Wte Sohn ber Kaufmannswitwe Schwerter in Stuttgart, Alfred Schweizer, geboren am 20. Februar 1890 in Stuttgart, gab am 2. April 1909 an, er trete eine Stellung in Heilbronn an, reifte aber zu feinem Bruder nach Zürich, um dort eine Stellung zu suchen. Am 4. oder 5. April 1909 verschwand er spurlos und blieb bisher verschollen. Die Familie nimmt an, das; xr sich zur Fremdenlegion anwerben ließ und wurde in dreier Auffassung bestärkt durch die Nachricht, von der Anfang Januar 1910 in Udjda erfolgten Erschießung eines Frerndenlegronärs
-Müller, der wegen Desertion vor dem Feinde kriegsgerichtlich verurteilt worden war. Der Verschollene hatte nämlich einen Freund, namens Hermann Müller, der m Fauerbach bei Stuttgart als Postanwärter angestellt war. Die 2fanmje vermutet, daß Schweizer den Namen seines Freundes Muller angenommen habe, um unerkannt in der Fremdenlegion verbleiben zu können, zumal er keinerlei Legitimationspapiere bei sich hatte. Als er dann später in Algier seine Nationale angeben mußte, nannte er sich bei seinem richtigen Namen Schweizer, worauf die Eintragung in die Liste der 13. Kompagnie deS 1.J’rrcmbcn- legionärregiments unter dem Doppelnamen Schweizer-Müller erfolgt sein dürfte. Hierauf ist auch wohl die Verwechslung zurück- zuführen, daß man in dem Erschossenen einen Schweizer namens Müller sah.
Ausland.
Rücktritt deH Botschafters CarkWright.
Der bekannte deutsch-feindliche englische Botschafter in Men, Sir Cartwright, hat seinen Rücktritt genommen. Die amtliche Mitteilung des Rücktritts besagt, daß er „aus Privatgründen" frutikftretc.
Kampfe um Nanking.
Bei Nanking haben in den letzten zehn Tagen heftige Gefechte stattgefunden. Nach den letzten Nachrichten schließen die nordchinesischm Truppen unter General Changshun die Stadt ein. Sie sind letzt endgültig int Besitz des Purpurberges, der den Schlüssel zu Nanking bildet.
Line große Jahrhundertfeier in Singen.
i. Köln, 27. Aug. (Eigener Drahtbericht.) Einer Anregung der leitenden Parteikreise der Nheinprovinz folgend, haben sich die landschaftlichen Verbände der nationalliberalen Partei der Rheinprovinz, der Provinz Hessen-Nassau, des Großherzogtums Hessen, der bayer. Pfalz und des Groß- herzogtums Baden verständigt, den Tag der hundertjährigen Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig in würdiger Weise gemeinsam zu feiern. Als Festort ist Binge n ausersehen, das durch seine äußerst günstige Lage mit vorzüglichen Eisenbahnverbindungen und einer neuen geräumigen Festhalle geeignet erscheint, eine recht stattliche Teilnehmcrzahl zusammenzuführen. Die Feier ist so gedacht, daß am Abend des 18. Oktobers ein großer Kommers abgchalten wird, dem dann der eigentliche Festakt am Sonntag, den 19. Oktober nachmittags folgen soll. Ein besonderer Festausschuß aus Vertretern der landwirtschaftlichen Verbände wird in den nächsten Tagen in Bingen zur Festsetzung der Einzelheiten der Feier zusammentreten.
Ans Stadt und Land.
Gießen, 27. August 1913.
" Vom Großh. Hofe. Der Groß Herzog ist heute nacht mit Gefolge von Kelheim in Frankfurt eingetroffen und begab sich hierauf im Auto nach Jagdschloß Wolfsgarten. — Prinz und Prinzessin Reinhard zu SolmS-Lich nebst drei Prinzessinnen-Töchter sind gestern vormittag zum Besuch im Jagdschloß WolfSgarten eingetroffen.
