburg ab 7.33, Gießen an 9.53.

3171 Dillenburg ab 10.00, Straßebcrsbach an 10.41

3168 Straßebersbach ab 7.41, Dillenburg an 8.22

506 Gießen ab 8.20, Gelnhausen an 10.31 505 Gelnhausen ab 1.05, Gießen an 3.36 555 Gießen ab 12 32, Fulda an 3.33 ,, 554 Fulda ab 8.58, Gieren an 11.57 4335 Grünberg ab 9 00, Londorf an 9.38 4338 Sbnborf ab 10.30, Grünberg an 11.09 ,. 7933 Nidda ab 9.31, Scholten an 11.06 4184 Schotten ab 7.46, Nidda an 8.30 4733 Bad SalzscUirf ab 11.00, Niederaula an 12.20

4734 Niederaula ab 12.35, Bad Salzschlirf an 2.51. (

Kricgsgesangenen-Heimkehr.

** Der Empfangsausschuß für heimkehrende Kriegs- und Zivil- gefangene veranstaltete am letzten Ztonners- tag wiederum einen Unterhaltnngsabend für Heim- gekehrte. Dr. Schneider begrüßte die Ato tvesenden durch eine kurze Ansprache, worauf der GesangvereinLiedertafel", her sich zum dritten Male gütigst zur Verfügung gestalt hatte, einige sehr gut zum Vortrag gebrachte Lieder zu Gehör brachte, die durch viel Beifall belohnt wurden. Lehrer Valentin Müller hielt eine sehr schöne Anspracfa, die von den Zuhörern mit großem Dank ausgenommen wurde. Einer von den Heim­kehrern tzab ebenfalls ein Lied zum besten und ein anderer dankte int Namen seiner Kameraden für den Abend. Damen des Roten Kreuzes und Volksbundes sowie Schwestern vom Lager ver­teilten wieder Liebesgaben. Zum Schlug sprach Dr. Schneider noch einige Worte unb wünschte den Heimkehrern eine glückliche Reise in die Heimat.

Grobfeuer.

Gelnhausen, 31. Okt. (WTB.) (rin Groß­feuer äscherte in der vergangenen Nacht die hiesige

K r e t s m ü h l e ein, in welcher die gesamten Ge­treidevorräte für die Versorgung des .\bxiied Geln­hausen lagerten. Das Gebäude ist vollständig aus­gebrannt. Auch einige Nacfaargebäude, auf bie das Feuer über griff, finb niedcrgebramft. Zwei Personen wurden schwer, mehrere andere leitfa verletzt. Der Schaden beläuft sich aus mehrere Millionen Mart. Die Enrstehungsursache des Brandes ist bisher iwch unb.Eannt.

Lctztc 2l<x ei'richten.

Ein Streik im rheinisch-wrstfälischen Industriegebiet.

Berlin, 1 Nov. DasBerl. Tageblattt^ meldet aus Bochum: Die Streikbewegung' der Straßenbahner im rfainisch-west Llischen Jndustriebezirk nimmt immer weiteren Um.ang an. Heute hat sich das gesamte Fahrsonal Bochum- Gelseniirchener Straßenbahnen dem Ausstand an- geschlossen. Der Verkehr ruht auf allen fiiniai vollständig.

HaascS Befinden.

Berlin, 1. Nov. Wie derLokalanz." mel* bet, ist das Befinden des Abgeordneten Haase sehr ernst. Gestern abciib trat eine Verschlim< merung ein, die das Schlimmste befürchten läßt. Das Fieber ist auf 40 Grad gestiegen. In der elftev Nachtsttmde wurde der Abgeordnete von einem Schüttelfrost beiallen.

Zwei Deutsckie von Belgiern schwer verletzt.

Düsseldorf, 31. Oft. (WTB.) Am 24. 10. abends wurden die Werkmeister Otto und Joseph Wehr, zwei Brüder, von zwei belgischen Soldaten angehalten und nach ihren Pässen gefragt. Als sie diese hervorfalen wollten, gaben die Belgtor drei Gewehrschüsse auf sie ab, wodurch die beiden Brüder schwer verletzt wurden.

Sozialdeurokratischer Parteitag Oesterreichs.

