Nr. 75
Erscheint tSgNch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Zamilienbiotter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatr für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seilfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Säoftes Blatt M. Jahrgang
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GemM-Anzeiger für Oberheßen
Samstag, 29. März 19|3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität- - Brich- und Steindnickerel.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^@51.
Redattion.^^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießew
Zrühiingstage am Gardasee.
Von Bertha Freifrau von Nauendorf.
. S>at ö, imi März 1913.
MruLigen Herzens wallfahrten jedes' Frühjahr Tausende nach dein Gardasee und meinen im Februar und März den Frühling dort anzntreffen, derr milden Frühling mit seiner Blütenpracht und feinem zarten Grün. Leichte Kleider werden mitgenommen, dünne Blusen. Und da gibt es dann Erkältungen und Enttäu- >jungen! Allein schon die Fahrt durch den Gottlzard im' Februar ulw März belehrt, das es ein frommes Märchen ist, was so viele — nacherzählen. Weiß Gott, wer es aufbrachte, aber ich erlebte es me, daß in Göschenen Schnee und Eis lag und in Airolo, wie durch einen Zauberstab bezwungen, der Frühling auferstand. Nein, hüben wie drüben der kalte, grimmige Winter, meterlange Eiszapfen und eine dicke glitzernde Schneedecke.
Und am Gardasee selbst, hier in Salb, wohl dem geschultesten Ort weit und breit am! Wasser, da zieht der Frühling nur langsam ein, da ringt er mit dem Winter, der nur ungern weicht, der scheinbar nachgibt, tim am nächsten Tage wieder zu kommen! Merkwürdig sind die Kontraste. In einem herrlichen Garten versprüht ein Springbrunnen seinen feinen Tropfenstaub. Der Wind weht die Feuchtigkeit über das Gras, auf den Steinrand des Beckench und das Wasser gefriert, bildet lange Eiszapfen, eine dicke Eiskruste. Ein paar Schritte weiter trifft man ein Zitronen-Trcibhaus, die Bäume mit den goldgelben Früchten über und über beladen. Und im Freien, als Mleebäume Oleander, die schon unendlich viele Blütenknospcn ansehen und Orangenbäume mit reifen Früchten . . .
Ter Monte Baldo, im' Herbst grau in grau, hat einen herrlichen Hermelinmantel umgeworfen, den er je nach Geschmack und Laune größer und kleiner werden läßt. Und schüttelt er ihn nur ein wenig, so wird es kalt am ganzen See, am kältesten in Riva. Sein eisiger Hauch erreicht auch Salo, Gardone und Fasano, die drei Orte, die so nahe beieinander liegen und sich am liebsten umbringen möchten, weil jeder die meisten Fremden haben will.' Ta schrumpften die Rosen, die bereits schüchtern blühten, er- schrocken zusammen, die Veilchen verkrochen sich wieder — wie ein Ruck, ein Stillstand ging es durch die Natur.
Tann ein strahlend sonniger Tag, so toarml, daß man wirklich leichtgekleidet gehen konnte, wohlgemerkt nur in der Sonne, und das Leben und Weben ging eifrig weiter. Dock sind die Hüllen unr die Knospen der Kastanien noch so klein und fest, als könnte die Sonne sie niemals sprengen, die Feigenbäume stehen öde und kahl da, rind fein Mensch sollte glauben, daß aus diesem dürren Stamm jemals Leben Magen wird, daß die Aeste sich im Herbst biegen, kaum start genug, die Last der Früchte zu tragen. Auch die Reben sind noch starr und tot. Sauber gebunden, die Zweige scharf nach unten gedreht, fast getauft, knorrig wie unwillig stehen sie in der Landschaft. Und auch da ist im Herbst der Segen so überreich . . . Sonst aber hat die Sonne in wenigen Tagen doch viel fertig gebracht. In den Gärten blühen märchenhaft große Veilchen, blühen Tulpen und Hyazinthen. Tie Hände bedecken sich mit blastblauen und weißen Veilchen, mit blassen Krokus, die unserer Herbstzeitlose gleichen, mit tiefblauem Immergrün, Traubenhyazinthen, Primeln und rosigen grostglockigen Erika. Schmutzige, aber bildhübsche Kinder, die Hände von Frostbeulen verunstalten, notdürftig verbunden, laufen barfuß oder mit großer Geschicklichkeit auf ihren Stöckelpantoffeln herum und winden kleine Sträuße ans den ersten Frühlingsboten. Und dann werden die Frenrden belästigt!
