Drittes Blatt
M. 67
163. Jahrgang
Grfcheinl täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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in dieser Beziehung auf ihre Pflichten verweisen
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ein Automat, der gegen Entrichtung von 10 Pf. gewisse Ingredienzien der Gesichtspflege abgab. Auch das hat seht ru/gehört, so daß es überhaupt für jeden reinlich empfindenden Menschen unmöglich ist, sich der Waschgelegenheit in unseren Hauptbahnen bei Eilzügen zu bedienen. Es ist
wirtlich wünschenswert, das; in dieser Frage einmal ein gehöriger Truck der öfsentlichen Meinung ausgeübt wird. Auch der Verein zur Wahrung der Reiseinteressen täte gut, sich dieser Frage einmal anzunehmen.
Donnerstag, 20. Marz 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen «Iniversitäts - Blich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
politische Tagesschau.
Eisenbahnverwaltung und Hygiene.
Die vor zwei Jahren in Dresden abgehaltene Internationale Hygiene-Ausstellung sollte den Kulturvölkern zeigest, welche Bedeutung die Hygiene für die Gesundheit und damit für das Wirtschaftsleben der Völler besitzt. In erster Linie waren es die Regierungen der Kulturstaatcn, die sich an dieser Ausstellung! beteiligten. Inwieweit sie iroit Wirkung auf die Erziehung der Rationen geworden ist, läßt sich bisher noch nicht absehen. Das eine aber steht jedenfalls fest, daß sic aus die Eisenbahnvcrwaltungen in Deutschland eine erzieherische Wirlung nicht ausgeiibt hat! Ist es nicht im höchsten Maße unhygienisch, wenn beispielsweise in den Ei l zü g e n der deutschen Bahnen selbst in deir höchsten Klassen weder Seife noch Handtuch in den Waschrciurneu zur Verfügung gestellt wird? Auf den D- Zügen hat man sich zu dieser Leistung entschlossen, die man äber dem Benutzer der Eilzüge versagt, obwohl es doch dieselben Menschcnklassen sind, die beide Züge benutzen, je nachdem es einem gegeben ist, den D»-Zug zu erreichen oder sich eines Eilzuges bedienen zu müssen. Die Ersparnisse aus einer derartigen Versagung der einfachsten hygienischen Mttel können doch gar nicht in Betracht kommen gegenüber dem Zweck, der damit erreicht werden soll.
Es würde wünschenswert sein, wenn man 'sich in den Landtagen einmal dieser Sache annehmen und die Regie-
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Die „Gießener Kamilienblijtter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das «Xr<is6latt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Leit' fragen" erscheinen monatlich iroeimeL
lultätsprüfung an der Landes-Universität Gießen genehmigt, daß künftig die Inhaber des Reifezeugnisses eines deutschen Realgymnasiums von der Ablegung der seither vorgeschriebenen Ergänzungsprüfung im Lateinischen in )em Falle befreit sein sollen, wenn sie nach dem Ausweis ihres Reifezeugnisses als Schüler des Realgymnasiums in den Klassenleistungen und in der Reifeprüfung den Anforderungen im Lateinischen ohne jede Einschränkung genügt haben. Die diesen Anforderungen entsprechenden Inhaber solcher Reifezeugnisse haben sonach fernerhin nur eine Ergänznngsprüfung im Griechischen b-ei einem Gymnasium abzulegen. Die Oberrealschulabiturienten können die für sic vorgeschriebene Ergänzungsprüfung auch in der lateinischen Sprache nach wie vor nur an einem Gym- nasium äblcgen. — Denn wenn auch bei den Oberrealschulen wahlfreier Lateinunterricht eingcführt ist, so sind doch die Klassenleistungen eines Realgymnasiasten im Lateinischen höher einzuschätzen wie die bei einem Oberreal schüler geforderten.
