Ausgabe 
25.4.1913 Erstes Blatt
 
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yirtreten. General Wukotitsch hnrrbe daraufhin als Parlamcnttir entsandt. Die Verhandlungen dauerten den ganzen Tag, blieben jd)otf) ergebnislos. In der Nacht ergriffen die Montenegriner die Offensive. Vorgestern erschien ein neuer Parlamentär Essad Paschas mit dem Ersuchen um Wiederaufnahme der Verhand­lungen. General Wukotitsch begab sich wiederum nach Skutari mit der Instruktion, sich dem Feinde gegenüber, der so mutig gewesen, möglichst großmütig zu er­weisen rind ihm den Abzug mit den militärischen Ehren und den Waffen, nötigenfalls sogar mit der leichten Ar­tillerie, zu bewilligen. Auf diesen Grundlagen ist vorgestern abend das Protokoll der Uebergabe von Essad Pascha und General Wukotitsch unterzeichnet worden. Tic Räumung der Stadt begann sofort: sie wurde gestern fortgesetzt und wird heute gegen mittag vollzogen sein. General Martinowitsch verständigte den König telegraphisch von der Besetzung des Tarabosch. Kronprinz Danilo wird heute mittag feierlich in Skutari einziehen. Der König und die Königin sandten dorthin gestern früh von Virvazar drei Boote mit Proviant und Sanitätsmate>-ial als erste Hilfe. Im ganzen Lande finden Kundgebungen statt. Der König erhält aus den besetzten Gebieten zahllose Glückwunschtelegramme. Für den feierlichen Einzug des Königs in Skutari werden alle Vorbereitungen getroffen. Essad Pascha begibt sich mit der Garnison in seine Heimat nach T i - r a na. Die Montenegriner erbeuteten in Sku­tari 120 Kanonen, darunter 40 Schnellfeuer­geschütze, 12 Haubitzen sowie zahlreiches Kriegsmaterial.

Die Waffenrirbe verlängert.

Konstantinopel, 24. April. (Amtlich.) Die Waffen­ruhe zwischen den Türken und Bulgaren ist unter den bereits geltenden Bedingungen bis zum 4. Mai mittags verlängert worden.

«Eine Erklärung zum Lall Krupp.

