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Donnerslag, 29. Mm 1915
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Anzeiger Gießen.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
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Bezugspreis: monatlich 75Ps., vierteljährlich Alk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps., ausivärts 20 Psenriig. Chefredakteur: 21. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August
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Der Gkehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamilienblätter: zweimal wöchentl.Ureis- dlattsür den Ureis Eiehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wirtschasilichc oeitfragen Ferusprech - "Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
GLeszenee A^onzerLvereLn.
10. Konzert. Requiem von H. Berlioz.
Gießen, 28. Mai 1913.
Die diesjährigen Darbietungen des Konzertvereins, die in der Beethovenschen Missa svlenis gipfelten, fanden heute einen würdigen Abschluß in der Ausführung der großen Totenmesse von Verlioz, die ja auch musirgeschichtlich durch innere Zusammenhänge mit der Missa .verknüpft ist. Berlioz, obgleich Franzose ci'.rd) und durch, hat doch in deutschen Musikern: Gluck, Weber und besonders Beethoven seine Vorbilder gesunden, die er mit Leidenschaftlichen Ucberschmang zu erreichen, ja zu überbieten «ilchte. „Aus unserem Deutschland herüber," sagt Richard Wagner. J)at ihn der Geist Beethovens angewcht, und gewiß hat es Stunden gegeben, in denen Berlioz wünschte, Deutscher zu sein. Sowie er aber die Feder ergriff, trat die natürliche Wallung des französischen Blutes wieder ein." „Je suis nn crescendo de Beethoven", sagte einmal Berlioz von sich selbst — was wir nbeö nur nach der äußeren Seite hin gelten lassen können, in- I^ferne er in der Tat die Aäusik, speziell das Orchester, in den Darfteslungs- und malerischen Ausdrucksmitteln bereichert hat. Er ist der eigentliche Begründer der „Programm-Musik"; Wagner. Liszt und alle Modernen haben in der Instrumentation, wc- imtlich von ihm gelernt. "Auch als Musikschriftsteller hat er fruchtbar gewirkt. Seine Vorliebe für das Groteske und Bizarre, leine geniale Sprunghaftigkeit und Erfindungsfüllc machen seine Kerle durchweg interessant und packend, wenn auch manche seiner g^ucht originellen Einfälle die Grenze der Geschmacklosigkeit streifen. Mit seinem maßlosen Drang zu ausgeklügelten Klang Wirkungen und zur Häufung der äußeren Mittel hat er nicht günstig auf die moderne Musik eingewirkt. Nichtsdestoweniger bleibt ihm der Ruhm eines ebenso hochbegabten als ideal stre- bendeii Künstlers, dem die Musik eine Reihe bedeutender Werke und eine Erweiterung ihres Ausdrucksgebiets zu danken hat — "La critique des däfauts soit abandannse par la fäconde critiquc des bemitss!" [Chateaubriand.) .
Unter den zahlreichen Vertonungen der Totenmesse (wir nennen | Uur Mozart, Cherubini, Verdi, Lachncr, Rheinberger, Scholz, ik>el, Sgambati, Reznickek) sieht das Werk von Berlioz mit in Ater Reihe - - wenn es sich auch an Reife, Innerlichkeit unb MMütstiese mit Brahms „Deutschem Regniern" nicht messen kann, p ist eine verdienstvolle uno mutige Tat des Konzertvereins, - d<6 gewaltige Werl erstmals hier zur Aufführung gebracht zu bchcu, zumal eft mit seinem Massenaufgebot; bon C
E !f o r c waren ganz vorzüglich einstudiert und sangen, von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, musterhaft rein, präzis und gut iinniicien; an einigen Stellen, wo der Komponist ein nahezu völliges Verlöschen der Stimmen wünscht, hätte die Tmi- gebung noch zarter sein dürfen, z. B. in dem herrliclzen Schluß h^. das mit Äußerster Kühnheit über nur zwei,
Drgeskalender aus dem Jahre 1813.
