Kreis Büdingen.
' (B) Echzell, 3. April. Unser Marktflecken Wied an das Glektriz itätsw er k Wölfersheim angeschlossen Die Hausleitnnqril sind bereits fertigg-esteNt. Jetzt beginnt -man mit der Oberleitung für- die Straßenbeleuchtung.
Kreis Alsfeld.
^Atzenhain, 3. April. Vom S ch citn en g crü H stürmte der 70 Jahre alte Auszügler Sehrt. Er verletzte sich fo schwer, daß er am nächsten Tage starb.
Kreis Lauterbach.
~ Schlitz, 3. April. In dem zum hiesigen Amtsgerichtsbezirk gehörigen Orte Queck wurde ein verheirateter Handwerker wegen SittlichkeitsverbrcchenZ verhaftet.
Hessen-Nassau.
= Frankfurt, 3. April. Früher als sonst entfalten sich in diesem Jahre die Blüten in den Gewächshäusern des Palm eng artens und so finden wir auch den Flor der Azalea indica schon in seiner prachtvollen Entwicklung. Im Haus 4 der Schauhäusergruppe hat man -ein Farbenbild vor sich, das in Bezug ans Großartigkeit und Leuchtkraft der einzelnen Töne wohl kaum von einer anderen Pflanzengattung übertroffen wird. Und alle diese Spielarten des indischen Felsenstrauches sind die Errungenschaften gärtnerischen Fleißes und Intelligenz. So wird man diesen Erfolgen seine Anerkennung nicht versagen. Ter indische Fclsenstrauch, Azalea indica (Rhododendron indicum der Botaniker), stammt aus Ostasien und wurde gegen 1800 nach Europa eingeführt, wodurch die Annahme, daß die in der Blütengalerie befindlichen Stammformen über 100 Jahre alt sind, gerechtfertigt erscheint.
w. Höchst a. Ai., 3. April. Der Kreistag bewilligte heute zum Negierungsjubiläum des Kaisers 2 0 000 Mark,, die unter dem Namen „Kaiser Wilhelm II.- Jubiläumsstiftung" zur Verstärkung des Freibettfonds des Kreises dienen soll.
Canöwirtfcbaft
Landwirtschaft und Arbeitsvermittlung.
Di,»^Beschaffung geeigneter Kräfte für die Land- wirtW^ft gehört zu den schwierigsten Fragen des BctrielkD Tic Gründe liegen hauptsächlich in der Umgestaltung des la Mu. Betriebes zum -Saisonbetrieb, dem Rückgang' der h aus- industrwllen Beschäftigung und der Verteilung des Grundbesitzes. Es wäre jedoch falsch, die Landarbeiterfrage lediglich als Betriebsfrage, nur vom' Standpunkt des landw. Unternehmens aufzufassen ; sie ist vielleicht in höherem Maße eine soziale Frage, die auch vom Standpunkt des Landarbeiters getvürdigt Iwrbcn muß. 'Tie Arbeiternot des Ostens hat ihre<Gründc in dem Uebcr- wiegen des Großgrundbesitzes und der tiefen Stellung des Landarbeiters, die es ihm nicht ermöglicht, auf der sozialen Stufenleiter empor zusteigen und ehr kleiner Bauer oder Pächter zu ivcrden. Er ist mtö bleibt Landarbeiter, er ist land- und heimatlos. Heute ist diese Kategorie fast verschwunden. Der Landarbeiter, des Ostens ist ausgewandert oder er ist in Großstädten und im industriellen Erwerbsleben verschwunden; an seine Stelle ist der Pole aus Rußland getreten.
