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4.4.1913 Drittes Blatt
 
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m. 78

Drittes Blatt

163. Jahrgang

ENtzrZe? Anzeiger

Erscheint täglich mw Ausnahme des Sonntags.

SenerÄ-Anzeiger für Gberheßen

DieGießener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Di«,Landwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweiinal.

Zreitag, 4. April 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

N. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.: AnzeigerÄießen.

Der Aufgabe

Die Tagung begann Samstag, den 29. März, mit einer Exkursion in die vulkanischen Gebiete zwischen Gießen, Stein­bach und Großcn-Buseck. Wagen führten die Teilnehmer nach den städtischen Basaltstcinbrüchen an der Hohen Warte. Ter technisch wertvolle, körnige Basalt legt sich dort aus miocäne schichten auf, die das sumpfige Gelände zwischen Gießen und der Hohen Warte bilden.

Bergrat Schottler (von der geologischen Laudcsanstaltz m Darinstadt'' führte weiter nach den Lindenbergen bei Stern-! bach, auf denen sich jüngere Basalt- und Trappdecken in Erosions­resten erhalten haben.

der Weiterfahrt durch den Firnewald kam man an Auf­schlüssen von jungen Bimsst-einsanden vorüber, die durch den Wind mis dem Laacher See-Gebiet zur Zeit der dortigen vulkanischen Ausdrucke brs an den Vogelsberg heran verweht worden sind und m denen eine Anzahl Blattabdrücke gefunden wurden. An dem Kernberg konnte man in dem leider mehr und mehr ver­fallenden Steinbruch fünf übereinandergeflosscne Trappdecken unter - scheinen, die demselben Gesteine augehören, welches bei Londorf m größtem Maßstabe abgebaut wird. Oestlich von der Ganse­burg wurden auf den Feldern eifrig Zeolithe gesammelt. Kurz vor deni Dunkelwerden konnte Bcrgrat Sckwttler noch die be^ deutenden Tuffablagerungen von Großcn-Buseck vorführen, in denen zahlreiche Basaltboniben eingelagert und die mehrfach von Basaltgangen durchbrochen sind. Bei der Zusammenkunft abends im Hotel Großherzog von Hessen fanden die geschäftlichen An- gelegenheltep ihre Erledigung.

Tie Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Auf Ein­ladung von Professor Wegner wurde als Ort für die nächste Hauptversammlung im Frühjahr 1914 Münster i W be­stimmt. Zu Pfingsten 1913 soll in Düsseldorf eine Sitzung des Vereins stattfinden. 9

Professor Br 0 ckmeier (Gladbach) sprach über neue Be­obachtungen in dem Tertiär, das an den Vierfener Horst an- gelagert rft.

ar x Freudenberg (Göttingen) legte darauf eine Anzahl Artesatte des alten Rheingebietes vor, die nach seiner Meinung zu den ältesten bekannten Werkzeugen des Menschen gehören, so einige Dämmer aus Hirschhorn und einen Faustkeil aus dem Ende eines Elefantenstoßzahnes.

Sonntag, den 30 März, fand die Hauptsitzung unter Vorsitz von Profesior .Heß ('-tzin^burg) in der Aula der Universität statt wozu sich etwa 170 Personen eingefundeu hatten.

Der Rektor der Universität, Professor Dr.- Eck, hieß in kurzer Ansprache die Versammlung willkommen.

Professor K a i s e r begrüßte die Versammlung als Vorsitzender der Oberhessischen GeseNlck-ast für Natur- und Heilkunde wie als Direttor des mineralogischen Institutes. Er gab sodann eine allgenieme Einleitung, um den Zweck und die Bedeutung dieser Versammlung darzulegen und skizzierte in großen Umrissen die geologischen Verhältnisse des Vogelsberges

Privatdozent Dr Meyer (Gießen) sprach über- die palaco- geographifche Entwicklung des Vogelsberg-Gebietes, wobei er ganz neue Gesichtspunkte gab über den Aufbau des Gebietes, namentlich über die Beziehungen von Vogelsberg und Wetterau M Rcherniicheui Schiefergebirge. An diese' allgemeine Ueberncht schlossen sich Vortrage über Spezialgebiete nm Rande des Vogelsberges.