Einem Vertreter derKölnischen Zeitung" erklärte Geheimrat Hugenberg, der Vorsitzende des Direktoriums der Friedr. Krupp Aktiengesellschaft, der früher dem preußischen Finanzministerium angchörte, folgendes.' Man fragte sich in der Oeffentlichkeit, um was cs sich eigentlich bei den sogenannten Geheimberichten handÄte, die sich angeblich die Firma Krupp dadurch verschafft haben soll, daß sie, so hatte Dr. Liebknecht die Stirn, wörtlich im Reichstage zu sagen, Herrn Brandt zu diesem Zweck (Bestechung von Kanzleibeamten der Behörden, der Armee und Marine) große Mit­tel zur Verfügung gestellt hat und ihre Geldmacht systematisch da­zu ausnutzte, um höhere und niedere preußische Beamte zum Verrat militärischer Geheimnisse zu verleiten. Als früherer preußischer Beamter bin ich eigentlich gewohnt, schwebende Gerichtsangelegenheiten als Dinge an­zusehen, worüber man nicht spricht. Sonst, und wenn es nach meinem politischen Gefühl gegangen wäre, hätte ich längst in der Oeffentlichkeit unserseits den Schleier von dieser geheimen Unter­suchung gezogen, um unserem Freund Liebknecht den billigen Tri­umph der Ueberrumpelung im Reichstage zu der von ihm ge­wählten Zeit zu nehmen. Wenn nun aber mit Hilfe des Reichs­tags eine systematische Hypnotisierung der öffent­lichen Meinung des Landes versucht wird, wenn man bis in das kleinste Dort des Reichs hinein während des schwebenden Verfahrens in bedingter oder unbedingter Form das ist für den Eindruck beim Volk ziemlich gleichgültig verurteilt, mit Treck beworfen wird, ohne daß irgendwelche anderen Unterlagen bekannt sind, als die Behauptungen Liebknechts, so wird man wohl auch das Recht haben, sich seiner Haut zu wehren. Ich sehe also jetzt gar keine Veranlassung mehr, etwa unsererseits einseitig noch weiter zu schweigen, obwohl ich nun gern noch gewartet hätte, bisim Reichstagenach der großen auch eine kleine Stinkbombe geplatzt sein wird, worauf wir nach un­seren Nachrichten in diesen Tagen noch zu rechnen haben werden. Nun legt man in der Presse mit Recht auf "die Tatsache Wert, daß die öffentliche Meinung schon bei der Nachricht Mißbehagen emp­findet, daß die Firma Krupp sich von ihrer Berliner Vertretung Geheimberichte" erstatten läßt, ein Wort, woran sich neben anderen Vorstellungen überall leicht die der Gefährdung der Sicher­heit des Reichs und dergleichen anschließt. Ja, da muß ich schon sagen: Wenn man sich etwas näher in die Eigenart nu­feres Essener Betriebes versetzt, so müssen die Vorstellungen bald verblassen. Dutzende von verschlossenen Briefumschlägen, die Ge­heimberichte enthalten, werden uns täglich auf den Tisch gelegt. Geheimberichte find unser täglich Brot und da alle inländischen Bewaffnungsfragen als geheim gelten, kann vernünf­tigerweise niemand etwas dabei finden, wenn auch die fraglichen Berliner Berichte Geheimberichte waren. Was laber den Inhalt betrifft, so mag man fdjon daraus, daß ich mit Bewußfein und soweit ich müh erinnere, in den drei Jahren meiner bisherigen Essener Tätig­keit keinen dieser Berichte gelesen habe, entnehmen, eine wie unerhebliche Rolle sie in dem' Betriebe der Firma gespielt haben. Sie betrafen in der Hauptsache, wenn ich so sagen soll, das K l e i n g e schäft, in dem der Ehrgeiz, nicht durch Einschlafen irgend eines verhältnismäßig selbständigen mitt­leren oder unteren Organs wettbewerbsunfähig zu werden, eine viel größere Rolle spielt, als das Geschäft selbst wie ja über­haupt die Bedeutung unserer Geschäfte mit der deutschen Heeres­verwaltung falsch eingeschätzt wird. Wir sind für si e di e Konstruktions - und Probierwerk st alte mit einem großen Rückhalt für den Mobilmachungsfall bei Verhältnis mäßig recht geringen Friedensauf- t ragen eine Rolle, die ein Privatunternehmen nur spielen kann wenn es von anderer Seite große laufende Aufträge herein­zuholen vermag. Wie ich höre, sind der Firma seinerzeit aus dem Kriegsministerium heraus Vorwürfe gemacht «norden, daß sie den Kleinkram Vernachlässige und davin nicht auf der Höhe sei. Da hat man natürlich vor allem das Bedürfnis nach besserer Information über alles empfunden, was auf diesem Gebiete in Betracht kam, einschließlich der Konkurrenzpreise. Man setzte Herrn Brand als Bureaubeamten der Berliner Vertretung und zur besseren Beachtung dieses Kleingeschäfts nach Berlin. Wenn es unerlaubter Wettbewerb ist, was irgend jemand unter dem üb­lichen Vorbehalt gemeint hat, so möchte ich bitten, einmal jeden pharisäerhaften Augenanf schlag abz ul eg en und zwei Tinge zu unterscheiden: Informationen, und zwar bessere, schnellere und vielseitigere Informattonen als diejenigen, die unser amtliches Leben mit seinenkorrekten", aber von den Verhält­nissen, von der Presse und von der Börse stets überholten und daher Meist wertlosen Berichte solange es noch Privatbetriebe gibt das Lebenselement von .Handel und Gewerbe. Infor­mation i st kein unerlaubter Wettbewerb, auch wenn es sich um die Preise der Konkurrenz und dergleichen handelt. Das Mird jeder, nicht unter dem Bann politischer Heuchelei stehende Geschäftsmann zugeben und ebenso, daß man Infor »Nationen vielfach nur durch sogenannte Indiskretionen erlangt, das weiß auch Herr Liebknecht wohl, der die ganze s i 11 c n- ritterliche Tätigkeit nur auf einem System von oft sehr garftigen Jndiskredittoncm auf baut. I ch verzichte bei allem W ert, Aen ich auf meinen guten Namen lege, in dieser Beziehung gerne aufalles Pharisäertum. Es wäre gut, wenn^auch die übrige bürgerliche Welt dieses PharisäerttiM ganz der ^ozialdemolratie überließe, die sich dann mit ihren Ent­hüllungen lehr ichnell lächerlich) machen würde. Zweites ist bte kyragc: «sind Informationen, sind indiskrete Mitteilungen auf »erbotenen unlauteren Wegen erlangt? Was in dieser Richtung etwa geschehen ist, muß leinen Richter finden mach allem, was ich bisher ge- hort habe, wird es sich höchstens um armselige Beinigkeiten haw- . ' r bcr 1 r m a' große oder kleine die zu Bestechungen von höheren und mittleren Beamten verwendet sein sollen, sind nur in der ®inbilbung bet Herrn Liebknecht vorhanden. Was der betreffende Bureaubeamte etwa unrechtmänig verausgabt hat wäre zu Lasten seiner eigenen Tasche g.gang n. kann also schon deshalb nicht viel gewesen sein Wenn dieserFall hirupp" aller Welt zeigen sollte, daß der SatzGuanboque Bonus Dvrmi tat Homerus" auch für die Leitung der Firma K*rüpp mtrifft