* Die beiden Kindergärten werden nächsten Dienstag nach vierwöchentlichen Ferien ihre Tätigkeit wieder beginnen, zur Freude der Kleinen und ihrer Eltern. Wer Gelegenheit hatte, zu beobachten, wie vergnügt die Kinder in dem schönen Garten — einem unvergleichlichen Aufenthalt für sie — unter sorgfältiger Aufsicht sich herumtummeln, wie geschickt die kleinen Finger unter der freundlichen Anleitung der „Tanten" ihre niedlichen Kunstfertigkeiten und Arbeiten zustande bringen, wie flott und fröhlich sie ihre Kinderlieder fingen und Lust und Frohsinn mit nach Hause bringen,, der kann sich nur freuen, daß in Gießen so vorzüglich für die Kinder aus allen Kreisen der Bevölkerung gesorgt ist, und der muß beiden Kindergärten ein fortdauerndes Blühen und Wachsen wünschen.
Kreis Büdingen.
-2. Liß berg, 26. Aug. Nach langer Unterbrechung wird am nächsten Sonntag, den 31. d. MtS., wieder einmal ein kirchliches Fest gefeiert: das JahreSfest der inneren Mission deS Dekanats Büdingen. Der Festgottesdienst beginnt um 3 Uhr. Festprediger ist der Vereinsgeistliche für innere Mission, Pfarrer Memmert auS Darmstadt. Um 5 Uhr findet in dem Burggarten eine Nachversammlung statt.
Kreis Alsfeld.
w. Alsfeld, 26. Aug. (Stadtvorstandssitzung.) Anwesend: Bürgermeister Dr. Völsing als Vorsitzender, Beigeordneter Weitz, sowie die Stadtvorstandsmitglieder Koch, Ramspeck, Braun, Gundrum, Klingelhöfsec, Jacob, Enders, Eder, Bastian, Arnold. Zu Beginn der Sitzung teilt der Vorsitzende ein Schreiben deS Kuratoriums der höheren B ü r g e r - (M ü d ch e n -) S ch u l e mit, worin dies dem Stadtvorstand und der Bürgermeisterei dafür dankt, daß der Stadtvorstand den Beschluß faßte, vom Rechnungen iatyr 1914 ab keine Miete mehr für die zur Verfügung gestellten Räume zu erheben. — B a hn ho ss e r w e i t eru n g: hier: Geländeaustausch mit der Alsfelder Möbelfabrik. 'Die Möbelfabrik forderte für das an die Stadt abzuttelende Gelände bei einem Wtstansch mit der Stadt an dem Gäßchen längs dcö Beckertschen AnwesenS 2 für einen Quadratmeter und in dem sogenmmten Liedengäßäx'n 3 für einen und für einen in Wegfall kommenden Strohschuppen 300 Mark Entschädigung. Diese Forderung er- fdjien der Stadtverwaltung zu hoch inib da eine Einigung aus gütlichem Wem' nicht erzielt werden konnte, wurde das Enteign ungsversahren beschossen. Nackidem nun seitens der Eisen- bahnverwaltung angeregt worden war, ob man nicht bod> vlmc Enteignung Übereinkommen könne, trat die Geländeerwerbs Kom - misswn in iwchmalige Vei'lmndlung mit der Möbelfabrik mit dem Vorschlag: Die Möbelfabrik tritt 129 Quadratmeter Gelände an die Stadt zum Balmlwfsvorplatz ab und erhält von der Stadt entlang des Beckertschen Anwesens 2 Quadratmeter für einen; den Ausgleichsrest am Liedengäßchen ebenfalls 2 Quadratmeter ftir einen. Die an diesem Gäßchen sich ergebende Mehr ■ fläche übernimmt die Möbelfabrik und bezahlt dafür 5 Mark pro Quadratmeter. iDie Stadt bezahlt an die Möbelfabrik für den in Wegfall kommenden Schuppen und für das Versetzen der Einsrii'digiing eine runde Entschädigung von 200 Mark. 'Die Alsfelder Möbelfabrik würde int Liedengäßchen etn>a_ 100 Quadrat meter von ber Stadt zu erwerben haben, was ber Stadt eine Einnahme von 500 Mark bringt, hiervon in Abzug gebracht die zu zahlenden 200 Mark für Schuppen und Einfriedigung, so mürbe die Stadt (ben Austausch unberücksichtigt» immer mxt) eine Einnahme von 300 Mark erzielen. Der Antrag wird nach kurzer Verhandlung angcironnnen. — Die Feldbereinigung A l s- feld hat die Anfrage gestellt, ob die Stadt Wsfeld bereit sei, bei etwaiger Uebernahme des Ausbaues von Wegen, Herstellen von - Gräben, Einbau von Durchlässen, Befestigung von Wegstrecken