Ueberhaupt die Fremden! Vor drei Wochen waren die twch ziemlich selten in Salo. Ich ging an das Wasser und setzte mich in die Sonne aus eine Bank. Im Nu war ich umringt und am gestarrt. Gebettelt wurde nicht. Nur Neugierde sprach aus diesem halben Dutzend blanker Augen. Ta stand ein Mädchen vor mir. Weist der Himmel, wann das vcrftlzte schwarze Haar zum letzten Male mit einem Kamm in Berührung gebracht worden war! In den Händen hielt sie einen kupfernen Eimer, der in der Sonne blinkte. Ein blasser lila Rock, eine knallrote Taille und eine grüne Schürze bildeten ihre Toilette! Dazu noch grün und rot geringelte Strümpfe. Italiens Farbenfreudigkeit, die so gut in hie Landschaft vqstt, die weder abstoßend noch geschmacklos wirkt. Wie Malerisch sah doch auch das Boot aus, mit einem hellgrünen und einem venezianisch braunen Segel, das im selben Augenblick über das Wasser glitt!
Tie anderen Mädchen ließen an Eigenart auch nichts zu wünschen übrig. Der ganze Charakter echt italienisch. Sie be- halten ihre Individualität, geben nichts her davon, und cs ist gut so. Nur eines macht ab und zu ein Kind dem' Fremden nach: die Schneckenfrisur!
Hübsch sehen die schmalen Gesichter mit den dunklen Augen gewiß aus, so fest eingerahmt, fast eingefangen in dem glattge- scheitelten .Haar, aber es paßt doch wieder nicht zu dem süd- ländischen Temperament. Zur Italienerin gehört nun einmal
Frarresr-Ruttdschari.
Das Wappentier der Suffragettes.
Das amerikanische Nationalkomitee für gleiches Stimmrecht, die Leiter der amerikanisch.'n Suffragettes, sind auf der Suckw nach einem Wappentier. Man weiß, daß jede polnische Parier Amerikas irgend ein Tier zu seinem Symbol erwählt hat; so führen die Temokrateir in ihrem Wappen das Maultier und Rooseveli wählte zum Wappentier seiner Partei den Elch. Was aber sollen die Suffragettes wählen? Demi, em Wappentier ist in der amerikanischen Politik ein unentbehrliches Abzeichen, man braucht es zu Paraden, zu Plakaten und zu tausend anderem Zwecken. Tas Narionalkomitee der Suffragetten hat es mit seiner Aufgabe sehr ernst genommen und gelehrte Zoologen um ihren Rat befragt. Tenn das fühlte man von vornherein: nicht irgend ein Tier durste gewählt werden, sondern es mußte auch ein Tier fein, das in seiner Lebensweise und in seinem Wesen irgend eine symbolische Beziehung zu den Bestrebmtgen der F-raüenreckstlerinnen hat 'ES fehlte auch ni ‘>t an Vorschlägen, aber die Entscheidung ist so schwierig, daß ein Entschluß noch nidri gefaßt werden konnte. An der Spitze der zoologischen Kaiididaren, die einstweilen den meisten Änll'ang gefunden haben, steht gegemvärtig ein Vogel: der rote Wassertreter. Tas Weibchen dieses Wasservogels ist dem Männchen so sehr überlegen, daß ein berühmter Zoologe den iveiblichen Wassertreter als „in allen seinen WesenseigenttiM- lichkeiten als spezifisch männlich" charatterisieri.