Bergrat Schottler (Darmstadt) behandelte Tertiär und Basalt des Vogelsberges und legte dabei hie. von ihm ausge­nommenen und vor kurzem erschienenen Blätter der geologischen Spezialtarte des Großherzvgtums Hessen: Gießen und Ällen- M tor. - Diese geologischen Spezialkarten der Umgebung von .wcBcn int Maßstab 1:25 000 hatten auch zu mehnfachcn Exkur-

Mb. Deutscher Reichstag.

131. Sitzung, Donnerstag, den 3. April« Am Tische des Bundesrats: Kommiffare.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Min. Einige Rechnungssachen werden ohne Aussprache erledigt. Bei einigen kolonialen Abrechnungen weist

. Ee. . Abg. Noske (Soz.)

oarauf hin, daß jetzt im Jahre 1913 erst die Rechnungen aus dem Jahre 1906 dem Reichstag zur Beschlußfassung vorliegen. Das ist bezeichnend für die bisherige heillose Wirtschaft. Mehr Dampf Pointer! Bei den eigentümlichen früheren Verhältnissen in den Schutzgebieten ist manches zwar nicht entschuldbar, aber verständ­lich. Man kann den heimischen Maßstab nicht an alle kolonialen Verhältnisse legen. (Zustimmung.)

Abg. Dr. Braband (Vp.):

Die organisatorische und kolonisatorische Tätigkeit des frü­heren Gouverneurs von Kamerun, Puttkamer, ist durchaus anzu- erkennen. Die Ueberschrcitungen des Etatsrechtes sind dagegen mit Recht bemängelt worden. Beides hat aber miteinander nichts zu tun.

WchlMsungeu.

Die Wahlen der Abgeordneten Hüttmänn (Soz.)' und' W a r l 0 (Ztr.) werden für gültig erklärt.

Die Kommission beantragt, die Wahl des Abg. v. Oertzen (Rp.) für ungültig zu erklären und zwar deshalb, weil 412 Pa­tienten der Heilstätte Beelitz nicht in die Wählerliste der Stadt Beelitz ausgenommen wurden. Der Magistrat von.Beelitz war der Ansicht, daß diese Wähler nicht nach Beelitz, sondern in die Wählerlisten ihres bisherigen Wohnortes gehören.

Abg. Dr. Arendt (Rp.)

beantragt Rückverweisung an die Kommission. Man hat nicht geprüft, ob die 412 auch alle wahlberechtigt waren. Vielleicht sind viele Ausländer gewesen, vielleicht haben sie Annenunter- stühung bezogen oder sind bestraft. (Unruhe b. d. Soz.) Wie können Sie behaupten, daß die 412 alles Wähler gewesen sind! Dazu gehört eine parteiliche Voreingenommenheit der unerhörtesten Art. (Unruhe b. d. Soz. und Zurufe: Sie haben Angst um das Mandat!) Es handelt sich für uns um keine Man­datsfrage, sondern um eine Rechtsftage. Es handelt sich darum, ob das Recht im Deutschen Reichstag gebeugt werden soll. (Große Unruhe links.) Es ist aber eine Beu­gung des Rechts, wenn ohne genügende Prüfung ein Mandat kassiert werden soll. (Große Unruhe links, laute Ent- ruftungSrufc der Sitz.)

/ro Präsident Dr. Kgempf ruft den Redner zur Ordnung. !(BerfalU), ~ ~

Versammlung des Mederrheinischen Geologischen Vereins.

W. B. Gießen, 3; April-

Niederrhcinische Geologische Verein, der sich zur gemacht hat, bic_ Kenntnis der geologischen und auch nnneralogischen Verhältnisse im nordwestlichen Deutschland zu fördern und durch Wanderversammlungen Freunde der Geologie mit dem Aufbau des Vereinsgebietes bekannt zu machen, (fielt ferne 7. ordentliche Hauptversammlung in Gießen ab. Mit­glieds und Gäste, vor allen: Hochschullehrer, Oberlehrer, praktische Bergleute und Freunde der Geologie, mären in großer Zahl erschienen, da eS zum erstenmal unternommen tourbe, einer geologischen Gesellschaft einen Ueberblick zu geben über den geologischen Aufbau des vulkanischen Vogelsberges und feiner Umgebung.