** Nur kein Techniker! Die Berufswahl ist stets eine weittragende Entscheidung und macht häufig den Eltern große Sorgen, da hiervon das Lebensglück ihrer Kinder abhüngt. In erster Linie muß vor Ergreifung eines über füllten Berufes dringend gewahrt werden. Hierzu gehört vor allem der Technil'erberuf, egal ob mittlerer oder akademisch gebildeter Techniker. Einige Beispiele seien aus der Praxis hier angeführt. Allen Zeitungslesern wird die Entlassung sämtlicher hessischer Bau-Aspiranten (etwa 70, im Alter von 30 bis 48 Jahren, sowie der Regierungs-Baumeister noch im Gedächtnis sein. Dies war eine Folge hessischer Sparsamkeit, die nur die Techniker traf, während alle anderen hessischen Anwärter und Aushilfen im Staatsdienste bleiben konnten. So fanden ebenfalls in neuester Zeit größere Entlassungen von Technikern auch bei der badischen Eisenbahn statt und sind für nächstes Jahr daselbst noch weitere Entlassungen von Techniiern ungesagt. Bei der Köuigl. Preußischen und Großh. Hessischen Eisenbahngemeinschaft "mnen im vergangenen Jahre ebenfalls Entlassungen von Technikern vor. Solche Entlassungen sind bei sämtlichen anderen Beanrtenkatcgorieu wie z. B. Finanz-, Verwaltungs-, Justizanwärtern, Lehrern uftu. niemals zu verzeichnen gewesen und seien hiermit die Ettern dringend gewarnt ihre Kinder ja in den ersten 5 bis 10 Jahren nicht den Technikerbcruf ergreifen zu lassen, da dieser sehr überfüllt ist und eine vollständig unsichere Existenz bietet. Außerdem muß der mittlere Baubeamte die längste Ausbildung Nachweisen. Derselbe kann im günstigsten Falle erst im Alter von 221/? Jahren das Staatsexamen ablegen, während alle übrigen Anwärter, z. B. des Finanz-, Verwaltungs- ,und Justizfaches schon dasselbe mit 20 Jahren ab le gen können und alsdann, in der Lage sind, ihren Unterhalt zu verdienen. Die Anwärter der Lehrer blichen schon nach 19 Jahren Bezahlung. Rur die Anwärter des mittleren Baufaches können erst im Alter von 22V, Jahren auf einen Verdienst rechnen und müssen deren Eltern usw. 21/» bez.w. 31/» Jahre länger für den Lebensunterhalt ihres Sohnes aufkommen. Trotz alledem sind die Besoldungen der mittleren Bau.bca.mtcn geringer als die der Finanz-, Verwaltungs- und Gerichtsbeamten. Jeder Leser wird gebeten, vor Ergreifung des Technikerberufies zu warnen.
*’ Kontrollbücher für die Viehhändler. Das Ministerium des Innern hat zur Ausführung des Reichs- Viehseuchcngesctzes bestimmt: Ais gültige Kontrollbücher der in Hessen wohnenden Viehhändler sind nur diejenigen an- zusehen, die bei der Polizeibehörde des Wohnsitzes des Händlers
Die hohen Vilderpreise.
Julius Meier-Gräfe (Berlin).
der gegenwärtigen Bildcnnärkte schnellen unge- Höhe. Hierüber veröffentlicht nun der bekannte
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^g>51. 9leba(tion:e=a^ll2. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
Von
Tie Preise heuerlich in die
Die Linweihunq 6es völkerschlachtdenkmcil; bei Leipzig
die Krönung der Jubelfeiern des nationalen Gedenkjahres 1913, findet am 18. Oktober d. I. statt im Beisein des Kaisers und des Königs voll Sachsen, sowie vieler anderer deutscher und außerdeutschcr (österreichischer und russischer) Fürstlichkeiten. Der Fe st platz wird Raum für 60 000 Personen bieten, außerdem werden unmittelbar an das Denkmal Tribünen mit 4000 nummerierten Sitzplätzen gebaut. Von diesen Tribünenplätzen sind über 500 bereits fest vergeben und auch für die übrigen zur Verfügung stehenden Plätze haben zahlreiche Eiuzel- Personeil und niete Militär-, Turn-, Schützen-, Gesangvereine und ähnliche patriotische Gesellschaften schon feste Zusage zur Teilnahme an der Feier gemacht. — Offizielle Einladungen ergehen nicht, dagegen kann jeder deutsche Mann und jede deutsche Frau gegen Lösung einer Festkarte an der Feier teilnehmen, der Preis für eine solche einschließlich der zur Ausgabe gelangenden reich ausgestatteten Festschrift und der bronzenen Festmünze und einmaligen Besuchs des Denkmals ist für Einzel-Personen aus 5 Mark, für Mitglieder von Vereinen, die geschlossen auftreten, ans 3 Mark festgesetzt. Tribüncnsitzplätze kosten einschließlich der Festkarte 105 Mark. In der Zeit vom 18. bis 20. Oktober d. I. wird der Besuch des Denkmals seitens der Festteilnehmer so stark sein, das; anderweitige Besucher an diesen Tagen keinen Zutritt werden finden können. Es empfiehlt sich, A u m c l d u n - gen zur Teilnahme au der Feier so zeitig wie nur möglich zu machen, zumal, da die Plätze aus den Tribünen nach der Reihenfolge der eingehenden Anmeldungen vergeben loerben. — Anmeldebogen für Einzel-Personen und für Vereine sind M beziehen von der Geschäftsstelle des Deutschen Patriotenbundes, Leipzig, Blücherstraße Rr. 11, die auch jede nähere Auskunft bereitwilligst erteilt.
