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Zweites
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M. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Geneml-MzeMr für Oberhessen
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Die „Eichener FamUienblätter" werden dem .Anzeiger" oiernml wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Der Budgetausschuß des Reichstages fuhr heute in der ratung des Ergänzungsvoranschlags zum Militärhäushalt Kapitel 24, Titel 2, (SanitLts- und Veterinäroffiziere) fort. Berichterstatter beantragte Genehmigung.
i Ein sozialdemokratischer Redner war mit den
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Das neue Gesetz
gegen Len verrat militärischer Geheimnisse.
Dem Reichstag ist der Entwurf eines Gesetzes gegen den Verrat militärischer Geheimnisse zugegangcn. Von den Neuerungen ist folgendes herfrorzuheben:
Verrat eines militärischen Geheinrnisses wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren (früher Gefängnis bis zu fünt Jahren), bei mildernden Umständen mit Gefängnis bis zu zehn Jahren bestraft, Hatte der Verrat eine bedeutende Gefahr für die Sicherheit des Reiches zur Folge, und konnte der Täter dies vorauswhen, so kann, was neu ist, auf lebenslängliches Zuchthaus erkannt werden, ebenso wenn das Geheimnis dem! Ttitcr in seiner Eigenschaft als deutscher Beamter oder Militär- Person zugänglich war.
_ _ Die in dmi bisherigen § 4 vorgesehene Gefängnis- oder Festungshaft wird auf bis zu fünf Jahren erhöht. Die Verabredung oder Vorbereitung eines Verbrechens gegen die Sicherheit des Reiclws wird, wenn es nicht zur Vollendung oder zu einem strafbaren Veriuche gelommen ist, mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren, bei mildernden Umständen mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft. Neu ist § 7, welcher die Anknüpfung von Beziehungen mit einer für eine ausländische Regierung tätigen Person zwecks Mitteilung militärischer Geheimnisse mit Gefängnis bestraft.
Naä> den neuen Bestimmungen des § 8 wird derjenige, der an einem militärisch wichtigen Orte unrichtige Angaben über seine Personalien macht, mit Gefängnis oder Festungslwft bis zu einem Jahre oder Geldstrafe bis zu 1OOO Mark bestraft.
Dienstag, 27. Mai (9(3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
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Die Wehrvorlage im Vudgetausschuh.
Berlin, 26. Mai.
Deckung fertigzubringen. Damit werde die Wehrvorlage sehr hinausgeschoben. Man müsse sich auf den Standpunkt stellen: entweder ist die Wehrvorlage notwendig, oder sie ist nicht notwendig, und nachher die Frage: wie schaffen wir die Deckung?, Es soll das selbstverständlich sofort nachher erfolgen.
Die Sozialdemokratie beantragt, morgen die Erledigung der Bittschriften vorzunehmen, um den Fraktionen Gelegenheit zu geben, über die Reihenfolge noch einmal Beschluß zu fassen.
Der Kriegsm'inister betont, e s s c i eine unbe- bingteNot Wendigkeit, daß bis zum 1. Juli aller- späte st e ns die Wehr Vorlage angenommen ist, wcnnsiebiszuml. O'kt->berdurch geführtsein soll.
Der Konservative schließt sich dem Antrag Speck an, obwohl er seine Begründung nicht vollkommen anerkenne, da er die Wlehrvorlage an sich für notwendig halte. Er halte es auch sachlich für begründet, daß man so große Ausgaben nicht eiidgültig bewillige, ehe man auch die Einnahmen übersehen fänne._ Wenn nun eine große Partei wünsche, daß sckwn im Ausschuß gemeinsame Beratungen erfolgen, könne man dem doch zustiinmen. Man habe auch noch volle fünf Wochen Zeit und er sei auch bereit, dem Vorschläge der Sozialdemokratie zuzustimmen, morgen zunächst die Beschlußfassung auszusetzen.
Der nationalli bemale Sprecher erklärt, daß seine Partei durchaus Wert darauf leg:, schon jetzt die Deckung fertigzubringen, aber eine zeitliche und eine sachliche Trennung sei doch innerlich berechtigt. Das Zwischenschieben der Deckung in der Kommission habe ja überhaupt keinen Sinn. Die Schlußentscheidung habe ja doch das Plenum. Abstriche werden wir ja doch nicht machen, je nachdem Gang der Ser a t u n g der Deckung. Der Ausschuß sollte jedenfalls einmal etwas Fertiges schaffen.
