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26.5.1913 Erstes Blatt
 
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Nr° 120 Erstes Blatt GZ. Jahrgang Montag, 26. Mai <915

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MW General-Anzeiger für Oberheffen ßMM toTS^gesnmnmec Rotations-ruck und Verlag der Vrühl'schen Umv.-Buch- und 5teindru6erei R. Lange. Nedaktion, Expedition und Druüerei: Zchulstratze 7. rath; fürStabt und bis vormittags 9 Uhr. Vudingen: zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Vahnhofstrahe I6a. A^eigentZ: 'H." Beck.

Die heutige Nummer umsatzl 10 Seiten.

Tageskalender aus dem Jahre 1813

2 6. Mai. Siegreiches Gefecht der preußischen Kavallerie gegen die Franzosen bei Haynau, unweit Liegnitz.

Ueber das Schicksal der Wehrvorlage und der Deckungsgesetze

schreibt man uns aus Abgeordnetenkreisen:

Der Budgetansschuß des Reichstags will die erste Lesung der Wehrvorlage am Dienstag oder Mittwoch nächster Woche beenden und die zweite Lesung sofort anschließen, damit Anfang Juni das Vlenum in die Einzelberatung der Wehrvorlage eintreten kann. Von dem Plane, zunächst nach Erledigung der ersten Lesung der Wehrworlage in die erste Lesung der Steuergesetze einzutreten, hat der Budqetausschuß Abstand genommen. Zwischen den Vertretern der Fraktionell im Ausschuß hat man sich in dieser Richtung jetzt endgültig verständigt. Die Mitglieder des Vudgetausschusses haben in den beiden letzten Tagen ihrem Erstaunen Ausdruck verliehen, daß in der Presse über die Beschlüsse und ihre Beweggründe falsche Vorstellungen verbreitet worden sind. Ter Ausschuß hat pflicht­schuldig alle Fragen besprochen, Konfliktsstimmling hat trotz mancher lebhafter Erörterung niemals geherrscht. Man nimmt auch nicht an, daß Zentrum und Sozialdemokratie Hand in Hand arbeiten werden, sondern glaubt bestimmt, daß die Regierung das Zentrum nach wie vor als Hauptstütze seiner Wehrsorderungen betrachtet. Nationalliberale und Zentrum haben sich mit der Regierung in den letzten Tagen verständigt und allgemeine Richtlinien für die weiteren Arbeiten festgelegt. Die Besprechungen der letzten Tage, die am Dienstag und Mittwoch nach Anhörung der Fraktionell fortgesetzt werden sollen, galten in erster Linie den Deckungsgesetzen. Eine allgemeine Verständigung zwischen dem Zentrum und der Linken steht nahe bevor. Wahrscheinlich wird die Matrikularerhöhung durch eine Reichsvermögenssteuer ersetzt werden. Eine vollständige Verabschiedung der Steuergesetze im Juni ist nicht geplant. Die Fraktionen werden sich ans einer Grundlinie verständigen; der einmalige Wehrbeitrag soll verabschiedet werden; die übrigen Deckungsvorschläge auf den Herbst vertagt werden, nach­dem die Grundlinien festgelegt sind und die Regierung die Vor­legung eines Reichsvermögenssteuerentwurses für den Herbst zuge­sagt haben wird. Im Prinzip soll die Deckungsvorlage im Juni noch gelöst werden, der gesetzgeberische Formenguß erfolgt jedoch erst im Herbst. Die Konservativen stehen vorläufig diesem Plane noch als Gegner gegenüber. Man nimmt an, daß die Wehrvor­lage vom Zentrum und den liberalen Parteien angenommen werden wird und daß die Regierung mit der gleichen Mehrheit, der sich auch die Reichspartei und die wirtschaftliche Vereinigung anschließen werden, die Teckungsfrage endgültig gestalten wird. Der Reichstag will die Wehrvorlage, den Entwurf über den Wehrbeitrag im Ium erledigen, sich bis spätestens Ende Juni über die Behandlung der meieren Deckungsvorschläge verständigen und Anfang November feine Arbeiten wieder aufnehmeu.