woran aber bei der Unvollkommenheit aller menschlichen Dinge niemand gezweifelt haben kann so ist dies unangenehm genug, die Firma aber ohne weiteres für das verantwortlich zu machen, was irgendeiner ihrer Beamten getan hat, bat ist ungefähr so, wie wenn man den Minister des Innern für die Verfehlungen verantwortlich machen wollte, die der ihm unterstellte Regierungs­assessor v. Lewicki begangen hat.

Der Kaiser in Metz.

Hvmburg v. d. H., 24, April. Der Kaiser fuhr heute vormittag 81/, Uhr im Sonderzug nach Metz. Aus dem Bahnhof hatten sich zur Verabschiedung cingesunden: Prinz .Heinrich der Niederlande in der Uniform der Garde- jäger, Landrat Dr. Ritter von Marx, Oberbürgermeister Lübke, Stadlverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger und Major v. Schmid.

Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise sind heute abend 9 Uhr 30 Min. nach dem Neuen Palais in Potsdam ab gereist. Zum Abschied hatten sich eingefunden Landrat Ritter von Marx, Oberbürgermeister Lubke und Major v. Schmid.

Metz, 24. April. Der Kaiser kehrte im Laufe des Nachmittags von der Besichtigung der Befestigungen zurück und nahm int Generalkommando Wohnung. Abends folgte der Kaiser einer Einladung des Dezirkspräsidenteu und der Freifrau v. Gemmingen. An der Tafel nahmen u. a. teil: Statthalter Graf v .Wedel, kommandierender General Mu- dra, Gouverneur General der Infanterie v. Oven, Bischof Benzler, Kvnsistorialpräsident Hoffet, Bürgermeister Dr. Foret, Geheimer Justizrat Titsch und Kommerzienrat Adt.

Deutsche» Reich.

Vom Bundesrat.

In der Sitzung des Bundesrats am Donnerstag wurde die Zustimmung erteilt den Vorlagen betr. Aenderungen in dem Verzeichnis der Einlaß- und Untersuchungsstellen für das in das Zollinland eingehende Fleisch, der Vorlage betr. den Entwurf einet Gesetzes über die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteil­nehmer und der Vorlage betr. Entwurf eines Gesetzes über die Aenderung des Schutzgebietsgesetzes.

TieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der angeTünbigtc Entwurf eines Gesetzes betreffend die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer ist vom Bundesrat angenom- m e n worden. Die Vorlage sieht eine allgemeine 25 Proz. Er­höhung der Beihilfen auf einen Iahresbeittäg von 150 Mk. vor, führt die Gewährung eines Gnadenvierteljahrs für die Witwen ber Beihilfenempfänger ein unb mildert die Bedingungen für die Erlangung der Beihilfen insbesondere dadurch, daß Sie Gewäh­rung bei vorliegender, nicht nur auf vorübergehender Ursache beruhenden Unterstützungsbedürftigkeit von dem Nachweis der Er­werbsunfähigkeit unabhängig gemacht wird. Den hervorgetretenen Wünschen entsprechend fallen damit amtliche Feststellungen fort, die bei alten Kriegsteilnehmern nicht mehr am Platze sind: insbe­sondere erübrigt sich die ärztliche Untersuchung. Nach ausdrück­licher gesetzlicher Vorsckwift soll ferner bei der Feststellung der Für- wrgcwürdigkeit das politische Verhalten der Kriegsteilnehmer außer .'tracht bleiben. Endlich dehnt sich ber Entwurf der Fürsorge des Reiches auf die ehemals französischen Soldaten elsas'-lothringi- scher Abkunft, die in den Jalu.en 1870/71 an den Kämpfen gegen die Eingeborenen in Algier teilgenommen hoben. Elsaß^-Lothringec, die im deutsch-französischen Kriege 1870,71 auf Seiten Frank­reichs beteiligt waren, besaßen die Anwartschaft auf die Beihilfen bekanntlich bereits früher.