Auch das Zentrum stimmt dem sozialdemokratischen Vor- ichlag zu, daß man morgen noch einmal erst in den Fraktionen beraten solle. Er sei übrigens erstaunt über die Ausführungen der Volkspartei, die doch tatsächlich bedeuten «die Bewilligung der Wehrvorlage ohne Deckung. Seine Partei sei nicht geneigt, die Wehrvorlage ohne die Deckung zu verabschieden. Keine Ausgabe ohne Deckung.
Der v olks varJ ei l i ch e Vertreter weist die. Angriffe des Zentrums zurück. Seine Partei wolle ebenfalls die Deckung schaffen, sei aber der Meinung, daß die Wehrvorlage in ihrer inneren Begründung eine Sache f ü r sich sei und in ihrer Bewilligung nicht abhängig gemacht werden dürfe von der Art der Deckung.
Das Zentrum beharrt auf seiner Auffassung, dabei will es keineswegs einen Truck dahin ausüben, daß die Deckung genau im Sinne des Zentrums ausgeführt werde. Es könnte die Folge der Trennung sein, daß Parteien nach Er- l^edigung der Wehrvorlage die Hände in den L-choß legen und dann die Weiterbehandlung anderen ü b e r l a s s e n. E i n e Abwälzung auf die Marr i ku l ar b e i t r ä g e sei nicht möglich, man müsse reichseigene Einnahmen schaffen.
^cr Ausschuß vertagt sich in später Stunde auf morgen- 1 Uhr, mit her Tagesordnung: Bittschriften.
Der Eisenbahn-Assistenten verband
der in 22 Bezirks- und 149 Ortsvereinen etwa 14 000 Mitglieder umfaßt, hielt am 18. bis 20. Mai seinen diesjährigen Verbandstag in Hannover ab. Es waren über 100 Delegierte au* allen Teilen Preußens, Hessens und der Reichslande er- Ichienen. Zahlreiche Standes- und Berbandsfrageu wurden verhandelt. Im Vordergründe des Interesses ftanh die Frage der Gleichstellung mit den Postassistenten. Der Verbandsvorstand wurde beauftragt, mit allen zulässigen Mitteln, für die völlige Gleichstellung mit den Postassistenten einzutreten. Außerdem wurde der Beichlul: gefaßt, der Verbandsvorstand möchte auf eine bessere Regelung der Dienst- unh Ruhezeiten und auf eine bessere Bewertung des Nachtdienstes hinwirken. In der Gleichstellungsfrage wurde einstimmig die nachstehende Entschließung angenommen :
."Die zum 10. Berbandstage versammelten Delegierten der Bezirks- und Ortsvcreine des Eisenbahnassistenten-Berbandes der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft, her Reickseisen- pahnen und der Wilhelm Luxemburg-Bahn erklären, daß sie ™ dcm vorn Herrn Reichsschatzsekretär zustimmend begrüßten Beschlüße des Reichstages vom 26. illpril d I der den Postassiftenten eine neue Besoldungserhöhung zu spricht ohne dieselbe zugleich auf die ReickSeisenbalm-Assistenten auszudehnen, eine unverdiente Z u r ü ck s e tz u n gi der Eisenbahnassistenten- schast und eine unbegründete .Herabsetzung ihrer Dienstleistungen erblicken. Gestutzt auf hie von verschiedenen Ministern ldar- einem. Staatssekretär des Reichspostamtes > anerkannte -patsackw, daß der dienst der Eiseubahnassisteuten ein schwierigerer, gefabn>j>tlcTer und verantwortungsvollerer ist, als her her Postaisistenten, bittet die Eisenbahnassistentenschaft, daß sie, sowohl im Reiche wie in Preußen, im Interesse der Gerechtigkeit und zur Wahrung ihrer Dienstfreudigkeit den Postassistenten aus allen Gehaltsstufen, vom 1. Oktober d. Js. ab, gesetzlich gleichgestellt wird."