Im Westen, namentlich in Nassau, in Rheinhessen und Starten- burg, liegen die Verhältnisse günstiger. Tie bunte Mischung von Groß-, Mittel- und Kleinbesitz ermöglicht cs dem fleißigen nüchternen Arbeiter, ein Stück Land im Eigentum oder Pacht zu cr- wcrbcm und sich als Mitglied seiner Gemeinde und als Bürger zu fühlen. ?Lb-er auch in unserem Gebiet wächst sich die 'Arbeiterfrage nn'micr mehr zu einer sozialen Frage aus. Während früher, bei einfachen Wirtschaftsformen, Bauer und Knecht sich kannten, Herkunftsort und Arbeitsstelle des Knechtes nahe beieinander lagen, ist der Knecht heute genötigt, entweder selbst weitere Reisen zn mächen, oder einen gewerbsmäßigen Stellenvermittlcr aufzusuchen, deren Sitz.in der Hauptsache die Stadt ist. Jedenfalls ist bei der ^Beschaffung von Arbeitskräften die Uebcrwindung größerer Entfernungen notwendig. Danl.it hängt zusaimnen, daß der'Landwirt weder den früheren Arbeitgeber noch die Lebensverhältnisse und Gewohnheiten seines Knechtes kennt. Tie Folge davon ist, daß aus dem alten persönlichen Verhältnis immer-mehr ein reines Arbeitsverhältnis wird. Aus diesern' Grunde ist es auch falsch, die ländliche Arbeiterfrage lediglich als Lohnfrage zn behandeln und zn behaupten, die ländliche Arbeiterfrage wäre in demselben Augenblick gelöst, wo die Landwirtschaft die gleichen Löhne wie die Industrie zckhlt.
Es sind sonach zwei Aufgaben zu lösen: 1. die Schaffung geeigneter unparteilich geleiteter Arbeitsvermittlung s st c l len, 2. die Eingliederung des ländliche n .Arbeiter in die Familie seines Brotherrn, die Gemeinde und den Kreis.
Was den ersten Punkt anbelangt, so haben die von den Kreisen und Städten ins Leben gerufenen, vom Staat und den Landwirtschaftskam'mern finanziell und moralisch geförderten
öffentlichen Arbeitsnachweise ü.t Hessen-Nassau und H c s se n ersprießliches geleistet, und sic werden noch mehr leisten, wem: ihre gemeinnützigen Einrichtungen von den Landwirten selbst noch mehr benutzt werden. Allein im Gcschäftswhrc 1911/1912 wurden von den Arbeitsnachiveisen insgesamt über 8000 Stellen in der Landwirtscl?aft besetzt, z-mn! Teil zwar mir für die Erntezeit, teilweise auch für dauernd. So wurden von der landw. Mieilung dm Städtischen ArbeitsverMittlungsstelle in Frankfurt über 900 Kncchrc, 120 Schweitzer und 50 Biehfütterer vermittelt. Auch die Krcisarbeitsirachwcise Limburg, Alzey, Tie- burg, Atarburg und Bcbra haben auf dem Gebiete der landw. Vermittlung wachsende Erfolge zu verzeichnen. Eine Hauptsckwie- rigkeit bei der landwirtschaftlichen Vermittlung ist die Uebcrwindung der Entfernung. Deshalb ist bas erste Erfordernis eine rasche und billige Vermittlung, Gerade die öffentlichen Arbeitsnachweise genießen einen großen Vorzug vor der privaten Stellenvermittlung, inbcm durch die von den deutschen Eisenbahn verwolumgen gewährten Fahrpreissvmäßigungcn auf die .Hälfte der 3. Klasse bei Entfernungen von mehr als 25 Kilometer und Verwendung von Gutscheinen bei Mittellosigkeit bei den öffent- lick,en Arbcitsnachsveifcn, durch! Fahrpreisermäßigung auf die Hälfte der 4. Klasse für alle Entfernungen bei beu W a nd e r a rb e i t S- statt en eine billige und rasche Vermittlung ermöglicht wird. Auf erdem werden die im Austauschverkchr zwischen den einzelnen Arbeitsnachweisen enrstehendcn Porto- und Tciephongcbührcu aus Staaismitlelu ersetzt. Wir sino also schon jetzt der Erreichung des einen Zieles, der Ueberwiudung der Entfernung, sehr nahe. Ein zweites Erfordeimis ist die Einrichtung von sachkundig gc- leitetcn Bureaus, die die Verhandlungen zwischen beiden Gruppen als ehrliche Malier führen, Arbeirssteile und Arbeitsbedingungen beschreiben itno die Geeignetheit des Arbeitsuchenden für die an zutretende Stelle zu prüfen haben. Tiefe Tätigkeit -erfordert eine genaue Kenntnis der verschiedenen landw. Betriebe und vollkommene Unparteilichkeit.