Und in der Tat die Lebensgewohnheitcn des roten Waiser- t r c t e r 5 sind recht interessant. Das Weibchen bezeichnet dem Männchen die Stelle, an der es gern ihr Nest errichtet sehen möchte, vorauf bann das Männchen fleißig und unermüdlich zu arbeiten beginnt, während das Weibchen gemäckchch zuschanl und mir von Zeit zu Zeit ihre Kritik abgibt und den Herrn Gemahl zu.wlwhter Arbeitsleistung anspornt. Ist das Nest gebaut, so laßt sich Frau Wassertreter dazu Herdei, ihre Eier zu legen, aber damit getrachtet sie ihre ehelichen Pflichten als erledigt. Demi sofort verlaßt sie das Nest und fordert Vater Wassertreter auf, die Eier luszubrüten. Wälzend der ganzen Brutzeit bleibt sie dem Neste lern, hüpft vergnügt in der Ilmgegend herum, besucht ihre „Freunde" in den Nachbarnestern und lebt ihren Neigungen. Wehe aber dem Vater Wassertreter, wenn er sich unterstehen sollte, auch nur einen Augenblick während der Brutzeit das Nest zu verlassen! Er wird svsort von seiner Frau Gemahlin höchst unerbittlich ge-
der Wuschelkopf, ber Hockgesteckte Haarknoten. Die deutschen Bieder meier-Zöpfe wirken schließlich doch nur wie eine Maskerade.
Unverdrossen waschen die Fronen, auf den Knien liegend, die Wäsche in dem kalten Wasser des Sees. Da wird geschrubbt mrd gebürstet, bis der Schmutz — wenigstens einigermaßen — weicht, und dann mit seligem Vertrauen das Sinnen über staubige Hecken, Gitter und Seinen gehängt! Ein Hund geht vorbei, beschnuppert die Wäsche, macht sich umständlich an ihr zu schaffen. Hm, hm! Doch warum sich darüber trufregen, auch! ein Hund hat seine Daseinsberechtigung!
Die Oliven sind beschnitten worden, damit sie besser Früchte tragen. Ihr feines graugrünes Gitter zerteilt das blasse Email des Himmels in viel kleine Stücke. Dazwischen schiebt sich rür! sichtslos und breit der Lorbeer, der schon so viele gelbgrüne junge Sprossen trägt, daß es selbst bei Regenwetter aussieht, als läge die Sonne über dem Laub. Hier unb da ein paar helle Flecke. Obstbäume, Blüte an Blüte, dichtgedrängt, wie ein einziger großer Strauß. In Gardone blühen jetzt auch die Mimosenbäume. Weit hin welch ihr süßer Duft. Tie Zweige der Bäume reichen bis in die Fenster der Fremden hinein. So feingeftedert das Laub, so flaumzart das helle Gelb der Blütenkügelchen. Lyriker müßten bei dem Anblick der Mimosen sofort die Inspiratton zu einem halben Dutzend guter Gedichte bekommen!
Tie Landstraße von Salb bis Fasano bevölkert sich von Tag zu Tag. Dicklippige Armenier bieten ihre Waren feil. Fabelhaft billige Straußfedern, Lederarbeiten, verzierte Messer. Einige Italiener- haben einfache Tische ausgestellt und breiten dort ihre Herr lichkeiteu aus: Spitzen, Mosaiken, allerlei Schmuckstücke, mebr- eigenartig wie 'wertvoll. Blumenhändler, die Körbe vollgeschickchet mit duftigen Blüten. Ganze Büschel schwefelgelber und roter Nelken, rosa Levkojen oder auch blühender Obstbaunkzweige.