Diese Entschließung wurde an den R-ckchskanzlcr, an Minister v. Breitenbach, an den Re ichsschatz s efret ä r und an den Reims log Abgeschickt.
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wehrten Stellen einverstanden, indessen sei der Fehlbetrag an Aerzten immer iwch sehr groß. Den Mangel an Aerztew beklagte auch ein fortschrittlicher Redner. 53,77 Prozent aller Stellen seien unbesetzt. Der Redner nannte als erste Ursache die bestehenden konfessionellen Borurteile, unter denen die jüdische Aerzteschaft leidet. Der Kriegsminister erwiderte, , der Mangel rühre daher, daß der Abgang an Sanitätsoffizieren, - auch Stabsoffizieren, sehr stark sei. Dem solle durch Erhöhung her Stellen an der Kaiser Wilhelm-Akademie abgeholsen werden. Beim letzten Termin hätte sich eine drei- bis fünffach höhere Zahl gemeldet, als auf genommen werden konnte Für den Mobilmachungssall liege feine Gefahr vor. Vorschriftswidrige Behandlung von Kranken durch Sanitätsoffiziere sei iljm nicht _ bekannt. Die Vorwürfe, die gegen das Verhältnis zwischen Offiziers- und Sanitätsoffizierskorps erhoben wurden, wies der Minister zurück.
Ein Zentrittmsredner fragte an, ob es nicht möglich sei, studierenden Medizinern finanzielle Unterstützungen zu gewähren unter der Bedingung, daß sie sich später als Sanitätsoffiziere zur Verfügung stellten und empfahl Anrechnung von ' fünf Jahren auf das PensivnsdieNstalter, damit der Sanitätsoffizier nicht mehr hinter dem Leutnant zurückstehe. Ter K r i c g s- m int ft er erwiderte, hie Frage fei im Fluß und werde weiter verfolgt. Sie sei wegen der KoNseguenzen auf andere Berufe bedenllich.
Ein nUitionalliberaler Redner erklärte, in größeren Garnisonen bestehe vielfach Anlaß zu Klagen, z. B. bei einem de st im mten Gu r d e r e g i m e n t.
Gegenüber einem sozialdemokratischen Abgeordneten stellte der Kriegsmini st er erneut in Abrede, daß die Sanitätsofff - ziere als Offiziere zweiter Klasse hingestellt würden. Die Grundlage des Verkehrs zwischen Offizier und Sanitätsoffizier sei dieselbe. Ein Zentrums abgeordneter wandte sich gegen den Duellunfug bei Zöglingen der Kaiser Wilhelm- iAtademie. Ein fortschrittlicher Redner kleidete den front ■ Zentrum vorgetragenen Gedanken, betreffend die Anrechnung der Studienzeit auf das Pensionsdienstalter, in die Form eines Antrags. Kriegsminister v. Heering en wies die Ansicht von angeblich sckstechteren Anftellungsbedingungen für die Zivilärzte beim Eintritt in das Sanitätsoffizierskorps gegenüber den aus der .Kaiser Withelm-Akahemie hervorgegangenen Sanitätsoffizieren zurück. Die Beförderungsverhältnisse der Sanitätsoffiziere über- • Haupt seien günstiger als die der Offiziere bis zum Oberstleutnant einschließlich. Ein Fortschrittler bemängelte die vom Zen- ' trnm vorgeschlagene Gewährung von finanziellen Unterstützungen ian studierende Mediziner unter einer Bedingung, die auf die berufliche Festlegung dieser Mediz-iner hinauslaufe.
Aus formelle Bedenken, die gegen die Fassung des freisinnigen Antrags noch geäußert werden, wird die E n t s ck l i e ß u n g in dem Wortlaut angenommen, daß den Sanitätsoffizieren, die auf Universitäten ihre Studienzeit vollendet haben, nach einer Reihe von Jahren die Studienzeit auf ihre Pensionsberechtigung angerechnet wird.
Die Dienstpr'ämien für Unteroffiziere.
Der Mitberichterstatter Erzberger beantragt beim Titel: Pensionierte Offiziere usw. 13 Regimentskommandeure SU streichen: es ist das bereits im Bericht mitgeteilt worden. Auf Vorschlag, des Berichterstatters zu Putlitz werden drei davon bewilligt, die Regimentskommandeure für Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt. Die anderen zehn werden gestrichen.