durch die Feldbereinigung, soweit solche Arbeiten im landespottzei- lichen Bahnprojvlt vorgeseyen sind, die Unterhaltung dieser Anlage nach eigener Vereinbarung mit der Bahnverwaltung über eine Ablösungssumme unmittelbar zu übernehmen. Das Gesuch wurde abgelehnt. — Seitens der Großtz. Kreisbauinspektion war angeregt worden, für die projektierte Junkerngarten st raße, woselbst becherseits keine riefen Bauquartiere vorhanden seien, die Parzellierung der Bauplätze ebenso wie am Walkmühlweg vorzunehmen, d. h. daselbst Kleinwohnungen, Häuschen je für eine Familie ohne QeLmomiegebäude zu errichten. Um mit Sicherheit erreichen zu können, daß die Bebauung in ansprechender Weise erfolge, solle an den Verkauf eines Bauplatzes die Bedingung geknüpft werden, daß das darauf zu errichtende Gebäude ein seinem Zweck entsprechendes gefälliges und die Umgebung nicht verunstaltendes Aeußere erhalte und die Baupolizeibehörde das Recht habe, die Pläne in diesem Sinpe abzuändern, falls dies lohne urrverhältnismäsiae Schädigung des Bauherrn erreichbar ei. Der Stadtvorstand beschloß hieraus von Aufstellung eines Bebauungsplanes für die Junkerngartenstraße abzufehen. Der Stadtvorstand behält sich die Entscheidung über Größe und Lage des abzutretenden Geländes von Fall zu Fall vor. Der Baupolizeibehörde soll das Recht der Abänderung der Baupläne für die im Jünkerngarten zu errichtenden Gebäude eingeräumt, wobei jedoch die Baulusrigen nicht geschädigt werden dürfen. — iDie Herstellung einer elektrischen Freileit ung an der Grünberger Straße wird der Firma Hch. Behrend in Dortmund übertragen., — Der Firma Gebrüder Wallach wird gegen Revers und eine jährliche Anerkennungsaebühr von 50 Psg. gestattet, das Regen- wasser ihres neuen Sägewerks in den städtischen Kanal am Liebenteich leiten zu dürfen. — Das Gesuch des Bolksschriften-Bereins um Gewährung eines Beitrags wurde abgelehnt.
Kreis Lauterbach.
Wal len rod, 26. Aug. Gestern fand der Landwirt Scheig beim Abmähen eines Gerstenfeldes einen kleinen Luftballon mit einer Ansichtskarte in einer ihm unverständlichen Sprache. Die Entzifferung derselben durch den OrtSpfarrer ergab, baß der Ballon anläßlich eines Festes in Enghien-leS- BainS, Departement Seine et Oise, nordwestlich von Paris aufgelassen war und nach einer Luftfahrt von 600 Klm. Luftlinie hier landete. Dem auf der Karte ausgesprochenen Wunsch, Ort und Person deS Finders nach Enghien an die dortige Bürgermeisterei zu melden, wurde nachgekommen.
Kreis Schotten.
— Ulrichstein, 26. Aug. Dem 17jährigen August Furi, ber in die Trommel der Dreschmaschine geriet, wurde nach Mitteilung seiner Angehörigen nicht der Arm, sondern ein Fuß abgerissen. DaS beschädigte Bein muß bis zum Knie abgenommen werden.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 26. Aug. Die Deutschen Somm^rflug- Zeugwerkc, G. m. b. H., mit dem Sitz in Darmstadt wurden in das Handelsregister eingetragen. Das Stammkapital beträgt 100 000 Mk., Inhaber resp. Geschäftsführer sind: Rob. Sommer, Architekt in Bensheim a. B., der die von ihm geschaffenen Konstruktionen von Flugmafchinen und Flugzeugteileir und sonstigen Materialien im Werte von zusammen 49 500 Mk. einlegt, und Architekt Karl Müller in Auerbach a. B., dem die ihm gehörenden Flugzeuge und Flugzeugteile, sowie das von ihm ge- tellte Terrain für die Erbauung der Flugzntghalle angerechnet werden. Mit der Erbauung der Halle ist begonnen.
w SJJorinS, 26. Aug. In einem hiesigen Werke kam heute vormittag beim Reinigen einer Maschine der Schweißer Jakob Uhl, Vater von zwei Kindern, in eine andere Maschine, wobei ihm langsam der ganze Brustkasten eingedrückt wurde. Er war sofort tot.