In der kommenden Woche wird das Plenum des Reichstags die Anfrage über die reichsländischen D i k t a t u r g e s e tz e besprechen und einige kleine Gesetze (Staatsangehörigkeitsgesetz, sfngendgerichte ?c.) beraten. Der Aeltestenrat wird einen Arbeits­plan in den nächsten Tagen aufstellen.

Die Weiterberatung im vudgetaurschnh.

:: Berlin, 24. Mai.

Der Budget ans schuß dos Reichstags setzte die Beratung des Ergänzungsetats beim Kapitel von den höheren Trup­pe n b c f e h l s h a b e r n fort. Es werden verschiedene n eueIn­spektionen, besonders bei den Verkehrstruppen an­gefordert. Zur Begründung einer neuen der achten Armee­inspektion in Berlin wird angeführt, daß bei den wachsenden Schwierigkeiten der Armeesuhrung auch im Frieden in größerem Maße auch auf die Armeeverbände Wert gelegt werden müsse. Während der Armeeinspekteur bewilligt wird, be­im tragt der Berichterstatter, statt vier Kavallericbrigadekomman- heirren Mei zu bewilligen, entsprechend der Streichung der Hälfte der geforderten Kavallerieregimenter. Es werden zwei bewilligt. Sollte in der zweiten Lesung oder im Plenum eine Aenderung des Beschlusses über die Kavallerieregimenter erfolgen, so würden dann die entsprechenden Folgerungen auch an dieser Stelle ge­zogen werden.

Die übrigen Inspektionen werden ohne Erörterung bewilligt, einschließlich zwölf Landwehrinspekteure.

Auch über das Kapitel der Gouverneure ist die Ver­handlung vertraulich. Der Gouverneur für Grau - de uz wird gegen d i e Stimmen der Sozialdemo­kraten und der Vo lkspart ei bewilligt.

. , Das Kapitel von den Adjuta nturvffizieren und Offizieren in besonderen Stellen wird mit Streichung zweie r Nittmei si e r ohne «Erörterung bewilligt und ebenso ohne Er­örterung die Kapitel Generalstab und Landesvermessungswesen, lotoic das von den Ingenieur- und Pionieroffizieren.

Das Kapitel von der Geld Verpflegung der Trup­pen enthält n. a. den größten Teil der Mehrforderungen an Offizieren und Unteroffizieren. Hierzu liegen Mehrere Streichungs- Md andere Anträge vor: Zunächst der Antrag Erz berg er. Der bereits in der -Oeffentlichkeit bekannt ist. Neben fünf Jn- tmdanturräten und zwei Jntendanturassessoren und acht Kriegs­gerichtsräten, acht Militärgerichtsschreibern und sechs Militär- in^'^Keibergehilsen ancn finanziellen Folgerungen sollen 10 08 Leutnants von den angesorderten 1538 gestrichen wer- brn, dreizehn Regimentsko mmandeure und 1044 Unteroffiziere von 8607; überall mit allen Folgerungen.

Die Volkspartei beantragt für den Stab jedes Jn- tmterieregiments einen Oberstleutnant, zwei Majore, zwei Haupt- leutc und einen Oberleutnant zu bewilligen, die übrigen zu streichen, und stellt ferner einen Entschließungsantrag, wonach von den, für 1914 zu fordernden LeutnajntSstellen b1 e Hälfte mit gehobenen Unteroffizieren (Feld­webel leu tnan ts) zu besetzen sind.

