mals in den letzten 50 Jahren den Besitz Korfus durch Griechenland als eine Drohung betrachtet habe. Die griechische Regierung hoffe, daß die Mächte und die Verbündeten die Fragen der Grenzen Süd-Albaniens und der ägäischen Inseln wiederum prüfen werden.
Silistiia.
Bon einem unserer Leser, der sich lange Jahre in Rumänien aufgehalten hat, erhalten wir folgende Zuschrift:
Als im Berliner Frieden 1878 Rumänien, dessen Hohen- zollernfürst als Höchstkommandierender der rumänisch-russischen Truppen vor Plewna den bereits verlorenen Feldzug doch noch zu Rußlands Gunsten entschieden hatte, als Kriegsentschädigung (außer der Unabhängigkeit) vom Berliner Kongreß die Dobrudscha erhielt, schrieb Fürst Karl von Rumänien (der jetzige König) seinem Vater Fürst Karl Anton von Hohenzollern am 4. August 1878:
„Die vom Kongreß uns zugesprochenen Distrikte haben eine große Zukunft; ich hoffe dieselben in einigen Jahren in blühenden Zustand zu bringen. Die dortige Bevölkerung schätzt sich glücklich, mit Rumänien verbunden zu werden und hat mir schon zahlreiche Adressen übersandt. . . Die Donaustädte kenne ich; ich wurde vor einigen Jahren in Tulcea und Sulina (damals noch türkisch. D. Vers.) mit großen Demonstrationen empfangen. Küstendsche (das heutige Konstantza. D. Vers.) ist ein schöner .Hafen, der, wie auch die Bahn nach Tschernawoda, von einer englischen Gesellschaft angelegt worden ist. Es sind dort Installationen für Seebäder und einige Hotels. Die Lage ist gesund. Man- galia ist ein kleines Dorf und hat nur deshalo Bedeutung, weil sich hier ein vortrefflicher, gegen die Nord- und Ostwinde geschützter Hafen anlegen ließe. Bei der Feststellung der Grenzen werden wir so nahe als möglich an Silistria heranzukommen suchen, da die Donau dort nicht zu breit ist, um eine Brücke zu bauen."
In diesen Worten sind bereits die Richtlinien der rumänischen Handelspolitik der nächsten 50 Jahre klar dargelegt: Heberbrückung der Donau und damit Anschluß Konstantzas an das europäische Eisenbahnnetz und Ausgestaltung dieses Hafens zu einer Emporie des Orients. Die Brücke ist gebaut worden, allerdings aus politischen unb Zweckmäßigkeits- Gründen nicht bei Silistria, sondern unterhalb bei Tscherna- lvoda.
Die Donaubrücke war auch für das wirtschaftliche Leben Bulgariens von großer Bedeutung, in dessen Interesse es lag, jede Gefährdung sorgsam zu verhindern. Das ist heute mit einem Schlage anders geworden. Bulgarien hat sich bis zum Mittelländischen Meer ausgedehnt, und sein Ziel muß sein, den Handel nach Mitteleuropa ganz in seine Hand zu bekommen, einerlei ob sein .Hafen nun Saloniki oder Dede- agatsch sein wird. (Hebrigens ein Bestreben, das Serbien unter Umständen seine Existenz kostet.)
Dadurch ist die rumänische Handelslinie zur gefährlichsten Konkurrentin der bulgarischen geworden.
Die bulgarische Festung Silistria beherrscht die untere Donau, die völlig ungeschützte Dobrudscha und somit die Brücke von Tschernawoda. Außerdem führt König Ferdinand nicht ohne Absicht den vielsagenden Titel: Har der Bulgaren, von denen viele in der Dobrudscha leben. Es ist daher für Rumänien unbedingt notwendig, die Donau- festung Silistria zu erwerben. Emanuel Kremnitz.
Der Kaifer in Homburg.
Homburg v. d. H., 21. April. Die Majestäten fehrten um 5 Uhr aus Darmstadt hierher zurück. Zur Mendtafel waren geladen: Regierungs- und Forstrat Freiherr v. Hammerstein, Forstmeister Freiherr v. Löwenstern und Forstmeister Birckenauer.