. Abg. Dr. Arendt (Rp.)':

Ich höbe leinen bestimmten Vorwurf erhoben, sondern nur wn der Zukunft sprachen. Ich hoffe besonders, daß die ~ 0 Partei unsere Gründe anerkennen wird. Auf Wunsch W Qtttzen stelle ich außerdem fest, daß ihm als langjähri- W-itglierw der Wahlprüfungskommission daran liegt, zu kon­statieren, daß der Antrag auf Ungültigkeit auf einem prin- ^L'ellen Streitpunkt beruht und nicht auf irgend­welchem Verichulden des Abg. v. Oertzen oder seiner Partei?

Abg. Schmidt-Meißen (Soz.)?

Die Frage ist eingehend geprüft worden. Es ist nach der! st-andigen Praxi s des Reichstags entschieden worden. Dio Heilstätte gilt für die 412 als Wohnsitz im Sinne des Gesetzes Die 412 haben um ihr Wahlrecht mit aller Kraft gekämpft. Sie sind immer abgewicsen worden. Nun muß der Reichstag ein Machtwort sprechen. Der UngÜltigkeitsbeschluß der Wahlprusungskommission ist einstimmig erfolgt.

Abg. Schwarze-Lippstadt (Zerttr.):

Da cs verlangt wird, müssen wir prüfen, ob die 412 wirklich wahlberechtigt waren. Wir stimmen dem Anträge Dr. Arendts also zu. (Gelächter der Soz.)

Abg. Dr. Neumann-Hofer (Vp.):

, Fetzt nachträglich soll man bei 4J2 Personen, von denen man vielleicht gar nicht mehr weiß, wohin sie sind, Erhebungen machen? Das ist praktisch ganz unmöglich. Das führt zu unabsehbaren Folgen. Aus den Akten ist festgestcllt, daß die Leute a u s c i n e m falschen Grunde abgewicsen worden sind. Wenn andere Gründe für die Abweisung noch maßgebend sein konnten, , daun mußte das im Gegenprotcft dargelegt werden. Unsere Stellungnahme ist also ganz klar. Wir sind für Ungültigkeit, ent­sprechend der ständigen Hebung der Kommission.

Abg. b. Brockhausen (Kons.)7

Es ist eine alte Praxis des Reichstags, daß, wenn eine Partei wertere Aufklärung wünscht, die Wahl zurückverwiesen wird. (Zu­ruf links: Dann können Sie nie ein Mandat kassieren!) Wenn Sie Gerechtigkeit üben wollen, dann müssen Sie, wie die Wahlen Kölsch und Haupt, auch die Wahl Oertzen zurückverweisen.

. , Abg. Stadthagen (Soz.):

Einstimmig hat die Kommission ihren Beschluß gefaßt.

Heute fallen Herr Schwarze und Herr Brockhausen um! Was r. . 8an3e Wahlprüfungslommission da noch für Zweck!

y&djr richtig!) Herr Arendt hat die Dinge auf den Kopf gestellt, w man ,a^c§ Vertrauen zur Gerechtigkeit verlieren. Herr Arendt hat mit verblüffender Dreistigkeit absoluten Un - sinn geredet. Was er airsführte, war der absolute Gegensatz von Recht und Sinn. (Der Redner wird zur Ordnung ge- an STrcnbt hat die 412 Wähler beschimpft und als

Wahlfalscher hingestellt. Er dachte wohl an die Wahl seines Freundes Halem rn Sch wetz.

Abg. Dr. Arendt (Rp.)': "

Es ist festzustellen,, daß lediglich'412 Namen zur Wähler- tC enigereicht worden sind, daß ihre Eintragung grundsätzlich tollewhnt worden ist, daß aber nicht geprüft wurde, ob sic tat­sächlich wahlberechftgt sind. Eine Wahlberechtigung darf nicht prasumiert werden, sie muß strikte erwiesen sein.

Abg. Fischcr-Berliu (Soz.)

Der Abg.Arendt versucht die faulsten Dinge auf irgend eine Weise zu erklären.