Ein weiterer Antrag Erzbergers will die Dienft- f'Vnicn für Unteroffiziere, die aus dem Heere aus- stynden oder in Stellen von Offizieren und Beamten der Militär- ; Eintreten, nach neunjähriger aktiver Dienstzeit auf 1000 Mk., nach zwölfjähriger auf je 1500 Mk. bemessen, die Wlenftprämie im Todesfall den gesetzliclien Erben zahlen und 16 lAigenfalls über den Etat gewähren.

^Sozialdemokraten beantragen, Unteroffizieren das I Mritoen in Offtziersstellungen M ermöglichen.

erichter st alter v. Puttlitz führt aus, daß auch! steller imd Volksparteiler ab gelehnt, ebenso der Antrag der Volks bet Bewilligung aller Forderungen der Prozentsatz an Offizieren I Partei über die Feldldutnants.

weiblichen, wird

Montag wird an die sich die

s christlichen

abgelehnt.

Der Ausschuß bricht hier die Beratung ab. jedenfalls di e erftc Lesung erledigt sein, zweite Lesung unmittelbar anschließen soll.

Der Vorsitzende schlägt vor, von einer

gegenüber dem bisherigen Stand zurückgehe von 4% auf weniger ws 4%. Die Erörterung geht sodann wesentlich auf die An­forderungen von Offizieren für Kriegsforma­ttonen.

werden bewilligt. Ter fortschrittliche Antrag über die Besetzung der Schreibstellen durch Zivilisten, bezw. auch

Der Streichungsantrag des Zent »ums wird mit großer Mehrheit angenommen, M>mit sich der voltsparteiliche Antrag erledigt. Auch die 100 Ausgleichsstellen

Der Mitberichterstatter Erzberger betont, daß die Ver­legung der Hebungen des Beurlaubtenstandes entsprechend seinem Anträge für diese Offiziere dann eine ausgiebige Beschäftigung er­gebe. Es fei eine Notwendigkeit für die Kriegsformation, die wesent­lichsten Ofsiziersstellen schon im Frieden zu schaffen. Der Ab- str ich von 1008 Leutnants bedeute nicht eine ma­terielle Streichung. Es solle aber im Etat nur das enthalten sein, was nachher wirklich vorhanden sei. Nun sei es für das nächste Jahr ganz ausgeschlossen, daß alle Stellen besetzt werden könnten. Bis 1915 soll ein Bedarf von 4865 Offizieren eintreten. Der Andrang sei zwar erfreulich: 1912: 1742. Durch Schaffung neuer Kriegsschulen könne man auf 2000 rechnen; mit einem Abgang von 100 könne man aus 1900 plus 80 aus dem Kadettenkorps rechnen. Diesem Zugang stehe gegenüber der Abgang: nach dem Durchschnitt 548 mit Pen­sion, 169 ohne Pension, und 108 durch Tod, zusammen 825, also Zugang 1155 Leutnants gegen den Bedarf von 4865. Für vier bis fünf Jahre sei der notwendige Bestand nicht zu erreichen. Es würde sich also nur um einen papierneu Etat banbeln, und es solle kein russischer und kein französischerEtat sein. Daher der Streichungs­antrag. Aehnlich liege es bei den Unteroffizieren, wo 1644 zur Streichung beantragt werden. Bis zum Schluß des Etats­jahres könne man nur 7563 erwarten. Tie Kavallerie habe aber an sich genügend Zugang, aber gerade durch den Abstrich werde man erreichen, daß die nun zur Feldartillerie über gehen. Die 100 Ausgleichsstellen (Hauptleute statt Leutnants) für die dicnst- ästesten Oberleutnants seien zu begrüßen, die Mehrausgabe ivird eingespart, schon durch die Ermäßigung der Versuchskosten.