Ue'ber die Erhöhung der Gehälter der Post- un d Eisenbahnb eamten

erfährt man, daß eine Einigung zwischen der Reichsver­waltung und den maßgebenden Parteien dahingehend er­zielt worden ist, daß insgesamt für die mittleren Beamten 5,4 Millionen und für die unteren Beamten und Postboten über 3 Millionen Mark mehr bewilligt wurden. DasBer­liner Tageblatt" vernimmt, daß heute, Freitag, zwischen dem Reichsschatzamt und dem preußischen Finanzministerium Verhandlungen schweben, um Preußen dem Vorgehen des Reiches sich anschließen zu lassen.

Ein Lügentelegramm.

- .?? AKg. Ztg." schreibt: DieDeutsche Zeitung"

stellt die Behauptung auf, das Preßrefer at des Auswär­tigen Amtes habeienes unerhörte Lügentelegramm" heraus­gegeben, wonach der Luftschiffbau Zeppelin angeblich behauptete, niemand habe außer den beauftragten Offizieren das AvvLm-Luftschiff betreten. Gemeint ist bat Telegramm bet Wolsfschen Bureaus ant Friedrichshafen vom 1. Äpril Wir stellen fest, daß keine Stelle des Auswärtigen Amtes mit diesem Telegramm etwas zu tun hatte. Die gegenteilige Behauptung der deutschen Zeitung" widerspricht direkt den Tatsachen. (Notiz des Wolff-Bureaus: Tie betreffende Meldung war der Stutt­garter Agentur des Wolff-Bureaus tatsächlich von dem Luftschift- bait Zeppelin angegangen?

Ausland.

Die Finanzwirtschaft Frankreichs.

Der französische Generalbudget-Berichterstatter des Senats, Aimond, erklärte, daß das Budget für das laufende Jahr einen Fehlbetrag von mindestens 200 Millionen auf- merfc. Für bat Budget Von 1914 werde bat Defizit aller Voraussicht nach mindestens 360 Millionen betragen Deshalb würden für die Herstellung des Gleichgewichts des Staats­haushalts für 1914 neue Stenern in Höhe von m i n d e- tens 3 60 Millionen und außerdem für die Bedürfnisse ber Krteg^Verwaltung eine Anleihe von einer Milliarde erforderlich sein.

Zum neuen Zollgesetz der Vereinigten Staaten

Tie deutsche Regierung hat durch den Botschafter Grafen v. Bernstorff Einspruch gegen zwei verwaltungstechnische Haupt- atze des tu Beratung stehenden amerikanischen Zol'lge- se tz es erhoben Der eine Einspruch bezieht sich auf die' be­absichtigte Zurückweisung von Einfuhrwaren, wenn der Absender den Agenten des amerikanischen Schatzamtes die Bücher nicht vor­legen will. Ter zweite betrifft die Bestimmung, daß bcutirfje Waren bei der Einfuhr auf amerikanischen Schiffen einen Dif- erentialzoll von fünf Prozent genießen sollen. Das letztere wird ür eine Verletzung der zwischen Deutschland und den Vereinigteii Staaten bestehenden Verträge erklärt, welche den Schiffen Deutsch­lands dieselbe Behandlung wie den amerikanischen Schissen garan- Ueren Es verlautet ferner, daß in ber Angelegenheit der Zölle und Mgaben auch O e st e r r e i ch - U n g a r n sich anschitcke, dem Protest zu folgen, und daß andere Staaten die gleiche Llbsicht hatten. Staatssekretär Bryan erteilte auf den ihm vom Grafen Bernstoss überreichten Argumente noch keine Anwort, versprach aber, den Protest dem Kongreß vorzulegen.