Und erst die Bettler! Täglich kommen ein paar mehr dazu. Jeder hat ein anderes Gebrechen.. Ob echt oder unecht — sie machen ganz gute Geschäfte. Ta ist ein Gelähmter, der sich in seinem Wagen allein fortbewegt und die Promenade unsicher macht. Nach getaner Arbeit spannt er ein Eselchen vor seinen Wagen und läßt sich gemütlich nach Hanse fahren. Ein anderer trägt ein Blechschild auf der Brust, das dein Spaziergänger mitteilt, der Mann sei am' Star erblindet. Der Bürgermeister von Brescia bescheinige es. Merkwürdig ist nur, daß der Mann jeden schon von weitem! kommen sieht, den Hut abnimmt, gute Gesundheit und angenehmen Spaziergang wünscht! Etwas Tragisches liegt in den Worten eines anderen Blinden, ber bei dem schönsten Sonnenschein guten Wend sagt. Wenn Man mir nicht immer den Zweifel hätte, das Opfer einer uitnmrbigen Komödie zu sein! Uebrigens trägt dieser „Blinde" ein fast handgroßes silbernes Kreuz Mit bem Heiland darauf um den Hals. 2luch da wird bei mir immer ein Zweifef wach. Gewiß verkauft er dieses „echte, alle silberne Kreuz" ein paar mal in der Saison! Aber er setzt sieh gut in Szene, der Alte. Er hat eine Frau, die ihn jedesmal beim Nahen eines menschlichen Wesens au Hieben läßt. Vielleicht ist er wirklich blind . . . Gibt man ihm etwas, kann er nicht genug danken. Gibt man ihm aber nichts, so spürt man ein unangenehmes Kribbeln im Rücken. Halbleise Flüche werden denen nachgeschickt, die feine Münze opfern wollen . . . 'Auch ein paar schrecklich Verstümmelte fehlen nicht. Eine alte Frau, bereit Hand an der Brust fest gewachsen ist, ein etwa zwanzigjähriger Bursche, der sich wie auf Flossen vorwärtsbewegt und mit jämmerlicher eintöniger StimMe sein Unglück jedem entgegenschreit, ein einbeiniger Sänger mit klassisch schönem Kopf und wunderbarer Stimme, der von einem Einarmigen für sich sammeln läßt. Zwei fürchterliche „piano orgnes", auch von Unglücklichen bedient. Bucklige, Halbblinde, und der Schrecklichste, vielleicht ein Opfer des Krieges, der aus seinem' Unglück Kapital schlägt. Beide Arme fehlen und in den roten Strümpfen hält er geschickt den kleinen Teller zum Einsammeln. Arme Menschen, denen keine andere Liebkosung zu Teil wird, als die der Sonne! Ihre Mittüenschen wenden sich rasch ab, aber die Sonne ist barmherzig, bescheint sie, erwärmt sie, läßt aber auch ihre Verstümmelungen nur um so greller sehen. Diese südliche Sonne, der so viele entgegenfahren, bei der so viele Heilung suchen, sie mluß manches Häßliche sehen . . .
Sie sei gepriesen mitsamt dem blauen See. Tie Gegensätze liegen ja so oft nebeneinander. Das Schöne neben dem Häßlichen, der Schatten neben dem Siebt, die Kälte neben der Wärme. Nirgends kann Man es besser beobachten wie gerade hier in den Frühlingstagen am Gardasee.
Aus Stadt uud CauH«
Gießen, 29. März 1913.