Ein drittes Erfordernis ist, den Arbeitsnachweis auch vom sozialen Standpunkt ins Auge zu fassen. Einen Anfang danut haben die Landwirtschaftskammern in Darmstadt, Wiesbaden und Kassel gemacht int Einvernehmen mit dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband in Frankfurt, indem die Frage des Abschlusses schriftlicher Arbeitsverlr.ige eingehend geprüft und ein A rbe i r s v e r t r a g s f o r m u l a r den öffentlichen Arbcits - Nachweisen in Hessen und Hessen-Nassau zur Annahme empfohlen wird. Tiefes lehnt sich an die Bedürfnisse pes ländlichen Betriebes genau an, normiert die Arbcits- und Lohnbedingungen, Wohnungs- verhältnissc, Gebichrenzahlung bei der Vermittlung und die Beiträge zu den Lasten der sozialen Gesetzgebung. Als Ersatz des Arbeitsvertrages kann auch ein Fragebogen benutzt werden, der die Form des Vertrages vermeidet, dabei aber alle die für cihe gedeihliche und beide Teile befriedigende Vermittlungstäiigkeit notwendigen Angaben enthält. Ein Zwang, Arbeitsverträge abzu- schließcn, wird keinesfalls ausgeübl; der Abschluß ist Sache der Kontrahenten. Gleichzeitig hiermit werden bei den - öffentlichen Arbeitsnachweisen für die landw. Vermittlung. Gebühren erhoben, jedoch nur für feste Stellen «solche nämlich, deren Dauer nicht auf eine Zeit bis zu 4 Wochen begrenzt ist) und zwar 1,50 Mark für männliches Gesinde und 3 Mark für weibliches Gesinde in Wochenoder Monatslohn, 5 Mark für Jahres stellen. In Frankfurt wird die Gebührenerhebung mit dem 1. April beginnen, in Limburg und -Alzev ist die Erhebung von Gebühren bereits eingesührt, Bebra, Marburg-und Kassel haben schon früher Gebühren erhoben. Für Arbeitsuchende ist die Vermittlung kostenlos. Auch dürfen keine Abzüge am Lohn zur vollen oder teilweisen Deckung der Vermittlungsgebühren stattftndcn. Es ist zu erwarten, daß infolge der den Arbeitsnachweisen in Form von Gebühren zufließenden Mittel der technische Betticb weiter verbessert und vervollkommnet wird.
Alle sonstigen mit der Verbesserung der sozialen Vcrhällnisse der Landarbeiter zusammenhängenden Fragen sind nickt Sache des Arbeitsnachweises. Hier ist ein wichtiges und nützliches Feld für die Betätigung der landw. Vereine und besonders der ländlichen Wohlfahrtspslegevereine. Pflege des ländlichen Bauwesens, das auch dem kleinen Mann Rechnung trägt, Bücher und Untcrbaltungs- wefcn, ländliche Theater, Einbeziehung der Arbeiter in die Tätigkeit der landw. Vereine, sind einige Mittel, durch die den ländlichen Arbeitern die Freude am' Lande erhalten werden kann, und die dazu beitragen formen, auch auf dem' Lande, wo nicht in dergleichen Weise wie in der Stadt gearbeitet werden kann, einen gesunden sozialen Fortschritt herbeizuführen.
Der Ltapellauf öcs Riesen-Dampfers „Vaterland".
Hamburg, 3. April.
In Gegenwart des Prinzen Ruprecht von Bayern lies heute nachmittag gegen 4 Uhr der Riesendampfer „Vaterland", den die Firma Blohin u. Boß im Auftrag der Hamburg-Amerika- Linie 'auf ihrer Werst erbaut hat, glücklich front Stapel. Tie Festrede hielt Bürgermeister Dr. Schröder. An beit Stapellauf schloß sich ein Frühstück, das der Senat zu Ehren des Prinzen gab. Darnach folgte ein Vortrag über die Einrichtung des neuen Schiffes, der durch Lichtbilder erläutert wurde.