Wien, 31. Okt. (WTB.) Korr-Bur. Der Parteitag der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs rourte leut: durch den Präsidenten Seitz eröffnet. Ungefähr 400 Dele­gierte sind anwesend. Von ausländischen Parteien sfttd vertreten die deutsche Sozialdemokratie in der Tschecho-Slowakei, die tschecho-stowaliichen So­zialdemokraten, die reichsderftsche Mehrheits­partei ditrch Wels und die Unabhängige Partei Deutschlands durch Crispien und Hft «ding. Nach der Begrüßung der ausländischen Gäste erklärtk Präsident Seitz, der Parteitag muffe als erstes und oberstes Ziel betrachten, die Einigkeft des Prole^ tariats zu toahren und für sie zu wirken, nicht nui im Jnlande, sondern auch in der Internationale. Eine cnflüidtf Mitteilung über die Vorgänge bei der Friedensunter^ichnung.

London, 31. Oft. (WTB.) Reuter. Im Unterhaus machte im Laufe der Finanzdebatte Lloyd George die Mftteftuna, daß die Friedens­konferenz bis zum letzten Augenblick daran ge­zweifelt habe, daß Deutschiaird den Friedens- vertrag unterzeichnen würde und daß Marschall Foch au'gesordert wurde, Borbereftmt- gen für den Vormarsch nach Berlin zu treffen.

Englische Ma senv.-rsammlungrn für die Nehrung.

Amsterdam, 31. Oft. (WTB.) Die ettg* lische Regierung hat besch(offen, zur Stär< kung ihres Presttges, das während der letzten Monate stark gelitten hat, im ganzen Lande eine Kampagne zu beginnen, die von LloydGeorge und Bonar Law geleitet werden soll. Es sollen zwischen dem 10. November und dem 15. De­zember im ganzen 200 Ma.senverfammlungen ver­anstaltet werden, in denen die Minister als Redner auf treten werden._________________________________

Neuapoftolische Gemeinde

Gottesdienste: Sonntag nachmittag 3H, Uhr 7905_____________Mittwoch abend 8'/, Uhr.________

Wir laben Sie hiermit herzlich ein -n den christlichen Versammlungen; im Pereinsbans der Sadtmission Löderttr. 14,

ES finden dort statt:

Jeden Sonntag abend 8'/« Uhr: Religiöser Vortrag. >teden Mittwoch abend 8*1, Uhr: Einiuhrnng in die Heiliga Sch,ist.

_____ Eintritt frei sür Jedermann.

BessaräebctÄti^wirktiLschmecl<1

Pascossan, ges. gesell, j Unentbehrlich bei schwachen u. znrflekßebllebenen Kindern, stärkend und appetitanregend, msskel- b. kuoehcnblldend, hervorragende Erfolge bei dungegen SCrOfUlOSB UHÖ fe».XVzu nehmen. 1 Schachtel, ausreichend-nir etwa vier Wochen, M.3.. Zn halien Ib Apethekenj!. Droeerlei.

fach- gestiegen, und sie bemühte sich, ihm di.'s auf alle LLeise zu zeigen.

Was ihn früher hochbeglückt hätte, ihre Lie­benswürdigkeit und das sanfte Eingechen auf seine Wünsche, das ekelte ihn jetzt, wo er mit kaltem Blick ihre Mottve ditrchschaute, unsäglich an. Mit fast übermenschlicher Anstrengung nur gelang es ihm, äußerlich eine gleichmäßig freuitdliche Mime beizubehalten.

Und dabei war Modeste nun fist täglich drü­ben m Schönau! Magnus begriff gar nicht, wie ihre Mutter dies dulden konnte. Hatte di: denn gar keiften Stolz?

Aber Mama Losenstein hatte vor allem Sor­gen. Von Emmy kamen so trostlose Briefe. Tie Arme konnte sich gar nicht in ihre Verlassenheit finden, obwohl sie sich bis zur Unvernunft durch Arbeit zu betäuben suchte.

Und dann Modeste, die so stftl unb scheu Herumschlich, so oft Kopfschmerzen vorschützte, um nicht einmal zu den gemeinsamen Mahlzeit m er­scheinen zu müssen, and trotz guter Luft und Küfa milch so gar keine roten Backen bekommen wollte!

Auch, wollten ihr Modestas Tränen von da­mals abends gar nicht aus dem Kopf.

Fehlt dir etwas, mein Liebling? Willst du nickt Vertrauen zu mir haben?" fragte sie sie einmal, als sie ganz allem waren, zärtlich besorgt.