Hessen-Nassau. ■
Frankfurt a. M., 26. Aug. Gegen Professor Ehrlich und gegen die städtischen Krankenanstalten waren Beschuldigungen erhoben worben, die inbeffen unrichtig sind. Wie der Magistrat erklärt, sind niemals Prostituierte zu Experimenten mit Salvarsan benutzt worden, sondern für die Heilung ber Mädchen ist, lüie überall, so auch in Frankfurt auch Salvarsan angewendet worben und zwar mit bestem Erfolge. Daß dadurch Todesfälle herbeigeführt worden seien, ist unrichtig. Ebenso trifft eS nicht zu, daß die Staatsanwaltschaft gegen den Urheber der falschen Nachrichten ein Verfahren eingeleitet und wieder eingestellt habe.
Uttiverfotäto*Kad>ricbtem
rm. Darmstadt Ein außerordentlicher Lehrstuhl für das Flugwesen soll mit dem nächsten Semester an der hie- igen Hochschule errichtet werden. Hierzu wurde der derzeitige Leiter der Fliegerstation in Döberitz, Diplom-Ingenieur Karl Eberhardt in Berlin-Reinickendorf berufen, der, wie wir er- obren, den Ruf auch angenommen hat.
Landwirtschaft.
F.E. Vilbel, 26. Aug. Auf dem bis heute währenden Ziegenmarkte waren insgesamt 131 Ziegen und Böcke aufgetrteben, meist Prachtexemplare. Bei der Prämiierung wies der Vorsitzende des .Krcisziegenzuchtvereins, Oekonomierat Spieß-Friedberg besonders darauf hin, daß der heutige Ziegenauftrieb gegen ben des Vorjahres — 70 — beweise, welche Förberung der Ziegenzucht in Oberhessen zuteil geworben sei. Er bankte vor allem der Land- wirtschaftSkammer für die Provinz Oberhessen und anderen, die für die heutige Schau Preise zur Verfügung gestellt haben.
Lnftschi-fahrt.
Neue Fliegerleistungen.
Flugplatz Johannisthal, 26. Aug. Der Flieger S t ö f f l e r startete heute morgen um 5.45 Uhr auf einem Aviarik- Doppcldeckcr in Mülhausen zu einem größeren Ueberlandflug und landete nach einer Zwischenlandung um 4 Uhr auf dem Flugplatz Johannisthal nach Zurücklegung von 700 Kilometern in 7 Stunden 15 Mnuten. Er gedenkt den Flug beute noch fortzu- sctzen, um die Leistung des Piloten Friedrich für die größte Ucbcrlandstrccke an einem Tage zu überbieten. — Nach einer späteren Meldung ist er um 5 Uhr 27 Mitt. zum Weiterflug wieder aufgefriegen.
Heber StösslerS Flug erhalten wir noch folgende Meldung:
Johannisthal, 26. Ang. Viktor Stöffler, der heute nachmittag 4 Uhr von Mülhausen in Elsaß kommend in Johannisthal gelandet war, ist um 7x/3 Uhr, 40 Kilometer vor Insterburg glatt gelandet. Die Entfernung Mülhausew-Ber- lin-Jnsterburg beträgt 1200 Kilometer. Der Flug ist die größte Leistung, die bis jetzt von einem deutschen Flieger in einem Tage voll führ t wurde. Stöffler beabsichtigt, von Insterburg nach Berlin zu fliegen, um am Samstag an dem Wettfliegen rund um Berlin teilzunehmcn.
Neumünster, 26. Aug. Der Flieger Steffen stieg heute nachmittag 12.34 Uhr zu einem Dcruerflugc um den Preis der Nanonalflugspende auf und landete nach einem ununterbrochenen Fluge von 6 Stunden 48 Minuten nm 7.30 Uhr, weil er seinen Benzinvorrat vvllständcg verbraucht batte. Er erhält 6000 Mvrk und 2000 Mark Monatsrentc. Der bisherige Rekord wurde von Leutnant Eantcr mit 6 Stunden 19 Minuten gehalten.