** Ordensverleihungen. Der König von Preußen hat den nachben'lrnnten Offizieren die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen nichtpreußischen Orden erteilt, und Mar: dem Major (mit dem Range eines Regimentskommandeurs) Frhrp. v. Heintze, Flügeladju-
züchtigt, denn sie ist viel stärker und kräftiger, als das Männchen. Außerdem aber ist das Gefieder der weiblichen Wassertreter viel schöner und farbenprächtiger als das der männlichen. Das Weibchen faitn sich also jedenfalls nickst darüber beschweren, daß ihr ihre nattirlichen Vogelrechte vom Mannchtm vorenthalten werden, und insofern wäre der -rote Wassertreter in der Tat für die Frauenrechtlerinnen ein sehr passendes Wappentier. Aber die Suffragetten haben trotz aller Sympathien für die Lebeusgewohnheiten des Wassertreters doch einige Bedenken dagegen, ihn zu ihrem Wappen tier zu machen. Viele der fortschrittlichen Tarnen plädieren für das afrikanische Laufhü Huchen. Und diese' Vogelart hat in der Tat für die Zwecke der Suffragetten manche bestechenden Eigenschaften. Das Weibchen ist gewöhnlich 7 Zoll lang, während das Männchen niemals größer als 4' ■> Zoll wird. Ebenso wie die Wässertreterin überläßt auch das afrikanische Laüfhükmchen selbstlos und tolerant alle Brutpflicht en dem Männchen, dem auch die Sorge zufällt, die ausgekrochenen Küken zu ernähren und zu erziehen. Und außerdem' hat bei den afrikanischen Laufhühnchen die Nattir der Gerechtigkeit zum' Siege verholfen, indem sie dem Weibchen ein prächttges schönes leuchtendes Gefieder gab und das Männchen dagegen etwas als Aschenbrödel behandelte. Tie nächsten Wochen werden zeigen, für welclies dieser Tiere die Suffragetten sich entscheiden; man hak auch die Spinne als Wappentier vorge schlagen, aber sie erfreut sich dock» zu geringer Popularität, um als Symbol beim Publikum Sympathien zu wecken.
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— D i e Frauen und das Wörtchen „und" Ein Sprachfreund schickt uns folgenden Beittag, dessen Inhalt mir allzu wahr ist. Schon seit langer Zeit richtet das ..nschein barste aller Wörter, das Bindewort „und", im Stil Unheil an, besonders im Stil der Frauen. Man könnte diese danach in drei Klaffen einteilen. Die erste Klasse wendet --- nicht im Sprechen, aber sobald sie die Fedeck in die Hand nimmt — nach „und" stets die umgekehrte Wortstellung an, z. B : „Wir sind alle wohlauf und ist inner neues Dienstmädchen gut eingeschlagen." Es muß natürlich heißen: „und unser neues Dienstmädchen ist gut «ungeschlagen." Diese Klasse ist wohl die größte; zu ihr gehört auch die Mehrzahl der weiblichen Verwandten und Bekannten meiner Wenigkeit. Tie zweite Klasse, die jedenfalls von der Sache hat läuten hören, vermeidet die Wortumstellung nach „und" unter allen Umständen, auch da, wo sie das einzig Richtige ist, nämlich nach vorausgestellten, das ganze Satzgefüge beherrschenden
tauten des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, und' dem Major o. U"ckr o, Flügeladjutanteu des Großherzogs von Sachsen HeF Ehrenkreuzes des Hessischen Verdienstordens Philipp des Großmütigen; den Oberleutnants v. Witzen - dorfs und Frhrn. v. Rodde, Flügeladjutant des Groß- Herzogs von Mocklenburg-Schwerin, des Ritterkreuzes zweiter Klasse desselben Ordens; dem Generalmajor Hahn, Qfeno raladjutanten des Großhcrzogs von Hessen, des Großkom- turkreuzes des Mecklenburgischen Hausordens der Wendischen Krone; dem Rittmeister v. Schrocder, Ftügel- adjutanten des Großherzogs von Hessen, des Ritterkreuzes erster Klasse des Großherzoglich Sächsischen Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Fällten.
** Lehrerpersonalieu. Dem Schulamtsaspiranten Rud. Dors aus Ockenheim wurde eine Sehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rüsselsheim übertragen. — Erledigt ist die Stelle eines Reallehrers an die Siebigs-Oberrealschule zu Darmstadt vom 1. April a». Der Inhaber der Stelle muß den Gesangunterricht, sowie Turnunterricht erteilen und das Schüler-- orchester leiten können.
