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11.9.1913 Erstes Blatt
 
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Donnerstag, September M3

163. Jahrgang

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Oberhessen

nr. 213

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Iftr bie9t«bafHmi 112 I*/ V politischen Teil: August

General-Anzeiger jur Oberheffen MM

Annahme von Anzeigen Rotationsörud und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulstrahe Land": E.Heß; für den

bis vormittags v'uhQ Eeschaftsftelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. '.'lnzeieieiiieil: p. ^Cif.

^Die heutige Nummer umfaßt 10 Seilen.

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Die amtliche Darstellung

Des Unterganges von£ l".

Die Trauer um das furchtbare Unglück des Marinc- luftschiffes ist natürlich allgemein, und in den Zeitungen sind .bereits eine Menge von Urteilen veröffentlicht worden, die Kritik üben und Verbesserungsvorschläge machen. Das war, so lange eine amtliche Darstellung fehlte, doch wohl verfrüht. Erst heute sind wir in der Lage, den Inhalt der vorläufigen amtlichen Untersuchung wiederzugeben.

lieber das Unglück bei Helgoland geht dem Wolfs- Burean folgende amtliche Darstellung zu:

Nachdem das LuftschiffL. I" bereits erfolgreich an einigen Hebungen der Hochseeflotte tcilgenommen hatte, lief es am 9. Sep­tember um 1.30 Uhr nachmittags wieder aus der .Halle bei Fuhlsbüttel aus. Die Wetter larten waren vorher cinge- sehen, ein Pilotballon ausgelassen und Erkundigungen über das Vetter in Helgoland und bei der Flotte eingezogen, was sich auch im Verlauf der Hebung wiederholte. Das Wetter war 'gu t Nach den Erkundigungen bestanden für den erfahrenen und vorsichtigen Führer des Luftschiffes keine Bedenken gegen das -Auslaufen. A u f S e e wurde bedeckter Himmel un d leich­ter Regen angetroffen. Außerhalb Helgolands wurde es un­sichtig, dann setzten plötzlich außerordentlich hes- ,ti ge Pcrtifnlc und horizontale Böen mit schweren wolkenbruchartigen Regengüssen ein. Hierdurch wurde das Schiff heftig in verttläler Richtung um mehrere hundert Meter hin- und hergeworfen und schließlich trotz Ruder- Degens und ausgiebigster Abgabe aller Ballastmittel und aller sonstigen beweglichen und abnehmbaren Gegenstände mit der Spitze auf die Wasserfläche herabgeworfcn, wobei es durch den heftigen Anprall mehrfach in der Mitte d u r ch b r a ch und ins Sinken geriet. Die Trümmer schwammen inzwischen bei dem aufgekommenen starken Seegang noch eine lmlbe Stunde und .vermöge des Gasinhalts die Zellen noch eine viertel Stunde nach dem Unfall aus dem Wasser. Tas LinienschiffHannover" -und der FischdampferTrio n" aus Geestemünde begaben sich nach der Unsallstelle und retteten die sechs bereits genannten Personen von der Besatzung. Durch Boote, die alsbald hin­kamen und weitere Schiffe und Torpedoboote, welche die Unfall­stelle die ganze Nacht und im Laufe des heutigen Tages weiter absuchten, wurde der Bootsmannsmaat B a s m e r in leblosem Zustande treibend aufgcfischt. Wiederbelebungsversuche waren er­folglos. Tic Offiziere und die gesamte Besatzung des Luftschiffes taten bis zum letzten Augenblick in vorbildlicher Pffichtcrfüllung -alles, was zur Abwendung der Katastrophe geschehen konnte. Das Luftschiff hatte keineswegs eine lange Fahrt zurückgelegt flind war sehr reichlich mit Brennstoff und Ballast versehen. Es hatte den Gasvorrat voll ausgcfüllt und sich die ,ganze Zeit bis zum Eintritt des Unglücks seiner weitgehenden. ^.Handlungsfreiheit entsprechend, in der als günstig selbst gewählten Höhe von etwa 500 Metern gehalten. An Bord befanden sich 20 Personen. Von einer Ucberlastung des Luft­schiffes kann um so w e Niger die Rede sein, als -Teile der lediglich für den Krieg bestimmten Ausrüstung sich nicht an Bord b e fa n d e n. Es handelt sich mithin bei dem Unfall weder um ein Versagen der technischen .Einrichtungen, noch um Ballastmangcl oder Gasverlust, sondern das unvorhergesehene Zusammentreffen ganz ungewöhn­lich ungünstiger Witterungserfcheinungen, also einer höheren Gewalt. An der Einschätzung des starren Lustschines als Kriegs- instnimcut wird durch den Vorfall nichts geändert.