Der Vertreter der Sozialdemokratie beanstandet die neuen Stellen, die in Konsequenz bisheriger Beschlüsse gefordert worden, nicht weiter, bekämpft aber die Forderung von Offi­zieren für die Kriegsformation. Ein glatter Vergleich mit Frank­reich sei nicht möglich. Wir haben die riesige Zahl von Reserveoffizieren zur Verfügung; wir haben weiter eine kolossale Ueberlegcnljeit an Unteroffizieren. Die Forderungen rühren in Wirklichkeit nur daher, daß man die Avancementsverhältnisse verbessern wolle; dabei werde auf die Dauer die Stockung im Älvancement nicht beseitigt. Der Redner begründet im übrigen den Antrag, der das Aufrücken von Unteroffizieren in Offiziersstellen ermöglichen soll.

Dr. Müller-Meiningen begründet den Antrag seiner Partei. Für den Fall der Mobilmachung ständen noch 5000 bis 6000 Offiziere zur Verfügung, die im Frieden in solchen stellen sind, die mit der Mobilmachung anfhören oder mit inaktiven oder Offizieren z. D. besetzt sind. Der fortschrittliche Redner tritt dann für die Hebung der Unteroffizierstandes ein durch Errichtung von Feldleutnantsstelten, die durch hervorragende Unteroffiziere besetzt werden. Das sei im Interesse nicht bloß des Untevoffizierstandes, sondern auch der Zivilanwärter, des Avancements der jungen Offiziere.

General Wandel erklärt, daß man die Hebungen tun­lichst in die Wintermonate verlegen werde, daß man dies in Zukunft sogar noch in höherem Maße als bisher werde tun müssen, weil die Uebungsplätze usw. künftighin stark belegt sein werden. Was die Streichung von 1008 Leutnants nut) 1044 Unteroffizieren anfange, so bitte er dringend, davon abzusehen. Der Zugang von Offiziersaspiranten habe si ch in den letzteil Mo­naten wieder so gesteigert, daß die vielen Stellen rasch besetzt werden können; man habe gegen das letzte Jahr schon 122 Offiziersaspiranten mehr bekommen. Nach der Erhöhung des Mannschaftsstandes wäre es bodi richtig, wenn auch sofort die zugehörigen Offiziers stell en bewilligt würden. Gegenüber den Forderungen auf die Aufrückungsmöglichkeit von Unteroffizieren in Ofsiziersstellen möchte er bitten, es bei dem bisher Bestehenden äu lassen. Man habe diese Möglichkeit für die Fachtruppen bis­her offen gelassen, bei den Truppenoffizieren wäre es jedoch nicht zweckmäßig, denn eine ganze Anzahl Unteroffiziere würde wohl recht Brauchbares leisten, aber diese Leistungsfähigkeit schwinde mit dem Lebensalter sehr rasch dahin. Der aufgerückte Unter­offizier könne körperlich vielfach den Leutnantsdienst nicht mehr leisten. Das müsse ein jeder gewesene Soldat zugeben, daß die körperliche Beweglichkeit rasch nachläßt. Weiter spreche dagegen, daß diese Leute doch einmal in einen .Zivildienst übergehen sollen, und das wäre daun im höheren Lebensalter doch nur schwer möglich. Da es sich um verheiratete Leute handle, würde auch die Kostenfrage keineswegs günstig sein. Der sich ergebende Dualismus würde den Dienst nicht fördern. Dem fortschritt­lichen An t r a g gegenüber hebe er hervor, daß es von großer Bedeutung sei, die Stabsoffiziersstellen für Reserveformationen int Frieden zu^ haben; das Herausnehmen von Hauptleuten für die Besetzung solcher Stellen wäre unzweckmäßig, weil dadurch gcrabe in der Mobilmachung ein starker Wechsel eintreten würde. Trotz der Bewilligung würden immer noch zahlreiche Stellen fehlen, namentlich hei den Hauptleuten. Und doch wäre es hier besonders wertvoll, weil die Hauptleute die Truppe zusammen- balten müssen. Die größere Zahl von Unteroffizieren int Ver­gleich zu Frankreich biete uns keinen Ersatz. In Frankreich kommen zu den eigentlichen Unteroffizieren hinzu die sogenannten Caporaup von nahezu 50 000 Mann. Rechnet man die hinzu, o sei das Verhältnis sofort ein anderes.