Kleine Tageschronik.
Der Prokurist Karl Steeg von der Düsseldorfer Filiale des Schaaffhauscnschen Bankvereins ist in Donaueschingen verhaftet worben.
Der „Berliner Loral-Anzeigcr" meldet aus Lemberg: viuf den Schnellzug Stanislau—Lemberg wurde von Banditen ein Anschlag, verübt, indem sie gegen 30 Schüsse abfeuerten, durch welche die Fensterscheiben d<w Waggons zertrümmert wurden.
(Ein (Eisenbahnunfall
auf der Streife Königsberg=BerIin.
Aus Könitz wird amtlich gemeldet: Ber der Durchfahrt des V-Zuges 10 von Flatow in den Bahnhof Krojanke um 10.59 Uhr lief am gestrigen Dienstag ber letzte Wagen außerhalb des Gleises. Beim Uebersahren der Kreuzungsweiche 9 schlug der Wagen um. Der Zug kam sofort zum Halten. Entgleist ist nur der letzte Wagen, anscheinend durch Achsenschenkelbruch. Getötet wurde eine Militärperson, schwerverletzt wurden zwei Personen. Das Gleis 1 war etwa eine Stunde gesperrt. Der V-Zug 10 fuhr nach etwa llrStunden Verspätung weiter. Der Betrieb wurde nach einer Stunde unter Zuhilfenahme der lieber- holungsgleise ausgenommen. Die Aufräumungsarbeitcn auf dem durchgehenden Hauptgleis werden voraussichtlich abends beendet.
Berlin, 27. Aug. Der Unglückszug aus Königsberg, dem kurz vor der Station Krojanke von dem letzten Passagierwogen die Vorderachse brach, traf gestern nachmittag gegen 4 Uhr auf dem Schlesischen Bahnhof ein. Es war angeordnet worden, die noch im Zuge befindlichen Verletzten sofort nach dem Bahnhof Friedrichstraße zu bringen, wo der Dahnarzt mit einigen im Rettungsdienst geschulten Bahnbecrmten den Zug erwarteten. Eine Dame, die allem Anschein nach sehr schwer verletzt war, wurde in ein nahegelegenes Hotel gebracht. Einigen anderen leichter verletzten Passagieren wurde im Zimmer des Bahnhofsvorstehers die erste Hilfe zuteil.
Ein Passagier rnachte einem Mitarbeiter der „Voss. Ztg." olgende Angaben:
Wir befanden uns in dem letzten Durchgangswagen, der mit Passagieren mit dem Ziel Berlin dicht besetzt war. Unterwegs fiel uns schon auf, daß dreimakaufoffener Strecke gehalten wurde. Ungefähr 50 Kilometer vor Krojanke vernahmen wir ein verdächtiges Surren ; gleichzeitig flogen Steine vor t>em Fenster in die Höhe. Ein Herr war im Begriff, die Notleine zu ziehen, als ein dumpfer, dröhnender Schlag erfolgte, durch den ein markerschütternder Schrei der zu Tode erschrockenen Frauen und .Kindern hindurchgellte. Unser Wagen war vollkommen umgekippt. Die Fensterscheiben schauten nur als drohende Scherben au? dem Rahmen heraus. Die Sitzbänke waren abgebrochen und die Passagiere lagen im wirren Knäuel durcheinander. Die Befreiung aus dem umgekippten Wagen fand durch Leitern statt. Man war Taum aus dem Magen heraus, als ftnan aus demselben Flammen -emporzüngeln sah.
Amtlicher wettervencht.
Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.
Wetteraussichten in Hessen tür Donnerstag, den 28. Äug. 19131 Meist heiter und trocken, warm, GewiNerneignug.
Letzte Nachrichten.
Rücktritt de8 serbischen Ministerpräsidenten?