Ebenso ist bereits berichtet worden über den Antrag Erzberger aus Zahlung von Dien st Prämien für Unteroffiziere, die aus dem Heere ausscheiden ober in Stellen fron Offizieren und Beamten der Militärverwaltung cin- treten in Höhe von je 10 0 0 M a r k nach neunjähriger aktiver Dienstzeit und 1500 Mark nach zwölfjähriger: Zahlung der Dienstprämie an die gesetzlichen Erben int Todesfall und nötigenfalls Gewährung der Äienstprämie über den Etat.
Der KriegsministeL bittet, fron der Annahme dieses Antrages vorläufig abzusehen. Eine Dienstprämie von 1000 Mk. nach neun Jahren sei gewiß sehr erheblich, und es sei immerhin möglich, daß die Wirkung ein früherer Ahgang sein würde, und gerade die letzten drei Jahre seien die wertvollsten, weil in den unteren Jahren die Leute selbst noch etwas ausgebildet werden. Tie Gefahr des früheren Abgangs zur Schutzmannschaft, Gendarmerie, verstärke sick dann. Es sei auch möglich, daß mit einer Summe von 1000 Mk. in der Tasche vielleicht dann die Leute nicht mehr in die Schubmannschaft gehen, sondern in andere Berufe. Er stelle deshalb anheim, die Summe n! a ch neun - Jahren etwa auf 500 Mark seftzusctzen und den 'Leuten dafür einen Anstellungsschein zur Verfügung zu stellen. Die Erwägungen darüber seien aber noch nicht abgeschlossen. Er wäre aber dankbar dafür, wenn die durch Herabsetzung auf 5 0 0 Mark ersparte Summe dann auf die Dienstprämie nach zwölf Jahren als weiterer Anreiz geschlagen wird.
Die Sozialdemokratie hält diese neue Prämie für unnötig, da man ja schon die Zivilversorgungsenkfchädigungen eichöht habe. Der Antragsteller teilt die Befürchtung nickt, daß eine Prämie nach neun Jahren einen allzugroßcn Anreiz für den Abgang bedeute. Auf her anderen Seite werde sie aber inmichen zur Kapitulierung veranlassen. Er sei indes bereit, bie Summe auf 500 Mk. herunterzu setzen. Da Er- spaniffse bei einem Unteroffizier nicht möglich! seien, so wäre es zweckmäßig, nach neun Jähren eine Prämie festzusetzen, bamit die Leute auch betraten können.
' Der Kriegs mini st er bittet, keine Einstellung in den > 'S tat zu machen, sondern in Form' der Entschließung t eine Richtlinie für d-en Etat 1914 zu geben. Man könne 1 dann bis dahin auch noch die Frage weiter klären/ Es wird damit der Armee auch gedient.
Da die übrigen Parteien dieser Auffassung beitraten, so ckird der Antrag in eineEntsckließung um gewandelt: daß eine Erhöhung der Dienstprämie erfolge und eine Heinere Prämie nach neunjähriger Dienstzeit festgesetzt werde. Diese , E n t s ch l i e ß u n g w i r d a n g e n o m m e n.
Erzberger begriinbet den Antrag: „Familien, von denen wehr als drei Söhne ihrer aktiven Dienstzeit im Reichs Heer oder in der Marine genügt haben, erhalten während her Dienstzeit eines jeden weiteren Soldaten pro Jahr 240 Mk. Aufwandsent- ichadigung." Es müsse solchen Familien eine gewisse Hilfe ge- . toährt werden in einem Augenblick erheblicher Vermehrung der Retrutenzahl. Die finanzielle Tragweite werde klein sein»
Der Schatzsekretär erklärt, vom Finanzstandpuntte habe er keine Einwendungen. Immerhin aber könnten anderweitige Folgerungen entstehen. Er bitte aber, bie Entschließung scharfer fassen, bamit es sich nicht um bie Bezahlung des aktiven Dienstes handle. I
Der Kriegsminister steht dem Antrag spmpathisch gegen- ■2bcr, aber in den Hberesetat gehöre es nicht hinein, da es sich gar nicht um Angehörige des Heeres, nämlich die Familien handle. Es gehöre in das Reichsamt des Innern. Fraglich werde sein, ob man nach Bedürfnis nicht Zuwendungen machen sollte. Es erscheine deshalb wünschenswert, den Gedanken im Wege einer Entschließung zum Ausdruck zu bringen. Erzberger i st bereit, den Antrag für das Reichsamt des Innern zu stellen.