2 9. Mai. Der preußische Rittmeister Colomb überfällt mit 90 Husaren an der fränkischen Grenze einen Transport von 18 Kanonen, 6 Haubitzen und 40 Munitionswagen, die eine bccherische Eskorte den Franzosen zuführen sollte. Die Geschütze werden demontiert, die Munitionswagen in die Lust gesprengt und 300 Gefangene fortgeführt.
lehnskasse zu Erlenbach bei Fürth i. O d w. Durch das tragische Ableben des Rendanten dieser Kasse, des Bürgermeisters V i Hs ch-Erlenbach, war der Fall Erlenbach ein Fall für das Großherzogtum Hessen geworden. In die Erlenbacher Spar- und Darlehnskasse, die eine Bilanzsumme von rund 626 000 Mk. bei 45 000 Mk Geschäftsguthaben, 0000 Mt. Reserven, 8000 Mk. Betriebs- rücklage und einen Reingewinn von 4400 Mk. in 1912 ausweist, Würde zuerst Beunruhigung dadurch getragen, daß zum 31. Dezember 1912 18 Mitglieder, darunter mehrere reiche Mitglieder, ausschieden. Erwägungen innerhalb Vorstand und Aufsichtsrat der Spar- und 'Tarlehns- lasse zu Erlenbach, die offenbar die Bedeutung des einzelnen Mitgliedes für die Gesamtheit der Genossenschaft, selbst wenn es sich um einen reichen Mann handelt, überschätzten, reiften bei der Mehrheit der Vorstands- und Auf- srchtsratsmitglieder zu dem Plan einer Auflösung der Ge- nossenschaft aus. Mitbestimmend mag für die Stellungnahme der Mehrheit von Vorstand und Aufsichtsrat auch noch die gleichfalls überschätzte Bedeutung der Kündigung einer Anzahl Spareinleger gewirkt haben.
Der verdiente Gründer, der Genossenschaft, der mehr als 20 Jahre das Rechneraml führte, Bürgermeister Bitsch, empfand das Mißtrauen gegenüber seinex Genossenschaft, wre es in den vereinzelten Kündigungen seitens Mitglieder und Gläubiger der Genossenschaft zum Ausdruck kam, so ungerecht und tief, daß er, soweit man sich seinen Entschluß heute überhaupt erklären kann, deshalb zu Anfang dieses Monats freiwillig aus dem Leben schied. Eine inzwischen dorgenommene Revision durch den Revisious-i verband,, sowie weitgehende Untersuchungen durch Vorstand und Aufsichtsrat, die Einforderung von Kontoanerkennt^ Nissen und Gegenbüchern usw. lieferten bis jetzt nur den Beweis, daß sich die Spar- und Darlehnstasse zu Erlenbach in vollständiger Ordn m n g befindet, ja, daß nicht einmal ein nennenswertes Risiko in den Ausständen liegt. Als einzig wünschenswerte Aenderung in dem Geschäftsgebaren der Kasse konnte bis jetzt nur eine Einschränlüng' res Veremsbezirks auf einen engeren Kreis, dem Zweck der ländlichen erpar- und Darlehnskassen entsprechend, festgestellt und in Aussicht genommen werden.
Rach dem die für Sonntag, den 4. Mai d. I. in Aussicht genommene 'ordentliche Generalversammlung der Spar- und Darlehnskasse zu Erlenbach wegen des tragischen Ablebens ihres Rendanten verlegt werden mußte, trat am Sonntag, dem 25. d. M., die ordentliche Generalversammlung zusammen. Man hatte die für den 4. Mai in Aussicht genommene Tagesordnung beibehalten und nur einen neuen Punkt „Bericht über die Lage unserer Genossenschaft, eventuell Liquidation unserer Genossenschaft zum Zwecke der Einschränkung des zu weiten Vereinsbezirks" eingeschoben. Die Berichterstattung zu dem neuen Punkt hatte der erste Direktor der Zentralkasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, .Herr Mager aus Darmstadt, übernommen. Der neu eingeschobene Punkt wurde im Zusammenhang mit dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes als erster Punkt der Tagesordnung erledigt. Der Berichterstatter ging auf die Gesamtlage des hessischen ländlichen Genossenschaftswesens im allgemeinen und der Spar- und Darlehnskasse zu Erlenbach im besonderen ein
In der Aussprache trat.Herr Kaufmann Wetter- hah n aus Rimbach unter der wärmsten Anerkennung für die Erhaltung der Spar- und Darlehnskasse zu Erlenbach ein. Er führte etwa wörtlich ans:
„sDer Mann, der für seine Genossenschaft gelebt, ja, für seine Genossenschaft gestorben ist, kann nicht genügend dadurch geehrt werden, daß man sich von den Plätzen
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erhebt. Die einzig richtige Ehrung dieses Mannes ist die Erhaltung und der Ausbau seines Werkes."