Die Unsallstelle liegt, wie gemeldet wird, etwa 20 See­meilen nordwestlich von Helgoland bei 40 Meter Wassertiefe. Ueber die Bergung des Luftschiffes ist noch keine Entscheidung ge­troffen. lieber die Bergung der Leichen liegen amtliche Mel­dungen bisher nicht vor.

Die amtliche Aufklärung läßt doch recht viel zu wünschen übrig. Sic verbreitet sich z. B. nicht darüber, ob dem Lust­schiff von der Manöverleitung bestimmte Aufgaben für den Tag übertragen worden waren, ob der Führer nicht mmde-

Der Lehrer Bödlins.

zqu cy zg Schirmers 50. Todestage, 11. September.)

MZ Arnold Böcklin 1845 als junger Malschülcr nach Düssel­dorf Tarn* trat er zunächst in die Klasse des süßlichen Hilde­brandt ein: bald aber erregte , er die Aufmerksamknt des Land- Ickiarters Johann Wilhelm Schirmer und wurde denen Siebhng^ Mler v?rdanste ihm die entscheidende Anregung in der Ent- wickluna seiner Kunst und hat ihm zeitlebens eine verehrungs- vvlle Erinnerung bewahrt, wie fic der streng urteilende Grotz- meister der Malerei nur ganz wenigen darbrachte. Gern wird man sich am 50 Todestage des bedeutenden Kunftlcrs jene» Anteils erinnern den er au der Ausbildung eines der größten Genies des 19. Jahrhunderts genommen. Schirmer war em un- nn-nfpirhrirber Lehrer: er begründete eine förmliche schule der Laich chaftsrnaürei, und die großen Meister .der idealistischen ^andsckast gingen von ihm aus. Seme an Pouiim gemahnenden Bilder einer feierlich stilisierten Nattir belebten in ihrem strengen Rau ihrer feinen Linienführung und harmonischen Färbung den klassischen Stil der Meister vom Anfang des Jahrhunderts fügten ihm aber eine viel reifere Beobachtungskunst und einen stärkeren Rpolismus zu Indem er diese sttmmungsvollcn, von einem edlen Lauch der Größe getragenen Landschaften dann iwck mit mytho- loaischcn Fabelwesen, mit Nmnplien, Faunen unb Sathren belebte, wurde er das direkte Vorbild Böcklins, der ebenfalls in der Gestaltung solcher Motive seine erste Höhe erreichte

Ich habe lange gebraucht, um mich von Lchirrner loszu- mach'en " bekannte Böcklin einmal in einem Gespräch mit Flörke, und als dieser fragte: In was?" antwortete er: In der ganzen Weltanschauung." Freilich hat sich dann der Schuler geroajtig FihPr den Meister erhoben und das in reifer Vollendung geschaffen, tona Schirmer nur aus der Ferne ahnte. Ihm fehlte jene letzte Vertiefung und Beseelung der Natur, zu der sich Böcklm durchrang. Er 'schrieb dem Lieblingsschüler, für dessen Fortkommen er sich so kräftig eingesetzt hatte, als dieser in Italien war, wie sehr er ihn um das Glück beneide, in dem Lande seiner Sehnsucht weilen zu dürfen. Als Böcklin später seine Stellung an der Weimarer Kunst­schule resolut aitfgab, um sich nur der Gestaltung feiner inneren Vis-onen zu widmen, da wandte er sich an den alten Lehrer und bat ihn, doch alles abzuschütteln und mit ihm nach Italien zu kommen.Aber Schirmer," so berichtet Schick,war indessen Karlsruher Direktor, philisterhaft und alt geworden, bei Böcklins