Die Svzialdemwkratie hält den Antrag für eine Plötzliche Gesetzesmacherei. Die Nationalliberalen unterstützen den Antrag, der in der Tat eine wesentliche Erleichterung bringe, und zwar sei es zweckmäßig, ihn in das Geletz aufzunehmen, zumal in der letzten Zeit in der Presse 5. D. in den Hamburger Nachrichten in ganz sinnloser Weise. gegen die Annahme von Entschließungen a g i t i e r t wird. Die durchaus ernftbafte Arbeit der Kommission wixd ins Lächerliche gezogen, während man doch da und dort sich auf eine Entschließung beschränkt habe, um das Gesetz als solches, nicht zu belasten. Es wird aber durchaus vorausgesetzt, daß die Negierung auch den Entschließungen Rechnung tragen wird.
Auch ein Volksparteiler — Dr. Müller-Meiningen — ivendet Uch gegen diese Auffassung der Presse und auck gegen einige Auslassungen des „Berliner Tageblatt s". Diese Ent- lchließungen seien durchaus nicht so wertlos, sondern man erwarte^ bestimmt, daß die Regierung schon im nächsten Etat dcn Forderungen des Reichstags Recknung tragen werde. Anderenfalls werbe man die etatsrecktlichen Konseauenzen ziehen. _ Ter Antrag wird schließlich provisorisch gegen bie Sozialdemokratie angenommen, aber eine zweite Lesung dieses Titels nicht beschlossen.
E r 3 b c r g c r (Ztr.) und Schiffe r - Magdeburg (nD haben beantragt, in das Dispositiv des Voranschlags die Bestimmung aufzunehmen: „Zur Beförderung her in Friedenszeiten während der aktiven Dienstzeit ober währenb einer Uebung verstorbenen Militärpersonen zur Beerdigung in der Heimat, sowie zum Besuche erkrankter Militärpersoncn durck ihre Angehörioen", und die Summe im Vorschlag um 100,000 Mk. zu erhöhen. Sowohl der Kriegsminister, wie der Schatzsekretar äußern sich zu diesem Antrag in ähnlicher Weise wie vorhin bei dem Antrag auf Unterstützung fron Familien mit mehreren Söhnen im Dienst.
sozialdemokratischer Redner erklärt, eine solche leichtfertige G e s e tz e s m a ch e r e i sei ihm in seiner langen parlamentarischen Zeit noch nicht vorgekommen. Ten bürgerlichen Parteien schlage offenbar das Gewissen über die gewaltigen Ausgaben. Seine Partei werde allerdings nicht dagegen stimmen, weil man sonst ihr Agitation vorwerfen würde. Von nationallib-'raler 'Seite wurde erwidert, man könne ebensogut sagen, die Sozialdenrokratie fei darüber erzürnt daß ihr der A g it a t i o n s st o f f schwinde. Die Antrag- ltcller ändern den Antrag dahin ab, daß „Unteroffiziere und Gemeine" an Stelle von „Militärpersonen" gesetzt wird. Die Angriffe der Sozialdemokraten, riefen noch lebhafte Gegenäußerungen hervor. Gerade sie habe die unmöglichsten Anträge gestellt, und Iw hätten durchweg einen Mangel an etatrecktlichen Kenntnissen gefugt. Der Antrag wird in her neuen Fassung angenommen.
Nack der Pause mürben einige Kapitel aus bem Ergänzungs- ctat ohne Erörterung erledigt. Abg. Erzberaer beantragt, zu freien U r t a u b ö r e i f e n her Mannschaften in' bie Heimat 1 600 000 Mk. in den Voranschlag einzustellen: der Ertrag ist so berechnet, baß her Soldat jährlich einmal freie Hin- und Rückfalwt in die Heimat erhalten kann. Einen ähnlichen Antrag stellt die Volks Part ei. Die Regiernng sieht in ihrer Vorlage alle zwei Jähre eine freie Urlaubsfahrt vor und sie erhebt gegen den Antrag Einwendungen. Alle zwei Jahre genüge. Von verschiedenen Parteien wiro jedoch an der langiährigen Forderung des Reichstages feftgehalten, und dcr Zentrumsantrag einstimmig angenommen.