Neben anderen Rednern trat wiederholt und lebhaft für die Erhaltung der Kasse .Herr Kaufmann Hamburger aus Rimbach ein. Das Resultat des Berichtes und der eingehenden Debatte war der einstimmige, durch 168 stimmberechtigte Mitglieder gefaßte Beschluß, die Genossenschaft weiterzuerhalten. Der Beschluß wurde durch Bravo unb Händeklatschen aufgenommen.
Der seitherige Vorstand und Aufsichtsrat würdigte die Stellungnahme der Generalversammlung dadurch, daß er, mit Ausnahme des 78 jährigen Herrn Attbürgermeister Wo lf-Linnenbach, seine Aernter beibehielt bezw. die Wiederwahl annahm. Daß zwischen der Genossenschaft und dem Herrn Altbürgermeister Wolf noch ein Vertrauensverhältnis besteht, geht daraus hervor, daß man dessen Sohn an seiner Stelle in den Vorstand der Spar- unb Darlehnskasse Erlenbach wählte. An Stelle des verstorbenen Rendanten Bürgermeister Bitsch wurde der seitherige. Vorsitzende des Aufsichtsrats, Bürgermeister Rettig ans Linnenbach, ebenfalls einstimmig zum Rendanten gewählt. In dieser Wahl kam ein schöner Beweis gegenseitigen Vertrauens zwischen dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats und seiner Genossenschaft zum Ausdruck.
Dankdirektor Mager ergänzte seine eingehenden Ausführungen, die unter den obwaltenden Verhältnissen die Erhaltung der Genossenschaft empfahlen, durch das Urteil zweier an dem hessischen ländlichen Genossenschaftswesen nicht direkt interessierter Herren, des Rechtsanwalts Dr. E. E. Hoffmann II. — Verwalter in dem Konkurse ! Nieder-Modau — und des Landtagsabgeordneten Prof. Justizrat Dr. Crüger in Charlottenburg, des Anwaltes der Schulze-Telitzschen Genossenschaften, der im „Gießener Anzeiger" seine sehr bemerkenswerten Darlegungen gemacht habe.
Staatliche yiife für die hessische landwirtschaftliche Sentralgenassenschaftstasse?
bs. Darmstabt, 28. Mäi.
Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hielt heute morgen eine Sitzung ab, die sich bis nach 2 Uhr hinzog. An dieser Sitzung nahmen die drei Minister unb eine >ganze Reihe von Ministerialräten teil, lieber ixte, Verhandlungen selbst soll Stillschweigen bewahrt werden. Der einzige Punkt her Besprechung aber war der Antrag der Kammer, betr. Beitrag der Regierung zu der neu gegründeten Zentralgenossenschaftskasse.
Vom Finanzausschuß wurde heute folgender Antrag gestellt:
„Der Finanzausschuß beantragt, die Großh. Regierung zu ersnchm, alsbald eine Vorlage einzubringen, wonach die Zentralkasse der Hess, landw. Genossenschaften aus den Vermögensbeständen der Großh. Hauptstaatstasse Mittel bis zu einem Betrag von 1 Million Mark zur Verfügung stellt und .geeignete Vorschläge für die Verzinsung, die Sicherstellung und die Rückzahlung dieser Mittel gemacht werden."
Die Ntgiernngsantwort.
Bon der Regierung ist folgende Antwort heute im Ausschuß gegeben worden:
„Das Verlangen nach einem niedrig verzinslichen Darlehen aus der Staatskasse an die als Gelbausgleichsstelle für die landwirtschaftlichen Genossenschaften neu gegrünp bete Zentralrasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, e.G. m. b.H., läßt sich nur rechtfertigen im Hinblick auf die schwere Krise, die das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen in Hessen betroffen hat, unb auf die Aufgabe, bie sich die Zentralkasse gestellt hat, bem land-
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Die Krifis im läiMchen SeMffeÄchüftsMM Hessens.
Aus Darmstadt erhalten wir folgende Zuschrift:
Schwere Wunden sind dem ländlichen Genossenschaftswesen in Hessen geschlagen worden. In den Kreisen der ländlichen ,Genossenschaften regnet man heute allgemein; damit, daß an dem Aktienbesitz unb eventuell an bem Guthaben bei der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank etliche Millionen verloren gehen. Größer als dieser Geldverlust ist für unser ländliches Genossenschaftswesen die Erschütterung des allgemeinen Vertrauens. Eine tiefgehende Erregung geht durch unser Hessenland. An die Stelle blinder Vertrauensseligkeit ist teilweise unbegründetes Mißtrauen nach allen Seiten hin getreten. Die Volksleiden-' schäft wird durch fahrlässige und nicht» selten absichtliche Verbreitung übertriebener oder frei erfundener Gerüchte über die ungünstige Sage dieser oder jener Genossenschaft noch unnötig aufgewühlt.