Aus Stadt und Fand.

Gießen, 25. April 1913.

**Tageskalender fiir Freitag. 25. April. Verband Deutscher H a n b l u n g § g e b i l i e n Leipzig : Voruag des Herrn l) a l, Leipzig, über 10 0 Jahre deutsche Ent­wicklung. Abends 9 Uhr im ^votel Großherzog von Hessen.

** Orbensauszeichnuug. Ter König von Preußen hat dem Hauptmann Beckert beim Stabe be* 2. Lothringischen Infanterie-Regiments Nr. 131 Die Er­laubnis zur Anlegung des Ritterkreuzes 2. Klasse des Hessi- cheu Verdienstordens Philippe des' Großmütigen erteilt.

** Die Dom nationalliberalen Verein auf morgen, Samstag, angesetzte Versammlung,

in der Herr Professor Moldenhaur -Köln über die Stal­lung der Frau im öffentlichen Leben sprechen sollte, muß leider wegen plötzlicher ernster Erkrankung des Vor­tragenden abgesagt werden. Auch ein Versuch, durch tetc- graphische Einladung Frau Professor Kochenberg (Kreuz-- nach) als Ersatz zu gewinnen, scheiterte.

** D i e Kaiser Manöver 19 14 finden im- Taunus statt.

*' Zum Kaiserbesuch sei noch mitgeteilt, daß benr Ka iser und dem Großherzog von Generalleutnant z. D. Kliugelhöffer nach der Parade auf dem Kasenienhof die von ihm verfaßte Negimentsgeschichte des Jnfanterie-Regi- ments Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116 überreicht wurde. Beide Fürsten dankten huldvollst für das Buch.

** Im Lichtspiel-Haus kommt, wie uns geschrieben wird, vom Samstag an ein Riesenfi Im zur Vorführung, der nach bent berühmten Roman Quo vadis? von Sienkiew-ic- inszeniert ist. In mühevoller, zweijähriger Arbeit hat die ita­lienische Filmsirma Eines, A.-G., Rom einen Film von 2500 Meter Länge geschaffen, der in etwa zweistündiger Spieldauer ein lebensvolles, gewalttges Bild aus dem alten Rom zur Zeit des Kaisers Nero und der Christenverfolgunaen vorführt. Tie Kosten des Werkes erforderten 3 Millionen Lire. Die ein?>elnen Szenen sind in ihrem Aufbau und dem Rahmen so meisterhaft, daß die Vorführung wohl zu den besten gerechnet werden kann, die je im Film gezeigt wurden. Der Film erziette überall aus­verkaufte Häuser, so z. B. war in Frankfurt bat U. T.-Theater 3 Wochen lang ausverkauft. Wir sind es seit längerer Zeit ge­wöhnt, daß Romaneverfilmt" werden, Literaten unb hervor- ragenbe Schauspieler haben sich in den Menst des Kinos ge­stellt. Dadurch hat sich die Filmkunst immer mehr vervollkomm­net. Aber alle bisherigen Darbietungen sind übertroffen worden durch den neuen FilmQuo vadis".

** Ueber das Abladen von Kohlen auf der Straße enthält das heutige Kreisblatt eine Bekanntma­chung auf die wir Hinweisen. Danach darf das Abladen der Kohlen nur auf der Fahrbahn erfolgen und das Wegbringen der Kohlen hat unmittelbar nach dem Abladen zu erfolgen. Die verunreinigten Straßenteile sind sofort gründlich zu reinigen.

Kreis Alsfeld.

Grebenau, 24.April. Gegenwärtig ist man eifrig mit dem Bau der Eisenbahn Alsfeld Hersfeld be­schäftigt. Täglich kommen neue Transporte Arbeiter aus dem Auslands hauptsächlich Italiener. Die Gasthäuser sind dicht besetzt. In der Nähe von Schwarz ist eine große Kantine errichtet worden, in der die Arbeiter ihr Mittagessen ein- nehmen. Eine gewaltige Baggcrmaschine befindet sich in der Nähe, die große Mengen Erde aushebt. Bei Eifa befindet sich eine Gattermaschine, die die Baumstämme zersägt, die zu der 250 Meter langen Brücke verwendet werden. Der Bau der Eisenbahn bietet erhebliche Schwierigkeiten.