Ein Fortschrittler äußert Bedenken, ob die Ausbildung des Offizierkorps noch ausreichend sei. Aehn-- liche Bedenken seien selbst in ganz konservativen Zeitungen geäußert morben. Man höre, daß die Ausbildungszeit auf der Kriegsschule herabgesetzt werden solle. General Wandel bezeichnet diese Mitteilung als unrichtig. Was das AusbildungS- Niveau des Offizierkorps betreffe, so werde allerdings nicht allgemein das Abiturium verfangt,.aber der Prozentsatz steige immer mehr: zurzeit betrage die Zahl der Abiturienten 60 Prozent. Wenn das „Offizierblatt" sage, die Ausbildung der Reserveoffiziere sei beinahe besser, so sei das ganz unbegründet. Die übrigen Kapitel der fortdauernden Ausgaben werden ohne Aussprache bewilligt.
Die Löhnungszuschusie in Elsaß-Lothringen.
Der Berichterstatter bemiftanhet bie angeforberten Löhnung s z u s ch ü s s e fron 570 000 Mark für bie Unteroffiziere in Els a ß-Lo t bringen. Die Heeresverwaltung aber äußert einen dringenden Wunsch. Einheimische Unteroffi.-iere bekomme man nur sehr schwer und auswärtige auch sehr schwer, da die Lebensverhältnisse dort außerordentlich teuer seien. Vorgesehen seien drei Mark monatlich ftrr jeden Unteroffizier, evtl, weitere drei Mark für jede Frau und jedes Kind. Die Zahl der fehlenden Unteroffiziere in Elsaß-Lothripgen fei außerordentlich groß geworden.
Ein Sozialdemokrat hält diese Forderung für eine Folge der verfehlten Regieriurgspolitik in Elsaß-Lotbringen. Der Kriegsminifter bittet dringend, diese Forderung nicht mit politischen Dingen zu frerquicEen. Es sei eine fcbr dringende rein militärische Forderung. Tie Wichttgteit her Vollzähligkeit des Unteroffizierkorps sei gerade an dieser Stelle dock offenfunbig. Auch bie Qualität der Unteroffiziere müsse dort besonders gut sein. Welchen Versuchungen die Unteroffiziere dort vielfach in der Spionage ausgesetzt seien, sei bekannt: es seien sehr ernste Klagen der k omlm a n d i e r en de n Generäle darüber eingegangen.
Von Z e n t r u m s s?i t e wird demgegenüber auf den Mangel an Konsequenz bingetoiefen, her darin liege, wenn iiN Jahre 1910 die damals bestehende Zulage abgeschafft wurde und nun wieder eingeführt werden solle. Man solle doch cirnntü erst die Wirkung der sonstigen Verbesserungen abwarten.
Nach lebhaften Auseinandersetzungen wird abgesttmütt und die Forderung Mit allen gegen die Stimmen der Ko n f ernatiü cn und der N at iona l l i b er a l e n ab-, gelehnt.
Damit ist der ganze Ergänzungsetat erledigt und damit die erste Lösung her We hrv orlage. Es wird >u>ch ausdrücklich zugestimmt einem sofortigem Beginn der vorbereitenden Maßnahmen für Neubauten mit 25 Millionen Mark, um eine Ersparnis von ungefähr 50 Millionen Mark zu erzielen.
Verbindung von Mhrvoriage und Deckung oder Wehrvorlage vor der Deckung?
Der Zentrumsabgeordnete Speck verlangt in einer nunmehr beginnenden Oieschäftsorbnungsaussprache sofortige Beratung her Teck.üngsfrorlage, da er her Wehr- Vorlage andernfalls nicht z u st i m m e n könnte wenn Nicht die D e ck it N g s i ch e r g e st e ll t fei Dem widersprechen Nationalliberale und Volks Partei! er, W fci .gar nicht möglich, in dieser kurzen Zeit die
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