Kunstschriftsteller Julius Meier-Gräfe eine interessante Studie in der Zeitschrift „Kunst und Künstler" (Berlin, Verlag Bruno
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bezeichnenderweise „Gute Rase" genannt, gehört dazu. Ter Besitz dieses Organs bedingt keine tiefere Empfindung, verträgt sich sogar mir erstaunlich primitiver Gesittung. Die östlichen Regionen unseres Erdteils produzieren Sammler, mit denen man nicht gut ohne Regenschirm frühstücken kann rmd die fabelhafte Bilder besitzen, und ein junger Deutscher, der vor kurzem die Rue .Laffitte mit uamlwften Käufen beglückte, kann nicht annähernd orthographisch schreiben.
Ein einziger Sammler kann unter Umständen den ganzen Markt für die gesuchten Werte steigern. Als der Prinz von Wagram vor 'einigen Jahren binnen Wochen für mehrere Millionen moderne Bilder kaufte, sticaen die abgelegcnften Dinge. Bei einem Hä Mer in der Rue Lafitte war der Prinz mehrere Eezanne zu hohen Preisen schuldig geblieben. Nach ein paar Monaten, als ihnr die Geldmittel ausgingen, suchte er ben Kauf rückgängig zu Machen und fand freundlichstes (Sntgegenfonnncii. Denn inzwischen waren die Preise infolge feiner Kaufe so gestiegen, daß der Händler seine Cezcmnes viel vorteilhafter loswerden konnte. Es wurde auch behauptet, der ganze Prinz Wagram sei eine lEr- findung der Rue Laffitte, ein Gerücht, das durch die Assoziation des Prinzen mir einer anher en Firma eine gewisse Bestätigung fand. Im allgemeinen, nameirtlirf) bei großen Nationen, wird im Druat mehr bezahlt, als bei dem Händler.
Ein Ring, von dem immer gesprochen wird, besteht in Wirklichkeit nicht. Das gemeinsame Interesse verbindet die Händler auch ohne besondere Konventionen. Im übrigen sucht jeder Händler Möglichst viel und möglichst hoch zu verkaufen und Dient feinen Kunden lieber als bem1 Konkurrenten. Der Pariser Kunsthändler ist im allgemeinen feljr ehrlich und so kirlant wie die großen Pariser Warenhäuser und alle nfoberneit Pariser Detailgeschäfte. Das gilt nicht nur von den großen Firmen, deren Korrektheit schon vorn' Geschäftsinteresse diktiert wird, foitbem auch von den kleinen Budiken.