Kreis Friedberg.

r. Bad-Nauheim, 24. Upril. Heute nachmittag stattete die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise unserem Badeort einen längeren Besuch ab. Nach einem Besuch bei Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Groedel machten die Herrschaften in Begleitung des Geheimrates einen aus­gedehnten Rundgang durch unser Bad. Die Begrüßung der Kaiserin und der Prinzessin durch die Kurgäste und Ein­wohner war sehr herzlich. Dankbar erkannte die Kaiserin gegenüber Prof. Groedel, der sie im vorigen Jahre behandelt hatte, die Wirkung ihrer Bad-Nauheimer Kur an und ver­sicherte, daß sie sich sehr wohl fühle. Als Beweis führte fic die Tatsache an, daß sie gestern mit dem Kaiser einen zwei­stündigen Spazierritt gemacht habe.

Starkenburg und Rheinhessen.

R. B. Darmstadt, 24. April. Ein Automobil- u n glück ereignete sich heute nachniiitag um 1/.22 Uhr in der Allee nach dem neuen Hauptbahnhof. Dort stieß an der Ecke der Griesheimer Chaussee eine von Griesheim kommende Automobildroschke mit einer anderen vom Hauptbahuhaf kommenden so wuchtig auseinander, daß das der Wagnerschen Automobilzentrale gehörende Auto vollständig zertrümmert wurde. Der Oberteil des Wagens wurde vom Untergestell weggeschleudert und in viele Stücke zerrissen. Der Chauffeur des 9luto§ erlitt einen schweren Schädelbruch, während der Lenker des anderen Autos, von dem nur die Vorderräder abbrachen, mit dem bloßen Schreck davon kam. Es ist als em Glück zu betrachten, daß beide Automobile keine Passa­giere hatten; in dem zertrümmerten Wagen wären sie zweifellos der Katastrophe zum Ovfer gefallen. Ein im Augenblick an der Unglückstelle stehender Herr, der in die elektrische Straßen­bahn einsteigen wollte, wäre beinahe noch von dem einen " Auto ersaßt und von den umherfliegenden Trümmern verletzt worden.

Hessen-Nassau.

fc Wiesbaden, 24. April. Die Fleischer-Innung Wiesbadens hat beschloßen, mit Rücksicht auf die sinkenden Schweineeinkaufspreise den Verkaufspreis des Schweine­fleisches vom 1. Mai ab für das Pfund um 10 Pfennig herabzusetzen.

hb Oberursel, 24. April. Königin Wilhelmine von Holland ist heute nach dem Haag abgereist und kehrt am Samstag nach Hohemark zurück. Der Aufenthalt auf Hohemark wird sich über den 15. Mai hinaus erstrecken.

(Bcricbtsfaal*

w. Leipzig, 24. April. Vor bent bereinigten zweiten unb dritten Strafsenat bet Reichsgerichts begann heute vormittag ber Spionageprozeß gegen den früheren, wiederholt bvr« bestraften Handlungsgehilfen Eduard Kohler aus Breslau und dessen ßbefrau. Die Anklage lautet gegen Kohler auf voll endeten Verrat militärischer Geheimnisse und gegen die Frau auf Beihilfe. Ms eZugen und Sachverständige sind seck»zehn Personen erschienen. Nach der Vemebmung des Angeklagten siel die Frau in Ohmnacht. Tie Oeffentlichkeit wurde nody vor der Verlesung des Eröffnungsbeschlusses für die ganze Tauer der Berhanblimg ausgeschlossen.

Das Urteil wurde in später Abendstunde gefällt. Der An- 1 genagte Kohler wird wegen Verrats militärischer Geheimnisse und unter Anrechnung einer noch nicht verbüßten Gefängnissttase vvn drei Monaten wegen Urkundenfälschung, die er im Januar 1913 in J8re3lau erhielt, zu sieben Jahren und einem Monat Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizei- auffubt unb seine Ehefrau wegen Beihilfe zur Spionage zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Vermischter»

q, * Denzinexplosion an Bord desImperator". Aus Hamburg 24. wird gemeldet: Heute nachmittag wurden bei Arbeiten an Bord bet DampfersI m per a to r" durch cm- Ervlosion des Benzinbehälters mehrere Monteure der Vultauwer^ und cm Mann der Besatzung verletzt. Der Unfall ist im Steuer raum vorgekommen, wo sich em Arbeiter