ftcns in halber Abhängigkeit von militärischen Anordnungen gewesen ist. Das wäre dann freilich auch einehöhere Ge­walt" gewesen, deren Einflüsse aber zu fassen und int allge­meinen Interesse für die Zukunft einzuschränken wären. Die amtliche Auskunft stellt fest:Das Wetter war gut", die Wetterkarten waren vorher gesehen worden. Nun heißt es aber, daß sowohl von der Hamburger Seewartc wie von an­deren Stationen für den Dienstagnachmittag Regen und Sturm angesagt worden waren. Will die amtliche Darstel­lung das einfach ignorieren? Sie spricht von derweitgehen­den Handlungsfreiheit" des Luftschiffes, das sich in einer selbstgewählten Höhe von etwa 500 Metern gehalten habe. Dem widersprechen aber andere Angaben. DieKöln. Ztg." veröffentlicht einen mündlichen Bericht der geretteten Offi­ziere, in dem es heißt:

Das Luftschiff war etwa 14 Seemeilen in dieser Richtung von Helgoland entfernt. Da es sich um eine vollständige kriegsmäßige Aufklärung l)andelte, war L. 1 mit voller Besatzung versehen, zusammen 22 Mann, darunter sechs Offiziere, ein Marine-Ingenieur, ein Steuermann und Ma­schinen- unb Signalpersonal. Tas Luftschiff flog in etwa 13 00 Meter Höhe unb war in vollster Fahrt, als plötz­lich, etwas nach G Uhr, bie Wetterkatastrophe völlig unvermutet eintrat. Es setzte ein so unbeschreiblich heftiger Regen ein, baß einer ber geretteten Offiziere, Oberleutnant zur See Wenbt aussagte, er habe selbst in ben heftigsten Tropenregen ssen ein Gegenstück zu biesem Wolkenbruch nicht erlebt. Tie Wasscrwanb stand undurchdringlich um bas Luftschiff. Sehr heftige orkan­artige Vertikalböen setzten gleichzeitig ein unb wühlten bas Meer kurz unb hohl auf. Das Luftschiff war nach kurzer Zeit mit Wasser vollstänbig durchtränkt. Auch bie Jnnenräume waren mit Wasser angefüllt, doch hatten bie Motoren keinen Augenblick ausgesetzt. Das Luftschiff gab seinen gesamten Wasserballast ab und handhabte das Höhensteuer, um womöglich über die Böen l inwegzukommen. Allein der vertikale Druck wurde immer stärker unb spottete allen Bemühungen, zumal das Schiff bereits starken Gasverlust erlitten hatte. Eine furchtbare Böe schleuberte nun ben Lustkreuzer aus etwa 1000 Me.cr Höhe mit einer geschätzten Geschwindigkeit von etwa 20 Sehinbenmetern auf bas erregte Meer nicbcr, zuerst mit bem Vorbertcil. Der Anprall war so elementar, baß sofort ein Bruch des Schiffes eintrat unb beibe Teile ganz ober teilweise unter Wasser gerieten. Die erregten Wellen spülten darüber hinweg. Schon vorher waren einige Mann aus den Gondeln gefallen und unter bas Gestell geraten. Einige anbcrc, darunter die beiden Oberleutnants Wendt unb Grimm, konnten sich etwa breiviertel Stunben lang, in vollem Leberzeug schwimmcnb über Wasser halten. Anbere ergriffen bie Wrackstücke, mehrere aber waren sofort erschlagen worben ober mußten in bem Jnnenraum ersticken.