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— Die Ausgrabung der Ba si l i ea aus dem Fo- r u ni1 Romann m. Tic 179 v. Ehr. erbaute Basiliea Aemilia auf dem römischen Forum, nach bereit Zerstörung nur noch wenige schöne Marmor^eile von der Bedeutung dieses großartigen Baues zeugten, ist eins Der wickstigsten Denkmäler, über die durch die neueften i'lusgralmngen Klarheit geschaffen werden sollte. Man wußte nur, daß die große Basilica in den ersten Jahren des 5. Jahrhunderts durch eine Feuersbrunst beschidigt worden war, und glaubte, daß die Front dMirch zerstört worden sei, so daß man die dorischen Pilaster mit den noch jetzt erhaltenen Granit- säulen hätte unterstützen müssen. Die Untcrfudjungen. des Archäologen Alfonso Bartoli haben nunmehr, wie Fedettgo Her man in in der Kunstchronik mitteilt, zu bedeutsamen neuen Ergebnissen geführt. Nach d'-stn Feststellungen ist die Frontmauer erst in einer späteren Ze-- v^ngefallen: ihre Materialien bedeckten die ganze Oberfläche der Basiliea, so das' Die nach antiken Sckstitzeii suchenden Gelehrten der Renaissanee onrch diese schwere Decke keinen Weg in das Innere finden konnten. Diese Decke läßt sich in drei Schichten teilen, aus denen klar hervorgeht, daß die Bajikica rmJ 5. Jahtzhundett den erwähnten Brand erlitt und das
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Dach dadurch zerstört wurde, so daß man die große Halle verlassen mußte. Die große Laube mit Den drei Säulen blieb jedoch aufrecht stehen und wurde bann erst zum Teil durch Abtragungen zerstört. Bartoli hat nun zwischen den Pilastern der Front kleine ein- gemauerte Zimmer entdeckt, wahrscheinlich Kaufläden des Mittelalters. Mer unter ihnen kam am äußersten Ende der Basilica ein größerer Raum zum Vorschein mit Marmor- und Stuckdekorationen an den Mauern, an denen hier und da schwache lieber« reftc von Malet eien erscheinen. Dieser Raum wird als mittelalterliches Oratorium gedeutet, das wohl im 7. Jahrhundert ent« standen ist. Vielleicht ist Die Kirche, Deren Trümmer hier auf dem Grunde der alten Basiliea aufgefunben wurden, die Kirche S. Johannis in Eampo, die noch im 15. Jahrhundert bestand.
— Die amerikanischen Ausgrabungen am Nil. Die großen Ausgrabungen, die int Mftrage des New Parker Metropolitair-Musenms unter Leitung De» Kurators Der ägyptischen Abteilung, Albert Lythgoe, auf Der westlichen Seite des Niltales vorgenommen wurden, sind jetzt abgeschlossen. Die Arbeiten, Deren Ergebnisse Pierpout Morgan in Den letzten Wochen als Direktor des Metropolitan-Museums besichtigte, erstreckten sich über 2 Jahre. Das wickstigstc ist Die Freilegung des bei Luhor liegenden Palastes des Amenhotep III., Der etwa im 14. Jahr- hunDert v. Ehr. in Aegypten herrschte. Außer Dem1 Paläste wurde eine ganze Sicäielung von altägy puschen Häusern und Läden freigelegt. Die bei Dem1 Bau des Königspalastes venutten sonnen- getrockneten Backsteine waren mit Dem Namen Hm g De-3 Königs abgestempelt unD tragen auch den Namen des Schlosses, das das „Hans Der Freude" genannt wurde. Besonders reich ist die Ausbeute an polychromen Töpfereien und kostbaren altägyptisdien Manuskripten.