Das Nachspiel von Nancy.
Paris, 21. April. Im Ministerium des Innern ist ein Ausschuß gebildet worden, der die Frage der R e o r g a n i s a t i o n der Polizei des Weichbildes der Stadt Paris nach dem Muster der Pariser Munizipalpolizei prüfen soll. Ten Vorsitz führt Staatsrat Ogier. Ferner gehören ihr namentlich an Polizeipräsett Hennion, der Chef der Sicherheitspolizei Pujalet. Ter Ausschuß ist nunmehr auch von dem Minister des Innern beauftragt, die Frage einer Ersetzung der rein städtischen Polizeiorgane durch staatliche Polizei zu prüfen, da die Wirksamkeit der städtischen Polizei bisweilen in einzelnen großen Städten oder industriellen Zentren, namentlich nud) in den Grenzstädten und den Hafenstädten ungenügend ist.
Deiche- Reich.
Die Betriebseinnahmen der preußisch- hessischen Staatsbahnen
haben im Monat März 1913 gegen den gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr 9.7 Millionen Mark — 19.54 Proz., im Güterverkehr 1.9 Mill. Mk. ---- 1.41 Proz.,
würde. — Die Teilnehmer der Expedition danken und grüßen alle, die die deutsche Expedition ermöglicht haben.
K.-K. 9000 Kilometer Ueberlaudtelegraphie Im großen Saale des Haupttelegraphenamts zu Berlin ist in einem Eckchen em Allerheiligstes abgegrenzt, die Uebertragung der ungeheuren Leitung, auf Der das britische Weltreick) mit seiüem Vasallenstaat Indien spricht. Von der englischen Hauptstadt durch das Meer nach Berlin geht der geschwätzige Draht; er durch- auert Südrußland und die Krim und übersteigt den Kaukasus Odessa und Tistis werden dabei berührt, doch er hält sich nicht auf, er strebt immer weiter zu seinem Ziel. Teheran in Persien wird erreicht, der Persische Golf birgt den fremden Gast in seinen Wassern, und endlich betritt er Indiens Märck^enreich an der Grenze von Belutschistan in Karachi. Wohl 9000 Kilometer ist diese Leitung lang; wie kann der elektrische Strom voii London aus diese Strecke überwinden? In einem Zuge geht es tatsächlich mcht, dazu ist der Widerstand der Leitung zu groß, und deshalb muß der ström unterwegs Verstärkung erhalten, cs müssen Relais, Stromverstärker, über die die neueste Nummer der Teckmischen Monatshefte in einem packenden Aufsatz von Hauns Günther berichtet, eingebaut sein. So wie dre reitenden Boten früher auf den Relaisstationen die Pferde wechselten, die sie mit flüchtigen Hufen durch die Lande trugen, so erhält auch die Nachrickü die von London kommt, auf ihrem Wege hier und da frischen Strom, der sie mit neuer Kraft weiterträgt. Und wenn für den reitenden Boten der Postmeister die Pferde in Bereitschaft hält damit er ohne Aufenthalt weiter kann, so ist cs in der Telegraphie das Relais, das stets auf der Wache steht, um bereit zu sein, wenn die viachricht durch die langen Drähte pockst.
. , Ti ?°K^chten aus.Kunst und Wissen- schaft. In Rostock ist am 19. April der ordentliche Professor für neuteftamennidje Theologie an der dortigen Universität Geh. Konsiftorialrat Tr theol. Kack Friedrich No es gen im Alter von 79 Jahren gestorben. Er stammte aus Halberstadt — Der Bund Deutscher V er k c h r s v e r e i n e hält seine'ordentliche Hauptversammlung vom 13.—15. Mai in Breslau ab — Der .1. Italienische Kongreß für medizinische Radiologie, veranstaltet von der im Januar d.I gegründeten Italienischen Gesellschaft für medizinische Radiologie, wird im Oktober be3. in Mailand abgehalten werden.
iiu ganzen unter Einbeziehung der Einnahmen aus anderen Quellen 16.4 Mill. Mk. = 8.13 Proz. mehr ergeben. Zu berücksichtigen ist, daß das Osterfest in den Monat März fiel.