Nach dieser Meldung wäre a.lsp das Luftschiff bedeutend höher geflogen. Es soll sich auch um eine vollständig kriegsmäßige Aufklärung gehandelt haben, wäh­rend der amtliche Bericht feststellt, Teile der für den Krieg bestimmten Ausrüstung hätten sich nicht an Bord befunden. Der ertrunkene Kapitänleutnant Hanne soll, nach derTägl. Rdsch.", auch einmal erklärt haben, das Schiff sei für große Aufgaben zu schwer und werde eines Tages vielleicht einmalabs-ausen" müssen. Nun ist der zweite Marine­lustkreuzer, der jetzt zur Abnahme gelangt ist, bedeutend leistungsfähiger: er umfaßt 5000 Kubikmeter mehr als L 1. Aber trotzdem können aus dem Unfall ganz bestimmte Lehren gezogen werden. Das kriegsmäßige Material, das der Kreuzer mit sich zu führen hat, müßte in der Weise aus­genommen werden, daß es bei Gefahr als Ballast abge- ivorsen werden kann. Vor allem aber wird die Rücksicht auf das Wetter höher gestellt werden müssen, als hochgespannte dienstliche Wünsche in Friedenszeiten. Die Marineverwal­tung hatte die Presse ersucht, von kritischen Acußerungcn abzusehen, bis der amtliche Bericht erschienen sei. Nun, wenn die obige Darstellung alles sein soll, was die amtlichen Stellen als Material unterbreiten wollen, so kann die Oeffentlichkeit wirklich nicht viel damit anfangen. Wir wollen hoffen, daß Heeres- und Marineverwaltung

nicht so gleichmütig sich den Konsequenzen verschließen wer­den, die aus dem Unfall bei Helgoland gezogen werden können.. r , . c

Helgoland, 10. Sept. Die erste Hilfe bei dem Un­tergang des LuftschiffesLI" leisteten die Linienschiffe Hannover" undSchleswig-Holstein". Die gesamte Flottt wurde durch Signale an die Unsallstelle beordert, doch tra anscheinend nur das Torpedoboot 107 rechtzeitig ein, dem es gelang, drei Personen zu retten. Das LinienschiffHannover" rettete vier Personen und brachte sie zusammen mit den anderen drei Geretteter »iach Wilhelmshaven. Der orkanartige Sturm hielt die ganzi Nacht an. Ein Wasserflugzeug unter Führung des Ober­leutnants Lengsfcld, das das Luftschiff umkreiste, konnte den» Unwetter nur mit knapper Not entgehen und kehrte nach Hel­goland zurück. , , , .

He lgoland, 10. Sept. Wie verlautet, soll noch em achter Mann gerettet worden sein.

Berlin, 10. Sept. DerBerliner Lokalanzeiger" meldet auS Helgoland: Oberleutnant Lengfeld entging mit feinem Wasserflugzeug der Katastrophe, indem er im letzten Mo­ment in eine größere Höhe ftieg, während eine Böe das Marinelustschifs herunterdrückte.

Das Beileid des Präsidenten von Frankreich.

Lacourtine, 10. Sept. Präsident Pvincare hak bei der Ankunft im hiesigen Lager das Luftschiffunglück von Helgoland erfahret und dem Kaiser telegraphisch sein Bei­leid ausgesprochen.

Die deutschen Marineluftschiffe.