** Gesunde Nerven. Der vom N a t u r he i l v e r ei n veranstaltete Vortrag des l. Vorsitzenden des Deutscken Bundes' rür Regeneration, des Schriftstellers E. Peters ans Berlin, über das Thema: „Wie gewinne und erhalte ich gesunde und starke Nerven?" war überaus lehrreich. Tie Versammlung spendete reichlich Beifall. Ter Redner führte aus: Unsere gesamte Lebenskraft beruht auf bem peripherischen Nervensystem. Es ist zu unterscheiden einmal die Lebenslinie und bann die Tageslinie. Tie Lebenslinie ist die Kurve der Lebenskraft, die den Menschen hinaufführt zu seiner Höhe, beim vollständig gesunden Menschen etwa zum 50. Lebensjahre, — bei dem Menschen der heutigen Zeit ist das 30. Jahr der Höhepunkt um dann langsam ein ?lb- nehmen der Kräfte eintreten lassen. Tie Tageslinie ist die
Kurve, die um Mitternacht den Beginn der Lebenskraft eintreten und den Morgen über ihren Höhepunkt erreichen läßt, um bann am Nachmittag allmählich nachzulasseii. Diese Linie ist bei den meisten Menschen verwischt; sie fühlen sich am Morgen schlaff, mit dem Gefühl des Grauens und der Niedergeschlagenheft, sie sind dagegen am Abend geistig und körperlich regsam. Tiefer Zustand ist krankhaft und schädlich, indem bie „abendliche Lebendigkeit" abgezogen wirb von ber Leistungsfähigkeit des anderen Tages. Tie Lebenskraft ist bei den Menschen verschieden. Daraus ergibt sich, daß sich jeder selbst beobachten und die Vehaydlung nervenkranker Menschen individuell sein muß. Verallgemeinerung in ber Lebensführung ist zu vermeiden. Jeder muß sein Leben in ein bestimmtes Verhältnis zu bem vorhandenen Maß von Nervenkraft bringen. Indem der Redner sich auf den Boden der bedeutsamen Reizlehre des verstorbenen Dr. meb. Alfred Damm stellte, stellte er an die Spitze dieser Reizlehre den Satz: Ter starke Reiz, ist da am stärksten, wo die Kraft am geringsten ist, d. h. also: Wir Menschen müssen alle unsere Tätigkeiten, gemäß unserer Kraft, gebrauchen, wenn wir in jeder Hinsicht Körper, Geist uniy Seele gebrauchsfähig erhalten wollen. Deshalb muß es das Bestreben eines jeden fein, die stärksten Stellen seiner Kraft herans-- zufinden und hierauf sein Leben auszuhguen, die schwächsten Stelleir aber zu sckwnen. Im Anschluß hieran kennzeichnete er die -verschiedenartigen Menschentypen und unterschied hierbei den Er- nährungsmensch, den Bewegungsmensch und den Empfindungsmensch. Kein Typus kommt für sich allein vor. Frauen neigen mehr zu den Empsindungs-, bie Männer zu den Bewegungs- menfeben. Der Redner besprach das äußere Aussehen sowie die hervorstechendsten Eigenschaften ber einzelnen Thpen und t'ririfierte die Lebensführung des heutigen iybenfchen, die durch ihre unrichtige Gestaltung die Nervosität hervorruft. Nervosität toirfr nicht allein durch die Bemfsarbeft hervvrgerusen, in weit höherem Maße sind falsche Erziehung und frühzeitige Vergeudung ber, geschlechtlichen Kraft die Ursack>e. Geschlechtsttaft ist Lebenskraft. Tie sittlichen Verfehlungen ber Jugend bedingen eine ungeheure sexuelle Regsamkeit, das Nervensystem wird allzu srühzeftig zu seinem Höhepunkt gebracht, es folgt bie Kraftlosigkeit. Meser Verlust ist im späteren Leben nicht ganz wieder zu gewinnen. Es muß