Pfiffige Geschäftsleute glauben, daß jetzt die Zeit gekommen ist, Gebiete zurückzuerobern, welche die Kredite gmossenschaft unb der Landwirtschaftliche Konsumverein mit Recht und zum großen stützen des Hessenlandes seit Jahrzehnten als ihr Arbeitsgebiet betrachteten. So mancher Geldmann auf dem Lande fände es auch nicht übel, wenn statt der Spar- und Darlehnskasse er wieder der Geldgeber für die kleinen Leute sein könnte. Solche Abhängig^ keitsverhältnisse sind bei den verschiedensten Anlässen auf dem Lande für den Geldgeber bequem.
Hat so unser Hessenland seit Monaten neben der natür- lrchen Erregung den Boden für die gehässigste Verhetzung abgeben müssen, so scheinen in der neuesten Zeit doch wieder die kühle Abwägung unb der Verstand in den Genosseiv- fchaftsireisen die Oberhand zu gewinnen. Die Spar- und Darlehnskasse zu Armsheim in Rheinhessen hat den Geschäftsanteil vor kurzem so hoch festgesetzt, daß man ftwst gegenüber etwaigen weitgehendsten Verlusten bei der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank gewappnet sein wird.
Die Spar- und Darlehnskasse zu B r an b au i. O d w., die unter ber Nachbarschaft von "Nieder-Mobau unb gehässiger Gegnerschaft früherer Freunde trotz ihrer vollständig klaren unb soliden Verhältnisse ebenso ungerecht, wie schwer zu leiden hatte, hat am letzten Samstag Beschlüsse gefaßt, auf Grund derer die am 31. Dezember 1912 «ms scheid end en, 20 Mitglieder an bem etwaigen Verluste bei der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank teilzu- rehmen haben. Durch dies- Beschlüsse hat man nicht nur eine gerechte Verteilung der etwa kommenden Verluste erreicht, sondern man hat auch gezeigt, daß die Mitglieder von nennenswerten Verlusten nicht betroffen werden rönnen und daß die Einleger bei der Brandauer Kasse nicht das Geringste zu befürchten haben.
Einen geradezu erhebenden Verlauf nahm am letzten Sonntag die Generalversammlung der Spar- und Dar-
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auigebeitt ist; Berlioz hat hier wieder eine originelle Idee mit rücksichtsloser Konsequenz durchgeführt: der Schluß des Satzes tzt eine der fernsten Partien des Werkes und läßt in seinem ver- llärenden Schimmer die vorhergegangenen Längen vergessen Besonders hervorzuheben ist, außer dem übergewaltigen „Dies irae" iwch die sehr trefflichere Wiedergabe des „Rex wemendae" mit den schneidenden, aver inhaltlich gerechtfertigten, Dissonanzen bei „stammis acribus", und den säst allzureich dagegen sich abhebenden Stellen „qm saloandosck Auch der breit ausgespoun-me, im Chor mehr populär sanghafte, in der Orchestrierung originelle und rpthnnsch schwierige Satz „Lacrimosa" wurde sehr güt vorgetragen. Eine dankbare Aufgabe für den Männerchor bietet der Satz „vostias" (und der Anfang des „Agnus"), wo die Ber- slarlung durch den Bauer'schen Verein zu besonders schöner Wir- lung lam; Berlisz hat hier einen seltsamen Orchestereffekt aus- gedaää: unter einem hohen Flöteu-Alkord ertönt ganz nnvcr- mittclt das tiefe B der Posaune; Berlioz meint, „der Ton der Jloten, durch eine unermeßliche Kluft von dem der Posaune getrennt, scheint solcherweise der in äußerster Höhe erklinaende Widerhall dieser Posaunentöne zu sein, bereit langsame Bewegung unb tiefe Stimme das feierliche Stillschweigen erhöhen soll,'womit der Chor bet den Worten hostias usw. unterbrochen wird" Man kann mdeß nicht sagen, daß^ gerade diese Stellen sehr glück- lich wirken. Das „Hosianna" wurde sicher und klangvoll durch- gestihrt — zeigt übrigens, baß Berlioz ber Fugenform innerlich iremb gegenüber steht; seine Stärke liegt auf ganz anderem Gebiet. Schon und zart gelang dem Jrauenchor bas wirkungsvolle leicht ctnganglicl e „Lmnclus". Ganz besonders zu loben' faubeu 5°tr bn. dem gesamten Chor, bie rythmische Präzision unb die sorgfältige Ausfprache; Stellen wie „Eck lux Perpetua luceat eis" haben wir noch taum irgendwo in so klarer und eindringlicher ^äwulM gehört! - Auch das Orchester (verstärktes Palmen- garten-Orchester unb Mitglieber ber hiesigen Militärkapelle) holt ffch vorzüglich; wie schön unb weihevoll ertönten z. B. die ^chtatkorbe zu Beginil des „Agnus bei" unb die vielstimmig feilten Violinen und Bratschen beim „Sanctus"