Belgrad, 27. Aug. In den letzten zwei Tagen finb hier , Kr is e nge rü ch te im Umlauf. Es verlautet, daß Ministerpräsident P a s i t s ch und mit ihm auch seine Stützen, der Finanzminifter und der Minister des Innern, zum Rücktritt entschlossen seien. Ueber die Beweggründe .sind zwei Lesarten verbreitet. Nach der einen seien die drei Minister und befortberä Pasitsch infolge der Anstrengungen und Aufregungen der letzten Monate in hohem Grade übermüdet und ruhebedürftig. Es wird aber auch erzählt, daß seine Amtsmüdigckeit auf angebliche Unstimmigkeiten zurückzuftihren sei, die z-wischen der Regierung und den Militärkreisen über die A r t der Verwaltung in den neuen Gebieten herrsche sollen. Die Militärkreise halten eine feste Hand und ein strammes Regiment in den neuen Provinzen, namentlich für die nächsten fünf bis sechs Jahre für unerläßlich, damit da nicht wieder das Unkraut der nationalistifchen Umtriebe auf- schieße und alles jetzt Erreichte in Frage stelle. Die Regierung hingegen soll ein liberales Regime wünschen, damit die Neuserben der Segnungen: ber neuen Aera in tunlichst weitem Umfang teilhaftta werden. Viele Kenner der Taktik Pafitschs glauben aber, oaß hier wieder eines seiner Manöver vorliegt zur Ueberwindung irgendwelcher Schwierigkeiten.
Unnachgiebigkeit Bulgariens?
Kö.ln, 27. Aitg. Entgegen Wiener und Konstantinopeler Meldungen betont der Korrespondent der „Köln. Ztg." in Sofia auf das bestimmteste, daß die bulaa- r i s ch e Regierung bisher nicht mit der Türkei wegen Thraziens und Adrianopels verhandelt hat. Sie beabsichtige auch nicht solche Schritte, die an entscheidender Stelle als unmöglich bezeichnet würden. Bnlgarien erwartet, daß der von den Großmächten den Balkanstaaten aufgezwnnaene Londoner Friede von ersteren auch durchgeführt itrito.
Englische Marineoffiziere in griechischen D i e u fr e n.
Athen, 27. Aug. Die neue englische Marine- mission, die am 7. September ihren Dienst in Griechenland antreten soll, besteht aus dem Chef der Mission, oem Kontreadmiral Mark Kerr und 17 Offizieren, die verschiedenen Zweigen der Marine zugeteilt sind. Die englischen Offiziere werden bei ihrem Eintritt in die griechische Marine zn dem nächsthöheren Rang befördert. Der Kontrakt ist auf zwei Jahre abgeschlossen.
sTie Meinungsverschiebenheiten im Fliegerklub Frankreichs.
Paris, 27. Aug. Der Beschluß des Vorstandes des Aero- llubs von Frankreich, nach welchem der Wettbewerb unt ben Gordon-Bennett-Preis auf dem Flugplatz von Reims ftattfinben soll, der zur Konkursv^affe bes verhafteten Schwinblers Deperdussin gehört, rief vielfach Mißbilligung hervor. So ist ber bekannte Aeroplankonstrukteur Louis Bl6- rtot infolge dieses Beschlusses aus dem Borstanb bes Aeroklubs ausgeschieden, ebenso ber Abgeorbnete B e n c s c t_, welcher den Bericht erstattete für das Militärwesen. Auch hat Henri de le V a u l x, ber bekannte Erbauer unb Lenker von Luftschiffen, dessen Ansichten häufig int Widerspruch zu jenen der Flieger stehen, die den Aewllub beherrschen wollen, seinen Austtitt aus dem Vorstände des Klubs angcmeldet.
Deutsche Flieger.
Darm stabt, 27. Aug. Die betben Fliegeroffiziere, Lt. Zwickau unb Lt. Klees, bie am Samstag nachmittag auf dem Exerzierplatz gelandet waren, stiegen heute früh zur Weiterfahrt nach München auf.
Der Flieger 2 cf ort
Paris, 27. Aug. Der Flieger Lefort, der vor Mitternacht aus Danzig eingetroffen ist, erklärte, daß er durch die hereinbrechenbe Nacht verhindert wurde, die ihm zur Erringung des Pommerypokals noch fehlenden 50 Kilometer zurückzulegen. Er fei bei Erledigung der Formalitäten von den deutschen Behörden außerordentlich liebenswürdig behandelt worden.
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