Das zerstörte MarineluftschiffL 1" wurde am 17. Ok­tober 1912 durch den Staatssekretär des Rcichsmariileamts von der Marineverwaltung übernommen, nachdem es vor­her neben einigen Probefahrten eine fast 40 ft ü n i) i g c Ab - nahmefahrt durch West- und Norddeutschland, sowie die Nord- und Ostsee ohne jede Beschädigung ausgeführt hatte. Als Hafen wurde ihm die Halle in Hamburg-Fuhlsbüttel angewiesen. Bei dem Bau des für die Marine bestimmten Luftschiffes hatte man besonders Rücksicht darauf genommen, ben Lustkreuzer zu befähigen, möglichst lange in der Lust zu bleiben und eine große Geschwindigkeit zu entwickeln. Mil seinen bedeutenden Abmessungen war es das größte bei bisher gebauten Zeppelinluftschiffe. Bei einer Länge von 160 Meiern und einem Durchmesser von 15 Metern hatte es 18 Gaszellen. Drei Maybach-Motoren von je 170 Pferdekräften setzten es instand, auch eines starken Gegenwindes Herr zu werden. Als Aufenthaltsort für die Offiziere und die Be­dienungsmannschaften war in den Verbindungsgang zwi­schen den beiden Gondeln ein Ausenthaltsraum eingebaut. Die Verbindung mit der Außenwelt stellte eine Anlage für Funkentelegraphie her. Eine mit den Gondeln durch einen Schacht verbundene Plattform auf dem Rücken des Luft­kreuzers gestattete den Beobachtungsoffizieren freien Aus­blick, besonders nach oben. Um auch in der Dunkelheit seine Aufgaben erfüllen zu können, war für denL1" ein Riesen­scheinwerfer mit einer Leuchtkraft von 40 000 Kerzen ge­baut worden, der bis auf eine Entfernung von 1500 Meter das Gelände erhellte. Das Luftschiff hat von Hamburg aus eine ganze Anzahl von Uebungssahrten unternommen, so­wohl über Land als auch über See. U. a. hatte es in der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1913 von Johannisthal aus eine schwierige Sturmfahrt zu bestehen: dank seiner kräftigen Bauart konnte es aber nach achtstündiger Fahrt heil landen - Die deutsche Marine wird voraussichtlich in den näch­sten Wochen einen neuen Luftkreuzer erhalten: in bei Friebrichshasener Werft sieht derL2" wie schon telegra­phisch gemeldet worden ist, seiner Taufe entgegen. Dieses neue Luftschiff weist gegenüber der bisherigen Bauart noch weitere Verbesserungen auf. Es besitzt einen wesentlich grö* Bern Gasinhalt und damit erhöhte Tragkraft. In zwei Gon-

Durchrcise empfing er ihn freundlich, aber sehr würdevoll und sagte, seine Stellung als Direktor sei ihm an bas Herz gewachsen." Es war bie Tragik bes kleineren Geistes, ber bie unbezwingliche Notwenbigkeit, ben dämonischen Drang des Genies zur Voll­endung nicht kannte. So ist ihm beim nie geglückt, was er er­sehnt: seine Gestalten mit ber Natur zu einer großen Einheit zu verschmelzen, bas Aeußerliche ber Staffage abzuwerfen. Böcklin aber hat bie Fabelwesen seiner Phantasie zwingend aus ber Natur hervorwachsen lassen, so daß sie ein harmonisches Clement ber Land­schaft wurden, die sinnliche Verkörperung des Waldes, der Quelle und des Felsens. Und darin liegt seine unvergängliche Größe, für die Schirmer als Vorläufer nur die Basis schaffen konnte.

ff. Ter 50. Geburtstag der Wetterkarte. Eine Wissenschaft der Wettervorhersage gibt es erst seit dem Tage, wo die erste Wetterkarte gezeichnet wurde: genau feit 50 Jahren, seit dem 11. September 1863. Leverrier war es, der die erste Wetterkarte entwarf, als er erkannt hatte, der richtige Weg zur wissenschaftlichen Erforschung des Wetters sei der, an möglichst vielen Orten gleichzeitig Beobachtungen anzustellen unb ben Ueber« blick über ben Zustand ber gesamten Atmosphäre in einem Augen­blicke zu einem übersichtlichen Bilde zu vereinigen. Telegraphie unb anbere Hilfsmittel bes Schnellverkehrs mußten erst erfunden sein eher konnte die Wetterkarte nicht entstehen, und mit der Entwicklung und Verbreitung dieser Schnellverkehrsmittel hat sich auch die Wetterkarte und die Wettervorhersage im Lause eines halben Jahrhunderts bedeutend verbessert. Ter Weilburger Meteo­rologe Eckardt hat über das eigentümliche Geburtstagskind in ber Natur" interessante Mitteilungen veröffentlicht. Wer bie Wetter­vorhersage, wie sie täglich beispielsweise burch bie Post verbreitet wirb, liest, fragt sich natürlich, wie man eine Wetterprognose aus ben rätselhaften Zeichen auf ber Wetterkarte ablesen kann. Das hierzu wichtigste auf ber Wetterkarte sind bie Isobaren, bie Linien, bie bie Orte mit gleichem Barometerstanbe verbinden. Aus ihrer Verschiebung lassen sich Schlüsse auf bas fommenbe Wetter, das von ber Veränderung bes Luftdrucks abhängt, ziehen, wenn man bie Ergebnisse langjähriger, wissenschaftlicher Erfah­rungen hinzuzieht. Natürlich gibt es feine mathematische Formel, aus ber man etwa aus ber Verschiebung ber Isobaren während einiger Tage ihre Sage am folgenden Tage ermitteln könnte: wohl aber gibt es Erfahrungsregeln über den Zug ber Hoch- unb Ties«