Zum Heereshaushalt.
Unter den zum Heereshaushalt eingebrachten und angenommenen Entschließungen befindet sich auch eine solche des Reichstagsabg. Dr. Werner (Gießen). Sie lautet folgendermaßen: Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, an- zuordnen, daß a) die Reserve- und Landwehrübungen nicht in die Saat- und Erntezeit gelegt werden; b) den beurlaubten Soldaten Freifahrt auf den deutschen Eisenbahnen gewährt wird; c) die Manöver- und Quartierlasten gleichmäßiger verteilt werden.
. Wieder ein Zwischenfall an der franz ösischen Grenze.
Die Pariser Abendblätter berichten aus Metz: Eine Gruppe deutscher P f a d f i n d e r j u n g e n hat sich auf französisches Gebiet begeben und dort eine deutsche Fahne entfaltet. Die französischen Zollbeamten >en die jungen Leute ausgefordert, die Fahne zu entfernen und sic.. ..ber die Grenze zurückzuziehen. — Die deutschen Regiernngsaxgane sollten ben Borfall untersuchen und zunächst eine amtliche Darstellung veröffentlichen. Ter „Berliner Lokalanzeiger" meldet ans Pa - ris: Der Bericht des Metzer deutschfeindlichen Blattes „Le Lorrain" über den Son n tag sspa ziergang einer Pfad- f i n b e r g r u i) b e nach Noveant ist ersichtlich parteiisch. Ter Zollpächter benahm sich, wie daraus hervorgeht, sehr schroff und untersagte den jungen Leuten, einen Imbiß im Torfe einzunehmen. Der „Lorrain" veröffentlicht den Bericht an hervorragender Stelle.
Heer unb Flotte.
Eine amerikanische F l o 11 e n r e i s e.
Washington, 20. April. (Reuter.) Der Marincsekretär gibt bekannt, daß die ganze atlantische Flotte von 21 Schlachtschiffen mit ihren Zerstörern am 21. Januar nächsten Jahres eine dreimonatliche Fahrt im Mittelmeer ausführen wird. Die Flotte wird die wichtigsten Häsen besuchen. Es ist noch nicht bestimmt, ob auch Häfen int nördlichen Europa besucht werden sollen. Man nimmt an, daß die frühzeitige Ankündigung des Planes den Zweck verfolgt, die Anwerbung zu fördern, die die Bemannung ber neuen Kriegsschiffe erforderlich macht.
Ans Stadt tiitfc Land.
Gießen, 22. April 1913.
Zum Kaiserbesuch.
Seine Majestät der Kaiser wird am 23. d. Mts. im Automobil von Klein-Linden durch die Frankfurter Straße, Süd-Anlage, Ost-Anlage, Seuckcnbcrgstraße nach der Zcughaus- kaserne fahren und dort die Parade-Aufstellung des Regiments entgegenuchmeu. Im Anschluß an die Parade-Aufstellung Parademarsch des Negimeuts in Zügen auf dem Kasernenhof. Im Anschluß daran Frühstück mit den Offizieren „ des Regiments im Offizierskasino. An dem Frühstück nehmen auch teil Seine Durchlaucht Fürst zu Solms-Hohensolms-Lich, der Rektor der Landesuniversität v. Eck, Provinzialdirektor Gehcimerat Dr. Usinger, der Oberbürgermeister der Provinzialhauptstadt Gießen Mecum, und diejenigen Herren, die als aktive oder als Reserve- offiziere am Feldzuge 1870/71 tcilgenommcn haben und in Gießen wohnen. Voraussichtlich wird Sc., Majestät der Kaiser bald nach 3 Nhr die Kaserne im Auto verlasicn und auf demselben Wege nach Homburg zurückkehren. Hierzu wird das Regiment Spalier bilden, das sich von der Zeughauskascrne durch Senckenbergstraße und Ost-Anlage bis zur Bürgermeisterei erstreckt.
*
"Tageskalender. Völkerkundliche Ausstellung der Baseler Mission. Alte Klinik, 9—1 und 3—7 Uhr.
Die Entwicklung des detttschen Seeschiffsbaues bis zum I m p e r a t o r. Vortrag des Ingenieurs B u r m e st e r abends 873 Uhr im „Einhorn".
** Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Bonn, Geh. Reg.-Rat Dr. C l e m e n das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Johannes D e i st e r in Bieber eine Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zu Jügesheim, und dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Schön Herr aus Ober-Ingelheim eine Lehr er stelle zu Bischofsheim. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Erbach-Schönberg auf die erste Lehrerstelle an ber Gemeinbeschule zu Schönberg präsentierte Lelwer Philipp Schmibt zu Schannenbach.
** Erlebigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an ber Volksschule zu Jugenheim a. b. B. Mit ber Stelle ist die Hälfte des Organistendienstes verbunden.
**OrdnungsmaßregelnzumKaiserbesuch. Das Polizeiamt hat für ben Besuch bes Kaisers und des Großherzogs eine Verordnung über die Straßenabsperrungen erlassen, die im heutigen Kreisblatt veröffentlicht ist. Namentlich sei darauf hingewiesen, daß von 11 Uhr ab der Landgraf-Philipp-Platz, der Brandplatz und die Senckenbergstraße vollständig gesperrt sind. Das Publikum wirb gebeten, bie Bestimmungen genau zu beobachten, namentlich bie über die Absperrung vom Landgraf- Philipp-Platz usw. Da sich die militärischen Veranstaltungen ganz auf dem Kasernenhof abspielen, hat ein Drängen nach dem Platz vor ber Kaserne so wie so keinen Zweck. Die besten Plätze für bas Publikum finb in der Süd- und Ost-Anlage, bie von den beiden Fürstlichkeiten bemitzt werden.
** Völkerkundliche Ausstellung. Trotz vielfach geäußerter Wünsche ist es nicht möglich, die völkerkundliche^ Ausstellung in ber alten Klinik zu verlängern. Die Ausstellung geht von hier nach Mannheim und wird dort schon Samstag, 4. Mai, eröffnet. Sie hatte in den letzten beiden Tagen, Sonntag und Montag, einen großen Besuch von über 3000 Personen aufzuweisen. Mittwoch abend 7 Uhr werden die Pforten in der alten Klinik für Besucher geschlossen. Möchte noch jedermann, der bisher nicht Zeit gefunden, die letzte Gelegenheit benützen. Die Gesamtbesucherzahl hat bis Montag abend die schöne Höhe von 13800 Personen erreicht.
** Militärische Funkenstation. Gestern nachmittag kamen auf dem alten Viehmarktplatz hinter dem Schlachthof vier Offiziere und 20 Mann mit einer Funkenstation an und stellten sie gebrauchsfertig auf.
'* Warum lernen wir? In einer hiesigen Schule stellt der Lehrer einem siebenjährigen Mädchen die Frage, was man in der Schule lernen müsse. TaS Kind zählte Lesen, Schreiben, Rechnen usw. auf. „Warum muß man eigentlich dies alles fernen?* ,Damit man, wenn man groß ist, ben
Kindern bei den Schularbeiten helfen rann," war die prompte Antwort des Kindes.
*• Märkte zu Gießen. Am 30. April findet in Gießen Krämermarkt (sog. Himmelfahlt-Markt), sowie Schweinemarkt statt.