9lbg. Waldstern (Vp.):

_ Mr sollen die Wahl zurückverweisen, weil eine Partei es wünscht? Hier handelt es sich nicht um eine Frage der Courtoisic, sondern um eine Rechtsftage. Anstatt des Reichstages sollte ein unparteiischer Gerichtshof diese Wahlprüfungcii ent­scheiden.

Bei der Abstimmung stimmen für R ü ck Ver­weisung die Rechte, das Zentrum und ein Teil der National- Nberalen. Mit der Linken stimmen die Polen und vom Zentrum der Abg. Dr. Pfleger. Da die Abstimmung zweifelhaft bleibt, muß Hammelsprung erfolgen. Er ergibt die Ablehnung des Antrags auf Rückverweisung mit 155 gegen 151 Stimmen.

Auch über den Kommissionsantrag auf U n - gültigkeitscrUärung muß durch Hammelsprung ab- gestimmt werden.

Die Wahl v. Oertzen wird darauf mit 160 gegen 1M) Stimmen f ü r ungültig txl lär t.

Am Abend fand ein gemeinsames Essen im Hotel Großherzog von Hessen statt.

Am Montag, den 31. März, besuchten 90 Teilnehmer die Gailschen Tongruben und die Tagebaue des BraunsteinbergwerV in der Lindener Mark, die Professor Kaiser erläuterte.

Auf der Weiterfahrt von dort gab Bcrgrat Schottler einen Ueberblick über den Aufbau des oben erwähnten, von ihm auf- genommcnen Blattes Gießen. Ueber Leihgestern und Watzenborn, wo prächtige, glasige Oberstächen von Basalt gesammelt werden konnten, erreichte Man Garbenteich: dort wurden Basaltverwit- tcrung und Bauxit studiert und die Grubern der Nähe des Dorfes befahren, in der Süßwasserdolomit zu Tüugezwecken abgebaut wird.

Tie Weiterfahrt führte über Torf-Güll nach den Münzenberger Sandsteinbrüchen: diese sind als reiche Pslanzenfundstelle schon» lange bekannt und ein durch neue Aufschürfungen für den Ex- lursionstag frei gelegter Palmwedel von fast 1 Meter Durchmesser, erregte allgemeine Bewunderung.

Schließlich erreichte man nach einem Frühstück in Kloster1 Arnsburg und kurzer Besichtigung eines Basaltsteinbruchs mit) bieten Sonuenbrennern die Stadt Lich und fuhr mit der Bohm weiter nach Büdingen.

Dienstag, den 1. April, zeigte Tr. Meyer die Ergebnissen Ieiner neuen geologischen Untersuchungen des Zechstcins in der Wctterau. Er erläuterte am Vormittag ein Profil vom Rot- licgenden durch den Zechstein in der Nähe von Haingründau mit» am Nachmittag ein Zechsteinprofil bei Stockheim.

Auf der Fahrt von Stockheim nach Lauterbach gewann matt einen Ueberblick über den Aufbau des hohen Vogelsberges

Mittwoch, den 2. ^lpril, wurde 80 Teilnehmern ein Einblick, geboten in den komplizierten Aufbau der Grabeueiubrüche am, Nordostrande des Bogelsberges. Professor Kaiser, Dr Metzer und Tipl.-Jng. Beetz erläuterten den neu erforschten Lauterbacher Graben, besonders an deut in Wasserrissen vorzüglich aufge- ichloffenen Profile bei Atigersbach. In Landcnhausen dankten die ^eilnelmier Herrn Forstrat Eulcfeld (Lauterbach) für feine vielfachen liebenswürdigen Bemühungen im Interesse der Ex­kursionen.

Professor Blanckenhoru führte später auf preußiscktem Gebiete die Exkursion durch Muschelkälkprvfile der Kalkberge bei Großenlüder. In Salzschlirf trennten sich die Teilnehmer Eine Anzahl Herren besichtigten in den Nachmittagsstunden unter Füll- rmi.gbon ^0^101'^0 i f er einige Basalteisensteingruben zwisckmi " Weickartshain und Mucke; /andere schlossen sich anIDx. Philipp (Greifswald) an, der sie am Donnerstag noch zu den von ihm beidjnebcncn eigentümlichen Oberflächenformen an dem Pferds köpf und der Eube in der Rhön führte, die er als alte»Gletscher- karc anipncht. '