bruckwirbel, wenn es auch nicht bestimmte Zugstraßen für sie gib! wie man in ben Anfängen ber Wetterkarte annahm. Es finb nichi bie Tiefbruckwirbel selbst, bie in Mitteleuropa bas Wetter be­einflussen, sondern deren Randgebilde. Aus diesem Grunde leger die Wettcrkundigcn neuerdings noch höheren Wert, als ben Iso­barenkarten, ben sogenannten Jsallobarenkarten bei, b. h. ben Karten, bie bie Linien gleicher Lustbruckschwankung innerhalb eines gewissen Zeitraumes veranschaulichen. Diese Karten beruhen auf ber Beobachtung ber Barometerbifferenzen von zwei ausein- anbersolgenben Morgenbeobachtungen ober einer Morgen- unb einer Abendbeobachtung. Die Verbindungslinien der Orte gleicher Druckdifferenzen sind bie,J§allobaren. Tie Geschwindigkeit der Fall- und Steiggebiete ist nämlich größer, als bie ber Tiefbruckwirbel selbst, unb so läßt sich bas Herannahen und Abziehen ber Ties- unb der Hochdruckgebiete auf Grund der Jsallobarenkarten ge­wöhnlich früher ober beutlicher erkennen, als aus ben gewöhnlichen täglichen Wetterkarten.

Tas Wilhelm-Busch-Denkmal in Wiebensahl bei Stabthagen, bem Geburtsort bes großen Humoristen, wirb am nächsten Sonntag mittag eingeweiht werben. Unter alten Linden- bäumen ist inmitten bes alten Niebersachsenortes Wiebensahl ein schöner, stimmungsvoller Tenkmalsplatz geschaffen worben. Ter Pfarrgarten unb bas alte Pfarrhaus, ein niebersächsischer Fach- werkbau, in bem Wilhelm Busch lange bei feinem Schwager, bem Pastor Nölbecke, wohnte, hüben ben Hintergrund Tas Tenkmal selbst ist ein schlichter Ausbau von vornehmen architektonischen Ver­hältnissen. Es ist etwa 6 Meter hoch, aus Muschelkalkstein er­baut mit breitem Sockel von bruchrechten Cuabern, auf benen sich der Ausbau nach oben verjüngt. Bekrönt ist es von einer Gruppc, die einen jungen Pan mit ber Hirtenflöte barstellt, dem eine Eule, bas Sinnbild ber Weisheit, listigen Auges etwas ins Ohr flüstert. Inmitten bes Denkmalsausbaues wurde ein lebensgroßes Reliefbild aus Bronze geschaffen, bas Wilhelm Busch vor einem blühenben Rosenbusch dar stellt. Vorbildlich war hierfür eine Bild­aufnahme, die in Mechtshausen, dem späteren Wohnort Wilhelm Buschs, nach dem Leben entstand. Tie Schöpfer des Tenkmals sind Architekt Otto Lücr und Bildhauer Professor Gundelach in Hannover,

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