— Bode über den neueu van der Goes. Nachdem die spanische Regierung mnr endlich die Ausführung des von Bode^ für das Kaiser-Friedrich-Museum erworbenen berühmten GemÄdes von Hugo van der Goes gestattete, hat ein Mitarbeiter des Neiv Pork Herald Bode aufgcsnckst. Der Generaldirektor der preußischen Kunstsammlungen ist mit Der für Deutickstand so erfolgrcick>en Lösung Der Schwierigkeiten sehr zufrieden, aber Glückwünscku Möchte erZie'ber doch erst entgegerrnehmen, wenn das Bild wirklick lpnl und imversehrt in Deutschlaird eingetroffen ist. „Ich kaufte Die „Anbetung bei- Könige" im Mai 1910" erzählte Bode, „und ahnte' damals nicht, wieviel Schwierigkeiten erstehen würden, bis wir das Bild wirklich bekommen tvürden. Ein Hindernis uacks dem anberen tauchte auf: und bei alledem hatten wir die EinKüsfe eines gewissen Shndilätes zu bekämpfen, das verzweifelteZ'Olnsttengungen machte, das Bild für einen amerikanischen Millionär zu erlangen. Wer dieses Getnälde loollte ich für das Kaiser-Friedrich-Museum: sicherstellen." Der AitterikMler hebt die #tije Entschlossenheit hervor, mit der Bode Den Deutscher Anspruch/ Durchgesetzt habe: „sie ist charakteristisch für DaS gaity* Wirken dieses Mannes, Der das Kaiser-Friedrich Museum zu dem gemadrt hat, was es ist, zu der drittgrößten unD am biltere ge- orbneteji Galerie Deutschlands. In ihrer Ausgeglichenheit und ihrer Vollzähligkeit Der Samimüutgen Der verschiedenen Schulen steht diese Galette nur der englischen Natimml-Galette nach.";
Aus Stadt und Land.
Gießeit, 20. März 1913.
Aerztliche Hilfe auf dem Lande.
Die Korrespondenz des' Verbändes der Aerzcke Deutschlands schreibt uns: lieber mcingalhafet Besetznny des platten Landes mit Aer^ten ist schon vielfach und neuerdings wieder in Den Parlamenten geklagt worden. Diese Verhältnissei werden sich aber noch verschlimmern, wenn am 1. Jan. 1914 die neue Krankenversicherung in Kraft tritt. Der Grund dafür, daß sich vcrhälttrismäßig so wenig Aerztc auf dem Lande niederlassen, liegt in erster Linie in den geringen Aussichten auf einen auskömmlichen Erwerb und die Landflucht der AerM würde noch einen viel größeren Umfang annehmcn, wenn bisher die Landärzte sich nicht wenigstens noch auf einige Privatpraxis stützen könnten: das roirbi sich aber vom nächsten Jahre ab vollständig ändern, weil nähern die gesamte landw. Bevölkerung den Krankenkassen zugeführt wird. Versicherungspslichtig sind dann alle in der Landwirtschaft 'beschäftigten Arbeiter, Dienstboten, Hofmeister usw., versicherungsberechtigt sind außerdem alle Familienangehörigen des' Arbeitgebers, die ohne eigentlichen Arbeitsverdienst und ohne Entgelt in seinem Betriebe tätig sind, ferner alle BettiebsinHaber, welche regelmäßig keine oder höchstens' zwei Versicherungspflichtige beschäftigen. Alle diese Personen dürfen so lange in Der Krankenkasse bleiben, bis ihr Jahreseinkommen nachweislich 4000 Mi. übersteigt. Das unter solchen Umständen die ärztliche Privatpraxis auf dem Lande verschwinden muß!, ist selbstverständlich. Bei den lveiten Entfernungen, die Der Arzt auf dem Lande zurücklegen muß, kann bei* Landarzt heutzutage ohne das teuere Fuhrwerk aber Auto feine Praxis gar nicht betreiben. Dazu kommt, daß sich' bei den Behörden immer mehr die Gepflogenheit einbürgert, Impfungen, Leichenschau und die Gutachtertätigkeit für Berufsgenossenschaften, Landesversicherungsanstalten und Angestellten-Ver- sicherung den praktischen Aerzten zu entziehen und den Kreis- ober Bezirksärzten zu übertragen, b. h. bem Landarzt die Nebeneinnahmen, auf die er angewiesen ist, zu Verringern. Bedenkt man noch die Schwierigkeiten und die hohen Kosten der Kindererziehung, den Verzicht auf städttsche Genüsse und BiDungsmöglichkeitcn, schließlich die großen körperlichen Sttapazen, Denen der Landarzt ausgesetzt ist, so muß man sich wundem, Daß die Dinge nicht noch weit schlimmer liegen, als es jetzt schon der Fall ist, und das alles, obwohl tatsächlich in Deutschland ein sehr erheblicher Ileberflnß' an Aerzten vor landen ist. Dieser lieber slußi kann aber nur Dann auf das Land abgeleitet werden, teenu sich Die Gemeinden, die sich: einen Arzt erhalten wallen, zur Zahlung eines auskömmlichen Zuschusses für eine Reihe von Jahren verpflichten, wenn ferner Die Versicherungs- bchörden auf eine angemessene Entlohnung Der Aerzte durch Die Krankenkassen hinwirken. Eine weitere Erhöhung der Gesamtzahl Der Aerzte, Der von verschiedenen Seiten das Wort gereDet wird, hätte lediglich eine Zunahme des Heeres Der beschäftiaungs- und erwerbslosen Aerzte in den Groß^ ftäbten zur Folge, eine sehr unerfreuliche Erscheinung, womit niemand gedient ist.