Aber Modeste schüttelte den Kops.

Gar nicÄs, Mama. Nur das Nichtstun tut mir nicht gut. Ich habe hier so gar keine be­stimmte Tätigkeit . .

Aber was wolltest du denn tun?"

Hier nichts! Doch sehne ich mich nach Wien zurück, um ernstlich lernen zu können. Tu neift doch, ich will den Kfitoergartenkursus machen,"

Und das wäre dir lieber, als hier sein, wo es so schön ist?" fragte die Mutter ungläubig.

Modesta senkte den Kopf tief, damit die Mut­ter das wehe Zucken um ihren Mund nicht sehen tonne.

Ja," sagte sie leise.

Tie Gräfin lächelte über Matna Losensteins Beslorgnisse.

Seyen Sie, liebe Freundin, Modesta ist eben ein sehr tief und stolz veranlagter Charakter, gar nicht was man mit dem Durchschnitt der jungen Mädchen vergleichen könnte. Wie ihre Erscheinung ist auch ihr Inneres apart. Und ich glaube, sie befindet sich jetzt in einer Krise ihres Innen­lebens, die ihr mehr zu schaffen nracht als ande­ren Mädchen. Etwas Ungeahntes, Uebermächttges ist über sie gekommen, und sie kämpft dagegm an toetjrt sich! Es ist der Kampf einer stolzen, jungfräulichen Seele gegen die Allmacht der Liebe."

Sie meinen, daß sie Harald Woltern liebt?" fragte die Mutter lächelnd, der diese Atmahme gar nicht unlieb gewesen wäre.

3a. Und ich glaube, wir tun am besten, Modefta ganz sick selbst zu überlassen, bis sie aus sich heraus zu voller Klarheft kommt. Ihr Drang zur Einsamteft, ihre Scheu vor Menschen, die be­sonders in der letzten Zeft so deutlich zutage tritt, deutet darauf hm, daß sie selbst vielleicht noch nicht weiß, was in ihr vorgeht. Sie ist ja noch so jimg! Wie soll sie nicht erschrecken vor dem Ge­danken, daß ein fremder Rtensch plötzlich nim so ganz Besitz von ihrer Seele ergreift ? Uebertaffen Sie sie ruhig sich selbst und Tante Luise auf Schönau. Je heimischer sie sich dort fühlen lernt, desto weniger fremd wird ihr auch Harald erschei­nen. Unb er ist ja ein so guter lieber Mensch, sie werden gewiß beide sehr glückUch werden, wenn sie sich erst gesunden haben." .

Das klang alles so wahrscheinlich. Mama Losenstoin begriff zuletzt gar nicht, daß ihr die Eri'lärung nicht selbst gekommen war.

Tausend Kleinigkeiten, die ihr jetzt einfielen- bestätigten ja die Annahme der Gräfin. Modesta war verliebt das erklärte ihr verändertes, un­gleiches Benehmen.

Man überließ sie also scheinbar unbeachtet; sich selbst, und Frau Losenstein gab sich den An-- schein, als glaubte sie Modesta ernstlich, daß alle diese in Schönau verbrachten Stunden einzig und allein dem Kindergarten gewidmet waren, den die alte Komtesse dort eingerichtet hatte.

Indessen: fühlte sich Modesta tief unglücklich und hatte nur einen Gedanken:Könnte ich doch fort von Rettenegg!" j

Die harten Worte Evelyns, sie habe versucht, sich zwischen sie und ihren Bräutigam zu drängen, brannten rote Feuer in ihrer Seele.

Und das andere Wort das vom Schönauer, der vielleicht nicht Ernst machen würde, jagte ihr die Scham in die Wangen, so oft sie daran dachte.

Einen ganzen Tag und eine ganze Nacht hatte Modesta gebraucht, um es überhaupt zu begreifen. Dann fatte sie es jäh auf geschreckt wie ein Peit­schenhieb.

War es möglich, daß man glaubte, sie ging« darum nach Schönau?

Wo sie doch nie im entferntesten daran gÄach^ fatte, seine Freundlichkeit könne etwas anderes sein als eben nur Freundlichkeit.

Freilich, jetzt, ivo sie durch Evelyn geweckl war . . .

Aber wohin sollte sie denn gehen, da sie um der Schwester Mißtrauen wftlen sich in Rettenegg kaum mehr zu zeigen wagte?

(Fortsetzung folgt) t