Die „Vaterland" soll um 3000 Torrs größer weichen als der ,Tlmperaror". Dementsprechend werchen sich die Llb-messungen des Schisses erhöhen. Tie Turbinenanlagen werden den beideit Schiffen eine große Gescknmndigkeit verteiheit, cs ist aber nicht ge plant, sich etwa in einen Schnei i igkeitskampf mit anderen Nationen einzulassen Es sind andere Faktoren, die für den Bau der deiüt- schen Seedampferanaßgct'end find. Vor allem ist, drcrch den Unter gang der Titanic noch mehr beeinflußt )»erben, hie Sorge für die Fahrgäste entscheidend. Die Passagiere, namenllich die, ioelche berufsmäßig viele Ozeanreisen macheir müssen, haben einseheir gelernt,^daß ein Zeitgewinn von einigen Stunden und selbst von einem Tage nicht ausgewogen wird durch eine geringere Sicherheit. Bei dem neuen Schiff hat man sich nicht mit den wasser dichten^ Querschotten begnügt, sondern man bat,im Vorder- und Hinterschiff, die naturgemäß am meisten bedroht sind, auch wasserdichte Längswände eingebaut. Es werden ferner dreiundachtzig Rettungsboote zur Verfügung stehen, die 5900 Personen zu fassen vermögen. Tas Schiff wird 4050 Paff agiere und 1200 Mann Besatzung aufnchmen können. Es istälso im Notfälle entsprechend den neuen secrcckitlichen Besprechungen Platz für alle Personen in den Rettungsbooten. Tas Schiff ist fast 300 Meter lang, mehr als 30 Meter breit und 20 Meter bodj-, und wird elf Decks erhalten. Tic Kommandobrücke liegt 40 Meter über dem Meeresspiegel. Das Gewicht des leeren Schiffes, wie es vom Stapel läuft, beträgt 31 Millionen Kilogramm.
Tie Hamburg-Amerika-Linie erhofft eine so starke Benutzung dieser Dampfer, daß sie bereits die Pläne für ein drittes Schifs, das noch größere Abmessungen ausweisen soll, in Auftrag gegeben hat. Ter Dampfer „Imperator" wird seine erste Ausreise nach New Bork am 24. Mai d. I. antreten. Um einen Mlege- platz für das Schiff in New Bork zu erhalten, mußten dic der Hanrburg-Amerika-Linie gehörigen Tämme in Hoboken beträchtlich erweitert werden. Als Liegeftclle in 'Deutschland dient dem Schiff der erweiterte neue Hafen in Cuxhaven. An den Probefahrten des „Imperator", die sich bis in'das Mittelmeer erstrecken sollen, wird aller Voraussicht nach auck der Kaiser teilnehm'en. Der Bau der „Vaterland" soll so beschleunigt werden, daß der Dampfer ebenfalls nach einem Jahre im Frühjahr 1914 fahrt- bereit sein wird. ।
VerkmsZchtes.
' Konkurs einer Volksbank. Die Volksbank in Ahaus (Westfalen) melbctc Konkurs an. Es sollen etwa 2()-0 000 DU. ungedeckte Verbindlichkeiten vorhanden sein. Eine qait^c Reihe kleiner Geschäftsleute sind empsindlich geschädigt ,vordem
Amtlicher Wetterbericht.
Wetteranssichten in Hessen für Samstag, den 5. April 1913: Meist beiter und trocken, tagsüber warm, nachts kühl, frische östliche Winde.
Letzte Nachrichten.
L. 3 4 in Frankreich.
Paris, 4. April. Unter der Bevölkerung von Lune-- vitte geht das Gerücht, die deutschen Offiziere hatten ,Papiere, Photographien usw. kurz vor ihrer Landung^ ans dem Luftschiff geworfen. Das ist nach Aussage der deutschen Offiziere unrichtig. Es wurden zwar einige Gegenstände aus dem Luftschiff geworfen, aber nur, um es zu erleichtern.
Lunäville, 4. April. Hauptmann Klotz, der Führer des L. Z. 4 teilte einem Berichterstatter mit, das Lustschisfi sei um 6 Uhr in Friedrichshafen aufgestiegen und sei in> einer Höhe von 2000 Metern über den Schwarzwald geflogen. Es sei in Nebel und in einen starken Ostwind geraten. Gegen 1 Uhr habe man geschen, daß man fich über Frankreich befinde und habe den Uebungsplatz bei Lun^ville als sehr geeignet für die Landung ausgewählt. Wenn die zur Füllung des Ballons erforderlichen 1000 Kubikmeter Wasserstoffgas aus Augsburg eintreffen, werde man noch heute die Rückfahrt antreten.
Friedrichshafen, 4. April. Die von hier aus verbreitete Meldung, daß ein Extrazug mit Gasflaschen nach Lnneville abgegangen sei, ist falsch. Es wurde vielmehr an den kursmüßigen Zug 6.55 Uhr gestern abend ein einziger Waggon mit Gasflaschen an- gchängt, der, wenn er ohne Aufenthalt weiterbefördert wird, heute vormittag 10 Uhr in Lun^ville eintreffen dürfte. Direktor Colsmann, der gestern in Frankfurt weilte, hat sich von dort gleichfalls nach Limeville begeben. \
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