Ein Nationalliberaler führt aus, daß der Zentrums­antrag kaum erheblichen Bedenken begegnen könne, denn er sei praktisch ohne Bedeutung. Was das Aufrückeu von Unter­offizieren angehe, so sei der gegenwärtige Augenblick nicht die Homogenität des O f f i z i e r ko r p s durch wiche Maßregeln zu durchbrechen, zumal dieseFeldleut - nan t s" ohnehin schon eine wenig erfreuliche Rolle spielen wür­den. Die Einberufung der Reservisten in den Wintermonaten iyarc zweckinäptg. Ein Z en trumsmi tgNed wendet sich gegen btc fortschrittliche Entschließung, die Schreib stellen in der Heeresverwaltung tunlichst nicht mit aktiven Mannschaften, son bern mit geeigneten Schreibbilfen au5 dem Zivildienst, unter Umjtainben a u ch weiblichen, zu besetzen und entsprechend int nächsten Etat die Zahl der Unteroffiziersstellen zu vermindern Dieser Antrag sei Praktisch unbrauchbar.

r , ^.Sozialdemokrat hält.den volksparteilichen Antrag, . betreffend die Schaffung von Feldleutnantsstellen für unmög- heb, denn dadurch werde nur eine unglücklickte Zwitterstellung Aschaffen Richtiger sei der sozialdemokratische Antrag. Der W^rstand dagegen rühre einfach daher, daß man die Ex klu- ) t v l t a t d es O f f i z ier korps ausrecht erhalten wolle.

-jn der Abstimmung wird der sozialdemokratische Antrag, betreffend die Hebung des Unterpffizierstandes, gegen die Antrag- "

; Berichterstattung über bie Beratung der Wehr- i Vorlage ab zu seh eu, da die Sitzungsprotokolle allen W- t geordneten zugegangen sind. Es sollen aber noch wichtige stati- , zugänglich gemacht werden. Der Kriegsminister erklärt sich da- stische Mitteilungen der Regierung möglichst auch dem Plenum j mit einverstanden. Nächste Sitzung Montag.

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Die Vermählung

der Prinzessin Viktoria Luise.

Bei fonnigent warmen Wetter wurde am Samstag nach^ t mittag die Vermählung der Prinzessin Viktoria Luise mit l dem Prinzen Ernst August vollzogen. Um 4 Uhr wurde : die Königliche Prinzessinnen krön e von einem Offi- zier und zwei Mann vom Regiment Gardes-du-Eorps bis an das dem Versammlungszimmer der Allerhöchsten Herr- ; schäften angrenzende Gemach geleitet. In diesem, dem . Chinesischen Kabinett, befestigte die Kaiserin auf dem : Haupte ihre Tochter die .Krone. Inzwischen sammelten sich > in der Schloß kapelle die geladenen Personen. Die Damen waren in der Robe de cour erschienen, die Herren in Gala, die Ritter des Schwarzen Adlerordens trugen die : Kette desselben.

Im Kurfürstenzimmer wurde die standesamtliche Eheschließung > durch den Minister des Königlichen Hauses Grafen A. zu Eulenburg vollzogen, worauf der Kaiser den Befehl : zum Beginn der kirchlichen Feier erteilte. Die Hofstaaten ' ordneten sich zum Zuge, der Oberzeremonienmeister ge- leitete die Herrschaften zu ihren Plätzen in diesem.

Der HochzeitLzug.

Der Zug bewegte sich durch den Rittersaal, den Ka- i pitelsaal, in dem die Schülerinnen der Luisen schule, weist gekleidet, mit Kränzen im Haar, Aufstellung genommen hatten, die Bildergalerie und den Weißen Saal nach der 1 Kapelle.