**. Tie Gießener Freiw. Feuerwehr hielt gestern abend im „Frankfurter Hof" ihre Hauptversammlung ab. Brandinspektor Wigandt begrüßte die Kameraden und sprach Branddirektor Braubach und dem Ehrenmitglied Dr. Heuser Dank für ihr Erscheinen aus. Aus dem Jahresbeckcht ist zu entnehmen, daß die Wehr 10 Borstandssitzungcn und verschiedene Besprechungen der Einzelausschüsse abhielt. Außer den Einzelübungen wurden 12 Hauptübungen, darunter zwei gemeinschaftlich mit der Gailschen Wehr abgehalten. Im Winterhalbjahr fanden drei Hebungs-, vier Jnstruktions- und Vortragsabende statt. Tie seit langen Jahren erstrebte Neunniformierung der Wehr wurde dieses Jahr durchgeführt. Fast die gesamte Wehr beteiligte sich au dem i_m Juli in Friedberg abgehaltenen hessischen Feuerwehrtag. Zum erstenmal wurden die neuaufgenommenen Mitglieder der Wehr auf der Bürgermeisterei auf die neue Satzung durch Handschlag verpflichtet. Ter Branddirektor und der engere Vorstand wohnten der Handlung bei. Auch eine Ersatzwahl mußte int Laufe des Jahres vorgenommen werden; der 2. Obmann Schmitz wurde zum 1. Obmann der Aachen-Münchener Spcktze des zweiten Löschzuges und Herr Betz zum 2. Obmann der mechanischen Leiter des zweiten Löschzuges gewählt. Außer einigen kleinen Branden von Zimmern wurde die Wehr durch die Sturmglocke alarmiert am 15. April (Cholerabaracke), am 5. Juni (Marktplatz 17), am 8. Dezember (Seltershöhe), am 23. März (Zozelsgasse 9) und am 12 April (Riegelpfad 20). Auch dieses Jahr hatte die Wehr den Verlust eines Kameraden, Emil Kreiling, durch ben Tod äv beklagen. Nach Erstattung des Jahresberichts erfolgte der Bericht des Rechners: ihm wurde Entlastung erteilt. Auch ber Voranschlag für 1913/14 wurde genehmigt. Auch dieses Jahr wtirde _ der Wehr durch Geh. Kommerzienrat Heichelheim ein namhafter Betrag überwiesen. Einstimmig wurde der Beschluß die Mitglieder unbedingt eine Hebung mehr wie. oic Hälfte der angesetzten Hebungen einschließlich ber Einzel- ubungen nn Jahre besucht haben müssen, andernfalls wird ihnen das Jahr nicht als Tienstjahr gerechnet.
Kreis Schotten.
b. Herchenhain, 21. April. Hnser Dorf sieht einer gewinnbringenden Beschäftigung entgegen. Schon oft wurde bei den nicht Wohlhabenheit Bewohnern des Orts ber Wunsch ausgesprochen, daß sich nur ein Erwerb finden ließe, der ! im Verhältnis zu der Arbeit auch lohnend fei. Eine Beschäftigung war ja schon mehrere Winter den Frauen geboten, die aber trotz des größten Fleißes wenig einbrachte, Strumpfstricken für einen Fabrikanten in Schotten. Er zahlte für ein Paar Strümpfe 22 Pfennig Strickerlohn; und dies war der höchste Betrag, den eine Frau täglich erreichen konnte. Um der Arbeit den entsprechenden Lohn zu bieten, hat sich Pfarrer Römer mit dem Fabrikanten Will). Kromm. jun. ins Einvernehmen gesetzt, eine Filiale in Maschinenstricken hier zu gründen. Herr Kromm hat ein Zimmer gemietet und noch in diesem Sommer soll der Betrieb eröffnet werden.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 21. 9lpril. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Stadtverordnetenversammlung hat die Bürgermeisterei das v. Helmoldsche Hans nebst 10 Morgen Land gekauft. Tas Gelände wird jedenfalls als Baugelände verwertet.
-r. Reichelsheim, 20. Avril. Am nächsten Sonntag findet die Gesellenprüfung des Ortsgewerbeverems ihren Abschluß. Im Gasthose .zur Post" werden die Geielleubriese überreicht; ferner findet eine Ausstellung der Gesellenstücke und Zeichnungen der gewerblichen Fortbildungsschüler statt. Gewerbelehrer Endres aus Nidda wird einen Vortrag halten über „Elektrisches Licht imb Lraft, feine Anwendung in Gewerbe und Landwirtschaft *
Hessen-Nassau.
Hohensolms, 21. April. Gestern mittag gegen M2 Vhr brach in der Scheune des fürstlichen Hofgutes aus bisher unbekannter Hrsache Feuer aus. Bei dem starken Wind hätte der Brand leickst einen größeren Umfang annehmen können, wenn nicht unsere Ortswehr, der die Feuerwehren von Gr.-Altenstäbten, Königsberg, Erda, Mudersbach und Frankcnbach zu Hilfe geeilt waren, mit allen Mitteln dem Brande Einhalt getan hätte. Nach mehrstündigem Bemühen konnte das Feuer gelöscht werden. Verbrannt sind die Scheune, die Schweineställe und ein Teil des Hauses, und auch die Frucht- und Futtervorräte/wurden ein Raub ber Flammen; dagegen gelang es, die Tiere in Sicherheit zu bringen.