*
** Theologische Prüfungsordnung a n der Landes Universität. Das Ministerium des Innern hat eine Aendemng der Ordnung für Die theologische Fa-
Cassirer).
In Der UingenDcn Anerkennung eines Daumier in der großen llmwälzung, Die Den Impressionisten bis auf anscheinend so unzulängliche Meister >vie Eezamre gelang, Tonnte man geradezu eine proDuitive Tätigkeit Des üunstmarkles erkennen. Und nach den Entscheidungen, Die Der Markt bis heute getroffen hat, Darf man annehmen, Daß er Das, was noch Der Verurteilung wartet, ;um Beispiel Die in ansck KnenD unangreifbaren Burgen versckronzte Modemaleiei des englischen Jahrhunderts, eines Tages tiefer hängen und einen Hoganh Die materielle Anerleimung vettchaftm ivird, die ihm heute Engländer Dritten und vierten Ranges streitig machen; Das; er besser zwischen einem Turner und einem Constable und zwischen Belasguez unD Greco unterscherDen lernt. Auf bem1 mittelbar mäcktigsten Markt, in Paris, Dürfen schon heute große Irrtümer in Der materiellen Wertung einer Kunst — nicht eines einzelnen Werkes — als Ausnahmen gelten.
Von London gilt, abgesehen von Der einheimischen Kunst, dasselbe Paris unD London Diktieren Den anderen Ländern. Tie Verttnigten Staaten, lange Zeit Der gefällige Konsument alles in Europa Entwerteten, ist zum finanziellen Hauptsaktor für Die vornehmsten Güter Europas geworden, raubt uns Die kostbarsten Holländer und Spanier, hat auf Dem Gebiet Der ost- afiatifchen K unst längst Europa übmflügelt, und besitzt einen losmopolitiicheii Sammlertstpus einziger "Art. Galetten, wie Die bon Havegcyer, in Der Die schönsten Werke von RembranDt, Greco und anDeren alten Meistern neben beit besten MlDern von Manet und Degas hängen, gibt es bei uns so gut wie nickt. Dre mässcn- l,afte Häufuna von Xivftbarleitcn und Seltenheiten aller nur erdenklichen Art ä la Picrpont Morgan entzieht sich unseren Vcr-
bleibt dahingestellt, ob Deshalb Amettka für kultivierter zu gelten hat als vor dreißig Jal-ren, da man Drüben einen bedenklichen Kultus bet Achenback und Krönet trieb. Nächstens wird Argentinien Eberlein überwinden und zu Rodin übergehen, und womöglich wird es einmal bei Den nieirscheiifresscnDen Polvnesiern Mode,' nad: Der Mahlzeit Bilder von Matisse zu sich zu nehmen.
Man kann vielerlei aus den materiellen Daten folgern, nur nichts Ideelles. Kultur hat mit Dem Kauf unD Berkaus von Kirnst gar nichts zu tun. Es gehört nicht zum minDejten ein höherer Mensch dazu, um gute Bilder von schlechten zu unteridKibcn. Das Dienstmädchen von Reiwir, Die brave Gabriele, Hai eininil in meiner 5>egenwart die Unechtheit eines Bildes konstatiert, das Renoir selbst für echt gehalten hatte. Henri Quarts Portier besaß in seiner Loge eine stattliche Sammlung von Daumier imb Corot, Die er int Hotel Dvouvt bei guter Gelegenhett erworben hatte, und es gibt sogar unter Den .Kunsthistorikern Leute, Die etwas von Kunst verstehen. Ein gewisser Flair, pollstüpchich
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