rJXÜr?ic Teilnehmer waren mehrere Sdiriften zur Berft'iqung gestellt, darunter auch ein Führer zu den Exkursionen, der von Profenor Kaiser und Dr. Metzer verfaßt wurde. Er ist ,0 abgefapt, daß er auch zur Wiederholung der Exkursionen und zu anderen Exkursionen in heu Randgebieten des Vogelsbergs beirußt iverden kann. Unter beni Titel:Der llntergnind des Vogelsberges., Mit einem Ueberblick über den Aufbau der vul- kanilcheu Gesteine" ist er zum Preise von 2 Mark durch den Bu cbha ud el zu bezie heii.

Tie vom Wetter im allgemeinen sehr begünstigten Exkursiouen konnten fast ut allen Einzelheiten programmäßig durchgesübrt werden. Sie boten den Teilnehmern nicht nur Belegenheit zu wissensck-astlickien Studien, sonderii l>iusig auch Enrblickc in das Volksleben Oberhesscns.

ftonen der Verlammlung Anlaß gegeben. Ihre Benutzung kann allen, die ein Interesse an dem gcologischcit Ausbau unserer Gegend, an der Zusammensetzung und der Anwendung der heimi- styen Gesteine haben, empfohlen werden.

Professor Bl an ck en Horn (Marburg) besprach die Blätter ,Nil da und Großenlüder der preußischen geologischen Spezial- kartc, die von ihm aufgenommcn worden sind.

.. Professor Kaiser erläuterte die Exkursionen in die Basatt- cqcniteiit und Bauxitvorkommen des Vogelsbergs und lmes darauf hin, daß Basalteisetistein und Bauxit sich nicht gleichzeitig gebildet haben, sondern das Bauxit später. Ferner machte er aufmerksam auf die zahlreichen von der Firma Leitz in Wetzlar ausgestellten, neueren optischen Instrumente, so besonders auf einen neuen nrmcralogisckren Demonsttationsapparat Don Dr. Berck, eine Luminisccnzlampe nach Tr. Jentzsch, sowie endlich auf ein neues ^emonlttatioilsmikroskop, das nach den Angaben von Professor Kai>er von der Firma Leitz gebaut worden ist. Die Instrumente wurden in der Pause von vielen Teilnehmern besic^igt, wobei auch vielfach der Liebenswürdigkeit gedacht wurde, mit der die Frrrna Leitz die Vorführung ermöglicht hatte. Darnach wurden die Einrichtungen des mineralogischen Jnstttuts besichtigt, wobei sich die beschränkten Räume besonders fühlbar, machten, indem eine Besichtigung der meisten, interessanten Samm­lungen und Apparate für alle Teilnehmer an der Versammlung! nicht zu ermöglichen mar. Tie neuen Geschenke aus Teutsch- ludweitafrika, die das Institut besonders Dr. Lotz (Charlottenburg) und Tr. Reuning (Swakopmund) verdankt, wurden sehr bewundert. ... Tarnach berichtete der Assistent am mineralogisch,en Institute Dipl.-Jng. Bee tz über ein von ihm aufgefundenes neues Vor­kommen von Palanozoikum bei Ruhlkirchen nördlich von Kirtorfs das große Bedeutung für den Aufbau des Vogelsberg-Urttergrundes zu haben scheint. Bei Treis a. d. Lumda hat Tr. Haupt (Darm- Itadt) diluviale Spaltenausfüllungen im tertiären Quarzit aus­gebeutet und unter anderem Knochen vom Höhlenbären und einem Steppenpferd darin festgestellt.

Eine Anzahl anderer Vortrüge betrafen fernerliegende Ge­biete. Professor Blanckenhoru (Marburg) legte seine geo­logische Karte von Palästina vor, die den neuesten Stand unserer Kenntnis dieses Landes darstellt.

Professor W e g n e r (Münster) zeigte wohlgelungene Photo­graphien der von ihm auf Samos ausgegrabenen Skelette, so vom Urstier und Rhinoeervs. Er besprach außerdem ein in natürlichen Gesteinen errichteten Querschnitt durch Westfalen, den er im geologischen Institut der Universität Münster gebaut hat. Es gibt nach den vorgelegten Zeichnungen und Photographkeu, ernen guten, Ueberblick über die geologischen BerhWnisse West­falens und scheint zur allgemeinen Belehrung sehr geeignet.