Luftsehiffahrt.
Verschollener Ballon.
Kassel, 21. April. Der Ballon „Ilse", der gestern früh um 3410 Uhr auf dem Forst bei Kassel unter Führung des Kaufmanns Weiland vom kurhessischeu Verein für Luftschiffahrt aufgestiegen ist, gilt seitdem als verschollen. Die Nachbarort- schasten sind um Hilfe bei den Nachforschungen ersucht worden.
Frankfurt a. M., 20. Slpril. (Kriegsmäßige Ballon- versolgung.) Der Frankfurter Verein für Luftfahrt und der Frankfiirter Automobilklub veranstalteten heute mit llnterftüfeung des Generalkommandos des 18. Armeekorps eine kriegsmäßige Ballonverfolgung. Leider war die Veranstaltung durch das schlechte Wetter sehr beeinträchtigt, so daß die Flieger, die von Dannstadt aus auf Euler-Apparaten sich an der Ballonverfolgung beteiligen wollten, abgesagt hatten, ebenso wie das Luftschiff „Viktoria Luise", das als Beobachtungsschiff dienen sollte. Die Füllung der Ballons, die von Mannschaften des 81. Infanterieregiments gehalten wurden, begann um 9 Hhr vormittags. Hm 10.55 Hhr stieg als erster der Ballon „Hansa" unter Führung des Assessors Dr. Landmann auf, ihm folgte einige Minuten später Ballon „Mönus", Führer Oberleutnant Meurer. Hnteressen hatten Regen und ein heftiger Wind eingesetzt, der eine Zeit- lang den Ballon „Tillie II", Führer Herr Julius Hahn, gefährdete und ihn hin- und herwarf, so daß die Mannschaft Mühe batte, ihn zu halten. Es folgten bann die Ballons „Justitia", Führer Herr Bertold Jefsel, „Taunus", Führer Herr Max Korn, „Hessen", Führer Hauptmann Stuhlmann, und „Frankfurt', Führer Robert Marburg. Dieser letzte, der um 12 Hhr aufstieg, war ber größte von allen unb hatte vier Personen an Borb. In ben oberen Luftschichten herrschte eine ruhige Luftströmung unb fast alle Ballons, die eine südwestliche Richtung eingeschlagen hatten, blieben lange sichtbar. Eine große Menschenmenge ivohnte dem interessanten Schauspiele bet. Ungefähr 27 Automobile beteiligten sich an ber Verfolgung. Von ben Ballons würbe nur ber Ballon „Frankfurt", Führer Herr Robert Marburg, von bem ihn verfolgenben Automobil des Herrn Wilhelm Kieper als ersten erreicht. Der Ballon war bet Großenhausen in einem Baume hängen geblieben. Der Führer erklärte sich für ergeben, ber Ballon wurde durch Beilhiebe befreit. Tie übrigen Ballons landeten nach ungefähr zweistündiger Fahrt in ber Nähe Frankfurts.
Frankfurt a. M., 21. April. Ter Ballon „Frankfurt" (Robert Marburg als Führer) setzte, naebbem1 er aus dem Baume befreit worden war, seine Fahrt fort und landete um Vs4 Hhr in ber Nähe von Burgsinn in UnterfranFen, glatt.
Paris, 21. April. Aus Neuschatel in ber Schweiz wird gemeldet: Ein französisches Militärflugzeug, welches von einem französischen Offizier namens Gaubert in Uniform gelenkt wurde, landete gestern abend auf der 5)ochebene bei Sabre b ei Neuschatel. Der Militärflieger war gestern früh in Js (Dev. Ober-Marne) aufgeftiegen unb nach einer Zwischenlandung in Dijon weiter geflogen, um in Belfort zu landen, verfehlte jedoch den Weg und überflog, von Wolken cingehüllt, den Murten-, Bieler- unb ben Neufchoteler .See unb