Beim Eintritt des Zuges in die Schloßkapelle, um 5 Uhr, sang der Domchor zum Beginn der Feier der kirch­lichen Vermählung:Herr, ich habe lieb die Stätte deines .Hauses" von Nicolai.

Die Traurede hielt Oberhof- und Domprediger DrHande r über den vom Brautpaar gewählten Text aus Römer 8, 28:Wir wissen aber, dah denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen." Er begann:

Ein Maien tag von Gottes Gnaden ist Khnen, hohes' Brautpaar, angebrochen. An derselben Stelle, an der vor 32 Jahren Ihr hohes Elternpaar den Bund fürs Leben schloß und kurz zuvor ein goldenes Paar dankend Lob- opfer brachte, geweiht zudem durch den hochzeitlichen Segen dreier geschwisterlicher Paare, wollen auch Die Treu zu­einander bis in den Tod geloben. Wohin Sie blicken, umgeben Sie glückverheißende Zeichen. Sie haben der Eltern Segen; freudig vertraut das Kaiserpaar seine lieb­liche einzige Tochter, die solange der Sonnenschein des Königshauses war, dem neugewonnenen Sohne. Und nicht minder freudig öffnen sich der erlauchten fürstlichen Eltern Anne und Herzen der geliebten Braut des einzigen Sohnes, Iber des Hauses Sonnenlicht blieb: und indem sich über das Glück ihrer Kinder die hohen Eltern und in ihnen zwei uralte Fürstenlstinser, die ruhmreich in die deutsche Ka'iscr- geschichte verflochten waren, einander herzlich die Hand reichen, umtost sie der Jubel des ganzen Vaterlandes? das darin ein von Gottes Fügung geschenktes Unterpfand für des Reiches Wohlfahrt und Eintracht sieht. Und wie be­glückend verdoppelt sich die eigene Freude durch die Anteil­nahme der hohen Gäste und Anverwandten des königlichen Hauses, an der Spitze die beiden mächtigen Herrscher be­freundeter Reiche! Führt den engeren' Kreis der Ver­wandten doch das fürstliche Silberpaar, das heute auf 25 Jahre des Segens und der Gemeinschaft zurücksieht. Der gleiche Erfolg ist dem jungen Paare zu wünschen. In den lauten stürmischen Jubel des Volkes aber, der vom Meer bis zu den Alpen alle Gauen des Vaterlandes durch­dringt, mischen sich im Stillen aber die kraftvollen Für­bitten treuer Christen, Ihre Namen vor Gottes Thron tragend.

Der Redner ging bann auf den tiefen Sinn des Textwortes ein, das eine Bedeutung habe insbesondere für den Ernst des Lebens. Er erinnerte daran, wie der Stamm­baum des Brautpaares zusammenlaufe in einer edlen Frau bie Hannover einst eine Königin, Preußen eine im tiefsten Kreuz bewährte Fürstin gab. Kami irgendeiner uns be­fugen, daß alles, auch das Schwerste 'zum Besten dient o ist es die Königin Luise. Eine Schranke freilich lmt das Sbort, eine Bedingung: Denen die Gott lieben wird alles zum Heile. Dunkle Schatten bleiben nicht aus sie werben nicht geringer, wenn die Aufgaben sich weiten und btc Verantwortung des fürstlichen Regiments auf die Schul­tern gelegt wird. Wer offen bleibt über uns der Himmel, au dem glaubensstark unsere Hand anklopfen kann Denen dient alles zum Heile! Bauen Sie, gnädigster Prinz, mit­einander ein Haus, in dem man Gott liebt, lassen Sie tra§ das Elternhaus Sie gelehrt, im eigenen Leben tu) fortsehen, getreu der Mahnung Ihres .üonfirnrations- pruches:Kämpfe den guten Kampf des Glaubens" und getreu dem Worte, das Ihnen beim ersten gemeinsamen Gottesdienst in Gmunden zugerufen wurde:Wohin, sollen