Tr. B u x 10 r f (Basel) berichtete über die bisherigen Er< gebnisse beim Bau des neuen Hauenstein- und Grenchenbergtnnneks.

Schließlich teilte Tr. Brandes (Leipzig) einige neue Beobach­tungen über das Rotliegeude, in Ost-Thüringen mit und !Tr. Schultz (Kassel) führte wohlgelungene farbige Aufnahmen von Mineralien im Dünnschliffe vor.

Am Sonntag nachmittag führte Dr. Metzer etwa 100 Teil­nehmer nach dem von ihm erforschten Zechsteiiivorkommeii tiüet Fronhaüsen, das eine Bildung am Rande des Zechsteinmeeres darstellt. Ein in der sommerlichen Schwüle des Tages besckpver- licher Marsch brachte die Teilnehmer auf den hochragenden Gipfele der Altenburg, wo ein weiter Rundblick gestattete, die geologischen und morphologischen Verhältnisse des Östtandes des rheinischen Schiefergebirges unb des Vogelsberges in großen Zügen zu er­kennen. Professor Kaiser und Bergrat Schottler gaben hier eingehende Erläuterungen, an die sich eine lebhafte Aussprache aiiknüpftc.

Tie Wahl des Abg. Dr. Arendt (Rp.) wird debattelos .für gültig erklärt.

Petitionen.

w des VereinsVereinigte Zigarrenhänbler zu

Aachen bittet die Anmeldepflicht für jede Form tLr Warcnvermittlung emzusührcn. Die Kommission ^beantragt Ueberweisung zur Berücksichtigung. 9

, .. . _ Abg. Bretz (Soz.)

begründet einen Antrag auf Heber gang -ur Taaes- Tmn^a11 s,c ^chhon ^strebt die Beseitigung des Gehcirn- handels. Aber es i|t gar nicht möglich, durch gefchlidic Beitim- mungen dem Geheimhandcl bekommen. Swtt Hsen ew- hen aaHM15cfs^r Gewerbestörung; darum können wir

den Wunsch der Petenten nicht unterstützen.

orrr , 1T Abg. Sir (Zentr.):

- Alle Branchen klagen über den Geheimhandel. Deshalb ist es berechtigt, diesen Geheimhandel nach Möglichkeit zu be- kampsen. Die Forderung der Petition ist eine Abschlags- an ben Mittelstand, und wir bitten sie zur Berücksichtigung zu überwerfen. 1 0

_ Abg. Siehr (Vp.):

bJnn^crIauf ti°n Zigarren und Zi- garetten in Restaurants nach Ladenschluß und an Sonn- und Feiertagen zu verhindern. Es handelt sich hier nur um die T* m vorübergehenden Bedarfs; im allgemeinen werden die Raucher ihre Zigarren auch in den Läden kaufen, schon weil sie dort biDtzer sind. Daher werden wir dem Kommissionsantrag entsprechend gegen diesen Teil der Petition stimmen. Dagegen werden wir tm übrigen die Petition zur Berücksichtigung über­weisen, weil wir mcht der Möglichkeit entgegentreten wollen, den Geheimyandel einzuichranken. _

1t . _. Abg. Schulcnburg (Natl.):

Unjere Gswerbettelbenden haben ein Anrecht auf Schuh aeaen £>cn Gehcimhandel; daher stimmen wir der Petition zu. Wir sollten uns aber bei der Beratung von Petitionen etwas mehr 'äeld)r^..u4r9 auperlegen, um rascher voranzukommen; wir müssen mehr Wunsche aus dem Volke erledigen, als das bisher der Fall gewesen ist. Nachdem die Fragen in der Kommission eingehend geprüft worden sind, ist es wirklich unnötig, hier noch viel Worte zu machen.

Die Petition wird nach dem Antrag der Kommission erledigt.

Sonnabend, 2 Uhr: Rechnungssachen, Etats für den Reichs­tag uni, Etat für das Reichsschatzamt (Veteranenbeihilfen).

Schluß 634 Uhr. -