Professor Trautmann, ber bas große Werk mit so viel JOingnbe und Verständnis einstudiert und geleitet hat, bars stolz aus btejen Abend sein. Um die Orgelbegleitung in achte sich Herr O. Gör lach verdient. Herr Obermusikmeister Löb er hatte bie Hreuublichkeit, bie Nebenorchester zu dirigieren, die besonders beim „Dies irae" eine so glanzvolle Aufgabe haben. Alle Mit- wirkenbeil dürfen des Aankes der Hörer versichert sein, die
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chesterkrüften Schwierigkeiten bietet, die bei den hiesigen Raum-1 vom Chor durch etwa 140 Takte einförmig psalmodierten Tönen und sonstigen Verhältnissen nur durch besondere Umsicht unb ift- 5R.priint Kr»e ...r.
Energie überwunden nxirben konnten. Freilich kann das vom Komponisten gewünschte Riesenorchester von zirka 203 Spielern (darunter 16 Pauken und zirka 40 Blechbläser!) selbst von größeren Städten kaum je aufgebracht, bezw. richtig ausgestellt werben. Doch hat man hier burch Verstärlung des Palmen- garten-Orchesters und Hinzuziehung unserer Militärkapelle einen Tonkörper zusammengestellt, der den Intentionen des Tondichters in ihrem berechtigten Kern wohl entspricht. Die vom Komponisten gewünschte und ursprünglich auch hier beabsichugte Aufstellung der vier Nebenorchester an vier getrennten Plätzen der Kirche ließ sich nicht durchführen. Die Sängerschar dos Akademischen Gesangvereins mußte natürlich mit den Orchestermasseil ins richtige Gleichgewicht gesetzt werden, was durch die sehr dankenswerte Unterstützung des Bauerschen Gesangvereins ermöglicht wurde. Das anfänglich sich aufdrängende Bedenken, ob denn die so gesteigerte Schar der Mitwirkenden in der Stadtkirche überhaupt richtig unterzubringen ist, wurde schon in der Hauptprobe glücklich beseitigt; es geht zwar enge, sehr enge zu und die Wucht der Tvnmassen ist bei den Kraffftellen so bei dem Dies irae — fast allzustark, aber eine gewisse Gewnltsainkeit und erdrückende Wirkung liegt ja an diesen Stellen ausgesprochener maßen in der Absicht des Meisters. — Die Aufführung verlies im ganzen außerordentlich gelungen. Schon die Hauptprobe, bie dankenswerter Weise öffentlich ivar, ließ erkennen, daß das schwierige Wert' eine ungemein sorgfältige und verständnisvolle Vorbereitung gesunden hatte. Der Solist des Abends, Hr. L. Rüge-Berlin, verfügt über einen wohlausgebildeten, weichen Tenor und schönen warm empfundenen Vortrag; das unausgesetzt in unbequemer Höhe sich bewegende, immer wieder bis zu H ansteigende „Sanctus" konnte freilich nur mit Anstrengung bewältigt werden — allein dies wird den wenigsten Sängern dieser gefürchteten Partie erspart bleiben; bas seltsame „Quid [um unser", das' so recht das Gepräge Berliozscher Eigenart trägt und in schroffer aber treffender Charakteristik daü Gefühl tiefster Verlassenh'it und Demut ausdrücken soll, wurde von Herrn Rüge vortrefflich auf- gesaßt und wiedergegeben.
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für die Tagesnunrmer Hotationsörud und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchulstrahe 7. rath; für „Stadt und
bis vormittags s Uhr. Südingen: Nr. 269 G-schäsj-stell- Sahnhokstrahc 16a. L.z°ig°mZ?'H?B°ck.