die Aufgabe ber Eltern fein, diese Verfehlungen zu verhüten. Mit dem Verlust ber Nervenkraft ist der Verlust der geistigen Konzentrattonsfähigkeft verbunden. Die Maßregeln, bie zur Gesundung nervöser Menschen führen, sind Arbeit und richtige Ernährung. Es handelt sich darum, den Kranken, der jeglicher Tätigkeit abgeneigt ist, an die Arbeit zu gewöhnen, in ihm bie- Lust zur Arbeit zu erwecken. Bei ber Ernährung haben sich zweil Fehler in unserem Volksleben eingeschlichen: der übermäßige Genuß von Fleisch und der Mkohol. Die an Metallischen Stoffen reiche ,besonders an Eisenl Nahrung bewirkt die größere Nerven- kraft, deshalb ist die Pflanzennahrung ber Fleischnahmng vorzuziehen. Ter R ebn ei' will aber kein Auf geben, sondern Beschränkung^ der Fleischnahrung. Neben ber Notwendigkeit der Arbeit besteht auch die Notwendigkeft ber Ruhe. Es ist bie
Umstanbsbestimmungen, nne „hoffentlich, sicher, wahrscheinlich, unter Umständen", z. V.: „Hoffentlich seid Ihr alle wohlauf und Euer neues Dienstmädchen ist gut eingeschlagen." Es muß natürlich heißen: „und ist Euer neues Drenstmädchen gut eingeschlagen." Zu dieser Klasse gehört meine Irem, die vor vierzig Jahren bie Prüfung für die Befähigung zum Unterricht an höheren Mädchenschulen bestanden bat. Die dritte Klasse macht es überall richtig, freilich zum Teil unbewußt; zu ihr gehören, Gott fei Dank! bie meisten ber mir bekannten Sehriftstellerinnen unb — ohne die vorerwähnte Prüfung gemacht zu haben — meine Schwiegermutter.
ks Soll man Arm in Arm gehen? Ter Pariser; „Exeelsior" ist es, ber bie mhaltsckwere Frage „Soll män Arm in Arm' gehen?" auf bie Tagesordnung gefetzt hat, unb sie hat einen sehr lebhaften Meinungsaustausch in ben Spalten bieses? Blattes hervorgerufen. Tas Ergebnis ist, daß, soweit Paris in Betracht kommt, es ganz aus der Mode ist, daß ein Paar Arm in Arm geht. So etwas findet man allenfalls am Platze, wenn etwa ein Baler fein Töchterchen tzur Schule bringt — aber, daß eine Dame und ein Herr in biefer Weise iIrres Weges wan-! dein, wie es nock unsere Eltern zu tun pflegten — von früheren! Geschlechtern gar nicht zu sprechen, das wäre Provinz. Ter junge Mann unb die junge Dame von heute gehen jeder hübsch, für sich. Er kreuzt seine Arme auf bem Rücken oder versenkt sie ut bie Taschen seines Ueberziehers, und sie birgt sie in ihrem! Muff. !tie Tanten erheben sogar gegen einen etwaigen Versuch, das Arm-in-Arm-geheu lüieber in Mode zu bringen, entschiedenen Einspruch, und das schreibt sich vielleicht von einer gewissen Apachenmanier ber, die die jungen Herrn in Paris bevorzugen, wenn sie eine Dame unterfaffen. Es bat dann manchmal den Anschein, als ob ein Polizist einen Hebetcäter abgefaßt bat, den er nun ins nächste Polizeiblireau ftcuern will, und daß die Damen nicht gerade Lust haben, diese Rolle des Uebeltäters zu spielen, ist ihnen nicht zu verdenken. ?llso mit einem Worte: Paris bat diese alte Sitte weit hinter sich gelassen. Was nun freilich für uns Deutsche gar keine Veranlassung bildet, dies nachzualmien. Bei uns können Mann und Frau nock immer hübsch Arm in Arm durch die Straften ober burch einen Park wandeln, ohne als zurückgebliebenes Provinzpaar zu gelten!


